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Capture One Pro: Katalog erstellen, Bildimport und Bildverwaltung

Nachdem ich vor einiger Zeit ein Video mit einem groben Gesamtüberblick über Capture One veröffentlicht habe geht es diesmal um die Details der Bildverwaltung, der Anwendung von Filtern, des Erstellens und Einrichtens eines Kataloges, des Bildimports von einer Speicherkarte und der automatischen Bildentwicklung. Außerdem zeige ich wie Register ein- und ausgeblendet und mit eigenen Werkzeugen (Phase Ones Bezeichnung für Paletten) verstehen werden. Die geänderte Benutzeroberfläche wird dann als Arbeitsumgebung gespeichert.

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Capture One 8.3

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Der dänische Hersteller von Mittelformatkameras Phase One, hat gestern sein Programm zur RAW-Entwicklung Capture One auf die Version 8.3 aktualisiert – ein Anlass für mich wieder einmal auf die Software hinzuweisen. Wer sich wie ich mit Adobe Photoshop Lightroom nicht so recht anfreunden kann findet darin eine exzellente Alternative.

Capture One ist zwar (für nicht Sony-Fotografen) ein ordentliches Stück teurer als Lightroom, bietet dafür aber eine wesentlich flexiblere Oberfläche mit Massig Möglichkeiten die Bedienung an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Darüber hinaus bin ich auch der Meinung, dass Capture One Lightroom in Sachen Qualität schlägt.

Ein etwas ausführlicherer Bericht über meinen Eindruck von Capture One findet sich hier. Wer das Programm kennenlernen möchte kann es kostenlos bei phaseone.com herunterladen und einen Monat lang ohne jegliche Einschränkung testen.

Capture One Pro – Ineffizienz war gestern

Seit den Weihnachtsfeiertagen arbeite ich mit einem neuen Werkzeug zur Raw-Entwicklung und es wird Zeit, dass ich meiner Begeisterung Ausdruck verleihe. Vorher aber ›was bisher geschah‹:

Am Anfang war Aperture

Mein erster Raw-Entwickler war Apple Aperture. Das in der Beta-Phase befindliche Lightroom lockte aber bereits und es zeichnete sich noch vor der offiziellen Version ab, dass das Programm ein Erfolg werden würde. Immerhin kam es von Adobe und die hatten mit Photoshop Erfahrung in Bildbearbeitung wie kaum jemand sonst. Also habe ich in großen Erwartungen den Zug gewechselt und meine junge Bibliothek auf Lightroom umgestellt.

Meine Lightroom-Phase

Glücklich geworden bin ich damit nicht. Die Oberfläche des Programm ist furchtbar klobig, platzverschwenderisch gestaltet und absolut strikt. Gut. Man kann in die Kopfleiste sein eigenes Logo einpflanzen und verschiedene Schnörkel für den Abschluss der Palettenleisten definieren. Professionell finde ich diesen Umfang an Individualisierbarkeit allerdings nicht. Der Rest lässt sich kaum an die Anforderungen des Anwenders anpassen.

Dann dieses seltsame Konzept mit den fünf Räumen. Auch so eine Idee die Adobe dem Benutzer unabänderlich aufs Auge drückt. Zu allem Überfluss verknüpft das Programm mit demselben Shortcut unterschiedliche Befehle, je nach Raum, in dem ich mich gerade befinde. Zumindest in früheren Versionen war das so.

Und wenn herum nörgeln an Shortcuts sind: In InDesign, Illustrator und Photoshop rufe ich mit cmd+K die Voreinstellungen auf. Weshalb ist das in Lightroom ein anderer Kürzel?

Ihr merkt schon: Ich mag Lightroom nicht!

Zurück zu Aperture

Nach einigen Monaten unglücklicher Ehe mit Lightroom bin ich reumütig zu Aperture zurück und wenn ihr mich fragt: Es ist das bessere Programm für die Raw-Entwicklung. Zwar wird immer wieder die Kompetenz Lightrooms beim Entrauschen gelobt, aber wenn das nicht besser ist als in Adobe Camera Raw – und ich gehe davon aus es ist 1:1 die selbe Engine – dann berauscht mich das auch nicht.

Wo Aperture im Verhältnis zu Lightroom definitiv glänzt ist die Wiederherstellung von unterbelichteten und überbelichteten Bereichen – ich habe diesbezüglich einmal einen Artikel veröffentlicht.

