Archiv der Kategorie: Fotografie

Olympus 25mm 1.2 oder Panaleica 25mm 1.4?

Eine lichtstarke Normalbrennweite gehört an sich zur fixen Ausrüstung eines jeden Fotografen. Dem MFT-Fotograf geben die Systemhersteller Olympus und Panasonic die Auswahl zwischen vier verschiedenen Linsen mit Lichtstärken zwischen ƒ1.2 und ƒ1.5, wozu sich noch die manuell zu fokussierenden Hyperprimes von SLR Magic und Voightländer gesellen (nebst anderem Glas von Drittherstellern).

Bereits 2014 habe ich das Panaleica ƒ1.4 (genau genommen Panasonic Leica Summilux G) gekauft, habe es aber aus mir gar nicht so recht erklärbaren Gründen nicht besonders gerne eingesetzt.

Seit ein paar Wochen nun konnte ich Olympus’ 25mm ƒ1.2 Pro-Objektiv testen und möchte hiermit meinen Eindruck vermitteln. Wie immer sind meine Ausrüstungsberichte nicht als Tests zu verstehen, sondern spiegeln einfach meinen subjektiven Eindruck.

Während schon das Panaleica 1.4 keine besonders kompakte MFT-Linse ist (jedenfalls nicht für ein Normalobjektiv), ist das neue Oly ein richtiger fetter und schwerer Bomber und dürfte wohl die meisten Kleinbild-Normalbrennweiten überwiegen. Eigentlich läuft das ja der Idee von MFT als transportables Kompaktsystem zuwider.  Wer sich trotzdem darauf einlässt kriegt dafür ein sehr stabildes Objektiv zur Hand das gut in derselben liegt und mit absolut glaubwürdigem Schutz gegen Staub, Spritzwasser und Frost glänzt, also unter Bedingungen einsetzbar ist in denen man das Panaleica lieber sicher verstaut. Generell liegt das Objektiv glänzend in der Hand, nur in der Fototasche macht es sich unangenehm bemerkbar – als tägliches Immer-dabei-Objektiv hat es keine guten Karten.

Laut Messungen von dxomark.com erreicht das Panaleica eine etwas bessere Wertung, wobei man sich wie so oft bei DXO die Frage stellt wie die Gesamtwertung zusammenkommt, immerhin wird die Schärfe beim Oly etwas höher angegeben, Transmission und Vignettierung sind gleich und der Verzeichnung scheint das Oly deutlich die Nase vorne zu haben, lediglich bei der chromatischen Aberration hat das Panaleica mit dem etwas geringeren Wert die Nase vorne.

Bei meinen eigenen (höchst unprofessionellen) Aufnahmen meines Testcharts konnte ich weder bei Kontrast noch in der Schärfe einen Unterschied feststellen. Beide zeichnen praktisch ab Offenblende tadellos scharf und kontrastreich. Beide spielen laut DXO in der Top-Liga der MFT-Linsen und werden lediglich von Panasonics 42,5mm ƒ1.2 und Olympus’ 75mm ƒ1.8 übertroffen.

Klar besser gefällt mir Olympus’ Pro-Objektiv beim Bokeh, wo es deutlich ruhiger und cremiger zeichnet als die von Leica entworfene Linse. Diesen Mehrwert im Bokeh muss der Fotograf jedoch teuer bezahlen: Das 25mm ƒ1.2 von Olympus kostet etwa das Doppelte des 25mm ƒ1.4 von Panasonic.

Unterm Strich würde ich meinen, dass das Panaleica bei diesem Vergleich der Preis/Leistungs-Sieger ist. Wer MFT wegen Kompaktheit nutzt und auf die Wetterfestigkeit von Olympus’ Pro-Objektiv verzichten kann erhält mit ihm ein exzellentes Objektiv. Allerdings wird die deutliche Mehrausgabe für das 25mm ƒ1.2 mit einem sichtbar weicheren Bokeh belohnt, dessen Anblick eine wahre Freude ist (auch wenn man selbstverständlich nicht die kurze Schärfentiefe einer KB-Normalbrennweite erreicht).

Tatsächlicher Preis/Leistungs-Sieger wäre übrigens das 25mm ƒ1.7 von Panasonic. Nicht viel weniger Lichtstark, dafür kompakt, leicht und für unter 200 Euro zu haben, dabei in der Wertung den teureren hier erwähnten Modellen laut DXO nur gering nachstehend.

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Alles wird schneller: Olympus OM-D E-M1 Mark II

Olympus hat 2013 mit der OM-D E-M1 die perfekte Kamera für mich vorgestellt. Zwei Jahre später wurde ich schon gelegentlich gefragt, ob ich sie durch eine Mark II ersetzen würde – lange bevor eine solche offiziell angekündigt wurde. Bis die Mark II tatsächlich vorgestellt wurde war das kein relevantes Thema für mich.

Die E-M1 verschafft mir beim Fotografieren die Leichtigkeit die MFT generell zu Grunde liegt. Sie ist aber groß und griffig genug um sie auch bei ausgedehnten Foto-Sessions effizient einsetzen zu können. Mit der E-M5 – der ersten Olympus die mir MFT und spiegelloses Fotografieren schmackhaft machte – wäre das kein Thema gewesen. Die E-M5 punktet unterwegs mit Kompaktheit, wäre für mich aber keine Alternative zu meiner damaligen D600 gewesen. Erst die E-M1 von 2013 veranlasste mich auf den Gedanken, von Nikon auf Micro FourThirds umzusteigen, was ich nach einigen Wochen mit ihr auch in die Tag umsetzte.

Für einen Fotografen wie mich, der etwa 95% auf Achse fotografiert, kann es in meinen Augen kein besseres System als MFT geben. Mehr als alles andere bestätigte mir das eine 15-tägige Rundfahrt um Island: In meiner Vanguard The Heralder begleiteten mich damals, ein Weitwinkel-, ein Standard- und ein Telezoom (M.Zuiko 9–18mm und M.Zuiko 12–40mm, Lumix 100–300mm) und drei Kameras (E-M5, E-M1 und Lumix GM1). Trotz dreier Apparate samt Linsen, hatte ich wohl weniger Ballast zu tragen, als eine Vielzahl anderer Touristen mit Vollformat und zwei oder drei Wechselobjektiven. Ein bis zwei Stunden Fußmarsch mit der Fototasche um die Schultern waren kein Problem.

Jeden Brennweitenbereich an einer eigenen Kamera zu haben, hat doppelten Vorteil: Man muss nicht ständig Objektive wechseln, läuft also nicht Gefahr, dass Staub und Schmutz in die Kamera gelangen, und man ist in Sekunden schussbereit.

Klar bringt MFT gegenüber APS-C und Kleinbild auch Nachteile mit sich, die man nicht ernsthaft von der Hand weisen kann:

  1. Da wäre einmal die enger gesetzten Grenzen in der Auflösung. Allerdings fand ich mit den 16 Megapixel von E-M5 und E-M1 immer mein Auslangen. Damit erreiche ich bei 300ppi knapp A3, bei 250ppi sogar deutlich darüber (genau genommen gibt es kaum Situationen in denen 300ppi gegenüber 250ppi eine sichtbare Qualitätssteigerung bringt). Mit den 20MP der Pen F und der E-M1 Mark II ist sogar dieses Limit gesprengt und wer unbewegte Motive fotografiert kommt mit Stativ sogar auf 50MP bzw. 80MP.
  2. Während mehr als 16 Megapixel kaum ein Thema ist, das mich berührt, stellt für mich die bessere ISO-Performance schon eher einen bemerkenswerten Nachteil von MFT gegenüber Vollformat dar. Allerdings hat die ISO-Performance heute generell ein so gutes Niveau erreicht, dass ich deswegen nicht das doppelte oder dreifache Gewicht durch die Gegend schleppen möchte.
  3. Noch ein Thema bei dem ich mir mehr wünschen würde, wäre Dynamikumfang. Von den etwa 15 Lichtwerten die Nikons Spitzenmodelle erreichen, kann ich mit MFT nur träumen. Olympus’ und Panasonics Modelle schaffen heute knapp 13LW. Allerdings ist das noch immer ein Wert der manche Canon-Profikameras in den Schatten stellt – Kameras mit denen Fotografen die viel besser sind als ich Aufnahmen machen, die mich wegblasen. Also, was soll’s!
  4. Noch ein Nachteil: Die geringe Schärfentiefe exzellenter Festbrennweite bleibt mit MFT unerreichbar. Selbst mit manuellen ƒ0.95 Objektiven wird man von einem preiswerten (und automatischen) Vollformatlinsen mit Lichtstärke 1.8 ausgestochen. MFT zeichnet bei adäquater Brennweite einfach um 2 Lichtwerte mehr Schärfentiefe auf als Vollformat. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass MFT-Objektive bereits bei Offenblende schärfer zeichnen als andere Linsen mit denen ich schon arbeitete, und das Bokeh scheint mir tendenziell etwas weicher zu sein, was den Nachteil der geringeren Schärfentiefe zwar nicht aufwiegen kann, aber zumindest auch nicht außer Acht gelassen werden sollte.
  5. Spiegellose Systeme litten bislang generell an im Vergleich zu DSLRs langsameren AF-Systemen. Das hat nichts mit der Sensorgröße zu tun, sondern schlicht damit, dass DSLRs für das Scharfstellen einen eigenen Sensor nutzen, der den sogenannten Phasenvergleich erlaubt und eben der Kontrasterkennung spiegelloser Kameras überlegen ist.

