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MFT-Super-Weitwinkelzoom: M.Zuiko 7–14mm ƒ2.8 Pro

Wie bei allen Olympus M.Zuiko-Pro-Objektiven (Olympus | Amazon) gibt es auch am 7–14mm ƒ2.8 wenig zu tadeln, mit einer Ausnahme vielleicht: In Sachen Volumen und Gewicht führt es den Gedanken von MFT, ein im Vergleich zu APS-C oder gar Kleinbild ideales System für Unterwegs zu sein, ein bisschen ad Absurdum. Im Vergleich zu Nikons 14–24mm ƒ2.8 und seinen 1000g und 13cm Länge scheinen die 534g und 10,5cm zwar moderat, doch man darf nicht außer Acht lassen, dass dafür der Sensor gerade einmal etwa ein Viertel der Fläche des Vollformats hat.

Mit der Leichtigkeit von MFT-Objektiven wie dem M.Zuiko 9–18mm oder gar der winzigen aber exzellenten 12mm ƒ2.8 Festbrennweite kann das 7–14mm Pro in Sachen Trage- und Transportkomfort jedenfalls nicht mithalten. Eine Alltagstauglichkeit an einer Immer-dabei-Kamera – zum Beispiel der Pen-F, E-M10 oder E-M5 – in einer kompakten Kameratasche ist von diesem Pro-Boliden nicht zu erwarten.

Deshalb begleitet mich bei Ausflügen in meiner Heimat in der Regel auch das preiswertere und kompaktere Weitwinkelzoom, denn wie schon im oben verlinkten Artikel über das 9–18mm angemerkt: Das 7–14 mag beim Ablichten von Testcharts sichtbar bessere Ergebnisse erzielen, doch weder einem digitalen noch einem analogen Abzug wird irgendjemand ohne Studium der Metadaten ansehen, ob das eine oder andere Objektiv zum Einsatz kam.

Hinzu kommt, dass der extremere Weitwinkel von 7mm MFT hierzulande kaum einzusetzen ist, ohne dass irgendwo am Rand eine Hochspannungsleitung oder irgendein anderer nicht besonders attraktiver Zeuge menschlicher Zivilisation ins Bild hinein lugt.

Müsste ich – aus welchem Grund auch immer – einen Teil meiner Objektive abbauen, das 7–14 würde zu jenen gehören von denen ich mich am leichtesten trennen könnte. Das ist keine Aussage über die Qualität der Linse, sondern lediglich über die praktische Bedeutung die sie für mich hat und die Häufigkeit mit der ich sie einsetze.

Glücklicherweise zeichnet sich eine solche Bürde aktuell nicht ab, und so kann ich mich auch weiterhin freuen das 7–14mm mit auf Reisen in Regionen zu nehmen, in denen die menschliche Kultur weniger Störelemente in der Landschaft platziert als hier im dicht besiedelten Vorarlberger Rheintal. In Island beispielsweise hätte ich die zusätzlichen 2mm immer wieder gebrauchen können, da ich mit dem 9–18mm oft an die Grenzen des Blickwinkels stieß (das 7–14mm hatte ich damals noch nicht).

Andererseits darf im Vergleich auch nicht unerwähnt bleiben, dass die zusätzlichen 4mm am langen Ende der Brennweite des kompakteren Objektivs durchaus auch seine Vorzüge haben. Während die 14mm des einen (28mm bei Kleinbild) noch tief im Weitwinkel verwurzelt sind, gehen die 18mm des anderen (36mm Kleinbild) schon in Richtung einer Normalbrennweite und sind auf Augenhöhe mit dem klassischen Standard der Reportagefotografie: 35mm.

Vorzug des 7-14mm Pro Objektivs ist dem gegenüber natürlich die Abdichtung gegen Staub und Spritzwasser. Allerdings mag die Frage berechtigt sein, wie häufig speziell ein solches Weitwinkel im strömenden Regen zum Einsatz kommen wird, denn die kaum hinter die fix verbaute Streulichtblende zurücktretende Frontlinse wird rasch von Wassertropfen bedeckt sein, was kaum mehr brauchbare Aufnahmen erlaubt.

Wer seine Ausrüstung in den Tropen einsetzt, weiß, dass Abdichtung nicht nur bei Regen, sondern auch bei hoher Luftfeuchtigkeit schützt, und ist somit mit dem Pro sicher besser ausgestattet. Doch für mich ist das Thema nur in Zusammenhang mit Regen relevant und so hält sich der Vorzug der Abdichtung für mich auch in Grenzen.

Fällt mein Fazit über das 7–14mm somit negativ aus? Keineswegs! Die einzige MFT-Linse die ich bislang besaß und der ich ein negatives Zeugnis ausstellen würde, ist das 17mm ƒ1.8 von Olympus. Davon sollen zahlreichen Montagsproduktionen unterwegs sein, und die Schärfe meines Exemplars war grottenschlecht. Das 7–14mm ƒ2.8 ist zweifelsfrei eine exzellente Linse. Doch für meinen fotografischen Einsatzbereich spielt sie eine eher untergeordnete Rolle. Und genau von diesem persönlichen und subjektiven Eindruck berichte ich hier. Just my 2 Cent.

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Doppelt hält besser

Vor drei Wochen etwa musste ich meine OM-D E-M5 zum Service schicken, da sie mir aus der Stativhalterung gerutscht und auf den Boden gefallen ist – Displayschaden. Auch meine Pen-F musste ich einschicken, da ein Problem mit dem SD-Kartenfach vorliegt. Somit habe ich im Moment nur eine Kamera und das macht mir wieder einmal bewusst was für ein Segen es ist drei zu besitzen.

Einer der großen Vorteile des kompakten MFT-Systems ist es, dass man auch noch relativ unbeschwert unterwegs ist, wenn man zwei oder drei Kameras schultert. Gerade jetzt im Frühjahr gehe ich gerne mit einem Supertele in den Wald, möchte aber zwischendurch auch Landschaftsaufnahmen machen können, was eher ein Weitwinkel erfordert. Mit einer Kamera bedeutet das Objektivwechsel, mit zweien lediglich Kamerawechsel.

Zwei Vollformatkameras stundenlang durch die Gegend zu schleppen ist kein Spaß, zwei MFTs hingegen wiegen weniger als eine Vollformat-DSLR mit zwei entsprechenden Wechselobjektiven. Kurze Rechnung:

  • Nikon D610: 850g (inkl. SD-Karte und Akku) + 24–70mm ƒ2.8: 1070g + 70–300mm Telezoom: 745g
    = 2665g.
  • Olympus OM-D E-M5: 425g (inkl. Karte und Akku) + Olympus OM-D E-M1: 497g (inkl) + 12–40mm ƒ2.8: 382g + Lumix 100–300mm Telezoom: 985g
    = 2289g.

Dezenter Vorteil meiner MFT-Ausrüstung: die 300mm des Pana Telezooms entsprechen 600mm auf Kleinbild umgerechnet. Nikon bietet zwar auch ein Supertelezoom mit 200–500mm an, das bringt aber mehr als zwei Kilo auf die Waage.

Dass die Vollformatriesen streng genommen ein Quäntchen bessere Detailqualität und -schärfe abliefern steht außer Frage. Doch so lange man aus freier Hand und nicht mit Stativ oder Blitzen arbeitet bleiben die Unterschiede für die meisten Anwendungen eher akademischer Natur und ich gebe dem praktischen Nutzen des Gewichtsvorteils und Verzichts auf Objektivwechsel ganz klar den Vorzug.

Fotografieren mit Olympus’ Schnappschuss-Fokus

Olympus’ bewirbt seine Objektive M.Zuiko 12mm ƒ2.0 und M.Zuiko 17mm ƒ1.8 unter Anderem mit dem Schlagwort »Schnappschuss-Fokus«. Klingt super – aber was ist das?

Entfernungs- und Schärfentiefeskala

Zum Umschalten von automatischer auf manuelle Fokussierung werden bei diesen Objektiven die Fokusringe Richtung Kamera gezogen. In manueller Stellung geben die Ringe eine zweiteilige Skala frei. Diese dient sowohl zur Entfernungseinstellung als auch als Schärfentiefeskala (oder Tiefenschärfeskala – wie man will).

Die obere Hälfte der Skala zeigt ein paar Blendenwerte und in der Mitte eine rote Markierung. Die untere Skala zeigt einige Entfernungen – Meter in Schwarz, Fuß (ft) in Rot – 1 Fuß sind knapp über 30cm.

Entfernungseinstellung

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Wird  am Olympus M.Zuiko 12mm ƒ2.0 der Fokusring so eingestellt, dass sich 0.2m unter der roten Markierung befindet, beträgt der Abstand zum Punkt maximaler Schärfe (Fokuspunkt) 20cm – von der Ebene des Bildsensors aus gemessen, nicht von der Frontlinse.
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Die 3 unter der roten Markierung sollte auf 3m fokussieren – theoretisch!
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Steht der Fokusring auf ∞ sollte alles ab einer gewissen Distanz bis unendlich scharf sein – allerdings müsste man dazu wissen wie groß diese Distanz ist. Leider finden sich aber keine Angaben dazu in welcher Entfernung ∞ beim 12mm ƒ2.0 liegt.

