Schrifttipp: Museo Sans

Fri, 25. Sep. 09

Ich lese im Moment gerade »Hot Shoe Diarys« von Joe McNally. Bin mir noch nicht sicher wie mir das Buch gefällt, denn es ist ziemlich viel lustig gemeintes Geplapper mit drin, das das Lesen einerseits locker macht, aber das Verstehen nicht immer erleichtert. Außerdem finde ich den Tipp die Kamera auf Adobe RGB zu stellen etwas seltsam, wenn darauf der Tipp folgt man solle in RAW fotografieren – letzteres macht erstere Einstellung obsolet. Aber zumindest ist es unterhaltsam.

Natürlich sind auch tolle Fotos drin. Was es mir aber besonders angetan hat ist die Schrift, in der das Buch gesetzt ist. Super tolle Leseschrift, angenehm unauffällig und doch eigenständig. Sehr schönes Satzbild. Verdammt! Und ich kenn’ die gar nicht! Darf nicht sein. Also Recherchieren. Also zu Identifont gesurft und die Identifizierungsmaschine angeworfen. Am Ende spuckt die doch glatt die Museo Sans aus. Im ersten Moment hielt ich das für einen Fehler, denn ich kenne die Museo, finde sie zwar absolut geil, aber hätte ihr nie, niemals, so eine ausgezeichnete Leserlichkeit zugetraut. He, Jos, echt super Job!

Die Museo Sans gibt es bei Jos Buivenga zu bestaunen und bei myFonts zu kaufen. Allerdings kann man nur acht der zehn Schnitte kaufen, denn – und das ist das Beste – zwei Schnitte können kostenlos heruntergeladen und frei genutzt werden. Und das ist noch nicht das Ende der guten Nachrichten: Die beste Nachricht ist, dass der ganze Satz mit den zehn Schnitten dieser wunderbaren Schrift nur 89$ Kosten. 89$! He, das sind gerade mal 60€! Wer da noch Schriften klauen muss der soll sich schämen und eingraben. Danke, Jos, für diese tollen Deals. :)

Kommentare: 0 (schreib einen ersten Kommentar)

Im Interview: Trixy Freude

Tue, 23. Sep. 08

Es hat jetzt ein paar Wochen Pause mit meiner Interview-Serie gegeben, weil ich selbst im Urlaub bzw. mit Arbeit übervoll war, und den Kollegen denen ich meine Fragen zugesandt habe, geht es offensichtlich ebenso. Nun aber ist mein fünftes Interview eingetroffen, und ihr könnt es hiermit nachlesen

Trixy Freude ist mir als angenehme, engagierte und aktive Forumsteilnehmerin bei Xing aufgefallen. Sie ist Gesellschafterin der 5gestalten GmbH in Stuttgart und bloggt unter anderem unter blog.5gestalten.de und bei webdesign-und-usability.de

Frage: Hallo Trixy. Kannst du kurz deinen Werdegang beschreiben – wie du zum Webdesign gekommen bist, welche Leidenschaft du damit verknüpfst und womit du heute im Wesentlichen dein Einkommen bestreitest?

Trixy: Ich kam so um 1995 rum zum Internet, das ja damals schon das wahre Web 2.0 war – viele haben ein bisschen rumgebastelt, sich Webseiten gebaut, HTML gelernt, diesen Traum vom Konsumenten zum Produzenten gelebt. Und wie so viele habe ich weitergebastelt, bin irgendwann vom Tabellendesign auf CSS umgestiegen und habe gemerkt, dass ich das leidlich genug kann, um das – nach meinem Studium als Informationsdesignerin – auch Kunden anzubieten. Heute liegt meine Leidenschaft aber eher bei der Web-Evaluation. Webseiten beurteilen kann ich nämlich doch noch besser als bauen :)

Frage: Gestaltung lebt im Spannungsfeld zwischen Kreativität und Funktionalität. Wo liegen bei dir die Prioritäten, und: Beinhaltet ein Gestaltungprozess für dich mehr Inspiration oder Transpiration?

