Archiv der Kategorie: Grafikdesign & Typografie

Gestaltung ist keine Geschmacksache

Dass Laien denken Gestaltung sei Geschmacksache ist für mich nachvollziehbar. Schwerer nachvollziehen kann ich es wenn Profis diese Position vertreten, schließlich stellt das ihre ganze Profession in Frage oder genauer gesagt: Es negiert, dass es so etwas wie qualitative Unterschiede und somit Professionalität in der Gestaltung überhaupt geben kann.

Wenn gut ist was (irgendjemandem) gefällt brauche ich nur etwas x-Beliebiges zu gestalten und es Kraft meines Geschmacks als gelungen zu adeln. Die Frage des qualitativen Unterschied stellt sich erst, wenn ich anerkenne, dass es diese Unterschiede gibt. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass Gestaltung minder- oder höherwertiger sein kann.

Ohne zumindest relativ objektive Kriterien was gute Gestaltung ist und was eine gestalterische Fehlleistung darstellt kann ich keinen gestalterischen Diskurs mehr führen. Der Versuch sich gestalterisch zu entwickeln führt zwangsläufig ins Leere, wenn das was ich nach Jahren der Erfahrung gestalte, keine besseren Ergebnisse erzielt, als das was ich als absoluter Novize – früher sprach man vom Dilletanten – geschaffen habe.

Ich finde, dass meine gestalterischen Arbeiten – egal ob als Grafikdesigner oder als Fotograf – heute um Welten besser sind als das was ich vor Jahren und Jahrzehnten produzierte. Besser sein kann es aber nur, wenn es qualitative Unterschiede in der Gestaltung gibt und das bedeutet, dass Gestaltung keine reine Geschmacksache ist!

Natürlich steht es niemandem zu den Geschmack eines Individuums zu verurteilen. Was mir persönlich gefällt ist absolut und ausschließlich meine persönliche Privatsache! Wenn ich gerne grüne Gummistiefel zu beigen Cordhosen und Frackjacke trage ist das ausschließlich meine Sache, einen Style-Wettbewerb könnte ich damit aber niemals gewinnen, weder in der Vergangenheit noch in einer irgendwie absehbaren Zukunft.

Wenn ich mein Apfelkompott mit Champignons und Senf esse ist das meine Sache, doch ich darf mich nicht wundern, wenn ich das Freunden zum Essen serviere und anschließend nie wieder jemand meinen Einladungen zum Dinner folgen will.

Wenn ich »Modern Talking« als Krone abendländischen Musikschaffens betrachte steht es niemandem zu mir diese Meinung zu verbieten, doch mich persönlich wundert nicht, dass die belanglosen Ergüsse dieses deutschen Duos in den Playlists der Pop-Sender schon unmittelbar nachdem sie aus den Charts verschwanden keine Rolle mehr spielten.

Natürlich gibt es unterschiedliche Gestaltungsrichtungen und -ansätze, so wie es unterschiedliche Musikrichtungen gibt. Der Eine mag Klassik mögen und bei Pop Ohrensausen bekommen. Der Andere mag mit Jazz liebäugeln und mit Rock nichts anfangen können. Doch wer wollte bestreiten, dass es in jeder einzelnen Richtung anspruchsvollere und handwerklich besser ausgeführte Musik gibt, sowie Werke beziehungsweise Interpretationen die eher von Dilettantismus zeugen. Ich weiß wovon ich schreiben, ich habe Jahre lang dilettantisch den Bass gezupft – die einzigen die unsere Musik wirklich mochten waren unsere persönlichen Freunde (und ein paar Betrunkene).