Wüsste man in welcher Entfernung ∞ beim 12mm ƒ2.0 liegt bräuchte man das Objektiv nur auf ∞ zu stellen und wüsste, dass alles ab dieser Distanz bis unendlich scharf abgebildet wird. Theoretisch ließe sich die Entfernung von ∞ mit Tests ermitteln. Praktisch würde das aber nichts bringen, weil die Skala aufgrund der kleinen Baugröße des Objektivs und des Umstands, dass die Schärfe nicht direkt mechanisch sondern vom AF-Moter geändert wird viel zu wenig präzise ist um Nutzen daraus zu ziehen.

Bei 0.2-m-Einstellung funktioniert das Fokussieren per Skala noch ganz gut, bei 1ft (30cm) ist es akzeptabel, bei 0.5m beginnt es kritisch zu werden – jedenfalls bei Offenblende. Bei geschlossener Blende lässt es sich aufgrund der größeren Schärfentiefe eher mit der Skala arbeiten – eine Fehlfokussierung einiger Zentimeter ist bei Blendenöffnungen von ƒ5.6 und kleiner bei 12mm MFT kaum relevant.

Schärfentiefeskala (Schnappschuss-Fokus)

Der Nutzen der Entfernungsskala hält sich also in Grenzen. Anders sieht es mit der Schärfentiefeskala aus.

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Dreht man den Fokusring so, dass rechts ∞ unter 5.6 steht kann man links unter 5.6 ablesen, dass die Schärfentiefe bei dieser Stellung von 5ft (1,5m) bis unendlich reicht. Es wird also ALLES (!) ab einer Distanz von 1,5m scharf aufgenommen.
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Dreht man den Fokusring so, dass ∞ unter 11 steht reicht die Schärfentiefe von 2ft (60cm) bis unendlich reicht.

Das dürfte wohl gemeint sein, wenn Olympus von Schmappschuss-Fokus spricht: Man stellt die Kamera auf eine bestimmte Blende ein – in der Regel eine mittlere bis kleine Blendenöffnung, nehmen wir an ƒ11 –, stellt den Fokusring so, dass sich ∞ unter 11 befindet und kann munter ohne zu fokussieren drauf los fotografieren: Alles was weiter von der Kamera entfernt ist als 60cm landet scharf auf der Aufnahme.

Ein cooles Feature für Street-Fotografen und alle die schneller abdrücken wollen als Mensch oder Kamera fokussieren kann. Und mit ein Grund weshalb ich mein Panasonic 15mm ƒ1.7 bald durch das Olympus 17mm ƒ1.8 ersetzen möchte.

Zum Abschluss ein paar Fotos die ich am vergangenen schönen Wochenende in Bregenz am Bodensee mit der Olympus Pen E-PL7 aufgenommen habe – alle mit 12mm ƒ2.0 bei Blende ƒ11 auf entsprechender Schnappschuss-Fokus-Einstellung des Objektivs. Alles scharf!

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Weitwinkelvergleich für MFT

Als ich letzte Woche eine Olympus OM-D E-M5 Mark II im Hochauflösenden Modus (40 Megapixel) testete, kam mir der Gedanke, dass das doch eine gute Gelegenheit ist einmal meine Olympus Weitwinkelobjektive zu vergleichen. Zum Vergleich traten an: M.Zuiko 12mm ƒ2.0 (Olympus | Amazon), M.Zuiko 12–40mm ƒ2.8 (Olympus | Amazon) und M.Zuiko 9–18mm ƒ4.0–5.6 (Olympus | Amazon) – alle mit Stativ bei Blende ƒ8.0 und ISO200.

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Oben das Motiv, darunter ein 100-%-Ausschnitt je einer Aufnahme des M.Zuiko 12mm ƒ2.0, M.Zuiko 12–40mm ƒ2.8 und M.Zuiko 9–18mm ƒ4.0–5.6.

Bei diesem Test ging es mir vor allem um den Vergleich der Detailschärfe, nicht um Dinge wie Verzeichnung oder chromatische Aberration. Vergleiche ich die drei Aufnahmen entdecke ich zwar Unterschiede die mir jedoch praktisch kaum relevant erscheinen, was mich selbst auch etwas überraschte – immerhin kostest das 9–18mm nicht viel mehr als die Hälfte des 12–40mm und auch deutlich weniger als die 12-mm-Festbrennweite.

Wer es genau wissen will findet bei dxomark.com die Labormessungen für die drei Linsen. Bei deren Gesamtwertung fällt der Vergleich andres aus. An der OM-D E-M1 erreicht das 12mm 22 Punkte, das 12–24mm 20 Punkte und das 9–18mm 14 Punkte.

Nachtrag | Andreas hat mich in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass die Detailschärfe eines Objektivs im mittleren Bereich nicht allein aussagekräftig für die Qualität einer Optik ist und das ist natürlich korrekt. Ich versuche zwar nicht hier amtlichen Fototestern wie dxomark.com und dpreview.com Konkurrenz zu machen, dennoch möchte ich drei Ausschnitte aus dem Randbereich nachreichen (in den Ecken enthält mein Motiv keine Elemente die für einen Vergleich aussagekräftig wären). Hier sieht man, dass das M.Zuiko 12–40mm am meisten Schärfe und Kontrast liefert, während die 12mm Festbrennweite etwas abfällt und das 9–18mm das Schlusslicht bildet.

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In der obersten Abbildung habe ich einen Ausschnitt im Randbereich markiert. Die Abbildungen darunter zeigen eine 100-%-Ansicht der Aufnahmen von M.Zuiko 12mm ƒ2.0, M.Zuiko 12–40mm ƒ2.8 und M.Zuiko 9–18mm ƒ4.0–5.6.

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Neue Linsen von Olympus

Olympus hat gestern zwei bereits seit längerem angekündigten Pro-Objektive vorgestellt (Titelbild: © Olympus 2015): Ein 7–14mm ƒ2.8 Weitwinkelzoom (14–28mm KB) und ein 8mm Fisheye. Beide Objektive sind wie alle Pro-M.Zuikos gegen Staub und Wasser abgedichtet.

Das Weitwinkelzoom dürfte dem Vernehmen nach um etwa 1200 Euro zu haben sein und läge somit etwa gleich auf mit Panasonics 7–14mm Weitwinkelzoom. Das Fisheye verfügt über einen Sichtwinkel von 180°, also Bauch und Zehen beim Fotografieren einziehen. Bei dpreview.com gibt es bereits einen ersten Hands-on-Bericht mit mehreren Abbildungen. Laut den Angaben dort ist das neue M.Zuiko Fisheye mit ƒ1.8 das lichtstärkste Objektiv im Bereich dermaßen weitinkliger Fischaugenobjektive.

Der Fotograf Martin Wagner durfte das Objektiv offensichtlich bereits testen und hat einen kurzen Video-Bericht auf Vimeo veröffentlicht.

Olympus m.Zuiko Digital ED 7-14mm F2.8 PRO Vorstellung from Martin Wagner on Vimeo.

40mm

Wie viel Zoom braucht der Mensch? Gar keines. Behaupte ich. Die Betonung liegt aber auf ›braucht‹. Dass ich keines brauche, heißt nicht, dass ich Zooms nicht schätze. Doch es geht auch sehr gut. Das wussten schon unsere Väter. Denn als die fotografierten gab es noch kaum Zooms. Zumindest als mein Vater fotografierte. Eure Väter, liebe Leser, mögen ja Teils in meinem Alter.

Auf jeden Fall liebe ich meine Festbrennweiten. 24mm von Sigma, 28mm von Nikon, 35mm von Nikon, 40mm (KB) von Panasonic, 50mm von Nikon und 105mm. Von Nikon. Nur das neue 85mm ƒ1.8 harrt noch auf der Wunschliste. Übrigens auch von Nikon.

Weniger Ballast, mehr Herausforderung | Vor Jahren bin ich mit 14–24mm, 24–70mm, 70–200mm und 70–300mm auf Reisen gegangen. Würde ich heute nicht wieder machen. Für die letzten beiden Urlaubsreisen – nach La Palma und quer durch Österreich – habe ich jeweils nur eine (!) einzige Festbrennweite eingepackt. Habe ich es bereut? Keineswegs! Rücken und Schultern waren froh. Hat es weniger Spaß gemacht? Im Gegenteil! Verschiedenste Motive mit einer einzigen Brennweite ansprechend einzufangen ist eine größere Herausforderung, als wenn man die Perspektive mit flexibler Brennweite aktiv kreativ gestalten kann. Diese Flexibilität ist natürlich durchaus ein Vorteil von Zooms. Es heißt aber nicht, dass man mit Festbrennweiten keine bemerkenswerten Ergebnisse erzielen kann. Es kostet nur oft etwas mehr Anstrengung. Und gerade dieser erhöhte Herausforderung mag es sein, dass man trotz der eingeschränkteren Möglichkeiten doch oft bessere Treffer erzielt, als in der Komfortzone des Zooms. Einmal ganz abgesehen davon, dass das Preis-Qualitäts-Verhältnis bei Festbrennweiten oft besser ist.