Diese Nachteile gilt es zu berücksichtigen und gegen den unbestreitbaren Vorteil von MFT in die Waage zu legen: Das System ist bei weitem das kompakteste und leichteste auf dem Markt. In Verhältnis von Abbildungsqualität zu Gewicht ist es unschlagbar. Zwar baut auch Sony mittlerweile extrem kompakte Kleinbildkameras, doch bei den Objektiven wird Vollformat nicht einmal in die Nähe der Kompaktheit und Leichtigkeit von MFT kommen können.

Der Nachteil der mich bei MFT bislang am meisten schmerzte, war definitiv das behäbigere AF-System: Rasch bewegende Objekte lassen sich kaum einfangen. Vögel im Flug sind selbst für die als schnell geltende E-M1 unerreichbar. Das wurde mir regelmäßig beim Einsatz der Panasonic Telezooms 100–300mm und100–400mm bewusst, mit denen ich meine Liebe für die Vogeljagd entdeckte. Damit lassen sich Vögel praktisch nur ablichten, wenn sie einigermaßen still sitzen.

Zur Fragen ob ich es in Betracht ziehen würde meine E-M1 durch ein Nachfolgemodell zu ersetzen: Nur, wenn das AF-System so gut war, dass es mit meinen früheren Nikons gleichziehen und Vogelflug wieder in Reichweite bringen kann.

Die E-M1 Mark II wurde zwar als Power-House mit sehr schnellem AF angekündigt, doch, dass eine Spiegellose beim Fokussieren mit DSLR gleichgezogen habe, hatte ich in den letzten Jahren zu oft gehört und doch anders erfahren, weshalb ich das nicht ganz ernst nahm. Schnelle Serienbildaufnahmen, zweite Speicherkarte und +4MP alleine jedoch, wären für mich kein Argument gewesen, die mit 2000 Euro nicht ganz billige Mark II in Betracht zu ziehen.

Panasonic G80/G81/G85

Während 2000 Euro für die E-M1II vielen Kommentatoren als zu gilt, kündigte Panasonic im Herbst ein interessantes Modell zum Schnäppchenpreis an, die je nach Markt G80, G81 oder G85 heißt. Sie hat ein griffiges Gehäuse, ist gegen Umwelteinflüsse abgedichtet und in vielen Berichten hatte ich gehört und gelesen, dass ihr AF unglaublich schnell sein soll.  Eine wetterfeste Systemkamera inklusive abgedichtetem Objektiv unter 1000 Euro wäre mir sonst von keinem Hersteller bekannt.

Reizend an der G81: Sie hat je einen dezidierten Hardware-Schalter, um von Einzel- zu Serienbildaufnahme umzuschalten, und einen, um von AF-S zu AF-C oder MF zu wechseln – etwas, das ich bei Olympus vermisse. Was mich nun aber vor allem interessierte: War der Panasonic AF wirklich so gut wie viele behaupteten, und wie gut würde er verglichen mit dem neuen System der E-M1II abschneiden? Wäre die Olympus den doppelten Preis wert?

Der Vergleich dauerte keine fünf Minuten. Beim ultimativen Hardcore-Test, weiße Möwen fliegend am grauen Himmel, konnte ich bei der G81 keinen nennenswerten Gewinn gegenüber meinen bisherigen MFTs feststellen. Der AF der E-M1II hingegen schnappt dermaßen schnell und präzise zu, wie ich es nur von den Nikons die ich früher im Einsatz hatte, kenne. Um faire Bedingungen zu schaffen, habe ich  an beiden Kameras sowohl das 40–150mm von Olympus, als auch das 100–400mm von Panasonic getestet.

Zuletzt auf Facebook einen Rüffel bekommen, weil ich die preislich so unterschiedlichen Kameras verglichen habe. Doch die Frage durchaus gerechtfertigt: Ist der doppelte Preis der E-M1II gegenüber der G81 gerechtfertigt? Für alle die rasante Motive einfangen wollen: Definitiv!

Dass die E-M1 für mich in Frage kommt, die G81 jedoch nicht, soll nicht heißen, dass ich generell von ihr abraten würde. Im Gegenteil: Wer eine handliche aber doch kompakte und leichte Kamera sucht, die ihn bei Wind und Wetter sicher begleitet, sollte einen Blick darauf werfen. Das schöne an MFT ist ja gerade, dass ein System so unterschiedliche Kameras anbietet, wie sie von Olympus und Panasonic stammen.

Der Mehrwert der E-M1II

Mit dem Panasonic Leica Vario-Elmar 100–400mm wird die E-M1II zum Dream-Team für alle die gerne unterwegs sind und scheues Getier ablichten wollen. Ebenso beeindruckend wie die Geschwindigkeit und Präzision mit der der AF zuschnappt, ist die Hartnäckigkeit mit der er sich beim Tracking an Objekte haftet. Ich hatte nicht erwartet, dass die Mark II mit meinen früheren DSLRs von Nikon (D700, D7100 und D600/D610) gleichziehen könnte, doch ich würde mindestens von Gleichwertigkeit ausgehen, wenn sie die genannten Modelle nicht sogar überflügelt.

Im Grunde ist die E-M1II eine waschechte OM-D und verlangt nach einer E-M1 keinerlei Umgewöhnung. Das Gehäuse ist eine Spur höher, was mir den kleinen Finger nicht mehr ins Leere laufen lässt, und wahrscheinlich heißt, dass ich bei ihr wieder auf den Hochformatgriff verzichten kann, was ich bei der E-M1 aus Ergonomiegründen nur selten machte.

Viele wird freuen, dass das Display nun seitlich ausklappbar ist und sich somit auch im Hochformat besser nutzen lässt. Ich war ja bislang immer eher Freund des reinen Hochklappmechanismus, habe mich aber mit der Pen F an das seitlich ausklappende Display gewöhnt, und kann dem mittlerweile durchaus auch einiges abgewinnen, auch wenn es sich nach wie vor fragiler anfühlt.

Ein Detail, das mich zunächst irritiert hat, ist, dass die Öse zum Anbringen eines Gurts oder einer Handschlaufe wegen des zweiten Speicherkartenfachs von der Seite nach oben gewandert ist. Ich erwartete, dass sich das Nachteilig auf das Handling auswirkt, musste das Gegenteil feststellen: Meine Handschlaufe legt sich jetzt wie selbstverständlich von oben her um das Armgelenk und, dass sich der Verschluss störend zwischen Hand und Kamera drängelt scheint jetzt deutlich weniger oft der Fall.

Preiswert?

Stellt sich die Frage ob die Mark II ihren Preis wert ist. Definitiv: Ja!

Die Diskussionen über die Preisgestaltung von MFT-Modellen scheint mir ja immer ein bisschen sonderbar. Kritiker reduzieren eine Kamera auf die Größe des Sensors und stellen fest, dass ein Modell mit halb so großem Bildwandler doch unmöglich gleich viel kosten könne, wie eine Vollformatkamera. Das ist als würde ich den Preis von Wurst anhand der gewogenen Menge beurteilen oder jenen eines Autos anhand der Sitzplätze. Ich habe einen Roadster. Der hat zwei Sitze. Das heißt er bietet 2/5 weniger Plätze als ein PKW. Muss er deshalb günstiger sein als ein Golf?

Mit meinem Roadster hat die E-M1II gemein, dass sie einfach Spaß macht. Mit einer MFT-Kamera und 800mm KB-äquivalenter Brennweite auf die Pirsch nach scheuen Motiven zu gehen, ist eine bedeutend unbeschwertere Angelegenheit als mit vergleichbarem im Vollformat. Der E-M1II Body wiegt 574g, das Panaleica 100–400mm 985g. Das sind zusammen 1559g. Ein Gewicht, das man bei Vollformat schon mit einem Standardzoom kaum halten kann. Ein Nikon D750 Body beispielsweise wiegt 840g. Mit dem Nikkor 24–70mm ƒ2.8 und seinen 1070g kommt man da auf1910g. Von Telezoom ist dabei noch keine Spur. Wer echte 800mm am Vollformat auf den Weg nehmen will, der muss zur Kamera zusätzlich 4000g und mehr schultern.

Man kann eine Kamera nicht auf die Größe des Sensors reduzieren!

