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Monat: Januar 2011

1.5. Formatfaktor

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Die Sache mit den Brennweiten könnte so einfach sein, wären da nicht die verschiedenen Sensorformate. Bildsensoren werden in unterschiedlichen Größen produziert und die Größe des Sensors beeinflusst den Blickwinkel (und natürlich den Preis). Das Problem ist also, dass eine bestimmte Brennweite vor einem bestimmten Sensorformat einen bestimmten Blickwinkel erzeugt, vor einem anderen Sensorformat jedoch einen anderen.

D7000_sensor_unit_1_rgb.jpg
Die Bildsensor-Einheit einer Nikon D7000 (Bild: © Nikon GmbH)

Die Abbildung unten zeigt einen Auszug an Formaten, die heute bei Digitalkameras üblich sind.

Sensorformate.jpg Ein paar Beispiele von Sensorformaten zur Veranschaulichung der Größenverhältnisse: Hassselblad Mittelformatkamera, Leica S2 Spiegelrelfex-Systemkamera, Kleinbild, DX (Nikon, Sony, Pentax), Four Thirds (Olympus und Panasonic) und exemplarisch das Format der Komapaktkameras G12 und S95 von Canon.

Kleinbildformat | In den Tagen der analogen Fotografie (dem Fotografieren mit Film) hatte sich zuletzt das Kleinbildformat für die meisten Kameras durchgesetzt. Filme im Format von 36×24mm passten sowohl in Kompaktkameras, Sucherkameras und Spiegelreflexkameras. Lediglich im professionellen High-End-Bereich waren Mittel- und Großformat mit größeren Filmformaten ›State of the Art‹.

Sensia100.jpg Analoger Film ist noch immer von Herstellern wie Fujifilm beziehbar (Bild: © Fujifilm Europe GmbH)

In den 1990er Jahren verhalf Canon mit seiner Ixus dem etwas bequemeren, aber relativ kleinen APS-Format, zu einem kurzfristigen Durchbruch. Doch das Gros der Aufnahmen wurde wie gesagt auf 36×24mm gebannt.

Als Digitalfotografie zum Thema wurde und erste digitale Kameras auf den Markt kamen, wurden Bildsensoren verbaut die deutlich kleiner waren als die 36×24mm Filme der analogen Kleinbildkameras. Der Grund war vor allem, dass größere Sensoren ungleich teurer zu produzieren waren als kleinere. Deshalb werden in Kompaktkameras bis heute sehr kleine Sensoren verbaut und nur in professionellen Spitzenmodellen sind Sensoren im Kleinbildformat zu finden (in analogen Zeiten war das Abbildungsformat des Films für Kompakt und Spiegelreflex eben identisch).

Mittelformat | Es gibt heute digitale Mittelformatkameras die größere Sensoren nutzen als das Kleinbildformat. Bekannte Hersteller solcher Geräte sind Hasselblad, PhaseOne oder Sinar. Im letzten Jahr ließ Pentax mit einer Mittelformat-Kamera aufhorchen, die als Preisbrecher gehandelt wird. Außerdem sorgte in jüngster Vergangenheit auch die deutsche Edel-Kameraschmiede Leica mit einem Kamerasystem für Interesse, das im Grunde eine Spiegelreflexkamera ist, aber einen größeren Sensor als Kleinbild nutzt.

645D_cross.jpg
Mittelformatkameras, wie dieses Modell von Pentax, nutzen deutlich größere Sensorformate, als das Kleinbildformat (Bild: © Pentax Imaging Systems GmbH)

Sensorformat und seine Auswirkungen

Das Gros der Kameramodelle am Markt arbeitet aber aus Preisgründen mit Sensoren, die mehr oder weniger deutlich kleiner sind als Kleinbild. Mit der Größe des Sensorformats sind nun aber eben Unterschiede in Art der Abbildung und der Abbildungsqualität verbunden. Beeinfluss werden vor allem:

  • Bildrauschen;
  • Blickwinkel und perspektivische Wirkung der Brennweite;
  • Schärfentiefe.

Bildrauschen | Bildrauschen – so bezeichnet man eine körnige Struktur aus unterschiedlich hellen oder farbigen Pixeln – gehört zu den wichtigsten Problemen der Digitalfotografie. Man unterschiedet dabei das sogenannte Helligkeits- oder Luminanzrauschen (wie in der Abbildung unten) vom Farbrauschen, bei dem nicht hellere und dunklere Pixel die Struktur ergeben, sondern bunte in den Farben rot, grün, blau, gelb, cyan und/oder magenta. Rauschen wird vor allem in dunkleren Bildbereichen sichtbar. Ein Grundrauschen ist in jedem Digitalbild normal. Oft fällt es aber so gering aus, dass man es praktisch nicht bemerkt. Doch durch lange Belichtungszeiten oder Anheben der ISO-Empfindlichkeit wird der Effekt verstärkt und es kann unangenehm im Bild hervortreten.

Bildrauschen1 Bei ungünstigen Lichtverhältnissen kann man die Belichtungszeit reduzieren indem die Sensorempfindlichkeit erhöht wird.
Bildrauschen2 Leider führt das anheben der Empfindlichkeit durch Erhöhen des ISO-Werts zu kräftigeren Bildrauschen.

Je kleiner der Sensor, desto anfälliger für Rauschen. Wobei es streng genommen vor allem auch von der Auflösung abhängt. Im Grunde geht es gar nicht um die Größe des Sensors, sondern wie viele Pixel auf wie engem Raum wie dicht beieinander liegen. Ein kleiner Sensor mit geringer Auflösung muss nicht unbedingt mehr rauschen verursachen, als ein großer Sensor mit sehr hoher Auflösung.

