Archiv der Kategorie: Digitale Dunkelkammer

Filter-Klassiker für lau

Die legendären Nik-Filter sind jetzt noch günstiger – nämlich gratis!

Die Nik-Filter-Collection ist eine Sammlung an Plugins für Photoshop, Photoshop Elements und Lightroom, unter anderem um Bilder Schwarzweiß, mit Farbeffekten oder im analogen Look zu entwickeln. Besonders das Schwarzweiß-Entwicklungs-Tool »Silver Efex Pro« erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit bei Fotografen.

Ich selbst konnte mich nie so recht durchringen die Collection zu kaufen da ich für analoge Looks und Schwarzweiß Exposure von Alien Skin bevorzuge. Doch jetzt da die Software gratis ist habe ich sie mir nun doch geholt und freue mich damit zu arbeiten. Ich gehe zwar aus, dass Google die Software nur deshalb verschenkt weil das Produkt nicht weiter unterstützt wird. Aber einige Jahre werden die Programme sicher noch laufen und bis dahin kann man den geschenkten Gaul ja nutzen.

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Capture One: Arbeitsbereich und Shortcuts

Da es nach meinen Capture-One-Videos offensichtlich Interesse an meinen Arbeitsbereichs- und Shortcut-Einstellungen gibt stelle ich sie hier gerne als Download zur Verfügung. markuswaegersAB.plist ist mein Arbeitsbereich. Dieser muss am Mac im Ordner Benutzer/Library/Application Support/Capture One/Workspaces untergebracht werden. markuswaegersSCs.plist sind meine Shortcuts. Diese gehören in den Ordner Benutzer/Library/Application Support/Capture One/KeyboardShortcuts. Ob die beiden Dateien auch unter Windows funktionieren und wo sie dort untergebracht werden muss kann ich leider nicht sagen. Aber vielleicht kommentiert das ja noch jemand der darüber Bescheid weiß.

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Phase One veröffentlicht Capture One Pro 9

Phase One stellt Capture One Pro 9 vor. Das überrascht mich wirklich denn eigentlich hätte ich mit einem längeren Produktzyklus gerechnet (habe in letzter Zeit wohl die einschlägigen Gerüchteküchen zu selten besucht). Ich bin jedenfalls gespannt was sich für mich ändert. Oberflächlich fällt vor die allem verbesserte Verwaltung von Stichworten auf, aber das ist ein Thema das an mir eher vorüber geht. Ich würde gerne schon bald ein bisschen über das Upgrade berichten, doch die aktuellen Baustellen werden wohl kaum zulassen, dass das schnell geschieht.

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Capture One 8.3

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Der dänische Hersteller von Mittelformatkameras Phase One, hat gestern sein Programm zur RAW-Entwicklung Capture One auf die Version 8.3 aktualisiert – ein Anlass für mich wieder einmal auf die Software hinzuweisen. Wer sich wie ich mit Adobe Photoshop Lightroom nicht so recht anfreunden kann findet darin eine exzellente Alternative.

Capture One ist zwar (für nicht Sony-Fotografen) ein ordentliches Stück teurer als Lightroom, bietet dafür aber eine wesentlich flexiblere Oberfläche mit Massig Möglichkeiten die Bedienung an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Darüber hinaus bin ich auch der Meinung, dass Capture One Lightroom in Sachen Qualität schlägt.

Ein etwas ausführlicherer Bericht über meinen Eindruck von Capture One findet sich hier. Wer das Programm kennenlernen möchte kann es kostenlos bei phaseone.com herunterladen und einen Monat lang ohne jegliche Einschränkung testen.

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Capture One 8 – der beste RAW-Konverter aller Zeiten

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Nach dem Ende von Apple Aperture fragte ich mich wie es für mich in der digitalen Dunkelkammer weitergeht. Ohne Bedenken bezüglich der Ausarbeitungsqualitäten von Adobe Lightroom zu hegen ist mir dessen Interface und strikte Benutzerführung leider zuwider – es würde noch viel brauchen bevor ich mich dazu durchringen könnte mit diesem Programm zu arbeiten.

Ich will keinem Lightroom-User zu nahe treten. Ich weiß, dass viele Kollegen die ich schätze mit Lightroom arbeiten. Für mich kommt es aber nicht in Frage.

Die Aussichten auf eine Alternative nach Aperture und zu Lightroom waren zunächst trübe. Ich warf wieder einmal einen ausgiebigeren Blick auf DxO Optics, doch dessen Bedienung ist kaum komfortabler als bei Lightroom, die Bildverwaltung großer Bestände hinkt Lightroom hinterher und die Resultate befriedigen mich nur gelegentlich

Corels AfterShot macht mir schon bei oberflächlicher Betrachtung einen wenig einladenden Eindruck, so dass ich mich erst gar nicht tiefer damit befasste. Kaum mehr begeistern konnte mich das OpenSource-Projekt RawTherpee. Ich sah mir auch ACDSee genau an, fand daran durchaus Stärken, doch überzeugt hat es mich nicht.

Was blieb und bleibt war und ist Capture One Pro. Ich hatte bereits vor Jahren einige Monate damit gearbeitet und war von den Ausarbeitungsqualitäten des dänischen Produkts begeistert. Leider scheiterte es damals daran, dass Capture One Pro 6 nicht für die Verwaltung umfangreicher Bildbestände ausgelegt war. Capture One Pro 7 versprach diesbezüglich zwar Besserung, war aber auf meinem Rechner in Sachen Stabilität und Geschwindigkeit untragbar. Apple hatte in der Zwischenzeit mit Aperture 3.3 nachgebessert, weshalb es mich wieder dahin zurück zog.

In den letzten Monaten wurde leider zunehmend gewiss, dass Aperture im Sterben lag, und dass es galt sich nach etwas anderem umzusehen.

Meine weitere Strategie sah so aus, dass ich für die Bildentwicklung wohl zu Capture One wechseln, die entwickelten Bilder als JPEG oder TIFF exportieren und die Verwaltung meiner Alben (weiterhin) mit Aperture und später mit dem Nachfolger Photos machen würde. Dem kam auch entgegen, dass ich mittlerweile die Werkzeuge Tonality und Intensify von MacPhun, die Plugins von Topaz und von Alien Skin Exposure kennen und schätzen gelernt hatte, die meine Bildbearbeitung auf einen neuen Level gehoben haben und TIFFs bzw. JPEGs zur Entwicklung voraussetzen.

Nun, rechtzeitig zur Photokina und rechtzeitig für mich, hat Phase One Capture One 8 vorgestellt.

Die Dänen haben die Lücke, die durch das Ableben von Aperture entstanden ist, erkannt und rasch gehandelt: Nicht jeder Fotograf will mit Lightroom arbeiten. Eine Alternative ist dringend notwenig. Und zwar eine die den Bedürfnissen der Fotografen entgegen kommt, nicht nur dem Bedürfnis eines Unternehmens Kohle zu machen.

Capture One ist ein Programm von Profis für Profis und das einzige Programm das – jedenfalls nach meiner Meinung – professionell gestaltet ist. Die Oberfläche ist vollständig individualisierbar (mein größter Kritikpunkt an Lightroom) und beinahe jeder Handgriff lässt sich mit Shortcuts belegen. Belichtung, Weissabgleich, Kontrast, Sättigung, Lichter, Schatten – das alles und vieles mehr kontrolliere ich via Tastatur ohne eine Palette eingeblendet haben zu müssen. Die Individualisierbarkeit einer Logo-Plakette in der linken oberen Ecke nimmt sich dem gegenüber – sorry! – lächerlich aus.