Natürlich bietet die Nikon D500, mit der die E-M1II derzeit so häufig verglichen wird, um einen geringfügig höheren Listenpreis einen APS-C-Sensor und erreicht damit bessere Leistungen im High-ISO-Bereich, beim Dynamikumfang und ist etwas höher aufgelöst. Aber sie hat auch eine Serienbildrate von 10 Bildern pro Sekunde (E-M1II bis zu 60 Bilder) und garantiert eine Betriebsbereitschaft bis 0° (E-M1II bis –10°). Eine Kamera ist nicht automatisch mehr Wert, nur weil der Sensor größer ist.

Für MFT entscheidet man sich nicht, wenn man die bestmögliche Bildqualität erreichen will, sondern weil man den idealen Kompromiss zwischen Abbildungsqualität und Transportabilität sucht. Diesbezüglich ist das System bis auf Weiteres definitiv unschlagbar. Nicht selten erfordert Miniaturisierung einen erhöhten Aufwand und führt zu teureren Produkten. Ich weiß nicht, ob das auf Kameras zu übertragen ist, ich halte nur den Schluss, eine kleinere Kamera muss automatisch billiger sein, für Unfug.

Es gibt an der ganzen Debatte noch etwas anderes was ich schräg finde: In einem Artikel über die E-M1II las ich die generelle Kritik daran, dass die Kamerahersteller den sinkenden Absätzen mit teureren Modellen begegnen. Ja, was sollen sie denn tun? Soweit ich mitbekommen habe, schreiben die meisten Marken in der Kamerasparte rote Zahlen. Ist der Versuch Modelle so zu kalkulieren, dass ein Gewinn für sie hängen bleibt den verwerflich?

Ich weiß schon: Viele finden, dass alle zu teuer sind und nur sie selber zu wenig verdienen. Ich persönlich gönne einem Unternehmen allerdings einen Profit, wenn er mir ein gutes Produkt verkauft. Und für ein gutes Produkt bin ich auch bereit einen guten Preis zu bezahlen.

Die E-M1II ist definitiv ein gutes Produkt und ihren Preis absolut wert. Besser als sich von anderen erzählen zu lassen, wie gut sie ist, ist allerdings es selber auszuprobieren – ein Gefühl dafür bekommt man nur, wenn man es selber erfährt.

Der Blick in meine Kameratasche zeigt, was ich an MFT liebe. Eine Pen F mit 7–14mm ƒ2.8, eine E-M1 mit 12–40mm ƒ2.8 und eine E-M1II mit 40–150mm ƒ2.8. Trotz des immensen Brennweitenbereichs bei durchgehender Lichtstärke von ƒ2.8 leicht zu schultern.

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Aus Freude am Fotografieren

Gelegentlich werden meine Erfahrungsberichte zu meiner fotografischen Ausrüstung mit Kommentaren beantwortet und oft lese und höre ich, dass man mit diesem Objektiv und jener Kamera ja doch weit mehr herausholen könne als mit den von mir beschriebenen Apparaten und Optiken. Ich machen keinen Hehl daraus, dass ich weiß, dass APS-C, Kleinbild oder Mittelformat unter gewissen Umständen einen Qualitätsvorsprung gegenüber MFT erzielt. Aber das Ziel meiner Fotografiererei ist nicht möglichst viel Detailschärfe, möglichst wenig Rauschen oder möglichst geringe Schärfentiefe. Vielmehr geht es mir um die Freude am Fotografieren und ich hoffe gelegentlich auch einmal ein gutes Bild zu erzielen.

Schärfe, Rauschen und Schärfentiefe sind drei Aspekte der Fotografie, aber sie alleine ergeben keine guten Fotos. Gute Bilder leben vielmehr von interessanten Szenen, gutem Licht, interessanten Perspektiven, ausgewogener Komposition und oft trägt auch eine gekonnte Ausarbeitung mehr zu einem atemberaubenden Ergebnis bei, als Detailschärfe, Rauscharmut oder Freistellung.

Ehrlich gesagt dürfte ich für bemerkenswerte Aufnahmen auch nicht so bequem sein, müsste mein Leben mehr nach der Fotografie ausrichten. Leider bin ich zu faul um mich um vier Uhr früh aus den Federn zu schälen um noch vor Sonnenaufgang in der Wildnis zu stehen und den goldenen Moment abzuwarten. Wäre ich das, könnten mir 40MP und mehr inklusive State-of-the-Art-Objektive sicher etwas bringen, zumindest wenn ich Interesse daran hätte Poster im Format von A2 und größer zu drucken.

Ich weiß auch, dass ich viel bessere Aufnahmen von Tieren erzielen könnte, wenn ich die Geduld hätte auf einem Baum oder in einem Versteck Stunden lang anzusitzen und zu hoffen, dass sich Wild vor meine Linse verirrt. Natürlich würde ich dann Wert darauf legen im entscheidenden Moment über ein AF-System zu verfügen, das das Tier möglichst treffsicher aufs Korn nimmt und weshalb sollte ich dann auf einen Sensor verzichten der mit möglichst wenig Rauschen überzeugen kann. Zur Perfektion würde dann auch ein hochwertiges Tele gehören, auch wenn die Teile ein kleines Vermögen kosten.

Wäre ich mehr als Gelegenheits-Studiofotograf hätte ich wohl nie einen Grund gesehen meine Nikon-Vollformat-Ausrüstung zu verkaufen und auf MFT umzusatteln. Nikons Kameras und Objektive erzielen hervorragende Qualität, die Kameras liegen gut in der Hand und ihr üppiges Volumen bietet ausreichend Platz für alle Bedienelemente. Bei den kleinen MFT-Bodys fällt das alles etwas fuzzeliger aus – ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand professionelle Studioarbeit damit betreiben möchte.

Manchmal sehne ich mich auch nach meinen Nikons zurück, nämlich wenn ich versuche endlich wieder einmal einen Vogel im Flug so cool einzufangen wie ich das von ihnen gewohnt war. Ich sehe zwar immer wieder tolle Vogelflugaufnahmen die Andere mit MFT gemacht haben, aber selbst gelingen mir solche Bilder nur mehr selten. Mittlerweile ist mir bewusst geworden, dass das nicht nur an den noch immer vorhandenen Schwächen der AF-Systeme spiegelloser Kameras liegt, sondern dass die Verzögerung elektronischer Sucher gegenüber optischen Suchern ihren Teil dazu beitragen.

Wollte ich als Landschaftsfotograf perfekte Aufnahmen erzielen, hätte die Bereitschaft meine Tagesplanung nach den optimalen fotografischen Bedingungen auszurichten, und würde ich damit Poster deutlich über A3 drucken wollen, würde ich eine Vollformatkamera nutzen. Hätte ich die Geduld still im Wald zu sitzen und auf Tiere zu warten, hätte ich eine Vollformat-DSLR mit entsprechend hochwertigen Teles. Wäre ich Studiofotograf hätte ich eine Vollformatkamera. Wäre ich Sportfotograf oder wären fliegende Vögel von zentralem Interesse für mich hätte ich eine DSLR.

Doch all das trifft nicht auf mich zu. Ich richte mein Leben nicht nach der Fotografie aus. Fotografie ist etwas das mein Leben begleitet. Ich gehe nicht auf einen Berg um zu fotografieren. Ich gehe ins Gebirge um in der Natur zu sein. Fotografie hilft mir dabei intensiver mit meiner Umgebung in Kontakt zu kommen und es bereitet mir einfach Freude festzuhalten was mir begegnet.

Bei allen Vorteilen die größere Systeme haben: Wenn es um den optimalen Kompromiss zwischen Abbildungsqualität und Volumen/Gewicht der Ausrüstung geht ist MFT der unschlagbare goldenen Mittelweg.

Eine Pen-F oder eine vergleichbar kompakte MFT-Kamera samt Festbrennweite belastet als Begleiter nicht mehr als jede Kompakte,  erzielt aber deutlich bessere Resultate. Selbst die immer wieder hochgelobte Sony RX100 konnte absolut nicht mit den Ergebnissen meiner Olympus OM-D E-M5 mithalten.

Doch MFT punktet für mich nicht nur als alltäglicher Begleiter. Auch bei reinen Fotoausflügen ist die Handlichkeit des Systems eine echte Wohltag. Eine E-M1 mit 12–40mm drückt einfach deutlich weniger auf die Schultern als eine Vollformat mit 24–70mm – auch Stundenlange Walks gehen weitgehend ermüdungsfrei. Nicht selten, dass mich zwei oder drei Kameras begleiten. Wo andere an ihrer Kamera das Objektiv wechseln, greife ich einfach nur zur anderen Kamera – und trage trotzdem weniger Kilo.

