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Kauft euch eine Festbrennweite!

Im Rahmen meiner Fotokurse weise ich auch auf die Vorteile lichtstarker Festbrennweiten hin. Den Einsteiger befremdet natürlich die Vorstellung auf den Luxus des Zoomens verzichten zu müssen. Heranzoomen geht damit nicht! Man muss herangehen.

Im Grunde ist das schon der erste Vorteil einer Festbrennweite: Näher dran sieht einfach oft auch besser aus. Es vermittelt dem Betrachter den Eindruck ganz nah dran, mitten im Geschehen, Hautnah dabei zu sein. Brennweiten von 50mm und weniger vermitteln Authentizität.

Doch das ist nicht das Einzige! Der Komfort von Zoomobjektiven befördert die Faulheit. Erblicken, Kamera zücken, hinzoomen – klick! Reinster Zufall, wenn dadurch eine bemerkenswerte Fotografie zustande kommt.

Wer mit Festbrennweite fotografiert kommt gar nicht darum herum sich bewusster mit der Bildgestaltung auseinander zu setzen. Statt Hinzoomen bewegen einen die Beine näher hin oder weiter weg. Festbrennweiten schaffen Bewusstsein und sind schon deshalb ein Segen, weil sie einen zwingen den fotografischen Prozess zu entschleunigen.

Wer jedoch eine Festbrennweite kauft, kauft sie aus einem anderen Grund: Lichtstärke! Die Blende lässt sich weiter öffnen, wodurch ich weniger Licht zum Fotografieren benötige und die Schärfentiefe geringer gestalten kann. Lichtstarke Festbrennweiten bedeuten Fotografieren in einer anderen Dimension.

After Sunset

Eine andere Welt eröffnen lichtstarke Festbrennweiten weil man damit tiefer in den Abend vordringen kann ohne ein Stativ benützen zu müssen. Mit einer Consumer-Kamera und einem üblichen Standardzoom mit einer Brennweite von 18–55mm und Lichtstärke ƒ3.5–5.6 ist bei 55mm ohne Stativ und ohne Anheben der Empfindlich nach Faustregel spätestens kurz vor Sonnenuntergang Schluss mit unverwackelten Aufnahmen. Eine vergleichbare Festbrennweite und Lichtstärke ƒ2.0 hingegen ermöglicht es bis kurz vor Einbruch der Nacht ohne höhere ISO-Werte und ohne Stativ zu fotografieren. Kein Wunder: Bei ƒ2.0 genügt zur Belichtung 1/8 des Lichts (Umgebungslicht) das bei  ƒ5.6 notwendig ist.

Freistellen

Vom Freistellen spricht man, wenn ein Motiv im Vordergrund vor unscharfem Hintergrund abgebildet ist. Das lässt sich mit einer langen Brennweite erreichen, geht aber noch viel besser mit einer Blende die sich weit öffnen lässt. Das oben genannte Standardzoom erreicht bei 55mm und ƒ5.6 auf eine Distanz von 3m eine Schärfentiefe von 66cm – von flauschiger Weichzeichnung der Elemente dahinter ist da nicht mehr zu träumen.

Eine Festbrennweite mit 55mm und Lichtstärke ƒ1.8 erzielt auf 3m eine Schärfentiefe von knapp 22cm – das ist gerade einmal ein Drittel! Objekte im Vordergrund vor unscharfem Hintergrund freizustellen lässt sich damit natürlich bedeutend leichter erreichen.

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Vom »Freistellen« spricht man wenn ein Hauptmotiv im Vordergrund durch geringe Schärfentiefe vor unscharfem Hintergrund abgebildet wird. Olympus OM-D E-M1; Objektiv: Olympus M.Zuiko 45mm ƒ1.8 | 45mm (90mm KB); ƒ1.8; 1/3200s; ISO200; entfesselt geblitzt

Begeisterung garantiert!

