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Monat: November 2011

Was für eine Art Fotograf bin ich eigentlich?

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Habt ihr euch das auch schon einmal gefragt?

Eigentlich bin ich ja gar kein Fotograf. Ich bin Grafikdesigner.

Grafikdesign hat meinen Blick auf Fotos geprägt. Ich suche immer nach Achsen, Proportionen, Harmonien und Kontrasten. Gestalterisch wichtige Parameter. Parameter, die sich nicht an Schaltern an irgendeiner Kamera einstellen lassen.

Noch viel wichtiger ist für mich als Grafiker – als Kommunikationsdesigner – aber die Botschaft, die in einem Bild steckt. Grafikdesign ist visuelle Kommunikation. Und in jedem grafischen und fotografischen Detail steckt eine Geschichte. Fotos sind voller Geschichten. Oft braucht es mehr als tausend Worte sie zu erzählen, heißt es.

Was Fotos erzählen, ist viel wichtiger, als ihre technische Brillanz in der Umsetzung. Sicher: Gute Werbung verlangt nach guten Fotos. Fotos, die auch technisch professionell umgesetzt sind. Unprofessionelle Fotos assoziieren nur einen unprofessionellen Betrieb hinter einer Werbung. Doch, abgesehen von der reinen Produktfotografie, sind technisch brillante Fotos die keine Emotionen wecken, verschwendete Farbe.

So gesehen bin ich als Fotograf ein Geschichtenerzähler und Emotionenfänger. Allerdings keiner der Geschichten erfindet und Emotionen inszeniert.

Eigentlich wäre ich der klassische Street Photographer. Nirgends begegnen einem mehr Geschichten als auf einer Straße voller Menschen. Leider bin ich zu feige und zu schüchtern Menschen mit dem Fotoapparat zu überfallen und ihnen ihre Geschichten zu klauen. Zwar schleiche ich trotzdem gelegentlich über Plätze und durch Gassen und stehle mir unbemerkt ein paar Impressionen. Aber was ich publiziere muss die Privatsphäre der Abgebildeten wahren. Wegen dieser Skrupel entgehen mir zwar dauernd wunderbare Motive. Aber man kann halt nicht aus seiner Haut. Ich bin kein Henri Cartier Bresson.

Ich funktioniere als Fotograf nach einem Zitat von Emile Zola: »Nach meiner Ansicht kann man nicht behaupten, etwas gesehen zu haben, bevor man es fotografiert hat.« Es fasziniert mich die Welt mit der Kamera aus Blickwinkeln zu sehen, aus denen ich sie selbst normalerweise nicht sehe. Blickwinkel, aus denen ich sie niemals sehen könnte, weil ich meine Augen weder auf Weitwinkel noch auf Makro stellen kann.

Also verlasse ich meine vier Wände und halte meine Augen nach Geschichten offen. Geschichten von Türklopfern, von Bäumen, die ihre Wurzeln in Treppen schlagen, verlassenen Weingläsern, fleißigen Bienen, schiefen Häusern, verwilderten Gärten, etc. Und wenn sie mir begegnen suche ich nach der passenden Perspektive (und den Dingen mit der Schärfe, der Belichtung und der Komposition, um unauffällig auch mein Buch ein bisschen ins Licht zu rücken).

Und immer suche ich nach Leuten, die meine Freude an der Fotografie teilen. Allerdings von der anderen Seite des Suchers aus gesehen.

Mein letztes Privatprojekt war ein Fotoalbum meiner Familie. Aber ich habe die Idee nach einem Shooting wieder gecancelt. Fotografieren macht mir einfach keinen Spaß, wenn die Modelle es nicht erwarten können, bis der Spaß wieder vorbei ist.

Also suche ich nach freiwilligen Opfern. Laien, die sich gerne ablichten lassen. Meist kommt dann die Frage: Was soll ich (als Modell) machen? Welche Idee hast du (lieber Fotograf)?

Keine! Die traurige Wahrheit ist: Ich habe keine Vorstellung. Ich habe keine Ideen im Kopf, die ich unbedingt fotografisch umsetzen muss. Nun ja. Manchmal schon. Aber es ist nicht mein grundsätzliches Interesse Motive zu inszenieren.

Fotografie ist für mich eine Entdeckungsreise. Ich setze die Segel und lass mich von meinen Modellen überraschen. Mich interessiert Chareaktere. Authentizität. Oder wie er oder sie sich sieht und sich selbst inszenieren will.

Ich halte mich als Fotograf gerne im Hintergrund. Beobachte und versuche im richtigen Moment einen Hauch der Wirklichkeit einzufangen. Oft habe ich den Eindruck die besten Aufnahmen entstehen dann, wenn das Modell vergisst, dass ich und meine Kamera anwesend sind. Ich versuche also unsichtbar zu werden.

Das mag an meinem Background als Typograf liegen. Als Typograf versuchst du auch nicht den Geschichten deiner Autoren deinen eigenen Stempel aufzudrücken. Du hast deinen Job dann am besten gemacht, wenn der Leser dich überhaupt nicht mehr wahrnimmt sondern sich voll auf die Geschichte konzentrieren kann.

Aber vielleicht bin ich auch Typograf weil ich bin wie ich bin. Und deshalb bin ich auch die Art Fotograf die ich bin. Es passt so gut zu meinen Lebensmottos: Der Weg ist das Ziel. Der Weg eröffnet sich beim gehen. Und: Wer kein Ziel hat kann es auch nicht verfehlen.

Und welche Art Fotograf bist du?

Vier Schritte zum Bild – das Konzept

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Titel kreativ fotografieren

Um noch einmal die Werbetrommel für mein Buch »Kreativ Fotografieren« zu rühren: Ich habe bereits mehrmals raus trompetet, dass es einen anderen Ansatz verfolgt Fotografie zu erklären, wie klassische Fotoschulen. Dass es vor allem auf die Zusammenhänge zwischen theoretischen Grundlagen vor dem Hintergrund praktischer Bildgestaltung eingeht. Nun möchte ich eine Grafik nachreichen, die zeigt, was der Grundgedanke und die Basis des Konzepts darstellt: Die vier Schritte zum Bild.

Fotografische Zusammenhaenge 3

Alle technischen Grundlagen stehen immer im direkten Zusammenhang mit einer der vier gestalterischen Grundparameter. Und weil sich das Eine in der Praxis nicht immer ganz klar vom Anderen trennen lässt, sondern viele Parameter zwischen sowohl bei einer gestalterischen Frage relevant sind, wie auch bei einer anderen, ist das Buch gespickt mit Querverweisen. Dazu muss nicht der Index bemüht werden, sondern die Querverweise stehen immer direkt auf der Seite.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

3.7. Ohne Verwackeln fotografieren

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Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Bevor wir uns konkret den Belichtungseinstellungen, der Überprüfung der Belichtung und der Belichtungskorrektur zuwenden, ­müssen wir noch das Problem der Verwackelung ansprechen.

Wenn man mit der Kamera in der Hand fotografiert, wird es ­einem nie gelingen, die Kamera absolut ruhig zu halten. Bei ausgesprochen kurzen Belichtungszeiten, im Rahmen von Hundertstel oder Tausendstel Sekunden ist das kein Problem, da die Verwackelung so gering ausfällt, dass sie im Bild nicht zu erkennen ist. Bei längeren Belichtungszeiten hingegen ist das ein Problem.

Dabei gibt es keinen fixen Wert, ab dem unter allen Bedingungen ab einer bestimmten Zeit die Gefahr zu verwackeln zunimmt. Vielmehr hängt die Zeit, die man relativ sicher aus freier Hand ohne Verwackelung belichten kann, von der Länge der Brennweite ab. Es gilt: Je länger die Brennweite, desto kürzer muss die Belichtungszeit sein, um Verwackelung zu vermeiden.