Trixy: Ich bin keine klassische Gestalterin, aber ich habe durchaus viele Ideen, die ich auch mal skizziere, um sie dann von anderen umsetzen zu lassen. Kreativität und Funktionalität halten sich da die Waage, schließlich habe ich als Informationsdesignerin auch immer die Usability im Blick. Keine Frage, dieser ganze kreative Denkprozess ist anstrengend und nervenaufreibend, aber ich würde sagen: Eher Inspiration, Schweiß spielt weniger eine Rolle.

Frage: Wie gehst du ein Gestaltungsprojekt an? Wie kommst du zu kreativen Lösungen und was machst du, wenn sich die Inspiration einmal nicht bis zur Deadline einstellt?

Trixy: Das ist noch nie passiert. Im Gegenteil, gerade die Deadline befördert die Kreativität. Ich kann unter etwas Druck ganz gut arbeiten. Ansonsten versuche ich, mich in den Nutzer zu versetzen, zum Beispiel mit der Personas-Methode, bei der man quasi einen Stellvertreter der anvisierten Nutzerschaft personalisiert und für diesen Stellvertreter konzipiert und gestaltet. Oder ich gehe ganz strukturiert vor, mache mir Notizen, welche Dinge mit dem zu lösenden Problem am meisten zu tun haben könnten, welche anderen Dinge ähnlich sind und so weiter.

Frage: Welche Bedeutung hat Schrift und Typografie für deine Arbeit?

Trixy: Schrift und Typografie sind in jedem Bereich meiner Arbeit wichtig, sowohl in der Gestaltung selbst bei der Auswahl der passenden Schriften, als auch bei der Evaluation. Wenn Kunden wissen möchten, wie sie ihre Produkte verbessern können, erwähne ich immer, dass ein einheitliches Schriftbild, gut gewählte Schriftgrößen, Abstände und so weiter die Text-Verständlichkeit fördern.

Frage: Und welche Bedeutung haben Bilder für dich? Woher beziehst du sie in der Regel?

Trixy: Das ist manchmal ein schwieriges Thema. Die meisten Kunden möchten beispielsweise bei einem Relaunch ihrer Webseite mehr Bildmaterial haben, aber sie haben in der Regel keine Vorstellung davon, woher man diese Bilder bekommt, was das kostet, und dass man eigenes Bildmaterial auch möglichst professionell gestalten sollte und nicht einfach selbst mit der Digitalkamera mal eben seinen Kollegen vor dem Aktenberg fotografiert. Feste Bildagenturen habe ich nicht, aber wir haben Kontakte zu guten Fotografen, die wir dann auch gerne vermitteln.

Frage: Ich bin der Ansicht, dass das Thema »Corporate Design« (bei kleineren Unternehmen ein stringentes Erscheinungsbild) in der Ausbildung von Gestaltern recht stiefmütterlich behandelt wird. In der späteren Berufspraxis wird es dann oft vernachlässigt, nicht verstanden um nicht zu sagen: ignoriert. Natürlich verengt es den Rahmen, in dem Kreativität statt finden kann. Doch ein guter Gestalter sollte in der Lage sein, auch unter klar abgegrenzten Rahmenbedingungen gute Lösungen zu erarbeiten.
Wie stehst du zu diesem Thema?

Trixy: Es ist doch eine unheimlich spannende Aufgabe, ein komplettes, einheitliches Gestaltungsbild für ein Unternehmen zu entwerfen. Ich finde nicht, dass das die Kreativität behindert, und es gibt ja auch unglaublich viele tolle Beispiele für Corporate Designs. Für Informationsdesigner ist es vielleicht auch nicht ganz so schwer, mit CD und CI gut umzugehen; in unserer Ausbildung ist das Wort “Konsistenz” vermutlich das, was wir alle am häufigsten benutzen :)

Frage: Gibt es ein Buch für dich, von dem du sagst: »Das muss jeder Gestalter gelesen haben!«

Trixy: Eigentlich nicht. Viele dieser Bücher beschäftigen sich oberflächlich mit einer hübschen Optik, erklären aber kaum die Hintergründe. Ich denke aber, jeder Gestalter, gleich welches Medium er gestaltet, sollte ein gutes Buch über Farbgestaltung besitzen.