Noch viel mehr als alle rationalen Gründe zählt für mich aber, dass mir das Fotografieren mit MFT einfach mehr Spaß macht, als mit jeder anderen Kamera davor. Diese Freude am Fotografieren ist ein irrationales Gefühl, aber es ist vorhanden. Es ist eine Erfahrung die ich niemals bewusst gewählt habe sondern die mir einfach passiert ist.

Ich kaufte vor Jahren eine Olympus OM-D E-M5 als Zweitkamera – missmutig, weil ich eigentlich keine Olympus mehr wollte, doch bei der einzigen Alternative für ein kompaktes Zweitsystem – der Sony NEX – war das Objektivangebot damals noch zu gering und die Linsen waren doch deutlich größer. Über mehrere Wochen hinweg hatte ich die OM-D kaum in Händen und fotografierte meist mit meinen Nikons. Erst nach und nach bemerkte ich, dass mir das Fotografieren mit ihr, wenn ich sie schon einmal einsetzte, besonderen Spaß machte. Gleichzeitig viel mir auf, dass die Aufnahmen in keinster Weise schlechter wirkten als beispielsweise mit einer D7200 oder D610 – jedenfalls so lange man nicht begann an Bildschirmen einzuzoomen und Pixel zu zählen. Ich entdeckte, dass ihre Qualität für meine Art zu fotografieren und Fotos wiederzugeben absolut ausreichend war.

Es war keine bewusste Entscheidung für MFT sondern das System nahm mich mit der Zeit mehr und mehr für sich ein. Es ist nun etwa drei Jahre her da ich den Switch von Vollformat zu MFT machte und ich habe es nie bereut. Das heißt aber nicht, dass ich jemals versuchen würde irgendjemandem MFT aufzudrängen. Das richtige System hängt von der Art des Fotografierens, von den Ansprüchen an die Wiedergabe und von der Persönlichkeit und den Vorlieben des Fotografen ab. Da muss jeder seine eigenen Prioritäten setzen und seine eigene Entscheidung treffen.

Berufsfotografen müssen natürlich ein System wählen, das die Ansprüche ihrer Auftraggeber an Detailschärfe und Auflösung erfüllt. Leute die einfach nur Künstler sind und Hobby-Fotografen müssen diesbezüglich weniger Kompromisse eingehen. Sie können ihre Entscheidung für ein System rein nach ihren Vorlieben treffen und sich für das entscheiden was ihnen Spaß macht.

Wenn sie zur Freude an der Fotografie die maximal erreichbare Schärfeleistung brauchen ist das iO. Wenn es ihnen Freude bereitet in größten Auflösungen feinste Details zu erkennen ist das iO. Wenn geringe Schärfentiefe oberste Priorität für sie hat ist das iO. Für mich hat die Leichtigkeit des Systems wesentliche Priorität.

Bilder von mir gibt es bei 500px und Instagram zu sehen.

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Fotografische Theorie und Praxis

Mein Artikel über »Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab« scheint für etwas Aufmerksamkeit und Diskussionsstoff gesorgt zu haben. Das merke ich nicht nur an Nachrichten die mich direkt erreichen, sondern auch an dem was in Foren darüber diskutiert wird, wenn ich eingehenden Links folge.

Was mich überrascht, ist, wie sehr manche Leute an der Theorie festhalten, auch wenn die Praxis etwas anderes zu sagen scheint. Sehen wir uns dazu noch einmal zwei Beispiele aus dem oben genannten Artikel an.

Der Fotograf weiß, dass er über die Brennweite Perspektive und Tiefenstaffelung gestalten kann. Der Theoretiker widerspricht und behauptet, dass das falsch ist. Die Brennweite habe keinen Einfluss auf die Tiefenstaffelung, dass man mit ihr die Tiefenwirkung verdichten könne sei Unsinn.

Damit hat er zunächst einmal recht: Eine längere Brennweite verengt lediglich den Bildausschnitt und ändert nichts an Perspektive und Tiefenwirkung. Verkürzt man die Brennweite erhält man einen weiteren Ausschnitt, auch das bei gleicher Perspektive und Dichte. Die Theorie erweist sich auch in der Praxis als korrekt – das kann jeder überprüfen (und ich kann nur empfehlen Theorie zu überprüfen, bevor man für sie auf die Barrikaden steigt).

Der Praktiker aber weiß, dass Perspektive aus dem Zusammenspiel von Brennweite und Distanz entsteht. Wenn ich die Distanz vergrößere und Brennweite verlängere, dann verdichtet sich die Perspektive für jeden sichtbar. Die folgenden Abbildungen zeigen das deutlich.

weitwinkel
Brennweite 14mm (28mm KB), Blende ƒ5.6, Abstand ca. 0,5m
tele
Brennweite 150mm (300mm KB), Blende ƒ5.6, Abstand ca. 1,5m

Der Denkfehler vieler Theoretiker scheint mir, dass sie theoretisch korrekte Merksätze generalisieren. Tatsächlich sind Merksätze in der Regel an bestimmte Bedingungen geknüpft. Ändert sich der Kontext, hat das meist auch Auswirkungen auf das Resultat.

Die Aussage, »die Veränderung der Brennweite hat keinen Einfluss auf die Perspektive«, ist korrekt, so lange ich alle anderen Parameter (Distanz und Sensorformat) unverändert lasse. Die Aussage, »die Brennweite hat keinesfalls Einfluss auf die Perspektive«, ist falsch. Ändere ich zusammen mit der Brennweite auch die Distanz (und/oder das Aufnahmeformat), ändert sich die Perspektive. Das belegen die Abbildungen oben und jeder Fotograf wird das wissen und in der Praxis gezielt nutzen.

Nun wurde nicht nur meine Aussage zur Tiefenstaffelung bekritelt, sondern auch meine Schlüsse zur Schärfentiefe.

Die Theorie besagt, dass die Schärfentiefe nicht von der Brennweite, sondern lediglich von Abbildungsmaßstab und Blende abhänge. Dieser Merksatz war Auslöser für den angesprochenen Artikel. Nehmen wir ihn wörtlich, würde das heißen, dass eine längere Brennweite nicht zu einem unschärferen Hintergrund führt. Jeder Fotograf weiß jedoch aus der Praxis, dass man mit Tele deutlich besser freistellen kann als mit Weitwinkel – wer das noch nie erlebt hat fotografiere einmal mit einem Nikon 200mm ƒ2.0!

Ein Selbstversuch belegt: Wird ein Objekt bei jeweils unterschiedlicher Brennweite und Distanz im selben Abbildungsmaßstab fotografiert, ist die Unschärfe der Elemente im Hintergrund praktisch identisch.

Allerdings wird das nur bei genauer Analyse der Aufnahme deutlich, denn die größere Entfernung bei längerer Brennweite führt dazu, dass der Hintergrund näher rückt. Die Verdichtung der Tiefenstaffelung vergrößert den Hintergrund. Analog zum Hintergrund wird die Unschärfe mit vergrößert. Obwohl sie im Verhältnis zu den Elementen des Hintergrunds gleich ist wie bei kurzer Brennweite, wird sie durch die Vergrößerung auch größer wiedergegeben. Anders gesagt: Im Verhältnis zu den Elementen auf einer Ebene im Hintergrund ist die Unschärfe unverändert, im Verhältnis zum Element im Vordergrund jedoch ist sie größer. Und das ist eben der Effekt den man meint, wenn man behauptet man könne mit längeren Brennweite besser freistellen.

Dasselbe gilt übrigens auch für das Sensorformat. Tatsächlich ändert auch das Sensorformat lediglich den Bildausschnitt. Doch im Kontext der verschiedenen Parameter die in der Fotografie zusammenspielen ergibt sich der praktische Effekt, dass ich umso größere Schärfentiefe erhalte, je kleiner der Sensor ist. Absurderweise scheinen manchmal genau die zu widersprechen, dass das Sensorformat Einfluss auf die Schärfentiefe haben, die auf Vollformat schwören, weil man damit mehr Bokeh erhalte (noch einmal: ich weiß um die theoretischen Hintergründe und Zusammenhänge, doch was für mich zählt sind die praktischen Auswirkungen).

Ein weiteres Problem ergibt sich, wenn man versucht theoretische Grundsätze 1:1 auf die Praxis zu übertragen: Theorie baut oft auf idealen Bedingungen auf. Ideale Bedingungen kommen in der Praxis meist nicht vor. Man braucht diese idealen Annahmen aber um eine Basis für eine Theorie zu schaffen – ein Beispiel bietet der sogenannte schwarze Körper an der sich die Farbtemperatur Kelvin orientiert (diesen Körper gibt es nicht, er ist ein theoretisches Konstrukt). Manchmal sind ideale Bedingungen auch Annahmen die etwas vereinfachen, weil die Realität zu komplex ist um sie theoretisch zu erfassen.

