Archiv der Kategorie: Fotografie

Lumix G9 im Vergleich zur OM-D E-M1 II

Das schöne an Micro FourThirds ist, dass man ein System nutzt für das zwei Hersteller sehr unterschiedliche Kameras bauen. Eine Nikon ist eine Nikon, eine Canon ist eine Canon und eine Sony ist eine Sony. Doch eine Panasonic ist keine Olympus. Das heißt, wenn man mit dem einen Hersteller nicht mehr glücklich ist, kann man zum anderen wechseln ohne das System wechseln zu müssen. Oder man kann zwei sehr unterschiedliche Kamerakonzepte mit denselben Objektiven nutzen.

Ich persönlich konnte mich immer besser mit Olympus anfreunden, finde aber ebenso interessant was Panasonic macht. So auch das neue Flaggschiff in Panasonics Fotokamera-Lineup, die Lumix G9. Diese zeigt Eigenschaften die sie mir als Zweit- oder als Alternativkamera zur E-M1 II durchaus attraktiv erscheinen lässt.

Zunächst einmal sticht mir das LCD-Display auf der Oberseite ins Auge. Etwas, das ich von meinen DSLR gewohnt war. Bis ich es jetzt zum ersten Mal an einer Spiegellosen sah, war mir nicht bewusst, dass ich es vermisse. Meist fotografiere ich mit dem Sucher und habe das Display nach innen geklappt. Um mich über die Einstellungen zu informieren, muss ich einen Blick in den Sucher werfen. Keine Frage, dass ein LCD-Display einen Mehrwert darstellen würde.

Noch bei weitem interessanter ist der Joystick, denn die G9 in sehr guter Erreichbarkeit des Daumens platziert hat, und mit dem sich das AF-Messfeld in perfekter Effizienz und völlig intuitiv verschieben lässt. Nachdem ich es einmal probiert habe, kann ich nicht mehr verstehen, wieso nicht jede Kamera mit so etwas ausgestattet ist. Zusätzlicher Bonus: Ist das AF-Messfald mit dem Stick aktiviert, lässt sich über den Multifunktionswähler die Größe bzw. die Anzahl der Messfelder justieren. Bedienerfreundlichkeit par excellence.

Und noch etwas, das gleichermaßen schlicht und genial ist: Nach Drücken des ISO-Knopfes kann ich über das hintere Einstellrad die Empfindlichkeit, mit dem vorderen die maximale Empfindlichkeit für die ISO-Automatik einstellen. Eine Kombination, die ich, nachdem ich sie einmal gesehen habe, bei jeder Kamera vermissen werde, die das nicht hat.

Leider finde ich an der Kamera nicht nur Highlights, sondern auch Vieles, mit dem ich mich nicht anfreunden kann. Die G9 ist groß, schwer und fühlt sich für mich klobig an. Ich fühle mich an meine DSLRs erinnert, die ich zwar auch gerne genutzt habe, die ich aber ebenso gerne hinter mir ließ, nach dem ich zum ersten Mal die für mich perfekt in Händen liegende OM-D E-M1 II in Händen hatte. Deren schmaler und tiefer Handgriff scheint mir die perfekte Form zu haben, und der breitere und weniger tiefe Griff der G9 fühlt sich für mich nicht annähernd so gut an.

Zwar vermittelt die G9 einen soliden Eindruck und ich habe keine Zweifel, dass sie kaum weniger gut gegen die Elemente abgedichtet ist, als die E-M1, doch Olympus’ Kameras fühlen sich für mich immer etwas solider an – und Look and Feel sind für mich keine belanglosen Faktoren.

Ein schlechtes »Feel« empfinde ich bei Panasonic immer besonders bei den Einstellrädern. Während ich von der Materialanmutung, dem Widerstand und dem deutlich spürbaren Einrasten der Räder nichts besseres kenne als Olympus, vermitteln mir Panasonics Räder immer einen billigen Plastikeindruck – das ist bei der G9 nicht anders.

Die Bedienbarkeit des hinteren Einstellrads scheint mir etwas unglücklich durch die Auswulstung für den Daumen behindert, die Platzierung des vorderen hinter dem Auslöser empfinde ich ebenfalls nicht als ideal. Nichts, woran man sich nicht gewöhnen könnte. Aber Olympus scheint hier doch die perfekteren Lösungen gewählt zu haben. Das vordere Einstellrad umschließt den Auslöser – einen kürzeren Weg zwischen Einstellen und Auslösen gibt es nicht. Das hintere könnte bei den OM-Ds für den Daumen kaum logischer platziert sein.

Was mir an der G9 zunächst ideal erschien, ist die Platzierung des Ein-/Aus-Schalters. Bei Olympus befindet sich dieser seit der E-M1 links des Auslösers und das heißt, dass ich die Kameras nicht mit einer Hand einschalten kann. Schlechte Lösung!

Bei der G9 umschließt der Schalter den Auslöser. Mehrfaches versehentliches Ausschalten der Kamera, weil ich versucht hatte die Blende zu ändern, machte mir bewusst, was sich bei Olympus an dieser Stelle befindet: Das vordere Einstellrad. Die Erkenntnis dieser Erfahrung: Den Ein-/Aus-Schalter hätte ich bei Olympus gerne so platziert, dass ich ihn gut erreichbar mit der rechten Hand bedienen kann. Doch wenn ich wählen muss, ob ich um den Auslöser das Einstellrad oder Ein/Aus haben möchte, dann entscheide ich mich klar für das Einstellrad.

Als besonderes Highlight wird an der G9 der besonders große und hoch aufgelöste elektronische Sucher angepriesen, der im Moment das beste sein dürfte, was am Markt zu finden ist. Es ist keine Frage, dass er beeindruckend ist. Einen praktischen Vorteil gegenüber der E-M1 habe ich beim Vergleich jedoch nicht feststellen können. Tatsächlich erschien mir das Sucherbild der G9 beim Einsatz im Sonnenschein deutlich dunkler als bei der E-M1 (zu dunkel), wofür ich allerdings keine Erklärung habe. Fazit E-Sucher: Nice to have aber kein Must have.

Die paar Stunden die ich die G9 neben der E-M1 II bei einem Rundgang genutzt habe, sind natürlich kein gezielter Vergleichstest. Doch für mich ging es auch nur um die Frage wie sich die Kamera für mich anfühlt und ob ich sie mir neben der E-M1 vorstellen kann.

Die klare Antwort lautet: Nein! Die G9 hat ein hervorragendes Bedienkonzept. Aber ihre Größe und ihr Volumen sind für mich ein No-go, das mir den Sinn weshalb ich MFT nutze ad absurdum führt. Die Details in denen mir die G9 besser gefällt als die E-M1 wiegen niemals das perfekte Handling des Olympus Bodys auf.

Das AF-System der G9 wird als exzellent gepriesen und soll sogar mit dem exzellenten E-M1-AF-System gleichziehen, manche behaupten sogar daran vorbei ziehen können. Allerdings nur wenn man Panasonic-Objektive verwendet. Mit diesen kann die Kamera die sogenannte Depth-from-Defocus-Technik nutzen. Bei Objektiven anderer Hersteller funktioniert diese Technik nicht.  Ein Problem für mich, der zwar auch Lumix-Objektive nutzt, aber mehrheitlich doch welche von Olympus.

Leider hatte ich keine Möglichkeit den Fokus an tatsächlich schwierigen Motiven – fliegenden Vögeln – zu testen. Doch die Tests die ich machen konnte haben mich nicht überzeugt. In einigen Situationen hat der AF der G9 völlig daneben und auf den Hintergrund fokussiert. Die E-M1 die daneben Einsatz fand – wenn auch mit einem anderen Objektiv – zeigte diese Probleme nicht.

Noch rätselhafter ist mir, dass ich bei einer Serie von Aufnahmen eines Vogels in einem schattigen Bereich eines Baumes ungewöhnlich matschige, flaue Aufnahmen erhalten habe – die E-M1 hingegen erzielte in der gleichen Situation mit dem gleichen Objektiv (Panaleica 100–400mm) schöne, kontrastreiche Aufnahmen.

Mein Fazit nach einem Wochenende G9: Die Kamera hat ein extrem durchdachtes und effizientes Bedienkonzept, das meine Olympus’ absolut in den Schatten stellt und alle Schwächen bei Olympus nur zu deutlich offen legt. Sie hat mehr Knöpfe als ich jemals brauchen werde und vermittelt den Eindruck, dass ich jede nur denkbare Kombination an Einstelloptionen individualisieren und konfigurieren kann – bei Olympus stoße ich im Detail immer wieder auf kleine aber unüberwindbare Hindernisse.