Frage: Hast du noch weitere Informationstipps? Zeitschriften? Websites? Blogs? Oder: Wie informierst du dich und was sind deine Lern- und Inspirationsquellen?

Trixy: Ich lese ganz gerne »A List Apart«. Ich verfolge auch diverse Blogs, aber meine Interessen sind da sehr vielfältig, es wäre schwer eins rauszugreifen.

Frage: Was würdest du Neueinsteigern raten, die Gestalter werden möchten: Wie wird man Gestalter und wie schafft man den Einstieg in die Branche?

Trixy:Ich finde es schwierig, von »dem Gestalter« an sich zu sprechen, weil heutzutage alles wahnsinnig spezialisiert ist. Ich denke, man muss sich klar werden, in welcher Richtung die Talente liegen. Ohne Talent wird es nicht völlig gehen, aber es ist auch wichtig, das Handwerk zu lernen. Als Quereinsteiger hat man es sicher auch als Gestalter heute nicht mehr ganz so leicht.

Frage: Gibt es sonst noch einen besonderen Rat oder Tipp, den du allen aufstrebenden Gestaltern mit auf den Weg geben möchtest?

Trixy: Kreativitätstechniken lernen und anwenden! Wenn einem nichts mehr einfällt, wirken Brainstorming, Mindmapping oder schlichtes Knetgummi Wunder.

Frage: Aus persönlichem Interesse: Ich bin über deine Aktivitäten im Internet auf dich aufmerksam geworden. Weshalb engagierst du dich auf diese Weise?

Trixy: Wissen vergrößert sich, wenn man es teilt. Und außerdem bin ich wohl irgendwie sehr mitteilungsbedürftig :)

Vielen, lieben Dank für das Interview, Trixy, und weiterhin ein gutes Händchen beim Evaluieren von Websites – wir User werden es brauchen können.

Anmerkung: Wenn ich mir die letzten vier Interviews anschaue, dann ist das Feedback mit einer Bewertung von ca. 1 nicht eben berauschend. Zwar ist es schwer aus ein bis drei abgegebenen Stimmen Rückschlüsse zu ziehen, aber wir kommen dennoch ins Grübeln ob das Thema vielleicht tatsächlich so am Interesse vorbeit geht. Also lasst uns wissen, wie euch unsere Interviews gefallen und vergebt ein bis drei ehrliche Sternchen hier unten.

Kommentare: 0 (schreib einen ersten Kommentar)

Sinnvolle Trennungen

Wed, 09. Jul. 08

Besonders in meinen InDesign-Seminaren – wo ja die Arbeit mit Text zur Kernaufgabe gehört – weise ich gelegentlich darauf hin, dass Texte manuell umbrochen werden sollten. Einmal abgesehen davon, dass sich dadurch ganz einfach ein angenehmeres Satzbild erzielen lässt (ich behaupte, dass erfahrende Typografen-Augen nach wie vor besser gestalten, als jede Satzprogramm-Automatik), sollte vor allem auch auf möglichst sinnvolle und wenig Trennungen geachtet werden.

Silbentrennung am Ende einer Zeile erschwert zuweilen das korrekte und vor allem Unmittelbare Erfassen von Inhalten. Dabei ist eine Trennung zwischen »Grafik-« und »designer« kein Problem, denn unsere Wahrnehmung setzt das ohnehin zusammengesetzte Wort unmittelbar und mühelos wieder zum Grafikdesigner zusammen.

Besonders in Acht nehmen, sollte sich der Setzer beim Umbrechen durch Silbentrennung, vor sogenannten sinnentstellenden Trennungen. H.P. Willberg hat in einem seiner Bücher einmal »Urin-« »stinkt« als Beispiel für eine solche angegeben. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass Urin übel riecht, sondern es ist auf Instinkte bezogen, die den Wesen schon seit Urzeiten innewohnen.