Ich kann nur noch einmal den Rat wiederholen, theoretische Grundlagen im Selbststudium in der Praxis zu überprüfen – vor allem bevor man versucht andere zu bekehren. Es hilft nicht nur Fehlschlüssen auf die Spur zu kommen und zu verstehen was die Theorie für die Praxis bedeutet, sondern auch die praktische Relevanz theoretischer Grundlagen zu erforschen.

Eine gute Basis für fundiertes theoretisches Wissen bildet ein PDF das von Carl Zeiss verbreitet wird. Darin werden die Zusammenhänge von Schärfentiefe, Abbildungsmaßstab, Brennweite, etc. vom Experten sehr ausführlich erklärt und zwar so, dass auch ein optisches Greenhorn wie ich es versteht.

Nicht, dass ich das unbedingt jedem empfehlen möchte der einfach nur fotografieren will.

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Über Schärfentiefe und Bokeh

Die meisten Rückmeldungen zu meinem Blog und seinen Artikeln sind positiv und wohlwollend. Gelegentlich gibt es Kritik und manchmal ist sie gerechtfertigt. Auch wenn ich mich bemühe gründlich zu recherchieren bevor ich Betrachtungen und Behauptungen verbreite, unterliege ich schon einmal Fehlschlüssen, Irrtümern, Vorurteilen oder sitze falschen Behauptungen anderswo auf. Auf einen Fehler hingewiesen zu werden ist mir nicht unbedingt angenehm aber willkommen – das letzte was ich möchte ist an falschen Ansichten festhalten.

Natürlich ist nicht jede Kritik fundiert und gerechtfertigt und Manchen gelingt es nicht Kritik höflich zu formulieren. So erreichte mich beispielsweise dieser Tage das Mail eines »Kollegen« der sich über meinen Artikel »Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab« ausließ und ihn mehr oder weniger durchwegs als Unsinn bezeichnete.

Es ist nicht sinnvoll hier auf die in meinen Augen etwas wirren Behauptungen zu Schärfentiefe und Bokeh einzugehen, doch ein Anlass einmal meine Position zu Theorie und Praxis in der Fotografie zu definieren: Mein Interesse gilt allein der Praxis. Die Theorie interessiert mich soweit, wie sie für die Praxis relevant ist. In der Theorie gibt es Konstruktionen die in der Praxis niemals auftreten.

Natürlich muss sich jeder Fotograf bis zu einem gewissen Punkt mit theoretischen Themen befassen und für mich als Autor und Trainer gilt das umso mehr. Allerdings ist mir wichtig, dass ich mein Wissen so vermittle, dass es verständlich bleibt, auch wenn ich dazu Vereinfachungen und Abkürzungen verwenden muss, die dem Theoretiker die Haare zu Berge stehen lassen.

Viele Theoretiker scheinen dermaßen in der Theorie verhaftet zu sein, dass sie den Blick für die praktische Relevanz oft verlieren. Außerdem kenne ich nur wenige, denen es gelingt ihr Wissen so zu vermitteln, dass sie von Leuten mit weniger Expertise verstanden werden. Oft habe ich das Gefühl, dass manch Experte aus Eigendefinition selbst nicht versteht was er von sich gibt, bei einigen Kommentaren die mich bis heute erreicht haben war das mehr als offensichtlich – eine Diskussion ist dann meist vergebene Liebesmüh.

Den Besuchern meines Blogs sei gesagt, dass sie an der richtigen Stelle sind, wenn sie einfache Erklärungen für die Praxis suchen. Wer vor allem an theoretischen Aspekten interessier ist, für den bin ich sicher nicht die richtige Anlaufstelle.

Ein Verständnis der optischen Phänomene die hinter meinem Artikel über Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab  stehen findet sich in einem PDF das bei Carl Zeiss veröffentlicht wurde – wer an optischer Theorie interessiert ist, dem sei die Lektüre empfohlen. Interessant ist das PDF vor allem »… für diejenigen, die Freude haben an der Schönheit mathematischer Zusammenhänge …« haben – um eine Passage daraus zu zitieren (wobei sich die Anzahl mathematischer Formeln glücklicherweise in Grenzen hält). Allen anderen empfehle ich sich mehr an der Praxis zu orientieren und sie vor allem zu üben.

Persönlich habe ich mir übrigens angewöhnt Theorien nicht einfach zu übernehmen, sondern sie anhand praktischer Versuche zu überprüfen. Eine Theorie die ich durch praktische Selbstversuche nicht bestätigt sehe verwerfe ich – nicht als falsch, sondern als irrelevant!

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Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab

An verschiedenen Stellen in meinem Blog steht zu lesen, dass die Brennweite die Schärfentiefe beeinflusst: Je länger die Brennweite desto geringer die Schärfentiefe. Nicht zum ersten Mal wurde ich vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass die Brennweite keinen Einfluss auf die Schärfentiefe habe sondern lediglich Abbildungsmaßstab und Blende dazu beitrügen.

Die Anmerkung ist theoretisch so richtig wie praktisch falsch. Um den Denkfehler zu demonstrieren habe ich mir von meinem freundlichen Fachhändler ein Objektiv mit großem Brennweitenumfang ausgeborgt – einmal mehr gilt mein Dank Foto Hebenstreit für die Unterstützung. Natürlich hätte ich auch zwei meiner Objektive nehmen können, doch ich wollte verhindern, dass mir jemand vorwerfen kann die verschiedenen Linsen hätten die Ergebnisse verfälscht.

Im ersten Aufbau habe ich einen Textmarker etwa einen halben Meter vor meinem Bücherregal aufgehängt, und dann einmal bei 14mm aus geringer und einmal bei 150mm aus größerer Distanz abgelichtet.

weitwinkel
Brennweite 14mm (28mm KB), Blende ƒ5.6
tele
Brennweite 150mm (300mm KB), Blende ƒ5.6

Ich kann mir nicht helfen, doch bei der Aufnahme mit langer Brennweite wirkt die Schärfentiefe bedeutend geringer als bei jener mit kurzer Brennweite.

Theoretisch stimmt es zwar, dass die Schärfe des Hintergrunds bei beiden Aufnahmen praktisch gleich ist. Doch während das Weitwinkel den Hintergrund in die Tiefe rücken lässt und einen bedeutend größeren Ausschnitt abbildet, während mit Tele der Hintergrund an das fokussierte Objekt heranrückt und größer abgebildet wird, ist der praktische Effekt jener einer geringeren Schärfentiefe.

Um das zu verdeutlichen habe ich in den beiden Aufnahmen einen etwa gleichen Ausschnitt markiert und auf ihn zugeschnitten und dann auf die gleiche Größe gebracht. Der Vergleich der beiden Aufnahmen zeigt, dass die Unschärfe des Hintergrunds tatsächlich identisch ist.

weitwinkel-ausschnitt
Ausschnitt aus der Weitwinkelaufnahme
tele-ausschnitt
Ausschnitt aus der Teleaufnahme

Wie ihr seht ist der Unterschied in der Unschärfe des Hintergrunds marginal, und dass überhaupt ein Unterschied sichtbar ist liegt an der mangelnden Präzision meines Versuchsaufbaus. Dennoch zeigt sich: Die Theorie, dass die Schärfe des Hintergrunds bei identischem Abbildungsmaßstabs des fokussierten Objekts im Vordergrund korrekt ist.

Praktisch jedoch führt die Verdichtung durch das Tele dazu, dass der Hintergrund näher rückt und seine Elemente mitsamt ihrer Unschärfe vergrößert abgebildet werden.

Der Ausschnitt aus der Weitwinkelaufnahme ist eine 1:1 Abbildung und hat eine Höhe und Breie von 474 Pixel. Der Ausschnitt aus der Teleaufnahme hingegen ist eine Verkleinerung – ich habe ihn auf die gleiche Größe wie den Weitwinkelausschnitt hinunter gerechnet. Vor dem Hinunterrechnen hatte er eine Höhe und Breite von 1554 Pixel. Das heißt die effektive Unschärfe war mehr als drei Mal so hoch wie bei der Weitwinkelaufnahme.

Theoretisch ist es also richtig, dass die Unschärfe der Elemente im Hintergrund identisch ist. Praktisch jedoch ist die Unschärfe durch die Verdichtung längerer Brennweiten größer – und das noch nicht einmal theoretisch sondern tatsächlich effektiv, sichtbar und nachvollziehbar.

Hier noch die zweite Versuchsanordnung. Der Grund für das hohe Rauschen aller Bilder ist übrigens, dass ich den Versuch zwischendurch einmal bei available light machte und deshalb einen hohen ISO-Wert wählen musste.

weitwinkel2
Brennweite 14mm (28mm KB) bei Blende ƒ5.6 aus geringer Distanz
tele2
Brennweite 150mm (300mm KB) bei Blende ƒ5.6 aus großer Distanz

Ich kann nur raten sich in der Fotografie nicht zu sehr auf die Theorie zu versteifen, sondern sich vor allem um die Praxis zu kümmern. Die Schärfentiefe sei unabhängig von der Brennweite kann man doch nur behaupten, wenn man das irgendwo gelesen, aber nie die Wirkung von unterschiedlichen Brennweiten auf die Schärfentiefe verglichen hat. Oder drastisch ausgedrückt: Der Einfluss der Brennweite auf die Schärfentiefe kann einem als praktizierender Fotograf doch nicht entgehen!

