Direkt zum Inhalt

Monat: September 2015

Sony oder Olympus?

Posted in Fotografie

Gestern erreichte mich eine interessante Frage eines Lesers:

»Ich bin kurz davor in eine neue (Semi)-Profi Kameraausrüstung zu investieren. … Nachdem ich mir diverse Systeme angeschaut habe, stehen nun für mich die Systemkameras von Olympus und Sony im grossen Finale. … Gerne würde ich noch weitere Erfahrung von Ihnen zu Olympus hören.«

Sonys Spiegellose bekommen viel begeisterten Beifall und mit Zeiss als Partner steht die Qualität der Optiken wohl außer Frage. Es ist auch kein Geheimnis, dass Sony die besten Sensoren baut – auch Nikon und Olympus vertrauen darauf.

Betrachtet man die reine Bildqualität haben Sonys Kleinbild- gegenüber Olympus’ MFT-Kameras zweifellos die Nase vorne – ein größerer Sensor ist ein größerer Sensor. Der größere Bildwandler bringt auch den Vorteil geringerer Schärfentiefe, was allerdings nicht generell ein Vorteil ist.

Obwohl sich der qualitative Unterschied zwischen kleineren und größeren Sensoren nicht von der Hand weisen lässt, sollte man sie nicht überbewerten. Wir sprechen hier vom Unterschied zwischen Phantastisch und noch ein bisschen besser als Phantastisch. Meist ist der Vorteil größerer Sensoren eher mess- als sichtbar. Vor allem so lange man keine hohen Auflösungen für Prints in Formaten von deutlich über A3 benötigt, und es sich nicht um Motive handelt in denen Details und feine Strukturen eine zentrale Rolle spielen können.

Fotografieren wir Landschaften oder Architektur darf durchaus davon ausgegangen werden, dass interessierte Betrachter gelegentlich einzelne Details in Augenschein nehmen, und dazu ganz nah an den Print herantreten. Bei kräftiger Vergrößerung würden dann Unschärfe oder pixelige Strukturen den Bildeindruck stören.

Bei vielen anderen Motiven jedoch ist eine solche Detailuntersuchung kaum zu erwarten – wer sollte schon Interesse haben die Hautstrukturen eines Porträts unter die Lupe zu nehmen (außer vielleicht ein Hautarzt). Beträgt der Betrachtungsabstand eine Armlänge und mehr spielt die Auflösung kaum mehr eine Rolle – ein Unterschied zwischen einem Print mit 150ppi und einem mit 300ppi ist praktisch nicht mehr zu erkennen. Dies habe ich beispielsweise in meinem Buch »Grafik und Gestaltung« mit mehreren Abbildungen demonstriert (für alle die das Buch zufällig besitzen). Bei der Distanz aus der man Poster üblicherweise betrachtet ist auch zwischen 72ppi und 300ppi kein Unterschied mehr zu erkennen.

Bis A3 dürfte der Qualitätsunterschied von Kleinbild- und MFT-Kameras auch bei 300ppi kaum relevant sein. Die Brillanz der Linsen und die Präzision der Aufnahme spielt dabei in der Regel die größere Rolle. Die praktische Frage bei der Entscheidung für eine Kamera ist für mich deshalb nicht »wie viel Auflösung kann ich kriegen?« sondern »wie viel Auflösung brauche ich?«

Mehr Auflösung als man braucht ist kontraproduktiv, denn zu viel Auflösung ist überflüssiger Ballast bei der Bildbearbeitung. Festplatten gehen ebenso rascher über, wie Prozessoren unter der Datenlast stöhnen und die Workflows der RAW-Konverter zähflüssiger werden lassen.

Die große Stärke von MFT und der Grund weshalb ich mich dafür entschieden habe und glücklich damit bin, ist die Kompaktheit des Systems. Sony mag noch so kompakte Kleinbildkameras bauen, die Optiken werden immer größer und schwerer sein als bei Olympus und Panasonic, und zwar deutlich. Ist man häufig unterwegs und beabsichtigt mehr als nur eine Kamera mit einem Objektiv dabei zu haben, darf man MFT keinesfalls außer Acht lassen. Deshalb frage ich immer zuerst nach der Bedeutung von Transportabilität, wenn ich um einen Tipp bezüglich Kamerakauf gebeten werde.

Hat Mobilität keine Bedeutung, fotografiert man in erster Linie daheim oder im Studio, beabsichtigt auch Locations unterwegs bequem mit dem Auto anzufahren und spielt Mobilität somit generell keine Rolle, fehlen die Argumente pro MFT und es gibt gute Gründe anderen Systemen den Vorzug zu geben. Doch wenn es um den optimalen Kompromiss aus Abbildungsqualität, Möglichkeiten und Transportabilität eines Systems geht, ist MFT unschlagbar.

»… Sony bietet einen genialen Vollformatsensor mit 42 Megapixel … Wenn ich jetzt investiere, will ich eine gewisse Nachhaltigkeit erreichen und mir möglichst viele Einsatzmöglichkeiten offen halten.

Bezüglich Print werde ich mich je nachdem zwischen A4 und F12 bewegen aber auch die Auflösung bei Bildschirmen wird immer höher und die Anforderung an hochaufgelöste Bilder/Videos in 4K ist keine Zukunftsmusik mehr.

… Jedoch ist da der kleinere MTF Sensor und auch die Technik im Gehäuse ist nicht ganz so fortschrittlich wie Sony.«

Wenn ich das korrekt deute, liegt die Präferenz bei Sony. Ich kann nur raten dem persönlichen Bauchgefühl zu folgen. Kein Hersteller baut schlechte Kameras, alle haben Stärken und Schwächen, jeder Fotograf jagt andere Motive, fotografiert anders und hat individuelle Vorlieben. Entscheidungen gegen den Bauch gehen meist schief, mögen sie rational noch so gut begründet scheinen. Auch wenn sich das viele Kamerakäufer wünschen würden: Die generell beste Kamera gibt es nicht. Vielmehr muss man nach der Kamera suchen, die für einen selbst am besten passt.

F12 ist ein recht großes Format (268,5 cm × 128 cm, ein Plakatformat in der Schweiz – musste erst einmal googeln) für das die hohe Auflösung einer Sony A7R II durchaus sinnvoll ist. Zwar bietet Olympus mit der Pixel-Shift-Funkion eine vergleichbare Auflösung, allerdings bislang nur für unbewegte Motive und mit Stativ (man munkelt die E-M1 II solle Pixel-Shift auch aus freier Hand möglich machen).