Allerdings hat sie auch eine Größe, ein Gewicht und eine für mich klobige Gestaltung, die sie für mich inakzeptabel macht. Der Eindruck den ich von der Fokussierung habe und die matschige Bildqualität in einer Situation, in der die E-M1 mit demselben Objektiv sehr schöne Bilder lieferte, haben ebenfalls Zweifel gesät, ob ich mit der Kamera glücklich werden könnte. Zweifel sind keine gute Basis für eine gute Beziehung – allerdings haben Gewicht, Volumen und Shaping ohnehin schon den Ausschlag gegeben, dass ich mir die Kamera für mich nicht vorstellen kann.

Trotzdem: Wer in Gewicht und Volumen der Kamera kein Hindernis sieht und eine MFT-Kamera mit perfektem Bedienkonzept sucht, sollte einen Blick auf die G9 werfen. Meine Tests bezüglich Abbildungsqualität und Fokussierung waren zu kurz und oberflächlich um ein objektives Urteil zu ergeben.

Mit der OM-D E-M1 II auf Vogeljagd

Der Rotmilan ist nach meiner Meinung einer der schönsten und edelsten Greifvögel – nicht umsonst nennt man ihn auch Königsweihe. Auch wenn er aktuell nicht vom aussterben bedroht ist, wird er in verschiedenen Regionen auf der roten Liste geführt. Im Vorarlberger Rheindelta sieht man ihn relativ häufig, obwohl es im ganzen Bundesland nur etwa 20 Tiere geben soll.

Bilder wie dieses blieben mir längere Zeit verwehrt, nachdem ich den Umstieg von Nikon zu Olympus gemacht habe. Spiegellose Kameras arbeiten beim Autofokus mit Kontrasterkennung, und die ist bislang kaum in der Lage der Phasenerkennung von DSLRs das Wasser zu reichen.

Die Olympus OM-D E-M1 II (Amazon-Affiliate-Link) hat Vögel im Flug wieder erreichbar für mich gemacht. Anders als die meisten anderen Spiegellosen hat Olympus bei ihr Sensoren zum Phasenvergleich auf dem Bildsensor untergebracht und sie ins Spitzenfeld der rasch fokussierenden Kameras gebracht. Der deutlich bessere AF war bei Erscheinen der E-M1 II ausschlaggebend, dass ich das Upgrade von der ersten E-M1 gemacht habe. Und ich habe es nicht bereut – Seit ich die Kamera habe bin ich, wenn immer Zeit und Wetter es zulassen, draußen auf der Vogeljagd.

Olympus OM-D E-M1 Mark II | M.Zuiko 300mm ƒ4 + 1.4 Telekonverter | 420mm | ƒ5.6 | 1/5000s | ISO800 | Software: DxO PhotoLab

Waldohreule

Gerade habe ich die achte Auflage meines Photoshop-Workshop-Buches in Druck gegeben, finde ich mich schon wieder mitten im anderen Projekt an dem ich arbeite: Einen Workshop-Buch über Adobe InDesign. Dessen Druck soll im April erfolgen. Viel zu tun, denn Mitte Januar starten wieder neue Kurse. Zeit zum Bloggen und Video-Tutorials bleibt da keine, denn zwischendurch muss ich einfach raus.

Dann packe ich meine Kameras ein und gehe  mit Andrea auf die Pirsch. Wir sind mittlerweile leidenschaftliche Vogeljäger, und häufig überrascht was es da draußen an gefiederten Gesellen zu entdecken gibt. Eine besondere Freude ist es natürlich, wenn einem so scheue Nachtschattengewächse wie Waldohreulen vor die Linse fliegen und neugierig beäugen, wie sie Schuss um Schuss abgelichtet werden. Dank der hervorragenden Bildstabilisierung von Olympus gelingen solche Aufnahmen bei 840mm KB auch noch bei 1/13 Sekunde Belichtungszeit ohne nennenswerte Verwackelung.

Olympus OM-D E-M1 | M.Zuiko 300mm ƒ4 + 1.4 Telekonverter | 420mm | ƒ5.6 | 1/13s | ISO500 | Capture One Pro

Olympus 25mm 1.2 oder Panaleica 25mm 1.4?

Eine lichtstarke Normalbrennweite gehört an sich zur fixen Ausrüstung eines jeden Fotografen. Dem MFT-Fotograf geben die Systemhersteller Olympus und Panasonic die Auswahl zwischen vier verschiedenen Linsen mit Lichtstärken zwischen ƒ1.2 und ƒ1.5, wozu sich noch die manuell zu fokussierenden Hyperprimes von SLR Magic und Voightländer gesellen (nebst anderem Glas von Drittherstellern).

Bereits 2014 habe ich das Panaleica ƒ1.4 (genau genommen Panasonic Leica Summilux G) gekauft, habe es aber aus mir gar nicht so recht erklärbaren Gründen nicht besonders gerne eingesetzt.

Seit ein paar Wochen nun konnte ich Olympus’ 25mm ƒ1.2 Pro-Objektiv testen und möchte hiermit meinen Eindruck vermitteln. Wie immer sind meine Ausrüstungsberichte nicht als Tests zu verstehen, sondern spiegeln einfach meinen subjektiven Eindruck.

Während schon das Panaleica 1.4 keine besonders kompakte MFT-Linse ist (jedenfalls nicht für ein Normalobjektiv), ist das neue Oly ein richtiger fetter und schwerer Bomber und dürfte wohl die meisten Kleinbild-Normalbrennweiten überwiegen. Eigentlich läuft das ja der Idee von MFT als transportables Kompaktsystem zuwider.  Wer sich trotzdem darauf einlässt kriegt dafür ein sehr stabildes Objektiv zur Hand das gut in derselben liegt und mit absolut glaubwürdigem Schutz gegen Staub, Spritzwasser und Frost glänzt, also unter Bedingungen einsetzbar ist in denen man das Panaleica lieber sicher verstaut. Generell liegt das Objektiv glänzend in der Hand, nur in der Fototasche macht es sich unangenehm bemerkbar – als tägliches Immer-dabei-Objektiv hat es keine guten Karten.

Laut Messungen von dxomark.com erreicht das Panaleica eine etwas bessere Wertung, wobei man sich wie so oft bei DXO die Frage stellt wie die Gesamtwertung zusammenkommt, immerhin wird die Schärfe beim Oly etwas höher angegeben, Transmission und Vignettierung sind gleich und der Verzeichnung scheint das Oly deutlich die Nase vorne zu haben, lediglich bei der chromatischen Aberration hat das Panaleica mit dem etwas geringeren Wert die Nase vorne.

Bei meinen eigenen (höchst unprofessionellen) Aufnahmen meines Testcharts konnte ich weder bei Kontrast noch in der Schärfe einen Unterschied feststellen. Beide zeichnen praktisch ab Offenblende tadellos scharf und kontrastreich. Beide spielen laut DXO in der Top-Liga der MFT-Linsen und werden lediglich von Panasonics 42,5mm ƒ1.2 und Olympus’ 75mm ƒ1.8 übertroffen.

Klar besser gefällt mir Olympus’ Pro-Objektiv beim Bokeh, wo es deutlich ruhiger und cremiger zeichnet als die von Leica entworfene Linse. Diesen Mehrwert im Bokeh muss der Fotograf jedoch teuer bezahlen: Das 25mm ƒ1.2 von Olympus kostet etwa das Doppelte des 25mm ƒ1.4 von Panasonic.

Unterm Strich würde ich meinen, dass das Panaleica bei diesem Vergleich der Preis/Leistungs-Sieger ist. Wer MFT wegen Kompaktheit nutzt und auf die Wetterfestigkeit von Olympus’ Pro-Objektiv verzichten kann erhält mit ihm ein exzellentes Objektiv. Allerdings wird die deutliche Mehrausgabe für das 25mm ƒ1.2 mit einem sichtbar weicheren Bokeh belohnt, dessen Anblick eine wahre Freude ist (auch wenn man selbstverständlich nicht die kurze Schärfentiefe einer KB-Normalbrennweite erreicht).

Tatsächlicher Preis/Leistungs-Sieger wäre übrigens das 25mm ƒ1.7 von Panasonic. Nicht viel weniger Lichtstark, dafür kompakt, leicht und für unter 200 Euro zu haben, dabei in der Wertung den teureren hier erwähnten Modellen laut DXO nur gering nachstehend.

