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Warum die Olympus OM-D E-M1 optimal für mich ist

Vor einigen Tagen habe ich einen ausgiebigen und interessierten Blick auf die Panasonic Lumix G9 geworfen. Wie berichtet reizten mich das LCD-Display an der Oberseite sowie dedizierte Schalter für AF-Modus und Serienbild. Gerade die Schalter zum Umschalten von Einzel- auf Serienbild sowie für AF-Modus/MF meinte ich bei Olympus immer zu vermissen. Ich habe dazu gelernt.

Nun sollte man wissen wie ich fotografiere um zu verstehen wie ich zu meinen Bewertungen komme. Ich bin vor Jahren von Vollformat auf MFT umgestiegen weil ich primär auf Achse fotografiere. Seit Langem begleiten mich dabei zwei Kameras: In der Regel eine mit Weitwinkelzoom und eine mit Standard- oder Telezoom. Inklusive Getränkeflasche und was sonst noch so mit muss, drücken Vollformat DSLRs dabei ganz schön auf die Schultern (um rasch reagieren zu können hänge ich beide Kameras um und transportiere keine im Rucksack). Das MFT-System stellt diesbezüglich eine deutliche Erleichterung dar.

Natürlich bieten größere Gehäuse mehr Platz für Bedienelemente, doch wenn ich Volumen und Gewicht dagegen auf die Waage lege, wiegt für mich der Vorteil eines kompakteren Bodys einfach mehr. Ohnehin bieten Kameras wie die E-M1 und G9 mehr Bedienelemente bzw. Funktionstasten als ich bauche.

Meine Kameras sind heute so konfiguriert, dass ich am vorderen Einstellrad die Blende einstelle und am hinteren die Belichtungskorrektur bzw. Zeit. Die üblicherweise zur Belichtungskorrektur voreingestellte Taste nutze ich nicht (und ich habe bis heute nicht verstanden, weshalb das bei den meisten Kameras Standard ist). Daneben nutze ich eine Funktionstaste um die Empfindlichkeit zu justieren, eine um das AF-Feld zu aktivieren – das Verschiebend des Feldes nehme ich dann über vorderes/hinteres Einstellrad vor – und eine Taste um das AF-Feld wieder auf Home (Mitte) zu schicken, wobei ich Letzteres nur belegt habe weil ich genügend FN-Tasten habe, nicht weil ich es als Notwendigkeit empfinde. Alle anderen Einstellungen wechsle ich über zwei speziell konfigurierte Benutztermodi (C1 und C2).

Mit der E-M1 II bin ich in der Regel auf Vogeljagd. Sitzt oder steht ein Vogel nutze ich Einzelautofokus, ein Messfeld und Einzelbild. Für Vögel im Flug nutze ich kontinuierlichen AF, neun Messfelder und Serienbild mit sieben Aufnahmen die Sekunde. Mittels dieser beiden Konfigurationen kann ich in einem einzigen Augenblick die Konfiguration der Kamera wechseln um auf Motive zu reagieren – sitzende Vögel warten nicht, bis sie geschossen wurde, fliegende schon gar nicht. Erst nach dem Test der G9 wurde mir der Vorteil von Olympus’ Verzicht auf dedizierte Bedienelemente zum Wechseln des AF-Modus sowie Wechseln zwischen Einzelbild/Serienbild bewusst: Das Wechseln Mittels des Costumer-Modus ist bei allem das über Hardware gesteuert wird nicht möglich, zumindest wenn sich Hard- und Software-Einstellung nicht widersprechen soll.

Mit zwei Kameras umhängend ist der Gewichts- und Volumensunterschied zwischen E-M1 II und G9 für mich keineswegs irrelevant, schließlich bin ich so durchaus auch mehrere Stunden auf Achse. Hinzu kommt, dass mir die Olympus mit ihrem Tiefen Griff deutlich besser, sicherer und bequemer in Händen liegt, als der breite aber im Vergleich flache Griff der Panasonic – mit dem M.Zuiko 300mm ƒ4 Pro an der Kamera ein deutlicher Unterschied.

Nun möchte ich mit diesem Bericht keinesfalls die G9 schlecht schreiben. Wie im Bericht über sie zusammengefasst halte ich sie für eine exzellente Kamera und auf Augenhöhe mit der E-M1 II – es ist reine Geschmacksache ob man die eine oder andere besser findet. Für meinen Geschmack wiegen einfach LCD-Display und andere Bedienelemente den Vorteil des für mich optimal geformten E-M1-Bodys nicht auf und der riesige elektronische Sucher ist zwar beeindruckend, doch praktisch konnte ich keinen Vorteil gegenüber dem E-M1-Sucher feststellen.

Die einzigen beiden Dinge die mir an der G9 tatsächlich besser gefallen haben als an meiner E-M1 ist der Joystick zur Auswahl des AF-Messfelds sowie die Möglichkeit mit der ISO-Empfindlichkeit gleichzeitig auch das Maximum für Auto-ISO ändern zu können.

Dem gegenüber haben meine Recherchen ergeben, dass die E-M1 bei der Fokussierung die Nase vorne haben dürfte. Sämtliche Tests die ich gelesen und angesehen habe ziehen das Fazit, dass die G9 diesbezüglich bestenfalls auf Augenhöhe mit Olympus’ Flaggschiff steht, die meisten ordnen sie etwas dahinter ein. Und soweit ich mitbekommen habe auch nur dann, wenn Panasonic-Objektive eingesetzt werden. Panasonics Depth from Defocus Technik arbeitet nich mit Linsen von anderen Herstellern. Schlechte Karten bei mir, da ich überwiegend Olympus-Objektive im Einsatz habe. Hinzu kommt, dass die meisten Kommentatoren das Verhalten der Kamera beim Einsatz von DFD als Gewöhnungsbedürftig bis »it can drive you crazy« beschreiben.