Nachtrag: All jenen die mehr über die theoretischen Grundlagen und Hintergründe von Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab erfahren wollen empfehle ich ein ein PDF das bei Carl Zeiss heruntergeladen werden kann.

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Der Kern von MFT ist Kompaktheit

Micro FourThirds hat auch zur diesjährigen photokina ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. Sowohl Panasonic als auch Olympus haben neue MFT-Kameramodelle und -Objektive angekündigt. Und wieder fragen Kommentatoren, weshalb Olympus nicht endlich ein Voll- oder Mittelformatsystem lanciert?

Wer solche Fragen stellt, hat den Kern von MFT nicht verstanden. Beim System von Olympus und Panasonic dreht sich alles um Kompaktheit! Kein anderes kann vergleichbare Transportabilität bei gleichzeitiger Erfüllung professioneller Ansprüche bieten. Zwar sind die Gehäuse von Sonys APS-C-Kameras auch kaum größer, doch spätestens wenn es darum geht auch Objektive einzubeziehen ist MFT klar im Vorteil.

Natürlich bieten größere Sensoren mehr Reserven in Sachen Schärfentiefe (Bokeh), High-ISO und Auflösung. Aber wie viel ISO und Auflösung brauchen wir denn überhaupt?

Folgt man der Kritik mancher Experten müsste man glauben, dass Fotos auf professionellem Niveau vor wenigen Jahren noch unmöglich waren. Vor einer Dekade waren mehr als 12 Megapixel selbst in der Profiklasse eher Ausnahme als Regel, und bereits geringes Anheben der Empfindlichkeit führte zu Rauschen wie die Sau. Die Profimodelle von damals steckt heute jede Einsteigerkamera in die Tasche.

Gespiegelt sehe ich die enorme technologische Entwicklung der letzten Jahre in der Qualität dessen was uns täglich auf Postern, Plakaten, in Anzeigen, Inseraten und im Internet begegnet nicht. Die Ästhetik mag sich geändert haben, doch qualitativ lässt sich kein relevanter Unterschied ausmachen. Professionelle Aufnahmen waren vor zehn Jahren so bestechend wie heute. Man muss Aufnahmen schon am Monitor in der 100-%-Ansicht unter die Lupe nehmen, um markante Unterschiede zu identifizieren.

Es ist keine Frage: Voll- und Mittelformat schlagen MFT qualitativ um Längen. Allerdings erst in den Bereichen wo MFT an seine Grenzen stößt. Doch um jenseits dieser Grenzen aus einer Kamera herauszuholen was in ihr steckt, genügt es nicht sie draufzuhalten und abzudrücken! Um den Mehrwert leistungsfähigerer Sensoren zu nutzen muss man neben der fotografischen Kompetenz auch den Willen aufbringen aufwändiger zu arbeiten.

Die Kernkompetenz von MFT findet sich nicht in der hochpräzisen Arbeit, sondern in spontaner Leichtigkeit. Das System kann einen unbeschwert auf allen Wegen begleiten, ist stets zur Hand und ist auch nach Stunden nicht ermüdend – weder beim Transport noch bei der Fotosession. In gewisser Weise ist MFT das System zum draufhalten und abdrücken.

Weshalb sollten Panasonic und Olympus auf Voll- oder Mittelformatsysteme umstellen? Letzteres kann sich ohnehin kaum jemand leisten. Und Vollformat? Gibt es  nicht genug davon!? Nikon hat es, Canon hat es, Pentax ebenso, und Sony und Leica bieten es spiegellos.

Noch größer ist die Auswahl bei APS-C. Neben Canon, Nikon, Sony und Pentax findet man hier auch von Fuji erfolgreiche und eigenständige Modelle.

Selbst im Mittelformat ist die Auswahl groß: Zu Phase One, Hasselblad, Pentax und Leica gesellt sich nun auch Fuji. Finden sich in diesem Nischenmarkt nicht schon genug Systeme?

Panasonic und Olympus teilen sich gemeinsam ein einzigartiges System, das sich von Voll- und Mittelformat völlig unterscheidet und auch noch zu APS-C einen sinnvollen Kontrast bildet. Dabei sind die beiden Marken unterschiedlich genug echte Alternativen zueinander zu bilden und den unterschiedlichen Typen von Fotografen für die das kompakte System in Frage kommt gerecht zu werden.

Ein Umstieg der beiden auf Systeme mit größeren Sensoren wäre ein Verlust für den Fotomarkt, denn eine besonders kompaktes System ginge dadurch verloren. Ein zweites System parallel zu MFT zu entwickeln und zu pflegen würde wohl die Ressourcen spalten und weder einem neuen System noch MFT nutzen.

MFT ist gut wie es ist und wie es sich entwickelt und wir alle sollten froh sein es zu haben.

Ich schätze die Innovationen von Sony und Fuji sowie die Kameras von Nikon aus eigener Erfahrung. Ich respektiere und bewundere Leute die mit Mittelformat fotografische Kunstwerke gestalten. Dasselbe gilt für die Künstler die mit Leica die Straßen heimsuchen und uns berührende Impressionen aus dem Leben der Menschen einfangen. Trotzdem bin ich ein anderer Fotograf und arbeite am liebsten mit MFT, weil mir das System Leichtigkeit, Spontanität und Freude vermittelt.

Natürlich beginnt MFT an seine technischen Grenzen zu stoßen. Zwar gibt es noch Potenzial bei Rauschverhalten und Dynamikumfang. Doch in Sachen Auflösung sehe ich nicht mehr viel Raum nach oben. Jenseits der 20 Megapixel wird die Beugungsunschärfe sehr wahrscheinlich ein unüberwindliches Hindernis darstellen, sofern die Programmierer keine Wunderwaffe dagegen erfinden. Olympus regelt nicht umsonst bei seinen Kamera im hochauflösenden Modus bei Blende ƒ8 ab. Bei 40 Megapixel nimmt der kleine Sensor über ƒ8 nur mehr Matsch auf.

Ein Drama ist die Grenze der Auflösungsfähigkeit allerdings nicht.

Mit 20 Megapixel erreicht der Fotograf ganz locker A3 bei 300ppi Auflösung. Höhere Druckauflösungen als 300ppi sind zwar möglich, bringen aber nicht mehr viel, da auch unsere Augen Grenzen im Auflösungsvermögen haben. Schärfere Details in der Wiedergabe würden also quasi in der Unschärfe unserer Augen untergehen.

Natürlich muss man mit 20MP Abstriche bei der Auflösung bei Wiedergaben über A3 machen. Doch noch bei A1 (immerhin 594×841mm) ergibt sich damit eine Auflösung von 150ppi. Wer jetzt glaubt, dass die Hälfte der empfohlenen Auflösung eine absolute Katastrophe sein muss, sollte sich einmal einen Druck eines 150-ppi-Bildes genau ansehen. Sehr genau! Denn man muss schon sehr nahe hingehen und sehr genau hinsehen, den Qualitätsmangel der geringen Auflösung zu erkennen. Aus der Distanz aus der ein A1-Poster normalerweise betrachtet wird ist die Frage ob 300ppi oder 150ppi völlig irrelevant.

Um noch einmal früher zu zitieren: Kann sich jemand erinnern vor zehn Jahren unscharfe Großflächenplakate gesehen zu haben? Damals hatten selbst professionelle Digitalkameras wie gesagt oft nur 12MP. Für ein 16-Bogen-Plakat musste diese Auflösung auf 336×238cm aufgeblasen werden. Bei 12MP ergibt sich dann eine Auflösung von 30ppi. Ist jemals jemandem aufgefallen, dass diese Plakate damals nur mit 30ppi gedruckt wurden?

Genau genommen werden sie auch heute noch mit 30ppi gedruckt, denn die Druckraster dieser Plakate sind so grob, dass mehr als 30ppi gar nichts bringen würde. Trotzdem sehen wir keinen Qualitätsmangel, da wir die Plakate aus so großer Distanz betrachten, dass unsere Augen die grobe Auflösung nicht erfassen.

Natürlich ist eine MFT-Kamera kein Arbeitsgerät für einen Werbefotografen der Motive für Plakatwände von drei und mehr Metern Breite aufnimmt. Natürlich gibt es Motive die von der präziseren Detailschärfe von Voll- und Mittelformatkameras auch bei Postern unter Plakatwandformat profitieren. Doch diese Präzision erreicht man nicht mehr indem an aus freier Hand fotografiert.