Schon viele Teilnehmer meiner Seminare haben sich bereits während die Kurse liefen meinem Rat folgend eine Festbrennweite gekauft und ich kann mich an keinen einzigen erinnern der nicht vom Fleck weg begeistert gewesen wäre.

Profiqualität zum Schnäppchenpreis

Lichtstarke Festbrennweiten sind oft nicht billig. Doch die meisten Hersteller haben die eine oder andere Linse im Programm die professionelle Abbildungsqualität zum Sparpreis liefert.

Nikon beispielsweise hat gleich zwei unschlagbare Preis/Leistungs-Knüller im Programm. Das wäre zum einen das 50mm ƒ1.8, bei Amazon (Affiliate-Link) zum Hammerpreis von unter 200 Euro zu haben – ein Objektiv, das sowohl an Einsteigermodellen im DX-Format als auch an Vollformatkameras verwendet werden kann. An DX-Kameras ist das 50er ein durchaus ernstzunehmendes und profitaugliches Porträtobjekitv, am Vollformat übernimmt es die Rolle der vielseitig einsetzbaren Normalbrennweite.

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AF-S NIKKOR 50 mm 1:1,8G (© Nikon)

Kaum weniger Interessant: Das 35mm ƒ1.8, aktuell bei Amazon (Affiliate-Link) um 180 Euro zu haben. Das ist zwar nur an DX-Kameras sinnvoll zu nutzen und entspricht dort mit umgerechnet 52,5mm etwa einer Normalbrennweite, es ist aber dadurch vielseitiger einsetzbar.

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AF-S DX NIKKOR 35 mm 1:1,8G (© Nikon)

Während ich die beiden oben genannten Nikkore aus eigener Erfahrung empfehlen kann, habe ich mit Canons Linsen keine Erfahrungen. Ich weiß aber, dass sich Canons 50mm ƒ1.8 kaum geringerer Beliebtheit erfreut wie Nikons 50mm-1.8er Linsen –  bei Amazon (Affiliate-Link) bereits um knappe 120 Euro zu haben.

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Canon EF 50mm f/1.8 STM (© Canon)

Eine besonders exzellente Linse zum Schnäppchenpreis ist das 45mm ƒ1.8 von Olympus. Auf Kleinbild umgerechnet ist es länger als die oben genannten Linsen von Nikon und Canon, denn es entspricht 90mm. Das macht es zwar weniger universell einsetzbar, aber dafür zur umso besseren Porträtbrennweite. Sein Preis bei Amazon (Affiliate-Link) liegt derzeit bei knapp über 250 Euro.

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Olympus M.ZUIKO DIGITAL 45mm 1:1.8

Auch für die anderen Kameramarken werden lichtstarke Festbrennweiten angeboten, sei es von den Herstellern selbst, sei es von Drittherstellern wie Sigma. Da mir beim Angebot für diese Marken aber der Überblick fehlt kann ich keine wirklichen Tipps dazu abgeben. Sachdienliche Hinweise und Tipps als Kommentar von euch, liebe Leser, wären diesbezüglich sicher hilfreich.

Anmerkung: Ich persönlich kaufe meine Ausrüstung weitest gehend beim Fachhändler, auch wenn ich dort manchmal etwas mehr bezahle als bei Bestellungen im Internet. Nur wenn ich mir bei einem Produkt nicht sicher bin und es bei meinem Händler nicht lagernd ist, bevorzuge ich den Weg über Amazon, weil ich die Produkte dort problemlos eintauschen kann. Eintauschen geht zwar bei meinem Fachhändler auch, aber ich möchte nicht, dass der auf irgendwelchen exotischen Bestellungen von mir sitzen bleibt, wenn ich mich gegen den Kauf entscheide.

Wo ihr einkauft werdet ihr selbst entscheiden. Wenn ihr den Weg über Amazon wählt würdet ihr mir einen Gefallen tun, die Bestellung über meine Affiliate-Links hier zu starten. Euch kostet das keinen Cent mehr, doch bei mir bleiben ein paar Euros hängen, je nach Preis des Produkts.

