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Ist DxO PhotoLab die Lightroom-Alternative?

Gerade erst einige Tage sind seit dem November 2018 Update von Adobes Creative Cloud vergangen und dem Artikel indem ich meine Gedanken dazu zusammengefasst habe. Nun arbeite ich selbst nicht mit Lightroom und verkneife mir üblicherweise Kommentare über Produkte die ich nicht selbst nutze, sondern kehre lieber vor der eigenen Tür. Lightroom bildet dabei ein Bisschen die Ausnahme. Vor allem, weil ich als Seminarleiter und Autor für Fotografie und Bildbearbeitung regelmäßig um Empfehlungen für die digitale Dunkelkammer gefragt werde. Und da ich in den ersten Tagen von Lightroom einige Zeit damit arbeitete und seine Schwester Adobe Camera Raw nach wie vor zu den regelmäßig von mir genutzten Werkzeugen gehört, maße ich mir auch an, ein Bisschen zur Diskussion beitragen zu können.

Bevor ich auf DxO Photo zu sprechen kann etwas Grundsätzliches: Ich glaube nicht, dass es ein Programm gibt das generell besser oder schlechter ist als seine Mitbewerber, jedenfalls nicht bei den Branchenführern, genauso wenig wie ich an ein Kamerasystem oder eine Marke glaubt die den anderen in jeder Beziehung überlegen wäre. Die Antwort lautet wie immer: Es kommt drauf an!

Wenn ich von »Branchenführern« spreche, dann meine ich die Programme nach meiner Erfahrung qualitativ State of the Art sind: Lightroom, Capture One und DxO Photolab (ehemals DxO Optics). Wir wissen alle wer Marktführer ist.

Wie gesagt habe ich Lightroom in den frühen Tagen einige Monate genutzt, konnte mich aber nicht mit dem strikten Interface, eingeteilt in verschiedene Arbeitsumgebungen, anfreunden, fand es immer etwas klobig und vermisste breit angelegte Unterstützung von Shortcuts bzw. die Möglichkeit der Individualisierung.

Nach einer wechselhaften und teilweise mühsamen Entwicklung, bedingt auch durch das verweisen und versterben von Apple Aperture, arbeite ich nun schon seit mehreren Jahren mit Capture One und bin rundum zufrieden damit. Würde ich gefragt, was würdest du für einen RAW-Konverter kaufen, kann die Antwort nur lauten Capture One, denn genau das nutze ich. Die Frage was würdest du empfehlen, muss ich jedoch anders antworten, denn dann muss ich den Fragesteller mit einbeziehen und die Möglichkeit, dass dieser vielleicht anders tickt als ich.

Capture One kann ich nicht ohne Einschränkungen jedem Empfehlen. Zwar liefert es nach meinem Dafürhalten die besten Resultate aller RAW-Konverter, doch die Unterschiede zu Lightroom sind beispielsweise nicht so eklatant, dass sich mein Urteil nicht als subjektiv bewerten und darüber streiten ließe. Wäre Lightroom kein professionelles Werkzeug würden nicht so viele Profis damit arbeiten. Es gibt zu viele Profis die das Produkt nutzen, als dass es mir auch nur im Traum einfallen würde deren professionelles Urteil in Frage zu stellen.

Es gibt zwei Dinge, die mich Capture One nicht ohne Einschränkungen empfehlen lassen: Erstens bietet es nach meinem dafürhalten zwar die professionellste Oberfläche aller RAW-Konverter, aber diese Professionalität geht auch mit einer Komplexität einher, wegen der ich befürchte, dass Laien davon überfordert sein könnten. Das zweite ist der Preis: Capture One kostet 330 Euro und wenn man Kosten für künftige Updates berücksichtigt – zuletzt im Jahresrhythmus erschienen – dann ist es deutlich kostspieliger als die Aboraten für Lightroom. Leute die gerade im Sonderangebot eine DSLR um 300 Euro erstanden haben verspüren vielleicht wenig Lust auf so eine Investition.

Dem gegenüber stehen die Vorteile von Lightroom: Die Qualität ist tadellos, es ist simpel zu bedienen, für 12 Euro im Monat bekommt man das führende Bildbearbeitungsprogramm dazu und für keinen anderen RAW-Konverter gibt es nur annähernd so viel Bücher, Workshops, Videos, Tutorials, Artikel, Berichte und Ressourcen – nicht zuletzt wird man kaum unter ein Rudel Fotografen gehen können, ohne jemanden zu treffen der das Programm ausreichend kennt, auch einmal eine knifflige Frage beantworten zu können.

Fazit: Obwohl ich mit Capture One arbeite gab ich Amateuren stets den Tipp sich aus genannten Gründen Lightroom anzusehen.

Das neu aus DxO Optics erstandene DxO PhotoLab mischt die Karten nun neu, da es preislich auf einem Niveau angekommen ist, auf dem es durchaus als Alternative zu Lightroom gehandelt werden kann. Zwar bietet DxO keine Photoshop-Alternative, doch zusammen mit Affinity Photo gibt man dafür etwa 180 Euro aus, und da Serif sehr lange Produktzyklen plant und ein Upgrade auf ein kommendes DxO PhotoLab voraussichtlich noch etwa die Hälfte kommen wird, ist man durchaus auf Augenhöhe mit Adobes Abogebühren.

Während Programme wie Alien Skin Exposure X3 oder On1 Photo RAW 2018 bei drastischen Weißabgleichskorrekturen sowie Lichter- und Schattenwiederherstellung Lightroom nicht ganz das Wasser reichen können, geben sich DxO und Capture One diesbezüglich keine Blöße. Außer Zweifel stehen auch die Qualitäten von DxO bei Objektivkorrekturen und Rauschunterdrückung. Diese drei Programme sind einander absolut ebenbürtig.

Das neue DxO PhotoLab glänzt dabei mit einem Feature das besonders aufhorchen lässt: DxO hat von Google die legendären Nik-Filter und deren Technologien übernommen und bereits in das neue Programm integriert. Dazu gehört auch Niks innovative U-Point-Technologie zur selektiven Bearbeitung von Bildbereichen. Bei meinen bisherigen Tests fand ich diese Integration extrem gelungen und Lightrooms Pinseln ebenso überlegen, wie Capture Ones Layer-Konzept.

Anders als Lightroom arbeitet PhotoLab nicht auf Basis einer Datenbank in die Bilder zu importieren sind, sondern man arbeitet direkt in den Foldern in denen sich die Bilder befinden (Capture One bietet beide Möglichkeiten). Die Entwicklungseinstellungen werden schlicht als Textdateien zu den Bildern gelegt, etwa so wie Adobe Camera Raw es mit XMP-Dateien tut. Das hat am Ende vor und Nachteile. Vorteil ist eine leichte Austauschbarkeit von Daten von einem Computer zum anderen. Nachteil ist, dass die Bildverwaltung nicht ganz die Möglichkeiten einer datenbankgestützten Bibliothek bieten dürfte.

Die Übersichtlichkeit ist bei PhotoLab nach meinem Dafürhalten nicht minder gewährleistet als bei Lightroom und sollte mit lediglich zwei Bereichen – Bibliothek und Entwicklung – vielleicht sogar etwas durchschaubarer sein. Für meine Anforderungen ein riesiger Vorteil: Die angezeigten Paletten lassen sich beliebig verschieben, neu zusammenstellen, schließen und eine optimierte Umgebung lässt sich als Arbeitsbereich speichern (ich weiß allerdings nicht ob das neue Lightroom CC diese Möglichkeit auch endlich bietet). Wermutstropfen: Individualisierung von Shortcuts sind in PhotoLab ebensowenig möglich wie in Lightroom und die Belegung ist eher noch dürftiger.