Dass 4K- und 5K-Monitore im Anflug sind ist Tatsache. Ich weiß die feine Auflösung des Retina-Displays meines MacBooks zu schätzen, allerdings eher in Bezug auf die Darstellung von Text, Schrift und Vektorgrafiken. Bei der Betrachtung von Fotos hingegen ist der Unterschied zu geringer aufgelösten Displays zu vernachlässigen. Gerade aus der Distanz aus der Betrachter Fotos bei einer Diashow folgen ist eine geringere als für das Medium optimale Auflösung in der Regel kein Problem, ein Unterschied nicht wahrnehmbar.

Die Ansicht, dass Sony gegenüber Olympus überlegene Technik verbaut teile ich nicht. Zwar genießt Sony den Ruf der innovativste Kamerahersteller zu sein, doch ich sehe es wie Steve Huffs der Olympus für den eigentlichen Innovator der Branche hält. Olympus hatte als erstes Live-View, als erstes Sensorreinigung (und lange Zeit, vielleicht noch heute, die effizienteste), Olympus hat zusammen mit Panasonic das Segment der Spiegellose Systemkameras erfunden, hat mit Pixel-Shift in den Massenmarkt eingeführt, hat den Retro-Trend begründet, hat lange vor Sony 5-Achsen-Bildstabilisierung geboten und gilt damit als Branchenprimus. Sony ist innovativ, keine Frage, aber Olympus kaum weniger.

Panasonic 100–300 oder Olympus 75–300

Posted in Fotografie

Eigentlich bin ich kein deklarierter Fan langer Telebrennweiten. In der Tat könnte ich gut auf alles über 120mm verzichten. Aber warum sollte man?

Preiswert, wenn auch nicht unbedingt professionell

Als MFT-User ist es besonders leicht an extrem lange Brennweiten zu kommen oder zumindest budgetär nicht besonders schmerzhaft, wobei nicht unter den Tisch fallen soll, dass es für Fotografen mit professionellen Ansprüchen bislang kein MFT-Supertele gibt (allerdings ist von Olympus ein 300mm ƒ4 angekündigt). Aufgrund des Formatfaktors von 2 ergibt ein 300mm Tele an einer Kamera von Olympus oder Panasonic den Bildausschnitt eines 600mm Superteles an einer Vollformatkamera.

Panasonics Supertelezoom

Im Juni 2014 stockte ich meinen MFT-Objektivpark durch das Lumix G 100–300mm ƒ4.0–5.6 (629,– bei Panasonic, 479,– bei Amazon) auf. Zu einer Konkurrenz für meine Lieblingslinsen ist es seither zwar nicht geworden, was auch keineswegs zu erwarten war, doch missen möchte ich es auch nicht mehr. Immerhin hat es dazu geführt, dass sich das lange Tele bei mir rehabilitieren konnte. Und zu einem Preis von grob gesagt 500 Euro ist es im Verhältnis ja wirklich eine recht überschaubare Investition.

_EM12322
_EM12322b
Nicht nur das Bokeh des 100–300mm Lumix Objektivs finde ich überzeugend (im oberen Gesamtausschnitt gut zu sehen), auch die Schärfe kann sich durchaus sehen lassen (im unteren 100-%-Ausschnitt nachzuprüfen). Natürlich wirkt der 100-%-Ausschnitt nicht »rattenscharf«. Allerdings setzte ich das Objektiv nur selten so ein, wie man es sollte – nämlich mit einem Stativ, zumindest einem Einbein. Die Wiedergabe hier auf der Website erfolgt allerdings als komprimiertes JPEG und in etwa der vierfachen Größe einer Druckwiedergabe bei 300ppi, was dem tatsächlichen Schärfeeindruck nicht wirklich angemessen entspricht.
_EM12359
_EM12359b
Natürlich kommt man meist nur im Tierpark so nahe an ein Reh ran. Trotzdem: Mit einem »moderaten« Tele läuft hier wenig. Für diese Aufnahme stand das Zoom bei 258mm, also über 500mm Kleinbild. Die Unschärfe der Detailaufnahme würde ich einem Mix aus Verwackelung durch 1/250 S Verschlusszeit und hoher ISO-Empfindlichkeit von 1600 zuschreiben. Der Gesamtausschnitt ist dennoch überzeugend. Und wie gesagt: Einen 300ppi Ausdruck muss man sich etwa viermal kleiner als den Tatsächliche-Pixel-Ausschnitt vorstellen.
_EM12504
_EM12504b
Scheu wie Vögel nun einmal sind ist es auch mit 600mm Kleinbild nicht einfach brauchbare Schnappschüsse von ihnen einzufangen – ich bewundere diesbezüglich die Geduld von Wildtierfotografen.
_EM12536
_EM12536b
Der 100-%-Ausschnitt unten vermittelt durchaus einen Eindruck davon was aus dem Objektiv an Details rauszuholen ist, wenn die Aufnahmebedingungen stimmen. Mit Stativ ist sicher och mehr drin.
_EM53229
_EM53229b
Der gemeine Sperling, oder wie man bei uns sagt »Spatz«, ist ja wirklich kein besonders exotisches Motiv. Ich mag aber die kleinen Proleten – und für eine witzige Aufnahme sind sie immer wieder gut. Ausreichend Brennweite ist dennoch nur selten verzichtbar.
_EM53356
Street Photography ist an sich Domäne normaler Brennweiten. Aber wenn man ein schüchterner Zeitgenosse wie ich ist, betätigt man sich trotzdem lieber als Heckenschütze aus dem Hinterhalt.
_EM53905
Gefährliche Raubtiere sollte man ebenfalls nur mit langen Teleobjektiven aus sicherer Entfernung aufnehmen (falls ihr nicht glaubt, dass dieser Hund ein Berserker ist – ihr hättet ihn sehen sollen, wenn sich eine Wespe ins Führerhaus verirrte!)
_EM54024
Ein Blick vom Dach.
_EM11204
Man kann mit langen Brennweiten natürlich auch gut freistellen.
P8213256
Das geringe Ansehen langer Brennweiten rührt bei mir daher, dass ihre perspektivischen Auswirkungen eher bescheiden sind. Bei 200mm oder 300mm Brennweite (KB) ist die Perspektive »einfach nur Flach«. Das Panasonic 100–300mm hat mich allerdings gelehrt, dass bei Brennweiten die in Richtung 600mm KB gehen eine dermaßen extreme Verdichtung geschieht, dass der Reiz in meinen Augen wieder drastisch zunimmt.
_EM11178
Bei dieser Aufnahme treffen sich perspektivische Verdichtung des Hintergrunds mit einer durchaus brauchbaren Freistellung der Hauptprotagonisten.
P8213242
Was hier recht dicht aufeinander zu liegen scheint, liegt tatsächlich in viel größerem Abstand auseinander. Die Aufnahme wirkt auf den Besucher des Strandes ausgesprochen überraschend, nimmt man die Distanzen vor Ort doch vollständig anders wahr. Das extreme Tele schafft hier somit eine deutlich bemerkenswertere Wirkung als die von mir so geschätzten Weitwinkel.
P8213244
Die Verdichtung der Tiefe hat dieses Frachtschiff hier an der Küste von Pas-Nord-de-Calais sehr nahe an den Stand geholt.
_EM11211
Zu einer regelrecht surrealen Wirkung führte hier die »Landschaftsaufnahme« aus großer Distanz. Die Hafenkräne im Hintergrund befinden sich tatsächlich in einer Entfernung von mehreren Kilometern zum Badestrand.
_EM54054
Wer schon einmal probiert hat mit einer »normalen« Brennweite den Mond zu fotografieren, kennt das Problem: Selbst bei relativ langen Brennweiten wird er meist nur zum kleinen Punkt am Himmel. Durch die extreme perspektivische Verdichtung bei 600mm KB jedoch konnte ich ihn nah an meine Frau, die hier an einem Strand in Holland sitzt, heranbringen.