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Alles wird schneller: Olympus OM-D E-M1 Mark II

Olympus hat 2013 mit der OM-D E-M1 die perfekte Kamera für mich vorgestellt. Zwei Jahre später wurde ich schon gelegentlich gefragt, ob ich sie durch eine Mark II ersetzen würde – lange bevor eine solche offiziell angekündigt wurde. Bis die Mark II tatsächlich vorgestellt wurde war das kein relevantes Thema für mich.

Die E-M1 verschafft mir beim Fotografieren die Leichtigkeit die MFT generell zu Grunde liegt. Sie ist aber groß und griffig genug um sie auch bei ausgedehnten Foto-Sessions effizient einsetzen zu können. Mit der E-M5 – der ersten Olympus die mir MFT und spiegelloses Fotografieren schmackhaft machte – wäre das kein Thema gewesen. Die E-M5 punktet unterwegs mit Kompaktheit, wäre für mich aber keine Alternative zu meiner damaligen D600 gewesen. Erst die E-M1 von 2013 veranlasste mich auf den Gedanken, von Nikon auf Micro FourThirds umzusteigen, was ich nach einigen Wochen mit ihr auch in die Tag umsetzte.

Für einen Fotografen wie mich, der etwa 95% auf Achse fotografiert, kann es in meinen Augen kein besseres System als MFT geben. Mehr als alles andere bestätigte mir das eine 15-tägige Rundfahrt um Island: In meiner Vanguard The Heralder begleiteten mich damals, ein Weitwinkel-, ein Standard- und ein Telezoom (M.Zuiko 9–18mm und M.Zuiko 12–40mm, Lumix 100–300mm) und drei Kameras (E-M5, E-M1 und Lumix GM1). Trotz dreier Apparate samt Linsen, hatte ich wohl weniger Ballast zu tragen, als eine Vielzahl anderer Touristen mit Vollformat und zwei oder drei Wechselobjektiven. Ein bis zwei Stunden Fußmarsch mit der Fototasche um die Schultern waren kein Problem.

Jeden Brennweitenbereich an einer eigenen Kamera zu haben, hat doppelten Vorteil: Man muss nicht ständig Objektive wechseln, läuft also nicht Gefahr, dass Staub und Schmutz in die Kamera gelangen, und man ist in Sekunden schussbereit.

Klar bringt MFT gegenüber APS-C und Kleinbild auch Nachteile mit sich, die man nicht ernsthaft von der Hand weisen kann:

  1. Da wäre einmal die enger gesetzten Grenzen in der Auflösung. Allerdings fand ich mit den 16 Megapixel von E-M5 und E-M1 immer mein Auslangen. Damit erreiche ich bei 300ppi knapp A3, bei 250ppi sogar deutlich darüber (genau genommen gibt es kaum Situationen in denen 300ppi gegenüber 250ppi eine sichtbare Qualitätssteigerung bringt). Mit den 20MP der Pen F und der E-M1 Mark II ist sogar dieses Limit gesprengt und wer unbewegte Motive fotografiert kommt mit Stativ sogar auf 50MP bzw. 80MP.
  2. Während mehr als 16 Megapixel kaum ein Thema ist, das mich berührt, stellt für mich die bessere ISO-Performance schon eher einen bemerkenswerten Nachteil von MFT gegenüber Vollformat dar. Allerdings hat die ISO-Performance heute generell ein so gutes Niveau erreicht, dass ich deswegen nicht das doppelte oder dreifache Gewicht durch die Gegend schleppen möchte.
  3. Noch ein Thema bei dem ich mir mehr wünschen würde, wäre Dynamikumfang. Von den etwa 15 Lichtwerten die Nikons Spitzenmodelle erreichen, kann ich mit MFT nur träumen. Olympus’ und Panasonics Modelle schaffen heute knapp 13LW. Allerdings ist das noch immer ein Wert der manche Canon-Profikameras in den Schatten stellt – Kameras mit denen Fotografen die viel besser sind als ich Aufnahmen machen, die mich wegblasen. Also, was soll’s!
  4. Noch ein Nachteil: Die geringe Schärfentiefe exzellenter Festbrennweite bleibt mit MFT unerreichbar. Selbst mit manuellen ƒ0.95 Objektiven wird man von einem preiswerten (und automatischen) Vollformatlinsen mit Lichtstärke 1.8 ausgestochen. MFT zeichnet bei adäquater Brennweite einfach um 2 Lichtwerte mehr Schärfentiefe auf als Vollformat. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass MFT-Objektive bereits bei Offenblende schärfer zeichnen als andere Linsen mit denen ich schon arbeitete, und das Bokeh scheint mir tendenziell etwas weicher zu sein, was den Nachteil der geringeren Schärfentiefe zwar nicht aufwiegen kann, aber zumindest auch nicht außer Acht gelassen werden sollte.
  5. Spiegellose Systeme litten bislang generell an im Vergleich zu DSLRs langsameren AF-Systemen. Das hat nichts mit der Sensorgröße zu tun, sondern schlicht damit, dass DSLRs für das Scharfstellen einen eigenen Sensor nutzen, der den sogenannten Phasenvergleich erlaubt und eben der Kontrasterkennung spiegelloser Kameras überlegen ist.

Diese Nachteile gilt es zu berücksichtigen und gegen den unbestreitbaren Vorteil von MFT in die Waage zu legen: Das System ist bei weitem das kompakteste und leichteste auf dem Markt. In Verhältnis von Abbildungsqualität zu Gewicht ist es unschlagbar. Zwar baut auch Sony mittlerweile extrem kompakte Kleinbildkameras, doch bei den Objektiven wird Vollformat nicht einmal in die Nähe der Kompaktheit und Leichtigkeit von MFT kommen können.

Der Nachteil der mich bei MFT bislang am meisten schmerzte, war definitiv das behäbigere AF-System: Rasch bewegende Objekte lassen sich kaum einfangen. Vögel im Flug sind selbst für die als schnell geltende E-M1 unerreichbar. Das wurde mir regelmäßig beim Einsatz der Panasonic Telezooms 100–300mm und100–400mm bewusst, mit denen ich meine Liebe für die Vogeljagd entdeckte. Damit lassen sich Vögel praktisch nur ablichten, wenn sie einigermaßen still sitzen.

Zur Fragen ob ich es in Betracht ziehen würde meine E-M1 durch ein Nachfolgemodell zu ersetzen: Nur, wenn das AF-System so gut war, dass es mit meinen früheren Nikons gleichziehen und Vogelflug wieder in Reichweite bringen kann.

Die E-M1 Mark II wurde zwar als Power-House mit sehr schnellem AF angekündigt, doch, dass eine Spiegellose beim Fokussieren mit DSLR gleichgezogen habe, hatte ich in den letzten Jahren zu oft gehört und doch anders erfahren, weshalb ich das nicht ganz ernst nahm. Schnelle Serienbildaufnahmen, zweite Speicherkarte und +4MP alleine jedoch, wären für mich kein Argument gewesen, die mit 2000 Euro nicht ganz billige Mark II in Betracht zu ziehen.

Panasonic G80/G81/G85

Während 2000 Euro für die E-M1II vielen Kommentatoren als zu gilt, kündigte Panasonic im Herbst ein interessantes Modell zum Schnäppchenpreis an, die je nach Markt G80, G81 oder G85 heißt. Sie hat ein griffiges Gehäuse, ist gegen Umwelteinflüsse abgedichtet und in vielen Berichten hatte ich gehört und gelesen, dass ihr AF unglaublich schnell sein soll.  Eine wetterfeste Systemkamera inklusive abgedichtetem Objektiv unter 1000 Euro wäre mir sonst von keinem Hersteller bekannt.

Reizend an der G81: Sie hat je einen dezidierten Hardware-Schalter, um von Einzel- zu Serienbildaufnahme umzuschalten, und einen, um von AF-S zu AF-C oder MF zu wechseln – etwas, das ich bei Olympus vermisse. Was mich nun aber vor allem interessierte: War der Panasonic AF wirklich so gut wie viele behaupteten, und wie gut würde er verglichen mit dem neuen System der E-M1II abschneiden? Wäre die Olympus den doppelten Preis wert?

Der Vergleich dauerte keine fünf Minuten. Beim ultimativen Hardcore-Test, weiße Möwen fliegend am grauen Himmel, konnte ich bei der G81 keinen nennenswerten Gewinn gegenüber meinen bisherigen MFTs feststellen. Der AF der E-M1II hingegen schnappt dermaßen schnell und präzise zu, wie ich es nur von den Nikons die ich früher im Einsatz hatte, kenne. Um faire Bedingungen zu schaffen, habe ich  an beiden Kameras sowohl das 40–150mm von Olympus, als auch das 100–400mm von Panasonic getestet.