Etwas schwer durchschaubar sind in PhotoLab wie schon im Vorgänger in meinen Augen die Funktionen und ihre Benennung. Es ist nicht unmittelbar ersichtlich, was Smart Lighting oder ClearView zu bedeuten haben, und die Möglichkeit den Weißabgleich manuell einzustellen musste ich wegen Vergessens schon mehrfach suchen. Auch eine Aufteilung der Helligkeitsregler in Spitzlichter, Mitteltöne, Schatten und Tiefen ist man so nicht gewohnt. Das ist allerdings nichts, über das man nicht schnell hinweg kommen kann, und jemand der neu ist in der digitalen Dunkelkammer tut sich damit vielleicht sogar etwas leichter, da er noch keine Konditionierung bezüglich Begrifflichkeiten erfahren hat.

Leider verfügt PhotoLab aktuell noch nicht von Haus aus über eine Perspektivenkorrektur. Diese muss erst über das Zusatzprodukt ViewPoint nachgerüstet werden, das mit 41 Euro zu Buche schlägt. Lightroom kennt diese Funktion von Haus aus.

Wer noch weiter aufrüsten möchte, findet in FilmPack eine Möglichkeit. Das Produkt simuliert analoge Filme und ist eine echte Bereicherung, wenn man vom digitalen Look weg möchte, es ist aber mit 83 Euro für die Elite-Version auch kein Schnäppchen.

DxO PhotoLab ist mit seinem wettbewerbstauglichen Preis (in einer etwas abgespeckten Version aktuell ab 83 Euro), seiner einzigartigen Werkzeuge sowie seiner tadellosen Qualität ein absolute Bereicherung für den Markt der RAW-Konverter.

Fotografen sind unterschiedlich! Sie arbeiten unterschiedlich, nutzen unterschiedliches Equipment, fotografieren unterschiedliche Motive, bevorzugen unterschiedliche Bildlooks, haben unterschiedliche Zugangsweisen zur Bildentwicklung – es wäre absurd zu glauben, dass ein Programm es allen Anwendern recht machen könnte.

Es ist gut, aus einer Reihe an Produkten auswählen zu können, mit Lightroom, PhotoLab und Capture One aus drei sehr unterschiedlichen Anwendungen aussuchen zu können und das Angebot wachsen zu sehen. Es mag Vorteile haben seine Daten in einer Cloud speichern zu können (was ich mir bei meinem Bildbestand von 500GB exklusive Archiven allerdings eher schwer vorstellen kann) und man mag auch ein Abomodell begrüßenswert finden. Diese Ansicht muss aber nicht jeder teilen. Ich zum Beispiel kaufe Hardware nicht gerne gebraucht und muss zugeben lieber zu besitzen als zu mieten. Es ist gut, dass es Alternativen für diejenigen gibt, für die Lightroom nicht die passende Ansicht scheint, und es bleibt zu hoffen, dass die Alternativen wachsen und gedeihen. Bei einem Sterben der Mitbewerber und damit einer Monopolisierung eines Produkts würde nur einer gewinnen und alle anderen – die Kunden – würden verlieren. Es ist vor allem der Wettbewerb der die Entwicklung vorantreibt. Oder glaubt wirklich jemand, dass Alternativenlosigkeit die bessere Alternative wäre?

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Creative-Cloud-Update 10-2018

Mehr als drei Monate sind seit meinem letzten Blog-Update vergangen. Ich lag weder im Koma noch im Sommerschlaf, obwohl ich mich an besonders heißen Tagen schon gerne einmal verkrieche. Vielmehr ist der Wechsel von Zeiten in denen ich den Blog intensiv pflegen kann, und Zeiten in denen ich ihn weitgehend sich selbst überlassen muss, fast so natürlich geworden wie Ebbe und Flut des Meeres. Das Engagement für den Blog ist schlicht davon abhängig wie sich meine Zeit gerade einteilen lässt. Da ich seit dem Sommer an einem neuen Buch über Adobe InDesign arbeite, und momentan mit der Überarbeitung meines Photoshop-Workshop-Buches beschäftigt bin, blieb wenig Zeit fürs Bloggen, auch wenn die Themen gegeben wären.

Mit InDesign und Photoshop sind wir auch beim Thema, denn Adobe hat mich – und wohl nicht nur mich – am Mittwoch mit einem per sofort verfügbaren Update der Creative Cloud überrascht. Das freut mich besonders, da es bedeutet, dass ich mit der Überarbeitung des Photoshop-Buches noch einmal zurück an den Start darf. Es hätte mich allerdings auch schlimmer treffen können, beispielsweise wenn das Update unmittelbar vor oder nach Ende der Überarbeitung veröffentlicht worden wäre. Darüber hinaus ändert sich dasselbe wie seit Jahren: Nicht viel.

Neu in Photoshop 19

  • Für mich erfreulich, dass sich an der Benutzeroberfläche nichts geändert hat, was heißt, dass nicht jeder Screenshot den ich für mein Buch bislang angefertigt habe ausgetauscht werden muss.
  • Quicktipps für Werkzeuge enthalten jetzt animierte Beschreibungen, die man aber glücklicherweise abschalten kann.
  • Pinsel sind um eine zusätzliche Glättenfunktion ergänzt worden, die helfen soll Pinselstriche zu stabilisieren und weniger verwackelt ausfallen zu lassen, wenn sie mit der Maus gezogen werden.
  • Variable Fonts sind nun nutzbar. Ein Konzept, das mir allerdings für die praktische grafische Gestaltung viel zu kompliziert in der Handhabung scheint. Nach meiner Erfahrung fehlt schon bisher dem Gros der grafisch gestaltenden Menschen die Erfahrung die bestehenden typografischen Möglichkeiten korrekt anzuwenden – Variable Fonts wird die Überforderung nur vergrößern. Allerdings kann ich den Nutzen für das Screendesign nachvollziehen.
  • Ein neuer Zeichenstift soll das Zeichnen von Pfaden erleichtern und ich kann mir durchaus vorstellen, dass Anfänger mit ihm besser zurecht kommen, als mit dem bisherigen Zeichenstift. Präzisere Pfade dürften sich dennoch mit dem klassischen Werkzeug besser und mit etwas Übung auch schneller gestalten lassen. Der Nachteil könnte sein, dass sich viele Anwender die Plage den Zeichenstift zu erlernen nicht mehr antun, und am Ende auf dem zweitbesten Werkzeug hängen bleiben.
  • Die in meinen Augen bedeutendste Verbesserung ist, dass sich nun einstellen lässt, wie Pfade angezeigt werden sollen. Pfade sind seit Jahren von Version zu Version schlechter zu erkennen, finde ich, und deshalb begrüße ich das vor allem, weil ich mir erhoffe, dass die Leser meiner Bücher die Pfade die ich zeichne im neuen Buch auch endlich wieder ausreichend erkennen können. Falls jetzt jemand denkt, das ist jetzt aber wirklich nichts Großartiges, hat er erfasst, was ich über die anderen Neuigkeiten denke.
  • Es gibt jetzt einen Workflow für 360°-Panoramen.
  • Verbesserungen soll es auch beim Auswählen und Maskieren geben, wobei ich die letzte Änderung in Photoshop 18 diesbezüglich als Verschlimmbesserung bezeichnen würde. Ein Urteil muss ich mir erst noch bilden.
  • Adobe zählt auf einer Seite die die Neuerungen seit Photoshop 14 listet noch ein paar weitere Punkte auf, von denen für mich persönlich allerdings keiner nennenswert ist.

Neu in InDesign 13

  • Neben Fußnoten gibt es nun endlich auch Endnoten. Seit ich 2007 mein erstes Buch mit InDesign setzte, frage ich mich, weshalb InDesign das nicht kann. Eigentlich längst überfällig.
  • Mit InDesign 12 wurden Absatzschattierungen eingeführt, mit deren Hilfe sich Absätze farblich hinterlegen lassen. Mir scheint das Konzept bislang noch recht unausgereift, in den meisten Fällen werden Tabellen wohl nach wie vor die bessere Lösung sein, und es blieb die Frage offen, weshalb die Möglichkeit Konturen zu definieren fehlte – mir schien diese Lösung bestenfalls eine Halbe zu sein. Mit InDesign 13 reicht Adobe nun die Konturen nach. Ob damit aus der halben eine ganze Lösung wird muss ich erst noch erforschen.
  • Auch für InDesign hat Adobe eine Seite mit den neuen Features, wo ich allerdings keine weitere Funktion mehr finde, die mir nennenswert erscheint. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Variable-Fonts-Technologie Einzug in Photoshop gefunden hat, nicht jedoch in InDesign.