Capture One macht nun umstiegswilligen Aperture-Usern ein verlockendes Angebot: Es kann Aperture-Biblotheken importieren (Lightroom-Bibliotheken übrigens, nebenbei gesagt, ebenso). Das funktioniert völlig unkompliziert über einen schlichten Importieren-Befehl, ohne dass der Benutzer sonst irgendwelche Vorbereitungen treffen müsste, also ohne, dass irgendwelche Instructions gelesen oder Video-Anleitungen gesehen werden müssten. Dabei übernimmt Capture One nicht nur Bewertungen, Farbmarkierungen und Schlüsselwörter, sondern alle wichtigen Einstellungen zu Belichtung, Sättigung, Lichtern, Schatten, Beschneidung, Drehung, Weißabgleich bis hin zur Schwarzweißentwicklung.

Natürlich gehen dabei einige Einstellungen verloren, wohl vor allem bezüglich Retusche, etc. Allerdings ist die übernommene Bibliothek absolut in Ordnung und die von Capture One nach den Vorgaben von Aperture vorgenommenen Entwicklungen sind mehr als brauchbar, teilweise besser als das was man zuvor in Aperture hatte.

Natürlich ist so ein Umstieg, egal ob von Aperture oder von einem anderen Programm, niemals lustig. Doch die Qualität die Capture One 8 liefert haut mich schlicht aus den Socken. Sämtliche RAW-Konverter mit denen ich bislang arbeitete sehen im Vergleich alt aus. Phase One hat mit der Version 8 auch eine große Schwäche von Capture One ausgebessert: C1 8 hat endlich sehr gute Retusche-Werkezeuge. Außerdem gibt es eine SW-Entwicklung die durch eine gute Grain-Funktion (Simulation analogen Filmkorns) außerordentlich genial geworden ist. Capture One 8 ist das beste SW-Entwicklungstool mit dem ich bislang arbeitete und scheint das von mir in letzter Zeit geliebte Alien Skin Exposure ebenso überflüssig zu machen wie das gerade erst erstandene Macphun Tonality.

Noch kratze ich an der Oberfläche von Capture One Pro 8, da mir im Moment die Zeit fehlt mich in aller Tiefe damit zu befassen. Es wäre nicht das erste mal, dass mich die Zeit lehrt, dass nicht so genial ist, was mich im ersten Moment begeisterte. Die Zeit entlarvt viele Schwächen. Aufgrund meines Zeitmangels möchte ich meinen positiven Eindruck auch nicht mit Bildern belegen. Besser ist ohnehin ihr macht euch einen eigenen Eindruck. Es gibt eine Demo-Version von C1 8 die ihr zwei (!) Monate lang ohne Einschränkungen nutzen könnt.

OK. Capture One kostet 229 Euro. Doch nach meiner Einschätzung bringt das Programm dem ambitionierten Fotografen mehr als noch Luxusobjektiv – viel mehr! Und so betrachtet habt ihr euch, wenn ihr C1 statt des x-ten Objektivs kauft, wahrscheinlich 600 bis 1800 Euro gespart.

Ihr seht: Ich bin begeistert.

Für alle die einen Einblick in das Programm erhalten wollen habe ich den Screencast »Ein kompakter Überblick über Capture One« aufgenommen.

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Apple: Das mit Aperture ist echt Scheiße!

Was eigentlich schon lange absehbar war ist jetzt offiziell von Apple bestätigt: Aperture wird eingestellt. Die letzten Monate (fast schon Jahre) klammerte man sich nur mehr wegen der Hoffnung an die Aussicht auf Aperture 4, nicht wegen des Glaubens, dass es kommt. Dabei fürchtete ich schon mit der Vorstellung von Aperture 3 vor einigen Jahren, dass das Programm diese Entwicklung nehmen würde – weg von der professionellen Anwendung hin zu einem Aufsteiger-iPhoto. Apertures Nachfolgeprogramm »Photos« wird wohl genau das sein – ein Zwitter zwischen Aperture und iPhoto. Etwas anspruchsvoller als letzteres aber zu wenig professionell für Profifotografen und Semiprofis.

Generell sei gesagt, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass Unternehmen Produkte einstellen. Jedes Unternehmen in dem ich und ihr arbeitet stellt Produkte ein, die in der Unternehmensstrategie keinen Sinn mehr haben oder unrentabel sind. Sich über das Ende von Aperture hämisch freuende Lightroom-User sollten nicht glauben, dass das bei Adobe anders ist. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass Lightroom irgendwann eingestellt wird, aber mit Programmen wie Adobe LiveMotion und GoLive ließ der Konzern seine Kunden auch ordentlich hängen, nicht weniger bei den zugekauften Programmen Freehand und Fontographer und Freunde von Fireworks dürften auch wissen wie man sich vernachlässigt fühlen kann.

Dass Apple Aperture einstellt ist unerfreulich aber zu akzeptieren. Wie Apple dabei vorgegangen ist ist indiskutabel: Treue Anwender Jahre lang im unklaren über die Strategie und im Saft ihrer Hoffnung braten zu lassen zeugt lediglich von Unverständnis der Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden und der Ignoranz mit der sich die Konzerne dem gegenüber verhalten. Ich verstehe die Geheimhaltung um die Entwicklung neuer Produkte und dass Apple den Hype um die Geheimniskrämerei und die Überraschung bei der Vorstellung neuer Produkte nutzen möchte. Doch bei einem Nischenprodukt wie es Aperture ist, ist das einfach nur unnötig und lächerlich. Schon gar nicht wäre es notwendig die Hoffnung auf eine neue Aperture-Version noch durch vage Andeutungen zu schüren, wenn man weiß, dass das Ende längst besiegelt ist, wie das im Falle Aperture geschah.

Allerdings gibt es auch hierfür ein Beispiel, dass das bei anderen Konzernen nicht anders ist: Adobe verkaufte nach der Übernahme von Macromedia ihr Produkt GoLive 9 noch brav weiter an Neukunden, obwohl für jeden Kenner der Branche absehbar war, dass das Produkt nicht weiter entwickelt werden würde. Diese Ignoranz den Kunden gegenüber ist allerdings leider keine Spezialität von Apple oder Adobe sondern schlichter Spiegel unseres Wirtschaftssystems in dem nicht der Kunde oder das Produkt im Mittelpunkt stehen sondern Umsatz und Gewinn.

Noch etwas möchte ich jenen hinter die Ohren schreiben die sich jetzt ob des Niedergangs von Aperture schadenfreuen: Bei Monopolen verliert vor allem der Kunde.

Meine persönliche Konsequenz aus dem Ende von Aperture ist, dass ich mich von der Vorstellung ich könne mit ein und demselben Programm die Entwicklung von RAW wie auch die Verwaltung der entwickelten RAW-Bilder managen verabschiede. Diese Kombination macht einen Wechsel der Anwendungssoftware zur schrecklichen Qual, weil man nach dem Wechsel in der neuen Software alle Bilder neuerlich entwickeln muss. Metainformationen, Schlagworte, Wertungen oft sogar Farbetiketten lassen sich zwar in der Regel von einem Programm zum anderen übernehmen, nicht aber die Entwicklungseinstellungen. Dazu sind die Arten wie die Bilder entwickelt werden in verschiedenen Programmen einfach zu unterschiedlich.

Die Entwicklung von RAWs mit Aperture ist bei mir seit vorgestern zu Ende. Statt dessen werde ich dazu in nächster Zeit wieder Capture One nutzen – das Programm liefert ohnehin nach wie vor die besten Entwicklungsergebnisse von allen RAW-Konvertern. Leider ist es zur Verwaltung umfangreicher Bildbestände nicht die erste Wahl. Deshalb werde ich die entwickelten Bilder als JPEG exportieren und dann in Aperture übernehmen. Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass das Nachfolgeprogramm »Photos« in Sachen Verwaltung keinen schwerwiegenden Rückschritt gegenüber Aperture darstellt (zumindest hoffe ich das) und dann würde es das Programm der Wahl zur Verwaltung meiner Bildbibliotheken bleiben.