Mein Reiseobjektiv: Nikkor 24–85mm

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AF NIKKOR 24–85mm 1:2,8–4D

FourThirds ist nicht genug | Meine letzte Reise unternahm ich mit meiner Panasonic Lumix G3 mit 20mm ƒ1.7 Festbrennweite als einzige Kamera und einziges Objektiv. Nach meiner knapp einjährigen Erfahrung mit der Micro FourThirds-Kamera bin ich ein bisschen enttäuscht von dem Möglichkeiten der recht kleinen Bildsensoren dieses Kamerasystems. In Kombination mit den zumeist relativ lichtschwachen Objektiven, die für das System verfügbar sind, ist das Spiel mit Schärfentiefe doch nur eingeschränkt möglich. Deshalb entschloss ich mich auf meinen diesjährigen Urlaubsflug zur Kanaren-Insel La Palma wieder meine D700 einzupacken.

Doch etwas mehr als Festbrennweite | Letztes Jahr war ich schwer bepackt mit mehreren Linsen nach La Palma geflogen, hatte dann aber in erster Linie eine Sigma 24mm ƒ1.8 Festbrennweite in Verwendung. Dieses Jahr sollte mir ein Zoomobjektiv wieder mehr Gestaltungsfreiraum in Sachen Perspektive geben. Nur: Meine Zooms sind überwiegend große, schwere Profi-Objektive. Am ehesten wäre das 24–70mm ƒ2.8 in Frage gekommen. Ein tolles Objektiv und das Standard-Zoom vieler Profis. Aber das Teil ist ohne ohne Streulichtblende 133mm lang und wiegt 900g. Zusammen mit der Kamera sind das dann fast 2kg im Gepäck. Ich begab mich also auf die Suche nach einem etwas leichteren und kompakteren Objektiv und landete bei drei möglichen Optionen (siehe diesen Artikel).

Der neue Reisebegleiter | Entschieden habe ich mich am Ende für das 24–85mm ƒ2.8–4mm – trotz der widersprüchlichen und teilweise schlechten Berichte darüber. An und für sich ist die Linse nicht mehr ganz ‘State of the Art’. Es verfügt weder über die SWM Innenfokussierung mit der Möglichkeit zur manuellen Nachstellung ohne auf Manuell stellen zu müssen, noch über eine Nikon VR Bildstabilisierung. Dafür ist es aber mit knapp 83mm ein gutes Drittel kürzer und wiegt mit 545g mehr als ein Drittel weniger als das 24–70.

Neben Gewicht und Volumen fand ich den Brennweitenbereich von 24mm bis 85mm interessant. Das sind im Grunde genau die 15mm, die mir beim 24–70mm oft fehlen; zum Beispiel wenn ich Gesichtsporträts machen möchte. Dann ist ƒ2.8 bis ƒ4 doch deutlich lichtstärker, als ƒ3.5 bis ƒ5.6, beim 24–120mm und beim 28–300mm Nikkor – bei letzterem würde ich auch die +4mm Weitwinkel vermissen. ‘Last but not least’ hat auch die Makro-Funktion des 24–85mm seinen Reiz. Es wurde zwar kritisiert, dass das Umstellen auf Makro etwas umständlich sei – immerhin ist der Makro-Modus nicht im ganzen Brennweitenbereich, sondern nur von 35–85mm verfügbar. Man muss also erst das Zoom auf mehr als 35mm stellen und kann erst dann einen Schalter nach Makro bewegen und beim Zurückstellen auf den normalen Modus muss erst wieder aus dem Nahbereich raus fokussiert werden. Doch das klingt viel komplizierter als es ist. Hat man das gecheckt und zwei, drei Mal gemacht, geht es ohne nachdenken ganz automatisch.