Zuletzt auf Facebook einen Rüffel bekommen, weil ich die preislich so unterschiedlichen Kameras verglichen habe. Doch die Frage durchaus gerechtfertigt: Ist der doppelte Preis der E-M1II gegenüber der G81 gerechtfertigt? Für alle die rasante Motive einfangen wollen: Definitiv!

Dass die E-M1 für mich in Frage kommt, die G81 jedoch nicht, soll nicht heißen, dass ich generell von ihr abraten würde. Im Gegenteil: Wer eine handliche aber doch kompakte und leichte Kamera sucht, die ihn bei Wind und Wetter sicher begleitet, sollte einen Blick darauf werfen. Das schöne an MFT ist ja gerade, dass ein System so unterschiedliche Kameras anbietet, wie sie von Olympus und Panasonic stammen.

Der Mehrwert der E-M1II

Mit dem Panasonic Leica Vario-Elmar 100–400mm wird die E-M1II zum Dream-Team für alle die gerne unterwegs sind und scheues Getier ablichten wollen. Ebenso beeindruckend wie die Geschwindigkeit und Präzision mit der der AF zuschnappt, ist die Hartnäckigkeit mit der er sich beim Tracking an Objekte haftet. Ich hatte nicht erwartet, dass die Mark II mit meinen früheren DSLRs von Nikon (D700, D7100 und D600/D610) gleichziehen könnte, doch ich würde mindestens von Gleichwertigkeit ausgehen, wenn sie die genannten Modelle nicht sogar überflügelt.

Im Grunde ist die E-M1II eine waschechte OM-D und verlangt nach einer E-M1 keinerlei Umgewöhnung. Das Gehäuse ist eine Spur höher, was mir den kleinen Finger nicht mehr ins Leere laufen lässt, und wahrscheinlich heißt, dass ich bei ihr wieder auf den Hochformatgriff verzichten kann, was ich bei der E-M1 aus Ergonomiegründen nur selten machte.

Viele wird freuen, dass das Display nun seitlich ausklappbar ist und sich somit auch im Hochformat besser nutzen lässt. Ich war ja bislang immer eher Freund des reinen Hochklappmechanismus, habe mich aber mit der Pen F an das seitlich ausklappende Display gewöhnt, und kann dem mittlerweile durchaus auch einiges abgewinnen, auch wenn es sich nach wie vor fragiler anfühlt.

Ein Detail, das mich zunächst irritiert hat, ist, dass die Öse zum Anbringen eines Gurts oder einer Handschlaufe wegen des zweiten Speicherkartenfachs von der Seite nach oben gewandert ist. Ich erwartete, dass sich das Nachteilig auf das Handling auswirkt, musste das Gegenteil feststellen: Meine Handschlaufe legt sich jetzt wie selbstverständlich von oben her um das Armgelenk und, dass sich der Verschluss störend zwischen Hand und Kamera drängelt scheint jetzt deutlich weniger oft der Fall.

Preiswert?

Stellt sich die Frage ob die Mark II ihren Preis wert ist. Definitiv: Ja!

Die Diskussionen über die Preisgestaltung von MFT-Modellen scheint mir ja immer ein bisschen sonderbar. Kritiker reduzieren eine Kamera auf die Größe des Sensors und stellen fest, dass ein Modell mit halb so großem Bildwandler doch unmöglich gleich viel kosten könne, wie eine Vollformatkamera. Das ist als würde ich den Preis von Wurst anhand der gewogenen Menge beurteilen oder jenen eines Autos anhand der Sitzplätze. Ich habe einen Roadster. Der hat zwei Sitze. Das heißt er bietet 2/5 weniger Plätze als ein PKW. Muss er deshalb günstiger sein als ein Golf?

Mit meinem Roadster hat die E-M1II gemein, dass sie einfach Spaß macht. Mit einer MFT-Kamera und 800mm KB-äquivalenter Brennweite auf die Pirsch nach scheuen Motiven zu gehen, ist eine bedeutend unbeschwertere Angelegenheit als mit vergleichbarem im Vollformat. Der E-M1II Body wiegt 574g, das Panaleica 100–400mm 985g. Das sind zusammen 1559g. Ein Gewicht, das man bei Vollformat schon mit einem Standardzoom kaum halten kann. Ein Nikon D750 Body beispielsweise wiegt 840g. Mit dem Nikkor 24–70mm ƒ2.8 und seinen 1070g kommt man da auf1910g. Von Telezoom ist dabei noch keine Spur. Wer echte 800mm am Vollformat auf den Weg nehmen will, der muss zur Kamera zusätzlich 4000g und mehr schultern.

Man kann eine Kamera nicht auf die Größe des Sensors reduzieren!

Natürlich bietet die Nikon D500, mit der die E-M1II derzeit so häufig verglichen wird, um einen geringfügig höheren Listenpreis einen APS-C-Sensor und erreicht damit bessere Leistungen im High-ISO-Bereich, beim Dynamikumfang und ist etwas höher aufgelöst. Aber sie hat auch eine Serienbildrate von 10 Bildern pro Sekunde (E-M1II bis zu 60 Bilder) und garantiert eine Betriebsbereitschaft bis 0° (E-M1II bis –10°). Eine Kamera ist nicht automatisch mehr Wert, nur weil der Sensor größer ist.

Für MFT entscheidet man sich nicht, wenn man die bestmögliche Bildqualität erreichen will, sondern weil man den idealen Kompromiss zwischen Abbildungsqualität und Transportabilität sucht. Diesbezüglich ist das System bis auf Weiteres definitiv unschlagbar. Nicht selten erfordert Miniaturisierung einen erhöhten Aufwand und führt zu teureren Produkten. Ich weiß nicht, ob das auf Kameras zu übertragen ist, ich halte nur den Schluss, eine kleinere Kamera muss automatisch billiger sein, für Unfug.

Es gibt an der ganzen Debatte noch etwas anderes was ich schräg finde: In einem Artikel über die E-M1II las ich die generelle Kritik daran, dass die Kamerahersteller den sinkenden Absätzen mit teureren Modellen begegnen. Ja, was sollen sie denn tun? Soweit ich mitbekommen habe, schreiben die meisten Marken in der Kamerasparte rote Zahlen. Ist der Versuch Modelle so zu kalkulieren, dass ein Gewinn für sie hängen bleibt den verwerflich?

Ich weiß schon: Viele finden, dass alle zu teuer sind und nur sie selber zu wenig verdienen. Ich persönlich gönne einem Unternehmen allerdings einen Profit, wenn er mir ein gutes Produkt verkauft. Und für ein gutes Produkt bin ich auch bereit einen guten Preis zu bezahlen.

Die E-M1II ist definitiv ein gutes Produkt und ihren Preis absolut wert. Besser als sich von anderen erzählen zu lassen, wie gut sie ist, ist allerdings es selber auszuprobieren – ein Gefühl dafür bekommt man nur, wenn man es selber erfährt.

Der Blick in meine Kameratasche zeigt, was ich an MFT liebe. Eine Pen F mit 7–14mm ƒ2.8, eine E-M1 mit 12–40mm ƒ2.8 und eine E-M1II mit 40–150mm ƒ2.8. Trotz des immensen Brennweitenbereichs bei durchgehender Lichtstärke von ƒ2.8 leicht zu schultern.

Aus Freude am Fotografieren

Gelegentlich werden meine Erfahrungsberichte zu meiner fotografischen Ausrüstung mit Kommentaren beantwortet und oft lese und höre ich, dass man mit diesem Objektiv und jener Kamera ja doch weit mehr herausholen könne als mit den von mir beschriebenen Apparaten und Optiken. Ich machen keinen Hehl daraus, dass ich weiß, dass APS-C, Kleinbild oder Mittelformat unter gewissen Umständen einen Qualitätsvorsprung gegenüber MFT erzielt. Aber das Ziel meiner Fotografiererei ist nicht möglichst viel Detailschärfe, möglichst wenig Rauschen oder möglichst geringe Schärfentiefe. Vielmehr geht es mir um die Freude am Fotografieren und ich hoffe gelegentlich auch einmal ein gutes Bild zu erzielen.

