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Affinity Photo, Kapitel 5: Färben und Kolorieren

Ging es im 4. Kapitel meines Buches »Affinity Photo – Schritt für Schritt zum perfekten Bild« um Farbkorrekturen, widmet sich das 5. der Manipulation von Farbe, angefangen beim Umfärben, über das Entfernen von Farbe bei der Schwarzweißentwicklung, bis hin zum Ändern des Farbcharakters und dem selektiven Umfärben mit Hilfe des Malpinsels.

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Im 1. Workshop zeige ich wie man ein einfarbiges Objekt umfärben kann indem man einen bestimmten Farbbereich manipuliert.
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Der 2. Workshop ist im Prinzip ähnlich gestrickt wie der erste, doch die Art der Aufnahme verlangt eine andere Herangehensweise.
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Komplexe Objekte lassen sich in der Regel nicht einfach mit wenigen Klicks umfärben. Sie verlangen nach der Anwendung einer sogenannten Maske.
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Objekte von einer bunten Farbe in eine andere umzufärben ist relativ einfach, wenn Ausgangs- und Zielfarbe etwa gleich hell sind. Schwieriger wird es wenn bunte Objekte auf Schwarz oder Weiß umgefärbt werden sollen.
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Schlichte Umwandlung eines Bildes über »Graufstufen« führt in den wenigsten Fällen zu einem ansprechenden Schwarzweißfoto. Im 5. Workshop des 5. Kapitels zeige ich wie sich spannende Schwarzweißbilder entwickeln lassen.
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Color-Key nennt sich eine Technik bei der ein Bild schwarzweiß entwickelt wird, bestimmte Bereiche jedoch farbig bleiben. Etwas abgenutzt und bei vielen ambitionierten Fotografen etwas verpönt, doch ich finde es kommt immer darauf an was man daraus macht.
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Bilder lassen sich mit einer einfachen Tönung überlagen, oft wird dabei ein bräunlich/gelblicher Sepia-Ton verwendet. Statt einer eintönigen Tönung lassen sich für Schatten und Lichter zwei unterschiedliche Töne einsetzen – man spricht dann von Split-Toning.
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Split-Toning-Effekte kann man auch dazu einsetzen Farbbildern einen Retro-Look zu geben, und sie an den Charakter von Aufnahmen beispielsweise aus den 1960er oder 70er Jahre erinnern zu lassen.
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Affinity Photo kennt viele Methoden die Farben von Bildern zu beeinflussen. Eine andere Methode wie im 7. und 8. Workshop verwende ich im 9. und gebe damit einer Digitalaufnahme den Look der für ein analoges Foto der 80er Jahre nicht untypisch wäre.
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Im 10. Workshop überlagere ich eine Schwarzweißaufnahme mit einem bunten Verlauf und nehme damit eine Thematik des 10. Kapitels schon ein Bisschen vorweg.
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Im 11. Workshop entwickle ich zunächst ein Farbfoto schwarzweiß und koloriere dann mit dem Malpinsel manuell das Tattoo des Modells.
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Im letzten Workshop des Kapitels koloriere ich mit einer gänzlich anderen Technik wie im vorangegangenen Beispiel ein Farbbild. Kolorieren lassen sich in der Praxis natürlich nicht nur Tattoos. Auch das Umfärben von Objekte, von Makeup oder von Augenfarben kann ähnlich vorgenommen werden.

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Angaben zum Buch

304 Seiten,  gebunden und komplett in Farbe;
ISBN 978-3-8362-4031-4;
Buch: 34,90; E-Book: 29,90;
Weitere Infos und Demo-Kapitel auf der Website des Verlags;
Affiliate-Link zur Buch-Seite bei Amazon.
Erscheinungstermin: Februar 2016

Alien Skin beamt Exposure in eine neue Dimension

Alien Skin ist bekannt für Photoshop-Plugins so lange ich Photoshop kenne (oder zumindest annähernd so lange). Ich war aber nie ein Fan von Eye Candy, TypeMagic und anderen Dingen die ich eher als Spielerei betrachtete. Man kann nette Dinge damit machen, ja, aber diese Dinge sind nicht mein Ding. Lieben lernte ich Alien Skin erst als ich Exposure für mich entdeckte.