Ich habe also in den vergangenen Monaten Panasonics Supertele mehr und mehr zu schätzen gelernt, vor allem auch durch die zuletzt abgebildeten Aufnahmen dieses Sommers von der französischen und holländischen Nordseeküste.

Olympus’ Supertele

Nun gibt es allerdings als Gegenstück zu Panasonics 100–300mm auch ein Supertele aus dem Hause Olympus, nämlich das M.Zuiko 75-300mm 1:4.8-6.7 II (599,– bei Olympus, knapp 420 bei Amazon), und ich begann mich zu fragen, ob dieses nicht die bessere Alternative zu meinem Panasonic sein könnte. Dabei ist es nicht nur der Verdacht, »das Andere« könnte besser sein als »das Eigene«. Tatsächlich zeigt Panasonics 100–300mm auch klare Schwächen.

Schwächen des Panasonic-Telezooms

So ist die Fokussierung teilweise schon recht schwierig und selbst segelnde Vögel sind oft kaum besser scharf zu bekommen wie pfeilschnelle Flieger. Natürlich weiß ich, dass die Kontrasterkennung spiegelloser Kameras diesbezüglich noch deutlich hinter der Phasenerkennung von DSLRs zurück hängt – dass Spiegellose diesen Nachteil mittlerweile abgebaut hätten, ist nach meiner Erfahrung schlicht und einfach nicht wahr. Dennoch fragst du dich bei jedem missglückten Versuch ob es mit einem anderen Objektiv an der Kamera nicht doch ein bisschen besser ginge (was eigentlich in dieser Beziehung ein bisschen dämlich von mir ist, schließlich geht es mit dem exzellenten 40–150-mm-2.8-Profiobjektiv von Olympus auch nicht viel besser).

Ein zweiter Punkt ist der, dass ich bei meiner Reise durch Belgien, Frankreich und Holland häufig meine E-M5 mit 12–40mm und die E-M1 mit 100–300mm umhängen hatte. Das Loch zwischen 40mm und 100mm ist in der Praxis gewaltig und ich argwöhnte, dass es mit einem 75–300mm eine geringere Einschränkung geben könnte (ich weiß, das ist jetzt eine seltsame Anmerkung von Jemandem der sich brüstet schon mehrfach mit einer einzigen Festbrennweite auf Reisen gegangen zu sein).

Vergleich

Um herauszufinden und zu berichten wie sich für mich das 75–300mm im Vergleich zum 100–300mm schlagen würde bat ich meinen freundlichen Fachhändler, Foto Hebenstreit, wieder einmal um ein Testobjektiv.

objektive
Links Panasonics Lumix G Vario 100–300mm ƒ4.0–5.6 OIS, rechts Olympus M.Zuiko Digital ED 75–300mm 1:4.8–6.7 II

Pro Pana: Etwas lichtstärker

Dem Kenner fällt als erstes auf, dass Olympus’ Supertele schlechtere Zahlen bei der Lichtstärke ausweist. Allerdings kann man bei 5.6 bzw. 6.7 nicht mehr unbedingt von Lichtstärke sprechen, sondern sollte eher den Begriff »Lichtschwäche« verwenden. Dem ist allerdings entgegen zu halten, dass ƒ5.6 bei 600mm KB so schlecht gar nicht ist. Trotzdem: Der Unterschied von 5.6 zu 6.7 macht den Braten auch nicht mehr fett.

Olympus: Kompakter und leichter aber ohne Streulichtblende

Wohlwollend ist mir beim Auspacken sofort aufgefallen, dass Olympus’ Supertele kompakter und leichter ist als Panasonics, und zwar mehr, als es auf der Aufnahme oben scheint. Weniger wohlwollend nahm ich zur Kenntnis, dass Olympus wie so oft mit der Streulichtblende geizt – ein wichtiges Zubehörteil, das bei Panasonic selbstverständlich dabei ist.

Vergleichbarer Materialeindruck

Bei Haptik und Verarbeitungsqualität würde ich die beiden Objektive als gleichwertig einstufen, auch wenn sie sich jeweils unterschiedlich anfühlen. Zoom- und Fokusring laufen sauber und geräuschlos, der Fokusring beim Panasonic deutlich schwerer, wobei ich nicht sagen könnte ob ich das jetzt besser oder schlechter finde.

Olympus: Traurige Objektivdeckel

Besser finde ich beim Panasonic den Objektivdeckel. Er lässt sich sowohl durch Entriegelungen an den Seiten als auch innen (vorne) öffnen. Beim Olympus lässt er sich, wie bei den meisten Olympus-Linsen unterhalb der Pro-Klasse, nur durch seitliche Riegel öffnen und die sind praktisch unerreichbar, wenn eine Streulichtblende auf dem Objektiv sitzt – wohl kein Problem wenn man keine Streulichtblende hat, wird sich Olympus denken.

Hardwareseitig geht für mich unterm Strich trotzdem das Olympus als Sieger über die Ziellinie und zwar weil es vor allem dort punktet, wo der große Vorteil von MFT liegt: Bei Volumen und Gewicht.