Natürlich arbeitet das Gros der professionellen Welt mit Lightroom und ich halte die Kollegen bei Gott nicht für Nackerpatzerln. Am Ende ist es immer auch etwas subjektiv was man gut findet und was nicht. Unterm Strich findet man Licht und Schatten bei Lightroom und bei Aperture.

Lightroom vs. Aperture

Aperture wird zuweilen ein etwas zähes Ansprechverhalten nachgesagt und tatsächlich: Wer keinen Turbo im Rechner hat muss mangelnde Power mit Geduld ausgleichen. Auch die Stabilität könnte besser sein. Allerdings verfiel ich bei meinen Lightroom-Tests, die ich über die Jahren immer wieder gemacht habe, auch nicht gerade in einen Geschwindigkeitsrausch.

Was mich wundert ist, was Adobe am heutigen Tag an Neuerungen für Lightroom 4 ankündigt: Ein neues Buchmodul (sieht aus wie das, was ich von Aperture schon lange kenne); Direkte Integration von Maps (habe ich seit Aperture 3 und brauche ich so oft wie etwas anderes: Faces – nämlich exakt gar nicht).

Was ich allerdings sehr wohl brauche ist Softproofing. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich das in Aperture einmal nicht hatte. In Lightroom soll es das mit 4 jetzt auch geben. Wie um Himmels Willen! Konnte die professionelle Welt in Lightroom bislang auf den Bildschirm-Proof verzichten? Ist mir rätselhaft.

Aber wäre bei Aperture alles so, wie ich es mir vorstellte, hätte ich mich nie nach einer Alternative umsehen müssen.

Geschwindigkeit und Stabilität habe ich bereits als problematisch angesprochen. Dann verliert Aperture Bilder in der Datenbank. Ich nehme an, das passiert bei Abstürzen. Die Bilder vegetieren dann irgendwo auf der Festplatte rum. Ob die Bilder in der Aperture-Datenbank liegen oder als Verknüpfungen in separaten Ordnern ist dabei Irrelevant. Wenn Sie in Aperture nicht mehr aufscheinen sind sie so gut wie nicht mehr existent, auch wenn sie noch irgendwo auf der Festplatte Speicherplatz verspeisen.

Ein Vorteil von Aperture war für mich unter anderem die Integration in das Gesamtsystem Apple, bestehend aus meinen Macs, iPhone, iPad und mobileMe. Aber die Alben von mobileMe sollen nach der Einführung von iCloud sterben. iCloud ist mir noch immer suspekt. Und Fotostream, das Bilder annähernd in Echtzeit auf allen Geräten eines Anwenders verteilt, hat bei mir mehr Unordnung als Nutzen gestiftet.

Das schlimmste ist bei Aperture allerdings, dass man keine Ahnung hat, was Apple weiter damit vor hat. Lightroom-User sehen durch die neue Beta, dass an ihrem Programm was weiter geht. Aber Apple macht ja aus allem ein Staatsgeheimnis. Das wäre nicht so schlimm, wenn man von einer professionellen Weiterentwicklung ausgehen könnte. Leider ist bei mir der Verdacht gekeimt, Apple mache aus dem Profi-Werkzeug langfristig ein Aufsteiger-iPhoto für Hobbyfotografen und lässt den professionellen Anspruch fallen.

Was nun?

Frustriert habe ich vor Weihnachten wieder einmal ein Auge auf das aktuelle Angebot an in Frage kommenden Werkzeugen geworfen. Zunächst einmal natürlich wieder der Blick auf Lightroom. Allerdings brauchte ich nicht lange um sicher zu sein, dass damit für mich noch nicht einmal eine Vernunftehe möglich ist.

DxO Optics

Durch einen Tweet von Zoomyboy bin ich wieder auf DxO Optics Pro aufmerksam geworden. Und – wow! – was das Programm an Schärfe in ein Bild rein zaubern kann hat mich echt umgehauen. Weniger begeistern kann die Geschwindigkeit. Auf meinem Rechner waren die paar Tests mit der Software eine zähe Tortur. Mein MacBook ist nicht mehr das jüngste, aber wenn ich die Leistung mit Aperture vergleiche, dann erscheint das Apple-Programm plötzlich wie ein Ferrari.

Die Geschwindigkeit ist allerdings nicht alleinige KO-Kriterium für das Programm aus Frankreich. Darüber hinaus erscheint mir der Funktionsumfang recht überschaubar und vor allem die Individualisierbarkeit der Oberfläche zu begrenzt. Zum Beispiel habe ich keinen Dialog gefunden um Shortcuts zu individualisieren.

