Die Würfel sind gefallen

Mon, 28. Feb. 11

Ich habe in den letzten Tagen darüber nachgedacht ob es sich wohl rentieren könnte meine Bücher über Canon PowerShot G12 und S95 sowie über die Nikon D7000 auf eigene Faust zu publizieren. Aber ohne Marketingmaschine wird sich der Aufwand dafür sicher nicht rechnen. Also habe ich den Plan verworfen die beiden Werke zu veröffentlichen. Verstauben sollen sie trotzdem nicht. Ich werde die beiden Skripte im Laufe der kommenden Wochen und Monate filetieren und in Einzelteilen in die Fotoschule onLine einfließen lassen.

Außerdem habe ich bereits vor einigen Tagen damit begonnen Bilder auf Flickr und hier im Blog zu posten, anhand derer ich beschreibe, wie das ›Vier Schritte zum Bild‹-Konzept angewendet wurde um zu den gezeigten Ergebnissen zu kommen.

Weiters werde ich Objektiv-, Ausrüstungs- und Anwendungstipps aus den beiden Büchern nach und nach im Blog publizieren. So haben dann alle, die sich dafür interessieren etwas davon und ich bringe vielleicht wieder etwas mehr Traffic ins Blog.

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Vor Kurzem habe ich mit meinem neuesten Buch-Projekt begonnen – der ›Fotoschule zur G12/S95‹. Letzte Woche habe ich meinen Eindruck zur S95 in einem Blog-Artikel veröffentlicht. Nun reiche ich den Bericht zur G12 nach.

Die G12 hat für bedeutend mehr Rauschen im Blätterwald der Fachpresse gesorgt, als die kompakte S95. Natürlich! Stellt sie doch das Flaggschiff in Canons Kompaktkamera-Armada dar. Dabei unterscheiden sich die ungleichen Schwestern G12 und S95 in der Praxis geringer, als man es von der Form her vermuten würde.

Vergleicht man die beiden Kameras nach dem Datenblatt, dürften beide denselben Bildsensor mit 10 Megapixel beinhalten und denselben Verarbeitungsprozessor. Zumindest verarbeiten beide RAW schnell genug, dass praktisch keine Wartezeiten entstehen. Auch in der Bildqualität kann ich bisher keine Unterschiede erkennen.

Am kurzen Ende der Brennweite ist die S95 etwas lichtstärker, am langen Ende – also da, wo’s drauf an kommt – hat die G12 die Nase form. Darüber hinaus hat die G12 insgesamt die längere Brennweite; während die S95 bis 105mm reicht (umgerechnet auf Kleinbild), reicht die G12 bis 135mm. Letztere liefert also etwas mehr Potenzial zum Freistellen von Motiven.

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Dank der längeren Brennweite der G12 sind mit 135mm Freisteller (Subjekt der Aufnahme scharf, Hintergrund unscharf) nicht allzu großer Objekte möglich, die mit den 105mm der S95 nicht möglich sind.

Generell will Freistellen mit einer Kamera mit kleinem Bildsensor – wie G12 und S95 – aber mit Vorbehalten betrachtet werden. Kann man kleine Objekte bei langer Brennweite und möglichst offener Blende zumindest noch ein bisschen freistellen, ist es schon bei Portraits praktisch zu vergessen. So lange die Sensoren bei Kompaktkameras so klein bleiben, wie sie bisher sind, werden sie nicht annähernd an die Freistellerqualitäten einer SLR heranreichen. Hatte ich von der Lichtstärke ƒ2.8 noch etwas zusätzliches Freistellungspotenzial erwartet, hat sich schon bei den ersten Bildern herausgestellt, dass diese Hoffnung etwas naiv war. Bei der kurzen Brennweite von 28mm bringt Blende ƒ2.8 nicht viel, und am langen Ende von 135mm ist dann ƒ4.5 auch nicht alle Welt.

Auch die generelle Möglichkeit die Bildwirkung von Aufnahmen großartig beeinflussen zu können, kann man sich weitgehend abschminken. Auf der langen Seite der Brennweite spielt sich der kreative Spielraum zwischen ƒ4.5 und ƒ8.0 ab. Bei der ohnehin schon extrem weiten Schärfentiefe der kleinen Sensoren kann man da eigentlich gar nicht mehr von kreativem Gestaltungsspielraum sprechen. Im Grunde ist der rasche Zugriff auf die Belichtungskorrektur bei G12 wie S95 bedeutsamer, als die Manipulation der Blende.

