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Monika Gause Kommentare: 2
Die Kollegen und Kolleginnen schienen so beschäftigt zu sein wie ich. Deshalb konnte ich auch nicht wie geplant an den vergangenen beiden Dienstagen je eines veröffentlichen. In der Zwischenzeit ist aber ein weiteres Interview eingetroffen, und ich bin froh hier Monika Gause vorstellen zu dürfen.
Auf Monika Gause bin ich durch ihr Buch »Adobe Illustrator – das Praxisbuch zum Lernen und Nachschlagen« aufmerksam geworden. Während es zu Photoshop ja viel – auch sehr gute – Literatur auf dem Markt gibt, sind gute Werke zu Illustrator Mangelware. Ich unterstelle jetzt einmal, dass Monikas Buch das beste zum Thema auf dem deutschsprachigen Markt ist, auch wenn ich natürlich nicht alle gelesen habe.
Monika Gause lebt und arbeitet in Hamburg, ist freiberufliche Grafikerin in der Mediawerk Ateliergemeinschaft und veröffentlicht Tutorials unter www.vektorgarten.de
Frage: Hallo Monika. Kannst du unseren Lesern kurz deinen Werdegang beschreiben – wie du zum Gestalten gekommen bist, welche Leidenschaft verbindet dich damit und womit verdienst du heute im Wesentlichen dein Einkommen?
Monika: Eigentlich wollte ich ja Tierärztin werden. Da kamen dann aber zwei Dinge dazwischen: die Erkenntnis, dass das wohl doch nicht das Richtige wäre und die Bekanntschaft mit den typografischen und fotografischen Arbeiten der Bauhaus-Künstler.
Ich habe nach der Schule ein dreivierteljähriges Praktikum in einer großen Werbeagentur gemacht (bezahlt wohlgemerkt) und mich währenddessen nach den Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten umgesehen.
Studiert habe ich dann am Institut für Graphik Design (heute Institute of Design: http://ingd.de) in Hamburg.
Durch meinen Freund und jetzigen Partner bin ich später in eine Klasse der HfbK (Hochschule für bildende Künste http://www.hfbk-hamburg.de/) gekommen. Dort haben wir uns künstlerisch auseinandergesetzt mit den Fähigkeiten des Werkzeugs Computer, wie Vernetzung und Programmierbarkeit.
Anschließend habe ich 10 Jahre lang mit Partnern zusammen Multimedia-Anwendungen gebaut und wollte eigentlich nie wieder Print machen. Das ging dann ganz selbstverständlich in Web-Abwendungen über. In der theoretischen Beschäftigung mit Computern, Animation, und dem Raum als Medium bin ich auch wieder zum Bauhaus gekommen. Irgendwie haben die in den 20ern schon alles gemacht, was wir heute für neu halten.
Inzwischen verdiene ich einen großen Teil meines Einkommens neben Design-Aufträgen mit Unterrichten und dem Schreiben für verschiedene Medien. Das ist eine Arbeit, die ich sehr befriedigend finde und vielseitig ist sie obendrein, da ich viele Anwender mit ganz unterschiedlichen Aufgabenbereichen kennen lerne. Diese Nahtstelle zwischen Kreativität, technischem Verständnis und Software-Grundlagenforschung finde ich sehr spannend.
Frage: Gestaltung lebt im Spannungsfeld zwischen Kreativität und Funktionalität. Wo liegen bei dir die Prioritäten, und: Beinhaltet ein Gestaltungprozess für dich mehr Inspiration oder Transpiration?
Monika: Woher weißt Du, dass ich gerne Joggen gehe, wenn ich nicht mehr weiter komme?
Inspiration ist ohne Transpiration nicht zu haben. Ideen kommen nicht aus dem luftleeren Raum. Die wirklich guten kommen dann, wenn man sich eigentlich schon länger mit einer Sache beschäftigt. Dann scheint es zwar so, als wäre es im Schlaf passiert, aber die Arbeit hat man ja vorher gemacht.