Wer jedoch ein Programm sucht, das Objektiv-Fehler und Verzerrungen kompetent aus Bildern heraus rechnen kann und rattenscharfe Ergebnisse erzielt, der sollte vielleicht zumindest als Zweitprogramm einen Blick auf DxO Optics werfen.

Bibble

Weiters habe ich mir auch Bibble wieder einmal angesehen. Auch hier spricht mich allerdings die Oberfläche nicht wirklich an und auch hier hatte ich den Eindruck, dass Anpassungen an individuelle Arbeitsweisen nur sehr eingeschränkt möglich sind.

Capture One Pro

Capture One Pro dürfte wohl so etwas wie der Mercedes unter den Raw-Entwicklern sein – zumindest was den Preis angeht. 300 Euro muss hinblättern, wer die Pro-Version kaufen möchte. DxO, Bibble und vor allem Aperture sind absolute Schnäppchen dagegen. Allerdings bekommt man für dieses Geld auch eine ganze Menge Professionalität.

Capture One stammt von Phase One. Phase One ist ein dänischer Hersteller von Mittelformat-Kamerasystemen und bietet soweit ich weiß die Kameras mit der höchsten Sensorauflösung an – aktuell bis zu 65 Megapixel. Capture One scheint der professionalität dieser High-End-Geräte nicht nach zu stehen.

Nach etwa drei Wochen der Arbeit mit Capture One Pro kann ich mich vor Begeisterung kaum halten. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass eine um so vieles bessere Raw-Entwicklung möglich ist. Die Resultate heben sich um Welten von dem ab, was ich mit Aperture oder Adobe Camera Raw aus meinen Bildern raus hole.

Ebenso überzeugend wie die Resultate sind, ist auch die Performance mit der das Programm zur Sache geht. Man arbeitet quasi in Echtzeit. Wartezeiten im Arbeits-Workflow gibt es kaum. Lediglich beim Exportieren von Bildern oder während des Imports lässt man dem Programm besser seine Ruhe. Allerdings sind diese Vorgänge bedeutend schneller abgeschlossen, als ich es von Aperture kenne. Viele Aktionen, wie zum Beispiel das Kopieren und Einsetzen von Entwicklungseinstellungen geht auch über dutzende Bilder hinweg so schnell, dass man sich zunächst fragt, ob das Programm jetzt überhaupt etwas gemacht hat.

Dabei scheint Capture One äußerst Ressourcenschonend mit den Recheneinheiten meines Macs umzugehen. Während Aperture die Lüfter des Laptops immer wieder einmal zum Großeinsatz aufruft, kann ich mich nicht erinnern sie schon einmal wegen Capture One groß in Aufregung gehört zu haben.

Ein weiterer Punkt der mich aus den Socken haut, ist die Benutzerfreundlichkeit und Flexibilität der Oberfläche. Der Benutzer kann jedes Detail exakt so einrichten, wie er es haben möchte. Der Funktionsumfang ist immens. Trotzdem bleibt das Programm wie gesagt intuitiv sehr zugänglich und einfach zu bedienen. Ich habe mir etwa eine Stunde lang Schulungsvideos angeschaut und nach ganz kurzer Einarbeitungszeit fühlt sich das Programm an als würde ich seit Jahren damit arbeiten.

Doch nicht nur die Oberfläche lässt sich beliebig konfigurieren. Für beinahe jedes Detail lassen sich Shortcuts konfigurieren. Ich kann Belichtung, Kontrast, Helligkeit, Sättigung, Weißableich und Färbung über Tastatur steuern. Performance und Effizienz der Oberfläche geben der Sortierung und Ausarbeitung von Bildern eine mir bislang unbekannte Dynamik.

Der Umgang mit Farbmanagement ist ein Traum. Man richtet ein Ausgabeprofil ein, definiert das Farbprofil dafür und mit einem Klick hat man den entsprechenden Softproof am Bildschirm vor Augen. Automatisch passen sich Farbwerte an den Farbraum des Zielprofils an. Im Grunde ein Detail. Aber eines von vielen, dass das Arbeiten mit Capture One zum flüssigen Vergnügen macht. Mich ärgert nur, dass ich jetzt erst damit arbeite.

Was ich weiters an Capture One schätze ist, dass es nicht wie Lightroom und Aperture auf einer Datenbank basiert. Vielmehr greift man auf beliebige Verzeichnisse auf angeschlossenen Festplatten zu. Also eher so wie der Finder am Mac, der Explorer unter Windows oder Bridge. Dateileichen auf Grund von Fehlern in der Datenbank sind somit ausgeschlossen. Die Entwicklungseinstellungen werden schlicht als XML-Datei in einem Ordner im Verzeichnis der Bilder abgelegt. Clever, die Dänen!