Fokussierung: Vergleichbar mäßig

Fokussieren ist wie gesagt bei 600mm KB nicht ganz so einfach und geht oft bei weitem nicht so fix wie man es mit Brennweiten von weniger als 200mm KB gewähnt ist. Oft kommt man um manuelles Fokussieren oder zumindest einen prüfenden Blick mit Hilfe der Fokuslupe (Vergrößerung der Vorschau) nicht herum. Bei 600mm und mehrfacher Vergrößerung des Bildausschnitts wird das Zielen auf einen bestimmten Punkt jedoch zur wackeligen Angelegenheit – die Hebelwirkung dieser langen Brennweite ist enorm! Der Bildausschnitt im Sucher schießt nur so herum und es ist ebenso schwer zu beurteilen worauf man im Moment überhaupt zielt wie ob die Schärfe einigermaßen passt (mit ein Grund, weshalb sich zumindest ein Einbeinstativ empfiehlt).

Panasonics Objektiv-Stabilisierung im Vorteil

Bildstabilisierung ist in diesen Situationen ein Segen und, was soll ich sagen, mit dem 100–300mm ziehe ich Panasonics Stabilisierung im Objektiv Olympus’ Stabilisierung des Sensors gegenüber vor. Obwohl ich davon überzeugt bin, dass Olympus‘ Fünf-Achsen-Bildstabilisierung das derzeit beste System am Markt ist, wenn es um die Stabilisierung einer Aufnahme geht, habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Objektivstabilisierung des Panasonics für die Vorschau einen deutlich besseren Job leistet. Das gilt auch und vor allem, wenn ich das Panasonic bei 300mm und Objektivstabilisierung mit dem Olympus bei 300mm und Sensorstabilisierung vergleiche. Ein deutlicher Pluspunkt für das Panasonic.

Unter den Praxisbedingungen unter denen ich die Objektive verglich hatte ich manchmal den Eindruck, dass das Olympus schneller fokussiert, manchmal schien mir das Panasonic im Vorteil. Ich würde deshalb das Fazit ziehen, dass sich die beiden nicht viel schenken. Den erhofften Vorteil beim Olympus konnte ich nicht feststellen.

Sehr gute Qualität in Anbetracht des günstigen Preises bei beiden

In Sachen Farbe und Kontrast ist der Unterschied der Abbildungen so gering, dass es sich optisch praktisch nicht unterscheiden lässt, mit welchem der beiden Objektive ein Foto gemacht wurde. Auch was die Detailschärfe und das Bokeh angeht kann ich nur wenig Unterschied feststellen, wobei ich dem Olympus einen winzigen Schärfevorteil zuschreiben würde. Das deckt sich auch mit den Messergebenissen von dxomark.com.

_EM11730_Olympus
_EM11730b_Olympus
Vollständiger Bildausschnitt und Tatsächliche-Pixel-Ansicht einer Aufnahme des Olympus 75–300mm bei 300mm, ƒ6.7, 1/400 S und ISO320.
_EM11731_Pana
_EM11731b_Pana
Vollständiger Bildausschnitt und Tatsächliche-Pixel-Ansicht einer Aufnahme des Panasonic 100–300mm bei 300mm, ƒ5.6, 1/400 S und ISO320. Der Fokuspunkt liegt bei den Vergleichsmotiven oben und hier nicht exakt an derselben Stelle, weshalb ich für die 1:1-Ansicht jeweils einen Bereich maximaler Schärfe heraussuchte.
_EM11771
_EM11771b_Olympus
Vollständiger Bildausschnitt und Tatsächliche-Pixel-Ansicht einer Aufnahme des Olympus 75–300mm bei 300mm, ƒ6.7, 1/320 S und ISO500.
_EM11771
_EM11770b_Pana
Vollständiger Bildausschnitt und Tatsächliche-Pixel-Ansicht einer Aufnahme des Panasonic 100–300mm bei 300mm, ƒ5.6, 1/320 S und ISO400. Bei diesem Motiv verdichtete sich für mich der Eindruck, dass das Olympus einen Hauch schärfer zeichnet.

Fazit

Als Fazit würde ich festhalten, dass hier sowohl Panasonic als auch Olympus für ihren Preis exzellente Telezooms gelungen sind, auch wenn sie sich natürlich in keiner Weise mit anspruchsvollen Superteles aus der APS-C- und Vollformatliga vergleichen lassen.

Vor dem Test hatte ich in Betracht gezogen eventuell das Panasonic gegen das Olympus auszutauschen, doch da mir die beiden als unterm Strich gleichwertig erscheinen, mit einzelnen Vorteilen auf beiden Seiten, schiene mir das nicht wirklich sinnvoll.

Aber: Hätte ich bislang noch keines von beiden würde ich vielleicht eher dem Olympus den Vorzug geben und zwar weil es kleiner und leichter ist und ich die 25mm zusätzlicher Brennweite am kurzen Ende als Vorteil erschienen. Ich vermute aber, dass ich dann immer das Gefühl haben würde das Panasonic wäre vielleicht doch die cleverere Wahl gewesen, zumindest immer dann wenn die Vorschau im Sucher wieder unruhig wackelt und herum schießt.

Sollte Olympus das 75–300mm allerdings eines Tages durch Staub- und Wetterfestigkeit aufwerten, so wie es mit dem 14–150mm geschah, müsste ich dieses Fazit noch einmal überdenken und könnte mich möglicherweise doch noch entscheiden das Pana zu verkaufen und zum Oly zu wechseln.

Lightroom oder Photoshop?

Posted in Fotografie

Leser Frank sandte mir eine Mail mit einer Frage die wohl viele Leser beschäftigen dürfte, die den Schritt von der reinen Bildaufnahme und -verwaltung zur aktiven Bildentwicklung in der digitalen Dunkelkammer vor sich bzw. gerade hinter sich haben: Lightroom oder Photoshop? So lautet sie vereinfacht ausgedrückt.

Kein Foto ohne Entwicklung

Zunächst einmal muss man wissen, dass jedes Bild das eine digitale Kamera aufnimmt entwickelt werden muss. Das ist nicht anders als beim analogen Fotonegativfilm: Der rohe, zwar belichtete aber noch nicht entwickelte Film, zeigt zunächst gar nichts. Erst nach der Entwicklung und Belichtung auf einen Papierabzug können wir ein Bild herzeigen.

Genauso wenig, wie mit einem nicht entwickelten Film, können wir mit den Daten die ein digitaler Aufnahmesensor speichert etwas anfangen. Auch diese müssen erst entwickelt werden damit sich ein für uns sinnvolles Bild ergibt.