Mit der Festbrennweite quer durch Österreich

Neben meiner Leidenschaft für Fotografie und Design habe ich auch eine für offenes Fahren. Regelmäßig fahren ich und meine Frau in meinem kleinen japanischen Reiskocher Straßen und Pässe in der näheren und weiteren Region ab. Auf meine letzte Reise kreuz und quer durch Österreich habe ich lediglich meine Zweitkamera mitgenommen, die Panasonic Lumix G3, mit einem 20mm ƒ1.7 Festbrennweiten-Objektiv mitgenommen. Umgerechnet auf Kleinbild entspricht dieses 20mm-Objektiv 40mm und ist somit irgendwo zwischen leichtem 35mm Weitwinkel und 50mm Normalobjektiv zu sehen. Ein bisschen eng, für einen Weitwinkelfreund wie mich, aber doch gut zu gebrauchen. Die folgenden Bilder stammen allesamt von dieser Reise und sind somit mit demselben Objektiv und derselben Brennweite entstanden.

40mm 14 Meine Kamera für Unterwegs. Die G3 mag mir zwar nicht so recht ans Herz wachsen – sie vermittelt mir nicht das Gefühl eine Seele zu haben – aber sie ist dennoch eine praktische Kamera mit guten Eigenschaften in einem recht kompakten Gehäuse. Besonders mit dem 20mm ƒ1.7 kann man die G3 gut einsetzen.
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Es kommt auf die Perspektive an. Enten sind zwar keine aufregenden Motive und auch das Licht ist hier eigentlich recht langweilig, aber der Blick aus Entenaugenhöe auf die Vögel, das Schilf und die tiroler Berge dahinter macht das Motiv dennoch durchaus interessant.
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Auch Schmetterlinge sind jetzt nicht so die spannenden Motive, zumal es sich um Exemplare handelt, die in unseren Landen über alle Wiesen, Auen und Wälder flattern. Dennoch mache ich das kleine ‘catch me if you can’-Spiel, zu dem einen die Mistviecher immer einladen. Setzen sich erst vor deiner Nase auf eine Blume und kaum hast du die Kamera eingeschaltet, machen sie schon wieder den Flattermann.
Schmetterlinge sind groß genug um sie trotz eines Minestabstands von 20cm, beim Panasonic 20mm ƒ1.7, einigermaßen formatfüllend einfangen zu können und nach dem Urlaub sagen zu können »Schau mal, ich hab da auch ein Makro.«
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Besonders weite Panoramen muss man mit 40mm Kleinbild natürlich nicht einfangen wollen – dafür ist der Ausschnitt viel zu eng. Aber ein bisschen Landschaft geht immer. Die Bäume und Äste im Vordergrund geben dem Bild etwas tiefe und verhindern, dass das Bild von Bergen und Felsen zu flach wirkt. Vor allem der halb angeschnittene Baum rechts tut der Gesamtkomposition recht gut. Der leicht durchzogene Himmel ist interessanter, als wenn er mit flächigem Blau angemalt wäre.
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Wege gehören, neben Türen und Fenstern (‘yes, I like windows’), zu meinem liebsten Motiven. Dieses Bild zeigt, dass sich auch mit 40mm schön mit perspektivischer Tiefe arbeiten lässt. Und auch hier garnieren die Wölkchen schön den Himmel.
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Passend zu meinem Sarkasmus und meinem Faible für schwarzen Humor fasziniert mich das Schwindende und Verfallende. Die Bildentwicklung in schwachen Farbtönen kommt dem Motiv entgegen.
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Und noch eine Leidenschaft: Street Photography. Allerdings hier von der Street durch das offene Fenster in die Küche eines Restaurants fotografiert. Frag mich aber jetzt niemand wie weit ich dabei die Grenze des Legalen schon überschritten habe.
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Grünes Licht. Nichts weiter.
40mm 01 Urlaub und Abendrot. Gehört irgendwie zusammen. Auch wenn dieses Abendrot ein Morgenrot ist.
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Das empfundene Blau in der Realität vor Art habe ich trotz aller Nachbearbeitung nicht zustanden gebracht. Leider sind Bildschirme nicht in der Lage alle in der Natur vorkommenden Farben in ihrer tatsächlichen Leuchtkraft wieder zu geben. Schön finde ich es allemal.
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Schrieb ich nicht eben weiter oben, dass ich Fenster liebe? Besonders wenn sie von so einem dezenten Lichtstrahl gestreift sind wie hier.
40mm 10 Eine Tür. Licht. Diagonale Linien. Dynamik. Eines meiner liebsten Bilder der Österreichrundfahrt 2011.
40mm 15 Noch ein stiller Favorit der Reise, aufgenommen in einer Kirche in der Wachau.
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Dieses Bild hat den Titel »Das schnelle Paket« erhalten. Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn ich es sehe. Kann mich voll identifizieren, mit dem kleinen Penner. Übrigens einmal mehr ein klassisches Beispiel für das ›Vier Schritte zum Bild‹-Konzept: Perspektive (Augenhöhe), Schärfe (geringe Schärfentiefe zum Freistellen), Belichtung (etwas dunkler eingestellt) und Komposition (asymmetrisch, was der Bildinhalt zulässt). Und gut is.
40mm 12 Die tatsächlichen Wahrzeichen aller Touristenorte sind eigentlich die Andenken-Läden. Hier einmal einer der einen wirklich zum Eintreten einladen könnte.
40mm 13 Kein gutes Foto, aber ein witziges Bild, wie ich finde, der grinsende Schädel.
40mm 16 Kirchenbesuche gehören bei Städte- und Orte Touren irgendwie dazu. Wobei es hier wieder einmal das Licht war, das mich zur Aufnahme bewegt hat.
40mm 17 Warum ich auch mit solchen Aufnahmen immer wieder heimkehre, weiß ich eigentlich auch nicht. Wahrscheinlich weil man das halt so macht und weil es nichts kostet.
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Schön bunt und schön tief. Letzteres trotz 40mm Brennweite.
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Anderes Wetter, andere Region, andere Stimmung. Und immer dieselbe Brennweite. Die Entwicklung der Bilder soll die Stimmung vor Ort unterstreichen. In Farbe wären die Aufnahmen dieser Höhentour völlig langweilig und nur trostlos geworden.
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Trotz dem nicht allzu großen Sensor der Panasonic G3 und der mit 40mm auch relativ kurzen Brennweite, lässt sich bie Offenblende ƒ1.7 doch ein bisschen mit Schärfentiefe spielen.
40mm 23
Noch ein Motiv aus Licht und Farbe.

Der Weg ist mein Ziel | Wie gesagt: Alle Bilder sind mit demselben Objektiv bei derselben Brennweite entstanden. Ich kann mich an keine Situation erinnern, an der mir ein Zoom tatsächlich abgegangen wäre. Hätte ich ein anderes Objektiv – vielleicht auch ein Zoom – dabei gehabt, hätte ich sicher anders fotografiert. Doch bei meinen Foto-Touren geht es mir nicht darum bestimmte Dinge auf bestimmte Art einzufangen. Ich weiß ja noch gar nicht was auf mich zukommt. Es geht mir vielmehr darum raus zu gehen und zu schauen welche Motive mir passieren. Und dabei fange ich die ein, die ich mit meinem aktuellen Objektiv gerade erreichen kann. Man kann also sagen ich konzentriere mich auf die Motive, die zum Objekti passen.

Etwas anderes ist es, wenn ich ein Shooting mit einer Person vereinbare, ein bestimmtes Gebäude oder eine Landschaft von einem bestimmten Standpunkt aus ablichten möchte. Dann muss ich die Ausrüstung einpacken, die zum Motiv passen.

Ob so oder so: Was mir zählt ist die Freude an der Fotografie und die Aktive Auseinandersetzung mit Motiven. Das hat so ein Hauch von Flow; von Einswerden mit Motiv und Kamera. Die fertigen Aufnahmen sind mehr so etwas wie ein angenehmer Nebeneffekt. Natürlich freue ich mich, wenn die Resultate gut werden; wenn ich sie wieder sehe und sie Erinnerungen an die Zeit der Entstehung auslösen. Deshalb laufen meine Fotoalben auch als Bildschirmschoner auf meinem Wohnzimmmer-Mac.

Zurück zur Reise und zur 40mm-Brennweite: Ein paar Situationen hat es gegeben, in denen mir der Blickwinkel deutlich zu eng war. In diesen Situationen habe ich einfach mehrere Aufnahmen der Szene gemacht und die Einzelbilder von Photomerge in Photoshop zu einer Gesamtansicht zusammen bauen lassen. Das Programm ist mittlerweile so gut, dass man auch aus freier Hand und ohne Stativ fotografieren kann und trotzdem herzeigenswerte Urlaubsaufnahmen erhält.