Alien Skin Exposure verleiht digitalen Bildern einen analogen Look und das macht es besser als alles andere was ich kenne. Alles was man damit machen kann lässt sich natürlich auch mit Photoshop verwirklichen, allerdings mit vielfachem Aufwand. In Exposure klicke ich mich rasch durch dutzende Presets und finde so rasch eine passende Richtung für ein Bild.

Das heißt aber nicht, dass man dann auf dieses Preset festgelegt ist. Jede einzelne Zutat dieser Entwicklungsrezepte lässt sich durch den Benutzer beliebig verändern. Das Preset ist die Basis von der aus der Benutzer seine kreativen Aus- und Höhenflüge gestalten kann. Dabei ist es wesentlich intuitiver als die populären NIK-Filter die mir immer etwas undurchschaubar schienen.

Schon Exposure 7 lief nicht mehr nur als Plug-In für Photoshop, Lightroom und Aperture, sondern auch als Standalone-Programm. Exposure X geht einen deutlichen Schritt weiter und bietet eine komplette Bildverwaltungsumgebung samt Ratings, Flags und Etiketten (allerdings ohne Stichworte soweit ich gesehen habe) und arbeitet bei meinem ersten kurzen Test sogar unglaublich schnell. Und dabei kann es nicht nur TIFFs und JPEGs verarbeiten sondern versteht sich sogar auf die RAW-Dateien einer sehr umfangreichen Kollektion an Kameras. Wer keinen besonderen Exoten in Verwendung hat sollte eine Unterstützung für seine Kamera finden.

Da Exposure alle wesentlichen Einstellfunktionen zur Bildentwicklung mitbringt hat es durchaus das Potenzial neben Programmen wie Capture One Pro und DxO Optics gegen Lightroom anzutreten, auch wenn die Verwaltungsmöglichkeiten im Vergleich zu Lightroom und dem neuen Capture One Pro 9 eher grundlegender Natur sind und der Schwerpunkt bei Exposure sicher nach wie vor auf der Entwicklung eines Retro-Looks liegt.

Aufmerksamkeit hat sich Alien Skin mit Exposure X auf jeden Fall verdient. Eine kostenlose und voll funktionsfähige Demoversion steht zur Verfügung.

Bewusst fotografieren

Brennweite wählen. Blickwinkel einnehmen. Blende einstellen. Belichtungszeit einstellen. ISO anheben? Fokuspunkt avisieren. Fokussieren. Auslösen.

Da braucht man Jahre lange Übung damit sich das verinnerlicht und man alle Einstellungen blind vornehmen kann und dann soll ich ein Retrogerät kaufen das mich dazu zwingt Einstellung mit Blick auf die Kamera anhand von auf Einstellrädchen aufgedruckten Zahlen vorzunehmen? Für mich klingt das nicht vernünftig.

Motive sind oft flüchtig. Nicht nur wenn es sich um Tiere handelt. Ein Gesichtsausdruck ist oft ebenso schnell dahin wie eine spezielle Lichtstimmung, eine Szene auf einer Straße oder ein Eichhörnchen. Meist verstreicht schon durch das Auspacken und Einschalten der Kamera zu viel Zeit um den Augenblick noch zu erhaschen. Um jede Sekunde des Blickens auf Einstellungsskalen ist es schade.

Ich versuche bewusst bewusst zu fotografieren. Doch oft lenkt mich das Nachdenken über Einstellungen zu sehr vom Wesentlichen – vom Motiv – ab. Mit dem Resultat, dass dem Modell ein Ast aus dem Ohr wächst oder neben der Blume eine Kippe liegt die mit einem Handgriff zu entfernen gewesen wäre. Der Gedanke, dass mich seltsam platzierte Rädchen zu bewussterem Fotografieren führen könnten scheint mir ein abwegig. Und Rädchen für zentrale Aufnahmeeinstellungen links vom Sucher – also auf der Seite der Hand die ich am Zoom- und Fokussierring habe – finde ich nur hinderlich.

Zunächst bewege ich mich um mein Motiv und versuche herauszufinden aus welchem Blickwinkel Vorder- und Hintergrund am besten miteinander interagieren. Dann stellt sich die Frage welche Perspektive das Objekt am besten zur Geltung bringt. Weitwinkel für dramatische Fluchten oder Tele für flache Bildwirkung und kurze Schärfentiefe? Je nach Entscheidung muss ich mich nähern oder entfernen.