Fazit also nach meinem Text der G9: Die E-M1 ist die ideale Kamera für mich. FÜR MICH.

Super Tele: Panasonic/Leica Vario-Elmar 100–400mm

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Panasonic Lumix G Leica DG Vario-Elmar 100–400 mm / F4-6.3 ASPH. / Power O.I.S. (Abbildung: Panasonic)

Ich habe mich bislang nicht unbedingt als großer Freund besonders langer Brennweiten geoutet, was nicht zuletzt daran liegt, dass ich eher selten da nach Motiven jage wo Brennweite Trumpf sind. Trotzdem gibt es auch für einen Weitwinkel-Fan gelegentlich Situationen in denen ein normales Tele nicht ausreicht. Außerdem hat man als ambitionierter Fotograf irgendwie das Gefühl nicht ganz komplett zu sein wenn sich im Objektivpark nicht auch ein Supertele befindet.

Für MFT-Fotografen sind Brennweitengiganten glücklicherweise etwas preiswerter zu haben wie bei Systemen mit größeren Bildsensoren, schließlich führt der kleine Sensor auch zu etwas, das oft als »Brennweitenverlängerung« bezeichnet wird. Olympus’ 75–300mm ist bereits für knapp unter, Panasonics 100–300mm für knapp über 500 Euro zu haben – am langen Ende des Zooms weisen beide beachtliche 600mm kleinbildäquivalente Brennweite auf.

Ich hatte mich für Panasonics Superzoom entschieden und war von der Abbildungsqualität von Beginn an beeindruckt. Aus Neugier habe ich letzten Herbst auch Olympus’ Supertelezoom getestet, es mit Panasonics 100–300mm verglichen und einen Bericht dazu verfasst. Fazit: Die beiden schenken sich wenig.

Trotzdem, dass ich Panasonics 100–300mm schätze, hatte ich es eher selten im Einsatz, denn gefährliche oder scheue Tiere stehen nicht an vorderster Stelle meines Abschussplans, und für Motive die nicht beissen oder fliehen sind so lange Rohre keine Notwendigkeit.

Im vergangenen Winter wuchs allerdings der Wunsch und die Lust im Frühjahr mit der Kamera auf Vogeljagd zu gehen, was das Panasonic-Superzoom nun vermehrt zum Einsatz brachte Leider machte der vermehrte Einsatz ein Problem augenscheinlich: Der Fokusring läuft zwar weich, er sperrt sich aber ein bisschen dagegen in Bewegung versetzt zu werden – um die Schärfe einzustellen muss immer etwas Reibungswiderstand überwunden werden. Bei Brennweiten ab 200mm KB erschwert das allerdings das Finetuning der Fokussierung. Der Spaß am Fotografieren kann einem durchaus vergehen, wenn dauernd das Motiv von dannen hüpft, während man noch die Fokussierung zu optimieren versucht oder wenn das Gros der Aufnahmen den Schärfepunkt nicht an der richtigen Stelle hat.

Bis Ende 2015 sah es bei MFT mit hochwertigen Superteles noch übel aus, was sich mit 2016 aber ändert. Olympus hat eine 300mm-ƒ4-Pro-Festbrennweite auf den Markt gebracht und Panasonic ein höherwertiges, spritzwassergeschütztes Superzoom mit Leica-Label und einem Brennweitenbereich von 100–400mm.

Nun ist die Begeisterung der Fachpresse für Olympus’ lichtstarkes 300mm Objektiv groß, doch es ist mit einem Preisschilf von 2500 Euro nicht eben ein Schnäppchen. Demgegenüber ist Panasonics 100–400mm-Zoom um 1500 Euro (Amazon-Affiliate-Link) dann doch preiswert.

Seit einigen Tagen habe ich die Möglichkeit Panasonics neues Superzoom zu testen. Ich war gespannt wie sehr sich die 100mm mehr (200mm KB mehr) in der Praxis auswirken. Und, ja: Es wirkt sich absolut aus – mehr als ich erwartet hatte. Es sind die entscheidenden Millimeter die mir bislang fehlten Robin & Co einigermaßen formatfüllend abzulichten.

Neben der längeren Brennweite und der flexibleren Einsetzbarkeit aufgrund des Zooms bietet das Panasonic gegenüber Olympus’ Supertele auch den Vorteil etwas kompakter und leichter zu sein. Spritzwasserfest und staubdicht ist das Pana dennoch und leicht ist die Linse – zumindest nach MFT-Maßstäben – trotzdem nicht. Vielmehr vermittelt es den Eindruck aus solidem Metall gefertigt und für Profis konstruiert worden zu sein. Lediglich die vorschiebbare, fix verbaute Ministrulichtblende auf die sich eine zweite Streulichtblende aufschrauben lässt ohne dabei arretierbar zu sein lässt mich etwas ratlos zurück – allerdings ist das am Ende nur ein Detail.

Nachdem ich das Objektiv nun auf zwei Ausflügen eingesetzt habe bin ich schwer begeistert. Ich würde sagen ich werde gerade vom Supertele-Skeptiker zum Supertele-Fan bekehrt. Endlich gelingt es mir ausreichend nahe an kleine Piepmatze heranzukommen vernünftige Aufnahmen von ihnen zu schießen. Dabei ist die Kompaktheit es MFT-Systems einmal mehr ein riesiger Vorteil: Vergleichbare Brennweite für APS-C oder Kleinbild sind in der Regel mehr als die Hälfte länger und bringen das zwei- bis dreifache Gewicht auf die Waage. Tatsächlich ist das 100–400mm nur unwesentlich länger als beispielsweise Nikons Standardzoom 24–70mm ƒ2.8 und sogar etwas leichter. Entsprechend komfortabel lässt es sich einsetzen.