Auslöser mich dieses Themas anzunehmen ist eine Debatte auf einer Facebook-Seite mit Thema Fotografie. Dort wurde ein Bild eingestellt das man wirklich nur als dilettantisch bezeichnen kann. Sofern dieses Bild mit seiner völlig überzogenen Bearbeitung tatsächlich der Ernst seines Schöpfers ist, sollte man ihm raten sich einem anderen Hobby anstatt der Fotografie zuzuwenden. Ich glaube zwar, dass Gestaltung etwas ist das fast jeder lernen kann, aber dennoch gibt es Leute denen größeres gestalterisches Geschick gegeben ist und solche mit weniger Talent. Und es gibt eben auch Leute die gar kein Händchen für Gestaltung haben.

Um es noch einmal auf Musik und mich persönlich zurück zu bringen: Ich bin kein musikalisches Naturtalent. Ich habe über die Jahre des Musizierens gelernt beim Mitsingen Töne einigermaßen adäquat zu treffen, bin aber hilflos wenn ich frei singen muss. Als Instrumentalist kommt hinzu, dass meine motorischen Fähigkeiten es niemals zulassen werden ein Instrument virtuos zu beherrschen. Als wäre dem nicht schon genug fehlt mir die Fähigkeit beim Spielen die erforderliche Konzentration aufrecht zu erhalten. Es war für mich einfach sinnvoll das Musizieren bleiben zu lassen und mich Beschäftigungen zuzuwenden die eher meinen Begabungen entsprechen. Zwar spräche nichts dagegen weiter für mich selbst im heimischen Kämmerlein den Bass zu zupfen wenn mir das Freude bereiten würde, doch eine nennenswerte Souveränität für öffentliche Auftritte werde ich niemals erreichen.

Nun braucht man nicht jedem der Freude an einer Tätigkeit hat ins Gesicht sagen, dass ihm jegliches Talent fehlt, auch wenn es offensichtlich ist. Ich darf mich aber auch nicht wundern, dass ich ausgepfiffen werde, wenn ich mich auf eine Bühne stelle und Musik zum Besten zu geben versuche ohne einen einzigen Ton zu treffen. Geschmacksache hört da auf, wo ich meinen privaten Bereich verlasse und mich mit meinen Werken an eine Öffentlichkeit wende.

Wenn ich aus dem Badezimmer heraus trete und nicht mehr nur aus reiner Lust am Singen für mich alleine Gassenhauer schmettere, sondern ein Publikum für meine Darbietung beglücke, sollte ich in der Lage sein den Hörgewohnheiten und den Geschmacksvorstellungen einer Öffentlichkeit zu entsprechen.

Natürlich unterscheiden sich die Vorstellung dessen was gute Musik und gute Gestaltung ist je nach zeitlicher Epoche und Kulturkreis. Doch in einer bestimmten Zeit und vor einem bestimmten kulturellen Hintergrund (der üblicherweise noch einmal in Subkulturen untergliedert ist) gibt es doch immer recht klare Vorstellungen davon was gefällt und was ein no-go ist. Die wirklich exzellenten Werke schaffen es sogar ihre Zeit zu überdauern und über ihren Kulturkreis hinaus zu wirken und zu dauerhaften internationalen Klassikern zu werden.

Ich finde es absurd zu behaupten es gäbe keine qualitativen Unterschiede zwischen Mozart und Helene Fischer, zwischen Dürer und dem was ein angehender Hobbymaler vor dem ersten Kurs an der Volkshochschule fabriziert. Wer könnte das ernsthaft behaupten?

Akzeptiere ich generell, dass es so etwas wie qualitative Unterschiede im kreativen Schaffen gibt, muss ich zwangsläufig auch akzeptieren, dass es gelungene und verunglückte Werke gibt und die Behauptung, dass am Ende alles Geschmacksache ist, ist somit widerlegt.

Wäre Gestaltung tatsächlich reine Geschmacksache, bräuchten wir wie gesagt weder Bild- bzw. Designbesprechungen, wir bräuchten keine Ausbildung zur Gestaltung, schon gar keine Unis und Fachhochschulen und wir bräuchten auch keine Wettbewerbe.