Ich habe mir einmal vorgenommen sinnentstellende Trennungen zu sammeln, und bin auch schon über einige gestolpert. Leider habe ich bisher im Moment nicht daran gedacht, und die Beispiele später wieder vergessen.

Auslöser für diesen Artikel war eine Trennung in einem Buch, das ich eben lese. Darin kam die Trennung zwischen »Sol-« und »daten« vor – der Satz bezog sich auf den Inhalt eines Bildes. Wie es so ist, steht man manchmal auf dem Schlauch und ich fragte mich, was denn das für Daten sein sollen. Erst beim Blick auf das besprochene Bild machte mir klar, dass es nichts mit Daten, sondern mehr mit Kriegern zu tun hatte (und ließ mich über mich selbst schmunzeln).

Hätte ich besagtes Buch gesetzt, dann hätte ich diese Trennung nach Möglichkeit vermieden. Es ist zwar ein Detail, und die Trennung ist ja auch korrekt durchgeführt, trotzdem verhindert ein sinnvoller Umbruch solche unnötigen Stolpersteine und macht einen Text optimal lesbar.

Kommentare: 0 (schreib einen ersten Kommentar)

Dieses Buch ist echt der Hammer, und ein Muss für jeden Gestalter. Zwar heißt das Buch »Das Foto«, aber die Gestaltungsgrundlagen, die Mante hier erklärt, haben Allgemeingültigkeit für jeden Gestalter.

Mante erklärt Form, Fläche, Goldener Schnitt, Proportionen, Linie, Punkt, Farbe und Kontraste – alles an Beispielen der Fotografie, aber es geht nur ganz selten um Fototechnik. Es geht fast immer um die reine Bildgestaltung und deren Regeln lassen sich fast immer 1:1 auf andere Gestaltungsdisziplinen übertragen.

Wer also das Gestalten jenseits von Button-Klicks in Photoshop und InDesign erlernen will, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Auch den alten Hasen. Auch wenn man selbst noch nie eine Kamera in der Hand hatte, wird man doch außerordentlich vom Wissen in diesem Buch profitieren – der Einsteiger wie der Profi. Und da ohnehin fast jeder Grafikdesigner – auch der nicht fotografierende – praktisch täglich mit Bildern und Fotos zu tun hat, ist ein zusätzlicher Grund, sich das Buch zu besorgen und mit Hingabe zu verschlingen.

Nachtrag: Von vielen Seiten wurde negativ angemerkt, dass diese hervorragende Buch über Gestaltung alles andere als hervorragend gestaltet ist. Diesem Einwand muss ich leider zustimmen. Dass die Rotis hier als Grundschrift eingesetzt wurde, und als Überschriften dann die Frutiger hinzugekommen ist, mag dem typophilen Leser die Freude am Buch trüben. Die Typografie ist ansonsten aber sauber ausgeführt, und trotz der Schriftwahl lässt es sich gut und flüssig lesen.

Weniger gut und flüssig hingegen ist die Platzierung der Bilder. Die Grafiken und Fotos sind in sehr vielen Fällen nicht auf der Seite, auf der sie im Text besprochen werden. Permanent muss man quer blättern um die genannten Beispiele vor Augen bekommen zu können. Einen Grund dafür, weshalb die Bilder nicht passend auf die Seite des Textes platziert wurden, habe ich nur selten Entdeckt. Ganz im Gegenteil: Es gibt Illustrationen die auf der folgenden Doppelseite besprochen werden, während dort dann eine identisch große Grafik steht, die auf der Doppelseite zuvor ein Thema war.

Inhaltlich bleibt das Buch eine Empfehlung, trotz dieser formalen Schwächen.

Kommentare: 0 (schreib einen ersten Kommentar)

Das Wort zum Sonntag

Sat, 17. May. 08

»Typografen sind Dienstleute.«

Kurt Weidemann

PS: Auch Designer, sind Dienstleute.

Kommentare: 0 (schreib einen ersten Kommentar)