Beeindruckt hat mich die Bildstabilisierung. Obwohl die In-Body-Stabilisierung von Olympus bekanntermaßen exzellent ist, bevorzuge ich bereits beim 100–300mm Panasonics Stabilisierung im Objektiv. Das ist beim 100–400mm nicht anders. Was sie tatsächlich leistet muss man im Grunde selber sehen um eine Vorstellung davon zu haben. Bei 800mm Kleinbild entsteht eine enorme Hebelwirkung für die geringste Unruhe beim Halten der Kamera – ohne Stativ scheint ruhiges Halten unmöglich. Umso verblüffender wie stabil das Bild im Sucher urplötzlich wird wenn durch halbes Drücken des Auslösers die Bildstabilisierung aktiv wird.

Das 100–400mm ist wirklich ein Objektiv das man mit Freude einsetzt. Und die Freude hört beim Fotografieren nicht auf. Auch die Abbildungsqualität enttäuscht nicht. Das Bokeh ist ebenso wunderbar cremig und die fokussierten Bereiche knackscharf – jedenfalls so lange die ISO-Empfindichkeit nicht zu hoch klettern oder die Verschlusszeit für die Brennweite doch zu lang wird, doch dafür kann das Objektiv nichts. Durch Einsatz eines Einbein- oder gleich eines normalen Stativs ist natürlich noch mehr raus zu holen als aus freier Hand – trotz überzeugender Bildstabilisierung.

Neben der Möglichkeit Fernes ganz nah heran zu holen glänzt das Objektiv auch durch exzellente Freistellungsqualitäten: Fokussiert auf die Naheinstellgrenze von 1,3m ergibt sich bei 400mm und ƒ6.3 ist eine Schärfentiefe von gerade einmal 1,4mm zu erzielen – selbst auf 500m fällt die Schärfentiefe noch nicht unendlich aus (sie beträgt dann 323m).

Aufgrund der für ein Supertele recht geringen Naheinstellgrenze erzielt das 100–400mm einen Abbildungsmaßstab von 1:2 und kann dementsprechend durchaus noch als Makroobjektiv durchgehen – es gibt Objektive die sich Makro auf die Hülle schreiben und das nicht erreichen.

Clevere Details am Rande: Am Objektiv befindet sich ein Schalter mittels dem man von Full–Infinity (1,3m bis unendlich) auf 5m–Infinity (5m bis unendlich) umschalten kann, was die Fokussierung beschleunigen soll. Der Ring für die Stativschelle ist fix montiert, nur der Fuß mit dem das Objektiv montiert wird, wird angeschraubt. Im Ring sind die Schalter für Bildstabilisierung und Full/5m–Infitity integriert – der Ring lässt sich trotzdem leicht drehen, so dass man bequem vom Quer- ins Hochformat wechseln kann.

Nachtrag: Mittlerweile habe ich meine Objektive einer einfachen Testreihe unterzogen. Für das 100–400mm Tele hat sich herausgestellt, dass es, so wie ein Leser angemerkt hat, am langen Ende der Brennweite bei 400mm tatsächlich nicht sonderlich scharf zeichnet. Weiters habe ich den Eindruck erhalten, dass es im Brennweitenbereich des 100–300mm auch keine besseren Ergebnisse erzielt.

Dies bestätigt für mich, dass das 100–300mm für seinen Preis sehr scharf abbilden kann. Ich persönlich ziehe dennoch das 100–400mm vor. Die Gründe sind:

  1. Die zusätzlichen 100mm scheinen mir von Vorteil auch wenn die Schärfe bei 400mm zu wünschen übrig lässt (allerdings wäre hier noch ein Test interessant, ob bei einer hochinterpollierten 300mm-Aufnahme nicht gleichwertige Resultate zu erzielen wären, den ich bislang nicht gemacht habe).
  2. Die Fokussierung scheint mir vor allem auf große Distanzen deutlich treffsicherer. Mit dem 100–300mm erzielte ich auf große Entfernungen oft Resultate die mir deutlich unschärfer erschienen als sei hätten sein dürfen; als auf kurze Distanz fokussiert. Generell scheint das 100–400mm mit AF deutlich präziser und schneller zu fokussieren als das 100–300mm.
  3. Das 100–300mm stellte für mich ein Problem bei manueller Fokussierung dar, da der Fokusring meist einen Reibungswiderstand bietet der überwunden werden muss um manuell scharfstellen zu können, was das Scharfstellen zum Geduldspiel macht und meist länger dauert als ein Vogel auf einem Platz zu sitzen bereit ist. Fokus- und Zoomring scheinen nach dem was ich im Internet las manchen Besitzern schwergängig, doch sie laufen sauber, weich und ohne Reibungswiderstand.
  4. Die Bildstabilisierung scheint mir (noch) besser (was allerdings ein wirklich subjektiver Eindruck sein kann).
  5. Die Abdichtung des Objektivs macht es möglich auch bei schlechten Witterungsverhältnissen auf den Weg zu gehen.