Ich werde außerdem in der nächsten Zeit wieder einmal einen Blick auf Lightroom werfen, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass ich mich in diese Richtung bewegen werde. Dazu ist meine Abneigung gegen das strikte und unflexible User-Interface und die Aussicht in absehbarer Zeit in der Cloud zu landen zu groß. Lightroom in der Cloud heißt lebenslänglich an das Abo gebunden zu sein, denn eine Kündigung des Abos würde bedeuten, mit einem Schlag die gesamte Bilder-Bibliothek zu verlieren – nicht die Bilder aber die Bibliothek! Das heißt selbst wenn das Management von Photos Mist wäre und mir keine Alternative als Lightroom übrig bleibt würde ich damit nur mehr entwickelte JPEGs verwalten und mit überschaubarem Aufwand auf eine andere Software umsteigen zu können.

Ich bin vier Mal mit RAWs umgezogen – ich habe keine Lust auf ein fünftes Mal!

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Stirbt Aperture?

Eine Frage die viele Aperture-User beschäftigt und frustriert, ist, ob das Programm im Sterben liegt. Aus Cupertino gibt es ja leider wie üblich absolut kein Signal, ob und wann man mit einer vierten Version rechnen darf. Viele Anwender blicken mit Sorge auf die sich immer schneller drehenden Uhren und erscheinenden Versionen bei den Mitbewerbern und das Gefühl, man könnte längst ein totes Pferd reiten, ist kein angenehmes. Das geht auch mir so und ich erwähne das nicht zum ersten Mal.

Apples Geheimniskrämerei trug seit Mitte der 1990er Jahre zu Mythos und Hype um die Marke bei und half mit, das Unternehmen zu der Größe und Bedeutung heranwachsen zu lassen, die es heute hat. Über mehr als eine Dekade hinweg schaffte man es immer wieder mit innovativen Produkten große Coups zu landen – im Grund fast über drei Dekaden hinweg, denn man war ja bereits seit den 70ern innovativ und hat viele Trends vorweg genommen und geprägt.

Ich habe nie erwartet, dass solche Innovationskraft ewig halten würde. Ich erwartete, dass spätestens nach dem Ausscheiden des visionären Firmendiktators, Steve Jobs, Apple früher oder später zu einem normalen Konzern werden würde – so wie Sony, Samsung, IBM oder, um eine andere Branche zu zitieren, meinetwegen VW. Nicht weniger wirklichkeitsfern fand ich aber auch jene Propheten die unkten Apple werde schon bald nach Jobs Tod in den Abgrund stürzen.

Apple war vor 20 Jahren etwas Besonders. Das meine ich gar nicht unbedingt deshalb, weil das Unternehmen zu jener Zeit innovativer oder besser war als andere, sondern weil man als Apple-Anwender zu einer Minderheit von vielleicht 2% der Computer-Anwender gehörte. Natürlich ist es irgendwie cool einer solchen Minderheit anzugehören – ein Social Underdog zu sein. Die Coolness mag Ende der 1990er noch da gewesen sein, doch heute, wo sich wohl beinahe in jedem Haushalt ein Produkt mit Apfel-Logo findet, ist es längst nicht mehr cool. Apple ist gewöhnlich geworden.

Allen Android- und Windows-Usern, die mir jetzt Beifall klatschen, muss ich entgegnen, dass ich es nicht wirklich für cooler halte Marktführer zu nutzen – Linux-User sollen sich meinetwegen fühlen.

Für mich ist es OK, wenn Apple zum normalen Konzern wird. Ich nutze seit 20 Jahren ihre Produkte und bin weitgehend zufrieden damit. Ich werde jetzt nirgendwohin wechseln, nur weil es uncool geworden ist Apples Logo zu zeigen. Ich fände es sogar hochgradig unvernünftig eine Plattform, die für mich gut funktioniert, zu verlassen, nur weil sie bei den Trendsettern nicht mehr so angesagt ist.

Apple ist also zum normaleren Konzern geworden und ich hoffe, dass das Unternehmen bald einsieht, dass die permanente Geheimniskrämerei einem normalen Konzern nicht mehr gut zu Gesicht steht. Ganz im Gegenteil. Konnte man mit dem Mythos des Geheimnisvollen den Weltmarkt erobern, solange es gelang die ohnehin schon hohen Erwartungen noch zu übertreffen, geht der Schuss heute nach hinten los: Die Erwartungen sind vor jeder Apple-Veranstalung unerfüllbar hoch und die Enttäuschung vorprogrammiert. Außerdem warten schon die Schwadrone der Neider und Gegner, die seit Jahren alles was Apple macht mit Häme überziehen – die Leute, die das Tastaturlose iPhone damals ebenso als Totgeburt begrüßt hatten, wie das iPad (die Damenbinde), und heute Smart Phones und Notepads (Notiz-Binden) mit Android von Samsung nutzen.

Es würde Apples Kunden – den Nutzern von Software, wie Aperture, Final Cut oder iWorks – helfen, wenn sie wüssten, dass ihre Programme leben und man nicht durch ein Ende der Produktentwicklung in absehbarer Zeit dazu gezwungen ist, zu einem anderen Produkt zu wechseln. Schließlich müsste man beim Wechsel alles Erlernte und alle Erfahrungen mit dem Produkt über Bord werfen und im Falle von Aperture wäre alle Raw-Entwicklung umsonst gewesen, höchstens man friert die Entwicklung an dieser Stelle ein und exportiert alles als fertig entwickelte JPEG-Bilder. Doch dazu habe ich RAW nicht!

Allerdings glaube ich nicht, dass Aperture einem End of Life entgegen geht, sondern dass es im Gegenteil sehr vital ist. Dafür spricht, dass das Programm seit Veröffentichtung von Version 3 21 Updates erfahren hat, wovon 3.4 sogar eine komplett überarbeitete RAW-Entwicklungs-Engine enthalten hat – nicht zum ersten mal schreibe ich hier, dass ein ähnliches Update anderswo Upgrade geheißen hätte und zu bezahlen gewesen wäre. Im direkten Vergleich mit Lightroom steht Aperture mit seinen Updates sogar ziemlich gut da: Wenn meine Quelle nicht lügt hat Lightroom seit Version 3 2009 mittlerweile 11 Updates erfahren, wobei zwei davon – Version 4 und 5 – kostenpflichtige Upgrades waren, Aperture 21 kostenlose Updates!

Unterm Strich hat Lightroom heute die Nase was Features angeht sicher vorne. Es gibt eine vollintegrierte Objektivkorrektur und die mit Lightroom 5 eingeführte Offline-Bearbeitung ohne Zugriff auf die RAW-Originale würde ich mir für Aperture auch wünschen. Was ich bei Apple allerdings begrüße ist, dass dem Anwender eben nicht jährlich eine neue Version aufs Auge und die Geldtasche gedrückt wird, auch wen 70 Euro für ein Upgrade ja wirklich nicht alle Welt sind. Da schlagen die zuletzt jährlich erschienenen Creative-Suite-Upgrades mit 500 bis 1000 Euro, bei einem Grundpreis von 2000 Euro und darüber, schon ganz anders zu Buche – für private Anwender, für die Geld nicht einfach keine Rolle spielt, nicht tragbar.

Nun kann man einwenden, warum denn ein Privater professionelle Software braucht. Weil man ein Programm wie Photoshop, Illustrator oder InDesign nicht einfach so nebenher lernt. Ich unterrichte diese Programme in einem Fortbildungszentrum und rate den Teilnehmern immer den Umgang damit zu üben. Nur: Wer kann es sich leisten Hunderte Euro jährlich in ein Programm zu investieren um im Job fit zu bleiben? Manche Leute müssen schauen, wie sie über die Runden kommen!

Für ein vitales Leben von Aperture spechen in meinen Augen die laufenden Updates des Programms – nicht nur in Form von RAW-Compatibility-Updates. Außerdem tauchten Aperture-Paletten während der letzten WWDC-Keynote mehrmals in Screenshots zu Produktpräsentationen auf – so etwas passiert nicht versehentlich mit einem Programm das im Sterben liegt.