Creative Cloud generell

Adobe hat die Creative Cloud 2011 ohne Versionsnummer eingeführt. Später scheint sich die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass ohne gebündelte Updates mit neuen Nummern zur Signalwirkung, die Presse für Adobes Produkte fehlt. Bis CS6 löste jede neue Version eines Adobe-Programms bzw. -Pakets einen riesigen Medienwirbel aus, was mit CC sein Ende fand (wäre ich ein Klugscheisser, würde ich jetzt darauf verweisen, dass ich das ja gesagt habe). Also führte man recht bald Jahreszahlen für große CC-Updates ein, mit der Konsequenz, dass jedes Adobe-Produkt zwei Versionsbezeichnungen hatte. So ist beispielsweise Photoshop CC 2017 gleichzeitig Photoshop 18 und InDesign CC 2017 gleichzeitig InDesign 12.

Irgendwie scheint sich die Sache mit der CC-Nummerierung nicht ganz so bewährt zu haben, weshalb man sie nun wohl wieder streicht und auf CC 2017 CC ohne Jahreszahl folgt (allerdings werden die Programme dennoch in »Application CC 2018«-Ordnern abgelegt – so ganz scheint sich also selbst bei Adobe niemand auszukennen).

Jene übrigens, die das skurril und unterhaltsam finden, mögen auch diese Fußnote interessant finden: CC 2015.5 erschien 2016, CC 2017 ebenso.

Ältere Menschen wie ich werden sich vielleicht auch noch daran erinnern, dass Adobe den Umstieg auf CC unter anderem damit begründete, dass es ermögliche dem Kunden Neuerungen kontinuierlich liefern zu können, und nicht alle paar Jahre (oder zuletzt Monate) im Paket. Man fragt sich durch welche Schublade dieser Plan geflüchtet ist.

Nun habe ich ja auch schon böse Mails bis hin zu Beschimpfungen erhalten, weil ich mich immer wieder (in einer möglicherweise etwas  sarkastischen Art) kritisch Adobe gegenüber äußere, deshalb möchte ich einmal mehr betonen, dass InDesign und Photoshop für mich noch immer Maß der Dinge in ihren Kategorien sind. Affinity Photo mag Photoshop nahe kommen,  in manchen Dingen sogar überlegen sein, und in Sachen Preis/Leistung eine völlig andere (bessere) Liga sogar, dennoch bleibt Photoshop unterm Strich das professionellere Werkzeug, was sich natürlich ändern kann, wenn Serif und Adobe weiterhin so pflegen wie derzeit. Für InDesign sehe ich bislang sogar (leider) überhaupt keine Alternative (was ist aus Serifs Affinity Publisher geworden?).

Lightroom CC

Man sagt Gottes Wege seien unergründlich, und so betrachtet hat auch Adobe etwas Göttliches. So mutet der Weg den Adobe nun mit Lightroom einschlägt ziemlich seltsam an. Dass das Programm irgendwann ihre Kaufoption verlieren würde, haben ja viele vermutet seit die anderen Programme vom Abomodell verschluckt wurden, und überrascht somit wohl nur wenige. Skurril finde ich allerdings, dass es nun zwei Versionen geben wird (mit dem Verdacht, dass sich das als vorübergehend erweisen könnte).

Da ist nun zum Einen ein überarbeitetes Lightroom CC. Bisherige Anwender der Software mögen schockiert ob der Veränderung der Benutzeroberfläche sein, bis hin zum verschwinden der Bereiche »Import«, »Entwicklung«, »Drucken«, etc.. Für mich persönlich war aber gerade die Benutzeroberfläche mit Aufteilung in die verschiedenen Räume etwas das Lightroom für mich zum No-go machte. Dem gegenüber spricht mich das neue Design auf den ersten Blick und ganz oberflächlich betrachtet durchaus an. Allerdings erinnert mich das was ich in Adobes Ankündigungsvideo sehe, eher an Apples Fotos als an einen professionellen RAW-Konverter. Adobe wäre nicht das erste Tech-Unternehmen das seine professionellen Kunden aus den Augen verliert (ja, ich spiele auf Apple an).

Die zweite Schiene soll ab sofort Lightroom Classic CC bilden. Dieses scheint die lineare Weiterentwicklung des bisherigen Lightooms zu bilden. Nun kann ich mir unmöglich vorstellen, dass Adobe einen Plan hat dieses Lightroom wie es sowohl Profis als auch Amateure seit Jahren nutzen aufs Abstellgleis zu schicken, aber die Bezeichnung »Classic« klingt für mich nicht unbedingt zukunftsweisend.

Noch seltsamer ist, dass die Seite dieser neuen Lightroom-Version kaum Informationen über das Programm bereit hält, sondern vielmehr nach kurzem Scroll nach unten auf Lightroom CC verweist. Das erinnert mich an die letzten Tage von Adobe GoLive. Nach der Übernahme von Macromedia brachte man noch schnell das (wohl bereits fertig entwickelte) GoLive 9 zum Verkauf auf den Markt, auf der Produktseite jedoch fand sich bereits ein Hinweis, wenn man an professioneller Web-Entwicklung interessiert sei, solle man doch auch einen Blick auf Dreamweaver werfen. Ich weiß nicht, ob jemand so blöd war, das Produkt ab dem Zeitpunkt noch zu kaufen. Weiter entwickelt wurde GoLive jedenfalls nicht, und  die Kunden ließ Adobe im Regen stehen, ohne auch nur den Ansatz einer praktikable Lösung GoLive- in Dreamweaver-Projekte zu konvertieren.

Ich behaupte nicht, dass das Lightroom wie wir es kennen ein Ablaufdatum bekommen hat. Ich weiß es nicht, ich kann nicht in die Zukunft schauen, ich kann es mir noch nicht einmal vorstellen und will es schon gar nicht diskutieren. Ich mache mir nur meine Gedanken.

Alternativen?

Alternativen zu haben ist immer gut, und seit CC wird viel darüber diskutiert. Wie bereits geschrieben sehe ich als Buchgestalter für InDesign nicht das geringste Zeichen einer ernstzunehmenden Alternative.

Wer meinen Blog kennt, weiß natürlich, dass ich eine Alternative zu Photoshop empfehle: Affinity Photo! Es gibt Schwächen, vor allem bei der Arbeit mit Kurven, die für einige Experten ein Hinderungsgrund sein können das Programm zu nutzen. Es gibt aber auch Vieles, wo ich seine Nase in Führung sehe. Seine Retusche-Werkzeuge sind besser, seine HDR-Funktion, sowie die Integration von Fokusstacking. Über den Preisvorteil muss man erst gar nicht diskutieren. Unterm Strich ist Affinity Photo eine absolute Empfehlung für alle die ein Bildbearbeitungsprogramm suchen, und nicht ohnehin wegen InDesign oder einer anderen Software auf CC angewiesen sind. Ich gehe sogar soweit, dass auch CC-Nutzer einen Blick auf das Programm werfen sollten, da ich seine Retusche-Werkzeuge für so gut halte, dass 55 Euro keine unüberwindliche Investition in das Programm als Zusatzprodukt neben Photoshop darstellen.

Absolut nicht empfehlen kann ich Affinity Photo hingegen zur Entwicklung von RAW-Dateien. Ich möchte das Serif nicht vorwerfen, denn ich frage mich, wie ein kleines Softwareunternehmen das Reverse Engineering für unzählige Kameras und Objektive stemmen soll, neben der Entwicklung des Bildbearbeitungsprogamms, dessen Schwester fürs iPad und einer Vector-Application.