Fotografiert man im JPEG-Format werden die Rohdaten von der Software der Kamera entwickelt, wobei aus reinen Rot-, Grün und Blauinformationen die tatsächlichen Farben berechnet werden, geschärft, entrauscht und der Weißabgleich eingerechnet wird – und einiges mehr. Eine Digitalkamera im JPEG-Format ist im Grunde das elektronische Gegenstück zur Sofortbildkamera der analogen  Ära.

RAWs müssen erst entwickelt werden

Fotografiert man im RAW-Format entwickelt die Kameraelektronik zwar auch eine Vorschau im JPEG-Format, allerdings nur damit sich die Aufnahmen am Kameradisplay anzeigen lassen. Die richtige Entwicklung muss dann am Computer passieren.

Bildentwicklungsprogramme bzw. RAW-Konverter

Photoshop und andere Bildbearbeitungsprogramme können RAW-Bilder nicht öffnen, sondern benötigen eine JPEG-, TIFF- oder PSD-Datei zur Bearbeitung (oder ein vergleichbares Format). Photoshop wird deshalb mit dem Zusatzprogramm Adobe Camera Raw ausgeliefert. Adobe Camera Raw ist kein Bildbearbeitungsprogramm im herkömmlichen Sinn sondern vielmehr ein Entwicklungsprogramm für RAW-Daten (es können damit zwar auch JPEG-Bilder eingestellt werden aber nicht mit den Möglichkeiten des RAW-Formats).

Im RAW-Entwicklungsprogramm werden Einstellungen vorgenommen, wie sie beim Fotografieren im JPEG-Format von der Software der Kamera in der Kamera vonstatten gehen, also z.B. Weißabgleich, Belichtungskorrektur, Farbanpassungen, Lichter- und Schattenkorrekturen, Korrektur optischer Fehler, Rauschreduzierung, Schärfung, etc.

Manche dieser Einstellungen lassen sich bei einem JPEG auch nachträglich in der Bildbearbeitung kaum minder gut einstellen, doch viele bei weitem nicht mit den Möglichkeiten die der Fotograf im Entwicklungsprogramm vorfindet. Vor allem Belichtungskorrekturen und Weißabgleich lassen sich in der Bildbearbeitung oft kaum mehr korrigieren, wenn sie bei der Bildentwicklung falsch eingestellt waren. Die individuelle Entwicklung von RAW-Daten bietet die Möglichkeit Lichtsituationen zu meistern, die man im JPEG-Format mit Einstellungen an der Kamera unmöglich in den Griff bekommt.

RAW-Entwicklungsprogramme bieten also alle grundlegenden Einstellungen die der Fotograf zur Bildentwicklung benötigt, bis hin zu einfachen Bildbearbeitungskorrekturen, wie zum Beispiel der Retusche von Staub oder Hautunreinheiten. Letzteres ist allerdings in Entwicklungsprogrammen eher eine Me-too-Funktion die es dem Fotografen ermöglichen soll, nicht wegen jeder Kleinigkeit in die Bildbearbeitung wechseln zu müssen.

Entwiklungs-Bearbeitungs-Workflow

Die Aufteilung der Aufgaben zwischen Bildentwicklung und Bildbearbeitung sieht in der Regel so aus: RAW-Bilder werden in den RAW-Konverter importiert oder im Falle von Photoshops Adobe Camera Raw damit geöffnet. Hier werden dann alle wesentlichen Einstellungen der Bildentwicklung, wie Weißabgleich, Helligkeit, Kontrast, Farbeinstellungen und Rauschreduzierung vorgenommen. Die allermeisten Aufnahmen lassen sich damit komplett abschließen und verlangen nicht an ein Programm zur weiteren Bearbeitung übergeben zu werden (was allerdings auch ein Bisschen Geschmacksache ist).

Arbeitet man mit Adobe Camera Raw und Photoshop wird in ACR nach der Entwicklung auf »Bild öffnen« geklickt. ACR übergibt das Bild in Photoshop wo weitere Bearbeitungen vorgenommen werden können oder das Bild einfach im JPEG-, TIFF- oder PSD-Format gespeichert wird.

Sind Aufgaben wie ausgefeilte Retuschen, Bildmontagen, selektive Bildmanipulationen etc. erforderlich oder soll beispielsweise Text integriert werden kommen Bildbearbeitungsprogramme zum Einsatz, in der Regel der unangefochtene Platzhirsch Photoshop. Arbeitet man mit Lightroom muss dazu eine Datei im JPEG-, TIFF- oder PSD-Format exportiert werden, verwendet man eine Funktion wie »öffnen mit« geschieht das automatisch im Hintergrund.

RAW-Bilder werden nie überschrieben

Photoshop ist nicht in der Lage RAW-Dateien zu öffnen und auch nicht sie zu speichern (jedenfalls kein echtes RAW wie es von der Kamera kommt). Stattdessen muss immer im JPEG-, TIFF- oder PSD-Format gespeichert werden. Eine RAW-Datei wird nie geändert oder überschrieben (wenn man von der Änderung von Metadaten absieht).

Nicht jeder Fotograf benötigt ein Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop. Tatsächlich werden die meisten Gelegenheits-, Hobby- und Amateurfotografen mit einem Programm zur RAW-Entwicklung auskommen. Ein solches empfehle ich sogar unbedingt, denn die meisten bieten nicht nur die Möglichkeiten RAW-Bilder zu entwickeln, sondern auch mehr oder weniger ausgefeilte Verwaltungsfunktionen bis hin zum Export von Websites, Alben und zur Wiedergabe von Diashows.

Bildverwaltung

Lightroom ist im Grunde eine etwas schicker gestaltete Synthese aus Adobe Camera Raw und Adobes Datenbrowser Bridge. Ich bin zwar selbst kein Freund dieses Programms –primär weil ich die Benutzeroberfläche und Bedienung nicht mag –, empfehle es aber dennoch als erste Wahl, und zwar weil es billiger ist als manch andere Lösung und vor allem weil es zu keinem anderen Programm mehr Ressourcen in Form von Literatur, Tutorials und Lernvideos gibt.

Ob man die Befürchtung hegt und damit leben kann, dass es auch dieses Adobe-Programm eines Tages nur mehr in einer Mietversion gibt, muss jeder für sich selbst beantworten – für mich ein zusätzlicher, wenn auch nicht ausschließlicher Grund, von dem Programm Abstand zu nehmen.