Und: ja, das Joggen hilft. Schokolade aber auch.
Frage: Welche Bedeutung siehst du in den Gestaltungswerkzeugen wie Photoshop, Illustrator und InDesign für den Gestaltungsprozess? Lassen sich die Grafiker zu sehr von den Verlockungen des Design-by-Buttonklick verführen? Beherrschen die Anwender Ihre Werkzeuge, oder werden sie von den Tools beherrscht?
Monika: Die wirklich guten Leute setzen ihre Werkzeuge punktgenau ein. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Und sie setzen die Medien mediengerecht ein. Natürlich trifft man in Anwenderforen auf jede Menge Leute, die nicht aus noch ein wissen und einen Effekt für die Lösung ihrer Probleme halten. Aber sie stellen sicher nicht den Großteil der professionellen Nutzer oder der Nutzer überhaupt. Ich sehe den Computer auch nicht als eine Verführung - jedenfalls nicht für Leute »vom Fach«. Es gibt ja keine Alternative - wer professionell tätig ist, muss seine Sachen mit dem Computer machen, weil die Weiterverarbeitung es erwartet.
Ausgenommen sind hier höchstens noch Illustratoren.
Frage: Welche Bedeutung haben die Tools für deine eigene Arbeit als Gestalterin? Könntest du ebenso gut mit Illustrator oder Freehand 6 noch arbeiten?
Monika: Mit FreeHand 6 sicher nicht, denn diese Version gab es nicht. Mit Illustrator 6 könnte ich nicht mehr arbeiten, weil mein Rechner sie nicht mehr unterstützt. Aber ich bin sicher, Du meinst, ob mir die Möglichkeiten reichen würden. Das würde ich bedingt mit Ja beantworten, denn Illustrator 6 hatte noch keine Aussehen-Palette. Und auf die könnte ich nun wirklich schwer verzichten.
Ich habe schon immer gerne reduzierte Sachen gemacht - schwarzweiß mit groben handgezeichneten Illustrationen - die dann auf einem Fotokopierer vervielfältigt werden. Bei meinen regelmäßigen Non-Profit-Aufträgen ist auch nur manchmal Geld da für einen 4-Farb-Druck. Da die ganze Welt inzwischen bunt plakatiert ist, fallen schwarzweiß-Sachen häufig ja sogar viel besser auf als farbige. Und: die Reduktion in der Darstellungstechnik macht die Idee umso wichtiger und bringt sie besser zur Geltung.
Frage: Was sind deine wichtigsten Tools?
Monika: Brain 2.0, Apple Mail, Bleistift/Kuli und ein Stapel Papier, Illustrator, Photoshop, Indesign (je CS3), das Web, mediengestalter.info, eine Kanne Tee (schwarz)
Frage: Und wie gehst du den Gestaltungsprozess an? Nach wie vor vom Scribble zum Computer?
Monika: Mal so, mal so. Manche Idee kann (und muss) schnell umgesetzt werden - aber auch da mache ich häufig eine Wacom-Skizze, bevor ich Illus Zeichenstift ansetze. Andere Ideen gehen auch zwischen Papier und Computer hin und her.
Frage: Welche Bedeutung hat Schrift und Typografie für deine Arbeit?
Monika: Eine große. Durch die Typografie bin ich zum Design gekommen und ich mache immer noch gerne reine Typo-Sachen. Dir ist ja sicher die Überlänge des Schrift-Kapitels in meinem Buch aufgefallen. Das liegt sicher nicht daran, dass die Text-Werkzeuge in Illustrator so bedeutsam wären. Das Thema ist mir einfach wichtig und es gibt eine Menge dazu zu sagen, damit Anwender den Hintergrund haben, die Funktionen optimal zu nutzen.
Ich nutze Typografie gerne spielerisch, wenn man mich lässt.
Frage: Und welche Bedeutung haben Bilder für dich? Woher beziehst du sie in der Regel?
