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Aperture vs. Lightroom

Vor einigen Tagen postete ich auf Facebook »Ich habe mir angewöhnt die Produkte die ich nutze kritisch zu betrachten. Nicht die Produkte die andere nutzen.« Nun bekommt derzeit allerdings Lightroom sehr viel Fett von mir ab. Dabei arbeite ich eigentlich gar nicht mir Lightroom. Oder doch?

Nachdem Adobe 2007 mit Lightroom auf Apples Präsenz im Markt der Bildverarbeitung reagierte, wechselte ich zunächst zu Lightroom. Grund dafür war einerseits, dass mir Adobe mehr Kompetenz in Sachen Bildbearbeitung zu haben schien, dass ich erwartete Adobe würde Lightroom auf irgendeine revolutionäre Art mit Photoshop verzahnen und auch die Werbung, die Leute wie Scott Kelby für das Produkt machten, beeinflusste mich wohl.

Einige Monate arbeitete ich mit Lightroom, doch der strikte Workflow und die praktisch nicht individualisierbare Oberfläche samt zu wenigen Shortcut und auch hier fehlender Individualisierbarkeit trieben mich zum weitaus flexibleren Aperture zurück. Meine Erfahrung mit Lightroom beschränkt sich also nicht auf ein paar Stunden oder Tage des Testens einer Demo-Version, sondern auf mehrere Monate intensiver Arbeit damit.

Als Photoshop-User arbeite ich außerdem regelmäßig mit Adobe Camera Raw, das dem RAW-Entwicklungsmodul von Lightroom entspricht und habe von daher einen guten und permanenten Vergleich von Aperture und ACR (also Lightroom). Generell bieten beide Programme, wie auch jedes andere, Rezepte, wie die RAW-Dateien verschiedener Kameras interpretiert werden, wobei es für jede Kamera ein eigenes Rezept geben muss. Ob die Suppe, die daraus gekocht wird, dem Anwender schmeckt, ist … nun … oft einfach Geschmacksache. Darüberhinaus ist es möglich, dass Lightroom zum Beispiel für Canon-Fotografen die besseren Resultate bereit hält, Aperture hingegen für Nikon (ich habe einen solchen Vergleich nie angestellt, doch es ist nicht unwahrscheinlich, kann auch umgekehrt sein, und die RAW-Entwicklung Apertures meiner Lumix G3 war tatsächlich schauderhaft).

Ich machte zum Beispiel in meiner Lightroom-Phase die Erfahrung, dass das Programm für meine damalige Kamera, eine Nikon D80, ein ganz grauenhaft chemisches Grün für Blätter und Gräser entwickelte (was sich allerdings durch eine Änderung der Farbeinstellungen für die RAWs dieser Kamera korrigieren ließ). Als ich dann zu Aperture zurückgekehrt war hatte ich generell von vornherein ein schöneres Grün, mir fiel aber auf, dass Aperture in den Schatten von Hauttönen oft einen unschönen Grünstich produzierte, was Lightroom nicht tat – ich hatte damals keinen Vergleich zu schattigen Hauttönen von RAWs anderer Kameramodelle, aber auch hier ist es möglich, dass Aperture dieses »Problem« bei anderen nicht produzierte.

Unzufrieden machte mich – und ich denke, das geht vielen Aperture-Unsern so –, dass man nichts über den Stand der Entwicklung erfährt. Während Adobe mittlerweile im Jahresrhythmus neue Versionen von Lightroom raus klopft (und in Rechnung stellt), gibt es für Aperture zwar immer wieder Updates, doch in meinem Hinterkopf bohrt eine Stimme die hinterfragt, ob Apple Aperture eines Tages einstellen wird, oder ob zukünftige Versionen professionellen Ansprüchen noch gerecht sein werden, oder das Programm zu einem iPhoto Pro für Amateure verkommt.

Mit Zweifeln im Hinterkopf schaute ich mich im Frühjahr 2010 wieder einmal nach Alternativen zu Aperture um und testete, neben Capture One Pro und DxO Optics Pro, einmal mehr Lightroom. Einmal mehr war es die Oberfläche und die Bedienung, die Adobes Programm als Alternative gleich wieder ausfallen ließen. DxO Optics lieferte zwar beeindruckende Resultate, doch in Sachen Bedienung und Geschwindigkeit war (und ist) die Software für mich weiterhin noch keine Option. Was blieb war Capture One Pro, das zu der Zeit sowohl Aperture als auch Lightroom in Sachen Entwicklungsqualität schlug.

Ein Wechsel blieb aus, da Apple 2010 die dritte Version von Aperture veröffentlichte. Apple hatte damit in vielerlei Hinsicht wieder die Führerschaft in Sachen Funktionalität übernommen und ließen mich vorläufig dabei bleiben, wobei die offensichtlichsten Neuerungen – Faces, Places, Bücher, Filme und die Integration sozialer Netzwerke – bis heute uninteressant für mich sind.

Lange blieb die Liebe zu Aperture allerdings nicht bestehen, denn die Geschwindigkeit war, gerade bei der Arbeit mit selektiven Pinseln, äußerst zäh, und die Stabilität ließ zu wünschen übrig. Außerdem unterstelle ich, dass ich durch Abstürze Bilder verloren habe. Zwar hat Aperture sicher keine Bilder vernichtet, allerdings sind Bilder, die die Datenbank eines Programms wie Aperture nicht kennt, so gut wie nicht existent. Und nach einem Umzug der Bibliothek auf eine andere Festplatte sind sie dann eventuell Geschichte.