Lightroom-Workflow

Mit einem Programm wie Lightroom sieht der Workflow so aus, dass Aufnahmen zunächst in eine Datenbank importiert werden. Beim bzw. nach dem Import geschieht automatisch eine Standardentwicklung der Rohdaten. Diese ist der Entwicklung in der Kamera nicht unähnlich, fällt aber zumeist moderater aus, weshalb viele Fotografen den Eindruck haben JPEGs würden von vornherein besser aussehen als RAW-Bilder (die Kameras puschen die Bilder nur intensiver). Der Fotograf kann die Bilder nun so lassen wie sie von Lightroom interpretiert werden oder sie individuell einstellen. Er kann sogar eigene Rezepte schreiben die sich dann für zukünftige Importe automatisch als individueller Standard anwenden lassen.

Lightroom stellt zunächst einmal eine auf die Bedürfnisse von Fotografen angepassten Oberfläche zur Verwaltung umfangreicher Bildbestände zur Verfügung. Einstellungen die der Fotograf vornimmt werden in einer Datenbank gespeichert und auf deren Basis werden Vorschaubilder generiert die ebenfalls in der Datenbank gespeichert werden. Sie dienen dazu, dem Fotografen ein schnelles browsen in seinen Bildbestände zu ermöglichen. Ohne sie müsste bei jeder Darstellung des Bildes eine neue Vorschau aus dem RAW berechnet werden, was die Arbeit mit Bildbeständen zäh werden ließe.

Die RAW-Datei muss dabei unbedingt erhalten und für Lightroom verfügbar bleiben um auch für zukünftige Bearbeitungen das Rohdatenmaterial in vollem Umfang zur Verfügung zu haben.

Soll ein Bild im Internet veröffentlicht, an Freunde versandt, für ein Album verwendet oder ein Fotoabzug in Auftrag gegeben werden, ist eine Datei im TIFF-, PSD- oder JPEG-Format zu exportieren, in aller Regel letzteres. Die RAW-Datei fungiert dabei als Original und die exportierte Datei als Abzug.

Welche Produkte?

Nun habe ich in der Überschrift und bisher im Artikel beinahe ausschließlich von Adobe-Produkten gesprochen, weil diese am bekanntesten und weitesten verbreitet sind.

Alternative RAW-Konverter

Ich bin wie gesagt kein Freund von Adobes Lightroom und zwar in erster Linie deshalb, weil die Oberfläche absolut restriktiv gestaltet wurde und mir keine Möglichkeit bietet sie an meine Bedürfnisse anzupassen (wenn man davon absieht, dass man die Kopfleiste mit einem eigenen Logo versehen kann).  Verschärfend kommt hinzu, dass es viel zu wenige Tastaturkürzel gibt und keine Möglichkeit eigene zu definieren.

Capture One Pro 8

Meine Wahl fiel nach dem Aus von Apples Raw-Konverter Aperture auf die dänische Software Capture One Pro. Dieses Programm liefert die in meinen Augen die beste Bildqualität aller Entwicklungstools. Dabei ist mir allerdings wichtig zu betonen, dass besser im Vergleich zu Adobes RAW-Konvertern »besser als hervorragend« bedeutet. Außerdem gibt es viele Experten diese Meinung nicht ganz teilen – schließlich arbeitet der Großteil professioneller Fotografen mit Lightroom. Hier muss sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Tatsächlich leisten wohl die bekannten RAW-Entwicklungswerkzeuge durchaus vergleichbare Qualität und was man am Ende tatsächlich als besser empfindet wird auch Geschmacksache sein. Ausschlaggebend für die Wahl einer bestimmten Software sollte eher die Bedienung und die zur Verfügung gestellten Funktionen sein – Funktionen die über die Grundeinstellungen die von einem RAW-Konverter hinaus gehen.

Meine Wahl fiel vor allem deshalb auf Capture One, weil es mir die Möglichkeit bietet die Benutzung exakt auf meine Bedürfnisse abzustimmen. So kann ich eigene Arbeitsbereiche definieren für die ich genau die Paletten auswähle die ich dafür brauche und sie dort positioniere wo sie für mich am meisten Sinn ergeben.

Darüber hinaus kann ich bei Capture One Tastaturbefehle individualisieren. So habe ich die Grundeinstellungen soweit angepasst, dass ich alle wichtigen Funktionen mit einer einzigen Taste aufrufen kann (also ohne Fingerverrenkungen wie CMD+Alt+X). Auch Anpassungen wie Belichtung, Kontrast, Farbsättigung, Drehen, etc. können über Tastaturbefehl laufen, wovon ich ausgiebig Gebrauch mache. Das macht die Bearbeitung hunderter Bilder deutlich effizienter als für jeden Handgriff zur Maus greifen zu müssen und erlaubt auch ein körperschonenderes Arbeiten.

Seit der Version 8 bietet Capture One außerdem eine Verwaltungsumgebung die es mit Lightroom aufnehmen kann, was davor nicht der Fall war.

Weitere Alternativen

Neben Lightroom und Capture One habe ich auch mit DxO Optics ausgiebig gearbeitet, kann diesem Programm durchaus einiges abgewinnen, finde aber die Bedienung nicht viel glücklicher als bei Lightroom und vermisse darüber hinaus eine effiziente Verwaltung großer Bildbestände, wie sie Lightroom bietet und ich sie an Capture One schätze. Alle drei Programme sind als Demoversion verfügbar und lassen sich ohne Einschränkungen einen Monat testen, so dass sich jeder einen Eindruck verschaffen kann, welches ihm am besten zusagt.

Für Freunde von OpenSource-Software gibt es darüber hinaus RawTherapee. Kurze Blicke habe ich außerdem auf ACDSee (Mac/Win) und Corels AfterShot geworfen, allerdings ohne mich besonders dafür begeistern zu können. Doch auch diese Produkte sind als Demos verfügbar, so dass man sich einen eigenen Einruck verschaffen kann.

Bildbearbeitungsprogramme

Bildbearbeitungsprogramme sind wie gesagt erst erforderlich, wenn es um ausgefeilte Retusche, Freisteller, Bildmontagen und -collagen, Integration von Text usw. geht. Unangefochtener König dieser Disziplin ist Adobe Photoshop das für Fotografen zusammen mit Lightroom für 12 Euro im Monat zu mieten ist, womit man diese Kombination durchaus als Schnäppchen bezeichnen kann.

Allerdings sollte der Preis alleine nicht ausschließlich über die Wahl einer Software entscheiden, genauso wenig wie ein ernstzunehmender Fotograf sich ausschließlich wegen des Preises für ein Kamerasystem entscheiden sollte. Da ich ein Adobe-Creative-Suite-Abo habe wäre für mich Lightroom beispielsweise ohne Zusatzkosten verfügbar, trotzdem habe ich mich für das über 200 Euro teure Capture One entschieden.

