Schlagwort-Archiv: Schrift & Typografie

Grafik und Gestaltung – Das umfassende Handbuch

Avisierter Veröffentlichungstermin für mein Buch »Grafik und Gestaltung« war ursprünglich September, dann wurde auf Dezember verschoben. Nun wird es Frühjahr 2010. Der Grund: Das Werk ist sehr aufwändig. 600 Seiten fundiertes Basiswissen und Praxistipps brauchen Zeit.

Abgesehen davon, dass ich die Themen nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln kann und alles, wo ich mir nicht sicher bin noch einmal mit Recherchen überprüfe, gibt es das eine oder andere Loch in meinem Know-how das ich stopfen muss. Und dann sind Wissen, und eine auch für Grafikeinsteiger verständliche Erklärung schreiben können nicht immer das gleiche. Einfache, klar verständliche Erklärungen komplexer Zusammenhänge sind eine echte Herausforderung. Vieles davon will mit Grafiken erläutert werden, die zu zeichnen sind.

Vor allem aber verlasse ich mich dabei nicht auf das, was bisher über Design geschrieben wurde. Wer mein Buch über die Nikon D700 kennt, weiss, dass ich versuche ausgetrampelte Erklärungspfade zu verlassen und neue Perspektiven auf ein Thema zu eröffnen, um eine Thematik so verständlich und praxistauglich als möglich zu illustrieren. Deshalb habe ich die Farbenlehren von Küppers und Itten nicht einfach übernommen. Beide haben ihre Theorien in der PräDigitalen Zeit aufgestellt. Für das Design am Computer zwischen RGB und CMYK sind diese Thesen nur mehr bedingt tauglich. Dasselbe gilt für den Umgang mit Schrift und Typografie: Einerseits gibt es eine DIN-Norm zur Klassifizierung von Schriften, die aber für die heutige Schriftenlandschaft längst überholt ist. Und dann gibt es Spezialkonzepte, die sich aufgrund ihrer Komplexität der Praxistauglichkeit gerne entziehen und nur für Experten nachvollziehbar sind. Ich habe versucht auf Basis von H.P. Willbergs Schriftenmatrix ein Konzept vorzulegen, das auch Gestaltern bei der Schriftwahl unter die Arme greift, die keine ausgeprägten Schriftfetischisten oder Typomanen sind.

Das alles brauch so verdammt viel Zeit. Aber es wird. 🙂

Buch bei Galileo: http://www.galileodesign.de

Schrifttipp: Museo Sans

Ich lese im Moment gerade »Hot Shoe Diarys« von Joe McNally. Bin mir noch nicht sicher wie mir das Buch gefällt, denn es ist ziemlich viel lustig gemeintes Geplapper mit drin, das das Lesen einerseits locker macht, aber das Verstehen nicht immer erleichtert. Außerdem finde ich den Tipp die Kamera auf Adobe RGB zu stellen etwas seltsam, wenn darauf der Tipp folgt man solle in RAW fotografieren – letzteres macht erstere Einstellung obsolet. Aber zumindest ist es unterhaltsam.

Natürlich sind auch tolle Fotos drin. Was es mir aber besonders angetan hat ist die Schrift, in der das Buch gesetzt ist. Super tolle Leseschrift, angenehm unauffällig und doch eigenständig. Sehr schönes Satzbild. Verdammt! Und ich kenn’ die gar nicht! Darf nicht sein. Also Recherchieren. Also zu Identifont gesurft und die Identifizierungsmaschine angeworfen. Am Ende spuckt die doch glatt die Museo Sans aus. Im ersten Moment hielt ich das für einen Fehler, denn ich kenne die Museo, finde sie zwar absolut geil, aber hätte ihr nie, niemals, so eine ausgezeichnete Leserlichkeit zugetraut. He, Jos, echt super Job!