Monika: Werden von Kunden geliefert, selbst gemacht (Foto oder Illustration), sxc.hu (für Non-Profit und Wenig-Profit-Projekte)
Bilder haben für mich ebenfalls eine große Bedeutung. Ich bin häufig sehr lange auf der Suche nach einer passenden Bildidee und anschließend nach dem passenden Bild. Manchmal länger als das Layout dauert.
Im Print-Bereich geht es ja noch, Multimedia-Anwendungen sind da viel bilderhungriger. Andererseits kann man bei bildschirmbasierten Medien fast alles verarbeiten.
Frage: Ich bin der Ansicht, dass das Thema »Corporate Design« (bei kleineren Unternehmen ein stringentes Erscheinungsbild) in der Ausbildung von Gestaltern recht stiefmütterlich behandelt wird. In der späteren Berufspraxis wird es dann oft vernachlässigt, nicht verstanden um nicht zu sagen: ignoriert. Natürlich verengt es den Rahmen, in dem Kreativität statt finden kann. Doch ein guter Gestalter sollte in der Lage sein, auch unter klar abgegrenzten Rahmenbedingungen gute Lösungen zu erarbeiten.
Wie stehst du zu diesem Thema?
Monika: Für mich zählen die Grenzen (die sich ja nicht nur aus Design-Richtlinien ergeben) als Merkmal der Kreativität dazu. Je mehr Grenzen gesteckt sind, umso mehr Kreativität muss man entwickeln, damit das Ergebnis der Aufgabe mit allen Anforderungen gerecht wird. Was die Ausbildung der Gestalter angeht - da kenne ich mich nicht gut genug aus (ich unterrichte Kulturwissenschaftler). Ich weiß aber auch nicht, ob so etwas ein geeignetes Thema für ein Studium oder eine Ausbildung ist. Das ist eher etwas, das man am besten von einem erfahrenen guten Kollegen bei der Arbeit lernt. Und ich denke auch, dass man sehr viel Produktions-Erfahrung braucht, um ein umfassendes Corporate-Design zu entwickeln und zu dokumentieren. Dazu reicht nicht das Wissen um die Technik, sondern man muss es gemacht haben.
Wenn es dabei also ein Problem gibt, dann eher das, dass Auftraggeber (oder Chefs) es in die Hände unerfahrener Leute legen, weil sie die Tragweite des ganzen nicht erkennen.
Frage: Gibt es ein Buch für dich, von dem du sagst: »Das muss jeder Gestalter gelesen haben!«
Monika: Nein. Wenn wir davon ausgehen, dass mit »Gestalter« nur die Leute gemeint sind, die eine Ausbildung oder ein Studium hinter sich haben. Je nach Schwerpunkt, den man sich setzt, gibt es natürlich Bücher, die ich jemandem dringend ans Herz legen würde. Und bestimmt gibt es auch noch Bücher, die ich lesen sollte.
Dazu gehört zum Beispiel Photoshop LAB-Color von Dan Margulis, das ich schon angefangen habe, wobei mir aber ständig etwas dazwischenkommt.
Zwei Design-Bücher, die ich in letzter Zeit interessant fand, waren der Aufsatz »Das hohe Bürogebäude« von Form-follows-function-Sullivan und Wilhelm Braun-Feldweg: »Industrial Design heute« (nur noch antiquarisch erhältlich). Da unser wichtigstes Kommunikationsmittel immer noch die Sprache ist, halte ich auch die Lektüre von Wolf Schneider »Wörter machen Leute« für gut investierte Zeit.
Und als werbender Krimifan braucht man wohl »Mord braucht Reklame« von Dorothy Sayers. Und sei es nur, um festzustellen, dass bereits in den 30ern das einzige Bestreben von Grafikern darin bestand, den Text aus der Anzeige herauszudrängen
Frage: Hast du noch weitere Informationstipps? Zeitschriften? Websites? Blogs? Oder: Wie informierst du dich und was sind deine Lern- und Inspirationsquellen?