Schöne Resultate mit bedenklicher Geometrie | Was mir am Ende zählt sind die Resultate und die finde ich überraschend gut. Dazu ist zu sagen, dass ich kein Pixelzähler bin. Mir zählen die subjektiven Eindrücke, die meine Fotos vermitteln. Ich überprüfe nicht die Schärfeverteilung von der Mitte nach außen über alle Blenden- und Brennweitenbereiche hinweg. Subjektiv löste die Bildwirkung bereits bei der Rückschau am Kamera-Display Begeisterung bei mir aus. Das 24–85mm liefert Resultate mit einer schönen Farbigkeit und einem angenehm weichen Kontrast. Kritisch kann ich lediglich eine seltsam wellenförmige Verzerrung im Weitwinkelbereich anmerken, die sich nur schwer digital korrigieren lässt (wobei ich die Korrektur weder in Nikons Capture NX2 noch mit Hilfe eines Spezialisten, wie DX Optics überprüft habe). Wer also gerne und viel Geometrie und Architektur fotografiert wird mit diesem Objektiv eher wenig Freude haben. Allen anderen kann ich es mit gutem Gewissen empfehlen.

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Was man im Urlaub halt so fotografiert.
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Ein kleines Bisschen ‘Street’.
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Durchaus brauchbarer Makro-Modus. Diese Aufnahmen wären mit einem anderen Standardzoom so wohl nicht möglich gewesen.
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Auch mit Bokeh lässt sich gut spielen und die Resultate gehen in meinen Augen durchaus in Ordnung.
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Weniger berauschend: Die geometrische Verzerrung im Weitwinkelbereich. Die Architektur auf La Palma entspricht zwar nicht immer streng geometrischen Kriterien, aber die Wellenlinie oben am Bild dürfte doch eher durch die Verzerrung des Objektivs so ausgefallen sein.

Objektiv betrachtet: Nikon AF-S 24-70 mm 2.8

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Nikons 24–70mm Objektiv, mit durchgehender Lichtstärke ƒ2.8, dürfte wohl zur unverzichtbaren Standardausrüstung vieler Nikon-Fotografen zählen. Im Trio mit dem Nikon 14–24mm ƒ2.8 und dem 70–200mm ƒ2.8 erreicht der investitionsfreudige Fotograf einen Brennweitenbereich von 14–200mm bei durchgehender Lichtstärke 2.8 und exzellenter Bildqualität.

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Seit ich vor ein paar Monaten das 14–24mm bekommen habe, fotografiere ich viel und gerne damit. Doch das 24–70mm bietet natürlich einen viel weiteren Einsatzbereich. Von der Landschaftsaufnahme bis zum Portrait – dieser Brennweitenbereich ist mit dieser Lichtstärke ziemlich universal einsetzbar. Deshalb ist es auch das Objektiv, das ich bei Fotosafaris und Shootings am häufigsten vor meiner großen Kamera habe.

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Natürlich ist das Objektiv weder leicht noch billig. Gutes Glas hat seinen Preis und sein Gewicht. Aber die Abbildungsqualität die sich dadurch erzielen lässt hat schon etwas für sich. Zwar leben gute Aufnahmen vor allem vom Motiv, von der Bildidee und von Komposition und Bildaufteilung. Doch wenn diese Paramater stimmen, dann ist es vor allem das Material und die gekonnt eingesetzte Technik die einer Aufnahme den letzte Schliff verleiht. Mit dem Nikon AF-S 24–70mm ƒ2.8 ist dieser Schliff besonders fein.

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Weitere Bilder mit dem Nikon AF-S 24–70 ƒ2.8

Objektiv betrachtet: Nikon AF-S DX 35mm 1.8

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In meiner Serie über meine Objektivausrüstung möchte ich heute das Nikon AF-S DX 35mm ƒ1.8 vorstellen.

Einmal eine kurze Erklärung das die Buchstabenkürzel zu bedeuten haben: AF steht für Autofocus. Das S heißt, dass ich nach dem automatischen Einstellen die Fokussierung von Hand verstellen kann, ohne, dass das AF-Getriebe Gefahr läuft Schaden zu nehmen. Bei älteren Objektiven ohne diesen S-Zusatz ist das nicht zu empfehlen. Dort sollte man es tunlichst unterlassen am Fokusring zu drehen, nachdem die Kamera fokussiert hat – also so lange man den Auslöser halb durchgedrückt hat.

