Farbechte Fotografie mit dem ColorChecker

Bei mir ist via Mail eine Frage eingelangt, die ich als Blogpost beantworten möchte, da ich glaube, dass sie für viele Fotografen interessant sein dürfte. Ist geht in der Frage darum, wie man mit Hilfe von X-Rites ColorChecker die Farbechtheit seiner Aufnahmen verbessern kann.

Ich habe vor längerer Zeit mit dem X-Rite ColorChecker Passport Photo experimentiert. Leider unterstützt X-Rite nur Adobe-Produkte direkt, so dass man bei der Arbeit mit Programmen anderer Anbieter auf ICC-Profile verwiesen. Ich habe diesen Weg also in Capture One ausprobiert. Die Arbeitsweise hat sich als umständlich erwiesen, zufrieden stellende Ergebnisse habe ich nicht erzielt.

Vielleicht hätte ich durch weiteres Experimentieren bessere Ergebnisse erzielen können, doch dafür wollte ich dann doch keine Zeit mehr aufbringen. Gemacht habe ich den Versuch ohnehin nur aus Neugier und um zu erfahren wie es generell zu machen wäre.

Bereits als ich vor Jahren mit Weißabgleichsmessungen mit Hilfe einer Graukarte gearbeitet habe, sowohl mit Messung der Kamera als auch durch Korrektur des Abgleichs am Computer, ist mir bewusst geworden, dass das in erster Linie sinnvoll ist, wenn man als Auftragsfotograf beispielsweise Produkte oder Farbmuster absolut Farbecht fotografieren muss. Bei meinen eigenen Versuchen, meist im Studio mit Fotomodellen, habe ich erfahren, dass ein neutraler Weißabgleich meinen Aufnahmen überhaupt nicht gut steht. Er wirkt zu kühl. So gut wie immer habe ich ihn von der Neutralkorrektur weg in einen etwas wärmer wirkenden Ton gedreht. Wenn der Weißabgleich am Ende aber ohnehin nach Gefühl korrigiert wird, hat der Einsatz einer Graukarte keinen Sinn.

Nun mag man so lange man sich nie in der Tiefe mit Farbe befasst hat denken, dass das richtigste doch ist Farben richtig zu fotografieren. Doch was sind richtige Farben? Sieht man eine Farbe um 12 Uhr Mittags richtig oder um 6 Uhr Morgens? Bei wolkenlosem Himmel oder unter dichter Bewölkung? Unter Büro-, Wohnzimmer- oder Normlicht?

Ist eine Farbe dann richtig aufgenommen, wenn sie unter einer bestimmten Bedingung (Normlicht) reproduzierbare Farbwerte abgibt, oder wenn die Farbwerte dem entsprechen wie wir sie unter den gegebenen Lichtbedingungen wahrnehmen? Wenn man eine Aufnahme eines Sonnenuntergangs per Graukarte neutralgrau abgleicht – sofern man das überhaupt könnte; unter intensiv gelblichem Licht fehlen die Blauanteile des Spektrums und ein neutralgrauer Abgleich ist gar nicht mehr möglich –, ist die Sonnenuntergangsstimmung dahin. Wenn ihr ein Candle-Light-Dinner oder eine Lagerfeuerszene versucht neutralgrau einzustellen, wirkt das Ergebnis falsch.

Man darf sich also die Frage stellen, wie sinnvoll ist die Suche nach der perfekt neutralgrauen Einstellung überhaupt und welcher Aufwand rechtfertigt sich dafür. Für den ColorChecker gilt das in meinen Augen abseits der Produkt- und Farbmusterfotografie umso mehr.

Ein Gedanke zu „Farbechte Fotografie mit dem ColorChecker“

  1. Da stimme ich Dir voll zu, diese Erfahrung hab ich auch gemacht als ich eine Zeitlang einen Spydercube mitschleppte und überall ein Weißabgleichsfotos gemacht hab. Mag ja technisch dann ein guter Weißabgleich sein, sieht aber langweilig aus.

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