Je größer die Zahl der Pixel und kleiner das Format des Sensors, desto mehr Rauschen wird produziert.

Brennweite | Der zweite Faktor, der vom Sensorformat beeinflusst wird, ist der Blickwinkel den eine bestimmte Brennweite vor einem Sensor ergibt. Die beiden Abbildungen unten zeigen zwei Aufnahmen die vom Stativ aus mit exakt derselben Distanz und derselben Brennweite von 24mm aufgenommen wurden. Der Bildausschnitt den sie zeigen unterscheidet sich gravierend! Die D7000 mit dem deutliche kleineren Sensor nimmt den Buddha sehr viel naher auf, als die D700 mit ihrem Kleinbildsensor.

Dx Aufnahme aus einer Distanz von etwa zehn Zentimeter mit einem ­Sigma 24mm ƒ1.8 an einer Nikon D7000 mit einem Sensor im Format 24×16mm.
Fx Aufnahme aus derselben Distanz mit dem ­Sigma 24mm ƒ1.8 an der Nikon D700 mit einem Sensor im Format von 36×24mm.

Das nachfolgende Beispiel zeigt eine Aufnahme die mit einer Kleinbildkamera und 135mm Brennweite aufgenommen wurde. Nehmen wir an, wir würden von derselben Stelle aus mit einer 10 Megapixel Kamera mit Kleinbild und einer 10 Megapixel Kamera mit einem ein Drittel kleineren APS-C- bzw. DX-Sensor diesen Ort fotografieren, wobei beide Kameras eine Objektiv mit einer KB-Brennweite von 135mm tragen. Dann bildet die Kleinbildkamera einen größeren, die DX-Kamera einen kleineren Bildausschnitt ab – trotz gleicher Brennweite! Die Kamera mit dem kleineren Sensor scheint bei gleicher Brennweite das Motiv also näher heranzuzoomen.

Dxundfx Fx
Dx Oben links Bildausschnitt bei 135mm bei Kleinbild und 24×16mm DX-Sensor in der Montage, oben Resultat der 135mm-Brennweite bei Kleinbildformat und links Resultat bei DX-Format.

Das ist natürlich ein Problem, wenn man Brennweiten und ihre perspektivische Wirkung und den Bildausschnitt den sie abbilden miteinander vergleichen will. Ein sinnvoller Vergleich ist nur dann möglich, wenn man sie auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Der Sensor in der Nikon D7000 ist um den Faktor 1,5 kleiner wie jener in der D700: 24×16mm statt 36×24mm. Der Bildausschnitt den jede beliebige Brennweite an der D7000 erzeugt ist 1,5 mal kleiner beziehungsweise 1,5 mal naher als bei der D700. Um also einen Vergleich der Nikon D7000 mit einem Sensorformat, das man als APS-C bezeichnet, mit der D700, die ein Kleinbildformat hat, anstellen zu können, wird das APS-C auf Kleinbild umgerechnet. Das gilt natürlich für alle anderen Marken und Formate ebenso.

Kleinbild ist der gemeinsame Nenner auf den sich die Fachwelt geeinigt hat – die Abkürzung lautet KB. Spricht man allgemein von Brennweiten, dann beziehen sich die Millimeterangaben immer auf Kleinbild, sofern es nicht dezidiert anders angegeben wird.

Um Brennweiten an unterschiedlichen Kameras mit unterschiedlichen Sensorformaten vergleichen zu können, hat man sich auf Kleinbild (KB) als gemeinsamen Nenner geeinigt.

Formatfaktor | Für jedes Format lässt sich ein Umrechnungsfaktor aufstellen, mit dem sich die Wirkung von Brennweiten im Vergleich zu Kleinbild berechnen lässt. Diesen Umrechnungsfaktor bezeichnet man auch als Formatfaktor oder Crop-Faktor.

Bei Nikon ist das einfach. Nikon hat zwei Formate für Spiegelreflexkameras: Geräte, mit einem Sensor im Format 36×24mm, die bei Nikon die Bezeichnung FX tragen. Und Geräte mit einem Sensor im Format 24×16mm, die bei Nikon DX heißen und einen Umrechnungsfaktor auf Kleinbild von 1,5 haben. Ein 50mm Objektiv an einer Nikon mit kleinerem DX-Sensor entspricht dem Bildausschnitt und der perspektivischen Wirkung von 75mm auf Kleinbild: 50 × 1,5 = 75.

Bei Olympus und Panasonic (Lumix) ist das sogar noch einfacher. Deren sogenannte Four Thirds Sensoren haben ein Format von 17,3×13mm und werden mit dem Umrechnungsfaktor 1:2 berechnet: 50mm an einer Four Thirds Kamera entspricht also rund der Bildwirkung von 100mm an einer Kleinbildkamera.

  • Kleinbild: 36×24mm (1:1 KB-Faktor);
  • APS-H (Canon): 27,9mm×18,6mm (≈1:1,3 KB-Faktor);
  • DX (Nikon, Sony, Pentax): 23,7×15,6mm (≈1:1,5 KB-Faktor);
  • APS-C (Canon): 22,2×15,8mm (≈1:1,6 KB-Faktor);
  • Four-Thirds (Olympus, Panasonic): 17,3×13mm (≈1:2 KB-Faktor);
  • Sensor der Canon PowerShot G12 exemplarisch als ein Sensorformat vieler möglicher bei Kompaktkameras: 7,6×5,7mm (≈1:4,5 KB-Faktor).
Powershot g12 Powershot s95
Auf der Front des Objektivs der Kompaktkamera Canon PowerShot G12 steht die tatsächliche Brennweite der Optik: 6,1mm bis 30,5mm. Die tatsächliche Brennweite der PowerShot S95 reicht von 6mm bis 22,5mm. Allerdings interessieren uns Fotografen in der Regel nicht die technischen Brennweiten, sondern das Äquivalent der Bildwirkung im Vergleich zur Kleinbildkamera. Der Formatfaktor für G12 und S95 beträgt etwa 4,5. Canon gibt die Brennweiten der G12 auf Kleinbild umgerechnet mit 28–140mm an, für die S95 mit 28–105mm.