Soll der Hintergrund mitspielen dürfen oder möchte ich ihn durch Unschärfe ausblenden? Die Antwort führt zur Entscheidung für eine Blendeneinstellung – also am entsprechenden Einstellrad drehen (oder am Blendenring des Objektivs).

Da ich meist manuelle Belichtungseinstellungen wähle muss ich nun die Verschlusszeit einstellen – dazu wird das andere Einstellrad gedreht.

Belichtungsskala, Histogramm und Belichtungswarnung helfen bei der Einstellung – die Möglichkeit all das schon vor dem Auslösen im elektronischen Sucher meiner spiegellosen Systemkamera zu sehen ist ein Segen.

Was ergibt sich für eine Verschlusszeit? Kann ich diese bei der gewählten Brennweite aus freier Hand noch halten? Wenn nicht: ISO-Empfindlichkeit anpassen.

Auf welchen Punkt soll fokussiert werden? Ich entscheide mich für eine Art des Fokussierens, stelle scharf und löse aus.

Ich glaube nicht, dass mir eine Kamera helfen kann noch bewusster zu fotografieren. Eine Kamera soll es mir vielmehr ermöglichen all diese Prozesse fließend, intuitiv und ergonomisch zu gestalten, so dass ich möglichst wenig darüber nachdenken muss und so viel Aufmerksamkeit wie möglich für das Motiv zur Verfügung habe.

Nur noch einmal 5 Cent zur Retrodebatte.

Nikon Df – ein Vorurteil

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Nikon Df; © Nikon 2013

Ich mag mich ja normalerweise nicht an Spekulationen über ein Produkt beteiligen, bevor ich es in der Hand hatte oder, im Falle des Designs, ich mir etwas Zeit gelassen habe mich an Neues zu gewöhnen – eine Meinung muss sich bilden. Normalerweise verurteile ich Vorverurteilungen von Produkten bevor sie den Markt erreicht haben. Aber machen wir einmal eine Ausnahme. Vor allem deshalb, weil ich mir in meinem Vorurteil sicher bin.

Erstens sei gesagt, dass ich – entgegen dem aktuell grassierenden Retrotrend – nicht alles schick finde was in alten Tagen gebaut wurde. Manche Produkte waren schick, doch lausiges Design gab es gestern wie heute. Das soll nicht heißen, dass ich die vermeintlichen Väter und Mütter mit klingenden Nikon-F-Namen misslungen finde – im Gegenteil! Ich will nur sagen, dass nicht alles was heute nach damals aussieht gelungen ist.

Nikon macht mit der Df den Fehler den Pentax mit der MX1 beging: Manche Bauteile sehen aus als wäre jemand auf ein verschollenes Lager aus den 50er, 60er oder 70er Jahren gestoßen und hätte lediglich den Staub abgeblasen um sie im neuen Produkt zu verbauen. Anderen Teil sieht man jedoch klar an, dass sie einem elektronischen Plastik-Baukastensystem anno 2013 entsprungen sind.

Bei der MX1 ist es vor allem das Objektiv das so gar nicht mit dem klassisch gestalteten Body harmonieren will. Schlimmer noch bei der Dƒ, wo der Rücken seinen 2000er+ Jahrgang unmöglich verheimlichen kann. Ich möchte nicht wissen, wie die Designer des Produkts darunter gelitten haben hier die Vorgaben der Konzernleiter, Controller und Marketingexperten zu erfüllen. Das Ganze ist ein bisschen wie ein Schloss mit modernen Lärm-und-Wärmedämm-Plastikfenstern oder ein Jaguar-Oldtimer mit Alufelgen.

Olympus und Fuji haben es besser gemacht, denn sie haben zwar die Formensprache früherer Zeiten aufgenommen aber sie zeitgemäß interpretierten und ihr Design durchgängig und stringent angelegt. Im Sinne dieser beiden Unternehmen, die in Sachen Retro Pionierarbeit geleistet haben, finde ich den grassierenden Retrotrend bedauerlich, denn ist etwas erst einmal so heiß und trendy wie Retro im Moment, steht es kurz vor dem Verglühen. Das wiederum fände ich schade, denn ich bin durchaus Freund von Neuinterpretationen klassischer Vorbilder so lange sie so gut gemacht sind wie es Fuji und Olympus machen.