Nun wird darüber spekuliert, ob Olympus’ 300mm ƒ4 nicht die bessere Wahl ist. Zu seinem deutlich höheren Preis würde ich das annehmen und Olympus behauptet es sei das schärfste Objektiv das sie je gebaut haben. Allerdings ist es voluminöser und schwerer und eben eine Festbrennweite. Es ist ein Objektiv mit dem man ganz anders arbeitet – es ist ein ganz anderes Objektiv. Das 100–400mm Panasonic ist trotz seines immensen Brennweitenumfangs ein Objektiv das man gut auf ausdauernden Fotosafari mitnehmen und mit dem man gut aus freier Hand fotografieren kann. Das Zoom macht es flexibel genug auf unterschiedliche Situationen zu reagieren. Olympus’ 300mm ƒ4 ist eher ein Objektiv für geduldige Fotografen die sich an einem Platz niederlassen und auf ihr Motiv in einer bestimmten Entfernung warten.

Geht es rein um ein Verhältnis von Schärfe zu Preis ist das 100–300mm die deutlich bessere Wahl. Ob die Vorteile des 100–400mm den empfindlichen Mehrpreis rechtfertigen muss jeder für sich entscheiden.

Ein Leser schrieb er überlege mit Panasonics 100–300mm oder 100–400mm ein Olympus 75–300mm ersetzen. Nach meiner Erfahrung die ich in einem Bericht geteilt habe halte ich das nicht für sinnvoll, da sich jedenfalls 100–300mm und 75–300mm in der Praxis nicht viel schenken und auch dxomark.com wertet die beiden Linsen etwa gleich.

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Großartige Kleine: Olympus Pen E-PL7 und Panasonic Lumix GM5

Eigentlich plante ich ursprünglich einen reinen Erfahrungsbericht zur E-PL7. Doch da ich mir die E-PL7 ansah weil ich mit meiner Lumix GM5 nicht mehr ganz glücklich bin  komme ich kaum darum herum die beiden Kameras im Vergleich zu betrachten.

GM1 und GM5

Seit ich mit Olympus OM-D arbeite ist Fotografie keine belastende Angelegenheit mehr für ich. Doch auch wenn die E-M5 sich auch einmal in einer Jacken- oder Manteltasche verstauen lässt – jedenfalls so lange eines der kompakteren Objektive angesetzt ist –, als täglicher Begleiter ist sie mir doch einen Hauch zu groß.

Bislang blieb nur der Griff zur Kompaktkamera wenn man einen wirklich kompakten Fotoapparat wollte. Mit der Lumix GM1 jedoch wurde eine Systemkamera für Micro FourThirds vorgestellt, die tatsächlich nicht größer ist als eine kompakte Kompaktkamera – zumindest ohne Objektiv. Ich testete diese Kamera deshalb vor ziemlich genau einem Jahr und deklarierte sie als idealen Apparat für immer-dabei.

Festbrennweiten bevorzugt | Anstatt das Kitobjektiv dazu zu nehmen entschied ich mich im Herbst für das zu der Zeit nagelneue Lumix G 15mm ƒ1.7. Abgesehen davon, dass in meiner Festbrennweitenausstattung ein Loch zwischen 24mm KB (12mm MFT) und 50mm KB (25mm MFT) klaffte, reizte mich auch der Blendeneinstellring. Damit konnte ich die wichtigsten Belichtungsparameter Blende und Zeit bzw. Belichtungskorrektur trotz der aufgrund der kompakten Bauweise mit Bedienelementen spartanisch ausgestatteten GM1 komfortabel kontrollieren.

Die GM1 ist in der Tat eine superleichte, unauffällige Begleiterin deren Abbildungsqualität kaum hinter einer OM-D zurückliegt und die – wie die meisten MFT-Kameras – in Sachen Ausstattung und Funktion viele Einsteiger-DSLR alt aussehen lässt. Ein Funktionsriese im Jackentaschenformat kann man sagen.

Blindflug in der Sonne | Das einzige was mich an der GM1 nervte, war, dass fotografieren im Sonnenschein aufgrund des Fehlens eines Suchers oft zum Blindflug wurde. Als ich las, dass Panasonic der GM1 eine Schwester mit elektronischem Sucher zur Seite stellt begannen die Zahnräder in meinem Kopf zu arbeiten und spuckten eine Bestellung für den Apparat aus.

Plastikrädchen | Die GM5 unterscheidet sich nicht nur durch den elektronischen Sucher von der GM1 sondern hat darüber hinaus ein kleines Einstellrädchen am Rücken. Die GM1 wurde via eines Rades das mit der 4-Wege-Wippe auf dem Rücken kombiniert war bedient. Das neue Bedienrädchen der GM5 ist klickbar und hat somit eine Doppelfunktion, also zum Beispiel Blende und Zeit.

Das macht dann natürlich irgendwie den Blendenring des Objektivs obsolet. Trotz des Reizes die Blende wieder so wie früher über einen Ring am Objektiv einzustellen muss ich rückblickend sagen, dass es sich für mich praktisch nicht wirklich bewährt hat. Abgesehen davon, dass sich beim 15mm ƒ1.7 der Ring ganz vorne befindet und ausreichend leichtgängig ist sich häufig versehentlich zu verstellen, hat es auch von der Bedienung her keinen Vorteil die Blende am Objektiv statt mittels eines Einstellrads an der Kamera einzustellen – für mich persönlich geht es mit Einstellrädern an der Kamera effizienter.

Winziger Sucher | Der Grund die GM1 durch die GM5 zu ersetzen war aber doch der elektronische Sucher. Leider bestätigte sich für mich wieder einmal, dass man keine Kamera kaufen sollte die man nicht in Händen hatte. So stellte sich in der Praxis dann gleich einmal heraus, dass der elektronische Sucher der GM5 vielleicht gelegentlich als Notlösung taugen mochte – Spaß machte es aber keinen damit zu arbeiten. Panasonic machte ich deswegen keinen Vorwurf: Winzige Kamera, winziger Sucher – was hatte ich anderes erwartet?