Dafür lassen sich über die manuelle Steuerung von Blende, Belichtung und Empfindlichkeit jedoch schon Aufnahmen umsetzen, hinter denen man zunächst wohl eher eine SLR vermuten würde, wie verwischtes, fließendes Wasser oder Mitzieher.

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Mitzieher haben mir der G12 überraschend gut geklappt.
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Auch ›fließend Wasser‹ ist für die G12 eigentlich keine Herausforderung.

Augenscheinlichster Unterschied zwischen den Kameras: während die S95, wie für Kompaktkameras üblich, mit einer überschaubaren Anzahl an Dreh- und Drückknöpfen ausgestattet ist, macht die G12 hier einen bedeutend üppigeren Eindruck. Was einen besonderen Reiz auf mich ausgeübt hat: Es gibt einen Hardware-Drehregler für Belichtungskorrektur, und einen für ISO-Werte. Ein Segen, in einer Zeit, in der Kompaktkameras vor allem dadurch ›glänzen‹, dass man sich zum Gros der Funktionen über Menüs hanteln muss. Für einen geübten Fotografen ist das eher hinderlich und verzögert den Einstellungsprozess.

Das wirkt sich in der Praxis auch tatsächlich wie erwartet aus: Das anpassen des ISO-Wertes geht an der G12 bedeutend flotter, als an der S95, wo man dazu ins Menü muss.

Unterm Strich ist es allerdings nicht so hinderlich, da man den ISO-Wert ohnehin nicht laufend ändert.

In der praktischen Anwendung hat die S95 die Nase fast etwas vorne – jedenfalls, wenn es um die Steuerung der Belichtung geht. Der wichtigste Modus für die Belichtungsautomatik stellt für mich – wie wohl für die meisten Fotografen – die Blendenvorwahl (Av) dar. An der S95 stelle ich das am Rad um das Objektiv ein, die G12 hat dazu (im Unterschied zur G11) ein Einstellungsrad unterhalb des Auslösers, wie man es von Spiegelreflexkameras kennt.

Nach dem Auslösen checke ich die Belichtung einer Aufnahme in der Regel anhand des Histogramms am Display. Zeigt das Histogramm eine Unter- oder Überbelichtung an, muss über die Belichtungskorrektur eingegriffen und neuerlich belichtet werden. Bei beiden Kameras geht das flott, allerdings bei der S95 etwas flotter, wenn man die Belichtungskorrektur auf dem hinteren Einstellungsrad liegen hat – der Blick bleibt bei der Veränderung der Einstellung am Display. Bei der G12 muss man umgreifen, um das obere Einstellrad bedienen zu können, und wird auch den Blick vom Display nehmen, um auf das Einstellrad schauen zu können. Allerdings ist das jetzt Erbsenzählerei – die G12 ist nicht wirklich umständlicher zu bedienen als die S95.

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Professionelle Bildvorschau nach der Aufnahme: Histogramme sind wichtiger, als die Anzeige des Bildes selbst. Die G12 kann sogar für Rot, Grün und Blaukanäle separate Histogramme anzeigen.

Unterm Strich lassen sich beide Kameras intuitiv und effizient bedienen und behindern den Fotografen in keinem Moment in der Arbeit.

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Professionelle Einstellmöglichkeiten: Programme für Zeit- und Blendenvorwahl und eine manuelle Belichtungseinstellung. Die Empfindlichkeit lässt sich per Wahlrad einstellen, die Belichtungskorrektur ebenso.

Sehen wir uns weitere Unterschiede von der G12 zur S95 an.

Die G12 hat einen Sucher, der mir – bevor ich die Kamera in der Hand hatte – sehr verlockend erschien. Aber als Nikon-SLR-Fotograf bin ich große und helle Sucher gewöhnt und habe den Sucher sofort wieder ad Akta gelegt. Ich kann damit nicht arbeiten.

Anders das Schwenkdisplay. Wenn es etwas gibt, was für mich ein bitterer Abstrich an der S95 ist, dann ist es das Fehlen eine Schwenkdisplays.

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Für solche Perspektiven ist eine Leiter erforderlich – oder ein Schwenkdisplay.