Hochauflösende Aufnahmen wirken beim Fotografieren aus freier Hand wie eine Lupe für das Zittern unserer Hände. Wer glaubt Bildstabilisierung könne das kompensieren irrt! Bildstabilisierung ermöglicht aus freier Hand bei deutlich längeren Verschlusszeiten relativ scharfe Aufnahmen. Sie ist aber gleichzeitig keine gute Zutat für absolut scharfe Aufnahmen.

Wer maximale Detailschärfe aus einem Bildsensor heraus kitzeln möchte, stellt seine Kamera am besten auf ein massives Stativ und die Bildstabilisierung ab. Nutzt man dann auch noch Spiegelvor- und Fernauslösung steht bestechend scharfen Aufnahmen nichts mehr im Wege.

Doch genau das ist nicht die Arbeitsweise für eine Kamera die auf Kompaktheit und Leichtigkeit getrimmt ist. Wer ein schweres Stativ mit zur Location schleppt hat nur mehr wenig Grund bei der Kamera und den Objektiven Gramm zu zählen.

Die Lupenwirkung der Auflösung für Verwackelung der Kamera ist übrigens auch der Grund weshalb die Sache mit dem Crop aus dem Bild schneiden wenn die Brennweite wieder einmal nicht reicht nicht so recht funktioniert, denn einen scharfen Crop gibt es nur bei einer scharfen Aufnahme. Leider werden umso mehr Aufnahmen nicht so 100% scharf ausfallen je höher die Auflösung ist.

Es gibt Mittelformatkamerasysteme mit denen sich bei fachgerechter Anwendung und dem notwendigen Aufwand Kunstwerke gestalten lassen die mit anderen Kameras unerreichbar sind. Vollformatkameras bieten Spitzenleistungen ohne, dass für sie der Preis eines Mittelklassewagens zu bezahlen ist – sie sind gut und dennoch nicht übergroß. Und es gibt kompakte Systeme wie MFT, die dadurch glänzen, dass sie auch ohne krummen Rücken professionelle Qualität bieten, auch wenn ihre Grenzen etwas enger gesteckt sind.

Freuen wir uns über die Auswahl, und dass jeder Fotograf findet, was am besten zu ihm passt, und hören wir auf Dinge zu kritisieren die außerhalb unseres individuellen Horizonts liegen. Dinge sind nicht deshalb schlecht, nur weil sie nicht das Richtige für uns sind!

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MFT ist quicklebendig!

So lange es MFT gibt wird die Plattform in regelmäßigen Abständen totgesagt. Dass das System tatsächlich quicklebendig ist hat der gestrige Tag im Vorprogramm der photokina einmal mehr bewiesen.

Panasonic hat mit der GH5 die Nachfolgerin seines Top-Modells und mit der G81 eine spritzwasserfeste Semipro-Kamera angekündigt. Olympus ergänzt die Pen-Serie um die kompakte E-PL8 (Amazon-Affiliate-Link) und stellt das neue Flaggschiff OM-D E-M1 Mk2 vor.

Das Duo Panasonic und Olympus ergänzt sich perfekt. Während Panasonic in der Regel etwas voluminösere aber leichtere MFT-Kameras mit stark funktionaler Ausrichtung baut und in Sachen Video die meisten anderen Kamerahersteller in den Sack steckt, platziert sich Olympus mit meist kompakteren Modellen die verhältnismässig schwerer sind und dadurch massiver wirken als Fotografen-zentrierte Marke mit stylisheren Modellen.

Doch ein System lebt nicht nur von Kameras. Wer seine Wahl ohne Blick auf die angebotenen Linsen macht, macht seine Rechnung ohne den Wirt. MFT ist dabei kaum eine schlechtere Wahl als die Systeme der seit Jahrzehnten etablierten Systeme.

Olympus hat gerade gestern angekündigt sein 19 Objektive umfassendes Angebot um ein preiswertes Makro (Amazon-Affiliate-Link) und zwei Pro-Objektive (25mm ƒ1.2 (Amazon-Affiliate-Link) und 12–100mm ƒ4 (Amazon-Affiliate-Link)) zu erweitern. Panasonics Objektivangebot umfasst sogar schon 27 Linsen zu denen sich bald schon drei weitere gesellen sollen: ein 12-60mm Standardzoom, ein Super-Weitwinkel mit 8-18mm und ein Telezoom mit 50-200mm – alle mit Lichtstärke 2.8–4.0. Solchen Fleiß würden die Hersteller kaum an den Tag legen wenn sie nicht an eine langfristige Zukunft ihrer Systeme glaubten.

 

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TfP? What the f***!

OK, zugegeben: Begriffe sind dehnbar und man kann darüber diskutieren was jetzt wohl was genau zu bedeuten hat. Aber wenn jemand auf einer TfP-Modell-Seite nachfragt welcher Fotograf Fotos seines Neugeborenen auf TfP-Basis mache finde ich die »TfP« weit über die Grenzen hinaus überstrapaziert.

TfP bedeutet Time for Prints. Das ist eine gute Sache. Es bedeutet, dass sich Leute die Spaß einer bestimmten Sache haben zusammen tun um gemeinsam Spaß zu haben. Wer gerne Menschen fotografiert braucht ein Modell, wer sich gerne fotografieren lässt braucht einen Fotografen. Natürlich kann man Selbstporträts anfertigen, aber auf die Dauer ist das so unterhaltsam wie alleine Fußball spielen. Eine TfP-Session ist wie gemeinsam aus reinem Spaß Fußball oder Musik spielen.

Ich finde es ebenso unseriös wenn Fotografen Modelle auf TfP-Basis ködern und ihre Werke dann kommerziell nutzen, wie ich es unseriös finde Fotografen für einen Auftrag zu angeln, für den man nur kein Geld ausgeben möchte. Und um das geht es doch: »Ich hätte gerne schöne Fotos meines Neugeborenen, möchte aber nichts dafür zahlen.« Das ist iO. Aber dann nenn es doch auch so. Suche nach einem Fotografen der dir schöne Fotos für Lau macht aber hänge nicht deinem Neugeborenen um, dass es Spaß an einer TfP-Foto-Session hätte. Das ist heuchlerisch und lächerlich!

Wir können den TfP-Gedanken natürlich gerne in dieser Richtung weiter spinnen: »Ich suche einen Fotografen der mir meine Hochzeit auf TfP-Basis fotografiert.« Oder: »Ich würde gerne meine Firmenzentrale auf TfP-Basis ablichten lassen.« »Unser Magazin sucht TfP-Fotografen die Aufnahmen für eine Modestrecke machen wollen.«

Cool! Man kann natürlich darauf eingehen. Für Amateure ist das die beste Möglichkeit sich einen potenziellen Arbeitsmarkt zu ruinieren, lange bevor sie die Fähigkeit zur Selbständigkeit haben. Ambitionierte Fotografen die etwas können sollten darauf aber eher nicht eingehen. So bekommen die Sparefrohs wenigstens was sie verdienen: Amateurqualität.

Wie gesagt: TfP ist eine tolle Sache. Aber man sollte den Begriff nicht überstrapazieren.

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Sony a7RII vs. Olympus Pen-F II

Bereits vor einigen Tagen habe ich einen Test veröffentlicht in dem ich meine Pen-F mit 50 Megapixel im Hochauflösenden Modus  gegen eine Sony a7R II mit 42 Megapixel antreten ließ. Leider konnte mir mein freundlicher Fachhändler zu dem Zeitpunkt nur ein preiswertes Normalobjektiv zur Kamera zur Verfügung stellen. In der Zwischenzeit ist unter anderem das Zeiss Sonnar® T* FE 55 mm F1,8 ZA eingetroffen und ich konnte meinen Versuch damit wiederholen.

Mir ging es dabei nicht darum herauszufinden, welches die bessere Kamera oder das bessere Objektiv ist. Mich interessierte rein wie sich meine MFT-Objektive und Sensoren im Vergleich zu hochauflösenden Vollformat-Sensoren und -Objektiven schlagen.

Meine Testaufstellung ist kein echter Objektivtest. Ich habe lediglich mit Stativ auf einen bestimmten Punkt nahe des Zentrums eines Test-Charts fokussiert. Zur generellen Aussage über die Qualität der Schärfeleistung der verwendeten Linsen müssten auch die Randbereiche getestet werden. Dies mit einer Aufnahme zu erreichen ist für mich nicht möglich, da schon eine winzige Abweichung vom rechten Winkel vor allem bei offener Blende zu einer Verfälschung des Resultats in den Randbereichen führen würde.

Ebensowenig sagt mein Versuch etwas über die Neigung zu chromatischer Aberration und Vignettierung aus oder über die Vorteile die größere Bildsensoren bei Dynamikumfang oder Rauschverhalten gegenüber MFT zweifellos bieten. Wer also einen fundierten Test sucht, muss ich bei einschlägigen Labors, Online- oder Printmedien schlau machen.