Mir scheint Apple viel Wert darauf zu legen, dem Kunden wirklich etwas Neues zu bieten, wenn sie ihm ein neues Produkt verkaufen. Das zeigt für mich der nun angekündigte Mac Pro. Apple stand seit Jahren in der Kritik, weil ein solides Upgrade der Maschinen fehlte. Jeder andere Hersteller wäre dem Markt gefolgt und hätte mit ein bisschen Produktpflege den Kaufwillen der Kunden befriedigt. Apple liegt anscheinend doch mehr daran, den Kunden ein wirklich innovatives, neues Gerät zu liefern, als mit aufpolierten Kassenschlagern von gestern schnelle Kohle zu machen.

In diese Richtung gehen auch meine Gedanken Aperture betreffend: Anstatt sich jährlich eine neue Version mit ein paar netten Zusatz-Features bezahlen zu lassen, wird das Produkt, dort wo es notwendig ist, mit kostenlosen Updates gepflegt – und nach Aperture 3.0 war es notwendig, etwas an der Qualität der RAW-Entwicklung, bei Geschwindigkeit und Stabilität nachzubessern, was mit 3.4, spät aber doch, geschehen ist. Mit einem neuen Produkt, das zu bezahlen ist, wartet Apple so lange, bis die Innovationen marktreif sind. Dem gegenüber habe ich in den letzten Jahren zu viele marketingtechnisch spektakuläre und praktisch nicht zu gebrauchende Features gesehen, oder solche, die jetzt gut sind, aber zunächst, über Bezahl-Upgrades beim Kunden, reiften.

Darüber hinaus ist in meinen Augen auch der offensichtlich nach wie vor gut laufende Absatz von Aperture im App Store ein guter Grund für Apple das Produkt am Leben zu halten. Das heißt, auch wenn Aperture bei Profis keinen guten Stand hat – weshalb auch immer – gibt es offensichtlich einen Markt für ein anspruchsvolles Programm zur RAW-Entwicklung am Mac abseits von Lightroom.

Doch warum ist Aperture 4 auch nach drei Jahren und Scharen abwandernder User noch immer nicht zu sehen? Ein Grund könnte sein, dass Apple parallel an einer kompatiblen Version fürs iPad arbeitet.

Wie gesagt: Ich glaube Apple ist sehr bemüht innovative Produkte dann auf den Markt zu bringen, wenn sie reif sind. Deshalb dauert Vieles so lange. Man warf dem iPhone einst vor, dass die Konkurrenz schon vorher Multitasking bot. Doch was ich damals davon las, war, dass das Multitasking dieser Vorreiter beim Programmwechsel so zäh lief, dass sich ein schließen eines und öffnen eines anderen Programms am iPhone ohne Multitasking schneller gestaltete, als dort.

Derselbe Grund dürfte dahinter stecken, dass es noch kein Aperture fürs iPad gibt: Die Leistung der Geräte reicht noch nicht. Doch vielleicht ist das kommende iPad stark genug RAW-Daten flüssig genug verarbeiten zu können. Und wenn dem so ist, kann ich mir vorstellen, dass wir mit diesem iPad dann auch Aperture 4 sehen – am Mac und am iPad.

Das sind nur Gedanken wie es sein könnte. Vielleicht gibt es auch andere Gründe, weshalb Aperture 4 noch in Arbeit ist. Doch ich bin sicher, dass es kommt. Und ich kann mir vorstellen, dass es die Karten ganz neu mischt. Ich hoffe, dass Apple mich nicht enttäuscht. Was bleibt, ist die Ungewissheit wie nah oder fern ich mit meiner Einschätzung von den Tatsachen entfernt bin, und der Wunsch, Apple möge in Zukunft aufhören seine Kunden im Ungewissen stehen zu lassen. Dass Unternehmen innovative Neuentwicklungen geheim halten müssen, ist verständlich. Aber zu verschweigen, dass bestimmte Produkte am Leben sind – davon profitiert weder der Kunde noch Apple.

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Warum Aperture?

In den vergangenen Tagen brachte ich viel Kritik an Adobes neuem Abomodell vor und habe dabei auch Bedenken gegenüber der Weiterentwicklung von Lightroom artikuliert, obschon ich das Programm eigentlich nicht verwende. Heute möchte ich etwas konkretisieren weshalb ich mich für Aperture und gegen Lightroom entschied.

Am Ende vor allem Geschmacksache

Zunächst möchte ich klarstellen, dass ich Lightroom nicht für schlecht halte. In den vorangegangenen Artikeln mag das so erschienen sein, doch es wäre eine schreckliche Anmaßung würde ich behaupten, ich wisse es besser als 90% aller anderen Experten – und ich nehme an, dass Adobe mit Lightroom und Adobe Camera Raw etwa 90% der Anwender bedient. Auf der anderen Seite würde ich aber nicht daraus, dass ein Produkt von der Majorität der Nutzer bevorzugt wird, darauf schließen, dass es deshalb besser ist, als andere Produkte.

Was mich ein bisschen nervt ist, wie herablassend sich viele Lightoom-Anwender über Aperture äußern. Einige davon mögen ausgiebige Erfahrungen mit Apples Produkt gemacht haben, doch die meisten scheinen eher nachzuplappern, was sie irgendwo aufgeschnappt haben. Das gilt ganz besonders für Journalisten der Computer-Fachpresse, die Aperture gerne einmal von vornherein als Software für Amateure abstempeln und damit eigentlich nur beweisen, dass sie selbst Amateure in ihrem Geschäft sind.

Ob man nun Lightroom, Aperture oder ein anderes Produkt, wie After Shot Pro, Capture One Pro, DxO Optics oder was auch immer, bevorzugt, ist vor allem einmal Geschmacksache. Ich gehe davon aus, dass zwei Dinge, sofern sie nicht absolut identisch sind, immer Vor- und Nachteile dem anderen gegenüber haben. In Sachen RAW-Entwicklung ist keines der Programme, die ich bisher getestet habe schlecht, obschon ich DxO Optics aktuell für führend in Sachen automatischer Entwicklung, Entrauschen, Schärfen und Korrektur von Objektivfehlern halte. Am Ende zählt für mich allerdings vor allem auch der Workflow, den mir ein Programm bietet. Hier überzeugen mich weder DxO Optics, noch Capture One Pro, das vor allem große Schwächen bei der Verwaltung von und der Geschwindigkeit bei großen Bildbeständen hat. Und hier liegt auch der Grund, weshalb ich Aperture den Vorzug gebe und mit Lightroom nicht kann.

Einschränkung als Konzept

Eigentlich verstehe ich nicht, was sich Adobe mit Lightroom gedacht hat. Während ich Illustrator, InDesign und Photoshop beliebig nach meinen Anforderungen einrichten und für jeden Befehl Shortcuts individualisieren kann, zwängt Adobe mit Lightroom dem Nutzer den kompletten Workflow auf: »Wir haben uns gedacht, das ist eine gute Sache so und was wir für richtig halten kann für dich nicht falsch sein!«

Effizienz durch Shrotcuts

Ich habe ein Problem mit Zwängen und es fällt mir schwer mich mit den Dingen abzufinden und mich zu fügen. Aperture bietet mir die Möglickeit Shortcuts beliebig anzupassen. Ich muss gestehen, dass ich mit der Vergabe der Tastaturkürzel in Aperture überhaupt nicht warm wurde, weshalb ich das Set wohl beinahe zur Hälfte umgekrempelt habe. Ich habe raus geschmissen, was ich nicht brauchte und vieles an das angeglichen, was ich aus anderen Programmen gewohnt bin. So hat zum Beispiel da Bilden von Stacks ein G bekommen, weil Stacks wie Gruppen sind und ich G aus den anderen Adobe-Programmen gewohnt bin. Ebenso hat das Duplizieren von Bildern ein D erhalten.