Ich teile zwar die Ablehnung von Gestaltungswettbewerben mit Woody Allens Ablehnung gegenüber Filmwettbewerben, und seine Ansicht, dass man nicht Dürer gegen Kandinsky, Rembrandt gegen Picasso, Dali gegen Chagall antreten lassen und einen davon als den besten küren kann, aber ich bin sehr wohl der absoluten Überzeugung, dass all die genannten auf einem deutlich höheren Niveau arbeiten als ich es jemals könnte. Und auch das habe ich in meinem Leben gelernt: Ich mag ein Talent zum Zeichnen und Malen haben, doch zum bildenden Künstler hätte es niemals gereicht.

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Jonathan Quintin: The Golden Key – der Goldene Schnitt

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Creative Cloud – ein Zwischenfazit

Zunächst sei einmal gesagt, dass ich Photoshop liebe und (noch immer) gerne damit arbeite. Gerade schreibe ich an einer Neuauflage meines Buches über Photoshop CC und nehme mir viel Zeit alles neu zu strukturieren, noch besser zu beschreiben und noch wertvoller für den Einsteiger und Anwender zu gestalten. Ich liebe die Bildbearbeitung, ich liebe das Schreiben, ich liebe das Unterrichten – und Photoshop gehört da für mich einfach dazu. Ebenso wie die Cloud-Programme Illustrator und InDesign. InDesign ist das Satz- und Gestaltungsprogramm für meine Bücher.

Natürlich sollte ich als Autor von Büchern über Photoshop schwärmen wie toll jede neue Version doch ist, und dass man sie unbedingt haben muss und mein Buch natürlich oben drauf. Doch wenn mich etwas nervt, dann fällt es mir schwer die Klappe zu halten. Ich kann nicht so tun als ob. Es ist nicht alles in Ordnung in der Welt von Adobe und der Cloud. Ganz und gar nicht. Im Gegenteil.

Ein kurzer Tweet von Manuela Hoffmann hat mich wieder einmal daran erinnert wie überhaupt nicht in Ordnung die Dinge sind, in der Cloud.

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Ging mir genauso. Oder besser gesagt: Geht mir noch immer ähnlich.

Nachdem ich bis vor Kurzem auf einen Umstieg von CS6 auf CC verzichtet habe – zu wenig neue Features um den Preis zu rechtfertigen – kam ich nun, da die Arbeit am Photoshop-Workshop-Buch zu CC 2015 anstand, nicht um einen Einstieg in die Cloud herum.

Gibt es irgendwelche Features in CC 2015 die den Umstieg von CS6 rechtfertigen – sofern ich von InDesign, Photoshop und Illustrator in Kombination mit meinen Anforderungen ausgehe würde ich sagen: Nein. Zwar gefällt mir als Typograf und Schriften-Narr TypeKit und auch die Anpassung an Retina-Displays ist nicht zu verachten – aber dann gehen mir die Argumente schnell aus. Jedenfalls wenn ich auf der anderen Seite 60 Euro im Monat in die Waagschale lege.

Aber das ist nicht das eigentlich Thema. Das Problem ist die lausige Qualität die Adobe CC mittlerweile offensichtlich erreicht hat. Manuela Hoffmann ist nicht die einzige Anwenderin die Probleme beklagt. Schon als ich mein letztes Buch »Die kreative Fotoschule« an den Verlag für die Korrekturen an den Verlag übergab beklagte der Setzer endlos zähes Arbeiten und permanente Abstürze. Seit Jahren scheint InDesign ein Problem mit Dingen wir Textmarken, Querverweisen, Indexmarken, etc. zu haben. Über Versionen hinweg!

Vor Kurzem wurde ich in eine befreundete Agentur gerufen, weil ein InDesign-Dokumente mit mehreren Querverweisen permanent abschmierte. Die Lösung: Die Palette Querverweise/Hyperlinks geschlossen halten. Kann’s aber auch nicht sein, oder?