Die Museo Sans gibt es bei Jos Buivenga zu bestaunen und bei myFonts zu kaufen. Allerdings kann man nur acht der zehn Schnitte kaufen, denn – und das ist das Beste – zwei Schnitte können kostenlos heruntergeladen und frei genutzt werden. Und das ist noch nicht das Ende der guten Nachrichten: Die beste Nachricht ist, dass der ganze Satz mit den zehn Schnitten dieser wunderbaren Schrift nur 89$ Kosten. 89$! He, das sind gerade mal 60€! Wer da noch Schriften klauen muss der soll sich schämen und eingraben. Danke, Jos, für diese tollen Deals. 🙂

Sinnvolle Trennungen

Besonders in meinen InDesign-Seminaren – wo ja die Arbeit mit Text zur Kernaufgabe gehört – weise ich gelegentlich darauf hin, dass Texte manuell umbrochen werden sollten. Einmal abgesehen davon, dass sich dadurch ganz einfach ein angenehmeres Satzbild erzielen lässt (ich behaupte, dass erfahrende Typografen-Augen nach wie vor besser gestalten, als jede Satzprogramm-Automatik), sollte vor allem auch auf möglichst sinnvolle und wenig Trennungen geachtet werden.

Silbentrennung am Ende einer Zeile erschwert zuweilen das korrekte und vor allem Unmittelbare Erfassen von Inhalten. Dabei ist eine Trennung zwischen »Grafik-« und »designer« kein Problem, denn unsere Wahrnehmung setzt das ohnehin zusammengesetzte Wort unmittelbar und mühelos wieder zum Grafikdesigner zusammen.

Besonders in Acht nehmen, sollte sich der Setzer beim Umbrechen durch Silbentrennung, vor sogenannten sinnentstellenden Trennungen. H.P. Willberg hat in einem seiner Bücher einmal »Urin-« »stinkt« als Beispiel für eine solche angegeben. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass Urin übel riecht, sondern es ist auf Instinkte bezogen, die den Wesen schon seit Urzeiten innewohnen.

Ich habe mir einmal vorgenommen sinnentstellende Trennungen zu sammeln, und bin auch schon über einige gestolpert. Leider habe ich bisher im Moment nicht daran gedacht, und die Beispiele später wieder vergessen.

Auslöser für diesen Artikel war eine Trennung in einem Buch, das ich eben lese. Darin kam die Trennung zwischen »Sol-« und »daten« vor – der Satz bezog sich auf den Inhalt eines Bildes. Wie es so ist, steht man manchmal auf dem Schlauch und ich fragte mich, was denn das für Daten sein sollen. Erst beim Blick auf das besprochene Bild machte mir klar, dass es nichts mit Daten, sondern mehr mit Kriegern zu tun hatte (und ließ mich über mich selbst schmunzeln).

Hätte ich besagtes Buch gesetzt, dann hätte ich diese Trennung nach Möglichkeit vermieden. Es ist zwar ein Detail, und die Trennung ist ja auch korrekt durchgeführt, trotzdem verhindert ein sinnvoller Umbruch solche unnötigen Stolpersteine und macht einen Text optimal lesbar.

Best »Gestaltungsbuch« ever

Dieses Buch ist echt der Hammer, und ein Muss für jeden Gestalter. Zwar heißt das Buch »Das Foto«, aber die Gestaltungsgrundlagen, die Mante hier erklärt, haben Allgemeingültigkeit für jeden Gestalter.

Mante erklärt Form, Fläche, Goldener Schnitt, Proportionen, Linie, Punkt, Farbe und Kontraste – alles an Beispielen der Fotografie, aber es geht nur ganz selten um Fototechnik. Es geht fast immer um die reine Bildgestaltung und deren Regeln lassen sich fast immer 1:1 auf andere Gestaltungsdisziplinen übertragen.