Schärfe, Rauschen und Schärfentiefe sind drei Aspekte der Fotografie, aber sie alleine ergeben keine guten Fotos. Gute Bilder leben vielmehr von interessanten Szenen, gutem Licht, interessanten Perspektiven, ausgewogener Komposition und oft trägt auch eine gekonnte Ausarbeitung mehr zu einem atemberaubenden Ergebnis bei, als Detailschärfe, Rauscharmut oder Freistellung.

Ehrlich gesagt dürfte ich für bemerkenswerte Aufnahmen auch nicht so bequem sein, müsste mein Leben mehr nach der Fotografie ausrichten. Leider bin ich zu faul um mich um vier Uhr früh aus den Federn zu schälen um noch vor Sonnenaufgang in der Wildnis zu stehen und den goldenen Moment abzuwarten. Wäre ich das, könnten mir 40MP und mehr inklusive State-of-the-Art-Objektive sicher etwas bringen, zumindest wenn ich Interesse daran hätte Poster im Format von A2 und größer zu drucken.

Ich weiß auch, dass ich viel bessere Aufnahmen von Tieren erzielen könnte, wenn ich die Geduld hätte auf einem Baum oder in einem Versteck Stunden lang anzusitzen und zu hoffen, dass sich Wild vor meine Linse verirrt. Natürlich würde ich dann Wert darauf legen im entscheidenden Moment über ein AF-System zu verfügen, das das Tier möglichst treffsicher aufs Korn nimmt und weshalb sollte ich dann auf einen Sensor verzichten der mit möglichst wenig Rauschen überzeugen kann. Zur Perfektion würde dann auch ein hochwertiges Tele gehören, auch wenn die Teile ein kleines Vermögen kosten.

Wäre ich mehr als Gelegenheits-Studiofotograf hätte ich wohl nie einen Grund gesehen meine Nikon-Vollformat-Ausrüstung zu verkaufen und auf MFT umzusatteln. Nikons Kameras und Objektive erzielen hervorragende Qualität, die Kameras liegen gut in der Hand und ihr üppiges Volumen bietet ausreichend Platz für alle Bedienelemente. Bei den kleinen MFT-Bodys fällt das alles etwas fuzzeliger aus – ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand professionelle Studioarbeit damit betreiben möchte.

Manchmal sehne ich mich auch nach meinen Nikons zurück, nämlich wenn ich versuche endlich wieder einmal einen Vogel im Flug so cool einzufangen wie ich das von ihnen gewohnt war. Ich sehe zwar immer wieder tolle Vogelflugaufnahmen die Andere mit MFT gemacht haben, aber selbst gelingen mir solche Bilder nur mehr selten. Mittlerweile ist mir bewusst geworden, dass das nicht nur an den noch immer vorhandenen Schwächen der AF-Systeme spiegelloser Kameras liegt, sondern dass die Verzögerung elektronischer Sucher gegenüber optischen Suchern ihren Teil dazu beitragen.

Wollte ich als Landschaftsfotograf perfekte Aufnahmen erzielen, hätte die Bereitschaft meine Tagesplanung nach den optimalen fotografischen Bedingungen auszurichten, und würde ich damit Poster deutlich über A3 drucken wollen, würde ich eine Vollformatkamera nutzen. Hätte ich die Geduld still im Wald zu sitzen und auf Tiere zu warten, hätte ich eine Vollformat-DSLR mit entsprechend hochwertigen Teles. Wäre ich Studiofotograf hätte ich eine Vollformatkamera. Wäre ich Sportfotograf oder wären fliegende Vögel von zentralem Interesse für mich hätte ich eine DSLR.

Doch all das trifft nicht auf mich zu. Ich richte mein Leben nicht nach der Fotografie aus. Fotografie ist etwas das mein Leben begleitet. Ich gehe nicht auf einen Berg um zu fotografieren. Ich gehe ins Gebirge um in der Natur zu sein. Fotografie hilft mir dabei intensiver mit meiner Umgebung in Kontakt zu kommen und es bereitet mir einfach Freude festzuhalten was mir begegnet.

Bei allen Vorteilen die größere Systeme haben: Wenn es um den optimalen Kompromiss zwischen Abbildungsqualität und Volumen/Gewicht der Ausrüstung geht ist MFT der unschlagbare goldenen Mittelweg.

Eine Pen-F oder eine vergleichbar kompakte MFT-Kamera samt Festbrennweite belastet als Begleiter nicht mehr als jede Kompakte,  erzielt aber deutlich bessere Resultate. Selbst die immer wieder hochgelobte Sony RX100 konnte absolut nicht mit den Ergebnissen meiner Olympus OM-D E-M5 mithalten.

Doch MFT punktet für mich nicht nur als alltäglicher Begleiter. Auch bei reinen Fotoausflügen ist die Handlichkeit des Systems eine echte Wohltag. Eine E-M1 mit 12–40mm drückt einfach deutlich weniger auf die Schultern als eine Vollformat mit 24–70mm – auch Stundenlange Walks gehen weitgehend ermüdungsfrei. Nicht selten, dass mich zwei oder drei Kameras begleiten. Wo andere an ihrer Kamera das Objektiv wechseln, greife ich einfach nur zur anderen Kamera – und trage trotzdem weniger Kilo.

Noch viel mehr als alle rationalen Gründe zählt für mich aber, dass mir das Fotografieren mit MFT einfach mehr Spaß macht, als mit jeder anderen Kamera davor. Diese Freude am Fotografieren ist ein irrationales Gefühl, aber es ist vorhanden. Es ist eine Erfahrung die ich niemals bewusst gewählt habe sondern die mir einfach passiert ist.

Ich kaufte vor Jahren eine Olympus OM-D E-M5 als Zweitkamera – missmutig, weil ich eigentlich keine Olympus mehr wollte, doch bei der einzigen Alternative für ein kompaktes Zweitsystem – der Sony NEX – war das Objektivangebot damals noch zu gering und die Linsen waren doch deutlich größer. Über mehrere Wochen hinweg hatte ich die OM-D kaum in Händen und fotografierte meist mit meinen Nikons. Erst nach und nach bemerkte ich, dass mir das Fotografieren mit ihr, wenn ich sie schon einmal einsetzte, besonderen Spaß machte. Gleichzeitig viel mir auf, dass die Aufnahmen in keinster Weise schlechter wirkten als beispielsweise mit einer D7200 oder D610 – jedenfalls so lange man nicht begann an Bildschirmen einzuzoomen und Pixel zu zählen. Ich entdeckte, dass ihre Qualität für meine Art zu fotografieren und Fotos wiederzugeben absolut ausreichend war.

Es war keine bewusste Entscheidung für MFT sondern das System nahm mich mit der Zeit mehr und mehr für sich ein. Es ist nun etwa drei Jahre her da ich den Switch von Vollformat zu MFT machte und ich habe es nie bereut. Das heißt aber nicht, dass ich jemals versuchen würde irgendjemandem MFT aufzudrängen. Das richtige System hängt von der Art des Fotografierens, von den Ansprüchen an die Wiedergabe und von der Persönlichkeit und den Vorlieben des Fotografen ab. Da muss jeder seine eigenen Prioritäten setzen und seine eigene Entscheidung treffen.

Berufsfotografen müssen natürlich ein System wählen, das die Ansprüche ihrer Auftraggeber an Detailschärfe und Auflösung erfüllt. Leute die einfach nur Künstler sind und Hobby-Fotografen müssen diesbezüglich weniger Kompromisse eingehen. Sie können ihre Entscheidung für ein System rein nach ihren Vorlieben treffen und sich für das entscheiden was ihnen Spaß macht.

Wenn sie zur Freude an der Fotografie die maximal erreichbare Schärfeleistung brauchen ist das iO. Wenn es ihnen Freude bereitet in größten Auflösungen feinste Details zu erkennen ist das iO. Wenn geringe Schärfentiefe oberste Priorität für sie hat ist das iO. Für mich hat die Leichtigkeit des Systems wesentliche Priorität.

Bilder von mir gibt es bei 500px und Instagram zu sehen.

Fotografische Theorie und Praxis

Mein Artikel über »Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab« scheint für etwas Aufmerksamkeit und Diskussionsstoff gesorgt zu haben. Das merke ich nicht nur an Nachrichten die mich direkt erreichen, sondern auch an dem was in Foren darüber diskutiert wird, wenn ich eingehenden Links folge.

Was mich überrascht, ist, wie sehr manche Leute an der Theorie festhalten, auch wenn die Praxis etwas anderes zu sagen scheint. Sehen wir uns dazu noch einmal zwei Beispiele aus dem oben genannten Artikel an.