40mm 24 Dieses Bild besteht aus beinahe einem Dutzend Einzelaufnahmen neben- und übereinander, die Photoshops Photomerge zu einem Ganzen zusammengebaut hat. Ich hätte während der Aufnahme nicht gedacht, dass es tatsächlich gelingt.
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Auch hier war es mir nicht möglich weit genug vom Schloss weg zu kommen, um es mit dem Blickwinkel der 40mm Brennweite einzufangen. Photoshop hat diese Ansicht aus drei Einzelbildern zusammen gesetzt, die ich im Hochformat aufgenommen habe.
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Und noch ein Photomerge-Panorama.

3.7. Ohne Verwackeln fotografieren

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Bevor wir uns konkret den Belichtungseinstellungen, der Überprüfung der Belichtung und der Belichtungskorrektur zuwenden, ­müssen wir noch das Problem der Verwackelung ansprechen.

Wenn man mit der Kamera in der Hand fotografiert, wird es ­einem nie gelingen, die Kamera absolut ruhig zu halten. Bei ausgesprochen kurzen Belichtungszeiten, im Rahmen von Hundertstel oder Tausendstel Sekunden ist das kein Problem, da die Verwackelung so gering ausfällt, dass sie im Bild nicht zu erkennen ist. Bei längeren Belichtungszeiten hingegen ist das ein Problem.

Dabei gibt es keinen fixen Wert, ab dem unter allen Bedingungen ab einer bestimmten Zeit die Gefahr zu verwackeln zunimmt. Vielmehr hängt die Zeit, die man relativ sicher aus freier Hand ohne Verwackelung belichten kann, von der Länge der Brennweite ab. Es gilt: Je länger die Brennweite, desto kürzer muss die Belichtungszeit sein, um Verwackelung zu vermeiden.

Verwackeln
Winkel der Verwickelung, lange Brennweite und kurze Brennweite.

Der Grund dafür ist relativ simpel. Man wird die Kamera nicht grundsätzlich mehr oder weniger unruhig halten, wenn man mit kurzer Brennweite ➀ oder langer Brennweite ➁ fotografiert. Allerdings wirkt sich die Stärke der Verwackelung ➂ beim engen Bildausschnitt eines Teles wesentlich deutlicher aus als beim großen Ausschnitt eines Weitwinkels.

Verwackelung Tele Verwackelung Weitwinkel
Verwickelung im engen Ausschnitt eines Teles. Exakt dieselbe Verwickelung, doch im weiten Bildausschnitt der Weitwinkelbrennweite ist sie kaum mehr zu erkennen.

Der Kehrwert der Brennweite markiert die längste Belichtungszeit | Um zu berechnen, wie lang die längste Belichtungszeit ausfallen darf, um aus freier Hand noch relativ sicher ohne deutlich sichtbare Verwackelung belichten zu können, nimmt man als Faustregel einfach den Kehrwert der Brennweite an. Also zum Beispiel bei einer Brennweite von 50mm 1/50 ­Sekunde, bei 100mm 1/100, bei 200mm 1/200 und so weiter. Zu berücksichtigen ist dabei, dass sich die Brennweite in der Regel auf Kleinbild bezieht. Das heißt, bei einer Kamera mit Kleinbildformat kann die Faustregel 1:1 anwendet werden. Bei einer Kamera mit einem kleineren Sensorformat, muss dabei aber der Formatfaktor berücksichtigen und auf Kleinbild umrechnet werden.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

1.8 Das Objektiv – zentrales Bindeglied zu guten Ergebnissen

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Es wird in diesem Artikel, so wie generell hier in der Serie und im ganzen Blog, etwas Nikon-lastig. Das liegt vor allem daran, dass ich selbst mit Nikon SLR fotografiere und darüber am objektivsten schreiben kann. Die meisten Objektive die ich hier erwähne und zeige hatte ich selbst schon in Verwendung. Das alles soll aber andere Marken nicht diskriminieren.

Werde ich nach einem Rat zum Kamerakauf gefragt, gebe ich eine doppelte Antwort: Ich persönlich habe mich bewusst für Nikon entschieden und habe auch objektive Argumente dafür. Aber alle Hersteller kochen nur mit Wasser und was für mich optimal ist, muss dem Anderen noch nicht passen. Am Besten zu einem Händler gehen, der mehrere Marken führt und verschiedene Modelle verschiedener Marken in die Hand nehmen, sich ausgiebig damit befassen und sich dafür entscheiden, was einem am besten liegt, was einem das beste Gefühl vermittelt.

Obschon ich mich beim DSLR-System für Nikon entschieden habe, finde ich die derzeit interessantesten Kompaktkameras die PowerShot S95 von Canon und die Lumix LX-5 von Panasonic. Noch interessanter als kompakten Ausbau zur großen SLR: Lumix GF2 und Fuji X100. So sehr ich von Nikon DSLR-Kameras begeistert bin, im kompakten Bereich sehe ich dort im Moment kein Modell, das meine Wünsche und Vorgaben tadellos erfüllt.

Soviel vorweg, für alle, die sich hier etwas zu wenig repräsentiert fühlen, weil sie mit einer anderen Marke als Nikon fotografieren (mehr über meine Meinung zu Marken-Fetischismus habe ich im Artikel ›Tee oder Kaffee‹ geschrieben). Jetzt aber zurück zum eigentlichen Thema:

Objektive

Die richtige Kamera ist wichtig um Spaß an der Fotografie zu haben (siehe auch ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹). Mindestens ebenso wichtig für gute Resultate – wenn nicht sogar noch wichtiger – ist das passende Objektiv. Zwei Kriterien sind ausschlaggebend bei der Auswahl des passenden Objektivs.

Nur die besten Objektive für gute Kameras | Zum Einen ist das natürlich die Qualität der Optik. Eine sehr gute Kamera mit hoher Bildauflösung bringt gar nichts, wenn die eingesetzten Objektive nicht in der Lage sind Motive in ausreichender Schärfe und Qualität an den Sensor zu liefern. Hochauflösende Kameras mit 16 oder 25 Megapixel erzeugen in Kombination mit mittelmäßigen Objektiven keine besseren Bilder, sondern nur größere Dateien. Wer mit einem Gerät mit solchen Auflösungen liebäugelt sollte für Objektive vierstellig rechnen – zumindest bei Zoomobjektiven.

Ohne passende Objektive erzeugt mehr Auflösung lediglich größere Dateien.

Zum Anderen ist, neben der Qualität, natürlich auch und vor Allem die Art des Objektivs von zentraler Bedeutung, also ob Weitwinkel-, Normal- oder Teleobjektiv, ob Festbrennweite oder Zoom.

Es gibt spezielle Objektive für das Fotografieren ganz kleiner Motive, die sogenannte Makroobjektive. Normale Objektive verlangen bei Spiegelreflexkameras in der Regel einen gewissen Mindestabstand zum Motiv. Sie können nicht auf eine Distanz von zwei, drei oder zehn Zentimetern scharf stellen. Makroobjektive erlauben sehr viel geringere Abstände und niedrige Abbildungsmaßstäbe. Damit lassen sich dann – je nach Objektiv – auch Ameisen formatfüllend ablichten. Der Kompaktkamera-Fotograf muss sich darüber weniger den Kopf zerbrechen. Sein Objektiv ist bereits fix an der Kamera montiert und sehr oft erlaubt es Abstände von unter zehn Zentimeter.

Es gibt noch eine ganze Reihe an anderen Arten von Objektiven. Wer in die Fotografie einsteigen will, für den ist die Frage nach dem geeigneten Objektiv kaum weniger wichtig, als die Frage nach der optimalen Kamera. Gute Objektive kosten gutes Geld und da nur wenige Fotografen über unbeschränkte Budgets für die Fotoausrüstung verfügen, sollte die Wahl der Objektive wohl überlegt sein.

Basisobjektiv | Wer zum ersten Mal eine Spiegelreflexkamera kauft wird wahrscheinlich zu einem Set greifen, bei dem die Kamera mit dem Objektiv gebündelt ist – ein sogenanntes Kit. Solche Sets haben den Vorteil, dass sie weniger kosten als würde man Gehäuse und Objektiv einzeln kaufen. Teilweise sind diese Pakete oberflächlich betrachtet sehr verlockend geschnürt. Ich kann allerdings nur den Tipp geben eine Fotoausrüstung nicht mit dem Sparstift zu kalkulieren. Die zentrale Frage sollte nicht sein »was kostet es« sondern »was brauche ich«. Ein Schnäppchen kann sich sehr schnell als Fehlgriff erweisen, wenn das günstige Objektiv für die Motive des Fotografen tendenziell ungeeignet ist.

Wer eine Kamera kauft, achtet dabei in der Regel auch auf den Preis – besonders, wenn es um die erste Kamera geht. Um im Preiskampf bestehen zu können und ihre Geräte an den Kunden zu bringen, bieten die Hersteller verständlicherweise immer ein möglichst preiswertes Paket an. Bei Canon und Nikon steckt bei den günstigeren Geräten meist ein 18–55mm Objektiv im Paket.