Verwackeln
Winkel der Verwickelung, lange Brennweite und kurze Brennweite.

Der Grund dafür ist relativ simpel. Man wird die Kamera nicht grundsätzlich mehr oder weniger unruhig halten, wenn man mit kurzer Brennweite ➀ oder langer Brennweite ➁ fotografiert. Allerdings wirkt sich die Stärke der Verwackelung ➂ beim engen Bildausschnitt eines Teles wesentlich deutlicher aus als beim großen Ausschnitt eines Weitwinkels.

Verwackelung Tele Verwackelung Weitwinkel
Verwickelung im engen Ausschnitt eines Teles. Exakt dieselbe Verwickelung, doch im weiten Bildausschnitt der Weitwinkelbrennweite ist sie kaum mehr zu erkennen.

Der Kehrwert der Brennweite markiert die längste Belichtungszeit | Um zu berechnen, wie lang die längste Belichtungszeit ausfallen darf, um aus freier Hand noch relativ sicher ohne deutlich sichtbare Verwackelung belichten zu können, nimmt man als Faustregel einfach den Kehrwert der Brennweite an. Also zum Beispiel bei einer Brennweite von 50mm 1/50 ­Sekunde, bei 100mm 1/100, bei 200mm 1/200 und so weiter. Zu berücksichtigen ist dabei, dass sich die Brennweite in der Regel auf Kleinbild bezieht. Das heißt, bei einer Kamera mit Kleinbildformat kann die Faustregel 1:1 anwendet werden. Bei einer Kamera mit einem kleineren Sensorformat, muss dabei aber der Formatfaktor berücksichtigen und auf Kleinbild umrechnet werden.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

Kreativ Fotografieren – zu teuer?

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Titel kreativ fotografieren

Zugegeben: Mein Buch ist teuer. Schon vor ein paar Wochen habe ich in einem Artikel beschrieben, weshalb es kostet was es kostet. Doch ich bin sicher, dass es seinen Preis wert ist. Nur: Wer weiß das denn? Jene paar Leute die über meine Website, durch Empfehlungen der ersten Leser oder zufällig auf das Werk stoßen, stehen noch immer vor der Frage, weshalb sie für 45 Euro ein Buch kaufen sollen, wo es doch schon um ein Drittel weniger Werke mit der doppelten Seitenanzahl gibt. Von etablierten Verlagen.

Ich kann natürlich niemandem seine Skepsis, dass der Kauf ein lohnender ist, nehmen. Aber vielleicht solltet ihr es einfach versuchen. Schließlich ist es mit seinem Preis zwar teurer, als bei den Mitbewerbern. Es verfolgt aber auch einen ganz anderen Ansatz. Statt sich voll auf Technik und Theorie zu stürzen, wie es bei Fotoschulen allgemein üblich ist, steht die kreative Gestaltung im Mittelpunkt.

Dahinter wird natürlich Technik und Theorie auch ausführlich, und mit vielen einfachen Grafiken bebildert, beschrieben. Aber immer vor dem Hintergrund der praktischen und kreativen Fotografie. Es ist sozusagen zwei Bücher in einem. Ein Werk für die theoretischen Grundlagen und eines für die praktische Anwendung.

Der Bonus für den Leser ist dabei, dass er die Zusammenhänge zwischen Theorie und Praxis nicht selbst herzustellen braucht, sondern dass gerade die Zusammenhänge den Kern des »Vier Schritte zum Bild«-Konzepts bilden. Es ist sozusagen ein Buch der Zusammenhänge. Deshalb sind auch alle Seiten voller Querverweise, die direkt zu verwandten Themen führen.

Wer gar nicht gerne liest und für wen ein Buch, um Fotografie zu lernen, eh schon mehr als genug ist, der sollte einen Blick in mein Buch werfen. Wer bereits Einiges über Fotografie gelesen hat und immer noch nicht recht weiß, wie man Brennweiten, Blenden und Histogramm praktisch einsetzen kann, der sollte es auch in Betracht ziehen. Und wer dafür nicht gleich 45 Euro investieren will, der kann ein ganzes Demo-Kapitel von meiner Website runter laden.

Vielleicht hilft es euch auch, ein paar Rezensionen über meine anderen Bücher zu lesen. Zwar hat »Kreativ fotografieren« bislang erst zwei Kommentare erhalten, aber die Rückmeldungen zu meinen anderen Büchern sind beinahe durchgehend sehr positiv.

Ich glaube auf das Buch trifft ein Werbespruch aus den 1980er Jahren zu: »Es ist sauteuer, aber es wirkt.«

Titel

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
240 Seiten, in Farbe, Hardcover;
ISBN: 9783842373938;
Link zu Amazon
Link zu Books on Demand
Ladenpreis: 44,90 (D);
Ladenpreis E-Book: 22,99 (D)
Mehr Info und ein kostenloses Demokapitel.

Wie viel Kamera braucht man?

Posted in Fotografie

Vor etwas mehr als einer Woche habe ich schon einmal gefragt, wie viel Kamera der Mensch braucht. Zu diesem Artikel habe ich in meinem Parallel-Blog eine Galerie von Beispiel-Bildern aus meinen Flickr-Favoriten zusammen gestellt.

Wie viel Kamera braucht man also? Als Freizeit- und Hobby-Fotograf.

Mann wahrscheinlich viel. Wir lassen uns ja leicht verführen. Von Technik. Und wir verlieren nie den Glauben, dass es auf die Größe ankommt. Aber, liebe weibliche Leser, ihr solltet euch von der vermeintlichen technischen Kompetenz männlicher Kollegen nicht beeinflussen lassen. Gute Fotografie lebt nach wie vor zu 45% von guten Ideen und Motiven und zu 45% von kreativer Bildgestaltung. Die restlichen 10% ist vor allem für professionelle Auftragsfotografen wichtig, und für Leute die vor allem an Technik und Pixel-Zählerei interessiert sind.

Bitte nicht falsch verstehen: Professionellere Kameras machen Spaß und eine gute Ausrüstung kann genauso Freude bereiten wie luxuriöse Uhren, Kleider, Schuhe oder Autos. Aber man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass billige Uhren die Zeit genauso anzeigen, preiswerte Kleider wärmen und billige Schuhe die Füße schützen und man keinen Bentley braucht um von A nach B zu kommen.

Manch einer scheint Wünsche nach Kameras zu hegen die gar kein Können mehr vom Fotografen verlangen. Kameras die es erlauben die Schärfentiefe nachträglich am Computer zu bestimmen und neueste Entwicklungen die die ästhetische Qualität in Bildern erkennen und beeinflussen sollen erscheinen als Heilsversprechen.

Wie langweilig! Wo bitte wäre denn der Spaß an der Fotografie wenn es keine Herausforderung mehr wäre tolle Bilder zu erstellen.

Aber einerlei: Ich glaube ohnehin nicht, dass sich in den nächsten Jahren viel tun wird. Ich glaube nicht, dass Kameras die es erlauben, die Schärfentiefe und den Schärfepunkt von Bildern im Nachhinein am Computer zu bestimmen, den Qualitätsanspruch ambitionierter Fotografen erfüllen werden.

Ich glaube auch nicht, dass ein Ästhetikprogramm die Qualität von Aufnahmen wesentlich verbessern kann. Jedenfalls nicht so lange man das Programm in die Kamera einbaut. Man müsste es in das Hirn des Fotografen integrieren damit es funktioniert. Denn wenn er Licht nicht versteht und bei unmöglicher Lichtsituation die Kamera auf ein Motiv hält und sich nicht bewegt um die Perspektive kreativ zu gestalten, kann sich die Kamera noch so viel Mühe geben – das Ergebnis wird dasselbe bleiben: Garbage in, Garbage out.