Und CC bei mir: Nach der Installation verweigerte Illustrator auf meinen beiden Macs den Start. Nach einer aufwändigen Entfernung aller Altlasten vergangener CS- und CC-Versionen und einer Neuinstallation der Cloud, sowie Recherchen im Internet stellte sich heraus, dass Illustrator mit einer älteren Version des Wacom-Treibers nicht konnte.

Im Moment laufen Photoshop und InDesign stabil auf meinen Rechnern. Jedenfalls so lange ich damit arbeite. Beim Beenden der Programme frieren regelmäßig beide ein. InDesign scheint dabei das Kunststück eines Aufhängers zu Stande zu bringen, der sich mit keinem Mittel mehr beenden lässt – auch nicht via Abschießen über die Aktivitätsanzeige. Nicht einmal das Ausschalten des Macs ist möglich! Nur mehr das Abwürgen des Systems ist der letzte Ausweg. Gesund dürfte das auf Dauer aber nicht sein für das OS.

Nun kann man als Windows-Anwender natürlich einwenden: »Mac halt!« Doch ich kenne kaum Programme die vergleichbare Probleme bereiten. Office ist im Vergleich ein Fels in der Brandung.

Nebenbei bemerkt: Der Cloud Updater erinnert mich täglich daran, dass es Updates für drei meiner Programme gibt und meint damit für meine CS6-Versionen. Geschafft hat er das Update aber noch nie. Auch nicht nachdem ich alle Cloud-Programme neu installiert habe.

Die Entwicklung ist ein Jammer, denn Adobe hat seinen Kunden mit Photoshop und InDesign grandiose Werkzeuge in die Hand gegeben und ich war immer mehr auf Illustrators Seite denn auf Freehands. Dass die Qualität und die Pflege der Programme nun so den Bach hinunter geht ist bedauerlich, umso mehr, als dass durch InDesign für die Anwender eine Abhängigkeit entstanden ist, die sich kaum mehr lösen lässt. Aber genau da liegt das Problem!

Adobe hat ein Monopol und der Anwender ist dem Konzern ausgeliefert. Das kann man mir jetzt wieder als Schwarzmalerei ankreiden. Doch wie es scheint bewahrheitet sich das, was Heise bereits bei der Vorstellung der Cloud anmerkte: Adobe muss jetzt nur mehr so viel tun, die Anwender nicht komplett zu verärgern.

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Adobe Creative Cloud 2015

Adobe veröffentlichte heute das Release 2015 der Creative Cloud. Wie üblich, »wird diese Version die Art wie Sie Ihre kreativen Arbeiten erstellen revolutionieren«. Und womit schafft die Creative Cloud das? Durch die Integration von »Adobe Stock« (formerly known as Fotolia) und durch in Reibungsloses Zusammenspiel verschiedener Devices (Smart Phone, Tablet, PC) – für alle, die ihre Layouts in Zukunft am Telefon gestalten wollen. 😉

Auf den zweiten Blick finde ich dann doch ein paar Details zu Neuerungen in den einzelnen Programmen.

Photoshop

  • Kombination mehrerer Ebenenstile
  • Mehr Kontrolle beim Verschieben und Skalieren von Ebenen
  • Mehrere Zeichenflächen
  • Vorschau von Photoshop-Entwürfen auf iOS geräten
  • Automatisches inhaltsbasiertes Füllen für Panoramabilder
  • Hochauflösende Anzeige auf HiDPI-Displays unter Windows
  • Rauschen für Weichzeichnergalerien
  • Neue Exportfunktion mit der sich unter anderem Ebenen als Bilder exportieren lassen sollten
  • Optimierter Arbeitsbereich
  • Beschleunigte Performance
  • Neue und verbesserte 3D-Features

InDesign

  • Platzierung von Bildern in Tabellenzellen (ach, das ist neu?)
  • Verbesserte Performance
  • Absatzrahmen und Schattierungen (damit scheint gemeint, dass man einen Rahmen jetzt als Absatzformat definieren kann – dürfte ein durchaus brauchbares Feature sein)

Illustrator

  • Verbessertes Zoomen, Schwenken und Scrollen
  • Nach InDesign und Photoshop kann nun auch Illustrator Dateien im Hintergrund zwischenspeichern und somit den Verlust einer Bearbeitung durch einen Absturz verhindern
  • 10 Mal höhere Vergrößerung

Es scheint noch ein paar andere Peanuts zu geben, aber besonders fett scheint dieser Braten einmal mehr nicht zu werden.