Aperture hat mittlerweile eine unheimlich gute automatische Bildentwicklung, die mir noch besser gefällt, seit ich sie an meine eigenen Vorstellungen angepasst habe. Das schöne an solchen Entwicklungsrezepten: Ich kann auch für sie Shortcuts vergeben. Das einzige was mir fehlt, seit ich mit Capture One gearbeitet habe: Dort lassen sich auch Tastaturbefehle für Belichtungs-, Weißablgeichs- und Sättigungssteuerung – etc. – einrichten. Ein Traum: Denn so lässt sich 90% Bildentwicklung vornehmen, ohne dass überhaupt eine Palette sichtbar sein muss – nur mehr das Bild am Monitor, kein Mausweg!

Und da bin ich wieder bei Lightroom und was mich daran stört: Das Programm bietet zu wenig Shortcuts um wirklich effizient damit zu arbeiten. Damit muss sich der Nutzer abfinden. Könnte ich vielleicht, wenn mir das Programm in Sachen Mausweg entgegen käme. Doch da die Paletten schick und platzverschwenderisch gestaltet sind, wird weiterer Mauseinsatz gefordert, weil viel gescrollt werden muss, um alle erforderlichen Schieberegler zu erreichen. In der Palette von Aperture sind für mich in den allermeisten Fällen alle Regler ohne scrollen erreichbar.

Lightroom

Aperture

Was in den Paletten an Optionen sichtbar sein soll, kann ich bei Aperture definieren. Außer den Einstellungen, die für das aktuelle Bild genutzt werden, muss da gar nichts angezeigt werden. Ich kann die Palette freischwebend über dem Bild platzieren oder links oder rechts angedockt. Ebenso freischwebend, links, rechts oder unten, kann der Brwoser platziert werden. Je nach Aufgabe variiere ich das. So ist zum Beispiel bei Serien mit vielen Hochformatbildern meist die seitliche Platzierung besser, während beim Querformat natürlich eine Platzierung unten von Vorteil ist.

Natürlich ist auch die Bildqualität für ein professionelles Werkzeug von entscheidender Bedeutung. Doch wie gesagt: Schlechte Resultate kann man keinem der bekannten Kontrahenten nachsagen. Nach meiner Erfahrung ist aktuell beim einen Bild Aperture etwas besser, beim anderen Lightroom – andere könnten das bei denselben Bildern umgekehrt sehen. Doch was ein professionelles Produkt außerdem ausmacht ist in meinen Augen ein professioneller Workflow und den ermöglicht Lightroom nur, wenn zufällig die eigenen Anforderungen mit den Vorstellungen Adobes übereinstimmen. Ich für meinen Teil halte das Konzept mit den verschiedenen »Räumen« – Bibliothek, Entwickeln, Karte, etc. – ja für völligen Schwachsinn. Doch selbst wenn jemand das nicht so sieht und das als ideal betrachtet – Capture One beispielsweise böte die Möglichkeit genau dasselbe Konzept einzurichten, doch dort lässt es sich eben auch komplett anders machen. Das Programm lässt sich dem Nutzer anpassen, nicht der Nutzer muss sich dem Programm fügen!

Rauschreduzierung

Noch einmal zur Bildqualität: Oft wird pro Lightroom die tolle Rauschreduzierung ins Feld geführt. Ich bezeichne Entrauschen und Schärfen oft als die esoterischen Themen der Bildbearbeitung. Man kann endlos damit spielen, doch nur ein Bruchteil dessen, was an Bildschirmen optimiert wird, kommt auf dem Papier an – beim Betrachter so gut wie gar nichts mehr. Wer stellt sich schließlich mit der Lupe vor ein Ausstellungsbild und studiert die Detailschärfe?

Das Problem bei Schärfen und Entrauschen ist, dass die beiden Parameter untrennbar miteinander verbunden sind: Erhöhe ich den Schärfeeindruck, erhöht sich das Rauschen. Reduziere ich Rauschen, verliere ich Schärfe. Ich habe noch keine Software gesehen, die das anders kann. Ein schönes Beispiel ist für mich das unten gezeigte Eichhörnchen. Ich fotografierte es im Wald und musste dazu mit ISO2000 arbeiten. Das rauscht dann natürlich wie die Sau.

Eichhorn

Ein 100-%-Ausschnitt aus Aperture zeigt das Rauschen recht deutlich – hier ist weder Entrauschen noch Schärfen zum Einsatz gekommen.

Verrauscht

Mit ähnlichen Entwicklungseinstellungen habe ich das RAW-Bild dann in Lightroom Schärfe- und Rauschreduzierungseinstellungen unterzogen.

Entrauscht

Ja, das Rauschen ist weg. Doch ist das Resultat tatsächlich besser? Mit dem Rauschen sind auch Strukturen verschwunden und das Fell des Eichhörnchens wirkt ein bisschen wie der Pelz eines Bibers. Für mich kein überzeugendes Argument mich der strikten Benutzerführung von Lightroom zu unterwerfen. Ähnliches gilt übrigens auch für die Objektivkorrektur. Zwar hoffe ich sehr, dass Apple Apperture in absehbarer Zeit damit aufrüstet. Natürlich liegt diese Option derzeit auf der Waage auf Lightrooms Seite. Doch nach wie vor haben die Vorteile, die mir Aperture bietet, deutlich mehr Gewicht, als die Stärken die Lightroom Aperture gegenüber aufweisen kann.

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Aperture vs. Lightroom

Vor einigen Tagen postete ich auf Facebook »Ich habe mir angewöhnt die Produkte die ich nutze kritisch zu betrachten. Nicht die Produkte die andere nutzen.« Nun bekommt derzeit allerdings Lightroom sehr viel Fett von mir ab. Dabei arbeite ich eigentlich gar nicht mir Lightroom. Oder doch?

Nachdem Adobe 2007 mit Lightroom auf Apples Präsenz im Markt der Bildverarbeitung reagierte, wechselte ich zunächst zu Lightroom. Grund dafür war einerseits, dass mir Adobe mehr Kompetenz in Sachen Bildbearbeitung zu haben schien, dass ich erwartete Adobe würde Lightroom auf irgendeine revolutionäre Art mit Photoshop verzahnen und auch die Werbung, die Leute wie Scott Kelby für das Produkt machten, beeinflusste mich wohl.

Einige Monate arbeitete ich mit Lightroom, doch der strikte Workflow und die praktisch nicht individualisierbare Oberfläche samt zu wenigen Shortcut und auch hier fehlender Individualisierbarkeit trieben mich zum weitaus flexibleren Aperture zurück. Meine Erfahrung mit Lightroom beschränkt sich also nicht auf ein paar Stunden oder Tage des Testens einer Demo-Version, sondern auf mehrere Monate intensiver Arbeit damit.

Als Photoshop-User arbeite ich außerdem regelmäßig mit Adobe Camera Raw, das dem RAW-Entwicklungsmodul von Lightroom entspricht und habe von daher einen guten und permanenten Vergleich von Aperture und ACR (also Lightroom). Generell bieten beide Programme, wie auch jedes andere, Rezepte, wie die RAW-Dateien verschiedener Kameras interpretiert werden, wobei es für jede Kamera ein eigenes Rezept geben muss. Ob die Suppe, die daraus gekocht wird, dem Anwender schmeckt, ist … nun … oft einfach Geschmacksache. Darüberhinaus ist es möglich, dass Lightroom zum Beispiel für Canon-Fotografen die besseren Resultate bereit hält, Aperture hingegen für Nikon (ich habe einen solchen Vergleich nie angestellt, doch es ist nicht unwahrscheinlich, kann auch umgekehrt sein, und die RAW-Entwicklung Apertures meiner Lumix G3 war tatsächlich schauderhaft).

Ich machte zum Beispiel in meiner Lightroom-Phase die Erfahrung, dass das Programm für meine damalige Kamera, eine Nikon D80, ein ganz grauenhaft chemisches Grün für Blätter und Gräser entwickelte (was sich allerdings durch eine Änderung der Farbeinstellungen für die RAWs dieser Kamera korrigieren ließ). Als ich dann zu Aperture zurückgekehrt war hatte ich generell von vornherein ein schöneres Grün, mir fiel aber auf, dass Aperture in den Schatten von Hauttönen oft einen unschönen Grünstich produzierte, was Lightroom nicht tat – ich hatte damals keinen Vergleich zu schattigen Hauttönen von RAWs anderer Kameramodelle, aber auch hier ist es möglich, dass Aperture dieses »Problem« bei anderen nicht produzierte.