Der Fotograf weiß, dass er über die Brennweite Perspektive und Tiefenstaffelung gestalten kann. Der Theoretiker widerspricht und behauptet, dass das falsch ist. Die Brennweite habe keinen Einfluss auf die Tiefenstaffelung, dass man mit ihr die Tiefenwirkung verdichten könne sei Unsinn.

Damit hat er zunächst einmal recht: Eine längere Brennweite verengt lediglich den Bildausschnitt und ändert nichts an Perspektive und Tiefenwirkung. Verkürzt man die Brennweite erhält man einen weiteren Ausschnitt, auch das bei gleicher Perspektive und Dichte. Die Theorie erweist sich auch in der Praxis als korrekt – das kann jeder überprüfen (und ich kann nur empfehlen Theorie zu überprüfen, bevor man für sie auf die Barrikaden steigt).

Der Praktiker aber weiß, dass Perspektive aus dem Zusammenspiel von Brennweite und Distanz entsteht. Wenn ich die Distanz vergrößere und Brennweite verlängere, dann verdichtet sich die Perspektive für jeden sichtbar. Die folgenden Abbildungen zeigen das deutlich.

weitwinkel
Brennweite 14mm (28mm KB), Blende ƒ5.6, Abstand ca. 0,5m
tele
Brennweite 150mm (300mm KB), Blende ƒ5.6, Abstand ca. 1,5m

Der Denkfehler vieler Theoretiker scheint mir, dass sie theoretisch korrekte Merksätze generalisieren. Tatsächlich sind Merksätze in der Regel an bestimmte Bedingungen geknüpft. Ändert sich der Kontext, hat das meist auch Auswirkungen auf das Resultat.

Die Aussage, »die Veränderung der Brennweite hat keinen Einfluss auf die Perspektive«, ist korrekt, so lange ich alle anderen Parameter (Distanz und Sensorformat) unverändert lasse. Die Aussage, »die Brennweite hat keinesfalls Einfluss auf die Perspektive«, ist falsch. Ändere ich zusammen mit der Brennweite auch die Distanz (und/oder das Aufnahmeformat), ändert sich die Perspektive. Das belegen die Abbildungen oben und jeder Fotograf wird das wissen und in der Praxis gezielt nutzen.

Nun wurde nicht nur meine Aussage zur Tiefenstaffelung bekritelt, sondern auch meine Schlüsse zur Schärfentiefe.

Die Theorie besagt, dass die Schärfentiefe nicht von der Brennweite, sondern lediglich von Abbildungsmaßstab und Blende abhänge. Dieser Merksatz war Auslöser für den angesprochenen Artikel. Nehmen wir ihn wörtlich, würde das heißen, dass eine längere Brennweite nicht zu einem unschärferen Hintergrund führt. Jeder Fotograf weiß jedoch aus der Praxis, dass man mit Tele deutlich besser freistellen kann als mit Weitwinkel – wer das noch nie erlebt hat fotografiere einmal mit einem Nikon 200mm ƒ2.0!

Ein Selbstversuch belegt: Wird ein Objekt bei jeweils unterschiedlicher Brennweite und Distanz im selben Abbildungsmaßstab fotografiert, ist die Unschärfe der Elemente im Hintergrund praktisch identisch.

Allerdings wird das nur bei genauer Analyse der Aufnahme deutlich, denn die größere Entfernung bei längerer Brennweite führt dazu, dass der Hintergrund näher rückt. Die Verdichtung der Tiefenstaffelung vergrößert den Hintergrund. Analog zum Hintergrund wird die Unschärfe mit vergrößert. Obwohl sie im Verhältnis zu den Elementen des Hintergrunds gleich ist wie bei kurzer Brennweite, wird sie durch die Vergrößerung auch größer wiedergegeben. Anders gesagt: Im Verhältnis zu den Elementen auf einer Ebene im Hintergrund ist die Unschärfe unverändert, im Verhältnis zum Element im Vordergrund jedoch ist sie größer. Und das ist eben der Effekt den man meint, wenn man behauptet man könne mit längeren Brennweite besser freistellen.

Dasselbe gilt übrigens auch für das Sensorformat. Tatsächlich ändert auch das Sensorformat lediglich den Bildausschnitt. Doch im Kontext der verschiedenen Parameter die in der Fotografie zusammenspielen ergibt sich der praktische Effekt, dass ich umso größere Schärfentiefe erhalte, je kleiner der Sensor ist. Absurderweise scheinen manchmal genau die zu widersprechen, dass das Sensorformat Einfluss auf die Schärfentiefe haben, die auf Vollformat schwören, weil man damit mehr Bokeh erhalte (noch einmal: ich weiß um die theoretischen Hintergründe und Zusammenhänge, doch was für mich zählt sind die praktischen Auswirkungen).

Ein weiteres Problem ergibt sich, wenn man versucht theoretische Grundsätze 1:1 auf die Praxis zu übertragen: Theorie baut oft auf idealen Bedingungen auf. Ideale Bedingungen kommen in der Praxis meist nicht vor. Man braucht diese idealen Annahmen aber um eine Basis für eine Theorie zu schaffen – ein Beispiel bietet der sogenannte schwarze Körper an der sich die Farbtemperatur Kelvin orientiert (diesen Körper gibt es nicht, er ist ein theoretisches Konstrukt). Manchmal sind ideale Bedingungen auch Annahmen die etwas vereinfachen, weil die Realität zu komplex ist um sie theoretisch zu erfassen.

Ich kann nur noch einmal den Rat wiederholen, theoretische Grundlagen im Selbststudium in der Praxis zu überprüfen – vor allem bevor man versucht andere zu bekehren. Es hilft nicht nur Fehlschlüssen auf die Spur zu kommen und zu verstehen was die Theorie für die Praxis bedeutet, sondern auch die praktische Relevanz theoretischer Grundlagen zu erforschen.

Eine gute Basis für fundiertes theoretisches Wissen bildet ein PDF das von Carl Zeiss verbreitet wird. Darin werden die Zusammenhänge von Schärfentiefe, Abbildungsmaßstab, Brennweite, etc. vom Experten sehr ausführlich erklärt und zwar so, dass auch ein optisches Greenhorn wie ich es versteht.

Nicht, dass ich das unbedingt jedem empfehlen möchte der einfach nur fotografieren will.

Über Schärfentiefe und Bokeh

Die meisten Rückmeldungen zu meinem Blog und seinen Artikeln sind positiv und wohlwollend. Gelegentlich gibt es Kritik und manchmal ist sie gerechtfertigt. Auch wenn ich mich bemühe gründlich zu recherchieren bevor ich Betrachtungen und Behauptungen verbreite, unterliege ich schon einmal Fehlschlüssen, Irrtümern, Vorurteilen oder sitze falschen Behauptungen anderswo auf. Auf einen Fehler hingewiesen zu werden ist mir nicht unbedingt angenehm aber willkommen – das letzte was ich möchte ist an falschen Ansichten festhalten.

Natürlich ist nicht jede Kritik fundiert und gerechtfertigt und Manchen gelingt es nicht Kritik höflich zu formulieren. So erreichte mich beispielsweise dieser Tage das Mail eines »Kollegen« der sich über meinen Artikel »Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab« ausließ und ihn mehr oder weniger durchwegs als Unsinn bezeichnete.

Es ist nicht sinnvoll hier auf die in meinen Augen etwas wirren Behauptungen zu Schärfentiefe und Bokeh einzugehen, doch ein Anlass einmal meine Position zu Theorie und Praxis in der Fotografie zu definieren: Mein Interesse gilt allein der Praxis. Die Theorie interessiert mich soweit, wie sie für die Praxis relevant ist. In der Theorie gibt es Konstruktionen die in der Praxis niemals auftreten.

Natürlich muss sich jeder Fotograf bis zu einem gewissen Punkt mit theoretischen Themen befassen und für mich als Autor und Trainer gilt das umso mehr. Allerdings ist mir wichtig, dass ich mein Wissen so vermittle, dass es verständlich bleibt, auch wenn ich dazu Vereinfachungen und Abkürzungen verwenden muss, die dem Theoretiker die Haare zu Berge stehen lassen.

Viele Theoretiker scheinen dermaßen in der Theorie verhaftet zu sein, dass sie den Blick für die praktische Relevanz oft verlieren. Außerdem kenne ich nur wenige, denen es gelingt ihr Wissen so zu vermitteln, dass sie von Leuten mit weniger Expertise verstanden werden. Oft habe ich das Gefühl, dass manch Experte aus Eigendefinition selbst nicht versteht was er von sich gibt, bei einigen Kommentaren die mich bis heute erreicht haben war das mehr als offensichtlich – eine Diskussion ist dann meist vergebene Liebesmüh.