RAW-Konverter

Was also macht der Fotograf der in RAW fotografieren und Affinity Photo zur Bildbearbeitung nutzen möchte?

Preisbewussten Anwendern die mit einem Kamerasystem arbeiten empfiehlt sich die Software des Herstellers. Das hat zwar die Einschränkung, dass man nur RAWs der eigenen Marke verarbeiten kann, doch zumindest für Olympus kann ich sagen, dass ich deren Lösung (oberflächlich betrachtet) nicht schleicht finde, und Nikons Capture NX soll sogar richtig gut sein. Der Vorteil: Die RAW-Konverter übernehmen sämtliche Kameraeinstellungen, die von Konvertern von Drittherstellern nicht interpretiert werden.

Sony-Kunden geht es teilweise besonders gut, denn Sony packt zu manchen Kameras eine Capture-One-Version, mit der Einschränkung, dass sie nur Sony-RAWs erkennt.

Wer preislich nicht so sensibel ist, dem sei Capture One auch nahegelegt. Dieses ist mit etwa 330 Euro zwar kein Schnäppchen, dafür bekommt man aber auch die nach meiner Ansicht professionellste Lösung. Adobe mag mit Lightroom Marktführer sein, doch je professioneller die Liga der Fotografen, desto häufiger trifft man C1 in den Studios an – ich denke, das hat seinen Grund. (Bitte nicht den Umkehrschluss ziehen, dass Lightroom kein professionelles Niveau erreiche, oder unprofessionell sei wer Adobes Programm nutzt!)

Hinter Capture One steht der dänische Hersteller von Mittelformatkameras Phase One. Von fotografischer Kompetenz darf also ausgegangen werden.

Würde es Capture One nicht geben, wäre DxO Optics meine Wahl. Auch wenn ich C1 subjektiv bevorzuge, denke ich, dass DxO, C1 und Lightroom nach objektiven Kriterien gleichermaßen führende Programme der Kategorie RAW-Konverter sind. Der Preis für DxO Optics Pro liegt je nach Version bei 108 bzw. 166 Euro, im Moment ist es sogar auch in einer Promo-Akton für Lau zu haben, was mir allerdings auch ein Bisschen Sorgen bereitet, wäre es doch nicht das erste Programm das anschließend dahinscheidet.

DxO ist das wohl weltweit führende Testlabor für Digitalkameras und Objektiven und entwickelt so weit meine Informationen reichen Algorithmen zur Bildoptimierung die unter anderem in Handys Einsatz finden. Auch hier ist von höchster fachlicher Kompetenz auszugehen. Nicht umsonst ist DxO Optics vor allem für seine Methode Bildrauschen zu entfernen berühmt.

Ein selten genannter Kandidat für die RAW-Entwicklung ist Alien Skin Exposure, gerade in der Version X3 erschienen und bei 149 $ liegend. Das Programm war ursprünglich ein Photoshop-Plugin das analoge Film-Looks simulierte, und diese Simulationen stehen noch immer im Zentrum. Aber es wird von Version zu Version mehr zum vollwertigen RAW-Konverter inklusive aller Verwaltungstools, und ich sehe kein Hindernis es nicht als solches zu nutzen.

Eine weitere Alternative ist ON1 Photo RAW um knapp 120 Euro. So wie Alien Skin Exposure liegen auch hier die Wurzeln in Photoshop-Plugins die zum eigenständigen RAW-Konverter und -Verwaltungsprogramm ausgebaut wurden. Anders als bei den zuvor genannten habe ich in diesem Programm keine eigenen Erfahrungen, aber es wäre das nächste in der Reihe, das ich anzuschauen empfehle wenn man auf der Suche nach einen RAW-Konverter ist.

Nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat sich Corel bei der Übernahme des RAW-Konverters Bible das er unter dem Namen After Shot weiter führt. Mich hat das Programm bei einem kurzen Test wenig begeistert, doch wer nach einer Lösung für wenig Geld such muss hier (im Moment) nur knapp 60 Euro ausgeben und möchte deshalb vielleicht einen eigenen Blick riskieren.

Ein etwas unübersichtliches Bündel an RAW-Konvertern und Bildverwaltungsprogrammen hat ACD Systems in Programm, im Wesentlichen unter den Produktbezeichnung ACDSee.

Wer sich mit OpenSource-Software anfreunden kann findet in RawTherapee und Darktable zwei mögliche Kandidaten. Der Name des Letzteren ist nicht zufällig eine quasi Umkehr von Lightroom – die Gestaltung ist stark an Adobes RAW-Konverter angelehnt.

Nachtrag 22.10.2017: Auch die vom Mac-Markt kommende, vielfach ausgezeichnete Software-Schmiede Macphun hat angekündigt ihr Programm Luminar zum vollwertigen Bildverwaltungsprogramm auszubauen – RAW-Bilder werden ohnehin bislang schon aufgenommen und entwickelt. Macphuns Programm Aurora HDR steht bereits für Windows zur Verfügung, Luminar für Windows befindet sich in der Testphase.

Dass Macphun in diesen Markt einsteigen würde habe ich schon lange erwartet und man darf abwarten wie lange Serif mit einem vergleichbaren Affinity-Programm auf sich waren lässt. Gerüchte darum gibt es seit langem – die Qualität der RAW-Entwicklung müsste bis dahin allerdings noch Sprünge machen.

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Filter-Klassiker für lau

Die legendären Nik-Filter sind jetzt noch günstiger – nämlich gratis!

Die Nik-Filter-Collection ist eine Sammlung an Plugins für Photoshop, Photoshop Elements und Lightroom, unter anderem um Bilder Schwarzweiß, mit Farbeffekten oder im analogen Look zu entwickeln. Besonders das Schwarzweiß-Entwicklungs-Tool »Silver Efex Pro« erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit bei Fotografen.

Ich selbst konnte mich nie so recht durchringen die Collection zu kaufen da ich für analoge Looks und Schwarzweiß Exposure von Alien Skin bevorzuge. Doch jetzt da die Software gratis ist habe ich sie mir nun doch geholt und freue mich damit zu arbeiten. Ich gehe zwar aus, dass Google die Software nur deshalb verschenkt weil das Produkt nicht weiter unterstützt wird. Aber einige Jahre werden die Programme sicher noch laufen und bis dahin kann man den geschenkten Gaul ja nutzen.

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Ein kompakter Überblick über Capture One

Seit Monaten trage ich die Idee mit mir herum einen Screencast zu Capture One aufzunehmen. Doch so einen Workshop vorzubereiten und aufzunehmen bedeutet viel Arbeit und braucht Zeit die ich im Moment nicht frei zur Verfügung habe. Neben zahlreichen Tagesseminaren habe ich ein Buch über Affinity Photo in Vorbereitung – da müssen Projekte die mehr oder weniger non-profit sind hinten anstehen.

Obwohl ich an der Statistik meines Blogs sehe, dass das Interesse an C1 groß ist – ein einziger Capture-One-Beitrag führt beinahe jeden Tag die Liste der Zugriffe auf Themen des Blogs an – blieb es aus beschriebenem Zeitmangen bislang bei der Idee. Ein Tweet von Boris (@bnSonic) Nienke von happyshooting.de über erste Eindrücke zu Phase Ones Digital-Darkroom-Software veranlasste mich nun heute Morgen zu der Entscheidung, mir spontan ein paar Stunden frei zu nehmen und einen improvisierten Workshop aufzunehmen.

So spontan mich die Entscheidung überfallen hat so unvorbereitet bin ich den Workshop angegangen, habe einfach mein Headset eingestöpselt und nach vier Fehlstarts ging es dann frei Schnauze und ohne Plan munter drauf los. Ich hoffe, dass dabei trotzdem etwas raus gekommen ist das euch einen Eindruck von dem Programm zu vermitteln vermag und vielleicht dem Einen oder der Anderen einen guten Einstieg in Capture One und eventuell einen Umstieg von Lightroom ermöglicht.