Wer also das Gestalten jenseits von Button-Klicks in Photoshop und InDesign erlernen will, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Auch den alten Hasen. Auch wenn man selbst noch nie eine Kamera in der Hand hatte, wird man doch außerordentlich vom Wissen in diesem Buch profitieren – der Einsteiger wie der Profi. Und da ohnehin fast jeder Grafikdesigner – auch der nicht fotografierende – praktisch täglich mit Bildern und Fotos zu tun hat, ist ein zusätzlicher Grund, sich das Buch zu besorgen und mit Hingabe zu verschlingen.

Nachtrag: Von vielen Seiten wurde negativ angemerkt, dass diese hervorragende Buch über Gestaltung alles andere als hervorragend gestaltet ist. Diesem Einwand muss ich leider zustimmen. Dass die Rotis hier als Grundschrift eingesetzt wurde, und als Überschriften dann die Frutiger hinzugekommen ist, mag dem typophilen Leser die Freude am Buch trüben. Die Typografie ist ansonsten aber sauber ausgeführt, und trotz der Schriftwahl lässt es sich gut und flüssig lesen.

Weniger gut und flüssig hingegen ist die Platzierung der Bilder. Die Grafiken und Fotos sind in sehr vielen Fällen nicht auf der Seite, auf der sie im Text besprochen werden. Permanent muss man quer blättern um die genannten Beispiele vor Augen bekommen zu können. Einen Grund dafür, weshalb die Bilder nicht passend auf die Seite des Textes platziert wurden, habe ich nur selten Entdeckt. Ganz im Gegenteil: Es gibt Illustrationen die auf der folgenden Doppelseite besprochen werden, während dort dann eine identisch große Grafik steht, die auf der Doppelseite zuvor ein Thema war.

Inhaltlich bleibt das Buch eine Empfehlung, trotz dieser formalen Schwächen.

Das Wort zum Sonntag

»Typografen sind Dienstleute.«

Kurt Weidemann

PS: Auch Designer, sind Dienstleute.

Das scharfe ß wird erwachsen

In Typografenkreisen wird es gefeiert: Das scharfe S – auch als Eszett bekannt –, das es bisher nur in einer gemeinen, also Kleinbuchstaben-Variante gab, hat jetzt offiziell versalen Nachwuchs bekommen.

Bisher galt die Regel, dass Worte mit scharfem S – wie Straße –, groß mit doppeltem S zu schreiben sind, also STRASSE. Besonders bei Namen ist das Fehlen eines versalen Eszett immer wieder kritisiert worden, dass also die Frau Weiß in groß nicht plötzlich zur Frau WEISS wird.

Übrigens, entgegen der landläufigen Meinung, ist das scharfe S nicht vom Aussterben bedroht. Es gab lediglich eine sinnvolle Reform. Als Bassist bin ich beispielsweise froh, dass ich heute keinen Baß (sprich: Baas) mehr spiele, sondern einen echt schnellen Bass.

Wer mehr über das versale Eszett wissen möchte, dem sei das TypoWiki dazu empfohlen: Versal-Eszett

Hat ma’ jemand die passenden Aufträge parat?

In dieser Woche bin ich über zwei neue Schriften gestolpert (über die Graublau schon zum zweiten mal), von denen ich derzeit kaum die Finger lassen kann.

Heroic

Die Heroic, zu beziehen über TypeTrust, ist eine, mit acht Stärken sehr fein ausgebaute Displayschrift, mit einem sehr amerikanischen Charakter und sicher bestens geeignet für Plakate. Für alle acht Stärken gibt es jeweils eine Oblique (für alle, die den Begriff nicht kennen: Oblique ist eine Kursive, die allerdings keine typischen Kursivmerkmale aufweist, sondern lediglich eine schräg gestellte Variante der Aufrechtstehenden darstellt). Aus den Angaben, die ich gefunden habe, steht zwar nichts über echte Kapitälchen im Font, aber wie oben zu sehen ist, scheinen sie vorhanden zu sein.

Was die Type im Moment besonders attraktiv macht, ist, dass TypeTrust den Font derzeit zum Preis von 160$ anbietet (das sind knapp über 100€) – statt 240$.