Ein weiterer Unterschied: Auf der Oberseite der G12 wartet ein Blitzschuh auf einen externen Blitz. Wenn man – wie ich – versucht das Blitzen von einem Blitz, der fix mit der Kamera verbunden ist, nach Möglichkeit tunlichst zu vermeiden, dann kann einen diese Erweiterungsmöglichkeit kaum reizen. Für Unternehmen jedoch, die eine Kamera brauchen um beispielsweise auf Veranstaltungen Fotos machen zu können, und nicht gleich eine Spiegelreflex-Kamera nutzen wollen, stellt das aufsetzen eines zusätzlichen Blitzgeräts einen absoluten Vorteil dar. Erstens sitzt – auch beim direkten Blitzen – der Blitz weiter vom Objektiv entfernt. Zweitens haben externe Blitze mehr Power. Und drittens, lässt sich mit Aufsteckblitzen auch indirekt blitzen, was in der Regel zu deutlich besseren Aufnahmen führt, als wenn der Blitz direkt in Richtung Motiv feuert.

Deutliche Vorteile finden Makrofotografen in der G12 gegenüber der S95 – die G12 fokussiert noch auf einen Mindestabstand von 1cm, die S95 benötigt 5cm.

Mein Fazit | Die G12 ist eine tolle Kamera, die dem ambitionierten Fotografen alle Möglichkeiten bietet, die er auch von einer Spiegelreflexkamera erwarten würde, mit der Einschränkung, dass ein so kleiner Sensor mit den kreativen Möglichkeiten einer SLR mit mittlerem oder großem Sensor einfach nicht mithalten kann.

Als kompakter Begleiter und Zweitkamera zur SLR würde ich in jedem Fall die S95 vorziehen – die G12 ist doch schon relativ groß und alles andere als leicht. Wer jedoch unterhalb einer SLR nach einer Kompaktkamera mit einem Maximum an Möglichkeiten sucht, der sollte schon einen Blick auf die G12 werfen.

Weitere, überwiegend unbearbeitete Aufnahme-Beispiele der G12 habe ich in einer mobileMe-Galerie zusammengestellt.

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Canon S95: Kompakter Profi

Mon, 01. Nov. 10

Ich bin ja ein großer Fan der Street- und Reportagefotografie. Kein fotografisches Genre liefert – in meinen Augen – mehr Stoff für spannende, unterhaltsame, lustige, berührende oder einfach nur interessante Bilder. Für einen Feigling wie mich, der zu schüchtern ist sich mit kurzen Brennweiten an Personen heran zu pirschen und sie nach einer Aufnahme auch anzusprechen, ihnen die Bilder zu zeigen, ihnen anzubieten, sie ihnen zukommen zu lassen oder im Bedarfsfall zu löschen, sind lange Brennweiten natürlich die Alternative, mit denen sich verhindern lässt die Leute auch anzusprechen. Aber es bleibt bei mir bei dieser Form des stillen Voyeurismus immer ein etwas schaler Geschmack übrig. Ich werde das Gefühl nicht los die Menschen heimlich um intime Momente zu bestehlen.

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Witzige Szene auf einem Marktplatz am Lago Maggiore. Wir wissen, dass sie nicht miteinander telefonieren (na ja, vermutlich jedenfalls), aber doch stellt unser Gehirn diese Verbindung her. Streetphotograpy ist für mich eines der spannendsten fotografischen Genres.

Das Problem an Spiegelreflexkameras mit langen Brennweiten ist daneben auch, dass lichtstarke Boliden – Kameras mit langen Rohren – den Eindruck eines Paparazzos vermitteln und sich viele Leute davon bedroht fühlen. Bei meinen Streifzügen durch Orte habe ich – mit einer D700 und einem langen 300mm-Objektiv vor Augen – immer wieder sehr skeptische – fast schon böse – Blicke von Leuten geerntet, in deren Richtung ich fokussierte. Ich kann das auch verstehen.

Bei mir entstand der Wunsch nach einer unauffälligeren Kamera für unterwegs. Nachdem ich das iPhone 4 bekommen hatte, war eine kleine Kamera für ›immer-dabei‹ eine Zeit lang gar kein Thema mehr. Für Schnappschüsse bietet das iPhone eine hervorragende Qualität. Aber natürlich reicht es nicht in die Qualität einer brauchbaren Kompaktkamera heran und bietet schon gar nicht deren Einstellungsmöglichkeit.

Als ich begann nach potenziellen Kameras für meine Ansprüche umzusehen, konnte ich vier potenzielle Kandidaten ausmachen:

Erfreulicherweise konnte ich »Point of Sale« dafür gewinnen über die G12/S95 ein Buch zu schreiben. Seit einigen Tage habe ich die Kameras nun da und bereits ausgiebig getestet. Dabei ist mir die S95 bisher mehr ans Herz gewachsen.