Von Lightroom-Usern hatte ich gelesen, dass es auch nicht gerade mit atemberaubender Geschwindigkeit glänzte, doch mein Kandidat für einen Umstieg war ohnehin Capture One. Capture One Pro hatte in meinen Augen – und wohl in den Augen vieler anderer Experten – 2011 in Sachen Entwicklungsqualität die Nase vor Aperture 3 und Lightroom 3.

Beeindruckend war für mich auch die Arbeitsgeschwindigkeit von Capture One – dass alles in Echtzeit läuft, war ich nicht gewohnt. Wo es in Capture One allerdings krankte – neben vernünftigen Werkzeugen zur selektiven Bearbeitung – war, und ist, vernünftige Tools tausende Bilder zu ordnen und zu verwalten. Diesbezüglich zog mir das Programm immer mehr die Nerven und, was fast noch schlimmer war, je mehr Bilder ich damit zu verwalten versuchte, desto deutlicher ging die Leistung in den Keller. Mit einigen Tausend Bilder war die Arbeitsgeschwindigkeit unerträglich geworden und ich beschloss entnervt Capture One zu den Akten zu legen.

Einmal mehr testete ich Lightroom. Das Programm war mittlerweile bei der Version 4 angekommen und Adobe hatte die RAW-Entwicklung grundlegend überarbeitet und zweifellos riesige Schritte gemacht. Die Qualität der Resultate war nun durchaus auf Augenhöhe mit Capture One. Während Aperture bis dahin die Nase beim Restaurieren von Lichtern vorne gehabt hatte, zog Adobe jetzt gleich – möglicherweise haben sie überholt. Das Problem blieb die Benutzerführung des Programms. Ich wusste, wenn ich mich darauf einlassen würde, würde ich mich täglich darüber ärgern. Vielleicht ist nicht nur Lightroom unflexibel, sondern ich auch. Doch ich finde Software sollte sich den Bedürfnissen der Nutzer anpassen, und nicht die Nutzer den Restriktionen der Software.

Ich kehrte Ende 2012 zu Aperture heim und erlebte eine freudige Überraschung: Apple hatte Aperture mit 3.4 ein durchaus beachtliches Upgrade spendiert. An der Oberfläche, das was in der Presse angekommen ist, mögen es nur ein paar nette neue Funktionen gewesen sein. Doch unter der Haube hat das Programm eine völlig überarbeitete RAW-Entwicklungs-Engine bekommen. Man erinnere sich: Lightroom hat das mit Version 4 auch bekommen und der Gewinn dadurch, war den Preis für ein Upgrade mit Sicherheit wert. Im Gegensatz zu Adobe jedoch spendierte Apple diese grundlegende und weitreichende Verbesserung als Update hinter dem Komma (3.4) und bat den User nicht zur Kasse. Aperture legt auf meinem Rechner heute eine solide Performance an den Tag, läuft stabil und ist in Sachen Qualität mit den Mitbwerbern auf Augenhöhe. Natürlich vermisse ich eine Objektivkorrektur, wie sie Lightroom kennt. Doch die Bedienung ist für mich um so vieles komfortabler und flexibler als bei Lightroom, weshalb ich Aperture unterm Strich bei Weitem den Vorzug gebe.

Ähnliche Gedanken scheinen auch den amerikanischen Fotografen William Beem zu beschäftigen, dessen Artikel »Thoughts on Lightroom 5 Beta« mich zu diesem Artikel veranlasst hat.

Was mich, als Aperture-User, an Lightroom bewegt, ist die potenzielle Möglichkeit Aperture tatsächlich als professionelles Werkzeug zu verlieren und vor der Wahl Capture One Pro, DxO Optics oder Lightroom zu stehen – aktuell finde ich keines der Produkte verlockend. Viele Aperture-Nutzer scheinen wieder einmal darüber nachzudenken dem Produkt den Rücken zu kehren und die Seiten zu wechseln. Das wiederum ist keine gute Tendenz für die Zukunft Apertures. Genau betrachtet verstehe ich die Nutzer aber nicht!

Stimmen die Angaben William Beems, dann erfuhr Aperture 3 seit 2010 20 kostenlose Updates (seit dieser Woche 21). Lightroom erfuhr seit der Version 3 2009 zehn Updates inklusive eines kostenpflichtigen Major-Upgrades in der Version 4. Das wesentlichste, was Lightroom 4 brachte – eine bessere RAW-Entwicklung – bekam man von Apple mit 3.4 als Gratis-Update. Beinahe die doppelte Zahl an Updates ist wohl kein Zeichen dafür, dass Aperture eingeschlafen ist, also worum geht es denn? He Apple, ich durfte nun schon drei Jahre lang kein Geld für ein Upgrade ausgeben?

Die Gedanken, die Adobe mit der Einstellung des Verkaufs beinahe ihrer ganzen Produktpalette bei mir ausgelöst hat, lassen mich wieder sehnlich auf ein deutliches Lebenszeichen von Aperture – einer Version 4 – warten. Lightrooms Weg, so bin ich mir sicher, führt früher oder später in die Cloud und in ein Abomodell. Der einzige Grund, dass es Lightroom noch zu kaufen gibt, mag sein, dass ein Abonnement wohl doch viele Kunden zurück zu Aperture treiben würde – manche auch zu den derzeit verfügbaren anderen Mitbewerbern. Dabei stehe ich Mietmodellen nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber – mein Auto ist geleast und mein Büro gemietet. Doch sowohl das Leasing für mein Auto, als auch die Miete des Büros, ließe sich jederzeit ändern. Es gibt andere Autos, andere Leasing-Gesellschaften und andere Vermieter für Büros. Kritisch wird es jedoch, wenn man sich auf ein Mietmodell einlässt, wenn es keine Alternative zu seinem Angebot gibt. Der Anbieter kann anschließend machen was er will – man ist seinen Konditionen vollständig ausgeliefert. Wer derzeit mit allfälligen Vorteilen der Creative Cloud kalkuliert (mehr, als dass es für die paar Anwender, die eine Master Collection brauchen, billiger wird, fällt mir an Vorteilen nicht ein), kalkuliert dabei auch mit dem Good Will Adobes. Wer wird schließlich garantieren, dass die vorteilhaften Konditionen für eine Master Collection langfristig halten werden? Wer garantiert denn, dass mehr als drei Programme in zwei oder drei Jahren nicht auch mehr Miete kosten?