Schärfentiefe | Ein dritter Unterschied liegt in der unterschiedlichen Schärfentiefe unterschiedlicher Sensorformate. Wie die beiden folgenden Abbildungen jedoch belegen, fällt der Unterschied zwischen mittleren Sensoren, wie Four Thirds, APS-C, DX und APS-H, und Kleinbild nicht besonders dramatisch aus.

Schaefentiefe1
Aufnahme mit der Kleinbildkamera Nikon D700 und 105 mm Objektiv.
Schaefentiefe2
Aufnahme mit der D7000 mit kleinerem Sensor und demselben Objektiv. Aufgrund des Formatfaktors musst ich die Kamera weiter weg stellen um denselben Bildausschnitt zu erreichen. Das Ergebnis ist, dass bei gleicher Brennweite (und gleicher Blende) eine höhere Schärfentiefe entstanden ist.

Je größer der Sensor, desto geringer die Schärfentiefe, bei ansonsten gleichen Einstellungen.

Eklatanter wird der Unterschied in der Schärfentiefewirkung zwischen den sehr kleinen Sensoren bei Kompaktkameras und den mittelgroß bis großen Sensoren in Spiegelreflex- und anderen Systemkameras. Dazu habe ich unter ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹ schon einmal zwei Bilder gezeigt.

Für die Auswirkung des Sensorformats auf Bildrauschen, Bildausschnitt und Schärfentiefe gelten folgende Regeln:

  • Je kleiner der Sensor, desto höher die Neigung Bildrauschen zu erzeugen bei gleicher Empfindlichkeit und gleicher Belichtungszeit.
  • Je kleiner der Sensor, desto enger der Bildausschnitt bei gleicher Brennweite.
  • Je kleiner der Sensor, desto höher die Schärfentiefe bei gleicher Brennweite und gleicher Blende.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
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1.4. Brennweite

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Für den Laien und Neueinsteiger bedeuten Brennweiten vor allem Eines: Dinge, die weit weg sind, nah heranholen. Heranzoomen. Und wie so oft Begreift der Volksmund die Materie nach dem Motto »viel hilft viel«. 200mm sind mehr ist als 20mm. Ergo: 200mm sind besser. Richtig?

Falsch! Ich würde sogar sagen: Verkehrt! Und ich würde jederzeit eine Kamera mit ausschließlich 24 mm Brennweite einer Kamera mit ausschließlich 200 mm vorziehen. In der Regel habe ich unterwegs immer meine Nikon D80 dabei. Nicht mehr ganz taufrisch, aber noch immer gut für gute Bilder. Als Objektiv habe ich entweder ein 35mm (entspricht 53mm KB) oder 28mm (entspricht 42mm KB) drauf. Beides sind Festbrennweiten, beide sind klein und leicht, beide liefern eine hervorragende Abbildungsqualität und beide sind nicht besonders teuer (ich habe Sie im Artikel über »Fotografische Genres und die geeignete Kamera« schon einmal kurz vorgestellt; vergleichbare Modelle finden sich auch bei anderen Herstellern).

Was bedeutet Brennweite?

Mit ›Brennweite‹ bezeichnet man den Blickwinkel von Objektiven. Weitwinkelobjektive haben einen weiten Blickwinkel, Teleobjektive einen engen Blickwinkel und ein 50mm-Normalobjektiv soll in etwa dem mittleren Blickwinkel des Menschen entsprechen.

Brennweiten
Blickwinkel verschiedener Brennweiten an einer Kamera mit Kleinbildsensor (Vollformat) im direkten Vergleich.

Ein extremes Weitwinkelobjektiv mit einer Brennweite von 14mm (1) erreicht einen Blickwinkel von 114 ° und kann damit einen sehr weiten Bildausschnitt abdecken. Mit einem moderaten Weitwinkel und einer Brennweite von 28mm (2) erreicht man einen noch immer weiten Blickwinkel von etwa 75 °. Das ist noch immer weiter mehr als der Blickwinkel unserer Wahrnehmung. Ein 50mm-Normalobjektiv (3) erfasst einen Blickwinkel von knapp 47°. Das ist entspricht etwa der menschlichen Wahrnehmung. Ein Teleobjektiv mit einer Brennweite von 200mm (4) beschneidet den Bildausschnitt auf einen engen Blickwinkel von etwa 12°. Allerdings gelten diese Angaben nur an einer Kamera mit einem Bildsensor im Kleinbildformat von 36×24mm, was man oft auch Vollformat bezeichnet. Bei jedem anderen Sensorformat ergibt dieselbe Brennweite einen anderen Bildausschnitt! Die folgenden Abbildungen zeigen Aufnahmen mit sechs verschiedenen Brennweiten von exakt demselben Standpunkt aus.