Die einzige Möglichkeit tolle Bilder aus den Händen von Leuten die gar keine Ahnung von Fotografie haben zu bekommen wäre, wenn die Kamera einfach ein anderes Motiv ausgibt als das worauf der Fotograf zielt. Oder per Google eine Aufnahme aus dem Internet sucht die dasselbe Motiv zeigt aber von jemandem aufgenommen wurde der das fotografische Handwerk versteht.

Das wäre doch noch ein Geschäftsmodell: Eine Kamera die aus dem Internet tolle Aufnahmen von Motiven sucht und ausgibt, auf die man das Gerät gerade richtet. Und der Fotograf erhält ein paar Cent Tantiemen für jede Aufnahme die ein Tourist in Salzburg, Paris oder Florenz herunterlädt.

Aber ich schweife etwas zu weit ab.

Aber, werden ein paar (wohl männliche Leser) einwerfen: Es gibt ja diese Entwicklungen. Gerade kam eine Kamera auf den Markt, die es erlaubt Schärfepunkt und Schärfentiefe im Nachhinein zu bestimmen. Und Xerox arbeite an einem Programm das in der Lage ist die ästhetische Qualität von Aufnahmen zu bestimmen. Adobe soll an einer Software arbeiten die aus verwackelten Bildern gestochen scharfe macht.

Nun, ich habe in den letzten Jahren als Bildbearbeiter und Fotograf genug Heilsversprechen gesehen, die bei weitem nicht gehalten haben was sie bei der Präsentation versprachen. So erfüllen zum Beispiel in Photoshop weder »Inhaltsbewahrendes Skalieren«, noch »Inhaltsensitives Löschen«, noch »Bereichsreperatur-Pinsel-«, »Reparatur-Pinsel-« und »Ausbessern-Werkzeug« die Anforderungen professioneller Bildbearbeitung. Nur wenn es mal schnell gehen muss und nicht so genau ist sind die Ergebnisse in der Regel akzeptabel.

Und egal welche Software was für einen Algorithmus zum Entfernen und reduzieren von Rauschen verwendet – am Ende ist immer auch die Schärfe reduziert.

Meine Erfahrung mit diesen Technologien ist die: Sieht man das Ganze in einer Präsentation auf Leinwand oder YouTube, ist es »boah« und »wow«. Aber in der Praxis am heimischen Bildschirm in der Tatsächliche-Pixel-Ansicht kommt man schnell wieder auf dem Boden der Wirklichkeit an.

Welcher ambitionierte Fotograf nutzt an seiner Kamera schon Smile-Detection? Manuelle Belichtungseinstellung und manuelle Belichtungskorrektur ist noch immer notwendig möchte man jedem Motiv optimal begegnen. In manchen Situationen ist auch das manuelle Scharfstellen nicht durch Auto Fokus zu ersetzen. Und ich nehme an, dass mehr ambitionierte Fotografen die simple mittenbetonte Messung zur Ermittlung der Belichtung einsetzen als die hochkomplexe Mehrfeldmessung.

Kreativität, Können und Erfahrung lassen sich nicht durch Technik und Software ersetzen. Weder durch die teuerste, noch durch die neueste. Zwar bringen viele Innovationen in manchen Situationen einen Hauch mehr Luxus und Effizienz in der Anwendung. Viel mehr steckt aber nicht dahinter.

3.6. Unter- und Überbelichtung am Histogramm erkennen

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Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

In der Abbildung unten sieht man noch einmal ein Histogramm. Darunter habe ich das Zonensystem 90° gedreht platziert. Zone 0 steht für reines Schwarz ohne die geringste Zeichnung. Das ist Unterbelichtung. Zone 10 ist reines Weiß ohne Zeichnung – sprich: Überbelichtung.

Histogramm und Zonensystem
Histogramm und Zonensystem

Aus dem Histogramm lassen sich Unter- und Überbelichtung ganz einfach ablesen. Läuft das Tonwertgebirge ins linke Ende des Histogrammfeldes ➀ bedeutet das, dass unterbelichtete ­Bereiche im Bild sind. Je größer die Anhäufung, desto größere Bereiche sind unter­belichtet. Eine Anhäufung am rechten Ende ➁ sagt uns, dass Bildbereiche überbelichtet ausgefallen sind.

Optimaler Kontrastumfang | Die folgende Abbildung zeigt ein Motiv mit beinahe optimalen Lichtbedingungen, praktisch optimal belichtet. Das Histogramm reicht von ganz links bis ganz rechts. Das heißt, dass das Bild von ganz dunklen zu ganz hellen Tonwerten reicht. Der Tonwertumfang des Digitalbildes wird in voller Breite genützt – das Bild ist Kontrastreich. Mit so einer Vorlage bleiben auch für die Nachbe­arbeitung am Computer alle Wege offen.

Optimal belichtet Das Histogramm zeigt: Dieses Bild ist optimal belichtet.

Histogramm eines unterbelichteten Bildes | Die nächste Abbildung zeigt ein unterbelichtetes Ergebnis – das Tonwertgebirge hat am ­linken Ende des Histogrammfeldes einen großen ›Haufen‹ ge­bildet. Wenn der Fotograf eine Aufnahme in der Bildrückschau prüft, und das Histogramm sieht so aus, dann sollte er mittels einer Belichtungskorrektur eingreifen und eine neuerliche Aufnahme machen.

Unterbelichtet Das Histogramm zeigt links einen Haufen und ist angeschnitten: Unterbelichtung!

Histogramm eines überbelichteten Bildes | Das folgende Beispiel ist hoffnungslos überbelichtet – der große Haufen türmt sich am weißen Ende des Histogrammfeldes auf. Auch hier sind ein Eingriff über eine Belichtungskorrektur und eine zweite Aufnahme notwendig.

Ueberbelichtet Anhäufung und angeschnittenes Tonwertgebirge auf der rechten Seite: Überbelichtung!

Zu großer Kontrastumfang

Die beiden vorangegangenen Motive konnte ich auf Grund der Lichtverhältnisse durch eine Belichtungskorrektur dann doch noch relativ gut ­belichtet einfangen. Anders sieht es mit der folgenden Szene aus.

Zu viel Kontrast
Schwierige Lichtsituation: Helle Lichter im Hintergrund und dunkle Schatten in den Ecken im Vordergrund.

Bei diesem Motiv haben wir es mit tiefen Schatten im Vordergrund und sehr hellen Lichtern im Hintergrund zu tun. Der Kontrastumfang der Szene ist deutlich höher als der Kontrastumfang, der für das Digitalbild aufgenommen werden kann. Das Tonwertgebirge des Histogramms ist sowohl am schwarzen Ende als auch am weißen Ende des Histogrammfeldes angeschnitten.

Histogramm zeigt zu viel Kontrast Histogramm links und rechts angeschnitten: Die Szene beinhaltet mehr Kontrast zwischen hell und dunkel, als der Bildsensor aufzeichnen kann.

Mit Belichtungskorrektur ist hier nicht gleichzeitig weder Über- noch Unterbelichtung zu er­reichen. Würde man dunkler belichten, um der Überbelichtung zu entgehen, würden sich die unterbelichteten Bereiche ausdehnen. Würde man heller belichten, um der Unterbelichtung entgegen zu wirken, ­dehnen sich die überbelichteten Bereiche aus. Die Frage nach der technisch optimalen Belichtung stellt sich hier nicht mehr, sondern lediglich: Bei welcher Einstellung sieht es besser aus? Keine Unterbelichtung, dafür große, überbelichtete Bereiche? Keine Überbelichtung, dafür große, unterbelichtete Schatten? Oder ein bisschen von Beidem?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Man muss von Bild zu Bild entscheiden. Doch Unterbelichtung fällt meist weniger negativ auf, als Überbelichtung.

Das menschliche Wahrnehmungssystem in der Lage ist, etwa zehn Lichtwerte von Schwarz bis Weiß auf einmal zu unterscheiden – eine Digitalkamera etwa zehn bis zwölf. Die Natur jedoch umfasst etwa zwanzig Lichtwerte.