Wenn ich auf Aperture zurück kommen darf, dann bin ich sehr gespalten was meine Erwartungen angeht. Einerseits würde ich mir wünschen, dass Tim Cook am Montag eine neue, überzeugende Version von Aperture vorstellt (wobei klar ist, dass die, die generell dagegen sind, nie zu überzeugen sind). Andererseits würde ich mir wünschen, dass Apple sich noch über den Sommer Zeit lässt, denn ab Herbst möchte ich ein neues Buchprojekt in Angriff nehmen, und mein liebstes Thema wäre Aperture 4. Liebes Christkind: Verlege doch bitte Weihnachten vor, lass Cook ein umwerfendes Aperture 4 vorstellen, das im September veröffentlicht wird. Man darf doch auch einmal an warme Eislutscher glauben!

Capture One Pro – Ineffizienz war gestern

Seit den Weihnachtsfeiertagen arbeite ich mit einem neuen Werkzeug zur Raw-Entwicklung und es wird Zeit, dass ich meiner Begeisterung Ausdruck verleihe. Vorher aber ›was bisher geschah‹:

Am Anfang war Aperture

Mein erster Raw-Entwickler war Apple Aperture. Das in der Beta-Phase befindliche Lightroom lockte aber bereits und es zeichnete sich noch vor der offiziellen Version ab, dass das Programm ein Erfolg werden würde. Immerhin kam es von Adobe und die hatten mit Photoshop Erfahrung in Bildbearbeitung wie kaum jemand sonst. Also habe ich in großen Erwartungen den Zug gewechselt und meine junge Bibliothek auf Lightroom umgestellt.

Meine Lightroom-Phase

Glücklich geworden bin ich damit nicht. Die Oberfläche des Programm ist furchtbar klobig, platzverschwenderisch gestaltet und absolut strikt. Gut. Man kann in die Kopfleiste sein eigenes Logo einpflanzen und verschiedene Schnörkel für den Abschluss der Palettenleisten definieren. Professionell finde ich diesen Umfang an Individualisierbarkeit allerdings nicht. Der Rest lässt sich kaum an die Anforderungen des Anwenders anpassen.

Dann dieses seltsame Konzept mit den fünf Räumen. Auch so eine Idee die Adobe dem Benutzer unabänderlich aufs Auge drückt. Zu allem Überfluss verknüpft das Programm mit demselben Shortcut unterschiedliche Befehle, je nach Raum, in dem ich mich gerade befinde. Zumindest in früheren Versionen war das so.

Und wenn herum nörgeln an Shortcuts sind: In InDesign, Illustrator und Photoshop rufe ich mit cmd+K die Voreinstellungen auf. Weshalb ist das in Lightroom ein anderer Kürzel?

Ihr merkt schon: Ich mag Lightroom nicht!

Zurück zu Aperture

Nach einigen Monaten unglücklicher Ehe mit Lightroom bin ich reumütig zu Aperture zurück und wenn ihr mich fragt: Es ist das bessere Programm für die Raw-Entwicklung. Zwar wird immer wieder die Kompetenz Lightrooms beim Entrauschen gelobt, aber wenn das nicht besser ist als in Adobe Camera Raw – und ich gehe davon aus es ist 1:1 die selbe Engine – dann berauscht mich das auch nicht.

Wo Aperture im Verhältnis zu Lightroom definitiv glänzt ist die Wiederherstellung von unterbelichteten und überbelichteten Bereichen – ich habe diesbezüglich einmal einen Artikel veröffentlicht.

Natürlich arbeitet das Gros der professionellen Welt mit Lightroom und ich halte die Kollegen bei Gott nicht für Nackerpatzerln. Am Ende ist es immer auch etwas subjektiv was man gut findet und was nicht. Unterm Strich findet man Licht und Schatten bei Lightroom und bei Aperture.

Lightroom vs. Aperture

Aperture wird zuweilen ein etwas zähes Ansprechverhalten nachgesagt und tatsächlich: Wer keinen Turbo im Rechner hat muss mangelnde Power mit Geduld ausgleichen. Auch die Stabilität könnte besser sein. Allerdings verfiel ich bei meinen Lightroom-Tests, die ich über die Jahren immer wieder gemacht habe, auch nicht gerade in einen Geschwindigkeitsrausch.

Was mich wundert ist, was Adobe am heutigen Tag an Neuerungen für Lightroom 4 ankündigt: Ein neues Buchmodul (sieht aus wie das, was ich von Aperture schon lange kenne); Direkte Integration von Maps (habe ich seit Aperture 3 und brauche ich so oft wie etwas anderes: Faces – nämlich exakt gar nicht).

Was ich allerdings sehr wohl brauche ist Softproofing. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich das in Aperture einmal nicht hatte. In Lightroom soll es das mit 4 jetzt auch geben. Wie um Himmels Willen! Konnte die professionelle Welt in Lightroom bislang auf den Bildschirm-Proof verzichten? Ist mir rätselhaft.