Brennweite 27mm 27mm KB ist eine ­moderate Weitwinkelbrennweite. Kompaktkameras ­haben oft Zoomobjektive die erst bei 35mm beginnen. Beeindruckende Landschaften sind damit mehr einzufangen. Auf kurze Distanz ist die Brennweite mit Vorsicht zu ­genießen, da sie zu deutlichen Verzerrungen neigt – siehe zum Beispiel das Dach im Vordergrund.
Brennweite35mm 35 mm KB ist eine leichte Weitwinkel-Brennweite. Sie ist sehr flexibel einsetzbar und wird oft als Reise- und Reportage-Brennweite eingesetzt. Wer damit Anderes als Landschaft fotografiert muss nahe ran. Dementsprechend vermitteln Bilder von 35mm Objektiven dem Betrachter auch den Eindruck nah dran und mitten im Geschehen zu stecken.
Brennweite 50mm 50mm KB gilt als ›die‹ klassische Normalbrennweite. Ihre Bildwirkung ist der menschlichen Wahrnehmung nahe und sorgt für Fotos mit einer neutralen aber auch authentischen Bildwirkung.
Brennweite 75mm 75mm Kleinbild-Brennweite ist als ­leichte Telebrennweite nicht unbedingt für Landschaftsaufnahmen geeignet. Für Porträts hingegen ist sie durchaus zu empfehlen.
Brennweite 160mm 160mm KB ist eine ­moderate Telebrennweite. Teleobjektive und Telezooms sind notwendig, wenn weit Entferntes nahe heran geholt werden soll.
Brennweite 450mm 450mm KB ist eine sehr ­starke Telbrennweite – man spricht auch vom Super-Tele. Für Vogelkundler und Tierfotografen sind diese langen Brennweite unverzichtbar. Im Alltagsgebrauch sind solch lange Brennweiten nur selten für gute Aufnahmen gut. Aus Gesichtern machen sie Pfannkuchen und auf große Distanzen bilden Sie aufgrund immer vorhandener athmosphärischer Störungen so gut wie immer flaue, matschige Bilder ab.

Stark vereinfacht ausgedrückt bezeichnet die Brennweite den Abstand einer Linse zur Ebene des Aufnahmemediums (Film oder Bildsensor). Dieser Abstand wird in Millimeter angegeben. Die heute verfügbaren Objektive sind aus mehreren Linsen aufgebaut, die unter Anderem die Brennweite mit beeinflussen können. Zwar lässt sich feststellen, dass manche 200mm Objektive tatsächlich eine Baulänge von 200mm aufweisen wenn man sie mit dem Lineal abmisst. Aber es muss nicht so sein.

Grundsätzlich gilt: Je länger die Brennweite, desto enger der Bildausschnitt.

Genau genommen holt das Objektiv nicht wie es scheint Objekt näher heran, sondern erweitert lediglich den Bildausschnitt bei kurzen und verengt den Ausschnitt bei langen Brennweiten.

Das verwirrende Problem dabei: Der Blickwinkel einer Brennweite hängt vom Format des Sensors ab. Die ganz oben angegebenen Grad-Werte für die Blickwinkel gelten ausschließlich für Kameras mit einem Sensor im Format von 36×24mm. Dieses Format wird eben als Kleinbildformat (KB) bezeichnet – manchmal auch als Vollformat. Darum geht es im nächsten Artikel.

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Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
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1.3. Architektur und Perspektive

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In vielen Aufnahmesituationen und fotografischen Genres unterstützen drei Fluchtpunkte eine dynamischere Wirkung und erzeugen spannendere Resultate. Und wenn nicht, dann wirken sie sich zumindest nicht negativ auf die Bildwirkung aus. In der Architekturfotografie wirken sich drei Fluchtpunkte jedoch oft negativ aus und vermitteln eine unprofessionelle Bildwirkung.

leichtstuerzend.jpg Dezent stürzende Linie wirken bei der Abbildung von Gebäuden immer etwas fehlerhaft. Zwar stört es den fotografischen Laien nicht bewusst, da wir solche Ansichten aus unzähligen Aufnahmen gewohnt sind. Doch ansprechende Architekturbilder sehen anders aus. In einer Architekturzeitschrift oder in ›Schöner Wohnen‹ würden wir es aber als laienhaften Stil empfinden.

Ambitionierte Architekturfotografen arbeiten statt dessen oft mit extremen Perspektiven – zum Beispiel durch Weitwinkel aus kurzer Distanz.

spannendeperspektive.jpg Werden stürzende Linien so angelegt, dass sie extrem flüchten, kann das Ergebnis spannend sein. Das Bild stammt übrigens von der Canon Powershot S95 und zeigt wie gut das Rauschverhalten von Kompaktkameras in der Blauen Stunden mittlerweile geworden ist.

Shiften | Meistens strebt der Achritekturfotograf, sofern er nicht gerade Wolkenkratzer und hohe Türme abbilden will, nach einer unverzerrten Darstellung ohne stürzende Linien. Professionelle Architekturfotografen verwenden deshalb oft spezielle Objektive, mit denen sie durch verschieben der Objektivebene – dem sogenannte Shiften – die Optik so beein­flussen können, dass die senkrechten Wände von Gebäuden auch senkrecht aufs Bild kommen. Sie vermeiden damit das Stürzen der Fassaden.

TS-E_24mm_w200_tcm83-624767.jpg Shift- und, wie hier, Tilt-Shift-Objektive sind highend Präzisionsgeräte. Die Tilt-Shift-Objektive von Canon genießen einen hervorragenden Ruf unter Architekturfotografen. Schnäppchen sind sie aber keine. Wer eines möchte, muss schon in Richtung zwei Kilo kalkulieren. (Bild: canon.de)

Korrektur durch Verzerrung

Man kann sich aber mit Tricks auch mit normalen Objektiven behelfen um Architektur ohne stürzende Linien abzulichten. Eine Möglichkeit bietet die Nachbearbeitung in der digitalen Dunkelkammer. Dabei wird das Bild digital so verzerrt, dass stürzende Linien durch diese Verzerrung anschließend senkrecht auf dem Bild stehen.

graf110a.jpg Da wir Gebäude in der Regel eher von unten, aus der ›Froschperspektive‹, sehen und auch so fotografieren, entstehen zum Himmel hin fliehende (stürzende) Linien.
graf110c.jpg In der digitalen Dunkelkammer – der Entwicklung von Fotos am Computer – kann man stürzende Linien relativ einfach und gut korrigieren. Hier zum Beispiel durch ›Frei Transformieren‹ in Photoshop.
graf110b.jpg Das Ergebnis ist zwar kein professionelles Architekturfoto – immerhin wurde es mit einer Kompaktkamera aufgenommen – aber es wirkt schon weniger laienhaft, als vor der Bearbeitung.