Glücklicher Weise ist der Kontrastumfang der meisten Szenen nicht wesentlich größer als zehn Lichtwerte. So lange die hellsten Bereiche in einem Bild nicht mehr als zehn Mal heller sind als die dunkelsten, haben wir kein Problem, sowohl die Lichter der Szene als auch die Schatten in einer Belichtung einzufangen. ­Problematischer wird es jedoch mit Szenen, in denen der Unterschied zwischen ganz dunkel und ganz hell deutlich mehr als das Zehn­fache beträgt.

Mehr als zehn Lichtwerte | Eine Vollmondnacht repräsentiert eine solche Problemszene. Der Mond ist Reflektor des Sonnenlichts und ist hell erleuchtet. Der Nachthimmel hingegen ist rabenschwarz.

Vollmondnacht Histogramm
Eine Vollmondnacht weist einen hohen Kontrastumfang auf.

Unserer Wahrnehmung nach ist die Szene etwa so, wie in der Abbildung oben. Zwar sind wir nicht in der Lage den natürlichen Kontrast­umfang von mehr als zehn Lichtwerten mit einem einzigen Blick auf­zunehmen, doch unsere Wahrnehmung baut sich die ­Ein­drücke einfach aus mehreren Blicken zusammen. Deshalb scheint es, als könnten wir sowohl die helle Topographie des Mondes als auch das Muster der Wolken am Himmel zugleich wahrnehmen.

In der Fotografie ist es nicht möglich mit einer einzigen Belichtung Szenen von Schwarz bis Weiß zu erfassen, die den Kontrast­umfang des Bildsensors (die Anzahl an Lichtwerten) überschreiten. Die Konsequenz ist, dass wir uns entscheiden müssen, ob wir die dunklen Bereiche korrekt belichten wollen oder die hellen oder einen Bereich da­zwischen. Letzteres hat natürlich zur Folge, dass wir sowohl im Dunkeln Unterbelichtung, als auch im Hellen Überbelichtung in Kauf nehmen müssen.

Entscheiden wir uns, die dunklen Bereiche korrekt zu belichten, können wir zwar den Wolkenhimmel gut belichtet einfangen, der helle Bereich jedoch, der den Kontrastumfang des ­Sensors überschreitet, muss abgeschnitten werden. Deshalb erscheint der Mond nur mehr als weiße Scheibe (überbelichtet).

Belichtung auf dunkle Bereiche
Auf die dunklen Bereiche belichtet.

Entscheiden wir uns, den Mond korrekt zu belichten, können wir die Struktur im Mond abbilden, doch die dunklen Be­reiche des Wolkenhimmels fallen aus dem Kontrastumfang des Sensors und werden abgeschnitten – sie erscheinen im Bild als schwarze Flächen ohne Kontrast (unterbelichtet).

Belichtung auf helle Bereiche
Auf die hellen Bereiche belichtet.

Kein Kraut gegen zu hohen Kontrastumfang | Leider gibt es kein Mittel gegen zu hohen Kontrastumfang. Der Fotograf versucht deshalb in der Regel Situationen zu meiden, in denen der Kontrast zu hoch ausfällt. Weitaus häufiger als in der Vollmondnacht tritt das Problem unter direktem Sonnenlicht auf. Direkt unter der Sonne ist der Kontrastumfang von Licht zu Schatten sehr hoch und sorgt für harte Kontraste. Unter bedecktem Himmel, mit einer Wolke vor der Sonne oder im Schatten, verringert sich der Kontrast hingegen, sorgt für weicheres Licht und sanftere Kontraste.

In der Sonne Zu hoher Kontrastumfang entsteht auch bei direktem Sonnenlicht.
Im Schatten Deshalb wenn möglich lieber im Schatten fotografieren.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

Wie viel Belichtungsmodus braucht eine Kompaktkamera?

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P7000 top lo
© Nikon GmbH

Schon tolle Geräte, Kameras wie die P7000 von Nikon, die Lumix LX5 oder die Canon PowerShot G12. Scheinen alles zu können, was eine Spiegelreflexkamera kann, außer Objektive wechseln. Sie bieten sogar wie DSLRs einen Wahlschalter für Programm ( P ), Zeitvorwahl (S), Blendenvorwahl (A) und manuelle Belichtungseinstellung (M).

Aber bringen diese Belichtungsmodi bei einer Kompakten überhaupt etwas?

Kaum. Aufgrund optischer Phänomene bei den kleinen Sensoren der meisten Kompaktkameras und deren Preiskalkulation erreicht kaum ein solcher Apparat einen größeren Blendenspielraum als bestenfalls ƒ1.4 bis ƒ8.0 am kurzen und ƒ4.0 bis ƒ8.0 am langen Ende der Brennweite.

Üblicherweise gilt ein manueller Eingriff in die Blendeneinstellung vor allem dazu die Schärfentiefe kreativ zu gestalten. Bei den kleinen Bildsensoren kompakter Kamera ist allerdings abgesehen vom Nahbereich in dem Makro fotografiert wird die Schärfentiefe in den meisten Fällen nahezu unendlich. Im Weitwinkelbereich noch mehr als in Telestellung. Ob Blende ƒ1.4 oder ƒ8.0 bei Weitwinkel beziehungsweise Blende ƒ4.0 oder ƒ8.0 im Telebereich macht da kaum einen Unterschied. Deshalb ist es auch weitgehend egal ob der Fotograf in Programm, Blendenvorwahl oder mit manueller Belichtungseinstellung fotografiert.

Nikon 1 – Überrascht?

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Nikon 1 J11 Nikkor 10 Pancake WH
© Nikon

Wenn ich mir Reaktionen über Nikons neues Kamerasystem mit dem schlichten Namen 1 ansehe, dann scheinen die meisten Beobachter überrascht zu sein und die wenigsten davon positiv.

Nikons neues System baut auf einen Sensor, der mit 13,2×8,8mm deutlich kleiner ist, als das übliche Format für Amateur-Spiegelreflexkameras, 16×24mm (mit dem auch die Systemkameras von Sony und Samsung ausgestattet sind), und das im Profi-Bereich übliche Kleinbildformat (Vollformat), mit 24×36mm. Allerdings ist das Format auf der anderen Seite doch deutlich größer als die größten Bildsensoren, die derzeit in Kompaktkameras verbaut werden – ca. 7,3×5,7mm.

Nun ist natürlich ein kleinerer Sensor technisch und bildgestalterisch ein unbestreitbarer Nachteil. Zum einen verschlechtert sich das Rauschverhalten bei schwachem Umgebungslicht und entsprechend erhöhten ISO-Werten. Viel dramatischer wiegt aber, dass das Spiel mit geringer Schärfentiefe nur eingeschränkt möglich ist, was jedoch wertvoll wertvoll wäre um die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Objekt zu lenken. Wer daran jedoch seine gesamte Kritik am Nikon 1 System aufhängt, denkt zu kurz.

Wer von einer Kamera einen großen Sensor erwartet, muss eine große Kamera in Kauf nehmen. Zwar hat das Nachteile beim Transport, aber ambitionierte Fotografen wissen, dass die Vorteile einer großen, griffigen und satt in der Hand liegenden Kamera für komfortables Fotografieren ohnehin unverzichtbar ist.

Klar ist es möglich Kameragehäuse heute auch mit größeren Sensoren sehr kompakt zu gestalten. Doch von der Größe des Sensors hängt auch die Größe des Objektivs ab und dessen Volumen lässt sich nicht so leicht schrumpfen. Was aber soll ein winziges Kameragehäuse bringen, wenn das Objektiv groß ist?