Unzufrieden machte mich – und ich denke, das geht vielen Aperture-Unsern so –, dass man nichts über den Stand der Entwicklung erfährt. Während Adobe mittlerweile im Jahresrhythmus neue Versionen von Lightroom raus klopft (und in Rechnung stellt), gibt es für Aperture zwar immer wieder Updates, doch in meinem Hinterkopf bohrt eine Stimme die hinterfragt, ob Apple Aperture eines Tages einstellen wird, oder ob zukünftige Versionen professionellen Ansprüchen noch gerecht sein werden, oder das Programm zu einem iPhoto Pro für Amateure verkommt.

Mit Zweifeln im Hinterkopf schaute ich mich im Frühjahr 2010 wieder einmal nach Alternativen zu Aperture um und testete, neben Capture One Pro und DxO Optics Pro, einmal mehr Lightroom. Einmal mehr war es die Oberfläche und die Bedienung, die Adobes Programm als Alternative gleich wieder ausfallen ließen. DxO Optics lieferte zwar beeindruckende Resultate, doch in Sachen Bedienung und Geschwindigkeit war (und ist) die Software für mich weiterhin noch keine Option. Was blieb war Capture One Pro, das zu der Zeit sowohl Aperture als auch Lightroom in Sachen Entwicklungsqualität schlug.

Ein Wechsel blieb aus, da Apple 2010 die dritte Version von Aperture veröffentlichte. Apple hatte damit in vielerlei Hinsicht wieder die Führerschaft in Sachen Funktionalität übernommen und ließen mich vorläufig dabei bleiben, wobei die offensichtlichsten Neuerungen – Faces, Places, Bücher, Filme und die Integration sozialer Netzwerke – bis heute uninteressant für mich sind.

Lange blieb die Liebe zu Aperture allerdings nicht bestehen, denn die Geschwindigkeit war, gerade bei der Arbeit mit selektiven Pinseln, äußerst zäh, und die Stabilität ließ zu wünschen übrig. Außerdem unterstelle ich, dass ich durch Abstürze Bilder verloren habe. Zwar hat Aperture sicher keine Bilder vernichtet, allerdings sind Bilder, die die Datenbank eines Programms wie Aperture nicht kennt, so gut wie nicht existent. Und nach einem Umzug der Bibliothek auf eine andere Festplatte sind sie dann eventuell Geschichte.

Von Lightroom-Usern hatte ich gelesen, dass es auch nicht gerade mit atemberaubender Geschwindigkeit glänzte, doch mein Kandidat für einen Umstieg war ohnehin Capture One. Capture One Pro hatte in meinen Augen – und wohl in den Augen vieler anderer Experten – 2011 in Sachen Entwicklungsqualität die Nase vor Aperture 3 und Lightroom 3.

Beeindruckend war für mich auch die Arbeitsgeschwindigkeit von Capture One – dass alles in Echtzeit läuft, war ich nicht gewohnt. Wo es in Capture One allerdings krankte – neben vernünftigen Werkzeugen zur selektiven Bearbeitung – war, und ist, vernünftige Tools tausende Bilder zu ordnen und zu verwalten. Diesbezüglich zog mir das Programm immer mehr die Nerven und, was fast noch schlimmer war, je mehr Bilder ich damit zu verwalten versuchte, desto deutlicher ging die Leistung in den Keller. Mit einigen Tausend Bilder war die Arbeitsgeschwindigkeit unerträglich geworden und ich beschloss entnervt Capture One zu den Akten zu legen.

Einmal mehr testete ich Lightroom. Das Programm war mittlerweile bei der Version 4 angekommen und Adobe hatte die RAW-Entwicklung grundlegend überarbeitet und zweifellos riesige Schritte gemacht. Die Qualität der Resultate war nun durchaus auf Augenhöhe mit Capture One. Während Aperture bis dahin die Nase beim Restaurieren von Lichtern vorne gehabt hatte, zog Adobe jetzt gleich – möglicherweise haben sie überholt. Das Problem blieb die Benutzerführung des Programms. Ich wusste, wenn ich mich darauf einlassen würde, würde ich mich täglich darüber ärgern. Vielleicht ist nicht nur Lightroom unflexibel, sondern ich auch. Doch ich finde Software sollte sich den Bedürfnissen der Nutzer anpassen, und nicht die Nutzer den Restriktionen der Software.

Ich kehrte Ende 2012 zu Aperture heim und erlebte eine freudige Überraschung: Apple hatte Aperture mit 3.4 ein durchaus beachtliches Upgrade spendiert. An der Oberfläche, das was in der Presse angekommen ist, mögen es nur ein paar nette neue Funktionen gewesen sein. Doch unter der Haube hat das Programm eine völlig überarbeitete RAW-Entwicklungs-Engine bekommen. Man erinnere sich: Lightroom hat das mit Version 4 auch bekommen und der Gewinn dadurch, war den Preis für ein Upgrade mit Sicherheit wert. Im Gegensatz zu Adobe jedoch spendierte Apple diese grundlegende und weitreichende Verbesserung als Update hinter dem Komma (3.4) und bat den User nicht zur Kasse. Aperture legt auf meinem Rechner heute eine solide Performance an den Tag, läuft stabil und ist in Sachen Qualität mit den Mitbwerbern auf Augenhöhe. Natürlich vermisse ich eine Objektivkorrektur, wie sie Lightroom kennt. Doch die Bedienung ist für mich um so vieles komfortabler und flexibler als bei Lightroom, weshalb ich Aperture unterm Strich bei Weitem den Vorzug gebe.

Ähnliche Gedanken scheinen auch den amerikanischen Fotografen William Beem zu beschäftigen, dessen Artikel »Thoughts on Lightroom 5 Beta« mich zu diesem Artikel veranlasst hat.

Was mich, als Aperture-User, an Lightroom bewegt, ist die potenzielle Möglichkeit Aperture tatsächlich als professionelles Werkzeug zu verlieren und vor der Wahl Capture One Pro, DxO Optics oder Lightroom zu stehen – aktuell finde ich keines der Produkte verlockend. Viele Aperture-Nutzer scheinen wieder einmal darüber nachzudenken dem Produkt den Rücken zu kehren und die Seiten zu wechseln. Das wiederum ist keine gute Tendenz für die Zukunft Apertures. Genau betrachtet verstehe ich die Nutzer aber nicht!

Stimmen die Angaben William Beems, dann erfuhr Aperture 3 seit 2010 20 kostenlose Updates (seit dieser Woche 21). Lightroom erfuhr seit der Version 3 2009 zehn Updates inklusive eines kostenpflichtigen Major-Upgrades in der Version 4. Das wesentlichste, was Lightroom 4 brachte – eine bessere RAW-Entwicklung – bekam man von Apple mit 3.4 als Gratis-Update. Beinahe die doppelte Zahl an Updates ist wohl kein Zeichen dafür, dass Aperture eingeschlafen ist, also worum geht es denn? He Apple, ich durfte nun schon drei Jahre lang kein Geld für ein Upgrade ausgeben?