Adobe versprach bei der Einführung der Creative Cloud den Abonnenten den Vorteil in Zukunft schneller und häufiger zu Neuerungen zu kommen als das zuvor mit periodisch zum Kauf angebotenen Upgrades der Fall war. Besonders innovativ hat sich das Unternehmen seither – zumindest was Photoshop, InDesign und Illustrator angeht – nicht gezeigt und die Argumente weshalb man nun unbedingt von Adobe CS6 auf CC umsteigen müssten fehlen mir nach wie vor. Einzig Typekit, das es dem Anwender erlaubt auf einen großen Pool an Schriften zugreifen zu können ohne Lizenzgebühren abführen zu müssen ist in meinen Augen ein wirklich nennenswerter Benefit – für die die’s brauchen.

Bei der Ankündigung von Adobe Stock klang es für mich zunächst so als könnte man von diesem Service Stockphotos kostenlos herunterladen – kann man zwar mit Wasserzeichen, doch die Lizenzierung scheint dann doch nicht mehr so kostenfrei zu sein. Wäre der Zugriff auf einen gewaltigen Pool an Stockphotos so wie TypeKit tatsächlich ohne Zusatzgebühren möglich, wäre das wirklich ein absolutes Killer-Feature für Adobe CC. Doch so …

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Konsequenzen der Creative Cloud

Die anstehende Verpflichtung zur Creative Cloud wirft unerwartet Fragen, wohin sich meine Tätigkeit als Seminarleiter und Autor in den nächsten Jahren entwickeln wird. 12 Schulungsrechner mit Photoshop, Illustrator und InDesign auszustatten kostet im Jahr 7200 Euro. Adobe CS war schon bisher kein Schnäppchen. Dafür müssen viele Seminarplätze verkauft werden. Für einen kleinen Seminaranbieter, wie die Akademie an der ich unterrichte, kein Pappenstiel (für große Anbieter wohl auch nicht anders). Natürlich könnte man die Kosten an die Kunden weitergeben, aber ob die das akzeptieren werden?

Die Frage ob CC ja oder nein hat für mich vor dem Hintergrund, dass Bücher zu Photoshop und das Unterrichten der Creative Suite einen wesentlichen Teil meines Umsatzes ausmachen, somit schweres Gewicht und weitreichende Konsequenzen. Aber wieso nicht einfach einsteigen? Wieso bin ich nicht so begeistert, wie offensichtlich doch ein Teil der Adobe-Kunden, oder nehme es nicht zumindest so wie es ist?

Folgende Punkte geben mir zu denken und ich frage mich, ob die Befürworter der Creative Cloud darüber nachgedacht haben:

  • Creative Cloud bedeutet lebenslänglich. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Wer in die Cloud einsteigt und Programme wie Illustrator oder InDesign nutzt wird nie wieder aus dem Abo aussteigen können, will er die damit entstandenen Daten noch nutzen. Ganz egal, was Adobe in Zukunft macht und wie sie an der Preisschraube drehen werden. Das ist keine Schwarzmalerei sondern schlichte Tatsache.
  • Ich arbeite seit ein paar Wochen mit einer Testversion von Adobe Photoshop CC. Was es in dieser neuen Version an Neuerungen gibt sind ein paar Peanuts. Schon seit vielen Versionen sind die Innovationen in neuen Photoshop-Versionen überschaubar. Aber was in Photoshop CC neu ist, wird von den meisten anderen Software-Anbietern als kleine Zwischenversion kostenlos angeboten. Die einzige nennenswerte Änderung ist, dass man Photoshop CC nicht mehr kaufen kann. Man könnte es so sagen: Wer Photoshop CS6 hat und in in CC einsteigt mietet das Programm das er bereits bezahlt hat.
  • Adobe ist ein Börsennotierter Konzern. In solchen Konzernen geht es vor allem darum Gewinne zu maximieren. Ein Unternehmen mit Produkten ohne Alternativen hat beste Voraussetzungen zur Gewinnmaximierung. Wer keine Mitbewerber hat, muss sich um Kundennutzen nicht scheren. Zumal dann, wenn es für den Kunden beim Auftauchen von Mitbewerbern ausserordentlich schmerzhaft würde umzusteigen (ich spreche hier vor allem von InDesign) und man eine Schlüsseltechnologie wie PDF in der Hand hat. Vor diesem Hintergrund stellt sich nun nicht die Frage ob Adobe in Zukunft in Innovation und Weiterentwicklung investieren wird, sondern weshalb sie das tun sollten.
  • Soweit ich es mitbekomme überwiegt die Abneigung dem neuen Mietmodell gegenüber und einige Anwender rufen dazu auf CC zu boykottieren und bei CS zu bleiben. Das wäre im Grunde leicht möglich, denn Photoshop bietet für mich seit CS3 keine Änderungen mehr, die man haben muss, Illustrator hat für mich sogar schon länger, alles was ich brauche und einige Sachen mochte ich früher mehr, und mit InDesign CS4 hat man eigentlich auch alles was man braucht, sofern man keine Layouts für die digitale Publikation erstellen möchte. Ich denke also auch darüber nach bei CS6 zu bleiben. Allerdings unterstelle ich, dass es nur ganz wenigen Anwendern von InDesign möglich sein wird CC zu entsagen. In ein oder zwei Jahren werden die meisten in der Creative Cloud gelandet sein. Auch ich, will ich Daten von Kunden übernehmen oder mit ihnen austauschen können.

Mein Leben lang schon sträubt sich bei mir alles bei Zwängen und Befehlen. Ich entscheide gerne autonom. Dass Adobe mich hier vor die Alternative »friss oder stirb« stellt geht mir komplett gegen den Strich. Wer mit dem Zwang zu CC kein Problem hat, sollte sich fragen bei welchem »Friss oder stirb« bei ihm das Fass überläuft.

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Ab in die Creative Cloud

Vorweg: Ich war einst eine Art Adobe-Fanboy. Photoshop, InDesign und Illustrator sind (leider) konkurrenzlos und waren es schon bevor Adobe den einzigen nennenswerten Mitbewerber – Macromedia – übernommen hat. Es war der Morgen als ich in den Nachrichten von der Übernahme erfuhr, als mein Fan-Herz einen ersten Riss bekam und ich dachte, »Au Backe! Was wird das wohl für die Weiterentwicklung der Produkte bedeuten?«.

Als ehemaliger Adobe-GoLive-Nutzer gehörte ich auch zu den ersten die die negativen Folgen dieser Übernahme zu spüren bekamen. Ich hatte mit GoLive zu arbeiten begonnen, lange bevor erste Zeichen von Dreamweaver wahrgenommen werden konnten und lange bevor Adobe das Unternehmen GoLive (aus Hamburg) und das Produkt Cyberstudio (das von Adobe dann in GoLive umgenannt wurde) übernommen hat. Cyberstudio war seiner Zeit voraus und die Programmierer bei Macromedia haben sich das Programm sicher in weiten Teilen zum Vorbild genommen, als sie Dreamweaver entwickelten.