Nicht jeder braucht »Photoshop«

Die meisten Gelegenheits-, Hobby- und Amateurfotografen werden wohl wie gesagt mit einem Entwicklungsprogramm wie Lightroom oder Capture One auskommen. Man darf nicht vergessen, dass man in ein Bildbearbeitungsprogramm nicht nur ein paar Euro investieren muss, sondern vor allem viel Zeit es zu erlernen und zu beherrschen. Es ist also durchaus eine Überlegung wert sich zunächst auf ein Entwicklungsprogramm zu konzentrieren und erst wenn man dies souverän beherrscht und/oder damit an die Grenzen stößt über ein zusätzliches Programm zur Bildbearbeitung nachzudenken.

Dabei muss man sich nicht zwangsläufig für Photoshop entscheiden. Photoshop ist ein Moloch der für alle die irgendwie mit Bildbearbeitung zu tun haben alles bieten möchte – bis hin zur Bearbeitung laufender Bilder und zum generieren von einfachen 3-D-Bildern. Entsprechend komplex ist die Bedienung.

Photoshop-Alternativen

Eine Alternative die von Adobe selbst für Mac und Windows angeboten wird ist Photoshop Elements – ein abgespecktes Photoshop, das für das Gros der Anwender bieten dürfte, was sie brauchen.

Am Mac hat seit längerer Zeit Pixelmator seine Freunde und aus England schickt sich Affinity Photo an zur ernstzunehmenden Konkurrenz für Photoshop zu werden (mein Bericht, Link zur Seite des Softwareherstellers). Während Pixelmater wohl weiterhin nur für den Mac verfügbar ist, ist mit einer Windows-Version von Affinity Photo im nächsten Jahr zu rechen.

Auch zur Bildbearbeitung gibt es ein OpenSource-Projekt und damit eine kostenlose Software mit dem Namen Gimp, die sowohl für Mac als auch Windows verfügbar ist, zahlreiche Freunde haben dürfte und für die auch einiges an Literatur und Tutorials zu finden ist.

Für Windows-User wird das Angebot an Alternativen wohl noch viel größer sein, als am Mac, allerdings fehlt mir als Mac-Anwender ein entsprechender Überblick.

Frank fragte außerdem, um auf sein Mail zurück zu kommen, ob es nicht sinnvoll sei für Entwicklung und Bearbeitung bei der Software eines Herstellers zu bleiben. Da allerdings die Entwicklung ein abgeschlossener Prozess ist und RAW-Bilder immer in Form eines JPEG-, TIFF- oder PSD-Abzugs an die Bildbearbeitung übergeben werden müssen, ist es völlig egal ob die beiden dafür verwendeten Programme aus dem selben oder zwei verschiedenen Häusern kommen.

So könnte man beispielsweise mit Lightroom Bilder entwickeln und verwalten und für Retuschen auf Affinity Photo zurückgreifen, so wie ich Bilder in Capture One entwickle und in der Regel Photohop zur Bearbeitung verwende. Aufgrund dessen, dass es derzeit aber kein Programm gibt, das so viele und über Jahre gereifte Funktionen bietet wie Photoshop ist es wohl naheliegend für die Bearbeitung Photoshop zu wählen, wenn man sich auf ein Lightroom-Abo eingelassen hat – 12 Euro Monatsmiete für das Bundle dürfte bis auf weiteres wohl unschlagbar sein.

Alles klar?

Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel etwas Licht in die Frage welche Programme man wofür braucht bringen konnte. Falls es weitere Fragen zu dem Thema gibt sendet mir bitte eine Mail oder schreibt einen Kommentar.

Ist Affinity Photo die Photoshop-Alternative?

Posted in Affinity Photo

Definitiv: Ja. Allerdings wohl noch nicht für jeden.

Affinity von Serif

Affinity ist nicht etwa wie man annehmen möchte eine Firma, sondern eher eine Art Produktschiene die sich anschickt einem Produktpaket aus dem Hause Adobe Konkurrenz zu machen. Dahinter steckt das Britische Software-Unternehmen Serif mit Sitz in Nottingham und 190 Mitarbeitern, das wohl schon seit längerem grafische Software für Anwender abseits der professionellen Grafikbranche entwickelt. Offensichtlich hat man mit der Abwendung Adobes vom Softwareverkauf und deren Wechsel von der Creative Suite zur Creative Cloud erkannt, dass am Markt Bedarf an einer Alternative besteht. Laut eigenen Angaben wurde in den letzten fünf Jahren an dieser Alternative gearbeitet.

Affinity statt Creative Suite Standard Collection

Als Zielgruppe dürfen sich Alle angesprochen fühlen die früher mit der Adobe Creative Suite Standard arbeiteten die die Produkte InDesign, Photoshop und Illustrator umfasste, bzw. alle die mit diesen Produkten ihr Auslangen finden.

Bereits im Oktober 2014 veröffentlichte Serif das aufsehenerregende Vektorprogramm Affinity Designer als Alternative zu Adobes Illustrator. Im Juli dieses Jahres folgte die offizielle Veröffentlichung von Affinity Photo.

Kaufen statt mieten

Augenfälligster Unterschied zu den Produkten Adobes: Affinity Photo und Designer werden nach einem klassischen Modell verkauft und nicht in Form eines Abomodells vermietet. Der Preis liegt dabei mit knapp 50 Euro pro Software weit unter dem was die Creative-Suite-Produkte früher kosteten. Bezogen werden kann die Software über den Mac App Store.

Wo bleibt Windows?

Derzeit gibt es nur Mac-Versionen. Ich nehme einmal an, dass die Eroberung des Marktes über eine Plattform etwas ressourcenschonender ausfallen dürfte und da die Zielgruppe, vor allem der professionelle Anteil, eher auf dem Mac zuhause ist, lag dieses Betriebssystem wohl näher. Hinzu kommt, dass man Mac-Usern nicht ganz unbegründet nachsagt, sie hätten Vorurteile gegenüber Windows – nicht wenige, die Produkte aus der Windows-Welt kaum mit der Kneifzange angreifen würden. Ein neues Produkt aber speziell und nur für den Mac? Super! Endlich sind wir wieder einmal exklusiv und elitär.