Die Gedanken, die Adobe mit der Einstellung des Verkaufs beinahe ihrer ganzen Produktpalette bei mir ausgelöst hat, lassen mich wieder sehnlich auf ein deutliches Lebenszeichen von Aperture – einer Version 4 – warten. Lightrooms Weg, so bin ich mir sicher, führt früher oder später in die Cloud und in ein Abomodell. Der einzige Grund, dass es Lightroom noch zu kaufen gibt, mag sein, dass ein Abonnement wohl doch viele Kunden zurück zu Aperture treiben würde – manche auch zu den derzeit verfügbaren anderen Mitbewerbern. Dabei stehe ich Mietmodellen nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber – mein Auto ist geleast und mein Büro gemietet. Doch sowohl das Leasing für mein Auto, als auch die Miete des Büros, ließe sich jederzeit ändern. Es gibt andere Autos, andere Leasing-Gesellschaften und andere Vermieter für Büros. Kritisch wird es jedoch, wenn man sich auf ein Mietmodell einlässt, wenn es keine Alternative zu seinem Angebot gibt. Der Anbieter kann anschließend machen was er will – man ist seinen Konditionen vollständig ausgeliefert. Wer derzeit mit allfälligen Vorteilen der Creative Cloud kalkuliert (mehr, als dass es für die paar Anwender, die eine Master Collection brauchen, billiger wird, fällt mir an Vorteilen nicht ein), kalkuliert dabei auch mit dem Good Will Adobes. Wer wird schließlich garantieren, dass die vorteilhaften Konditionen für eine Master Collection langfristig halten werden? Wer garantiert denn, dass mehr als drei Programme in zwei oder drei Jahren nicht auch mehr Miete kosten?

Wenn ich auf Aperture zurück kommen darf, dann bin ich sehr gespalten was meine Erwartungen angeht. Einerseits würde ich mir wünschen, dass Tim Cook am Montag eine neue, überzeugende Version von Aperture vorstellt (wobei klar ist, dass die, die generell dagegen sind, nie zu überzeugen sind). Andererseits würde ich mir wünschen, dass Apple sich noch über den Sommer Zeit lässt, denn ab Herbst möchte ich ein neues Buchprojekt in Angriff nehmen, und mein liebstes Thema wäre Aperture 4. Liebes Christkind: Verlege doch bitte Weihnachten vor, lass Cook ein umwerfendes Aperture 4 vorstellen, das im September veröffentlicht wird. Man darf doch auch einmal an warme Eislutscher glauben!

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Capture One Pro – Ineffizienz war gestern

Seit den Weihnachtsfeiertagen arbeite ich mit einem neuen Werkzeug zur Raw-Entwicklung und es wird Zeit, dass ich meiner Begeisterung Ausdruck verleihe. Vorher aber ›was bisher geschah‹:

Am Anfang war Aperture

Mein erster Raw-Entwickler war Apple Aperture. Das in der Beta-Phase befindliche Lightroom lockte aber bereits und es zeichnete sich noch vor der offiziellen Version ab, dass das Programm ein Erfolg werden würde. Immerhin kam es von Adobe und die hatten mit Photoshop Erfahrung in Bildbearbeitung wie kaum jemand sonst. Also habe ich in großen Erwartungen den Zug gewechselt und meine junge Bibliothek auf Lightroom umgestellt.

Meine Lightroom-Phase

Glücklich geworden bin ich damit nicht. Die Oberfläche des Programm ist furchtbar klobig, platzverschwenderisch gestaltet und absolut strikt. Gut. Man kann in die Kopfleiste sein eigenes Logo einpflanzen und verschiedene Schnörkel für den Abschluss der Palettenleisten definieren. Professionell finde ich diesen Umfang an Individualisierbarkeit allerdings nicht. Der Rest lässt sich kaum an die Anforderungen des Anwenders anpassen.

Dann dieses seltsame Konzept mit den fünf Räumen. Auch so eine Idee die Adobe dem Benutzer unabänderlich aufs Auge drückt. Zu allem Überfluss verknüpft das Programm mit demselben Shortcut unterschiedliche Befehle, je nach Raum, in dem ich mich gerade befinde. Zumindest in früheren Versionen war das so.

Und wenn herum nörgeln an Shortcuts sind: In InDesign, Illustrator und Photoshop rufe ich mit cmd+K die Voreinstellungen auf. Weshalb ist das in Lightroom ein anderer Kürzel?

Ihr merkt schon: Ich mag Lightroom nicht!

Zurück zu Aperture

Nach einigen Monaten unglücklicher Ehe mit Lightroom bin ich reumütig zu Aperture zurück und wenn ihr mich fragt: Es ist das bessere Programm für die Raw-Entwicklung. Zwar wird immer wieder die Kompetenz Lightrooms beim Entrauschen gelobt, aber wenn das nicht besser ist als in Adobe Camera Raw – und ich gehe davon aus es ist 1:1 die selbe Engine – dann berauscht mich das auch nicht.

Wo Aperture im Verhältnis zu Lightroom definitiv glänzt ist die Wiederherstellung von unterbelichteten und überbelichteten Bereichen – ich habe diesbezüglich einmal einen Artikel veröffentlicht.

Natürlich arbeitet das Gros der professionellen Welt mit Lightroom und ich halte die Kollegen bei Gott nicht für Nackerpatzerln. Am Ende ist es immer auch etwas subjektiv was man gut findet und was nicht. Unterm Strich findet man Licht und Schatten bei Lightroom und bei Aperture.

Lightroom vs. Aperture

Aperture wird zuweilen ein etwas zähes Ansprechverhalten nachgesagt und tatsächlich: Wer keinen Turbo im Rechner hat muss mangelnde Power mit Geduld ausgleichen. Auch die Stabilität könnte besser sein. Allerdings verfiel ich bei meinen Lightroom-Tests, die ich über die Jahren immer wieder gemacht habe, auch nicht gerade in einen Geschwindigkeitsrausch.

Was mich wundert ist, was Adobe am heutigen Tag an Neuerungen für Lightroom 4 ankündigt: Ein neues Buchmodul (sieht aus wie das, was ich von Aperture schon lange kenne); Direkte Integration von Maps (habe ich seit Aperture 3 und brauche ich so oft wie etwas anderes: Faces – nämlich exakt gar nicht).

Was ich allerdings sehr wohl brauche ist Softproofing. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich das in Aperture einmal nicht hatte. In Lightroom soll es das mit 4 jetzt auch geben. Wie um Himmels Willen! Konnte die professionelle Welt in Lightroom bislang auf den Bildschirm-Proof verzichten? Ist mir rätselhaft.

Aber wäre bei Aperture alles so, wie ich es mir vorstellte, hätte ich mich nie nach einer Alternative umsehen müssen.

Geschwindigkeit und Stabilität habe ich bereits als problematisch angesprochen. Dann verliert Aperture Bilder in der Datenbank. Ich nehme an, das passiert bei Abstürzen. Die Bilder vegetieren dann irgendwo auf der Festplatte rum. Ob die Bilder in der Aperture-Datenbank liegen oder als Verknüpfungen in separaten Ordnern ist dabei Irrelevant. Wenn Sie in Aperture nicht mehr aufscheinen sind sie so gut wie nicht mehr existent, auch wenn sie noch irgendwo auf der Festplatte Speicherplatz verspeisen.

Ein Vorteil von Aperture war für mich unter anderem die Integration in das Gesamtsystem Apple, bestehend aus meinen Macs, iPhone, iPad und mobileMe. Aber die Alben von mobileMe sollen nach der Einführung von iCloud sterben. iCloud ist mir noch immer suspekt. Und Fotostream, das Bilder annähernd in Echtzeit auf allen Geräten eines Anwenders verteilt, hat bei mir mehr Unordnung als Nutzen gestiftet.

Das schlimmste ist bei Aperture allerdings, dass man keine Ahnung hat, was Apple weiter damit vor hat. Lightroom-User sehen durch die neue Beta, dass an ihrem Programm was weiter geht. Aber Apple macht ja aus allem ein Staatsgeheimnis. Das wäre nicht so schlimm, wenn man von einer professionellen Weiterentwicklung ausgehen könnte. Leider ist bei mir der Verdacht gekeimt, Apple mache aus dem Profi-Werkzeug langfristig ein Aufsteiger-iPhoto für Hobbyfotografen und lässt den professionellen Anspruch fallen.

Was nun?