Nikkor 18 55 Nikon bündelt seine Einsteiger-Kameras in der Regel mit diesem 18–55mm Objektiv. Übersetzt auf Kleinbild ergibt sich daraus ein Brennweitenbereich von 27–83mm (Bild: nikon.de).
Canon18 55 Canon bündelt mit einem Objektiv mit gleichem Brennweitenbereich. Mit dem Formatfaktor 1,6 ergibt sich daraus etwa 29–88mm (siehe auch ›Formatfaktor‹; Foto: canon.de).

Standardzooms decken in der Regel einen Brennweitenbereich zwischen 24mm und 70mm (KB) ab.

Mein Tipp an Neueinsteiger: Lieber Hundert Euro drauf zu legen und ein etwas flexibleres Basisobjektiv mit mehr Brennweite kaufen. Die meisten Fotografen werden mit einem 18–55mm bald darauf kommen, dass ihnen die etwa 85mm Kleinbildbrennweite dieser Standardzooms in vielen Situationen zu kurz ist.

Nikkor 18 105 Gibt es meist als etwas teureres Kit zu vielen Nikon-Kameras: 18–105mm. Mit der Kleinbildbrennweite von 27–158mm ist man für die meisten Situationen bereits bestens gerüstet (Bild: nikon.de).
EF S 18 135mm Wer bei Canon ein paar Euro mehr drauf legt erhält mit einem 18–135mm Objektiv eine noch flexiblere Lösung. Auf Kleinbild umgerechnet sind das 29–216mm – ein ganz schöner Brennweitenbereich der weit ins Tele hineinreicht (Foto: canon.de).

Basisobjektive mit mehr Brennweite |

Die meisten Hobbyfotografen dürften mit einem Standardzoom zwischen 27mm und 200mm Kleinbild bestens aufgestellt sein. Sowohl beim Fotografieren mit Freunden in der Freizeit, beim Sport, mit den Kindern, beim Bummeln in der Stadt oder beim Wandern findet man damit bestens sein Auslangen. Vergleichbare Objektive, zu den hier vorgestellten, sollte es bei jeder Marke geben.

Wer oft entfernte Motive groß abbilden will, der wünscht sich vielleicht noch etwas mehr Brennweite. Wer gerne Sport fotografiert, hat oft nicht die Möglichkeit bei Veranstaltungen ausreichend nah an seine Motive heranzukommen. Und auch wer es beim Wandern auf Murmeltiere, Rehe und Gämse abgesehen hat, ist selbst mit 200mm Kleinbild rasch an der Grenze.

DX 18 200 ED VR II Mein Begleiter auf Wanderungen: An der D80 habe ich in den Bergen meist den Vorgänger dieses Objektivs dabei, ein 18–200mm ƒ3.5–5.6. Übersetzt auf Kleinbild sind das 27–300mm und bietet eine große Flexibilität (Bild: nikon.de).
Sigma 18 200mm Noch mehr Tele-Reserven bietet das Sigma 18–250mm F3,5–6,3 DC OS HSM. Dieses Objektiv wird nicht nur für Nikon, sondern auch für andere Hersteller angeboten (Bild: Sigma Deutschland).

Festbrennweiten | Die bisher gezeigten Zoomobjektive richten sich an Einsteiger, Hobbyfotografen und Amateure. Sie sind bezahlbar, man muss aber Abstriche bei Lichtstärke und Qualität machen. Wer auch unter ungünstigen Lichtbedingungen noch fotografieren, bei der Qualität keine Abstriche machen und dafür kein Vermögen investieren will, der ist mit Festbrennweiten gut aufgestellt.

Af s nikkor 50mm f14g An Kleinbild-Kameras ein Normalobjektiv: AF-S Nikkor 50 mm 1:1,4G. An Kameras mit kleinerem APS-C-Sensor, also allen Nikon-Consumer-Geräten, wird es mit 75mm KB zum leichten Teleobjektiv (Bild: Nikon GmbH).

Der Klassiker unter den Standard-Festbrennweiten ist das 50mm Objektiv. Wer eine Kamera mit Kleinbildsensor hat ist damit als Standardobjektiv gut bedient. Aber bei den Consumer-Kameras mit kleineren Sensoren ergibt sich aus 50mm Brennweite der Bildausschnitt von 75mm bei Nikon, Pentax und Sony, 80mm bei Canon und 100mm bei Olympus und Pentax. Für immer-dabei ist dieser Blickwinkel schon sehr eng. Als Portätbrennweite hingegen sind 50mm am kleineren Sensor der genannten Marken absolut tauglich und empfehlenswert.

Nachtaufnahme Mit einer Lichtstarken Festbrennweite, wie dem 50mm ƒ1.4, fotografiert man selbst in der Nacht mit sehr wenig Licht noch aus freier Hand, vor allem wenn man eine Kamera hat, die zu wenig Rauschen neigt und hohe Empfindlichkeitseinstellungen erlaubt.
AF 50mm 1 8D 3 Wem 350 Euro für die oben abgebildete 50mm Festbrennweite zu viel ist, der findet im AF Nikkor50 mm 1:1,8 D eine preiswerte Alternative. Das Objektiv bildet allerdings erst etwa ab Blende ƒ4.0 richtig scharf. Bei Canon gibt es ein vergleichbares Angebot, mit einem lichtstärkeren Profi-50mm und einem sehr preiswerten 1.8-50mm (Bild: Nikon GmbH).
Nikon 35mm f1 Nikon 35mm ƒ1.8 Festbrennweiten-Objektiv. Klein, leicht, kompakt, preiswert und trotzdem sehr gute Abbildungsqualität. (Foto: nikon.de)

Das 35mm Objektiv oben war lange Zeit mein immer-dabei-Objektiv. An meiner D80 mit mittelgroßem APS-C-Sensor zeigt es den KB-Ausschnitt eines 50mm Objektivs und ist damit flexibel und fast schon universal einsetzbar. Ein echtes 50mm KB-Objektiv zeigt für Kameras mit kleineren Sensoren in der Regel einen zu engen Ausschnitt – 75mm bei Nikon, Sony und Pentax, 80mm bei Canon, 100m bei Olympus und Panasonic.

Doch auch mit einem Objektiv, das 50mm Kleinbild entspricht, ist man unterwegs in öffentlichen Gebäuden, in Städten und Gassen schnell einmal am Anschlag mit dem Bildausschnitt. Deshalb habe ich vor einiger Zeit das 35mm Objektiv durch eine 28mm Festbrennweite ersetzt. Es entspricht 42mm Kleinbild und ist damit noch näher an der klassischen Reportage- und Reisebrennweite von 35mm dran. Der Vorteil genau dieses Objektivs liegt auch darin, dass es sehr kompakt und leicht gebaut ist – ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man eine SLR mit Objektiv immer dabei haben möchte. Zoomobjektive sind da allesamt etwas Üppig in den Abmessungen.

Af 28mm Mein neuer immer-dabei-Begleiter: Das Nikkor 28mm 1:2,8 D. (Bild: © Nikon GmbH)

Interessant sind für Besitzer einer Canon, Nikon, Sony und Pentax Consumer-Kamera mit kleinerem Sensor auch Festbrennweiten mit 24mm, was an Nikon/Pentax/Sony 36mm ergibt und praktisch exakt den Reise- und Reportage-Klassiker 35mm trifft. Das oben abgebildete Sigma-Objektiv ist mit Anschluss für die meisten Kamerahersteller verfügbar. Sein Blickwinkel ist perfekt als permanenter Begleiter, leider ist es etwas groß und schwer im Vergleich zu Nikons oben genannter 28mm-Festbrennweite (und dem 24mm von Nikon). Dafür glänzt es mit ƒ1.8 aber mit besonders kräftiger Lichtstärke. Außerdem erlaubt es eine unheimlich kurze Naheinstellgrenze und lässt somit auch das Scharfstellen auf ganz kleine Motive zu.

Sigma24mm Lichtstarke Weitwinkel-Festbrennweite Sigma 24mm F1,8 EX DG Makro (Bild: Sigma Deutschland).
Wietiltshift
OK! Kein besonders beeindruckendes Foto. Es zeigt aber hervor­ragend, was Resultate des ­Sigma 24 mm F1,8 von ›gewöhnlichen‹ Objektiven abheben kann: Trotz nächster Nähe ist die Schärfen­tiefe enorm kurz. Vor den ­Büchern unscharf, unmittelbar dahinter auch. Hinter solch ­einem Resultat würde man eigentlich ein sogenanntes Tilt-Objektiv vermuten.

Weitwinkel | Obschon sich mit den weiter oben besprochenen Standardzooms im Weitwinkelbereich zwischen 18 und 24mm auch wunderschöne Landschaftsaufnahmen zu erzielen sind, bevorzugen Landschaftsfotografen kräftigere Weitwinkel. Über die Charakteristik von Weitwinkelobjektiven habe ich ja bereits im Artikel ›Brennweiten, Fluchtpunkt und Bilddynamik‹ geschrieben.

Mein bevorzugtes Weitwinkelobjektiv ist das AF-S Nikkor 14–24 mm1:2,8G ED. Leider schmerzt es zweifach: Zum Einen beim Herum­tragen wegen des Gewichts von einem Kilo, zum Anderen beim Einkaufen wegen des Straßenpreises von etwa 1500 Euro. Wer gerne etwas geringere Zahlen bei Preis und Gewicht anstrebt, für den stellt das Sigma 10–20 mm F4,0–5,6 eine Alternative dar.