Kein taktiles Erlebnis | Spaß macht es übrigens auch nicht das kleine Plastikrädchen zum Einstellen von Blende und Zeit zu bewegen. Was funktional clever integriert ist ist haptisch eine Katastrophe.

Am Ende hatte es sich für mich als Fehler erwiesen die GM1 durch die GM5 zu ersetzen. Das geringe Vergnügen das es bereitet durch den Sucher zu blicken und das Einstellrad zu betätigen hat unsere Beziehung auskühlen lassen und ich bekam das Gefühl, dass wir getrennte Wege gehen sollten.

Dabei sind die GM1 und GM5 eigentlich exzellente kleine Zwerge. Wie gesagt gibt es an der Ausstattung nichts zu bemängeln, die Gehäuse fühlen sich wertig an, die Qualität spielt bei den Großen mit, die Bedienung des Touchdisplays funktioniert einwandfrei und der AF arbeitet nicht langsamer oder weniger präzise als bei einer OM-D E-M5 – zumindest wäre mir das nie aufgefallen. Das einzige was ich bemängele ist, dass man »Auslösen per Touch« jedes Mal wieder aktivieren muss wenn an die Kamera aus dem Ruhezustand aufweckt.

Objektiv betrachtet kann ich GM1 und GM5 also nur beste Zeugnisse ausstellen. Dass Touchdisplays in der Sonne schwer abzulesen sind ist bei anderen Kameras nicht anders. Dass eine winzige Kamera keinen riesigen Sucher haben kann liegt in der Natur der Sache.

Pen E-PL7

Obwohl ich mit der OM-D zum Olympus-Fan wurde muss ich gestehen, dass ich die Pen nie so wirklich ernst nahm. Zwar nahm ich die E-P5 als besonders attraktive Kamera wahr – mehr als alle ihre Vorgängerinnen –, doch ich hätte sie nie für mich in Betracht gezogen.

Frauenkamera | Die E-PL7 hat viel von der Attraktivität der E-P5 abbekommen. Vielleicht war die Kombination von handtaschentauglicher Kompaktheit und sexy Body ausschlaggebend, dass Olympus sich entschied die E-PL7 als Frauenkamera zu bewerben. Während die größere E-P5 auf Olympus’ Website von einem retrostilsicheren bärtigen Hipster präsentiert wird, zeigt die Seite der E-PL7 ausschließlich weibliche Models bei denen die Kamera andere Modeaccessoires wie die Handtasche weitgehend degradiert. Zum wichtigsten Feature wird dabei das nach vorne klappbare Display das das Einfangen von Selfies mit der besten Freundin zum Kinderspiel macht.

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Aufgenommen mit dem Selfie-Display der E-PL7. Mir persönlich genügt es aber mein Konterfei morgens im Spiegel zu sehen und mein Gesicht gehört zu den Motiven die mich am wenigsten interessieren – deshalb ist das nach vorne klappbare Display auch nicht so das Killer-Feature für mich.

Richtig wahrgenommen habe ich die E-PL7 dann zum ersten Mal in einer Vitrine beim Fotohändler. Ich war überrascht wie klein sie ist. Wieder so ein Eindruck der die Zahnrädchen in meinem Schädel in Bewegung versetzte um den Gedanken zu malen ob die E-PL7 ein Ersatz für die GM5 sein könnte.

Klappdisplay statt Sucher | Zunächst einmal hat die E-PL7 ebenso wenig einen Sucher wie die GM1. Allerdings hat sie ihr gegenüber den Vorteil eines klappbaren Displays wodurch man versuchen kann das Display so hin zu drehen, dass es trotz Sonnenlicht ausreichend gut abzulesen ist. Das Klappdisplay der E-PL7 hat mir in der Praxis aber ganz etwas anderes bewusst gemacht: Ich suchte wieder nach Perspektiven nach denen ich mit den Lumix Zwergen nie gesucht hätte.

Darüber hinaus mag ich es einfach mit nach oben geklapptem Display und nach unten gerichtetem Blick zu fotografieren. Was ich im Gegensatz dazu hingegen überhaupt nicht mag, ist eine Kamera dreißig Zentimeter vor meinem Kopf in die Höhe zu halten.

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Neben der GM5 sieht die E-PL7 nicht wirklich nennenswert größer aus.
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Aus diesem Blickwinkel betrachtet sieht man hingegen, dass die E-PL7 doch deutlich größer ist als die GM5.

Klein aber größer | Die Dinge sind relativ! Wirkte die E-PL7 in der Vitrine des Händlers winzig schien sie im direkten Vergleich neben der GM1 dann doch riesig. Das kommt natürlich der Bedienung entgegen. Viele werden darüber hinaus das Gefühl haben, die E-PL7 liege sicherer in der Hand als die GMs – allerdings hatte ich bei letzteren auch nie das Gefühl sie nicht sicher halten zu können.

Ein weiterer Vorteil des größeren Gehäuses: Das Display ist viel größer! Darüber hinaus ist es von hervorragender Qualität und lässt jenes an meiner E-M5 schon wieder ziemlich alt aussehen.

Exzellente Haptik | Die Haptik der GM1 und GM5 ist gut doch die E-PL7 fühlt sich hervorragend an – ich würde sie durchaus auf Augenhöhe mit E-M5/E-M1 einstufen, was allerdings ein Bisschen täuscht, denn die Nehmerqualitäten der OM-D-Topmodelle hat die Pen nicht. Trotzdem: Olympus führt vor, dass sich Kameras in der Preisklasse unter 400 Euro nicht wie Plastikbomber anfühlen müssen.