Adobe ließ GoLive nach der Übernahme von Macromedia auch prompt fallen – und damit natürlich auch die treuen GoLive-Kunden. Das Programm hatte unter der Ägide Adobes seinen zuvor doch recht guten Ruf verloren und damit die meisten Marktanteile an Macormedia. Ich erinnere mich noch, dass Adobe kurz nach der Übernahme von Macromedia GoLive 9 vorstellte. Auf der Produktseite von GoLive 9 gaben allerdings Worte zu denken, die sinngemäß wiedergegeben aussagten, dass »GoLive ein tolles Programm sei, mit dem man Webdesign wie mit einem Layoutprogramm machen könne, aber wer ein vernünftiges Webdesign-Programm wolle, der solle sich doch einmal Dreamweaver ansehen«.

Wie nach der Übernahme von vornherein klar war hat es ein GoLive 10 nie gegeben. Adobe nahm nicht nur noch rasch das Geld von den Dummen, die die weitere Entwicklung nicht vorhergesehen haben, sondern ließ auch seine GoLive-Bestandskunden komplett im Regen stehen – auf eine Möglichkeit GoLive-Projekte komfortabel in Dreamweaver-Projekte zu konvertieren wurde verzichtet.

Dreamweaver mag zu derzeit schon weitaus das bessere Produkt gewesen sein, als GoLive. Aber es waren die Strategen bei Adobe die verantwortlich waren, dass das Produkt gegenüber Dreamweaver verloren hat. Wer damals mit GoLive nicht konnte hatte mit Dreamweaver eine Alternative. Bei Photoshop & Co sieht das heute anders aus.

Wer professionell mit InDesign, Illustrator und Photoshop arbeitet findet kaum nennenswerte Alternativen. Klar gibt es andere Programme in den Kategorien Layout, Vektorgrafik und Bildbearbeitung. Aber irgendwie ist es, als hätte man sich an Mercedes S Klasse gewöhnt und für einen Wechsel stünden nur Skoda, Fiat und Seat zur Verfügung. Nichts gegen Skoda, Fiat und Seat – aber die bieten halt keine S Klasse an!

Was Adobe jetzt macht, ist, als würde Mercedes ein Modell aufstellen, bei dem man die Autos nur mehr mieten kann, dafür aber jedes Jahr ein neues bekommt. Klingt doch verlockend, oder?

Ich finde, solange es BMW, Audi und meinetwegen Lexus als Alternative gibt, mag das schon nett sein. Aber wenn man gar keine Wahl hat, als den Deal mit Mercedes einzugehen? Höchstens auf Fiat umzusteigen, oder den aktuellen Mercedes weiter zu fahren, bis er durchgerostet ist?

Software-Schmieden wie Microsoft und Adobe haben ein Problem: Ihre Produkte – Office und Creative Suite – sind ausgereift. In meinen Augen braucht kaum jemand eine neuere Version als Photoshop CS3. Natürlich ist da und dort ein bisschen was dazu gekommen. Aber für die wenigsten Anwender sind die Neuerungen in den folgenden Versionen bis CS6 so essenziell, als dass sich die etwa 800 Euro für die Upgrades rechtfertigen würden. Bei InDesign würde mir CS3 nicht genügen. Hier kamen in CS4 Innovationen dazu, auf die kein Anwender verzichten sollte. Aber wer nur für den Druck arbeitet und keine liquid Layouts erstellen muss, kann auf CS5, CS5.5 und CS6 gut verzichten. Illustrator wäre mir heute sogar in CS2 lieber als in CS6. Zwar sind nach CS2 durchaus nette Funktionen dazu gekommen. Allerdings sind das alles Werkzeuge für die ich eher keine Verwendung habe und in den für mich wichtigen Belangen hat sich die Genauigkeit des Programms eher zum negativen hin entwickelt.