Sigma10 20 Preiswerter und leichter Einstieg in die Welt des extremen Weit­winkels: Sigma 10–20 mm F4,0–5,6 EX DC / HSM (Bild: Sigma Deutschland).

Teleobjektiv | Als Einsteiger glaubt man meist man bauche vor allem ein Zoomobjektiv mit besonders viel Tele. Je mehr desto besser! Denn schließlich kann man damit weit entfernte Objekte ganz nah heranholen. Zumindest mir ging es lange Zeit so. Doch je länger meine Teles wurden und je mehr Erfahrung ich damit bekam, desto mehr musste ich einsehen, dass es gar nicht so einfach ist mit einem Teleobjektiv gute Fotos schießen zu können.

Das Problem: Je länger das Tele, desto mehr Geld kostet Lichtstärke. Während man bei Canon und Nikon 50mm Festbrennweiten mit Lichtstärke ƒ1.8 bereits ab etwa 100 Euro bekommt, sind bei Nikon Objektive über 100mm mit einer Lichtstärke von weniger als ƒ2 gar nicht zu bekommen. Für ein hochwertiges 200mm Objektiv mit Lichtstärke ƒ2 blättert man dafür aber schon an die 5000 Euro auf den Ladentisch. Dafür ist die Abbildungsqualität Boa! und Wow! Für ein lichtstarkes Profi-Objektiv mit einer Brennweite von 400mm darf man auch einmal 8000 Euro kalkulieren. Lichtstark heißt bei diesen Brennweiten übrigens ƒ4.0. Für Alle, die mit Lichtstärke noch nicht so durch sind: ƒ2 ist viermal lichtstärker als ƒ4, aber nur halb so lichtstark wie ƒ1.4.

Nun legen aber Profis, die sich ja auskennen sollten, nicht von ungefähr fünf, sechs oder acht Kilo auf den Ladentisch, wenn sie erwarten würden mit einem Zoomobjektiv mit 300 oder 400mm um unter Tausend Euro vergleichbare Ergebnisse zu erzielen.

Preiswertere Zoomobjektive weisen am langen Ende des Zoombereichs meist nur mehr eine Lichtstärke von etwas ƒ5.6 auf. ƒ5.6 ist halb so lichtstark wie ƒ4.0.

Genau hier steckt das Problem. Ihre Lichtstärke liegt in Bereichen von ƒ3.6 oder ƒ4 bis ƒ5.6.

Trägt ein Objektiv nur eine Blendenöffnung im Namen, wie zum Beispiel 70–200mm ƒ2.8, dann hat es am langen Ende der Brennweite dieselbe Lichtstärke wie am kurzen.

Trägt ein Objektiv zwei Lichtstärken im Namen, wie 70–300mm ƒ4,5–5,6, dann hat es am kurzen Ende die größere Lichtstärke von ƒ4.5 und am langen Ende die geringere von ƒ5.6.

Objektive mit durchgehender Lichtstärke sind anspruchsvoller in Konstruktion und Herstellung und somit ungleich teurer. Für ein 70–200mm mit durchgehender Lichtstärke ƒ2.8 blättert man sowohl bei Canon als auch bei Nikon etwa 2000 Euro hin.

Das Dumme an der Sache: Je länger die Brennweite, desto kürzer sollte die Belichtungszeit beim Fotografieren sein, damit man mit freier Hand ohne Verwackeln halten kann. Zwar bieten aktuelle Telezooms leistungsstarke Systeme für die Bildstabilisierung. Aber diese Systeme sind unter ambitionierten Fotografen nicht unumstritten und ich bin mir sicher, die meisten Profis würden ein lichtstarkes Objektiv ohne Bildstabilisierung einem lichtschwächeren Objektiv mit Stabilisierung vorziehen.

Bei langen Brennweiten braucht man kräftiges Umgebungslicht um selbst bei vollständig geöffneter Blende unverwackelt ablichten zu können. Bei diesigen Verhältnissen, in der Dämmerung oder gar in Wäldern geht da gar nichts ohne Stativ. Die kräftigsten Lichtverhältnisse hat man unter Tags wenn die Sonne vom unbewölkten Himmel scheint. Dann ist das Licht meist so stark, dass man auch mit den längsten Brennweiten noch ohne die Gefahr der Verwackelung aus freier Hand fotografieren kann. Nur sorgt das kräftige Sonnenlicht auch dafür, dass jede lichte Stelle überbelichtet und gleichzeitig jeder tiefere Schatten unterbelichtet ausfällt. Das Licht ist bei direkter Sonneneinstrahlung meist zu hart um attraktive Fotos aufnehmen zu können.

Anders gesagt: Ist das Licht ausreichend um mit sehr langen Brennweiten fotografieren zu können, ist es meist so hart, dass man keine schönen Ergebnisse mehr erzielen kann.

Ein weiteres Problem des Fotografierens auf große Distanz (hunderte oder tausende Meter) mit langen Brennweiten: Je größer die Entfernung, desto mehr mischen sich atmosphärische Störungen ins Bild. Die Resultate weisen matte Kontraste, flaue Farben und Blaustiche auf.

Wie bereits einmal erwähnt: Tele- und Super-Teleobjektive sind wichtig, wenn man Motive ablichten möchte, denen man sich nicht nähern kann. Aber sehr gute Resultate sind ohne Stativ und ohne optimale Licht- und atmosphärische Bedingungen kaum zu erzielen. Deshalb sollte der Hobbyfotograf die Bedeutung langer Telebrennweiten nicht überbewerten.

Zu Beginn steht natürlich die Frage »Was möchte ich fotografieren«. Wer auf Sportveranstaltungen fotografieren möchte, für den sind Teles meist unverzichtbar. Als Allrounder habe ich allerdings die meiste Zeit Objektive im Brennweitenbereich zwischen 20mm und 120mm im Einsatz. Diese Brennweiten sind bildgestalterisch einfach interessanter als längere Teles und darüber hinaus viel flexibler.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
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1.7. Brennweite und Bildausschnitt

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Mit den drei Grafiken des letzten Abschnitts (Brennweite, Fluchtpunkt und Bilddynamik) habe ich die perspektivische Wirkung von Brennweiten Illustriert, jedoch einen wichtigen Faktor ausgeklammert: Aus einer einzigen Position lässt sich mit unterschiedlichen Brennweiten nicht derselbe Bildausschnitt aufnehmen. Das heißt, wenn ich einen Würfel einigermaßen formatfüllend mit Normalobjektiv fotografiere, dann muss ich mich für ein ebenfalls formatfüllendes Bild mit Weitwinkel näher hin und für ein formatfüllendes Bild mit Teleobjektiv weiter weg bewegen.

Fotografiert man aus derselben Position mit 105mm, 50mm und 28mm, dann ändert sich die Perspektive nicht! Lediglich der Bildausschnitt wird enger (längere Brennweite) beziehungsweise weiter (kürzere Brennweite). Entgegen der landläufig unter Fotoamateuren verbreiteten Ansicht kann man die Perspektive durch ändern der Brennweite alleine nicht beeinflussen. Die Brennweite alleine verändert lediglich die Größe des Bildausschnitts vor den Augen des Fotografen (oder vor der Linse vor dem Sucher). Um mit Hilfe der Brennweite die perspektivische Wirkung zu beeinflussen, muss der Fotograf zusätzlich die Distanz zum Motiv ändern. Zusammen ergeben Brennweite und Distanz ein enorm wichtiges Gestaltungsmittel für den kreativen Fotografen. Hier befinden wir uns an einem der Kernpunkte kreativer Fotografie.

Brennweiten und Bildausschnitte
Fotografiert man von derselben Position aus mit 105mm, 50mm und 28mm, dann ändert sich die Perspektive nicht, nur der Bildausschnitt wird enger (längere Brennweite) beziehungsweise weiter (kürzere Brennweite).

Brennweite + Distanz = perspektivische Wirkung

Anders gesagt hat der Fotograf zur perspektivischen Gestaltung seiner Bilder zwei Werkzeuge, die er einsetzen muss: Die Brennweite und seine Beine.

Die Abbildung oben illustriert sehr deutlich, dass sich durch unterschiedliche Brennweiten an der Anordnung, der Perspektive und der Dichte des Bildes rein gar nichts ändert und eben nur ein anderer Ausschnitt abgebildet wird.

Die gerne getätigte Aussage man könne mit der Brennweite – speziell mit Hilfe von Zoomobjektiven – die perspektivische Wirkung von Bildern verdichten und Objekte im Hintergrund näher an die Objekte im Vordergrund heranrücken lassen, ist ein Missverständnis. Es beruht wohl darauf, dass die Aussage verschweigt, dass sich die perspektivische Wirkung nur dann wirklich ändert, wenn der Fotograf nicht nur die Brennweite verändert, sondern auch seine Distanz zum Motiv.