Den Besuchern meines Blogs sei gesagt, dass sie an der richtigen Stelle sind, wenn sie einfache Erklärungen für die Praxis suchen. Wer vor allem an theoretischen Aspekten interessier ist, für den bin ich sicher nicht die richtige Anlaufstelle.

Ein Verständnis der optischen Phänomene die hinter meinem Artikel über Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab  stehen findet sich in einem PDF das bei Carl Zeiss veröffentlicht wurde – wer an optischer Theorie interessiert ist, dem sei die Lektüre empfohlen. Interessant ist das PDF vor allem »… für diejenigen, die Freude haben an der Schönheit mathematischer Zusammenhänge …« haben – um eine Passage daraus zu zitieren (wobei sich die Anzahl mathematischer Formeln glücklicherweise in Grenzen hält). Allen anderen empfehle ich sich mehr an der Praxis zu orientieren und sie vor allem zu üben.

Persönlich habe ich mir übrigens angewöhnt Theorien nicht einfach zu übernehmen, sondern sie anhand praktischer Versuche zu überprüfen. Eine Theorie die ich durch praktische Selbstversuche nicht bestätigt sehe verwerfe ich – nicht als falsch, sondern als irrelevant!

Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab

An verschiedenen Stellen in meinem Blog steht zu lesen, dass die Brennweite die Schärfentiefe beeinflusst: Je länger die Brennweite desto geringer die Schärfentiefe. Nicht zum ersten Mal wurde ich vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass die Brennweite keinen Einfluss auf die Schärfentiefe habe sondern lediglich Abbildungsmaßstab und Blende dazu beitrügen.

Die Anmerkung ist theoretisch so richtig wie praktisch falsch. Um den Denkfehler zu demonstrieren habe ich mir von meinem freundlichen Fachhändler ein Objektiv mit großem Brennweitenumfang ausgeborgt – einmal mehr gilt mein Dank Foto Hebenstreit für die Unterstützung. Natürlich hätte ich auch zwei meiner Objektive nehmen können, doch ich wollte verhindern, dass mir jemand vorwerfen kann die verschiedenen Linsen hätten die Ergebnisse verfälscht.

Im ersten Aufbau habe ich einen Textmarker etwa einen halben Meter vor meinem Bücherregal aufgehängt, und dann einmal bei 14mm aus geringer und einmal bei 150mm aus größerer Distanz abgelichtet.

weitwinkel
Brennweite 14mm (28mm KB), Blende ƒ5.6
tele
Brennweite 150mm (300mm KB), Blende ƒ5.6

Ich kann mir nicht helfen, doch bei der Aufnahme mit langer Brennweite wirkt die Schärfentiefe bedeutend geringer als bei jener mit kurzer Brennweite.

Theoretisch stimmt es zwar, dass die Schärfe des Hintergrunds bei beiden Aufnahmen praktisch gleich ist. Doch während das Weitwinkel den Hintergrund in die Tiefe rücken lässt und einen bedeutend größeren Ausschnitt abbildet, während mit Tele der Hintergrund an das fokussierte Objekt heranrückt und größer abgebildet wird, ist der praktische Effekt jener einer geringeren Schärfentiefe.

Um das zu verdeutlichen habe ich in den beiden Aufnahmen einen etwa gleichen Ausschnitt markiert und auf ihn zugeschnitten und dann auf die gleiche Größe gebracht. Der Vergleich der beiden Aufnahmen zeigt, dass die Unschärfe des Hintergrunds tatsächlich identisch ist.

weitwinkel-ausschnitt
Ausschnitt aus der Weitwinkelaufnahme
tele-ausschnitt
Ausschnitt aus der Teleaufnahme

Wie ihr seht ist der Unterschied in der Unschärfe des Hintergrunds marginal, und dass überhaupt ein Unterschied sichtbar ist liegt an der mangelnden Präzision meines Versuchsaufbaus. Dennoch zeigt sich: Die Theorie, dass die Schärfe des Hintergrunds bei identischem Abbildungsmaßstabs des fokussierten Objekts im Vordergrund korrekt ist.

Praktisch jedoch führt die Verdichtung durch das Tele dazu, dass der Hintergrund näher rückt und seine Elemente mitsamt ihrer Unschärfe vergrößert abgebildet werden.

Der Ausschnitt aus der Weitwinkelaufnahme ist eine 1:1 Abbildung und hat eine Höhe und Breie von 474 Pixel. Der Ausschnitt aus der Teleaufnahme hingegen ist eine Verkleinerung – ich habe ihn auf die gleiche Größe wie den Weitwinkelausschnitt hinunter gerechnet. Vor dem Hinunterrechnen hatte er eine Höhe und Breite von 1554 Pixel. Das heißt die effektive Unschärfe war mehr als drei Mal so hoch wie bei der Weitwinkelaufnahme.

Theoretisch ist es also richtig, dass die Unschärfe der Elemente im Hintergrund identisch ist. Praktisch jedoch ist die Unschärfe durch die Verdichtung längerer Brennweiten größer – und das noch nicht einmal theoretisch sondern tatsächlich effektiv, sichtbar und nachvollziehbar.

Hier noch die zweite Versuchsanordnung. Der Grund für das hohe Rauschen aller Bilder ist übrigens, dass ich den Versuch zwischendurch einmal bei available light machte und deshalb einen hohen ISO-Wert wählen musste.

weitwinkel2
Brennweite 14mm (28mm KB) bei Blende ƒ5.6 aus geringer Distanz
tele2
Brennweite 150mm (300mm KB) bei Blende ƒ5.6 aus großer Distanz

Ich kann nur raten sich in der Fotografie nicht zu sehr auf die Theorie zu versteifen, sondern sich vor allem um die Praxis zu kümmern. Die Schärfentiefe sei unabhängig von der Brennweite kann man doch nur behaupten, wenn man das irgendwo gelesen, aber nie die Wirkung von unterschiedlichen Brennweiten auf die Schärfentiefe verglichen hat. Oder drastisch ausgedrückt: Der Einfluss der Brennweite auf die Schärfentiefe kann einem als praktizierender Fotograf doch nicht entgehen!

Nachtrag: All jenen die mehr über die theoretischen Grundlagen und Hintergründe von Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab erfahren wollen empfehle ich ein ein PDF das bei Carl Zeiss heruntergeladen werden kann.

Der Kern von MFT ist Kompaktheit

Micro FourThirds hat auch zur diesjährigen photokina ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. Sowohl Panasonic als auch Olympus haben neue MFT-Kameramodelle und -Objektive angekündigt. Und wieder fragen Kommentatoren, weshalb Olympus nicht endlich ein Voll- oder Mittelformatsystem lanciert?

Wer solche Fragen stellt, hat den Kern von MFT nicht verstanden. Beim System von Olympus und Panasonic dreht sich alles um Kompaktheit! Kein anderes kann vergleichbare Transportabilität bei gleichzeitiger Erfüllung professioneller Ansprüche bieten. Zwar sind die Gehäuse von Sonys APS-C-Kameras auch kaum größer, doch spätestens wenn es darum geht auch Objektive einzubeziehen ist MFT klar im Vorteil.

Natürlich bieten größere Sensoren mehr Reserven in Sachen Schärfentiefe (Bokeh), High-ISO und Auflösung. Aber wie viel ISO und Auflösung brauchen wir denn überhaupt?

Folgt man der Kritik mancher Experten müsste man glauben, dass Fotos auf professionellem Niveau vor wenigen Jahren noch unmöglich waren. Vor einer Dekade waren mehr als 12 Megapixel selbst in der Profiklasse eher Ausnahme als Regel, und bereits geringes Anheben der Empfindlichkeit führte zu Rauschen wie die Sau. Die Profimodelle von damals steckt heute jede Einsteigerkamera in die Tasche.

Gespiegelt sehe ich die enorme technologische Entwicklung der letzten Jahre in der Qualität dessen was uns täglich auf Postern, Plakaten, in Anzeigen, Inseraten und im Internet begegnet nicht. Die Ästhetik mag sich geändert haben, doch qualitativ lässt sich kein relevanter Unterschied ausmachen. Professionelle Aufnahmen waren vor zehn Jahren so bestechend wie heute. Man muss Aufnahmen schon am Monitor in der 100-%-Ansicht unter die Lupe nehmen, um markante Unterschiede zu identifizieren.