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Lightroom oder Photoshop?

Leser Frank sandte mir eine Mail mit einer Frage die wohl viele Leser beschäftigen dürfte, die den Schritt von der reinen Bildaufnahme und -verwaltung zur aktiven Bildentwicklung in der digitalen Dunkelkammer vor sich bzw. gerade hinter sich haben: Lightroom oder Photoshop? So lautet sie vereinfacht ausgedrückt.

Kein Foto ohne Entwicklung

Zunächst einmal muss man wissen, dass jedes Bild das eine digitale Kamera aufnimmt entwickelt werden muss. Das ist nicht anders als beim analogen Fotonegativfilm: Der rohe, zwar belichtete aber noch nicht entwickelte Film, zeigt zunächst gar nichts. Erst nach der Entwicklung und Belichtung auf einen Papierabzug können wir ein Bild herzeigen.

Genauso wenig, wie mit einem nicht entwickelten Film, können wir mit den Daten die ein digitaler Aufnahmesensor speichert etwas anfangen. Auch diese müssen erst entwickelt werden damit sich ein für uns sinnvolles Bild ergibt.

Fotografiert man im JPEG-Format werden die Rohdaten von der Software der Kamera entwickelt, wobei aus reinen Rot-, Grün und Blauinformationen die tatsächlichen Farben berechnet werden, geschärft, entrauscht und der Weißabgleich eingerechnet wird – und einiges mehr. Eine Digitalkamera im JPEG-Format ist im Grunde das elektronische Gegenstück zur Sofortbildkamera der analogen  Ära.

RAWs müssen erst entwickelt werden

Fotografiert man im RAW-Format entwickelt die Kameraelektronik zwar auch eine Vorschau im JPEG-Format, allerdings nur damit sich die Aufnahmen am Kameradisplay anzeigen lassen. Die richtige Entwicklung muss dann am Computer passieren.

Bildentwicklungsprogramme bzw. RAW-Konverter

Photoshop und andere Bildbearbeitungsprogramme können RAW-Bilder nicht öffnen, sondern benötigen eine JPEG-, TIFF- oder PSD-Datei zur Bearbeitung (oder ein vergleichbares Format). Photoshop wird deshalb mit dem Zusatzprogramm Adobe Camera Raw ausgeliefert. Adobe Camera Raw ist kein Bildbearbeitungsprogramm im herkömmlichen Sinn sondern vielmehr ein Entwicklungsprogramm für RAW-Daten (es können damit zwar auch JPEG-Bilder eingestellt werden aber nicht mit den Möglichkeiten des RAW-Formats).

Im RAW-Entwicklungsprogramm werden Einstellungen vorgenommen, wie sie beim Fotografieren im JPEG-Format von der Software der Kamera in der Kamera vonstatten gehen, also z.B. Weißabgleich, Belichtungskorrektur, Farbanpassungen, Lichter- und Schattenkorrekturen, Korrektur optischer Fehler, Rauschreduzierung, Schärfung, etc.

Manche dieser Einstellungen lassen sich bei einem JPEG auch nachträglich in der Bildbearbeitung kaum minder gut einstellen, doch viele bei weitem nicht mit den Möglichkeiten die der Fotograf im Entwicklungsprogramm vorfindet. Vor allem Belichtungskorrekturen und Weißabgleich lassen sich in der Bildbearbeitung oft kaum mehr korrigieren, wenn sie bei der Bildentwicklung falsch eingestellt waren. Die individuelle Entwicklung von RAW-Daten bietet die Möglichkeit Lichtsituationen zu meistern, die man im JPEG-Format mit Einstellungen an der Kamera unmöglich in den Griff bekommt.

RAW-Entwicklungsprogramme bieten also alle grundlegenden Einstellungen die der Fotograf zur Bildentwicklung benötigt, bis hin zu einfachen Bildbearbeitungskorrekturen, wie zum Beispiel der Retusche von Staub oder Hautunreinheiten. Letzteres ist allerdings in Entwicklungsprogrammen eher eine Me-too-Funktion die es dem Fotografen ermöglichen soll, nicht wegen jeder Kleinigkeit in die Bildbearbeitung wechseln zu müssen.

Entwiklungs-Bearbeitungs-Workflow

Die Aufteilung der Aufgaben zwischen Bildentwicklung und Bildbearbeitung sieht in der Regel so aus: RAW-Bilder werden in den RAW-Konverter importiert oder im Falle von Photoshops Adobe Camera Raw damit geöffnet. Hier werden dann alle wesentlichen Einstellungen der Bildentwicklung, wie Weißabgleich, Helligkeit, Kontrast, Farbeinstellungen und Rauschreduzierung vorgenommen. Die allermeisten Aufnahmen lassen sich damit komplett abschließen und verlangen nicht an ein Programm zur weiteren Bearbeitung übergeben zu werden (was allerdings auch ein Bisschen Geschmacksache ist).

Arbeitet man mit Adobe Camera Raw und Photoshop wird in ACR nach der Entwicklung auf »Bild öffnen« geklickt. ACR übergibt das Bild in Photoshop wo weitere Bearbeitungen vorgenommen werden können oder das Bild einfach im JPEG-, TIFF- oder PSD-Format gespeichert wird.

Sind Aufgaben wie ausgefeilte Retuschen, Bildmontagen, selektive Bildmanipulationen etc. erforderlich oder soll beispielsweise Text integriert werden kommen Bildbearbeitungsprogramme zum Einsatz, in der Regel der unangefochtene Platzhirsch Photoshop. Arbeitet man mit Lightroom muss dazu eine Datei im JPEG-, TIFF- oder PSD-Format exportiert werden, verwendet man eine Funktion wie »öffnen mit« geschieht das automatisch im Hintergrund.

RAW-Bilder werden nie überschrieben

Photoshop ist nicht in der Lage RAW-Dateien zu öffnen und auch nicht sie zu speichern (jedenfalls kein echtes RAW wie es von der Kamera kommt). Stattdessen muss immer im JPEG-, TIFF- oder PSD-Format gespeichert werden. Eine RAW-Datei wird nie geändert oder überschrieben (wenn man von der Änderung von Metadaten absieht).

Nicht jeder Fotograf benötigt ein Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop. Tatsächlich werden die meisten Gelegenheits-, Hobby- und Amateurfotografen mit einem Programm zur RAW-Entwicklung auskommen. Ein solches empfehle ich sogar unbedingt, denn die meisten bieten nicht nur die Möglichkeiten RAW-Bilder zu entwickeln, sondern auch mehr oder weniger ausgefeilte Verwaltungsfunktionen bis hin zum Export von Websites, Alben und zur Wiedergabe von Diashows.

Bildverwaltung

Lightroom ist im Grunde eine etwas schicker gestaltete Synthese aus Adobe Camera Raw und Adobes Datenbrowser Bridge. Ich bin zwar selbst kein Freund dieses Programms –primär weil ich die Benutzeroberfläche und Bedienung nicht mag –, empfehle es aber dennoch als erste Wahl, und zwar weil es billiger ist als manch andere Lösung und vor allem weil es zu keinem anderen Programm mehr Ressourcen in Form von Literatur, Tutorials und Lernvideos gibt.

Ob man die Befürchtung hegt und damit leben kann, dass es auch dieses Adobe-Programm eines Tages nur mehr in einer Mietversion gibt, muss jeder für sich selbst beantworten – für mich ein zusätzlicher, wenn auch nicht ausschließlicher Grund, von dem Programm Abstand zu nehmen.

Lightroom-Workflow

Mit einem Programm wie Lightroom sieht der Workflow so aus, dass Aufnahmen zunächst in eine Datenbank importiert werden. Beim bzw. nach dem Import geschieht automatisch eine Standardentwicklung der Rohdaten. Diese ist der Entwicklung in der Kamera nicht unähnlich, fällt aber zumeist moderater aus, weshalb viele Fotografen den Eindruck haben JPEGs würden von vornherein besser aussehen als RAW-Bilder (die Kameras puschen die Bilder nur intensiver). Der Fotograf kann die Bilder nun so lassen wie sie von Lightroom interpretiert werden oder sie individuell einstellen. Er kann sogar eigene Rezepte schreiben die sich dann für zukünftige Importe automatisch als individueller Standard anwenden lassen.