Ohne vertikale Verzerrung fotografieren

Die zweite Möglichkeit Architektur ohne stürzende Linien abzulichten sieht so aus: Man achtet darauf, dass sich der Horizont während der Aufnahme vertikal in der Mitte des Bildes befindet. Dadurch ist die Kamera weder nach unten noch nach oben gekippt und die vertikalen Linien des Motivs werden vertikal (und nicht stürzend) aufgenommen. Sobald man die Blickachse durch das Objektiv nach oben oder unten kippt erfahren die Elemente der Motive eine vertikale Verzerrung.

Stuerzend Auch hier hat das Kippen der Kamera, um das Gebäude von unten bis oben komplett in den Bildausschnitt zu bekommen, dazu geführt, dass sich die Fassade nach oben hin zu verjüngen scheint..
Unverzerrt Hier habe ich den ­Effekt bereits bei der Aufnahme gering gehalten, indem ich die vertikale Mitte des Bildausschnitts möglichst nah am Horizont ausgerichtet habe. Der Rest wurde digital am Computer beschnitten und korrigiert.

Ablichten und beschneiden | Wenn ich eine vertikale Ver­zerrung in einem Motiv vermeiden möchte – also speziell in der Architekturfotografie –, dann achte ich darauf, dass die vertikale Mitte des Bildausschnitts in einer Linie mit dem Horizont liegt.

horizontale-Bildachse.jpg
Verläuft die Blickachse absolut waagrecht, entstehen in einem Foto keine stürzenden Linien.

Viele Kameras bieten dazu die Möglichkeit ein Gitternetz einzublenden, um bei der Bildkomposition und -ausrichtung zu helfen. Bei manchen lässt es sich für Live-View am Display einblenden, andere erlauben es elektronisch im Sucher anzuzeigen, bei wieder anderen muss man die Mattscheibe des Suchers tauschen. Ich fotografiere praktisch niemals ohne Gitterlinien, egal ob mit Kompakt über das Display oder mit SLR über den Sucher. Es hilft nicht nur, wenn man im Umfeld von Architektur fotografiert, sondern auch bei Orten und Landschafen die exakte Horizontale zu finden und zu halten. Bei Verrenkungen für ungewöhnliche Perspektiven ist das oft gar nicht so einfach! Und bei Aufnahmen, bei denen exakt Horizontal und Vertikal eher sekundär ist, zum Beispiel bei Porträts, stören die Linien zumindest nicht. Ja sie helfen sogar dort als Gedächtnisstütze über eine asymmetrische Bildkomposition nachzudenken, statt das Hauptmotiv einfach nur in die Mitte zu nehmen.

Nikonsucher Bei den meisten Nikons kann über die Individualfunktionen des Kameramenüs ›Gitterlinien‹ einblenden. Im Display der Nikon D7000 sieht das dann so aus. Wenn eine Kamera die elektronische Anzeige einer solchen Hilfe nicht erlaubt, dann kann alternativ die Mattscheibe im Sucher getauscht werden um eine permanente zur Verfügung zu haben.

Hier habe ich die Gitterlinien genutzt um die Mitte des Bildausschnitts exakt am (vermuteten) Horizont auszurichten.

Villavorbeschnitt Das Ausrichten der Bildmitte am Horizont führt dazu, dass Kamera nicht gekippt wird und der Blickwinkel durch das Objektiv exakt waagrecht verläuft. Dadurch bleiben aufsteigende Linien unverzerrt.

Natürlich führt das oft zwangsläufig dazu, dass man ein horizontal eingemittetes Ergebnis ohne Spannung erhält, bei dem unten (im Vordergrund)oft unattraktive Bereiche mit im Bild sind..

Villanachbeschnitt Doch diese Bereiche werden einfach in der digitalen Dunkelkammer weggeschnitten. Das Resultat ist eine Architekturaufnahme ohne stürzende Linien.

Der Trick gleich beim Fotografieren auch ohne teure Shift-Objektive Architektur ohne stürzende Linien ablichten zu können, besteht also ganz einfach darin, die Blickrichtung durch das Objektiv weder nach oben noch nach unten zu kippen. So kommen unverzerrte Fassaden aufs Bild und unschöne, überflüssige Flächen werden einfach anschließend am Computer beschnitten. Das geht natürlich nicht nur mit Spiegelreflex-, sondern auch mit Kompaktkameras.

Gitternetztdisplay Hier habe ich am Display der Canon PowerShot G12 ebenfalls das Gitternetz genutzt um bei der Aufnahme dieses alten Holzhauses in der Schweiz stürzende Linien zu verhindern. Die PowerShot bietet zwar mit der Dreifachteilung keine vertikale Mittellinie, es hilft aber doch den Horizont auszurichten.
Unverzerrt anschnitt Die Straße im Vordergrund habe ich dann einfach am Computer abgeschnitten. Das Haus steht ohne stürzende Fassade.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
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Tee oder Kaffee?

Posted in etc.

Für mich bitte Kaffee! Am Besten gleich zwei Tassen. Ohne Milch und Zucker, bitte!

Lieber Tee? Für mich nicht. Danke. Du kannst aber gerne einen trinken.