Wo Licht ist, ist aber auch Schatten – das soll nicht verschwiegen werden. Lightroom-Benutzer können – im Gegensatz zu Aperture-Anwendern – Objektivfehler aus Bildern heraus rechnen lassen. Capture One Pro kann das zwar auch. Allerdings nur für ausgesuchte Objektive von Mittelformatkameras. Der Anwender kann zwar manuell Fehler wie Verzerrungen und Chromatische Aberation beseitigen, doch der Luxus, das auf Basis unter Laborbedingungen entwickelten Werten automatisch ausführen zu lassen fehlt.

Aperture hat tolle Retusche Werkzeuge. Capture One hat zwar auch ein Flecken-Entfernungswerkzeug, doch im Verhältnis zur Professionalität des restlichen Programms ist das doch von eher peinlicher Qualität und Funktionalität.

Capture One beherrscht auch selektive Bildbearbeitung mit Pinseln. Das Konzept diese Arbeiten über Ebenen zu verwalten ist eine für erfahrene Photoshoper gut nachvollziehbare und leicht zu verwaltende Idee. Doch das Pinselwerkzeug bietet wenig Einstellungsmöglichkeiten, der Radierer radiert gleich einmal alles aus und die Ebenen lassen sich nicht in Ihrer Deckkraft reduzieren, was einiges Potenzial zur kreativen Bildentwicklung mit sich bringen würde.

Was ich von Aperture vermisse ist ein Regler für Lebendigkeit (in Lightroom sollte das wohl Dynamik heißen). Außerdem fehlt mir auch ein Kanalmixer.

Trotz dieser Schönheitsfehler hat mich Capture One Pro bislang völlig überzeugt und ich glaube meine Begeisterung wurde im vorangegangen Text offensichtlich. Wer nicht zu 100% glücklich ist mit seinem Raw-Entwicklungswerkzeug, oder einfach einmal über den Tellerrand hinaus schauen möchte, dem kann ich nur empfehlen die Demoversion des Programms bei Phase One herunter zu laden und einmal auf Herz und Nieren zu testen. Vielleicht versteht ihr meine Begeisterung dann.

Es gibt keine unbearbeiteten Bilder

Ich muss immer etwas schmunzeln wenn jemand Digitalfotos herzeigt und behauptet, diese wären völlig unbearbeitete.

Es gibt keine unbearbeiteten Digitalbilder!

Unbearbeitet wäre das Bild so, wie es der Bildsensor der Digitalkamera gesehen hat. Der sieht aber keine bunten Farben, sondern lediglich winzige Punkte (Pixel) in unterschiedlich hellen Nuancen von Rot, Grün und Blau. Das rohe Datenmaterial kann der Normalanwender normalerweise nicht betrachten. Selbst wenn er es könnte, wäre es wahrscheinlich so naturgetreu wie ein analoges Negativ.

Damit das Bild das Motiv einigermaßen so abbildet, wie es der Fotograf gesehen hat, muss das Rohmaterial des Sensors erst interpretiert werden, wobei die Kamerahersteller ein bisschen schummeln.

Ein Beispiel | Nehmen wir an, wir haben einen Bildsensor mit 1200 Pixel in der Breite à 800 Pixel in der Höhe. Das wären dann 960.000 Pixel – knapp ein Megapixel.

Auf dem Sensor sind ein Viertel davon (240.000) für rot empfindlich, ein Viertel für blau und die Hälfte (480.000) für grün. Keiner der Pixel sieht Mischfarben wie Orange, Violett oder Braun. Die Farben eines einzelnen Pixel des fertigen Bildes müssen jeweils aus zwei grünen, einem roten und einem blauen Sensorpixeln zusammen berechnet werden.

Genau genommen dürfte demnach ein Bildsensor mit 960.000 Pixeln nur 240.000 Pixel im fertigen Digitalbild ausspucken. Aber eine reale Kamera mit 960.000 Pixel spuckt im fertigen Bild auch 960.000 Pixel aus.

Durch Interpolation zu hoher Auflösung | Erreicht wird das durch sogenannte Interpolation. Das bedeutet, dass die Software der Kamera für jedes bunte Pixel (das sie aus zwei grünen, einem roten und einem blauen Sensorpixel berechnet), drei weitere Pixel dazu erfindet.