Vorbildliches Einstellrad | Wo wir gerade bei Gefühlen sind: Das Einstellrad der E-PL7 fühlt sich exzellent an. Das Besten woran ich bisher gedreht habe (jedenfalls an Kameras). Das Rad ist gleichzeitig leichtgängig (also das Gegenteil einer Fujifilm X-T1) aber bietet ausreichend Widerstand sich nicht dauernd von selbst zu verstellen (also das Gegenteil der Olympus OM-D E-M5II). Das Einrasten der Einstellung ist perfekt ausbalanciert – ein taktiles Erlebnis (das Gegenteil des Einstellrads der GM5).

Ausreichend Funktionstasten | Drei Funktionstasten stehen an der E-PL7 zur Verfügung um weitgehend frei belegt zu werden – mehr braucht man nicht unbedingt, weniger wäre zu wenig. Auf die Starttaste für Filmaufnahmen legte ich als bekennender Nicht-Filmer die Umschaltfunktion zwischen Zeit/Blende (bei manueller Belichtung) beziehungsweise Belichtungskorrektur (in den Programmmodi).

Die Starttaste für Filme ist sehr clever unter der Daumenablage platziert. Man kann sie kaum versehentlich betätigen muss den Daumen aber nur etwas eindrehen um sie zu drücken. Anders sieht es mit den beiden anderen Funktionstasten aus die durch eine exponierte Position andauernd versehentlich betätigt werden. Ich muss noch ein Bisschen üben wie ich die Kamera beim an der Hand tragen halten muss um die entsprechenden Einstellungen nicht versehentlich zu ändern.

Auf die FN-Taste legte ich die ISO-Empfindlichkeit, auf der Vergrößerungstaste beließ ich die Standardeinstellung des Vergrößerns für manuelle Fokussierung.

Ebenfalls individualisieren lassen sich zwei Wege der Vier-Wege-Wippe wovon ich die Blitzeinstellung durch den Weißabgleich ersetzt habe. Somit habe ich alle wichtigen Einstellungen im schnellen Zugriff und kann die Kamera so flüssig bedienen wie ich mir das wünsche.

Druckknopf zum Einschalten | Zum Einschalten ist bei der E-PL7 anders als bei den meisten anderen Systemkameras kein Hebel zu kippen sondern ein Knopf zu drücken. Ich hätte gedacht, dass ich den Hebel vorziehe, doch der Knopf ist so gut positioniert und gestaltet, dass ich die E-PL7 schneller ein- und ausschalte als jede andere meiner Kameras. Dabei habe ich sie noch kein einziges Mal versehentlich eingeschaltet.

Der Schrecken der Straße | Die kleine Pen ist wahrlich eine exzellente Kamera die sich besonders auf der Straße wohl fühlt. Dass sie etwas größer ist als Panasonics kleine Lumix Modelle ist für den Transport im Alltag kaum relevant – sie passt in die gleiche kleine Tasche in der ich bislang die Lumix sowie Ersatzbatterie, Geldtasche und Handy transportierte.

In vielerlei Hinsicht ist sie mit den OM-D-Modellen auf Augenhöhe, man muss jedoch auf den Sucher und den Komfort eines zweiten Einstellrads verzichten.

Rationales Unentschieden | Dass ich mich für die kleinen Lumix-Modelle heute nicht mehr so recht begeistern kann ist rein subjektiv begründet. Objektiv betrachtet liegen E-PL7 und GM5 wohl weitgehend auf Augenhöhe – beide können Vor- und Nachteile für sich verbuchen.

Da gibt’s die Kameras | Wer sich einen eigenen Eindruck von den beschriebenen Kameras machen möchte kann das im gut sortierten Fachhandel tun – hier zu Lande empfehle ich Foto Hebenstreit wo sowohl eine Lumix als auch die E-PL7 lagernd sein dürfte. Wer lieber via Amazon bestellt findet hier drei Affiliate-Links (das heißt wenn ihr kauft fällt eine kleine Provision für mich ab):

Nachfolgend noch ein paar Bilder die in den letzten Tagen mit der E-PL7 entstanden sind.

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Panasonic Lumix G3 – die optimale immer-dabei-Kamera

Seit Juli habe ich nun die Panasonic Lumix G3 in Besitz und im Einsatz. Ich habe mich sogar getraut sie als alleine Kamera mit auf meine dreiwöchige Urlaubsreise mit dem Cabrio durch Österreich zu nehmen, was ich keinen Moment bereut habe. In sofern war die Kamera für mich ein guter Zuwachs, auch wenn ich im Weiteren einiges zu bekritteln habe.

Die G3 sieht auf Bildern größer aus als sie tatsächlich ist. Sie ist sogar sehr kompakt und gar nicht so viel größer als zum Beispiel oder die Nikon P7000. Um Unterschied zu diesen beiden Modellen hat man aber einen um ein vielfaches größeren Bildsensor, einen Sucher, der mehr als ein Placebo darstellt und die Möglichkeit Objektive zu wechseln. Für viele ist wohl letzteres ein Grund sich für die G3 zu entscheiden. Für mich gar nicht so unbedingt, obwohl es natürlich alles andere als ein Nachteil ist.

Trotz ihrer Kompaktheit ist die G3 überraschend schwer, was eine absolut positive Eigenschaft für eine Kamera ist, weil sie so gut und satt in der Hand liegt, sich gut stabilisieren lässt und sich darüber hinaus wertig anfühlt.