Mac oder Windows? Für mich bitte Mac. Ich lebe damit seit fast 20 Jahren und habe ihn lieben gelernt. Für dich lieber Windows? Klar. Jeder muss selbst entscheiden womit er sich wohl fühlt.

Es ist vor allem die iPhone-Basherei die mir in der letzten Zeit schwer auf den Keks geht.

iOS oder Android? Das soll doch jeder selbst entscheiden. Ich habe ein iPhone und liebe das Gerät. Aber ich bin froh, dass es Konkurrenz gibt, die mit vergleichbaren Produkten aufwarten kann. Von Konkurrenz profitieren vor allem wir, die Kunden.

Ich habe grässliche Freunde auf FaceBook. »Juhu! Ich habe ein iPad!« »Mein Beileid«. Da scheint sich ja jemand mächtig mit mir zu freuen. Ich kann auf solche Freunde verzichten. Meine DSLR ist von Nikon und ich weiß auch wieso. Aber wenn jemand sagt: »Juhu! Ich habe eine neue Canon!« – »Gefällt mir«, denn ich kann mich auch mit Jemandem freuen der nicht meine Marke nutzt (auch wenn ich Fan genug bin mich noch mehr zu freuen, wenn jemand sagt »Juhu. Ich habe eine neue Nikon.«)

In nächster Zeit werde ich wohl Freunde entfreunden die sich freuen wenn ich Troubles mit meinem Mac habe oder mit einer Funktion meines iPhones nicht glücklich bin. Und: Ja, das kommt vor!

Das heißt nicht, dass ironisches Geplänkel unter Freunden nicht möglich sein sollte. »Mein Computer ist abgestürzt« »Windows?« Aber auch: »Mein Mac ist abgeschmiert.« »Ach, das gibt’s auch?« Aber am Ende zählt doch das was man damit macht, nicht das womit man es macht.

Ja. Ich habe von Mitte der 1990er bis in die letzen Jahre hinein viel gegen Microsoft geschossen. Aber die Situation: Microsoft hatte das absolute Monopol und meine geliebte Mac-Plattform stand kurz vor dem Untergehen. Das war frustrierend. Denn – obwohl ich objektiv der Überzeugung bin, dass es mittlerweile egal ist ob man mit Mac oder Windows arbeitet – so bevorzuge ich subjektiv den Mac. Das hat einen rationalen Grund: Am Mac kann ich Sonderzeichen – wie richtige Gedankenstriche und die gewünschten Anführungen – direkt über die Tastatur eingeben. Unter Windows bräuchte ich dazu ANSI-Code. Für mich als Typografen ein entscheidender Vorteil. Dann gibt es noch einen irrationalen Grund: Das Mac OS ist einfach schöner (was natürlich auch subjektiv ist).

2010 ist es Microsoft offensichtlich gelungen ein Betriebssystem auf den Markt zu bringen, das ihre User begeistert und sogar Mac-Anwender überzeugen kann – sofern sie zur Objektivität in der Lage sind, was leider nicht auf alle zutrifft. Seit Windows NT in den frühen 90ern scheint das nicht der Fall gewesen zu sein. Das weiß ich zwar nicht aus eigener Erfahrung aber die Klagen vieler Windows-Nutzer sprachen diesbezüglich eine deutliche Sprache.

Wer Windows liebt, sollte Apple dankbar sein. Der Erfolg des Mac – und allem, was sonst so aus dem Hause Apple kommt – hat Microsoft dazu gezwungen, sich nicht alleine auf dem Monopol auszuruhen, sondern wirklich gute Produkte zu entwickeln.

Ich hatte bislang kein Handy mit dem neuen Betriebssystem von Microsoft in der Hand. Aber, he: die Oberfläche sieht cool aus. Ich finde sie schicker als die des iOS.

Ich habe Office 2011 für Mac gesehen und – he – es sieht ja richtig schick aus. Da tut sich was im Hause Microsoft. Vielleicht schaffen sie es ja auch noch den Internet Explorer dahin zu entwickeln, dass er mehr ist, als ein Ärgernis für alle Webentwickler. Hier haben wir noch so eine andere Situation: Wenn jemand Windows nutzt, stört mich das nicht (ist irgendwie so selbstverständlich, dass es gar nicht erwähnt werden sollte). Aber als Webentwickler kämpfe ich immer wieder mit den Unzulänglichkeiten des Micorosoft-Browsers. Während Chrome, FireFox, Opera, Safari und was es sonst noch gibt, CSS-Formatierungen standardgerecht umsetzen können, kämpft die ganze Entwicklergemeinde noch immer mit den Altlasten IE6 und IE7.

Abgesehen davon kann ich nur wiederholen: Jeder soll verwenden, was ihm am Besten liegt.

Zurück zu den iPhone-Bashern. Nein. Apple hat kein Monopol auf Smart Phones. Apple hat vorgemacht wie’s geht, aber die Konkurrenz (zur Erinnerung: die meisten davon sagten dem iPhone zu Beginn voraus, zu floppen) hat nicht geschlafen (oder ist zumindest mehr oder weniger schnell erwacht) und liefert heute Produkte, die in manchen Bereichen wohl auch dem Original voraus sind. In absehbarer Zeit – so sieht es jedenfalls aus – wird das iPhone den Markt wahrscheinlich nicht mehr so dominieren. Und das ist gut so.

Ja. Ich finde es auch nicht toll, dass Apple dem Kunden Flash verwehrt. Ich bin zwar selbst kein Fan von Flash (ich mochte es schon nicht, lange bevor Apple sich dagegen gewandt hat), aber der Nutzer sollte selbst entscheiden ob er es will oder nicht. Auch wenn Apple es nach Standard für seine mobilen Geräte deaktiviert, so sollte der Nutzer die Möglichkeit haben es zu aktivieren.