Was aber tun, wenn man Produkte anbietet die praktisch keinen Verschleiß aufweisen, die sich aber auch kaum einmal mehr soweit verbessern lassen, als dass die Kunden bereit wären mehrere Hundert Euro dafür zu bezahlen? Ein Mietmodell ist da die perfekte Lösung. Heise schrieb zur Creative Cloud, Adobe müsse nun nur mehr so viel Aufwand in die Entwicklung stecken, um die Kunden nicht komplett zu vergraulen. Für einen Monopolisten ist das eigentlich kein Problem, denn selbst wenn jemand jetzt oder in den nächsten Jahren dermaßen verärgert werden sollte, dass er eine Alternative in Betracht zieht, wird der Umstieg sehr schmerzhaft. Speziell Grafiker und Agenturen haben praktisch keine andere Wahl als InDesign treu zu bleiben, denn sie müssen Daten mit Kunden und anderen austauschen.

Grundsätzlich stehe ich einem Mietmodell positiv gegenüber, weil ich die Situation der Software-Konzerne verstehe. Das Upgrade-Modell der vergangenen Jahrzehnte hat ausgedient. Für die Zukunft wird es zwei Modelle geben: Jenes von Apple und seinem App-Store, bei dem man eine Produktversion kauft, ohne dass man die Folgeversion als Upgrade zum halben Preis kaufen kann. Das ist eigentlich das Modell der Welt außerhalb der Software-Branche: Wer seinen Golf 6 durch einen Golf 7 ersetzen will bekommt ihn auch nicht zum halben Preis. Bei Apple sind dafür die Vollversionen deutlich günstiger, als es die Preise für Upgrades davor waren. Das andere Modell ist eben das Mietmodell, wie es Adobe derzeit gerade durchpresst, und wie es auch Microsoft gerne einführen würde.

Was mir an der Creative Cloud sauer aufstößt, ist die Preisgestaltung. Zwar lässt sich ein einzelnes Programm für etwa 20 Euro mieten, doch wer wie ich vier Programme für seine Arbeit benötigt, kommt um die ganze Cloud nicht herum. Klar: Für die 60 Euro Cloud-Gebühr kann ich mir auch jedes andere Programm herunterladen, das ich nicht brauche. Es stellt sich für mich aber die Frage, weshalb Adobe kein faireres Modell gewählt hat, bei dem man sich das Cloud-Abo nach den eigenen Anforderungen zusammenstellen kann. Zum Beispiel Photoshop alleine 20 Euro, Photoshop + InDesign 30 Euro … kommt Illustrator hinzu 35 Euro und so weiter. Sollte es für Adobe wirklich ein Problem sein, das Abo-Modell so einzurichten? Sicher nicht! Nur: Die Creative Cloud, wie sie jetzt gestrickt ist, bringt dem Konzern mehr Money. Und darum geht es doch! Nicht um Kundennutzen, sondern um den Gewinn für den Konzern.

Klar ist das eben das Wirtschaftssystem, in dem wir leben und in dem es nicht mehr darum geht was man macht, sondern wie viel Geld man damit machen kann. Jede strategische Entscheidung, die nicht dafür sorgt, dass ein Unternehmen noch mehr Gewinn macht, sondern den Nutzen der Kunden im Sinn hat – oder zumindest nicht aus den Augen verliert –, wird unweigerlich zum Absturz der Aktien an den Börsen führen. Das darf man nicht aus den Augen verlieren, wenn man solche – und andere – Praktiken von Konzernen kritisch beäugt. Was mich wundert sind die Schafe die dastehen und dem Ganzen auch noch Beifall zollen. Sie scheinen sich nicht zu fragen, welchen Grund Adobe in Zukunft noch haben sollte, seine Produkte innovativ weiter zu entwickeln. Wer jetzt CS3, CS4, CS5 oder CS6 hat, kann damit wahrscheinlich noch viele Jahre arbeiten – außer den armen Grafikern, die schon bald gezwungen sein werden auf InDesign CC umzusteigen, weil sie Daten austauschen müssen. Wer in Zukunft aus der Creative Cloud aussteigen will, wird keine Programm mehr haben, mit denen er arbeiten kann.

Wer nicht glaubt, dass Adobe in der Preisgestaltung unverschämt ist, der vergleiche einmal Preise für die amerikanische Cloud – 40$ – mit jenen für die deutsche – 60€.

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