Nimmt man die G3 zur Hand macht sie einen sehr soliden Eindruck und man empfindet ein metalleneres Gehäuse, als man bei genauerer Analyse tatsächlich entdeckt. Einiges an der Kamera ist Plastik und nicht alles macht einen so soliden Eindruck. So frage ich mich zum Beispiel wie lange es wohl dauern wird, bis ich den Schalter zum Einschalten der Kamera wohl abbreche.

Die Knöpfe machen einen recht billigen Eindruck, sind zum Teil kaum zu ertasten und damit nur schwer blind anzuwenden, liegen schlecht positioniert oder zu dicht aufeinander und ich würde mir wünschen die Taste zum Starten der Video-Aufnahme und die iA-Taste (›intelligent Auto‹) per Menü mit anderen Funktionen versehen zu können. Sollte ja eigentlich für die Programmierer kein Problem darstellen. Diese beiden Tasten liegen günstiger und sind besser zu ertasten, als die beiden Fn-Tasten, die man frei mit Funktionen belegen kann.

Etwas fummelig ist auch das Einstellrad am Rücken und es macht auch einen etwas billigen Eindruck. In der Praxis lässt es sich aber relativ gut, wenn auch nicht perfekt, bedienen. Genial finde ich daran, dass man dieses Rad nicht nur Drehen, sondern auch Drücken kann, und so zwischen Blendeneinstellung und Belichtungskorrektur, im Belichtungsmodus Blendenvorwahl, und zwischen Blende und Zeit, im manuellen Modus, wählen kann. Auf diese Art lässt sich die G3 für mich so bedienen, wie meine Profi-Kamera Nikon D700 mit zwei Einstellrädern.

Gold wert ist natürlich das Klappdisplay. Besonders bei einer kompakten Kamera wüte ich nur ungern auf diese Option verzichten. Schließlich gehört der Blickwinkel als Teil der Bildperspektive, neben Schärfe, Belichtung und Komposition, zu den wichtigsten Gestaltungsparametern.

Lustig und interessant ist die Option die Kamera mit Touch zu steuern. Die Kamera hat nämlich ein berührungsempfindliches Display, wie man es von Handys her kennt, auch wenn es etwas weniger sensibel ist, an was man sich zuerst gewöhnen muss, was in der Praxis aber wohl auch gut ist. So kann man zum Beispiel die Kamera so einstellen, dass mit einem Fingertipp auf das Display auf diesen Punkt scharf gestellt und gleich ausgelöst wird. Ich könnte nicht behaupten, dass das die Art zu fotografieren revolutionieren würde. Es scheint mir nicht wirklich einen großen Vorteil zu klassischen Art zu fokussieren und auszulösen zu haben. Vielleicht in manchen Situationen, aber nicht generell. Um was es die Fotografie aber auf jeden Fall bereichert ist den Spaß, den es macht Bilder auf diese Art aufzunehmen. Es erweitert einfach die spielerischen Varianten die eine Kamera bietet. Und Spaß sollte immer etwas zentrales an der Fotografie sein.

Schön wäre, wenn die Kamera automatisch zwischen Display und Sucher wechseln würde, wenn man sich mit dem Auge dem Sucher nähert. Tatsächlich muss man vorher manuell umschalten.

Der Sucher selbst, mein erster elektronischer Sucher, erweist sich in der Praxis als sehr gut brauchbar. Er ist groß genug und natürlich auch hell genug, da ja ein Bildschirm im Sucher steckt und der immer mit Licht arbeitet. Jedenfalls so lange Licht vor dem Objektiv ist. Wenn es bereits relativ dunkel ist, dann sieht man durch diesen elektronischen Sucher nur mehr Schwarz. Bei einem analogen Sucher könnte man denselben in derselben Situationen noch problemlos nutzen.

Beim Funktionsumfang gibt es an der G3 kaum etwas zu bemängeln. Die Kamera bietet fast schon zu viel Einstellungen, was man individualisieren kann. Vielleicht wäre hier weniger fast ein bisschen mehr gewesen.

Mit dem mitgelieferten 14–42mm Objektiv hatte ich wenig keine Freude. Zwar werden ihm im Verhältnis zum Preis recht gute optische Eigenschaften nachgesagt, aber es fühlt sich an, als wäre es aus einem Kinderüberraschungsei geschlüpft. Und so billig sich das Plastik anfühlt, so billig hört es sich auch an, wenn die Plastikteile aneinander schaben, wenn man am Zoomring dreht. Das passt einfach nicht zum eher wertigen Eindruck, den das Gehäuse insgesamt doch macht. Hier fühlen sich zum Beispiel die neuen Nikon 1 Modelle und deren Objektive um Welten besser an.

Generell scheinen mir die aktuellen Evil Systemkameras (Elecrtonic Viewfinder, Interchangable Lens – Elektronischer Sucher und Wechselobjektiv) einen gravierenden Ansatzfehler zu haben. Der Sinn dieser Modelle ist ja vor allem auch, dass sie deutlich kleiner sein sollen, als Spiegelreflexkameras. Und so gut wie alle Modelle, von Sony, Olympus, Samsung oder eben auch Panasonic sind das auch – die meisten noch deutlich kleiner als die G3. Das soll den Vorteil haben, dass man die Kamera immer dabei haben kann. Auf die Kameras mag das ja zutreffen. Aber gilt das noch, wenn auch Objektive mit dabei sind?

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© Sony

Das ist mit dem 14–42mm Objektiv zur G3 nicht anders. Auch wenn es grässlich leicht ist, so trägt es doch ordentlich vor der Kamera auf und macht aus der kompakten Systemkamera ein Gerät, das nicht mehr so kompakt in einer Tasche untergebracht werden kann.