Ich glaube übrigens nicht einmal, dass Apple damit eine echte Marketing-Strategie verfolgt, denn makretingtechnisch dürfte es ein Schuss nach hinten sein. Ich vermute: Steve mag kein Flash und deshalb gibt es auch keins.

Nebenbei bemerkt: Ich nutze in Safari eine Extension die alle Flash-Inhalte nur als Box anzeigt. Was für eine Wohltat, ohne das ganze Geflimmer und Gehoppse. Das Schöne daran: Wenn ich einen Flash-Inhalt doch ansehen will klicke ich auf die Box. Ich habe also die Wahl. Als iPhone-User hat man sie leider nicht. Das ist schade. Wenn Jemand gar nicht ohne Flash kann, dann muss es halt ein anderes Smart Phone sein.

Ihr braucht einen perfekten Empfang? Dann ist das iPhone auch nicht die erste Wahl (hat übrigens jemand mitbekommen, dass HTC zuletzt auch ein Antennenproblem hatte? War eine Randnotiz nach der Keiner gekräht hat). Ihr habt die Wahl! Aber verschont uns iPhone-User doch bitte mit eurem Gift.

Ich nutze Apple-Produkte seit fast 20 Jahren – sagte ich das schon? Ist alles Licht? Nein. Zweimal Motherboard-Schaden und einmal Display-Tod am MacBook. Der Kalender vom iPhone hat keine Wochenansicht und ist somit Mist und in der Camera Roll purzeln die Bilder durcheinander und es gibt keine Möglichkeit die Anordnung zu definieren. Auf dem iPhone lassen sich keine Schriften installieren. Das ist bitter für mich. Aber unterm Strich bin ich mehr als zufrieden.

Dass ich mir jetzt immer öfters anhören muss iPhone-User nutzen das iPhone nur weil die Marke gerade so in ist nervt, wenn man zwei Jahrzehnte lang dem Underdog die Stange gehalten hat. Ich würde mir wieder etwas weniger Erfolg und etwas mehr Ruhe wünschen. Ich hatte immer Sympathie für Außenseiter. Wer jetzt Apple-Usern vorwirft sie wären lediglich auf einen fahrenden Zug aufgesprungen sollte sich hinterfragen, ob er nicht in einem voll besetzten Zug fährt in dem es en Vogue ist Apple zu bashen.

Dabei finde ich die Heimat die die iPhone-Hasser gefunden haben mehr als fragwürdig. Google, Microsoft und Adobe?

Wer Flash das Wort redet und Apple als Monopolist bezeichnet hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Apple ist ein Smart Phone Hersteller unter vielen. Adobe hingegen hat Monopole: Flash, PDF, InDesign, Illustrator, Photoshop, Dreamweaver … manche der Technologien mögen mittlerweile offen sein. Aber die Fäden hält noch immer Adobe in der Hand. Leider ist die Qualität der Adobe-Produkte seit der Übernahme von Macromedia massiv gesunken. Ich habe vor einiger Zeit schon einen Artikel gepostet in dem ich meinem Ärger Luft gemacht habe.

Photoshop, Illustrator und InDesign sind hervorragennde Produkte, für deren Leistungsumfang es noch immer keine Alternativen gibt. Leider. Illustrator wird von Version zu Version schlechter, in Photoshop tut sich nichts Bewegendes mehr und es ist langsam und InDesign glänzt nicht unbedingt durch Stabilität. Alle zusammen sind in Version CS5 erst beim Kunden nach etlichen Updates einigermaßen gereift. Von der internationalen Preispolitik wollen wir einmal schweigen.

Google? Sieht so ein vertrauenswürdiger Alternativkonzern aus? Besser als Apple? Ich weiß nicht!

Microsoft? Man hat in Redmond offensichtlich gelernt und den Kunden wieder besser im Auge. Aber mein Vertrauen hält sich noch immer in Grenzen. Auf jeden Fall sollten wir uns die Marktposition von Windows und Co nicht zurück wünschen.

Bleibt Open Source. Ein schöner Ansatz. Aber oft habe ich bei Open Source Produkten den Eindruck, dass zu viele Köche den Brei verderben.

Ich will nicht andeuten, dass Apple besser ist. Was ich mir keinesfalls wünschen würde, ist, dass Apple in die Position von Microsoft in den 90er kommt. Da würden wohl, außer Apple, alle verlieren.

Windows oder Mac? iOS oder Android? Canon oder Nikon?

Und obendrauf jetzt noch: Aperture oder Lightroom.

Ich arbeite seit vielen Jahren mit Apples und Adobes RAW-Entwicklungstools parallel. Beides sind professionelle Werkzeuge. Subjektiv gefällt mir Apples Aperture besser. Objektiv betrachtet, ist Aperture deutlich besser wenn es darum geht Zeichnung aus unter- und überbelichteten Bereichen zu restaurieren. Objektiv scheinen aber viele die Erfahrung gemacht zu haben, dass Aperture deutlich langsamer ist als Lightroom. Ich kann nicht abstreiten, dass Aperture dem Anwender gelegentlich meditative Zwischenpausen verschafft. Zumindest, wenn man nicht an einem Turbo-Mac arbeitet. Am Ende habe ich aber dennoch den Eindruck in Aperture schneller zu besseren Ergebnissen zu kommen. Aber auch das mag subjektiv sein.

Noch ein objektives Argument: Aperture (jetzt) 63 Euro (im österreichischen App Store), Lightroom 299 Euro.

Ihr habt die Wahl. Freut euch an euren Produkten und lasst anderen die Freude an ihren Produkten.