Aber wäre bei Aperture alles so, wie ich es mir vorstellte, hätte ich mich nie nach einer Alternative umsehen müssen.

Geschwindigkeit und Stabilität habe ich bereits als problematisch angesprochen. Dann verliert Aperture Bilder in der Datenbank. Ich nehme an, das passiert bei Abstürzen. Die Bilder vegetieren dann irgendwo auf der Festplatte rum. Ob die Bilder in der Aperture-Datenbank liegen oder als Verknüpfungen in separaten Ordnern ist dabei Irrelevant. Wenn Sie in Aperture nicht mehr aufscheinen sind sie so gut wie nicht mehr existent, auch wenn sie noch irgendwo auf der Festplatte Speicherplatz verspeisen.

Ein Vorteil von Aperture war für mich unter anderem die Integration in das Gesamtsystem Apple, bestehend aus meinen Macs, iPhone, iPad und mobileMe. Aber die Alben von mobileMe sollen nach der Einführung von iCloud sterben. iCloud ist mir noch immer suspekt. Und Fotostream, das Bilder annähernd in Echtzeit auf allen Geräten eines Anwenders verteilt, hat bei mir mehr Unordnung als Nutzen gestiftet.

Das schlimmste ist bei Aperture allerdings, dass man keine Ahnung hat, was Apple weiter damit vor hat. Lightroom-User sehen durch die neue Beta, dass an ihrem Programm was weiter geht. Aber Apple macht ja aus allem ein Staatsgeheimnis. Das wäre nicht so schlimm, wenn man von einer professionellen Weiterentwicklung ausgehen könnte. Leider ist bei mir der Verdacht gekeimt, Apple mache aus dem Profi-Werkzeug langfristig ein Aufsteiger-iPhoto für Hobbyfotografen und lässt den professionellen Anspruch fallen.

Was nun?

Frustriert habe ich vor Weihnachten wieder einmal ein Auge auf das aktuelle Angebot an in Frage kommenden Werkzeugen geworfen. Zunächst einmal natürlich wieder der Blick auf Lightroom. Allerdings brauchte ich nicht lange um sicher zu sein, dass damit für mich noch nicht einmal eine Vernunftehe möglich ist.

DxO Optics

Durch einen Tweet von Zoomyboy bin ich wieder auf DxO Optics Pro aufmerksam geworden. Und – wow! – was das Programm an Schärfe in ein Bild rein zaubern kann hat mich echt umgehauen. Weniger begeistern kann die Geschwindigkeit. Auf meinem Rechner waren die paar Tests mit der Software eine zähe Tortur. Mein MacBook ist nicht mehr das jüngste, aber wenn ich die Leistung mit Aperture vergleiche, dann erscheint das Apple-Programm plötzlich wie ein Ferrari.

Die Geschwindigkeit ist allerdings nicht alleinige KO-Kriterium für das Programm aus Frankreich. Darüber hinaus erscheint mir der Funktionsumfang recht überschaubar und vor allem die Individualisierbarkeit der Oberfläche zu begrenzt. Zum Beispiel habe ich keinen Dialog gefunden um Shortcuts zu individualisieren.

Wer jedoch ein Programm sucht, das Objektiv-Fehler und Verzerrungen kompetent aus Bildern heraus rechnen kann und rattenscharfe Ergebnisse erzielt, der sollte vielleicht zumindest als Zweitprogramm einen Blick auf DxO Optics werfen.

Bibble

Weiters habe ich mir auch Bibble wieder einmal angesehen. Auch hier spricht mich allerdings die Oberfläche nicht wirklich an und auch hier hatte ich den Eindruck, dass Anpassungen an individuelle Arbeitsweisen nur sehr eingeschränkt möglich sind.

Capture One Pro

Capture One Pro dürfte wohl so etwas wie der Mercedes unter den Raw-Entwicklern sein – zumindest was den Preis angeht. 300 Euro muss hinblättern, wer die Pro-Version kaufen möchte. DxO, Bibble und vor allem Aperture sind absolute Schnäppchen dagegen. Allerdings bekommt man für dieses Geld auch eine ganze Menge Professionalität.

Capture One stammt von Phase One. Phase One ist ein dänischer Hersteller von Mittelformat-Kamerasystemen und bietet soweit ich weiß die Kameras mit der höchsten Sensorauflösung an – aktuell bis zu 65 Megapixel. Capture One scheint der professionalität dieser High-End-Geräte nicht nach zu stehen.

Nach etwa drei Wochen der Arbeit mit Capture One Pro kann ich mich vor Begeisterung kaum halten. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass eine um so vieles bessere Raw-Entwicklung möglich ist. Die Resultate heben sich um Welten von dem ab, was ich mit Aperture oder Adobe Camera Raw aus meinen Bildern raus hole.

Ebenso überzeugend wie die Resultate sind, ist auch die Performance mit der das Programm zur Sache geht. Man arbeitet quasi in Echtzeit. Wartezeiten im Arbeits-Workflow gibt es kaum. Lediglich beim Exportieren von Bildern oder während des Imports lässt man dem Programm besser seine Ruhe. Allerdings sind diese Vorgänge bedeutend schneller abgeschlossen, als ich es von Aperture kenne. Viele Aktionen, wie zum Beispiel das Kopieren und Einsetzen von Entwicklungseinstellungen geht auch über dutzende Bilder hinweg so schnell, dass man sich zunächst fragt, ob das Programm jetzt überhaupt etwas gemacht hat.