Generell mache ich meine Tests aus persönlichem Interesse, da ich gelernt habe mich so weit als möglich niemals vollständig auf etwas zu verlassen das ich nicht selbst überprüft habe. Bei meiner Olympus 17mm ƒ1.7 Linse hätte ich das beispielsweise viel früher machen sollen, denn ein vor kurzem erst durchgeführter Vergleich hat gezeigt, dass sie sehr schwach abbildet – ganz im Gegensatz zu dem was dxomark.com veröffentlicht hat (einer früheren Empfehlung muss ich deshalb hier ein Hände weg! entgegen setzen).

Als Design- und Foto-Blogger ist es für mich natürlich sinnvoll die Ergebnisse meiner Untersuchungen mit meinen Lesern zu teilen, auch wenn ich nicht in Anspruch nehmen kann die Präzision professioneller Labore zu erreichen. Ein weiterer Grund für die Veröffentlichung ist aber auch, dass mir vergleichbare Tests genau für die Ausrüstung – z.B. ein gutes Dutzend MFT-Objektive – sonst nicht bekannt sind, sonst würde ich darauf verweisen.

chart

Nun aber zum eigentlichen Test. Wieder habe ich meinen Test-Chart an die Tür gehängt und die Kameras auf Stativ davor positioniert. Ich wählte eine Ausleseverzögerung von 8 bis 10 Sekunden um auch sicher keine Erschütterungen mehr aufzunehmen. Zur Sicherheit habe ich die Aufnahmereihen einmal manuell fokussiert und einmal mit AF aufgenommen um keine Verfälschung durch eine Fehlfokussierung abzufotografieren – im Vergleich konnte ich keinen Unterschied erkennen.

An der Pen-F habe ich wieder eine meiner besten MFT-Linsen eingesetzt, das M.Zuiko 12–40 ƒ2.8. An der Sony kam diesmal besagtes Zeiss Sonnar 55mm ƒ1.8 zum Einsatz. Beide Objektive liegen laut Liste bei knapp 1000 Euro.

Zu meinem letzten Test wurde kommentiert, dass die Sony am Ende doch die bessere Kamera sei, was ich keinesfalls in Frage stellen möchte – das muss man für den dreifachen Preis einfach auch erwarten. Hinzugefügt sei allerdings, dass mir die Ergonomie meiner OM-Ds und der Pen besser liegt. Beide Einstellräder liegen bei der Sony nach meinem Empfinden sehr unglücklich. Ebenso unglücklich finde ich auch den Knopf zum Entriegeln des Objektiv-Bajonetts platziert – aber das ist ein anderes Thema.

Zusätzlich habe noch einmal das Sony 50mm ƒ1.8 mit in den Test aufgenommen. Dieses wird um knapp 250 Euro gehandelt. In Anbetracht dieses Preises und den Ergebnissen meines Versuchs empfinde ich die magere Bewertung bei Amazon etwas unangemessen. Aber wie gesagt: Dinge wie chromatische Aberration, Vignettierung und Detailschärfe an den Rändern habe ich nicht überprüft.

Die Reihenfolge der Abbildungen ist jeweils oben Sony 50mm ƒ1.8, Mitte Zeiss Sonnar 55mm ƒ1.8 und unten M.Zuiko 12–40mm ƒ2.8.

ILCE-7RM2_FE-50mm-F1-8_1-8
ILCE-7RM2_FE-55mm-F1-8-ZA_1-8
Blende ƒ1.8: Oben: Sony 50mm ƒ1.8; unten: Zeiss Sonnar 55mm 1.8. Das M.Zuiko-Zoom kennt keine Blende ƒ1.8. Das M.Zuiko 12–40mm kennt keine Blende ƒ2.8.

Der Unterschied fällt für mich überraschenderweise gering aus, wenn man bedenkt, dass das Zeiss das Vierfache kostet. Aber noch einmal: Detailschärfe an einem Punkt alleine sagt nichts über die Qualität eines Objektivs als Ganzes aus.

ILCE-7RM2_FE-50mm-F1-8_2-8
ILCE-7RM2_FE-55mm-F1-8-ZA_2-8
PEN-F_OLYMPUS-M-12-40mm-F2-8_2-8
Blende ƒ2.8: Der Unterschied ist gering. Als MFT-User würde ich sagen, Pen und M.Zuiko schlagen sich etwas besser als die Sony-Kombinationen. Aber bei dem geringen Unterschied kann der Sony-Freund das auch als Wunschdenken betrachten.

Vorteil der Pen-Kombi: 50MP statt 42MP, was der Grund für die etwas größere Abbildung des Ausschnitts bei der Pen ist. Der Vergleich macht aber auch klar, dass MFT-Objektive zumindest bei der Detailschärfe und dieser Blendeneinstellung mit Vollformatobjektiven mithalten können.

ILCE-7RM2_FE-50mm-F1-8_4
ILCE-7RM2_FE-55mm-F1-8-ZA_4
PEN-F_OLYMPUS-M-12-40mm-F2-8_4
Blende ƒ4: Auch bei Blende ƒ4 zeigen die Ergebnisse wenig Unterschied.
ILCE-7RM2_FE-50mm-F1-8_5-6
ILCE-7RM2_FE-55mm-F1-8-ZA_5-6
PEN-F_OLYMPUS-M-12-40mm-F2-8_5-6
Blende ƒ5.6: Die beiden Sony-Objektive zeigen noch immer dieselbe Detailschärfe wie bei offeneren Blenden, was auch zu erwarten war, da üblicherweise zwischen ƒ5.6 und ƒ8 der ideale Bereich dafür angenommen wird. Die Abbildung der Pen hingegen beginnt zuzusumpfen, da sich die sogenannte Beugungsunschärfe bemerkbar macht. Ein klarer Nachteil kleiner Sensoren.
ILCE-7RM2_FE-50mm-F1-8_8
ILCE-7RM2_FE-55mm-F1-8-ZA_8
PEN-F_OLYMPUS-M-12-40mm-F2-8_8
Blende ƒ8: Die Sony-Linsen zeigen auch bei ƒ8 noch maximale Schärfeleistung, während die Pen mit dieser Blende schon deutlich zusumpft.

Wie gesagt: Der Grund dafür ist die sogenannte Beugungsunschärfe die umso mehr zunimmt, je kleiner die Blenderöffnung ist. Bei kleineren Sensoren tritt dieses Phänomen deutlich früher auf als bei größeren und zwar im Verhältnis des Crop-Faktors. Das heißt, während sich eine Kleinbildkamera mit 20 Megapixel problemlos bis ƒ16 nutzen lässt, ist es bei APS-C lediglich ƒ11 und bei MFT ƒ8. ƒ22, ƒ16 und ƒ11 sind bei den jeweiligen Systemen bereits an der Grenze des Akzeptablen.

Bei höheren Auflösungen wird das Problem der Beugungsunschärfe früher schlagend. Das heißt, während ƒ8 an meinen MFT-Kameras mit 16MP oder 20MP noch problemlos genutzt werden kann, sind die Resultate bei 50MP und ƒ8 schon deutlich verwaschen. Das ist sicher auch der Grund, weshalb Olympus bei hochauflösenden Aufnahmen keine kleineren Blendenöffnungen als ƒ8 erlaubt. Mich hat das zu der Überzeugung gebracht, dass Auflösungen über 20MP für eine MFT-Kamera nur mehr bedingt sinnvoll sein dürften.

ILCE-7RM2_FE-50mm-F1-8_11
ILCE-7RM2_FE-55mm-F1-8-ZA_11
Blende ƒ11: Für MFT ist das Rennen bei ƒ8 gelaufen. Bei ƒ11 zeigt das Zeiss Sonnar etwas mehr Schärfe als die billige Normalbrennweite.

Der Vergleich mit den Abbildungen von ƒ8 und größeren Blendeneinstellungen wird ersichtlich, dass bei sehr hohen Auflösungen auch Vollformat Grenzen kennt.

ILCE-7RM2_FE-50mm-F1-8_16
ILCE-7RM2_FE-55mm-F1-8-ZA_16
Blende ƒ16: Wo die Pen bei ƒ8 vor der Beugungsunschärfe kapitulieren muss, stößt Vollformat bei ƒ16 an die Grenze. Mit geringeren Auflösungen sicher noch problemlos zu nutzen, muss man bei 42MP schon ein bisschen ein Auge zudrücken um noch zufrieden sein – zumindest wenn man ein Schärfenfetischist ist (das trifft auf mich zwar nicht zu aber deshalb bin ich auch mit 20MP glücklich).
ILCE-7RM2_FE-50mm-F1-8_22
ILCE-7RM2_FE-55mm-F1-8-ZA_22
Blende ƒ22: Matsch as Matsch can! Bei ƒ22 helfen weder Vollformat noch Zeiss. Die Physik ist ein Schwein!

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