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1.2. Alles aus Augenhöhe fotografieren

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Eine wesentliche Überlegung wenn ich etwas fotografiere und nach dem optimalen Blickwinkel suche ist: Wo hat das Objekt seine Augen?
Grundsätzlich lässt sich das Interesse eines Betrachters folgendermaßen auf den Punkt bringen: Was den Menschen am meisten interessiert ist der Mensch. Was den Menschen am Menschen am meisten interessiert ist das Gesicht. Was den Menschen am Gesicht am meisten interessiert sind die Augen.

Augen
Nichts berührt uns mehr als ein Blick. Vor allem wenn er uns direkt in die Augen blickt und nicht an uns vorbei oder zur Seite.

Was können wir daraus ableiten? Wenn Augen im Bild sind müssen sie scharf und deutlich abgebildet sein. Besonders Unschärfe wird bei den Augen des Hauptdarstellers einer Szene so gut wie immer als Fehler empfunden.

Diese Regel darf keinesfalls nur auf menschliche Gesichter angewendet werden. Ganz egal ob man Männer, Frauen, Kinder, Pferde, Hunde, Katzen, Hamster oder Bienen fotografiert – wenn Augen auf dem Bild sind müssen sie scharf sein. Das gilt auch für unbelebte Objekte wie Skulpturen.

Unscharfe augen
Ich finde den Kerl ja phantastisch. Leider liegt der Fokus etwas zu weit vorne. Auf der Nase. Die ­Augen sind unscharf. Liegt der Fokus nur geringfügig vor oder hinter der Stelle, an der er liegen sollte, wird ein Foto immer als misslungen empfunden.

Es gibt aber auch Dinge, die eigentlich kein Gesicht haben, in denen wir aber trotzdem eines sehen. Bei Häusern ist das zum Beispiel relativ häufig der Fall.

Hausmitaugen Ich glaube es fällt nicht schwer hier ein Gesicht zu sehen. Wahrscheinlich fällt es ­sogar schwer das Gesicht nicht zu sehen.

Zwar darf die Regel, dass Augen immer scharf sein müssen, bei Objekten, die ein Gesicht zu haben scheinen, aber nicht wirklich eines haben, lockerer gesehen werden. Doch es schadet nichts bei jedem Motiv die Überlegung mit einzubeziehen: Wo hat das Objekt seine Augen? Und wohin blicken sie?

Das führt uns zur nächsten Überlegung, dass die meisten Motive am besten zur Geltung kommen, wenn man sie aus Augenhöhe fotografiert – also mit diesen Objekten auf Augenhöhe geht.

Blume in augenhoehe Die zarte, verwelkende Blüte und der eiserne, kalte Drahtzaun. Hätte ich die Blume nicht aus Augenhöhe fotografiert wäre die Perspektive langweilig ausgefallen und die ­Betonmauer darunter sichtbar gewesen.
blume.jpg
Gerade bei kleinen Objekten führt das Fotografieren aus Augenhöhe zu ungewöhnlichen Ansichten die ein Foto interessanter machen, als wenn man aus dem gewöhnlichen Blickwinkel eines Erwachsenen fotografiert.

Kinder und Haustiere | Ähnliches gilt für das Ablichten von Kindern und Haustieren (die kleine Klasse Haustiere, wie Hamster, Katzen und Hunde, nicht die, die unseren Kopf überragen können, zum Beispiel Pferde).

Ich amüsiere mich immer etwas über Fotografen, die mit Spiegelreflexkameras und professioneller Ausrüstung durch die Gegend marschieren und Kinder, Tiere und Blumen aus der ­Perspektive heraus ablichten, aus der heraus sie gerade auf diese Motive aufmerksam wurden. Eine bessere Möglichkeit alltägliche und langweilige Fotos zu machen gibt es kaum.

Kleinerhund Ein Hundeleben, immer von oben herab angesehen zu werden.
Hund aufaugenhoehe
Begegnung auf Augenhöhe macht Tierbilder spannender.

Die beiden Abbildungen oben veranschaulichen deutlich um wie viel besser tierische Modelle zur Geltung kommen, wenn man sie nicht aus der langweiligen Durchschnittsmenschenperspektive ablichtet, sondern sich mit ihnen auf Augenhöhe begibt. Gute Fotografie verlangt eben auch Beweglichkeit vom Fotografen.

augenhoehe.jpg Wer mit Kindern auf Augenhöhe geht betrachtet sie auch mit ihren Augen.

Alternativ bietet sich allerdings auch die ungewöhnlichen ­Perspektiven steil von oben herunter an (Abbildung 2.26) – die kleinen Kinder wirken dann wie Zwerge – oder von tief unten hinauf (Abbildung 2.25) – das macht aus den Kindern Riesen. Auf jeden Fall müssen Sie sich bewusst sein: Alltägliche Blickwinkel auf alltägliche Motive erzeugen Allerweltsbilder.

Kinder normalperspektive So sehen wir Erwachsenen Kinder üblicherweise – leicht von oben herab.
Kinder als zwerge
Aus dieser Perspektive sehen Kinder aus wie Zwerge. Die Aufnahme hat bedeutend mehr Witz als die Abbildung oben – das finden auch die Kinder.
Kinder ganz gross Von unten hinauf hingegen werden die Kinder ganz groß – das gefällt ihnen noch mehr.
micky.jpg Noch kleiner als Kinder. Aber auch er sieht interessanter aus, wenn man ihn nicht einfach gewöhnlich von oben herab fotografiert.
auto.jpg
Auch Dinge haben ein Gesicht. Bei Autos wissen wir das seit Disney. Wenn ihr nicht wisst, was alles ein Gesicht hat, dann schaut doch einmal bei »Dinge mit Gesicht« auf FaceBook vorbei.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
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