Dabei scheint Capture One äußerst Ressourcenschonend mit den Recheneinheiten meines Macs umzugehen. Während Aperture die Lüfter des Laptops immer wieder einmal zum Großeinsatz aufruft, kann ich mich nicht erinnern sie schon einmal wegen Capture One groß in Aufregung gehört zu haben.

Ein weiterer Punkt der mich aus den Socken haut, ist die Benutzerfreundlichkeit und Flexibilität der Oberfläche. Der Benutzer kann jedes Detail exakt so einrichten, wie er es haben möchte. Der Funktionsumfang ist immens. Trotzdem bleibt das Programm wie gesagt intuitiv sehr zugänglich und einfach zu bedienen. Ich habe mir etwa eine Stunde lang Schulungsvideos angeschaut und nach ganz kurzer Einarbeitungszeit fühlt sich das Programm an als würde ich seit Jahren damit arbeiten.

Doch nicht nur die Oberfläche lässt sich beliebig konfigurieren. Für beinahe jedes Detail lassen sich Shortcuts konfigurieren. Ich kann Belichtung, Kontrast, Helligkeit, Sättigung, Weißableich und Färbung über Tastatur steuern. Performance und Effizienz der Oberfläche geben der Sortierung und Ausarbeitung von Bildern eine mir bislang unbekannte Dynamik.

Der Umgang mit Farbmanagement ist ein Traum. Man richtet ein Ausgabeprofil ein, definiert das Farbprofil dafür und mit einem Klick hat man den entsprechenden Softproof am Bildschirm vor Augen. Automatisch passen sich Farbwerte an den Farbraum des Zielprofils an. Im Grunde ein Detail. Aber eines von vielen, dass das Arbeiten mit Capture One zum flüssigen Vergnügen macht. Mich ärgert nur, dass ich jetzt erst damit arbeite.

Was ich weiters an Capture One schätze ist, dass es nicht wie Lightroom und Aperture auf einer Datenbank basiert. Vielmehr greift man auf beliebige Verzeichnisse auf angeschlossenen Festplatten zu. Also eher so wie der Finder am Mac, der Explorer unter Windows oder Bridge. Dateileichen auf Grund von Fehlern in der Datenbank sind somit ausgeschlossen. Die Entwicklungseinstellungen werden schlicht als XML-Datei in einem Ordner im Verzeichnis der Bilder abgelegt. Clever, die Dänen!

Wo Licht ist, ist aber auch Schatten – das soll nicht verschwiegen werden. Lightroom-Benutzer können – im Gegensatz zu Aperture-Anwendern – Objektivfehler aus Bildern heraus rechnen lassen. Capture One Pro kann das zwar auch. Allerdings nur für ausgesuchte Objektive von Mittelformatkameras. Der Anwender kann zwar manuell Fehler wie Verzerrungen und Chromatische Aberation beseitigen, doch der Luxus, das auf Basis unter Laborbedingungen entwickelten Werten automatisch ausführen zu lassen fehlt.

Aperture hat tolle Retusche Werkzeuge. Capture One hat zwar auch ein Flecken-Entfernungswerkzeug, doch im Verhältnis zur Professionalität des restlichen Programms ist das doch von eher peinlicher Qualität und Funktionalität.

Capture One beherrscht auch selektive Bildbearbeitung mit Pinseln. Das Konzept diese Arbeiten über Ebenen zu verwalten ist eine für erfahrene Photoshoper gut nachvollziehbare und leicht zu verwaltende Idee. Doch das Pinselwerkzeug bietet wenig Einstellungsmöglichkeiten, der Radierer radiert gleich einmal alles aus und die Ebenen lassen sich nicht in Ihrer Deckkraft reduzieren, was einiges Potenzial zur kreativen Bildentwicklung mit sich bringen würde.

Was ich von Aperture vermisse ist ein Regler für Lebendigkeit (in Lightroom sollte das wohl Dynamik heißen). Außerdem fehlt mir auch ein Kanalmixer.

Trotz dieser Schönheitsfehler hat mich Capture One Pro bislang völlig überzeugt und ich glaube meine Begeisterung wurde im vorangegangen Text offensichtlich. Wer nicht zu 100% glücklich ist mit seinem Raw-Entwicklungswerkzeug, oder einfach einmal über den Tellerrand hinaus schauen möchte, dem kann ich nur empfehlen die Demoversion des Programms bei Phase One herunter zu laden und einmal auf Herz und Nieren zu testen. Vielleicht versteht ihr meine Begeisterung dann.

Neu in CS5: Freistellen mit Raster

Ein kleine, aber sinnvolle Weiterentwicklung findet sich beim Freistellungswerkzeug. Diesem Werkzeug hat Adobe zwei verschiedene Raster spendiert.

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Das Drittel-Regel-Raster wird alle freuen, die fotografische, bilgestalterische Regeln bei der Komposition ihrer Bildbeschnitte anwenden.

Das Raster-Raster ist ganz angenehm, wenn man mit Hilfe des Freistellungswerkzeugs perspektivisch verzerrte Bilder gerade richten möchte. Dazu aktiviert man in der Optionen-Palette die Option Perspektivisch, woraufhin man die Anfasser an den Ecken des Freistellungsrahmens beliebig verschieben kann.

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Die Abbildung oben zeigt wie ich den Freistellungsrahmen mit Hilfe des Rasters an die Perspektive der Kirche angepasst habe. Leider sind die filigranen, grauen Linien teilweise etwas schwer zu erkennen. Außerdem wünschen wir uns für CS6, dass wir die Weite des Rasters verändern, oder, noch besser, die Rasterlinien mit der Maus verschieben können. Nach dem Bestätigen sieht das Ergebnis aus wie unten.