Lightroom stellt zunächst einmal eine auf die Bedürfnisse von Fotografen angepassten Oberfläche zur Verwaltung umfangreicher Bildbestände zur Verfügung. Einstellungen die der Fotograf vornimmt werden in einer Datenbank gespeichert und auf deren Basis werden Vorschaubilder generiert die ebenfalls in der Datenbank gespeichert werden. Sie dienen dazu, dem Fotografen ein schnelles browsen in seinen Bildbestände zu ermöglichen. Ohne sie müsste bei jeder Darstellung des Bildes eine neue Vorschau aus dem RAW berechnet werden, was die Arbeit mit Bildbeständen zäh werden ließe.

Die RAW-Datei muss dabei unbedingt erhalten und für Lightroom verfügbar bleiben um auch für zukünftige Bearbeitungen das Rohdatenmaterial in vollem Umfang zur Verfügung zu haben.

Soll ein Bild im Internet veröffentlicht, an Freunde versandt, für ein Album verwendet oder ein Fotoabzug in Auftrag gegeben werden, ist eine Datei im TIFF-, PSD- oder JPEG-Format zu exportieren, in aller Regel letzteres. Die RAW-Datei fungiert dabei als Original und die exportierte Datei als Abzug.

Welche Produkte?

Nun habe ich in der Überschrift und bisher im Artikel beinahe ausschließlich von Adobe-Produkten gesprochen, weil diese am bekanntesten und weitesten verbreitet sind.

Alternative RAW-Konverter

Ich bin wie gesagt kein Freund von Adobes Lightroom und zwar in erster Linie deshalb, weil die Oberfläche absolut restriktiv gestaltet wurde und mir keine Möglichkeit bietet sie an meine Bedürfnisse anzupassen (wenn man davon absieht, dass man die Kopfleiste mit einem eigenen Logo versehen kann).  Verschärfend kommt hinzu, dass es viel zu wenige Tastaturkürzel gibt und keine Möglichkeit eigene zu definieren.

Capture One Pro 8

Meine Wahl fiel nach dem Aus von Apples Raw-Konverter Aperture auf die dänische Software Capture One Pro. Dieses Programm liefert die in meinen Augen die beste Bildqualität aller Entwicklungstools. Dabei ist mir allerdings wichtig zu betonen, dass besser im Vergleich zu Adobes RAW-Konvertern »besser als hervorragend« bedeutet. Außerdem gibt es viele Experten diese Meinung nicht ganz teilen – schließlich arbeitet der Großteil professioneller Fotografen mit Lightroom. Hier muss sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Tatsächlich leisten wohl die bekannten RAW-Entwicklungswerkzeuge durchaus vergleichbare Qualität und was man am Ende tatsächlich als besser empfindet wird auch Geschmacksache sein. Ausschlaggebend für die Wahl einer bestimmten Software sollte eher die Bedienung und die zur Verfügung gestellten Funktionen sein – Funktionen die über die Grundeinstellungen die von einem RAW-Konverter hinaus gehen.

Meine Wahl fiel vor allem deshalb auf Capture One, weil es mir die Möglichkeit bietet die Benutzung exakt auf meine Bedürfnisse abzustimmen. So kann ich eigene Arbeitsbereiche definieren für die ich genau die Paletten auswähle die ich dafür brauche und sie dort positioniere wo sie für mich am meisten Sinn ergeben.

Darüber hinaus kann ich bei Capture One Tastaturbefehle individualisieren. So habe ich die Grundeinstellungen soweit angepasst, dass ich alle wichtigen Funktionen mit einer einzigen Taste aufrufen kann (also ohne Fingerverrenkungen wie CMD+Alt+X). Auch Anpassungen wie Belichtung, Kontrast, Farbsättigung, Drehen, etc. können über Tastaturbefehl laufen, wovon ich ausgiebig Gebrauch mache. Das macht die Bearbeitung hunderter Bilder deutlich effizienter als für jeden Handgriff zur Maus greifen zu müssen und erlaubt auch ein körperschonenderes Arbeiten.

Seit der Version 8 bietet Capture One außerdem eine Verwaltungsumgebung die es mit Lightroom aufnehmen kann, was davor nicht der Fall war.

Weitere Alternativen

Neben Lightroom und Capture One habe ich auch mit DxO Optics ausgiebig gearbeitet, kann diesem Programm durchaus einiges abgewinnen, finde aber die Bedienung nicht viel glücklicher als bei Lightroom und vermisse darüber hinaus eine effiziente Verwaltung großer Bildbestände, wie sie Lightroom bietet und ich sie an Capture One schätze. Alle drei Programme sind als Demoversion verfügbar und lassen sich ohne Einschränkungen einen Monat testen, so dass sich jeder einen Eindruck verschaffen kann, welches ihm am besten zusagt.

Für Freunde von OpenSource-Software gibt es darüber hinaus RawTherapee. Kurze Blicke habe ich außerdem auf ACDSee (Mac/Win) und Corels AfterShot geworfen, allerdings ohne mich besonders dafür begeistern zu können. Doch auch diese Produkte sind als Demos verfügbar, so dass man sich einen eigenen Einruck verschaffen kann.

Bildbearbeitungsprogramme

Bildbearbeitungsprogramme sind wie gesagt erst erforderlich, wenn es um ausgefeilte Retusche, Freisteller, Bildmontagen und -collagen, Integration von Text usw. geht. Unangefochtener König dieser Disziplin ist Adobe Photoshop das für Fotografen zusammen mit Lightroom für 12 Euro im Monat zu mieten ist, womit man diese Kombination durchaus als Schnäppchen bezeichnen kann.

Allerdings sollte der Preis alleine nicht ausschließlich über die Wahl einer Software entscheiden, genauso wenig wie ein ernstzunehmender Fotograf sich ausschließlich wegen des Preises für ein Kamerasystem entscheiden sollte. Da ich ein Adobe-Creative-Suite-Abo habe wäre für mich Lightroom beispielsweise ohne Zusatzkosten verfügbar, trotzdem habe ich mich für das über 200 Euro teure Capture One entschieden.

Nicht jeder braucht »Photoshop«

Die meisten Gelegenheits-, Hobby- und Amateurfotografen werden wohl wie gesagt mit einem Entwicklungsprogramm wie Lightroom oder Capture One auskommen. Man darf nicht vergessen, dass man in ein Bildbearbeitungsprogramm nicht nur ein paar Euro investieren muss, sondern vor allem viel Zeit es zu erlernen und zu beherrschen. Es ist also durchaus eine Überlegung wert sich zunächst auf ein Entwicklungsprogramm zu konzentrieren und erst wenn man dies souverän beherrscht und/oder damit an die Grenzen stößt über ein zusätzliches Programm zur Bildbearbeitung nachzudenken.

Dabei muss man sich nicht zwangsläufig für Photoshop entscheiden. Photoshop ist ein Moloch der für alle die irgendwie mit Bildbearbeitung zu tun haben alles bieten möchte – bis hin zur Bearbeitung laufender Bilder und zum generieren von einfachen 3-D-Bildern. Entsprechend komplex ist die Bedienung.

Photoshop-Alternativen

Eine Alternative die von Adobe selbst für Mac und Windows angeboten wird ist Photoshop Elements – ein abgespecktes Photoshop, das für das Gros der Anwender bieten dürfte, was sie brauchen.

Am Mac hat seit längerer Zeit Pixelmator seine Freunde und aus England schickt sich Affinity Photo an zur ernstzunehmenden Konkurrenz für Photoshop zu werden (mein Bericht, Link zur Seite des Softwareherstellers). Während Pixelmater wohl weiterhin nur für den Mac verfügbar ist, ist mit einer Windows-Version von Affinity Photo im nächsten Jahr zu rechen.