Serif allerdings scheint mir soweit ich es sehe eher in der Windows-Welt verwurzelt und deshalb ging ich von Anfang an davon aus, dass eine Windows-Version nur eine Frage der Zeit ist. Soweit man hört scheint sie tatsächlich bereits in Arbeit und man darf wohl mit einer Veröffentlichung im Laufe des nächsten Jahres rechnen. Ist auch richtig und wichtig, denn um sich wirklich auf dem Markt etablieren zu können müssen mindestens diese beiden Plattformen bedient werden – glaube ich zumindest.

Designer und Photo folgt Publisher

In Bälde soll dem Paket aus Photoshop- (Affinity Photo) und Illustrator-Alternative (Affinity Designer) noch eine InDesign-Alternative (Affinity Publisher) folgen. Nach dem was ich bereits von Affinity Designer und Photo gesehen habe bin ich sehr gespannt auf das Produkt. Vorab aber schon einmal für alle die sich jetzt fragen ob man damit InDesign-Dokumente wird öffnen können: Soweit in den Foren zu lesen ist würde sich das extrem schwierig gestalten und eine entsprechendes Feature ist bislang nicht geplant.

Sehr positiver Ersteindruck

Zurück aber zu Affinity Photo und zur Frage in wie Fern das Programm eine ernstzunehmende Alternative zu Photoshop ist.

Meinereiner platzierte eine üble Erkältung exakt zwischen Heimkehr aus dem Urlaub und Beginn meiner ersten Unterrichtseinheiten nach der Sommerpause und nutzte die Zeit im Krankenbett sich das ganze Tutorial-Material zu den Affinity-Produkten rein zu ziehen. Verdammt viel Material und vor allem zu Affinity Photo bedingungslos professionell aufbereitet, mit einem der besten Trainer dem ich bislang lauschte.

Nachdem ich nun wieder halbwegs auf den Beinen bin habe ich gleich die Probe aufs Exempel gemacht und ein paar zentrale Beispiele aus meinem neuen Photoshop-Buch mit Affinity Photo durchgespielt.

Arbeiten wie gewohnt

Das schöne am Programm ist, dass es extrem nah an Photoshop angelehnt ist, bis hin zu vielen Shortcuts. Wer Photoshop beherrscht fühlt sich in Affinity Photo rasch zuhause. Es gibt natürlich Dinge die anders gestaltet sind und über die man stolpert wenn man versucht es auf die von Photoshop gewohnte Weise zu machen. Unterm Strich jedoch: Erfahrungen aus Photoshop müssen nicht über Bord geworfen sondern können einfach mitgenommen werden.

Affinity Photo läuft very fast and smooth, allerdings würde ich diesbezüglich auch über Photoshop nicht klagen. Anders als bei Photoshop erscheint das User-Interface wie aus einem Guss. Die RAW-Entwicklungsumgebung ist kein separates Programm wie Adobe Camera Raw sondern sehr schön als sogenannte »Develop Persona« angelegt. In wie Fern die Qualität der RAW-Entwicklung mit jener von ACR mithalten kann kann ich zum Zeitpunkt nicht beurteilen, doch da ich meine RAWs in der Regel ohnehin in Capture One entwickle ist das für mich auch keine wirklich relevante Frage.

Neben der zentralen »Photo Persona« und der »Develop Persona« findet der Anwender noch eine »Liquify Persona« (praktisch identisch mit dem Filter »Verflüssigen« in Photoshop) und eine »Export Persona« (am ehesten mit »Für Web speichern« zu vergleichen).

Wo Affinity Photo glänzt ist bei der Retusche und beim Einsatz von Filtern: In Affinity Photo lassen sich Filter wie Einstellungsebenen in Photoshop anwenden. Eine vergleichbare Arbeitsweise ist in Photoshop zwar mit Hilfe von Smartobjects möglich aber Affinity Photos Ansatz scheint mir intuitiver und effizienter.

Smarte Objekte an sich gibt es bislang keine, was in meinen Augen zu verschmerzen ist, laut Aussagen in den Foren wird aber an etwas gearbeitet das besser sein soll.

Noch nicht auf Augenhöhe mit Photoshop befindet sich Affinity Photo wenn es um High-end-Farb- und Tonwerteinstellungen geht. Tonwertkorrekturen und Gradationskurven beinhalten keine Weisspunkt-, Schwarzpunkt- und Mitteltöne-Pipette (wobei ich in erster Linie letztere vermisse), ich habe keinen Shortcut für Unter- und Überbelichtungswarnung beim Einrichten von Schwarz- und Weißpunkt gefunden, die Histogramm-Palette kann Helligkeits- und Farbkanäle nicht nebeneinander darstellen, Kanäle lassen sich in Tonwertkorrektur und Kurven nicht per Shortcut auswählen, eine Pipette für Messpunkte habe ich vergeblich gesucht und »Schatten/Lichter« muss man im Vergleich zu Photoshops »Tiefen/Lichtern« als Witz bezeichnen.

Wer jetzt keine Ahnung hat was das Alles bedeutet, was ich im vorangegangenen Absatz als vermisst angekreidet habe, wird es wohl nicht brauchen und nicht vermissen. Ich schätze 90–95% der Anwender dürften problemlos ohne diese Features leben können. High-end-Bildbearbeiter hingegen werden sie so wichtig sein, dass ein Umstieg auf Affinity Photo zum jetzigen Zeitpunkt wohl eher nicht in Frage kommt.

Serif sollte sich anstrengen hier rasch nachzubessern, denn ein Urteil der Experten im Sinne von, »nett, aber für den professionellen Einsatz nicht zu gebrauchen«, wird wohl auch jene vom Programm Abstand nehmen lassen, die keine Ahnung haben wie sie diese Profifunktionen überhaupt einsetzen könnten. Und ist der Ruf erst einmal ruiniert …

Fazit

Affinity Photo ist aktuell sicher die preiswerte Alternative zu Photoshop für alle die Bildbearbeitung auf vergleichbarem Niveau betreiben aber kein Abo abschließen wollen, am Mac arbeiten und auf die Feinheiten der High-end-Farb- und Tonwertkorretur verzichten können. Dabei erspart die Software dem Anwender viele Me-too-, Spezial- und Firlefanz-Funktionen mir der Photoshop über die Jahre belastet wurde. Einen Blick wert ist das Programm allemal und von mir aus eine klare Empfehlung.

PS: Eine Ausrede Photoshop zu klauen, weil man die Kohle dafür nicht abdrücken möchte, gibt es nun zumindest am Mac auch nicht mehr.

Nachtrag: Ich habe mittlerweile einen ersten Screencast über Affinity Photo aufgenommen. Weitere sollen folgen.