Monika: Die meisten Anstöße, mich mit Neuem zu beschäftigen, kommen aus dem Gespräch mit Kollegen - dem virtuellen in Foren zumeist. Oder, wenn ich etwas sehe und mich interessiert, wer das gemacht hat und vor allem wie.
Blogs … das sind viele: regelmäßig sehe ich aber nur bei Mordy Goldings rwillustrator.blogspot.com, den Adobe-Bloggern unter blogs.adobe.com und dem Schockwellenreiter vorbei. Und bei Dir. Unregelmäßig bei vielen weiteren. Mein »Haus- und Hofforum« ist mediengestalter.info. Darüberhinaus bin ich bei hilfdirselbst.ch, traum-projekt.com und der XING-Gruppe der Adobe-Anwender aktiv.
Ansporn und Vorbild für meine Herangehensweise geben mir Doc Baumann mit seiner Kombination von künstlerischen Inhalten und technischem Verständnis, Mordy Golding mit seiner Detailkenntnis und dem Abtauchen in die hintersten Hintergründe (von Illustrator) und mein Partner Klaus mit seiner sturen Neugier bei der Problemlösung.
TV-Pflichtprogramm für jeden, der unterrichtet, sollte die Sendung mit der Maus sein: Einstein sagte »Wenn Du es einem 6-jährigen nicht erklären kannst, verstehst Du es wahrscheinlich selbst nicht«.
Frage: Was würdest du Neueinsteigern raten, die Gestalter werden möchten: Wie wird man Gestalter und wie schafft man den Einstieg in die Branche?
Monika: Technik und Theorie kann man sich durch Lesen und Probieren im stillen Kämmerlein aneignen, aber gute Sachen entstehen nur in der Auseinandersetzung mit Anderen. Ein Studium oder eine Ausbildung bietet das: nicht nur die Anleitung und Korrektur durch Ausbilder und Profs, sondern vor allem die Kritik und Nachfragen der Kommilitonen und Kollegen. Man lernt dabei nicht nur, seine Ideen zu verteidigen, sondern auch, sich selbst immer wieder neu zu hinterfragen.
Und vor allem braucht man Kontakte und Netzwerke, welche sich auch ganz natürlich bei Ausbildung oder Studium ergeben.
Frage: Gibt es sonst noch einen besonderen Rat oder Tipp, den du allen aufstrebenden Gestaltern mit auf den Weg geben möchtest?
Antwort: Probier alles aus. Leg Dich in der Anfangsphase noch nicht fest (auf eine Technik, ein Werkzeug, eine Branche ….) Mach auch Deine eigenen freien Sachen, solange noch die Gelegenheit besteht. Wenn Du erstmal im Job eingebunden bist, hast Du dazu nur noch wenig Zeit.
Frage: Aus persönlichem Interesse: Ich bin über deine Aktivitäten im Internet auf dich aufmerksam geworden. Weshalb engagierst du dich auf diese Weise?
Monika: Meine ersten Websites entstanden deswegen, weil ich darüber mein (und unser - als Ateliergemeinschaft) Angebot bekannt gemacht habe. Mein erstes Engagement in Mailinglisten kam durch die Suche nach Kooperationen und Austausch über praktische Probleme zustande.
Beides spielt immer noch eine Rolle, dazu kommt Spaß am Vermitteln, am Schreiben und Formulieren, das Weil-es-so-einfach-ist, der Wunsch, selbst etwas beizutragen (weil ich auch am Netz profitiere). Und mir ist der Kontakt zu meinen Lesern wichtig: Über meine Aktivitäten erreichen mich Kommentare, Anregungen und Fragen von Kollegen, die ich, wenn es geht, in meine Artikel und Bücher aufnehme.
Vielen Dank für das interessante Gespräch, auch wenn es leider nur virtuell und Zeitversetzt stattfinden konnte. Ich wünsche dir auch mit einen weiteren Publikationen viel Erfolg, und dass sie so gut gelingen, wie die bisherigen.




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