Was da in der Kamera abläuft ist tatsächlich etwas komplexer als hier beschreiben, aber es sollte reichen, das Grundkonzept zu verstehen. In der Praxis sollte es uns auch egal sein, solange das Resultat unseren Anspruch an Schärfe erfüllt. Wichtig ist nur: Was wir am Ende am Computer zu sehen bekommen, ist nicht das, was der Bildsensor gesehen hat, sondern das Resultat hoch komplizierter Berechnungen.

Der Trick mit der Pixelschieberei ist aber nicht das einzige was die Software der Kamera an einer Aufnahme baselt. Wenn ich im JPEG-Format fotografiere, dann wird das Programm Rauschen reduzieren, Kanten schärfen, Tonwerte korrigieren, Farbsättigung puschen, eventuell Schatten aufhellen und Lichter reduzieren, und was auch immer die Maketingabteilung des Kameraherstellers die technische Entwicklung vorgegeben hat.

Von unbearbeitet kann man bei Digitalbildern also nicht wirklich sprechen. Es mag zwar nicht durch den Fotografen bearbeitet worden sein; so lange der Fotograf die Kamera nur in die Hand nimmt und abdrückt, geschieht die Bildbearbeitung im engeren Sinn durch die Software des Apparats. Die Entwicklung basiert aber auf Richtlinien und Programmabläufen, die die Software-Ingenieure des Kameraherstellers definiert haben. Also ist es im weiteren Sinn der Ingenieur in Japan, der die meisten Bilder entwickelt hat, die viele Fotografen als unbearbeitet präsentieren.

Natürlich kann der Fotograf bei den meisten Kameras auch leicht in die Bildbearbeitung eingreifen. So bieten zum Beispiel viele Modelle die Möglichkeit die Intensität der Farben zu bestimmen, in dem man eine spezielle Einstellung für ‘Vivid’ bzw. ›Lebendig‹, für Hauttöne oder Sonnenuntergänge wählt. Je nach Einstellung wird die Software der Kamera das JPEG anders entwickeln. Das ist nichts anderes als Bildbearbeitung.

Auch Raw-Bildern werden entwickelt | Auch wer im Raw-Format fotografiert kommt um die Bearbeitung der Bilddaten nicht herum. Nur geschieht die Entwicklung nicht mehr wie beim JPEG in der Kamera, sondern im Raw-Converter – ob der nun iPhoto, Aperture, Lightroom, Adobe Camera Raw, Bible, LightZone, DXO Optics, Capture One, Nikon Capture oder wie auch immer heißt. Der Unterschied ist nur, dass jetzt der Ingenieur, der die Entwicklung bestimmt, nicht mehr unbedingt in Japan sitzen muss, sondern in den USA oder vielleicht auch in Deutschland.

Raw-Converter entwickeln Raw-Bildern nach vordefinierten Rezepten – nicht anders, als bei der Software die JPEGs in der Kamera entwickeln. Auch hier gehören wieder Beeinflussung der Farbsättigung, Gradation, Tonwertvereilung, Rauschunterdrückung, usw. zum Standard.

Was ein Raw-Converter ausspucken ist am Ende immer Resultat des Rezepts, das die Software-Programmierer als optimal erachtet haben, um in möglichst vielen Fällen Resultate zu erzielen, mit denen möglichst viele Anwender möglichst glücklich sind. Da es aber auch Geschmacksache ist, wie entwickelt ein Bild ein gut entwickeltes Bild ist, werden die gleichen Rohdaten in unterschiedlichen Raw-Convertern unterschiedliche Resultate liefern.

So habe ich in meiner Zeit beim Wechsel von Adobe Photoshop Lightroom zu Apple Aperture den Eindruck gewonnen, dass Aperture Grastöne in den Bildern einer Nikon D80 schöner entwickelt, während Lightroom in den Schatten von Hauttönen eindeutig schönere Töne erzeugt. Das muss aber noch nicht einmal heißen, dass dieses Verhalten bei Gras- und Hauttönen bei den beiden Programmen auch auf die Bilder anderer Kameras zutrifft. Schließlich brauchen die Programmierer von Lightroom, Aperture und Co für jede neue Kamera ein neues Entwicklungsrezept.

Unbearbeitete Bilder gibt es also nicht. Die Frage, die sich für den Fotografen stellt, ist lediglich: Wer soll die Fäden in Händen halten: Der Ingenieur in Japan, oder ich, der Fotograf? Will ich das Resultat bestimmen, oder eine Software-Routine?