Wer also eine G3 (oder eine andere Kamera von Panasonic oder Olympus) ins Auge fasst, sollte sich überlegen ob er deren Standardobjektiv tatsächlich im Set mit der Kamera kaufen soll, oder ob es nicht vernünftiger wäre das Kameragehäuse alleine zu kaufen und ein angemessenes Objektiv gesondert dazu. Wer auf Zoom nicht verzichten will, sollte sich einmal das innovative Panasonic Lumix G X Varia PZ 14–42mm ansehen.

Panasonic H PS14042k side Power on © Panasonic

Dieses Objektiv kopiert im Grunde das Prinzip von Objektiven, wie sie in Kompaktkameras üblich sind und die sich komplett in das Kompaktkamera Gehäuse versenken lassen. Durch dieses Prinzip wird das Objektiv im Ruhezustand extrem flach und so wird das Konzept der kompakten Evil-Systemkameras erst richtig schlüssig. Zum Zooomen dient dann kein Ring mehr, sondern der Schalter, der am Objektiv zu sehen ist. Man zoomt also auch, wie bei einer Kompaktkamera.

Für meine G3 habe ich mich für ein Festbrennweiten-Objektiv entschieden und zwar für das H020E Pancake mit Lichtstärke ƒ1.7.

H H020 slant © Panasonic

Es fühlt sich an, wie sich ein Objektiv anfühlen soll und liefert eine ausgezeichnete Abbildungsqualität. Der Straßenpreis von ca. 350 Euro geht dafür absolut in Ordnung. Durch die hohe Lichtstärke lässt es sich richtig schön mit Schärfentiefe spielen und es ist möglich Motive vor dem Hintergrund freizustellen. Die Lichtstärke hilft auch dem Autofokus beim Scharfstellen.

Wie alle bisherigen Systemkameras ohne Sucher glänzt auch die G3 nicht unbedingt durch blitzartiges Fokussieren, wenn die Lichtverhältnisse nachlassen. Genau genommen ist an sehr trüben Tagen selbst mit dem Lichtstarken 1.7er Objektiv ein Scharfstellen auf bewegte Objekte kaum möglich. Mit einem weniger Lichtstarken Objektiv fällt der Kamera das Fokussieren natürlich noch schwerer.

Das Pancake 1.7 von Panasonic ist auf jeden Fall eine Empfehlung für alle, die mit einer Micro FourThirds Kamera fotografieren.

Von meinen Nikon-Objektiven bin es gewohnt praktisch immer eine Streulichtblende im Lieferumfang zu finden. Die wenigen Ausnahmen haben das Glas der Frontlinse so tief im Objektivgehäuse versenkt, dass man gut darauf verzichten kann.

Das Lumix Pancake kommt leider ohne Streulichtblende daher und Panasonich bietet auch keine an. Schade, denn ich schätze Streulichtblenden vor allem als Schutz für die Frontlinse. Besser als jeder UV-Filter und ohne dessen möglicherweise negativer Auswirkung auf die Abbildungsqualität.

Ich habe mir deshalb die Streulichtblende von Enjoyyourcamera bei Amazon besorgt. 17 gut investierte Euro, denn ohne wäre das Objektiv mittlerweile sicher über den Jordan. Während einer Wanderung stolperte ich mit der Kamera über einen Draht, den ein heimtückischer Bauer knapp über den Weg gespannt hatte und trotz meiner Bemühung den Fall so zu gestalten, dass ich mir die Knochen breche und nicht die Kamera sich das Gehäuse, fiel die G3 mit der Front nach unten auf den Schotterweg. Ohne die stabile Streulichtblende aus Aluminium wäre die vorstehende Frontlinse garantiert zu Bruch gegangen.

Ebenfalls von Enjoyyourcamera stammt die Handschlaufe, die ich mir zur Kamera besorgt habe. Für mich die komfortablere Möglichkeit eine kompakte Kamera mit mir herumzutragen, als eine Schlinge um den Hals. Die Kamera versehentlich fallen zu lassen, wird durch die Schlaufe unmöglich.

31+30ENdsDL SL500 AA300 Bild: Amazon

Fazit | Die Lumix G3 ist eine Empfehlung für alle, die viel Fotografieren und eine kompakte Kamera mit sehr guter Abbildungsleistung, ordentlicher Verarbeitung, vernünftiger Objektiv-Auswahl und vielfältigen Einstelloptionen suchen. Es macht Spaß mit ihr zu fotografieren, doch sie krankt noch etwas an einer Schwäche, die spiegellose Systemkameras bisher hatten: Sie fokussiert deutlich langsamer als eine Spiegelreflexkamera. Diese Schwäche teilt sie mit Kompaktkameras, die die Schärfe in der Regel auf dieselbe Art ermitteln, wie Systemkameras. Doch die kreativen Möglichkeiten und die mögliche Bildqualität sind bei der G3 deutlich besser, als bei Kompaktkameras.

Ob Nikon mit seinen neuen Nikon 1 Kameras das Problem der langsameren Fokussierung bei spiegellosen Kameras gelöst hat, wird sich zeigen. Es wird ihr jedenfalls nachgesagt. Doch Nikon hat für das neue System kleinere Bildsensoren gewählt und hat damit Schwächen bei den Möglichkeiten die Schärfentiefe zu reduzieren. Hier haben FourThirds-Kamras Vorteile.

Man wird sehen, was die Zukunft bringt und es ist durchaus möglich, dass ich mittelfristig die G3 durch ein aktuelleres Modell ersetze. Bislang jedoch ist die G3 für mich die optimale immer-dabei-Kamera und ich sehe noch kein Modell auf den Markt, das meine Anforderungen und Wünsche besser erfüllen würde.

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