Es ist keine Frage: Voll- und Mittelformat schlagen MFT qualitativ um Längen. Allerdings erst in den Bereichen wo MFT an seine Grenzen stößt. Doch um jenseits dieser Grenzen aus einer Kamera herauszuholen was in ihr steckt, genügt es nicht sie draufzuhalten und abzudrücken! Um den Mehrwert leistungsfähigerer Sensoren zu nutzen muss man neben der fotografischen Kompetenz auch den Willen aufbringen aufwändiger zu arbeiten.

Die Kernkompetenz von MFT findet sich nicht in der hochpräzisen Arbeit, sondern in spontaner Leichtigkeit. Das System kann einen unbeschwert auf allen Wegen begleiten, ist stets zur Hand und ist auch nach Stunden nicht ermüdend – weder beim Transport noch bei der Fotosession. In gewisser Weise ist MFT das System zum draufhalten und abdrücken.

Weshalb sollten Panasonic und Olympus auf Voll- oder Mittelformatsysteme umstellen? Letzteres kann sich ohnehin kaum jemand leisten. Und Vollformat? Gibt es  nicht genug davon!? Nikon hat es, Canon hat es, Pentax ebenso, und Sony und Leica bieten es spiegellos.

Noch größer ist die Auswahl bei APS-C. Neben Canon, Nikon, Sony und Pentax findet man hier auch von Fuji erfolgreiche und eigenständige Modelle.

Selbst im Mittelformat ist die Auswahl groß: Zu Phase One, Hasselblad, Pentax und Leica gesellt sich nun auch Fuji. Finden sich in diesem Nischenmarkt nicht schon genug Systeme?

Panasonic und Olympus teilen sich gemeinsam ein einzigartiges System, das sich von Voll- und Mittelformat völlig unterscheidet und auch noch zu APS-C einen sinnvollen Kontrast bildet. Dabei sind die beiden Marken unterschiedlich genug echte Alternativen zueinander zu bilden und den unterschiedlichen Typen von Fotografen für die das kompakte System in Frage kommt gerecht zu werden.

Ein Umstieg der beiden auf Systeme mit größeren Sensoren wäre ein Verlust für den Fotomarkt, denn eine besonders kompaktes System ginge dadurch verloren. Ein zweites System parallel zu MFT zu entwickeln und zu pflegen würde wohl die Ressourcen spalten und weder einem neuen System noch MFT nutzen.

MFT ist gut wie es ist und wie es sich entwickelt und wir alle sollten froh sein es zu haben.

Ich schätze die Innovationen von Sony und Fuji sowie die Kameras von Nikon aus eigener Erfahrung. Ich respektiere und bewundere Leute die mit Mittelformat fotografische Kunstwerke gestalten. Dasselbe gilt für die Künstler die mit Leica die Straßen heimsuchen und uns berührende Impressionen aus dem Leben der Menschen einfangen. Trotzdem bin ich ein anderer Fotograf und arbeite am liebsten mit MFT, weil mir das System Leichtigkeit, Spontanität und Freude vermittelt.

Natürlich beginnt MFT an seine technischen Grenzen zu stoßen. Zwar gibt es noch Potenzial bei Rauschverhalten und Dynamikumfang. Doch in Sachen Auflösung sehe ich nicht mehr viel Raum nach oben. Jenseits der 20 Megapixel wird die Beugungsunschärfe sehr wahrscheinlich ein unüberwindliches Hindernis darstellen, sofern die Programmierer keine Wunderwaffe dagegen erfinden. Olympus regelt nicht umsonst bei seinen Kamera im hochauflösenden Modus bei Blende ƒ8 ab. Bei 40 Megapixel nimmt der kleine Sensor über ƒ8 nur mehr Matsch auf.

Ein Drama ist die Grenze der Auflösungsfähigkeit allerdings nicht.

Mit 20 Megapixel erreicht der Fotograf ganz locker A3 bei 300ppi Auflösung. Höhere Druckauflösungen als 300ppi sind zwar möglich, bringen aber nicht mehr viel, da auch unsere Augen Grenzen im Auflösungsvermögen haben. Schärfere Details in der Wiedergabe würden also quasi in der Unschärfe unserer Augen untergehen.

Natürlich muss man mit 20MP Abstriche bei der Auflösung bei Wiedergaben über A3 machen. Doch noch bei A1 (immerhin 594×841mm) ergibt sich damit eine Auflösung von 150ppi. Wer jetzt glaubt, dass die Hälfte der empfohlenen Auflösung eine absolute Katastrophe sein muss, sollte sich einmal einen Druck eines 150-ppi-Bildes genau ansehen. Sehr genau! Denn man muss schon sehr nahe hingehen und sehr genau hinsehen, den Qualitätsmangel der geringen Auflösung zu erkennen. Aus der Distanz aus der ein A1-Poster normalerweise betrachtet wird ist die Frage ob 300ppi oder 150ppi völlig irrelevant.

Um noch einmal früher zu zitieren: Kann sich jemand erinnern vor zehn Jahren unscharfe Großflächenplakate gesehen zu haben? Damals hatten selbst professionelle Digitalkameras wie gesagt oft nur 12MP. Für ein 16-Bogen-Plakat musste diese Auflösung auf 336×238cm aufgeblasen werden. Bei 12MP ergibt sich dann eine Auflösung von 30ppi. Ist jemals jemandem aufgefallen, dass diese Plakate damals nur mit 30ppi gedruckt wurden?

Genau genommen werden sie auch heute noch mit 30ppi gedruckt, denn die Druckraster dieser Plakate sind so grob, dass mehr als 30ppi gar nichts bringen würde. Trotzdem sehen wir keinen Qualitätsmangel, da wir die Plakate aus so großer Distanz betrachten, dass unsere Augen die grobe Auflösung nicht erfassen.

Natürlich ist eine MFT-Kamera kein Arbeitsgerät für einen Werbefotografen der Motive für Plakatwände von drei und mehr Metern Breite aufnimmt. Natürlich gibt es Motive die von der präziseren Detailschärfe von Voll- und Mittelformatkameras auch bei Postern unter Plakatwandformat profitieren. Doch diese Präzision erreicht man nicht mehr indem an aus freier Hand fotografiert.

Hochauflösende Aufnahmen wirken beim Fotografieren aus freier Hand wie eine Lupe für das Zittern unserer Hände. Wer glaubt Bildstabilisierung könne das kompensieren irrt! Bildstabilisierung ermöglicht aus freier Hand bei deutlich längeren Verschlusszeiten relativ scharfe Aufnahmen. Sie ist aber gleichzeitig keine gute Zutat für absolut scharfe Aufnahmen.

Wer maximale Detailschärfe aus einem Bildsensor heraus kitzeln möchte, stellt seine Kamera am besten auf ein massives Stativ und die Bildstabilisierung ab. Nutzt man dann auch noch Spiegelvor- und Fernauslösung steht bestechend scharfen Aufnahmen nichts mehr im Wege.

Doch genau das ist nicht die Arbeitsweise für eine Kamera die auf Kompaktheit und Leichtigkeit getrimmt ist. Wer ein schweres Stativ mit zur Location schleppt hat nur mehr wenig Grund bei der Kamera und den Objektiven Gramm zu zählen.

Die Lupenwirkung der Auflösung für Verwackelung der Kamera ist übrigens auch der Grund weshalb die Sache mit dem Crop aus dem Bild schneiden wenn die Brennweite wieder einmal nicht reicht nicht so recht funktioniert, denn einen scharfen Crop gibt es nur bei einer scharfen Aufnahme. Leider werden umso mehr Aufnahmen nicht so 100% scharf ausfallen je höher die Auflösung ist.

Es gibt Mittelformatkamerasysteme mit denen sich bei fachgerechter Anwendung und dem notwendigen Aufwand Kunstwerke gestalten lassen die mit anderen Kameras unerreichbar sind. Vollformatkameras bieten Spitzenleistungen ohne, dass für sie der Preis eines Mittelklassewagens zu bezahlen ist – sie sind gut und dennoch nicht übergroß. Und es gibt kompakte Systeme wie MFT, die dadurch glänzen, dass sie auch ohne krummen Rücken professionelle Qualität bieten, auch wenn ihre Grenzen etwas enger gesteckt sind.

Freuen wir uns über die Auswahl, und dass jeder Fotograf findet, was am besten zu ihm passt, und hören wir auf Dinge zu kritisieren die außerhalb unseres individuellen Horizonts liegen. Dinge sind nicht deshalb schlecht, nur weil sie nicht das Richtige für uns sind!