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Da ich die Freistellungsauswahl über das Bild hinaus erweitert habe, ist im linken oberen Eck eine weiße Fläche entstanden. Mit dem Lasso habe ich sie schnell eingefangen (Yihaa!) und durch drücken der Delete/Backspace-Taste wurde der Fläche-füllen-Dialog aufgerufen; über Inhaltsensitiv (Content-Aware) habe ich die Auswahl mit Struktur und Farbe der Umgebung gefüllt (bzw. Photoshop hat das für mich gemacht).

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Noch ein Wunsch für CS6? Gebt uns einen Befehl, über den wir inhaltsensitives Füllen direkt anwenden können, ohne den Füllen-Dialog zu Gesicht zu bekommen, so wie ⌥/alt+Delete/Backspace für Füllen mit Vordergrundfarbe und ⌘/strg+Delete/Backspace für Füllen mit Hintergrundfarbe.

Neu in CS5: Puppet Warp in Photoshop

Eine weitere Neuerung in Photoshop CS5 stellt das dar, was in der englischen Version “Puppet Warp“ heißt, und mit der man Figuren und Formen verbiegen kann.

Zum Testen und demonstrieren habe ich ein Selbstportrait herangezogen, bei dem ich mich vom Hintergrund freigestellt und auf eine neue Ebene kopiert habe. Auf der Ebene darunter habe ich mich dann vor der Fassade gelöscht und zwar mit Hilfe des Content-Aware-Füllens. Das Resultat dieser Aktion war zwar etwas absonderlich (bzw. nicht anders, als man es bereits von den Reparatur-Pinsel-Werkzeugen in schwierigen Fällen gewöhnt ist), aber ausreichend, da ja dieselbe Figur an derselben Stelle in der Ebene darüber noch immer vorhanden war.

Nun wähle ich im Menü EditPuppet Warp; daraufhin erscheint auf der ausgewählten (oberen) Ebene ein Gitter über meiner Figur. Über die Option Show Mesh lässt sich dieses Gitter ausblenden.

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Klick für Klick kann man nun die Figur mit Pins versehen, die als gelbe Punkte dargestellt werden. Es empfiehlt sich über eine ganze Reihe an Pins die Figur zuerst einmal zu fixieren, bevor man mit dem Verbiegen beginnt.

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Nun kann man die gesetzten Pins verschieben und damit die Form oder Figur verbiegen; über ⇧-Klick lassen sich auch mehrere Pins auswählen und miteinander verschieben. Ich habe zum Einen die rechte Hand (vom Betrachter aus, also meinte linke) etwas nach oben verschoben und verbogen und zum anderen das linke Bein (mein rechtes Bein) etwas angehoben.

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Das Resultat sieht, nachdem ich Puppet-Warp mit [Enter] bestätigt habe, aus, wie in der Abbildung unten.

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Jetzt müsste mir nur noch einfallen, wofür ich das in Zukunft brauchen könnte.

Neu in CS5: Lens Correcton Reloaded

Cool. Adobe hat die Lens Correction überarbeitet (zu deutsch »Objektivkorrektur«) und endlich dort untergebracht, wo sie immer hin gehörte: Ins Hauptmenü des Menüs Filter. Und dabei werden jetzt nicht nur manuelle Korrekturen angeboten, sondern Lens Correction kann nicht nur manuell korrigieren und auch automatisch optimiert für die Kamera und vor allem für das spezifische Objektiv (Lens Correction liest das aus den Metadaten aus). Wow! Das ist es nun: Lens Correction Reloaded.

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Allerdings Reloaded mit Ladehemmung.

Für meinen Test habe ich ein Bild herangezogen, das ich vor etwa zwei Jahren mit der Nikon D80 und dem recht populären 18–200mm-Objektiv aufgenommen habe. Automatisch findet Lens Correction weder die Kamera, noch das Objektiv. Fast schaut es so aus, als würde Lens Correction gar keine Nikon-Geräte anbieten.

Nach ein paar Klicks überlegt es sich Lens Correction doch anders und bietet für Nikon zwei (!) Kameras an – die DX3 und die D90. Weder andere aktuelle Modelle sind zu finden, geschweige denn ein bereits verabschiedetes, aber nach wie vor sehr populäres Modell wie die D80.

Ich entscheide mich aufgrund des fehlenden korrekten Modells für die D90 als nächstgelegene Alternative und suche mir aus dem Menü für die Linsen dann das 18–200-Objektiv heraus, das sich zwar in der Liste befand, aber nicht automatisch angeboten wurde.

Das Endresultat überzeugt in meinen Augen nicht mehr als die Resultate, die die, mit CS4 ausgelieferte, Objektivkorrektur möglich machte und die Adobe wohl bewusst im Untermenü »Verzerrungsfilter« des Menüs Filter versteckt hat.

Es bleibt zu hoffen, dass Adobe die riesigen Löcher in der Kameradatenbank rasch stopft und damit bessere Ergebnisse erzielt werden. So hätte der Filter ruhig unter »Verzerrungsfilter« versteckt bleiben können. Professionellen Ansprüchen wird das nicht gerecht und Amateure fangen damit sowieso nicht viel an, wenn Linse und Kamera nicht automatisch korrekt erkannt und korrigiert werden.

Neu in CS5: HDR-Toning

Vor kurzem noch habe ich einen Tweet gesetzt, dass mir die nun endlich brauchbare Implementierung von HDR in Photoshop drei Jahre zu spät kommt.