Graublau Sans Pro

Die neue, sehr schöne und weiche Sans-Schrift Graublau Sans, von Georg Seifert, hat einen wunderschönen, organischen Charakter, und es ist zu erwarten, dass die Type erstklassige Leseeigenschaften mitbringen dürfte. Weniger eine klassische Schrift für die Werbung, sondern vielmehr auch eine Schrift, die sich besonders gut für Werke mit viel Text eignen dürfte, z.B. Bücher oder Zeitschriften. Neben Kapitälchen, Tabellenziffern und Mediävalziffern – wie man es von gut ausgebauten OpenType-Schriften in der Zwischenzeit erwartet – sind auch Kapitälchenziffern vorhanden. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe an Alternativzeichen und Ligaturen. Alles, was des typografen Herz, für exklusive Satzwerke verlangt.

Die Graublau Sans Pro ist bei fonts.info zu erwerben. Ein Satz mit sechs Schnitten kostet 199€, alle vierzehn Schnitte schlagen mit 350€ zu Buche. Einzelschnitte werden, soweit ich sehen konnte, nicht angeboten. Sollte jemand dennoch einen Einzelschnitt wünschen, würde ich’s einfach mit Kontaktieren versuchen. Leute die Schriften machen und vertreiben sind meist nette Idealisten und lassen gut mit sich reden.

Sollte jemand von euch jetzt also grad ein Projekt in der Schublade habe, das zu einer der Schriften passt, würde ich den Auftrag gerne annehmen. Aber ich weiss eh, dass meine Leser keine Grafikaufträge geben, sondern nehmen. 😉

Die Geschichte der Typografie als Audiopodcast

Der Tipp lief schon vor wenigen Wochen, über die einschlägigen Weblogs (unter anderem den Fontblog, wo ich die Meldung her habe). In einem über zweistündigen Interview unter dem Titel »Die Geschichte der Typografie« spricht der Chaosradio-Moderator Tim Pritlove mit dem Gestalter Thomas Maier über die Geschichte der Typografie. Allerdings versteht sich die Typografie hier nicht im gestalterischen Sinn, wie wir sie heute meist verstehen, sondern es geht um die Geschichte des Typografie-, Satz- und Druckhandwerks seit den Anfängen durch Gutemberg.

Die Podcast Episode findet sich auch in iTunes unter der Podcast-Adresse des Chaosradio Express, und zwar mit dem »CRE080 Geschichte der Typografie«.

Das Interview ist sowohl für alte Typohasen, wie auch Einsteiger und Interessierte sehr empfehlenswert.

Schriftenvielfalt fürs Webdesign

Sehr kontrovers wird derzeit Apples Vorstoß diskutiert, mit dem jetzt (in Apple Safari) und in Zukunft (in anderen Browsern – Opera wird als nächstes folgen) Schriften, die auf einem Server zur Verfügung stehen, mittels Stylesheet zur Darstellung im Browser geladen werden können. Einen Artikel dazu hat Ralf Herrmann vor kurzem in seinem Typowiki veröffentlicht.

Weniger Freude äußert ein Teil der Schriftenentwerfer und -vertriebler, wie aus einem Artikel im Fontblog, sowie den dazu geäußerten Kommentaren, zu entnehmen ist – dort heißt die provokante Überschrift »Apple erklärt Schriftentwerfern und -verlagen den Krieg«.

Mehr Begeisterung zeigen die Schriftentwickler bei fonts.info, die die Neuigkeit mit dem Freefont Graublau Sans Web in den Schnitten Regular und Bold, zum (natürlich) kostenlosen Download feiern.
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Für alle interessierten, vor allem für alle mit Webdesign beschäftigten, hat Ralf Herrmann eine Umfrage ins Internet gestellt, um das Interesse der Gestalter zu erkunden. Der Link zur fünf Minuten dauernden Umrage ist hier.