DX bedeutet, dass das Objektiv für Kameras mit kleinem APS-Sensor ausgelegt ist und auf Kameras mit Kleinbildsensor (der Volksmund spricht vom Vollformatsensor – Nikon nennt es FX)nur einen recht kleinen Bildbereich abdeckt.

Meine Arbeitskamera ist die D700, ihres Zeichens eine FX-Kamera mit Kleinbildsensor, weshalb ich dieses Objektiv daran auch nicht verwende.

Meine immer-dabei-Kamera jedoch ist eine D80 und die hat den kleineren DX-Sensor und auf dieser Kamera ist das 35mm 1.8 mein liebster Begleiter. Zur immer-dabei-D80 also das immer-dabei-35mm. Grandkoses Gespann!

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Das obere Bild entstand in dunkelster Nacht aus freier Hand mit der D80. Bei einer Lichtstärke von 1.8, 35mm und ISO800 lässt sich das machen.

Vor dem AF-S 35mm 1.8 war das AF 50mm 1.8 mein ständiger Begleiter. Ein etwas betagtes Objektiv, das aber noch immer einen sehr guten Ruf genießt, vor allem da es schon ab etwa 100 Euro zu haben ist. Allerdings entsprechen die 50mm dieses Objektivs an der D80 einer Brennweite von 75mm und das ist praktisch ein Tele. Immer mit Tele fotografieren ist schon eine arge Einschränkung. Also habe ich mich entschieden es mit dem neuen 35mm-Objektiv zu versuchen und ich habe es nicht bereut.

Neben der Brennweite war das alte AF 50mm mein einziges Objektiv, das mir nicht erlaubt manuell nachzufokussieren. Das ist lästig, wenn man die Nachfokussiererei erst einmal gewöhnt ist.

Das AF-S 35mm 1.8 bildet schön scharf ab, bei der großen maximalen Blendenöffnung kann man aber auch sehr schöne Unschärfen erzielen und die Schärfentiefe kurz halten, auf was ich halt stehe. Die 35mm Brennweite entsprechen auf Kleinbild umgerechnet knapp der Normalbrennweite von 50mm und das soll so ungefähr der menschlichen Wahrnehmung am nächsten kommen.

Ich kann das Objektiv nur jedem empfehlen, der eine Nikon mit kleinerem Sonsor hat und nach einem guten, Lichtstarken Objektiv mit Festbrennweite Ausschau hält. Und eine Festbrennweite kann ich ohnehin jedem Fotografen empfehlen.

Ein paar Alltagsschnappschüsse, die mit dem AF-S 35mm entstanden sind, habe ich in einer mobileMe-Galerie zusammengestellt.

Richtigstellung: Ein Besucher hat mich in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass nicht bei jedem S-Nikkor (also nicht jedes AF-S) manuell nachfokussiert werden kann.

Objektiv betrachtet: Nikon AF-S 70–300mm ƒ4.5–5.6

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Sagte ich nicht einmal das Objektiv müsse besser als die Kamera sein? Was macht denn eine 500-Euro-Scheben an meiner D700? Antwort: Die Ausnahme der Regel bestätigen.

Das Nikon AF-S 70–300mm ƒ4.5–5.6 ist zwar kein Killerobjektiv in Sachen Lichtstärke, aber es liefert eine für seinen Preis absolut beeindruckende Abbildungsleistung. Neben dem 70–300 besitze ich auch das 70–200mm ƒ2.8 – ein lichtstarkes, überall gepriesenes Ungetüm, mit dem man Passanten unheimlich beeindrucken kann und das in der Tat eine geniale Abbildungsleistung schafft. Es liegt preislich in einer Region von etwa 2000 Euro und kostet damit praktisch das vierfache des 70–300.