Nikon hat die Df im Segment Consumer positioniert und ich vermute, dass das wohlwissend war. Im Preis spiegelt sich die Positionierung in diesem Segment zwar nicht – immerhin gibt es bereits für weniger Geld eine Profi-D800 –, doch ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Profi auf Dauer mit der Bedienung der Df glücklich werden können.

Alle modernen professionellen Spiegelreflexkameras haben ein Design mit zwei Einstellrädern, idealer Weise eines hinten, für den Daumen gut erreichbar, und eines vorne, nur Millimeter vom Auslöser entfernt. Software – heute in jeder Kamera essenziell, in den 70er Jahren jedoch noch nicht wirklich ein Thema – ermöglicht es, diese Räder frei zu belegen und somit die Kamera an die Arbeitsweise des Fotografen anzupassen. Dass das durchgehend bei praktisch allen Kameras der Fall ist lässt darauf schließen, dass sich das bewährt hat und gar nicht so blöd ist.

Das Layout der Df mit den vielen beschrifteten Rädern und Schaltern links und rechts des Suchers legt nahe, dass eine Individualisierung bei ihr nicht angedacht ist. Bei all meinen Kameras brauche ich den Blick nicht vom Sucher oder Display zu nehmen, wenn ich an Einstellrädern eine Option ändere, denn die Einstellungen werden dort angezeigt (gab es in den 70ern wohl auch noch nicht). Ich nehme an, dass das bei der Df auch so sein wird. Aber wozu dann die dezidiert beschrifteten Rädchen auf der Kamera?

Dass die Rädchen beschriftet sind muss natürlich kein Problem sein. Vielleicht lassen sie sich ja trotzdem individualisieren und man kann auf das Rad das mit Verschlusszeiten beschriftet ist die ISO-Empfindlichkeit legen ( 😉 ). Gravierender finde ich, dass die Kamera eine zweihändige Bedienung voraussetzt und das scheint mir nicht wirklich dazu geeignet den Spaß am Fotografieren zu erhöhen.

Trotz 2749 Dollar wird die Df von Profis wohl kaum gekauft werden, denn Profis brauchen effiziente Arbeitsmaschinen und das kann sie wohl kaum leisten.

Was ich an Nikon mag, ist, dass ich immer den Eindruck hatte man baue Fotoapparate für Fotografen. Nikon hat sich beispielsweise weniger als andere Hersteller am sinnlosen Megapixelrennen beteiligt und statt dessen als erster kompetent an der ISO-Schraube gedreht (bei im Vergleich zum Mitbewerber geringer Auflösung). Auch mit der Nikon 1 ist Nikon in meinen Augen einen sinnvolleren Weg gegangen, als Canon, Sony, Pentax und all die anderen, mit ihren APS-C-Systemkameras. Der Markt nimmt aber sinnvolle Produkte nicht immer an und hat am liebsten »viel« – also den größeren APS-C-Sensor statt 1″.

Die Df scheint mir weniger ein Fotoapparat für Fotografen als vielmehr ein Spielzeug für Liebhaber trendigen Retro-Designs. Das ist in meinen Augen nicht sinnvoll, aber Unternehmen müssen ja vorrangig Produkte verkaufen und nicht sinnvolle Produkte erzeugen. Und es spricht ja auch nichts dagegen, wenn sich jemand am, in meinen Augen etwas misslungenen, Retro-Look erfreuen kann. Also will ich Nikon den Erfolg gönnen, so er ihnen mit der Df beschieden ist. Ich hoffe zwar in einiger Zeit einmal ein Exemplar für ein paar Tage in die Hände zu bekommen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das viel an meinem Vorurteil ändern wird.

FreeFont-Lindau

Bin ich diese Woche über einen alten Schriftentwurf von mir gestolpert, habe in den letzten Wochen drei Schriften in FontLab umgesetzt und zugerichtet, da ist mir auch wieder bewusst geworden, dass es da einmal eine Schrift mit mir gab, die von einem Schriftmuster aus den 1920er oder 30er Jahren inspiriert und nach der Stadt am Bodensee benannt wurde.

Die Zurichtung ist lausig. Aber vielleicht habe ich in nächster Zeit einmal Zeit den Font neu durchzuspationieren und ordentlich zuzurichten.

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