Auch zur Bildbearbeitung gibt es ein OpenSource-Projekt und damit eine kostenlose Software mit dem Namen Gimp, die sowohl für Mac als auch Windows verfügbar ist, zahlreiche Freunde haben dürfte und für die auch einiges an Literatur und Tutorials zu finden ist.

Für Windows-User wird das Angebot an Alternativen wohl noch viel größer sein, als am Mac, allerdings fehlt mir als Mac-Anwender ein entsprechender Überblick.

Frank fragte außerdem, um auf sein Mail zurück zu kommen, ob es nicht sinnvoll sei für Entwicklung und Bearbeitung bei der Software eines Herstellers zu bleiben. Da allerdings die Entwicklung ein abgeschlossener Prozess ist und RAW-Bilder immer in Form eines JPEG-, TIFF- oder PSD-Abzugs an die Bildbearbeitung übergeben werden müssen, ist es völlig egal ob die beiden dafür verwendeten Programme aus dem selben oder zwei verschiedenen Häusern kommen.

So könnte man beispielsweise mit Lightroom Bilder entwickeln und verwalten und für Retuschen auf Affinity Photo zurückgreifen, so wie ich Bilder in Capture One entwickle und in der Regel Photohop zur Bearbeitung verwende. Aufgrund dessen, dass es derzeit aber kein Programm gibt, das so viele und über Jahre gereifte Funktionen bietet wie Photoshop ist es wohl naheliegend für die Bearbeitung Photoshop zu wählen, wenn man sich auf ein Lightroom-Abo eingelassen hat – 12 Euro Monatsmiete für das Bundle dürfte bis auf weiteres wohl unschlagbar sein.

Alles klar?

Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel etwas Licht in die Frage welche Programme man wofür braucht bringen konnte. Falls es weitere Fragen zu dem Thema gibt sendet mir bitte eine Mail oder schreibt einen Kommentar.

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Capture One 8.3

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Der dänische Hersteller von Mittelformatkameras Phase One, hat gestern sein Programm zur RAW-Entwicklung Capture One auf die Version 8.3 aktualisiert – ein Anlass für mich wieder einmal auf die Software hinzuweisen. Wer sich wie ich mit Adobe Photoshop Lightroom nicht so recht anfreunden kann findet darin eine exzellente Alternative.

Capture One ist zwar (für nicht Sony-Fotografen) ein ordentliches Stück teurer als Lightroom, bietet dafür aber eine wesentlich flexiblere Oberfläche mit Massig Möglichkeiten die Bedienung an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Darüber hinaus bin ich auch der Meinung, dass Capture One Lightroom in Sachen Qualität schlägt.

Ein etwas ausführlicherer Bericht über meinen Eindruck von Capture One findet sich hier. Wer das Programm kennenlernen möchte kann es kostenlos bei phaseone.com herunterladen und einen Monat lang ohne jegliche Einschränkung testen.

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Capture One Pro – Ineffizienz war gestern

Seit den Weihnachtsfeiertagen arbeite ich mit einem neuen Werkzeug zur Raw-Entwicklung und es wird Zeit, dass ich meiner Begeisterung Ausdruck verleihe. Vorher aber ›was bisher geschah‹:

Am Anfang war Aperture

Mein erster Raw-Entwickler war Apple Aperture. Das in der Beta-Phase befindliche Lightroom lockte aber bereits und es zeichnete sich noch vor der offiziellen Version ab, dass das Programm ein Erfolg werden würde. Immerhin kam es von Adobe und die hatten mit Photoshop Erfahrung in Bildbearbeitung wie kaum jemand sonst. Also habe ich in großen Erwartungen den Zug gewechselt und meine junge Bibliothek auf Lightroom umgestellt.

Meine Lightroom-Phase

Glücklich geworden bin ich damit nicht. Die Oberfläche des Programm ist furchtbar klobig, platzverschwenderisch gestaltet und absolut strikt. Gut. Man kann in die Kopfleiste sein eigenes Logo einpflanzen und verschiedene Schnörkel für den Abschluss der Palettenleisten definieren. Professionell finde ich diesen Umfang an Individualisierbarkeit allerdings nicht. Der Rest lässt sich kaum an die Anforderungen des Anwenders anpassen.

Dann dieses seltsame Konzept mit den fünf Räumen. Auch so eine Idee die Adobe dem Benutzer unabänderlich aufs Auge drückt. Zu allem Überfluss verknüpft das Programm mit demselben Shortcut unterschiedliche Befehle, je nach Raum, in dem ich mich gerade befinde. Zumindest in früheren Versionen war das so.

Und wenn herum nörgeln an Shortcuts sind: In InDesign, Illustrator und Photoshop rufe ich mit cmd+K die Voreinstellungen auf. Weshalb ist das in Lightroom ein anderer Kürzel?

Ihr merkt schon: Ich mag Lightroom nicht!

Zurück zu Aperture

Nach einigen Monaten unglücklicher Ehe mit Lightroom bin ich reumütig zu Aperture zurück und wenn ihr mich fragt: Es ist das bessere Programm für die Raw-Entwicklung. Zwar wird immer wieder die Kompetenz Lightrooms beim Entrauschen gelobt, aber wenn das nicht besser ist als in Adobe Camera Raw – und ich gehe davon aus es ist 1:1 die selbe Engine – dann berauscht mich das auch nicht.

Wo Aperture im Verhältnis zu Lightroom definitiv glänzt ist die Wiederherstellung von unterbelichteten und überbelichteten Bereichen – ich habe diesbezüglich einmal einen Artikel veröffentlicht.

Natürlich arbeitet das Gros der professionellen Welt mit Lightroom und ich halte die Kollegen bei Gott nicht für Nackerpatzerln. Am Ende ist es immer auch etwas subjektiv was man gut findet und was nicht. Unterm Strich findet man Licht und Schatten bei Lightroom und bei Aperture.

Lightroom vs. Aperture

Aperture wird zuweilen ein etwas zähes Ansprechverhalten nachgesagt und tatsächlich: Wer keinen Turbo im Rechner hat muss mangelnde Power mit Geduld ausgleichen. Auch die Stabilität könnte besser sein. Allerdings verfiel ich bei meinen Lightroom-Tests, die ich über die Jahren immer wieder gemacht habe, auch nicht gerade in einen Geschwindigkeitsrausch.

Was mich wundert ist, was Adobe am heutigen Tag an Neuerungen für Lightroom 4 ankündigt: Ein neues Buchmodul (sieht aus wie das, was ich von Aperture schon lange kenne); Direkte Integration von Maps (habe ich seit Aperture 3 und brauche ich so oft wie etwas anderes: Faces – nämlich exakt gar nicht).

Was ich allerdings sehr wohl brauche ist Softproofing. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich das in Aperture einmal nicht hatte. In Lightroom soll es das mit 4 jetzt auch geben. Wie um Himmels Willen! Konnte die professionelle Welt in Lightroom bislang auf den Bildschirm-Proof verzichten? Ist mir rätselhaft.

Aber wäre bei Aperture alles so, wie ich es mir vorstellte, hätte ich mich nie nach einer Alternative umsehen müssen.

Geschwindigkeit und Stabilität habe ich bereits als problematisch angesprochen. Dann verliert Aperture Bilder in der Datenbank. Ich nehme an, das passiert bei Abstürzen. Die Bilder vegetieren dann irgendwo auf der Festplatte rum. Ob die Bilder in der Aperture-Datenbank liegen oder als Verknüpfungen in separaten Ordnern ist dabei Irrelevant. Wenn Sie in Aperture nicht mehr aufscheinen sind sie so gut wie nicht mehr existent, auch wenn sie noch irgendwo auf der Festplatte Speicherplatz verspeisen.