Trotz des immensen Preisunterschieds ertappe ich mich immer wieder, dass ich beim Stöbern in meiner Bilddatenbank auf Aufnahmen stoße, bei denen ich mir denke »Wow! Mein teures 70–200 ist einfach ein Hammerobjektiv« und wenn ich dann einen Blick auf die Metadaten zum Bild werfe, dann steht da ganz unverschämt AF-S 70–300!

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Nicht umsonst habe ich letzten Urlaub das schwere 70–200mm ƒ2.8 zuhause gelassen und statt dessen das 70–300 eingepackt. Es ist (viel) leichter und handlicher, bietet 100mm mehr Brennweite und ein bisschen der geringeren Lichtstärke kann man durch die ausgezeichnete Verwackelungsreduzierung wieder wett machen. Darüber hinaus ist das 70–300 eines der preiswertesten FX-Objektive von Nikon, ist also mit Kleinbildsensor kompatibel.

Selbst der Autofokus lässt nichts zu wünschen übrig und arbeitet leise und außerordentlich schnell. Damit habe ich auch schon flotte Flieger auf der Adlerwarte in Bregenz gut ablichten können.

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Lange Rede, kurzer Sinn: Das Nikon AF-S 70–300mm ƒ4.5–5.6 ist für mich einer der heißesten Tipps für alle Nikon-Fotografen, nicht nur für die Preisbewussten und nicht nur für die Besitzer einer Kamera mit Kleinbildsensor.

Mehr Aufnahmen mit dem 70–300mm habe ich in einer mobileMe-Gallerie zusammengestellt und veröffentlicht.

Objektiv betrachtet: Nikon AF-S 14–24mm ƒ2.8

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Vierzehn Monate sind ins Land gezogen, seit mein Buch über die Nikon D700 veröffentlicht wurde. Schon während ich am Buch schrieb habe ich mir vorgenommen anschließend Artikel über Objektive im Blog zu posten. Dazu gekommen ist es bisher nicht. Zu sehr haben andere Projekte meine Zeit in Beschlag genommen. Aber was lange währt wird endlich gut: Mein erster (völlig subjektiver Blick) auf ein Objektiv.

Subjektiv ist mein Blick allemal, da ich seit jeher mit Nikon fotografiere und mir so der direkte Vergleich zu den Produkten anderer Hersteller fehlt. Da ich kein Händler oder Tester bin ist meine einzige Möglichkeit Objektive zu testen ohnehin meist sie zu kaufen. Subjektiv auch deshalb, weil ich nicht zu den Anwendern gehöre, der seine Objektive anspruchsvollen Labortests unterzieht. Mich interessieren die Resultate in Form von Fotos.

Mit den Resultaten des Nikon AF-S 14—24mm ƒ2.8 (Abbildung oben mit freundlicher Genehmigung durch Nikon Deutschland) bin ich vollauf zufrieden. Ein hervorragendes Objektiv, wie das ganze Nikon-Lineup vom 14—24mm über das 24—70mm bis zum 70—200mmm. Dabei ist der extreme Weitwinkelbereich eines 14—24mm extrem schwer zu beherrschen.

Erstens hat man in meiner direkten Umgebung kaum einmal die Möglichkeit Landschaft zu fotografieren, ohne dass irgendwo störende Objekte wie eine Hochspannungsleitung oder ein hässliches Gebäude das Bild verschandelt. Zweitens sind die meisten Verzerrungen, die durch den extrem weiten Winkel entstehen alles andere als schön und man muss schon sehr bewusst komponieren, damit ein Bild nicht schlicht und einfach hässlich verzerrt wirkt. Wenn man aber die Komposition gemeistert und die Linienführung eines Motivs bewusst und gekonnt in Szene gesetzt hat, dann entwickeln Weitwinkelfotos eine Spannung und Dynamik, die mit anderen Brennweitenbereichen nicht zu erreichen ist.