Frustriert habe ich vor Weihnachten wieder einmal ein Auge auf das aktuelle Angebot an in Frage kommenden Werkzeugen geworfen. Zunächst einmal natürlich wieder der Blick auf Lightroom. Allerdings brauchte ich nicht lange um sicher zu sein, dass damit für mich noch nicht einmal eine Vernunftehe möglich ist.

DxO Optics

Durch einen Tweet von Zoomyboy bin ich wieder auf DxO Optics Pro aufmerksam geworden. Und – wow! – was das Programm an Schärfe in ein Bild rein zaubern kann hat mich echt umgehauen. Weniger begeistern kann die Geschwindigkeit. Auf meinem Rechner waren die paar Tests mit der Software eine zähe Tortur. Mein MacBook ist nicht mehr das jüngste, aber wenn ich die Leistung mit Aperture vergleiche, dann erscheint das Apple-Programm plötzlich wie ein Ferrari.

Die Geschwindigkeit ist allerdings nicht alleinige KO-Kriterium für das Programm aus Frankreich. Darüber hinaus erscheint mir der Funktionsumfang recht überschaubar und vor allem die Individualisierbarkeit der Oberfläche zu begrenzt. Zum Beispiel habe ich keinen Dialog gefunden um Shortcuts zu individualisieren.

Wer jedoch ein Programm sucht, das Objektiv-Fehler und Verzerrungen kompetent aus Bildern heraus rechnen kann und rattenscharfe Ergebnisse erzielt, der sollte vielleicht zumindest als Zweitprogramm einen Blick auf DxO Optics werfen.

Bibble

Weiters habe ich mir auch Bibble wieder einmal angesehen. Auch hier spricht mich allerdings die Oberfläche nicht wirklich an und auch hier hatte ich den Eindruck, dass Anpassungen an individuelle Arbeitsweisen nur sehr eingeschränkt möglich sind.

Capture One Pro

Capture One Pro dürfte wohl so etwas wie der Mercedes unter den Raw-Entwicklern sein – zumindest was den Preis angeht. 300 Euro muss hinblättern, wer die Pro-Version kaufen möchte. DxO, Bibble und vor allem Aperture sind absolute Schnäppchen dagegen. Allerdings bekommt man für dieses Geld auch eine ganze Menge Professionalität.

Capture One stammt von Phase One. Phase One ist ein dänischer Hersteller von Mittelformat-Kamerasystemen und bietet soweit ich weiß die Kameras mit der höchsten Sensorauflösung an – aktuell bis zu 65 Megapixel. Capture One scheint der professionalität dieser High-End-Geräte nicht nach zu stehen.

Nach etwa drei Wochen der Arbeit mit Capture One Pro kann ich mich vor Begeisterung kaum halten. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass eine um so vieles bessere Raw-Entwicklung möglich ist. Die Resultate heben sich um Welten von dem ab, was ich mit Aperture oder Adobe Camera Raw aus meinen Bildern raus hole.

Ebenso überzeugend wie die Resultate sind, ist auch die Performance mit der das Programm zur Sache geht. Man arbeitet quasi in Echtzeit. Wartezeiten im Arbeits-Workflow gibt es kaum. Lediglich beim Exportieren von Bildern oder während des Imports lässt man dem Programm besser seine Ruhe. Allerdings sind diese Vorgänge bedeutend schneller abgeschlossen, als ich es von Aperture kenne. Viele Aktionen, wie zum Beispiel das Kopieren und Einsetzen von Entwicklungseinstellungen geht auch über dutzende Bilder hinweg so schnell, dass man sich zunächst fragt, ob das Programm jetzt überhaupt etwas gemacht hat.

Dabei scheint Capture One äußerst Ressourcenschonend mit den Recheneinheiten meines Macs umzugehen. Während Aperture die Lüfter des Laptops immer wieder einmal zum Großeinsatz aufruft, kann ich mich nicht erinnern sie schon einmal wegen Capture One groß in Aufregung gehört zu haben.

Ein weiterer Punkt der mich aus den Socken haut, ist die Benutzerfreundlichkeit und Flexibilität der Oberfläche. Der Benutzer kann jedes Detail exakt so einrichten, wie er es haben möchte. Der Funktionsumfang ist immens. Trotzdem bleibt das Programm wie gesagt intuitiv sehr zugänglich und einfach zu bedienen. Ich habe mir etwa eine Stunde lang Schulungsvideos angeschaut und nach ganz kurzer Einarbeitungszeit fühlt sich das Programm an als würde ich seit Jahren damit arbeiten.

Doch nicht nur die Oberfläche lässt sich beliebig konfigurieren. Für beinahe jedes Detail lassen sich Shortcuts konfigurieren. Ich kann Belichtung, Kontrast, Helligkeit, Sättigung, Weißableich und Färbung über Tastatur steuern. Performance und Effizienz der Oberfläche geben der Sortierung und Ausarbeitung von Bildern eine mir bislang unbekannte Dynamik.

Der Umgang mit Farbmanagement ist ein Traum. Man richtet ein Ausgabeprofil ein, definiert das Farbprofil dafür und mit einem Klick hat man den entsprechenden Softproof am Bildschirm vor Augen. Automatisch passen sich Farbwerte an den Farbraum des Zielprofils an. Im Grunde ein Detail. Aber eines von vielen, dass das Arbeiten mit Capture One zum flüssigen Vergnügen macht. Mich ärgert nur, dass ich jetzt erst damit arbeite.

Was ich weiters an Capture One schätze ist, dass es nicht wie Lightroom und Aperture auf einer Datenbank basiert. Vielmehr greift man auf beliebige Verzeichnisse auf angeschlossenen Festplatten zu. Also eher so wie der Finder am Mac, der Explorer unter Windows oder Bridge. Dateileichen auf Grund von Fehlern in der Datenbank sind somit ausgeschlossen. Die Entwicklungseinstellungen werden schlicht als XML-Datei in einem Ordner im Verzeichnis der Bilder abgelegt. Clever, die Dänen!

Wo Licht ist, ist aber auch Schatten – das soll nicht verschwiegen werden. Lightroom-Benutzer können – im Gegensatz zu Aperture-Anwendern – Objektivfehler aus Bildern heraus rechnen lassen. Capture One Pro kann das zwar auch. Allerdings nur für ausgesuchte Objektive von Mittelformatkameras. Der Anwender kann zwar manuell Fehler wie Verzerrungen und Chromatische Aberation beseitigen, doch der Luxus, das auf Basis unter Laborbedingungen entwickelten Werten automatisch ausführen zu lassen fehlt.

Aperture hat tolle Retusche Werkzeuge. Capture One hat zwar auch ein Flecken-Entfernungswerkzeug, doch im Verhältnis zur Professionalität des restlichen Programms ist das doch von eher peinlicher Qualität und Funktionalität.

Capture One beherrscht auch selektive Bildbearbeitung mit Pinseln. Das Konzept diese Arbeiten über Ebenen zu verwalten ist eine für erfahrene Photoshoper gut nachvollziehbare und leicht zu verwaltende Idee. Doch das Pinselwerkzeug bietet wenig Einstellungsmöglichkeiten, der Radierer radiert gleich einmal alles aus und die Ebenen lassen sich nicht in Ihrer Deckkraft reduzieren, was einiges Potenzial zur kreativen Bildentwicklung mit sich bringen würde.

Was ich von Aperture vermisse ist ein Regler für Lebendigkeit (in Lightroom sollte das wohl Dynamik heißen). Außerdem fehlt mir auch ein Kanalmixer.

Trotz dieser Schönheitsfehler hat mich Capture One Pro bislang völlig überzeugt und ich glaube meine Begeisterung wurde im vorangegangen Text offensichtlich. Wer nicht zu 100% glücklich ist mit seinem Raw-Entwicklungswerkzeug, oder einfach einmal über den Tellerrand hinaus schauen möchte, dem kann ich nur empfehlen die Demoversion des Programms bei Phase One herunter zu laden und einmal auf Herz und Nieren zu testen. Vielleicht versteht ihr meine Begeisterung dann.

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