Ich würde es vielleicht anders sehen, wenn ich nicht in der Hauptsache mit Spiegelreflex fotografieren würde, sondern eine Kompaktkamera als Hauptkamera bräuchte. Vor allem das klapp- und schwenkbare Display der G12 hat Vorteile und erlaubt Perspektiven, die mit Kameras ohne Schwenkdisplay fast nicht möglich sind.

Aber als kleine Alternative zur Spiegelreflex-Ausrüstung hat für mich die S95 die Nase klar vorne. In der Bedienung schenken sich die beiden Kameras, trotz deutlich weniger Knöpfen und Reglern bei der S95, kaum etwas. Ich finde sogar, dass die Einstellungen von Blende und Belichtungskorrektur an der S95 leichter und flotter von der Hand geht.

Blickt man von oben auf die S95 findet der ambitionierte Fotograf alles, was sein Herz begehrt, und zwar in Form eines Drehschalters, der es erlaubt einen Programmmodus (P), eine Zeitvorwahl (Tv), eine Blendenvorwahl (Av) und einen komplett manuellen Modus (M) zu wählen. Was braucht man mehr?

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Programmmodus, Zeitvorwahl, Blendenvorwahl und manueller Modus – alles, was der ambitionierte Fotograf von einer Kamera erwartet. Der gerippte Ring um das Objektiv lässt sich drehen und mit Funktionen belegen – im (meist genutzten) Modus Blendenvorwahl liegt bei mir darauf die Blendeneinstellung.

Der gerippte Ring um das Objektiv ist kein Designelement, sondern lässt sich drehen und mit Funktionen belegen. Über die Taste ›Ring Func.‹ auf der Kamera lässt sich diesem Ring für jeden Modus (P, Tv, Av, M) eine eigene Funktion zuweisen. Ich nutze die S95 vorwiegend in der Blendenvorwahl (Av) und habe auf den Ring die Blendeneinstellung gelegt.

Der Rücken der Kamera ist klar und übersichtlich gestaltet. Der Einstellring um die Taste ›Func. Set‹ lässt sich einerseits nach oben, rechts, unten und links kippen, wodurch man die Belichtungskorrektur aufrufen kann, den Blitz einstellen, den Selbstauslöser aktivieren und auf Makro (Blume) und manuellen Fokus (MF) umstellen kann. Auch hier also alle wichtigen Funktionen schnell und ohne klicken durch Menüs aufrufbar.

Der gerippte Ring außen um den Kippschalter herum kann, ebenso wie der Ring um das Objektiv an der Front, mit einer Funktion belegt werden. Ich habe darauf die Belichtungskorrektur gelegt. Die S95 lässt sich also bedienen wie eine Spiegelreflexkamera mit zwei Wahlrädern. So könnte man beispielsweise im manuellen Modus die Blende auf den vorderen und die Zeit auf den hinteren Ring legen. Das Bedienkonzept ist wirklich clever und wenn man so eine Arbeitsweise gewöhnt ist, kommt man damit sofort zurecht.

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Der Ring um ›Func. Set‹ ist vielseitig und erschließt sich doch gleich einmal intuitiv. Canon hat bei der Bedienung hervorragende Arbeit geleistet.

Die Einstellungen sind im Grunde auf zwei Menüs aufgeteilt: Über ›Func. Set‹ erreicht der Fotograf die wichtigsten erweiterten Einstellmöglichkeit für das aufnehmen von Bildern, wie den Weißabgleich, die Auflösung, das Bildformat und so weiter. Über ›Menu‹ lassen sich die Grundeinstellungen der Kamera verändern, wobei man sogar ein eigenes Menü mit den wichtigsten Einstellungspunkten zusammenstellen kann – auf Knopfdruck landet man dann zuerst in diesem ›Custom Menu‹.

Die Taste ›S‹ Links oberhalb des Einstellungsrings lässt sich wieder mit einer eigenen Funktion belegen. Bei mir liegt darauf die Belichtungsspeicherung. Auch hier steht die kleine S95 also einer SLR nicht nach. Es mag echt zu begeistern, wie benutzerfreundlich Canon eine Unmenge an Anwendungsmöglichkeit an dieser kleinen, übersichtlichen Kamera anbieten.