Nx100 presse04
© Samsung

Das Ziel aktueller Systemkameras ist vor allem Geräte mit Wechselobjektiven im kleinen Volumen anbieten zu können. Wer eine Kamera mit einem großen Sensor, und dafür angemessene Objektiv nutzen will, ist mit den aktuellen Spiegelreflexmodellen besser bedient. Man muss auch nicht über Cabrios mosern, nur weil man die Vorteile von Kombis schätzt.

Nikons Entscheidung, das neue System mit einem verhältnismäßig kleinen Bildsensor auszustatten, ergibt durchaus einen vernünftigen Sinn, wenn man ein paar Jahre in die Zukunft denkt.

In den letzten Monaten sind immer mehr Kameras mit elektronischen Suchern auf den Markt gekommen. Die aktuellen Modelle haben gegenüber optischen Suchern noch Nachteile. Aber sie haben auch bereits Vorteile. Es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis die Nachteile durch technische Weiterentwicklung ausgemerzt werden können. Schon wird diskutiert, dass elektronische Sucher in nicht allzu ferner Zukunft die optischen Sucher verdrängen könnten. Das heißt also aus mit Spiegelreflex.

Eine Kamera mit elektronischem Sucher ohne Spiegel ist eine Systemkamera. Wenn also Nikon in einigen Jahren seine semiprofessionellen und professionellen Modelle nur mehr mit elektronischem Sucher ausstatten sollte, dann wäre jede Nikon eine Systemkamera. Das heißt die aktuellen Nikon DX- und FX-Spiegelreflexkameras würden sich linear und fließend zu DX- und FX-Spiegelreflexkameras entwickeln. Welchen Sinn würde es für Nikon (und den Anwender) dann machen, parallel ein zweites System zu fahren, mit den mittelgroßen DX- oder großen FX-Sensoren?

Vor diesem Blick in eine durchaus wahrscheinliche Zukunft beginnt das neue Nikon 1 System plötzlich einen klaren Sinn zu ergeben. Wer einen großen Sensor für seine Arbeit wünscht und braucht, wird weiterhin auf Nikon FX-Modelle setzen können und kann alle Objektive der letzten fünfzig Jahre nutzen. Wer mit etwas weniger auskommt, kann die DX-Reihe mit kleineren Bildsensoren und preiswerteren Objektiven nutzen, kann ebenso alle Objektive seit den 1950er Jahren ansetzen und auch die hochwertigen und teuren FX-Objektive verwenden.

Für jene, die vor allem eine kleine Kamera, zum komfortablen mitnehmen, suchen gibt es nun das neue CX-System der Nikon 1. Zwar kann der Fotograf auch hier mittels Adapter DX- und FX- und alle Objektive der letzen fünfzig Jahre nutzen, aber – he! – das ist eigentlich nur eine mögliche Option, nicht der wirkliche Zweck der Kamera. Der Zweck der Nikon 1 ist es vor allem klein zu sein und diesen Zweck erfüllt das neue System perfekt. So wie ein Cabrio seinen Zweck erfüllt. Wer Ladefläche mit Dach sucht, muss sich halt bei den Kombis umsehen.

Panasonic Lumix G3 – die optimale immer-dabei-Kamera

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Seit Juli habe ich nun die Panasonic Lumix G3 in Besitz und im Einsatz. Ich habe mich sogar getraut sie als alleine Kamera mit auf meine dreiwöchige Urlaubsreise mit dem Cabrio durch Österreich zu nehmen, was ich keinen Moment bereut habe. In sofern war die Kamera für mich ein guter Zuwachs, auch wenn ich im Weiteren einiges zu bekritteln habe.

Die G3 sieht auf Bildern größer aus als sie tatsächlich ist. Sie ist sogar sehr kompakt und gar nicht so viel größer als zum Beispiel oder die Nikon P7000. Um Unterschied zu diesen beiden Modellen hat man aber einen um ein vielfaches größeren Bildsensor, einen Sucher, der mehr als ein Placebo darstellt und die Möglichkeit Objektive zu wechseln. Für viele ist wohl letzteres ein Grund sich für die G3 zu entscheiden. Für mich gar nicht so unbedingt, obwohl es natürlich alles andere als ein Nachteil ist.

Trotz ihrer Kompaktheit ist die G3 überraschend schwer, was eine absolut positive Eigenschaft für eine Kamera ist, weil sie so gut und satt in der Hand liegt, sich gut stabilisieren lässt und sich darüber hinaus wertig anfühlt.

Nimmt man die G3 zur Hand macht sie einen sehr soliden Eindruck und man empfindet ein metalleneres Gehäuse, als man bei genauerer Analyse tatsächlich entdeckt. Einiges an der Kamera ist Plastik und nicht alles macht einen so soliden Eindruck. So frage ich mich zum Beispiel wie lange es wohl dauern wird, bis ich den Schalter zum Einschalten der Kamera wohl abbreche.

Die Knöpfe machen einen recht billigen Eindruck, sind zum Teil kaum zu ertasten und damit nur schwer blind anzuwenden, liegen schlecht positioniert oder zu dicht aufeinander und ich würde mir wünschen die Taste zum Starten der Video-Aufnahme und die iA-Taste (›intelligent Auto‹) per Menü mit anderen Funktionen versehen zu können. Sollte ja eigentlich für die Programmierer kein Problem darstellen. Diese beiden Tasten liegen günstiger und sind besser zu ertasten, als die beiden Fn-Tasten, die man frei mit Funktionen belegen kann.

Etwas fummelig ist auch das Einstellrad am Rücken und es macht auch einen etwas billigen Eindruck. In der Praxis lässt es sich aber relativ gut, wenn auch nicht perfekt, bedienen. Genial finde ich daran, dass man dieses Rad nicht nur Drehen, sondern auch Drücken kann, und so zwischen Blendeneinstellung und Belichtungskorrektur, im Belichtungsmodus Blendenvorwahl, und zwischen Blende und Zeit, im manuellen Modus, wählen kann. Auf diese Art lässt sich die G3 für mich so bedienen, wie meine Profi-Kamera Nikon D700 mit zwei Einstellrädern.

Gold wert ist natürlich das Klappdisplay. Besonders bei einer kompakten Kamera wüte ich nur ungern auf diese Option verzichten. Schließlich gehört der Blickwinkel als Teil der Bildperspektive, neben Schärfe, Belichtung und Komposition, zu den wichtigsten Gestaltungsparametern.

Lustig und interessant ist die Option die Kamera mit Touch zu steuern. Die Kamera hat nämlich ein berührungsempfindliches Display, wie man es von Handys her kennt, auch wenn es etwas weniger sensibel ist, an was man sich zuerst gewöhnen muss, was in der Praxis aber wohl auch gut ist. So kann man zum Beispiel die Kamera so einstellen, dass mit einem Fingertipp auf das Display auf diesen Punkt scharf gestellt und gleich ausgelöst wird. Ich könnte nicht behaupten, dass das die Art zu fotografieren revolutionieren würde. Es scheint mir nicht wirklich einen großen Vorteil zu klassischen Art zu fokussieren und auszulösen zu haben. Vielleicht in manchen Situationen, aber nicht generell. Um was es die Fotografie aber auf jeden Fall bereichert ist den Spaß, den es macht Bilder auf diese Art aufzunehmen. Es erweitert einfach die spielerischen Varianten die eine Kamera bietet. Und Spaß sollte immer etwas zentrales an der Fotografie sein.

Schön wäre, wenn die Kamera automatisch zwischen Display und Sucher wechseln würde, wenn man sich mit dem Auge dem Sucher nähert. Tatsächlich muss man vorher manuell umschalten.

Der Sucher selbst, mein erster elektronischer Sucher, erweist sich in der Praxis als sehr gut brauchbar. Er ist groß genug und natürlich auch hell genug, da ja ein Bildschirm im Sucher steckt und der immer mit Licht arbeitet. Jedenfalls so lange Licht vor dem Objektiv ist. Wenn es bereits relativ dunkel ist, dann sieht man durch diesen elektronischen Sucher nur mehr Schwarz. Bei einem analogen Sucher könnte man denselben in derselben Situationen noch problemlos nutzen.