Neben der verbesserten Umsetzung von echten HDR-Aufnahmen auf Basis mehrerer Belichtungen, hat Adobe auch eine einfachen Korrektur-Dialog (allerdings nur destruktiv, nicht als Einstellungsebene) hinzugefügt. Zu finden ist dieser Dialog im Menü KorrekturenHDR-Toning (die deutsche Übersetzung kenne ich im Moment noch nicht). Daraufhin öffnet sich eine Dialog, der dem neuen Dialog zum Erstellen eines echten HDR aus mehreren Belichtungen nachempfunden ist.

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Mit etwas Rumspielen an den Reglern bin ich zum unten abgebildeten Ergebnis gekommen.

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Nun: Obwohl ich HDR satt habe und keine übertriebenen HDR-Bilder mehr sehen kann, hat mir das Rumspielen damit echt Spaß gemacht. Ich freue mich schon darauf mehr damit rum zu experimentieren. 🙂

Neu in CS5: Smarterer Bereichsreparatur-Pinsel

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Das Content Aware Füllen habe ich ja bereits vorgestellt und dabei war wohl nicht zu übersehen, dass mich die Funktion nicht wirklich überzeugt.

Bisher weniger laut angekündigt hat diese Technologie wohl auch auf das Bereichsreparatur-Pinsel-Werkzeug abgefärbt (wer verbricht eigentlich solchen Namen). Für dieses Werkzeug lässt sich nun als Arbeits-Option über die Werkzeugeinstellungen Content-Aware aktivieren (scheint standardmäßig voreingestellt zu sein), was die Leistung des Werkzeugs tatsächlich deutlich verbessert, was in den beiden Screenshots unten zu sehen ist.

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Neu in CS5: Content Aware Fill in Photoshop

Eines, der Features, die im Vorfeld zu Photoshop CS5 am meisten Aufmerksamkeit erregt haben, ist das inhaltsbewahrende Füllen (oder wie das auf deutsch heißen wird). Damit lässt sich ein Bereich auswählen, die Löschen-Taste drücken und das ausgewählte Objekt verschwindet und der Bereich innerhalb der Auswahl wird mit derselben Struktur gefüllt, wie im Umfeld zu sehen ist.

In niedrig aufgelösten und deutlich komprimierten Demonstrationsvideos sieht so eine Technologie immer unheimlich beeindruckend aus. In der Praxis machen diese Technologien aber vor allem einen Haufen Mist. Das war schon bei ›der‹ großen Innovation von Photoshop CS4 so: »Skalieren (Inhalt bewahren)«.

Auch diese Funktion löste wohl bei Allen bei der ersten Begegnung beeindrucktes Staunen aus. Aber hat das jemand mal in der Praxis brauchen können? Ich habe es in der vergangenen 15 Monaten einmal eingesetzt und das Resultat war lausig. Obwohl die Aufgabe denkbar einfach gewesen wäre, entstand eine hässliche und unnatürliche Struktur, die zwar nicht besonders auffällig war doch im Druck sicher zu erkennen gewesen wäre. Also musste ich mit Stempeln und Störungen nachbessern. Mit altbewährten Techniken wäre das besser gegangen, allerdings braucht man für diese Techniken natürlich mehr Erfahrung und Kreativität in der Anwendung der Möglichkeiten.

Die neue Funktion scheint mir nicht viel anders zu sein: Sieht auf den ersten Blick beeindruckend aus, bei näherem Hinsehen hinterlässt es aber oft kein Resultat, das professionellen Ansprüchen gerecht wird. Ich habe bereits einige Tests durchgeführt und kann keinen Vorteil der neuen Technik gegenüber den bisherigen Möglichkeiten mit Stempel, Ausbessern-Werkzeug und den beiden Bereichsreparaturpinsel-Werkzeugen feststellen. Innovationen sehen anders aus. Aber der Profi hat eh längst bemerkt, dass es weniger die groß angekündigten, scheinbar spektakulären Weiterentwicklungen von Photoshop sind, die ein Upgrade für ihn rechtfertigen, sondern meist eher die kleinen Detailänderungen.

Die Abbildung unten zeigt einen Test mit einem Bild, das ich bereits im Photoshop CS3 Workshop-Buch eingesetzt habe und das ich noch immer gerne in Seminaren verwende um das Ausbessern-Werkzeug zu erklären.

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Ich habe Auswahlen um die drei Objekte gemacht die ich entfernen möchte und die Löschen-Taste (Backspace) gedrückt und mich für Content-Aware-Löschen entschieden. Das Resultat ist unten zu sehen (im Screenshot natürlich nicht wirklich angemessen wiedergegeben).

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Überrascht war ich vom Resultat links, wo ich die Hütte entfernt habe. Da hätte ich mit einem bedeutend schlechteren Ergebnis gerechnet, doch wenn man nicht genau hinsieht (in meiner hochaufgelösten Vorlage), dann ist das Resultat kaum zu sehen. Schlechter sieht es mit der Heumaschine und dem Pfosten aus. Dort hat Photoshop die Struktur der Wiese vorne in den hinteren Bereich darüber erweitert und das ist auffällig und inakzeptabel. Mit dem Ausbessern-Werkzeug geht das besser, weil ich damit die Definition des Quell- und Zielbereichs nicht der dummen Software überlasse (jede Software ist dumm). Länger dauert es mit dem Ausbessern-Werkzeug auch nicht.