Die folgenden Abbildungen demonstrieren welche bildgestalterischen Auswirkungen es auf die visuelle Nähe des Hintergrunds hat, wenn Sie eine Person mit 28mm, 50mm und 200mm aus unterschiedlichen Distanzen jeweils so fotografieren, dass sie die Höhe des Bildausschnitts beinahe füllt.

Brennweite 50mm Distanz spacer.gif Brennweite 50mm Bildwirkung
Formatfüllende Abbildung einer Person aus mittlerer Distanz und Brennweite 50mm … … und der Bildausschnitt, wie er abgelichtet wird.
Brennweite 28mm Distanz spacer.gif Brennweite 28mm Bildwirkung
Möchte man die Person mit 28mm formatfüllend ablichten muss man ihr dazu bedeutend näher kommen. Die perspektivische Wirkung und die Größenverhältnisse der Objekte in Vorder- und Hintergrund ändern sich dadurch dramatisch.
spacer.gif
Brennweite 200mm Distanz
Um mit einem starken Teleobjektiv mit 200mm Brennweite die Person noch immer formatfüllend in den Bildausschnitt zu bekommen muss man sich ordentlich weit von ihr entfernen.
Brennweite 200mm Bildwirkung Neuerlich ändert sich die perspektivische Wirkung und die Größenverhälnisse von Objekten im Vorder- und Hintergrund drastisch. Tatsächlich scheint das Haus hinter der Person viel näher herangetreten zu sein. Wichtig dabei ist, dass sich eine Veränderung der Dichte einer Szene und der perspektivischen Wirkung nur durch verändern der Brennweite und der Distanz erzielen lässt.

Mit einem Weitwinkelobjektiv müssen Sie nahe an ein Motiv herantreten um es formatfüllend ablichten zu können. Durch den weiten Winkel des Blickfeldes scheinen die Objekte dahinter weiter in den Hintergrund zu treten.

Mit einem Normalobjektiv müssen Sie sich im Verhältnis zum Weitwinkelobjektiv weiter von der Person entfernen, um Sie noch immer ganz in der Bildhöhe des Bildausschnitts unterbringen zu können.

Noch sehr viel weiter müssen Sie sich mit einem Teleobjektiv vom Hauptmotiv wegbewegen, um es noch immer ganz in den Bildausschnitt zu bekommen.

Das Verändern der Brennweite alleine hat keine Auswirkung auf die Tiefenwirkung eines Bildes – es verkleinert lediglich den Ausschnitt. Der kreative Prozess dahinter ist in etwa so anspruchsvoll, wie das Beschneiden eines fertigen Bildes in der digitalen Dunkelkammer.

Wenn Sie jedoch Brennweite + Distanz gemeinsam verändern – Weitwinkel und näher ran versus Tele und weiter weg – dann beeinflussen Sie einen der wichtigsten, bildgestaltenden Parameter in der Fotografie überhaupt.

Entgegen der landläufigen Ansicht, Zoom sei (nur) dazu da entfernte Objekte näher an die Kamera heran zu bekommen, begreifen wir die bildgestalterische Qualität der Brennweite nun neu.

Die letzten Abbildungen Kapitels sollen abschließend die perspektivische Auswirkung verschiedener Brennweiten auf ein Motiv aus zwei Würfeln illustrieren. Es wird deutlich, wie sehr ein Weitwinkelobjektiv das Gefühl der Nähe, die dynamische Wirkung und die räumliche Tiefe der Abbildung verstärkt, während mit zunehmend längerer Brennweite die Abbildungen sachlicher und flacher wirken.

Es ist noch einmal zu unterstreichen, dass diese unterschiedlichen Bildwirkungen und das formatfüllende Wiedergeben der Würfel nur dadurch möglich sind, indem der Abstand von Aufnahme zu Aufnahme variiert wird. Der Abstand zu den Würfeln bei der 200mm Abbildung (etwa 2m) ist ein Vielfaches der Distanz, die für die Bildwirkung bei 14mm notwendig war (kaum 10cm).

Brennweite14mm Brennweite 14mm – Perspektive eines extremes Weitwinkel
Brennweite28mm Brennweite 28mm – Perspektive eines moderates Weitwinkel
Brennweite50mm Brennweite 50mm – Perspektive eines Normalobjektivs
Brennweite105mm Brennweite 105mm – Perspektive eines leichten Teleobjektivs
Brennweite200mm Brennweite 200mm – Perspektive eines starken Teleobjektiv

Überlassen Sie die perspektivische Wirkung der Motive nicht dem Zufall, indem Sie von da aus fotografieren, von wo aus Ihnen die Szene gerade ins Auge gesprungen ist. Nutzen Sie die Beweglichkeit Ihrer Beine und die Variabilität moderner Zoomobjektive. Gehen Sie um Ihr Motiv herum und entscheiden Sie, ob eine frontale oder eine diagonale Perspektive besser ist. Wo hat das Objekt das Sie ablichten wollen die Augen? Gehen Sie mit ihm auf Augenhöhe. Setzen Sie die Brennweite bewusst bildgestaltend ein. Beziehen Sie dabei auch mit ein, ob ein Blickwinkel von unten oder von oben besser wäre.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
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1.6. Brennweiten, Fluchtpunkte und Bilddynamik

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Wir haben uns Eingangs zu diesem Kapitel über die Grundlagen der Perspektive unterhalten. Ich habe dabei skizziert, wie sich die perspektivische Wirkung eines Motivs verändert, wenn die Position zu ihm verändert wird. Ob man ein Objekt aus der Frontalansicht oder einer diagonalen Ansicht ablichtet hat Auswirkungen auf die Bildwirkung und führt zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das Eine rührt zu eher statischen Ergebnissen, das Andere wirkt eher spannender und dynamischer.

Position und Brennweite sind die beiden Parameter, mit denen sich die perspektivische Wirkung von Aufnahmen gestalten lässt. Durch die Distanz zum Hauptdarsteller des Motivs und die Wahl der Brennweite wird aktiv beeinflusst wie die Betrachter eine Aufnahme empfinden werden.

Werfen wir nun einen Blick auf den grundsätzlichen Unterschied in der perspektivischen Wirkung der wichtigsten Objektiv­arten – Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektiv.

Normalobjektiv

Die Abbildung unten soll die Wirkung eines Normalobjektivs mit einer Brennweite von 50mm illustrieren. Ich habe die Perspektive in dieser und den folgenden Illustrationen etwas übertrieben zur Darstellung gebracht, um die Unterschiede in den Charakteristiken zu betonen.

Perspektive normal Normalperspektive: Perspektivische ­Wirkung, Fluchten und Proportionen fallen in der Regel deutlich aber nicht übertrieben aus).

Spricht jemand von Normalobjektiv, dann ist in der Regel von 50mm Brennweite die Rede. Auch wenn von Standardobjektiv die Rede ist, ist oft 50mm gemeint. Wie schon früher angedeutet, ist der Blickwinkel dieser Brennweite sehr nah an der Wahrnehmung des Menschen. Somit ist so ein Objektiv für alle möglichen Einsatzzwecke gut geeignet und vor allem wenn es darum geht, einen natürlichen und authentischen Eindruck zu vermitteln.

Die Normalbrennweite erzeugt eine natürliche, authentische Perspektive.

Normalobjektiv und Porträt | Mit Vorsicht zu genießen ist das Normalobjektiv bei Gesichtsporträts. Man sollte Gesichtern damit beim Porträtieren nicht zu nahe kommen, denn sie neigen dazu die Gesichtsproportionen zu verzerren.

portrait-gesicht-50mm.jpg Nahaufnahmen von Gesichtern mit 50mm Brennweite – wie hier – fallen oft wenig schmeichelhaft aus.

Portaitfotografen verwenden in der Regel Brenn­weiten zwischen 80mm und 120mm, die Gesichtszüge harmonischer abbilden können. Ein paar Beispiele die die Wirkung von Brennweiten auf Gesichtszüge demonstrieren habe ich bereits unter ›People- und Porträtfotografie‹ im Artikel ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹ gezeigt.

Anders sieht es aus wenn man mit dem 50mm beim Porträt dem Modell nicht zu sehr auf den Pelz rückt. Bei einem Porträt ab Brust, Bauch oder Oberschenkeln kommt es zu keinen unschönen Verzerrungen der Gesichtszüge.

portrait-oberkoerper-50mm.jpg Dieses Porträt stammt ebenfalls von einem 50mm Objektiv. Da die Distanz hier größer ist, wird die Perspektive und damit die Physiognomie des Gesichts weniger verzerrt.

Die beiden vorangegangenen Abbildung sind mit der Kompaktkamera S95 entstanden. Für Porträts aufgrund der hohen Schärfentiefe kein optimales Gerät. Dass die 50mm-Brennweite für Gesichtsporträts nicht optimal, für Oberkörperporträts jedoch gut geeignet ist, zeigen die beiden Fotos aber allemal.

Weitwinkel

Im Vergleich zur Brennweite eines Normalobjektivs erzeugt ein Weitwinkel eine Perspektive, in der die Fluchtpunkte deutlich näher am Objekt liegen. Es entstehen deutlich stärker geneigte und dadurch ­dynamischere Linien.