Selbstverständlich bietet die S95 auch die Möglichkeit nach der Aufnahme ein Histogramm samt Überbelichtungswarnung anzeigen zu lassen, so dass man im Falle einer Überbelichtung eine Belichtungskorrektur vornehmen und noch einmal auslösen kann. Auch hier also auf Augenhöhe mit SLR.

Blickt man von vorne auf die S95, hat man ein ausgesprochen cooles, reduziert gestaltetes und unauffälliges Kameragehäuse vor sich. Schicker kann eine Kompakte wohl kaum sein. Dabei stimmt nicht nur die Form. Auch die Haptik ist vom Feinsten. Keine Spur von billigem Plastikfeeling, sondern ein solides Gehäuse, das weder zu schwer noch zu leicht wirkt. Design hat hier ganz offensichtlich nicht bei der Formgebung aufgehört. Sehr gut.

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Die S95 ist nicht nur funktional gut ausgestattet, sondern auch ausgesprochen cool und ansprechend gestaltet.

Und die sonstigen Werte? Ein richtiges Weitwinkel war etwas, was lange Zeit bei kaum einer Kompakten zu finden war. Ich würde jedoch nie wieder eine Kamera kaufen, die keine kürzere Brennweite als 35mm erlaubt. 28mm ist keine besonders weite Brennweite, doch es genügt weite Landschaften einzufangen, in engen Räumen mehr als einen kleinen Ausschnitt ablichten zu können, und auch einmal etwas spektakulär mit der Perspektive zu spielen.

Lichtstärke 2.0 klingt beachtlicher, als es sich in der Praxis auswirkt. Bei reduziertem Umgebungslicht am langen Ende der Brennweite (Tele) – wo mehr Lichtstärke ja wichtiges ist, als im Weitwinkelbereich – ist man bei Lichtstärke 4.9 und das ist nicht mehr so berauschend. Und mit dem kleinen Sensor der Kamera lässt sich die große Offenblende auch nicht so zur Steuerung der Schärfentiefe nützen, wie man es von einer SLR mit mittlerem oder großem Sensor gewohnt ist. Anders gesagt: Kurze Schärfentiefe zum Freistellen portraitierter Personen oder von Objekte ist zu vergessen.

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Freistellen von Objekten durch geringe Schärfentiefe ist nur für kleine Objekte auf kurze Distanz möglich. Die S95 teilt ihr Schicksal mit fast allen Kompaktkameras, dass sie aufgrund des kleinen Sensors als Portraitkamera praktisch ungeeignet ist. Wer mit einer Kompakten portraitieren will muss auf Apparate mit mittlerem oder Kleinbild-Sensor warten. Das kann aber noch dauern.

Was für mich im Übrigen Kompaktkameras endlich wieder attraktiv gemacht hat, ist, dass sie heute schnell genug und in der Lage sind RAW-Dateien aufzunehmen. Ich muss gestehen, dass ich nach Jahren reinen SLR-Fotografierens im RAW-Dateiformat zunächst etwas enttäuscht von den Resultaten der S95 war. Derzeit kann ich die RAW-Dateien noch nicht entwickeln, da weder Aperture, noch Adobe Camera Raw noch Adobes RAW-Converter das Dateiformat der neuen Kamera unterstützt. Ich fotografiere deshalb im Moment parallel in RAW ›und‹ JPEG. Die Spannung steigt, was ich aus den gemachten Aufnahmen später noch herauskitzeln werde können. Auf jeden Fall geht auch das parallele Fotografieren und Speichern von RAW+JPEG ohne nennenswerte Wartezeit von statten. Das hat bei Kommpaktkameras vor ein paar Jahren noch anders ausgesehen.

Die S95 ist eine sehr sympathische, schicke Kompaktkamera mit allen Einstellmöglichkeiten, die sich ein ambitionierter Fotograf von einer Kamera erwartet und dabei intuitiv und flott zu bedienen. Auch wenn ich noch kein abschließendes Resümee ziehen kann, weil mir noch die Möglichkeit der Entwicklung der RAW-Dateien fehlt, glaube ich doch, dass ich sie absolut empfehlen und jedem ans Herz legen kann, der eine kompakte Zweitkamera zur SLR sucht – auch wenn er, wie ich, sonst eher mit Nikon unterwegs ist.

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Ansprechende Landschaftsaufnahmen sind auch mit Kompaktkameras möglich.

Weitere Bilder aus der S95 habe ich (weitgehend unbearbeitet) in einer mobileMe-Gallerie online gestellt.


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