Content-Aware füllen ist sicher kein Grund, weshalb man unbedingt auf CS5 upgraden muss. Es wird aber andere Dinge geben, die das Arbeiten mit der neuen Version angenehmer machen. Außerdem dreht sich das Upgrade-Hamsterrad ohnehin von selbst und wir werden nicht gefragt ob wir mitlaufen wollen, denn wenn wir aussteigen, dann verlieren wir den Anschluss. Und aufgrund der geänderten Upgrade-Preispolitik bei Adobe spart man auch praktisch eine Kohle mehr, wenn man eine Version überspringt. Schade eigentlich. Ich habe das Adobe immer angerechnet, es als Ansporn für den Konzern betrachtet, mit jeder Version Neuerungen zu bringen, für die der Kunde gerne bezahlt und für mich waren sei den Upgrade-Preis auch immer Wert.

Neu in CS5: Arbeitsbereiche mit Gedächtnis

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Das Konzept der Arbeitsbereiche gibt es in der Adobe Creative Suite schon länger. Wichtig, bei der großen Anzahl an Paletten (oh, sorry: es sollte seit CS3 natürlich Panele heißen) die die Programme mittlerweile haben.

Für alle, die das Konzept nicht kennen: ein Arbeitsbereich speichert die Position von Paletten am Bildschirm (und mittlerweile kann der Arbeitsbereich noch bedeutend mehr speichern, allerdings nichts wirklich Bedeutendes). Das heißt, man kann in Photoshop (und InDesign und Illustrator) werken und Paletten in der Gegend rum stehen lassen wie man will, wählt man einen Arbeitsbereich, werden alle Paletten wieder dort so untergebracht, wo und wie sie standen, als man den Arbeitsbereich gespeichert hat.

Neu ist, dass diese Paletten nun nicht nur als Menü erschienen, sondern gleich als Schaltfläche. Soll das Umschalten noch leichter machen.

Neu ist in Photoshop auch, dass die Arbeitsbereiche nun ein Gedächtnis haben. Das heißt, wenn ich in einem Arbeitsbereich einen Saustall hinterlasse, in dem Paletten wie Kraut und Rüben drunter und drüber irgendwo liegen, auf einen anderen Arbeitsbereich umschalte und dann wieder zurück zum ersten Arbeitsbereich komme, dann hat sich Photoshop den Saustall gemerkt. Bemerkenswerte Innovation!?

Wie auch immer. Um die im Arbeitsbereich gespeicherte Ordnung wieder herzustellen muss ich den Arbeitsbereich zurücksetzen (so heißt das in der deutschen Version von CS4 — in meiner englischen CS5-Version heißt es Reset »Arbeitsbereich«. Am schnellsten geht das Zurückstellen in CS5 mit einem Rechtsklick auf die Schaltfläche, die den Arbeitsbereich repräsentiert.

RAW und Photoshop

RAW ist eine feine Sache: Sie machen eine Aufnahme mit Ihrer SLR-Kamera – die Einstellungen für den Weißabgleich, die Tonwertkorrektur, die Belichtung, Schärfe und so weiter nehmen Sie erst anschließend am Computer vor. Ein Foto das Sie mit der Kamera als JPEG oder TIFF gespeichert haben hat das alles bereits (relativ) unveränderlich gespeichert – ein unterbelichtetes Bild ist ein unterbelichtetes Bild und kann nur mehr in engen Grenzen aufgehellt werden.

Und das schöne an RAW: Sie können die Einstellungen an der RAW-Datei jederzeit wieder rückgängig machen oder nachbearbeiten, ohne dass sich die Qualität des Datenmaterials dabei verändert (und/oder verschlechtert).

Photoshop unterstützt die RAW-Einstellungen allerdings nicht intern. Wenn Sie eine RAW-Datei mit Photoshop öffnen erhalten Sie den RAW-Import-Dialog in dem Sie die Einstellungen vornehmen können und das Bild wird anschließend mit diesen Einstellungen importiert. Die Einstellungen sind jetzt für das Photoshop-Bild übernommen und quasi in die neue Datei einzementiert.

Wenn Sie die ›Möglichkeiten‹ von RAW dennoch behalten und in der Lage sein möchten die Vorzüge dieses Dateiformates jederzeit wieder aufzurufen und zu nutzen, dann gehen Sie wie folgt vor:

Erstellen Sie eine neue Photoshop-Datei und wählen Sie über ›Datei‹ | ›Platzieren‹ Ihr Bild. Photoshop öffnet dann den gewohnten RAW-Import-Filter. Sie nehmen Ihre Einstellungen vor und bestätigen Ihre Eingaben mit ›Öffnen‹. Photoshop platziert das Bild dann als sogenanntes ›SmartObject‹ in einer neuen Ebene. Sie können das Bild danach über die Palette ›Ebnen‹ bearbeiten wie gewohnt.

Die Bearbeitungsmöglichkeiten sind jetzt zwar etwas eingeschränkt. Sie haben keine Möglichkeit beispielsweise die Einstellungen ›Anpassen‹ aus dem Menü ›Bild‹ anzuwenden (›Tonwertkorrektur‹, ›Farbton/Sättigung‹, etc.) zu verwenden. Ebenso wenig können Sie Filter auf das ›SmartObject‹ anwenden. ›Tonwertkorrektur‹ etc. können Sie jedoch gleichwertig über ›Einstellungsebenen‹ anwenden. Außerdem funktionieren natürlich Ebenenmasken.

Der große Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, dass Sie über Menü ›Ebene‹ | ›Smart Objekte‹ (was für eine grauenhafte Übersetzung!) | ›Inhalt bearbeiten‹ den RAW-Dialog jederzeit wieder aufrufen können und die RAW-Einstellungen bearbeiten.