Perspektive weitwinkel Beim Weitwinkelobjektiv rücken die Fluchtpunkte näher zusammen. Das führt zu ausgeprägt fliehenden Linien – vor allem auf kurze und mittlere Distanz.

Der Nachteil: Auf manche Motive – wie Gesichter – kann das verheerende Auswirkungen haben. Das kennen wir schon ein bisschen vom Normalobjektiv. Beim Weitwinkel fällt der Effekt allerdings bei Weitem extremer aus. Je kürzer die Brennweite, desto extremer zu Verzerrung.

Weitweinkelverzerrung 21mm Brennweite aus kürzester Distanz. So etwas halten auch die edelsten Gesichtsproportionen nicht aus. Die Gefahr für verunstaltete Menschen ist extrem groß. Bei solchen Ergebnissen ist es kein Wunder, dass manche Leute die Kamera scheuen wie der Teufel das Weihwasser!

Während beim Normalobjektiv und bei Brennweiten um die 50mm Porträts noch immer gelingen, wenn man Oberkörper oder Beine mit in den Bildausschnitt nimmt, ist das Weitwinkel generell gefährlich für menschliche Proportionen. Nicht nur bei Nahaufnahmen kommt es zu deutlichen Verzerrungen, sondern ebenso in den Randbereichen auf etwas größere Distanz.

Andreaweitwinkel Meine zweifellos bessere Hälfte, hier schonungslos vom Weitwinkel gequetscht, gezogen und deformiert.

Doch auch wenn Weitwinkel mit Sicherheit die anspruchsvollste Brennweite ist – vor Allem wenn wir den Dingen nahe kommen –, so übt es in meinen Augen auch den größten Reiz aus. Vor allem für beeindruckende Landschafts- und Architekturaufnahmen gehören Weitwinkel zur Pflicht.

Weitwinkel Landschaft
Eine ziemlich klassische Weitwinkelaufnahme.
Weitwinkelverzerrt
Kritisch wird es wie bereits weiter oben beschrieben, wenn Menschen das Weitwinkel kreuzen. Dieses Bild ist nicht digital verzerrt worden, sondern die Deformation der Protagonisten ist rein auf das Weitwinkel zurück zu führen.

Allerdings schließt das nicht aus, dass Weitwinkel für das Ablichten völlig ungeeignet ist. Richtig eingesetzt lassen sich damit witzige, freche und überraschende Porträts gestalten.

Amelie Eines meiner liebsten Beispiele eines Porträts mit Weitwinkel: ›Die Fabelhafte Welt der Amelie‹. Ohne wäre Audrea Tautous kecker Blick hier nur halb so frech.
weitwinkelportrait.jpg
Auch der Blick mit Weitwinkel von oben hinab eröffnet eine witzige Perspektive für ein Porträt, hier, passend zum öden Treppenhaus, betont kühl entwickelt.
Grossehaende
Typisch Weitwinkel: Was nah ist wirkt ganz nah und riesig groß. Schon dicht dahinter wirken die Dinge viel kleiner.
Grossefuesse Und noch einmal Weitwinkel: Hier mit riesigen Schuhen und endlos langen Beinen.

Die Eigenschaft von Weitwinkel die Dinge von Nah bis Fern in die Länge zu ziehen wird auch gerne von Fashion- und Beauty-Fotografen genutzt, um den Models Beine zu machen. Fotografiert man Menschen aus kürzerer Distanz mit Weitwinkel aus einer tiefen Perspektive scheinen die Beine länger als sie sind (über das, was den Models in der digitalen Dunkelkammer an Schönheitsoperationen widerfährt bewahren wir Schweigen).

Denise weitwinkel 36mm + kurze Distanz + tiefe Perspektive = lange Beine.

Wer mit Weitwinkel fotografiert und nicht gerade eine Landschaft als Motiv gewählt hat, muss in der Regel nahe an sein Motiv ran. Betrachter des Resultats spüren das. Weitwinkelaufnahmen vermitteln das Gefühlt mitten im Geschehen zu stecken und die Protagonisten fast schon greifen zu können. Deshalb sind sie auch sehr beleibt bei Reise- und Reportagefotografen. Während Normalobjektive eher noch zur trockenen, sachlichen Authentizität neigen, erzeugen Weitwinkel schon vom Grundcharakter her mehr Spannung und Leben.

Weitwinkelobjektive ­können Nähe vermitteln und dramatische Perspektiven erzeugen.

Mitten drin
Man spürt die Nähe von Kamera zum Motiv: Hier 28mm Weitwinkel mit der Kompaktkamera PowerShot G12.

Teleobjektiv

Je weiter man in den Bereich der Telebrennweite vorrückt, desto weiter rücken die Fluchtpunkte auseinander und desto mehr nähern sich die horizontalen und vertikalen Linien auch in der Abbildung der Horizontalen und Vertikalen.

Perspektive tele Bei der Tele-Perspektive rücken die Fluchtpunkte weit auseinander. Die Resultate wirken flacher und sachlicher.

Zwar klingt es im ersten Moment verlockend die Dinge so horizontal und vertikal abbilden zu können, wie sie in der Realität sind. Doch den Resultaten einer solchen Wiedergabe fehlt oft Tiefe und Dynamik. Aufnahmen mit Teleobjektiv wirken oft flach, sachlich und trocken. Während Weitwinkel-Bilder Nähe vermitteln und Normalobjektiv-Bilder eine natürliche Bildwirkung erzeugen, vermitteln Teleobjektive den Eindruck der Distanz.

Distanz Die Distanz, aus der Aufnahmen mit Teleobjektiven entstehen, ist auch für den Betrachter eines Fotos spürbar.

Wir Menschen sind Seh-Wesen und nehmen 80% unserer Umwelt über das Sehen wahr. Auch wenn wir nicht von Geburt an dazu in der Lage sind Fotos zu interpretieren und zu analysieren, ob sie mit Weitwinkel-, Normal- oder Teleobjektiv aufgenommen wurden. Intuitiv spürt jeder von uns von Natur aus, ob ein Bild aus kurzer, mittlerer oder weiter Distanz aufgenommen wurde. Gerade wenn man mit Weitwinkel Menschen aufnimmt, vermitteln die Aufnahmen oft eine gewisse Ungestörtheit und Intimität aber gerade deswegen eben auch ein bisschen etwas Voyeuristisches.

Teleobjektive erzeugen sachlich distanzierte ­Anmutung.

Auch wenn der rein bildgestalterische Wert langer Telebrennweiten nicht an leichte Teles (für Porträts), Normalobjektiven (Allround) und Weitwinkeln (Landschaft, Reise, Reportage, Action) herankommt, soll das ihre Bedeutung nicht herabwürdigen. Überall dort, wo entfernte Motive abzulichten möchte, denen man sich nicht ohne Weiteres annähern kann, sind sie wichtig. Ob es um scheue oder wilde Tiere geht, oder um Sportler auf Straßen und Feldern. Wo das Hingehen unmöglich ist ist das Tele unverzichtbar!

Murmelbaer Murmeltiere sind nicht überall in den Alpen völlig scheu. Aber auch wenn Sie sich nicht gleich beim entfernten Auftauchen eines Menschen unsichtbar machen – nah ran und mit Weitwinkel fotografieren erlauben sie meist nicht. Scheue Tiere schießt man nur mit Tele.
perspektive-weitwinkel-stern.jpg perspektive-tele-stern.jpg
Diese beiden Aufnahmen ein und desselben Holzsterns stellen noch einmal die beiden Extreme Weitwinkel und Tele gegenüber. Das linke Bild habe ich aus sehr kurzer Distanz mit 28mm Weitwinkel aufgenommen. Das rechte entstand aus deutlich größerer Entfernung mit 100mm Tele (beides mit dem Zoomobjektiv der Canon PowerShot G12). Während der Stern in der Weitwinkeloptik sehr nah wirkt und extrem fliehende Linien nach hinten zeigt, vermittelt die Tele-Aufnahme den Eindruck deutlich größerer Distanz und die nach hinten fliehenden Linien scheinen schon fast parallel zu verlafen.
Perspektive stark Perspektive schwach Perspaktive keine
Dieses Denkmal steht auf einem Sockel mit einer Höhe von etwa 1,70 Meter. Die linke Aufnahme entstand aus einem tiefen Blickwinkel bei 27mm (KB). Der Soldat richtet sich dramatisch und bedrohlich vor dem Betrachter auf. Bei 105mm (KB; Mitte) und wesentliche größerer Distanz fällt der Blickwinkel naturgemäß ziemlich flach aus. Während man beim Linken Bild die Statur der Statue deutlich zum Himmel hin fliehen sieht, was der Aufnahme die Dramatik verleiht, ist hier von Flucht und Perspektive kaum mehr etwas zu spüren. Bei 300mm Brennweite (rechts) aus großer Distanz ist jegliche Bedrohung aus der Aufnahme gewichen. Der Soldat wirkt in sich gekehrt und geknickt. Er scheint uns, den Betrachter, gar nicht zu bemerken. Wir beobachten ihn aus der Distanz.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
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