Beim Funktionsumfang gibt es an der G3 kaum etwas zu bemängeln. Die Kamera bietet fast schon zu viel Einstellungen, was man individualisieren kann. Vielleicht wäre hier weniger fast ein bisschen mehr gewesen.

Mit dem mitgelieferten 14–42mm Objektiv hatte ich wenig keine Freude. Zwar werden ihm im Verhältnis zum Preis recht gute optische Eigenschaften nachgesagt, aber es fühlt sich an, als wäre es aus einem Kinderüberraschungsei geschlüpft. Und so billig sich das Plastik anfühlt, so billig hört es sich auch an, wenn die Plastikteile aneinander schaben, wenn man am Zoomring dreht. Das passt einfach nicht zum eher wertigen Eindruck, den das Gehäuse insgesamt doch macht. Hier fühlen sich zum Beispiel die neuen Nikon 1 Modelle und deren Objektive um Welten besser an.

Generell scheinen mir die aktuellen Evil Systemkameras (Elecrtonic Viewfinder, Interchangable Lens – Elektronischer Sucher und Wechselobjektiv) einen gravierenden Ansatzfehler zu haben. Der Sinn dieser Modelle ist ja vor allem auch, dass sie deutlich kleiner sein sollen, als Spiegelreflexkameras. Und so gut wie alle Modelle, von Sony, Olympus, Samsung oder eben auch Panasonic sind das auch – die meisten noch deutlich kleiner als die G3. Das soll den Vorteil haben, dass man die Kamera immer dabei haben kann. Auf die Kameras mag das ja zutreffen. Aber gilt das noch, wenn auch Objektive mit dabei sind?

NEX 5 von Sony Schwarz 014 jpg
© Sony

Das ist mit dem 14–42mm Objektiv zur G3 nicht anders. Auch wenn es grässlich leicht ist, so trägt es doch ordentlich vor der Kamera auf und macht aus der kompakten Systemkamera ein Gerät, das nicht mehr so kompakt in einer Tasche untergebracht werden kann.

Wer also eine G3 (oder eine andere Kamera von Panasonic oder Olympus) ins Auge fasst, sollte sich überlegen ob er deren Standardobjektiv tatsächlich im Set mit der Kamera kaufen soll, oder ob es nicht vernünftiger wäre das Kameragehäuse alleine zu kaufen und ein angemessenes Objektiv gesondert dazu. Wer auf Zoom nicht verzichten will, sollte sich einmal das innovative Panasonic Lumix G X Varia PZ 14–42mm ansehen.

Panasonic H PS14042k side Power on © Panasonic

Dieses Objektiv kopiert im Grunde das Prinzip von Objektiven, wie sie in Kompaktkameras üblich sind und die sich komplett in das Kompaktkamera Gehäuse versenken lassen. Durch dieses Prinzip wird das Objektiv im Ruhezustand extrem flach und so wird das Konzept der kompakten Evil-Systemkameras erst richtig schlüssig. Zum Zooomen dient dann kein Ring mehr, sondern der Schalter, der am Objektiv zu sehen ist. Man zoomt also auch, wie bei einer Kompaktkamera.

Für meine G3 habe ich mich für ein Festbrennweiten-Objektiv entschieden und zwar für das H020E Pancake mit Lichtstärke ƒ1.7.

H H020 slant © Panasonic

Es fühlt sich an, wie sich ein Objektiv anfühlen soll und liefert eine ausgezeichnete Abbildungsqualität. Der Straßenpreis von ca. 350 Euro geht dafür absolut in Ordnung. Durch die hohe Lichtstärke lässt es sich richtig schön mit Schärfentiefe spielen und es ist möglich Motive vor dem Hintergrund freizustellen. Die Lichtstärke hilft auch dem Autofokus beim Scharfstellen.

Wie alle bisherigen Systemkameras ohne Sucher glänzt auch die G3 nicht unbedingt durch blitzartiges Fokussieren, wenn die Lichtverhältnisse nachlassen. Genau genommen ist an sehr trüben Tagen selbst mit dem Lichtstarken 1.7er Objektiv ein Scharfstellen auf bewegte Objekte kaum möglich. Mit einem weniger Lichtstarken Objektiv fällt der Kamera das Fokussieren natürlich noch schwerer.

Das Pancake 1.7 von Panasonic ist auf jeden Fall eine Empfehlung für alle, die mit einer Micro FourThirds Kamera fotografieren.

Von meinen Nikon-Objektiven bin es gewohnt praktisch immer eine Streulichtblende im Lieferumfang zu finden. Die wenigen Ausnahmen haben das Glas der Frontlinse so tief im Objektivgehäuse versenkt, dass man gut darauf verzichten kann.

Das Lumix Pancake kommt leider ohne Streulichtblende daher und Panasonich bietet auch keine an. Schade, denn ich schätze Streulichtblenden vor allem als Schutz für die Frontlinse. Besser als jeder UV-Filter und ohne dessen möglicherweise negativer Auswirkung auf die Abbildungsqualität.

Ich habe mir deshalb die Streulichtblende von Enjoyyourcamera bei Amazon besorgt. 17 gut investierte Euro, denn ohne wäre das Objektiv mittlerweile sicher über den Jordan. Während einer Wanderung stolperte ich mit der Kamera über einen Draht, den ein heimtückischer Bauer knapp über den Weg gespannt hatte und trotz meiner Bemühung den Fall so zu gestalten, dass ich mir die Knochen breche und nicht die Kamera sich das Gehäuse, fiel die G3 mit der Front nach unten auf den Schotterweg. Ohne die stabile Streulichtblende aus Aluminium wäre die vorstehende Frontlinse garantiert zu Bruch gegangen.

Ebenfalls von Enjoyyourcamera stammt die Handschlaufe, die ich mir zur Kamera besorgt habe. Für mich die komfortablere Möglichkeit eine kompakte Kamera mit mir herumzutragen, als eine Schlinge um den Hals. Die Kamera versehentlich fallen zu lassen, wird durch die Schlaufe unmöglich.

31+30ENdsDL SL500 AA300 Bild: Amazon

Fazit | Die Lumix G3 ist eine Empfehlung für alle, die viel Fotografieren und eine kompakte Kamera mit sehr guter Abbildungsleistung, ordentlicher Verarbeitung, vernünftiger Objektiv-Auswahl und vielfältigen Einstelloptionen suchen. Es macht Spaß mit ihr zu fotografieren, doch sie krankt noch etwas an einer Schwäche, die spiegellose Systemkameras bisher hatten: Sie fokussiert deutlich langsamer als eine Spiegelreflexkamera. Diese Schwäche teilt sie mit Kompaktkameras, die die Schärfe in der Regel auf dieselbe Art ermitteln, wie Systemkameras. Doch die kreativen Möglichkeiten und die mögliche Bildqualität sind bei der G3 deutlich besser, als bei Kompaktkameras.

Ob Nikon mit seinen neuen Nikon 1 Kameras das Problem der langsameren Fokussierung bei spiegellosen Kameras gelöst hat, wird sich zeigen. Es wird ihr jedenfalls nachgesagt. Doch Nikon hat für das neue System kleinere Bildsensoren gewählt und hat damit Schwächen bei den Möglichkeiten die Schärfentiefe zu reduzieren. Hier haben FourThirds-Kamras Vorteile.

Man wird sehen, was die Zukunft bringt und es ist durchaus möglich, dass ich mittelfristig die G3 durch ein aktuelleres Modell ersetze. Bislang jedoch ist die G3 für mich die optimale immer-dabei-Kamera und ich sehe noch kein Modell auf den Markt, das meine Anforderungen und Wünsche besser erfüllen würde.