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Das Nikon 14–24mm ist ein schweres Teil dessen Glas am weitwinkligen Ende (also bei 14mm) schon fast aus der fix verbauten Streulichtblende herausragt. Mehr Blende geht aber aufgrund des weiten Bildwinkels nicht. Der bei manchen Fotografen beliebte UV-Filter um die Frontlinse zu schützen geht auch nicht — ein Gewinde gibt es nicht.

Das somit recht schutzlose Glas des teuren Objektivs, das mit einem Listenpreis von über 2.000 Euro notiert und bei Amazon im Moment ab etwa 1.600 Euro zu haben ist, und das Gewicht von einem Kilo, machen es zu einem etwas umständlichen Begleiter — ich behelfe mir zum Schutz der Frontlinse damit, dass ich das Objektiv wieder auf den 24mm-Anschlag zurückschraube, sobald ich eine Aufnahme gemacht habe, um dadurch das Glas der Frontlinse soweit als möglich hinter der Streulichtblende zu versenken.

Vor ein paar Wochen konnte ich zehn Tage Urlaub auf Madeira verbringen. Bei Reisen gehöre ich zu den Fotografen, die immer fettes Equipment mit schleppen. Diesmal habe ich mich zusammengerissen und beschränkt: D700, 24—70mm ƒ2.8 (wohl meine Lieblingsobjektiv), 70—300mm ƒ4.5—5.6 (nicht besonders Lichtstark, aber bomben Abbildungsqualität — in meinen Augen ein absoluter Preis/Leistungs-Hammer — und deutlich weitere Brennweite als das schwere 70—200mm ƒ2.8) und eben 14—24mm, über das ich heute hier schreiben.

Weil ich ja weiß, wie schwer der Weitwinkelbereich zu beherrschen ist, war ich etwas zerrissen, ob es sinnvoll sei, das schwere Objektiv in die Reisetasche zu packen. Klar: Für ein paar tolle Landschaftsaufnahmen wäre es sicher gut — da macht bei entsprechender Landschaft dem Weitwinkel kein anderer Brennweitenbereich etwas vor. Aber stünde es dafür, das Ding ständig mit sich rum zu schleppen nur um ein paar klassische Postkartenkitsch-Landschaftsaufnahmen einzufangen?

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Ich habe es nicht bereut das Objektiv mit zu schleppen. Ich war sogar äußerst überrascht wie viel Spaß es macht damit zu arbeiten und wie toll, ungewohnt und andersartig die Resultate ausfallen — keineswegs nur bei Landschaft oder besser gesagt, gerade Abseits der Landschaftsfotografie. Man braucht halt den Willen zum Experimentieren und muss sich etwas anstrengen — dann wird ein 14—24mm zu einem phantastischen Arbeitsgerät.

Ein Objektiv mit einem Brennweitenbereich das etwa dem 14—24mm entspricht ist nicht die erste Wahl die man jemandem empfiehlt, der in die Fotografie einsteigt. Zu schwierig im Einsatz und bei der Bildkomposition. Zu extrem und eingeschränkt in der Anwendung. Ab 24mm wird es bedeutend einfacher zu handhaben. Darüber hinaus ist ein Preis von weit über 1.000 Euro ohnehin für die meisten Einsteiger kein Thema.

Ambitionierte Fotografen sollten aber auf die Möglichkeiten des weiten Winkels nicht verzichten und für das AF-S 14—24mm ƒ2.8 dürfte es für Nikons kaum eine Alternative geben. Damit und mit den beiden Geschwistern 24—70mm ƒ2.8 und 70—200mm ƒ2.8 erhält der ambitionierte und investitionsfreudige Fotograf einen Brennweitenbereich von 14—200mm mit erstklassiger Abbildungsqualität und durchgehender Lichtstärke 2.8.

Das ist mein Dreamteam der rundum glücklich und ultimative Qualität Zooms für Nikon-Kameras. Mehr braucht eigentlich nur noch, wer spezielle Anforderungen hat (Makro, Architektur, Tierfotografie, Available Light bei sehr wenig Licht oder Fisheye) oder einfach nicht weiß wohin mit der Kohle.