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Wie viel Kamera braucht der Mensch?

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Oder besser gefragt: Wie viel Geld braucht der Mensch für seine Kamera? Mancheiner glaubt, dass unter Semiprofi-Gerät alles nicht einmal eine halbe Sache sei.

Lasst euch nicht kirre machen, liebe Leute! Wer mit einer Einsteiger-Spiegelreflexkamera keine guten Bilder herbringt, bei dem fehlt es einfach noch am fotografischen Know-how und der Erfahrung. Die Investition in eine teurere Kamera wird diese Lücke nicht füllen. Man bekommt dann mit dem professionelleren Modell in erster Linie mehr Funktionen mit denen man sich nicht auskennt.

Um das zu unterstreichen habe ich einmal meine Favoriten bei Flickr durchforstet und Bilder, die mit Kameras unter 1000 Euro aufgenommen wurden, herausgepickt. Auch Einsteigerkameras unter 500 Euro sind vertreten und sogar Handy-Aufnahmen sind dabei. Es wären noch deutlich mehr und auch bessere Bilder in dieser Klasse dabei gewesen. Aber manche verraten ihre Ausrüstung nicht und viele erlauben es einfach nicht, dass man ihre Bilder teilt.

Das Bild macht der Fotograf, nicht die Kamera. Gute Fotos basieren zu 45% auf guten Motiven, für die es kreative Ideen und erfahrene Augen braucht. 45% der Qualität bemerkenswerter Aufnahmen ist die gestalterische und technische Umsetzung, auf Basis von Kreativität, Wissen und Erfahrung des Fotografen. Vielleicht 10% macht die Qualität der fotografischen Ausrüstung aus.

Natürlich nutzen Profifotografen nur das beste Equipment, weil Ihre Kunden Top-Qualität bis in die letzten 10% hinein verlangen. Um mit der Konkurrenz mithalten zu können, kann sich der Berufsfotograf diesbezüglich keine Kompromisse leisten. Doch der erfahrende Profi holt aus jeder billig-Knippse beeindruckendere Bilder heraus, als der unerfahrene Laie aus einer High-end-Kamera.

Link zum Artikel »Einfache Kamera, tolle Bilder« in meinem Parallel-Blog.

3.5. Das Histogramm

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Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Eine der wertvollsten Gewinne der Digitalfotografie ist für mich das Histogramm. In den Abbildungen unten sind Ansichten der Rückschau am Display einer Nikon SLR und einer ­Canon Kompaktkamera zu sehen. Diese seltsamen ›Gebirge‹ erlauben es dem Fotografen nach einer Aufnahme zu ermitteln, wie gut die Belichtung gelungen ist. Je nach Kamera lassen sich sowohl ein allgemeines Histogramm für die Helligkeit (in beiden Beispielen weiß), oder einzelne Histogramme für den Rotanteil, den Grünanteil und den Blauanteil anzeigen. Oder, wie hier, beides zusammen.

Histogramm Nikon D700

Histogramme für Helligkeit, Rot, Grün und Blau am Display einer Nikon D700.

Histogramm Canon PowerShot

Histogramme für Helligkeit, Rot, Grün und Blau am Display einer Canon PowerShot G12.

Beginnen wir einmal mit einem sehr einfachen Beispiel, wie die Grafik unten, mit fünf verschieden großen farbigen Flächen.

Beispielgrafik Histogramm

Grafik aus fünf verschiedenen Farbtönen.

Nehmen wir an, dieses Bild besteht aus 15×15 Bausteinen – im Digitalbild Pixel genannt. Insgesamt besteht das Bild also aus 225 Pixeln. 15 davon sind blau, 30 violett, 45 rot, 60 orange und 75 gelb.

Beispielgrafik Histogramm Pixel

Die Grafik baut sich aus 225 Pixeln zusammen.

So etwas lässt sich natürlich auch statistisch darstellen, zum ­Beispiel in einem Balkendiagramm.

Histogramm Diagramm

Dieses Diagramm informiert über den Anteil der verschiedenen Farbtöne der oberen Grafik mit 225 Pixeln. Ein Histogramm macht im Grunde nichts anderes.

Das Histogramm ist im Grunde nichts anderes als ein Balkendiagramm. Nur informiert es den Fotografen nicht über die Farbverteilung in einem Bild, sondern über die Helligkeitsverteilung. Es zeigt also keine Farbtöne, sondern Tonwerte an.

Histogramme zeigen die Tonwertverteilung | Die Abbildung unten zeigt eine zweite Grafik. Sie ist eigentlich so aufgebaut wie die Abbildung zuvor, aber ich habe die Farben weg­ gelassen und nur mehr Tonwerte unterschiedlicher Helligkeit verwendet

.

Beispielgrafik Histogramm Tonwerte

Fünf verschiedene Tonwerte. Schwarz hat den Tonwert 100%, Weiß den Tonwert 0%.

Die folgende Abbildung zeigt wieder die Verteilung der Pixel: 15 schwarze, 30 weiße, 45 hellgraue (25%) und so weiter.

Beispielgrafik Histogramm Pixel Tonwerte

Auch diese Grafik – so nehmen wir an – besteht aus 225 Pixeln.

Das Balkendiagramm zu dieser Grafik sieht dann so aus.

Histogramm Tonwertverteilung

Balkendiagramm für die Anteile der verschiedenen Tonwerte der Grafik weiter oben.

Wie bei einem Diagramm üblich, steht auch hier unter dem jeweiligen Balken, was für einen Wert er repräsentiert. Schwarz, 75%, 50% und so weiter. Mit fünf Tonwerten mag das übersichtlich sein. Ein Graustufen-Bild im JPEG-Format kann jedoch schon 256 Tonwerte von Schwarz bis Weiß enthalten. Bei einem Farbbild in RGB sind rein rechnerisch bis zu sechzehn Millionen Farben möglich. Doch bereits bei 256 Tonwerten ist es schon bei weitem nicht­ ­praktikabel unter jedem Balken den Tonwert zu notieren, für den er steht. Statt dessen hat man sich geeinigt, dass am linken Ende der Skala Schwarz, links die dunklen Töne stehen, in der Mitte natürlich mittlere Helligkeit, rechts die hellen Töne und am rechten Ende der Skala reines Weiß.

Histogrammfeld und Tonwertgebirge |Die nächsten Abbildungen zeigen eine Aufnahme und dessen ­Histogramm. Von Balken ist nicht mehr viel zu sehen, da sie ohne Abstand einer am anderen stehen. Statt dessen wirkt das Diagramm eher wie ein felsiges Gebirge.

Bild und Histogramm

Eine Aufnahme und das dazugehörige ›Tonwertgebirge‹.

Die Landschaft des Tonwertgebirges im Histogrammfeld ➀ zeigt hier einen hohen Berg links und ein Gefälle nach rechts. ­Darunter finden wir unter ›Tonwertumfang‹ einen Verlauf ➂. Er erinnert uns daran, dass auf der linken Seite die dunklen und auf der rechten Seite die hellen Tonwerte stehen.

Wenn man das Tonwertgebirge mit dem Auge vertikal nach ­unten verlängert ➁, findet man heraus, welcher Bereich dieser Landschaft was für einem Tonwert entspricht ➂.

Ein Blick auf das Bild bestätigt, dass der Anteil dunkler Bereiche relativ hoch ist, was den hohen Berg links erklärt. Doch die Tonwertbereiche zwischen den beiden Extremen, Schwarz und Weiß, ist nicht das, was den Fotografen am Histogramm eigentlich interessiert. Viel wichtiger ist für ihn, dass er am Histogramm Unter- und Überbelichtung ablesen kann. Und das Schöne daran: Es ist in der Praxis ganz einfach.

Titel

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
240 Seiten, in Farbe, Hardcover;
ISBN: 9783842373938;
Link zu Amazon
Link zu Books on Demand
Ladenpreis: 44,90 (D);
Ladenpreis E-Book: 22,99 (D)
Mehr Info und ein kostenloses Demokapitel.

Über »Kreativ fotografieren«

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Seit einem guten Monat ist »Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt« jetzt im Handel. Gut, ich habe nicht erwartet in wenigen Wochen die Bestseller-Charts zu stürmen. Aber: In fünf Wochen gerade einmal 18 Exemplare zu verkaufen ist schon etwas ernüchternd.

Dass mich das Projekt reich machen würde habe ich ja nie erwartet. Ich wollte es einfach schreiben. Ich hatte diese Idee mit dem »vier Schritte zum Bild«-Konzept, habe damit in Workshops sehr positives Feedback geerntet und bin überzeugt, dass es Fotografie erklärt, wie sie bislang nicht erklärt wurde. Das heißt nicht, dass ich glaube, dass es das beste Werk ist, das über Fotografie je geschrieben wurde. Gott bewahre! Ich bin zwar überzeugt vom Konzept, aber nicht größenwahnsinnig. Es gibt viele gute Bücher über Fotografie und ich habe über einige viel über fotografische Theorie, angewandte Fotografie, Landschaft, Natur und Makro und Kameratechnik gelesen. Aber mir ist in meinem autodidaktischen Prozess kein Buch in die Hände gekommen, das diese Dinge im Zusammenhang erklärt. Wie hängen Blende und Porträt zusammen? Welchen Einfluss hat die Brennweite auf Architekturfotogrfie? Und weshalb gehören Beine zu den wichtigsten fotografischen – nein, nicht Motiven – Werkzeugen! Hätte ich dieses Buch bislang gefunden, hätte ich mir die Arbeit zu meinen Werk erspart. Immerhin stecken da mehrere Hundert Stunden und über 1.000 Euro Investition drin.

Aber es ist wie bei »Grafik und Gestaltung«: Ich habe das Buch geschrieben, das ich selbst immer gerne gelesen hätte. Eben das Buch, das Fotografie im Zusammenhang erklärt und nicht in theoretischen, praktischen und technischen Einzelteilen, die man sich dann selber zu einem Gesamtbild zusammenbauen muss.

Die Idee dazu war da und sie wollte raus. Deshalb habe ich das Buch geschrieben. Mit der vagen Hoffnung die Einnahen durch den Verkauf könnten die Ausgaben für die Umsetzung decken. Vielleicht sogar einen Gewinn abwerfen. Mal sehen. Der Verkauf ist ja wirklich erst angelaufen, und dass es Zeit brauchen würde, bis der Absatz etwas in Gang kommt war klar.

Ein Handicap ist natürlich, dass das Buch teuer ist. Da gibt’s nichts daran zu leugnen. 45 Euro für 240 Seiten Papier – das gibt es bei den angestammten Verlagen billiger. Und das auch noch in tadelloser Offset-Qualität, hinter der der Digitaldruck meines Buches doch etwas hinterher hinkt.

Nur: Was macht man mit einer Idee, von der man überzeugt und begeistert ist, wenn die Verlage, bei denen man anklopft, es nicht lesen oder wollen? Man sieht sich halt nach Möglichkeiten um, sein Baby trotzdem zur Welt zu bringen. Auch wenn man sich bewusst ist, dass ohne Verlag mit Vermarktungs-Maschinerie ein gesundes Wachstum des Kindes fragwürdig ist.

Dennoch: Mit »Druck auf Bestellung« hat heute jeder die Möglichkeit sein Werk in den Buchhandel zu werfen. Und ich stehe genug hinter der Idee der »vier Schritte«-Didaktik, um überzeugt zu sein, dass das inhaltliche Konzept den Mehrpreis im Verhältnis zu anderen Werken aufwiegt. Dazu haben nicht nur die Feedbacks in meinen Foto-Workshops beigetragen, sondern auch die Rückmeldungen zu meiner online-Fotoschule und meinem Skript zu Powershot S95/G12.

Allerdings nutzt das tollste Werk (oder die Überzeugung, dass man ein tolles Werk geschrieben hat) wenig es zu verkaufen, wenn kaum jemand weiß, dass es es gibt und noch viel weniger, dass es gut sein soll. Das darf jetzt ruhig als Aufforderung an jene verstanden werden, die das Buch bereits gelesen haben bzw. dran sind und auch glauben, dass es eine Bereicherung für angehende Fotografen darstellt, darüber zu berichten. Hinweise in Blogs und sozialen Netzwerken helfen, Rezensionen bei Amazon noch mehr.

Mag sein, dass so ein Aufruf zum Rezensieren etwas fragwürdig ist, und ich möchte auf gar keinen Fall, dass jetzt jemand eine tolle Rezension schreibt, der das Buch niemals in der Hand hatte, geschweige denn gelesen hat. Das wäre für mich falsch verstandene Freundschaft oder Gefälligkeit. Aber ein bisschen Wind im Netzt durch zufriedene Leser ist die einzige Möglichkeit, damit das Buch einen gewissen Erfolg ernten kann. Ohne Marketing- und Werbebudget und Kontakt zu Medien, die über ein Buch berichten, erreicht man den Leser sonst nicht.

Gerade die Feedbacks der ersten Leser sind jetzt wichtig. Wenn erst einmal ein paar gute Rezensionen geschrieben sind (die mein Buch hoffentlich verdient) sollte der Absatz an Dynamik gewinnen und mit zunehmender Verbreitung erhöht sich hoffentlich auch die positive Mundpropaganda.

Um den Preis für mein Buch nicht zu sehr explodieren zu lassen, habe ich auf Format füllende Aufnahmen verzichtet und ein Layout entworfen, das möglichst effizient mit Platz umgeht. Auch die Verteilung der Bilder auf den Seiten habe ich aus kalkulatorischen Gründen so gewählt, dass sich Seiten mit Bildern und reine Textseiten abwechseln und so das halbe Buch in SW (die Seiten ohne Bilder) gedruckt werden konnte, was den Preis doch deutlich unter 50 Euro gehalten hat. Auf Basis des Layouts entspricht der Inhalt auf meinen 240 Seiten wahrscheinlich etwa 400 bis 500 Seiten im Werk eines klassischen Verlages. Dass dabei eben keine schönen großen Bilder zu sehen sind ist ein Wermutstropfen, aber ich glaube, dass man dennoch etwas für sein Geld bekommt.

Übrigens: Mit dem Preis für das Buch verdiene ich mir keine goldene Nase. Ich habe eine Marge von 10% je Buch gewählt. Das sind knapp über 4 Euro je verkauftem Exemplar und ich glaube, dass das angemessen ist. Der höhere Preis des Werkes ergibt sich einfach aus dem Umstand, dass die Exemplare nicht zu Tausenden gedruckt und auf Lager gelegt werden sondern erst auf Bestellung in den Digitaldrucker gehen. Das nimmt das Risiko von mir, den Auflagendruck und die Lagerkosten vorfinanzieren zu müssen, vor dem fragwürdigen Hintergrund, dass man ohne Verlag und Marketing ohnehin kaum eine Chance hat, tausende Werke an den Mann und die Frau zu bringen. Der Preis dafür ist halt der höhere Preis dafür.

Das schöne an dem Projekt war für mich, neben dem spannenden Prozess den Inhalt zu entwickeln, dass ich einmal alle Fäden der Gestaltung selbst in der Hand halten konnte. Von der Schriftwahl bis zum kompletten Layout und Satz folgt alles meinen Vorstellungen – mit der Einschränkung, dass ich natürlich lieber etwas luftiger und opulenter gelautet hätte. Vielleicht erkläre ich ja bald mal in einem Artikel, wie ich das Layout entwickelt habe und wie das Gestaltungsraster aussieht. Dann wäre auch wieder einmal etwas für die Freunde der Grafik hier im Blog.