Ein Vorteil von Aperture war für mich unter anderem die Integration in das Gesamtsystem Apple, bestehend aus meinen Macs, iPhone, iPad und mobileMe. Aber die Alben von mobileMe sollen nach der Einführung von iCloud sterben. iCloud ist mir noch immer suspekt. Und Fotostream, das Bilder annähernd in Echtzeit auf allen Geräten eines Anwenders verteilt, hat bei mir mehr Unordnung als Nutzen gestiftet.

Das schlimmste ist bei Aperture allerdings, dass man keine Ahnung hat, was Apple weiter damit vor hat. Lightroom-User sehen durch die neue Beta, dass an ihrem Programm was weiter geht. Aber Apple macht ja aus allem ein Staatsgeheimnis. Das wäre nicht so schlimm, wenn man von einer professionellen Weiterentwicklung ausgehen könnte. Leider ist bei mir der Verdacht gekeimt, Apple mache aus dem Profi-Werkzeug langfristig ein Aufsteiger-iPhoto für Hobbyfotografen und lässt den professionellen Anspruch fallen.

Was nun?

Frustriert habe ich vor Weihnachten wieder einmal ein Auge auf das aktuelle Angebot an in Frage kommenden Werkzeugen geworfen. Zunächst einmal natürlich wieder der Blick auf Lightroom. Allerdings brauchte ich nicht lange um sicher zu sein, dass damit für mich noch nicht einmal eine Vernunftehe möglich ist.

DxO Optics

Durch einen Tweet von Zoomyboy bin ich wieder auf DxO Optics Pro aufmerksam geworden. Und – wow! – was das Programm an Schärfe in ein Bild rein zaubern kann hat mich echt umgehauen. Weniger begeistern kann die Geschwindigkeit. Auf meinem Rechner waren die paar Tests mit der Software eine zähe Tortur. Mein MacBook ist nicht mehr das jüngste, aber wenn ich die Leistung mit Aperture vergleiche, dann erscheint das Apple-Programm plötzlich wie ein Ferrari.

Die Geschwindigkeit ist allerdings nicht alleinige KO-Kriterium für das Programm aus Frankreich. Darüber hinaus erscheint mir der Funktionsumfang recht überschaubar und vor allem die Individualisierbarkeit der Oberfläche zu begrenzt. Zum Beispiel habe ich keinen Dialog gefunden um Shortcuts zu individualisieren.

Wer jedoch ein Programm sucht, das Objektiv-Fehler und Verzerrungen kompetent aus Bildern heraus rechnen kann und rattenscharfe Ergebnisse erzielt, der sollte vielleicht zumindest als Zweitprogramm einen Blick auf DxO Optics werfen.

Bibble

Weiters habe ich mir auch Bibble wieder einmal angesehen. Auch hier spricht mich allerdings die Oberfläche nicht wirklich an und auch hier hatte ich den Eindruck, dass Anpassungen an individuelle Arbeitsweisen nur sehr eingeschränkt möglich sind.

Capture One Pro

Capture One Pro dürfte wohl so etwas wie der Mercedes unter den Raw-Entwicklern sein – zumindest was den Preis angeht. 300 Euro muss hinblättern, wer die Pro-Version kaufen möchte. DxO, Bibble und vor allem Aperture sind absolute Schnäppchen dagegen. Allerdings bekommt man für dieses Geld auch eine ganze Menge Professionalität.

Capture One stammt von Phase One. Phase One ist ein dänischer Hersteller von Mittelformat-Kamerasystemen und bietet soweit ich weiß die Kameras mit der höchsten Sensorauflösung an – aktuell bis zu 65 Megapixel. Capture One scheint der professionalität dieser High-End-Geräte nicht nach zu stehen.

Nach etwa drei Wochen der Arbeit mit Capture One Pro kann ich mich vor Begeisterung kaum halten. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass eine um so vieles bessere Raw-Entwicklung möglich ist. Die Resultate heben sich um Welten von dem ab, was ich mit Aperture oder Adobe Camera Raw aus meinen Bildern raus hole.

Ebenso überzeugend wie die Resultate sind, ist auch die Performance mit der das Programm zur Sache geht. Man arbeitet quasi in Echtzeit. Wartezeiten im Arbeits-Workflow gibt es kaum. Lediglich beim Exportieren von Bildern oder während des Imports lässt man dem Programm besser seine Ruhe. Allerdings sind diese Vorgänge bedeutend schneller abgeschlossen, als ich es von Aperture kenne. Viele Aktionen, wie zum Beispiel das Kopieren und Einsetzen von Entwicklungseinstellungen geht auch über dutzende Bilder hinweg so schnell, dass man sich zunächst fragt, ob das Programm jetzt überhaupt etwas gemacht hat.

Dabei scheint Capture One äußerst Ressourcenschonend mit den Recheneinheiten meines Macs umzugehen. Während Aperture die Lüfter des Laptops immer wieder einmal zum Großeinsatz aufruft, kann ich mich nicht erinnern sie schon einmal wegen Capture One groß in Aufregung gehört zu haben.

Ein weiterer Punkt der mich aus den Socken haut, ist die Benutzerfreundlichkeit und Flexibilität der Oberfläche. Der Benutzer kann jedes Detail exakt so einrichten, wie er es haben möchte. Der Funktionsumfang ist immens. Trotzdem bleibt das Programm wie gesagt intuitiv sehr zugänglich und einfach zu bedienen. Ich habe mir etwa eine Stunde lang Schulungsvideos angeschaut und nach ganz kurzer Einarbeitungszeit fühlt sich das Programm an als würde ich seit Jahren damit arbeiten.

Doch nicht nur die Oberfläche lässt sich beliebig konfigurieren. Für beinahe jedes Detail lassen sich Shortcuts konfigurieren. Ich kann Belichtung, Kontrast, Helligkeit, Sättigung, Weißableich und Färbung über Tastatur steuern. Performance und Effizienz der Oberfläche geben der Sortierung und Ausarbeitung von Bildern eine mir bislang unbekannte Dynamik.

Der Umgang mit Farbmanagement ist ein Traum. Man richtet ein Ausgabeprofil ein, definiert das Farbprofil dafür und mit einem Klick hat man den entsprechenden Softproof am Bildschirm vor Augen. Automatisch passen sich Farbwerte an den Farbraum des Zielprofils an. Im Grunde ein Detail. Aber eines von vielen, dass das Arbeiten mit Capture One zum flüssigen Vergnügen macht. Mich ärgert nur, dass ich jetzt erst damit arbeite.

Was ich weiters an Capture One schätze ist, dass es nicht wie Lightroom und Aperture auf einer Datenbank basiert. Vielmehr greift man auf beliebige Verzeichnisse auf angeschlossenen Festplatten zu. Also eher so wie der Finder am Mac, der Explorer unter Windows oder Bridge. Dateileichen auf Grund von Fehlern in der Datenbank sind somit ausgeschlossen. Die Entwicklungseinstellungen werden schlicht als XML-Datei in einem Ordner im Verzeichnis der Bilder abgelegt. Clever, die Dänen!

Wo Licht ist, ist aber auch Schatten – das soll nicht verschwiegen werden. Lightroom-Benutzer können – im Gegensatz zu Aperture-Anwendern – Objektivfehler aus Bildern heraus rechnen lassen. Capture One Pro kann das zwar auch. Allerdings nur für ausgesuchte Objektive von Mittelformatkameras. Der Anwender kann zwar manuell Fehler wie Verzerrungen und Chromatische Aberation beseitigen, doch der Luxus, das auf Basis unter Laborbedingungen entwickelten Werten automatisch ausführen zu lassen fehlt.

Aperture hat tolle Retusche Werkzeuge. Capture One hat zwar auch ein Flecken-Entfernungswerkzeug, doch im Verhältnis zur Professionalität des restlichen Programms ist das doch von eher peinlicher Qualität und Funktionalität.

Capture One beherrscht auch selektive Bildbearbeitung mit Pinseln. Das Konzept diese Arbeiten über Ebenen zu verwalten ist eine für erfahrene Photoshoper gut nachvollziehbare und leicht zu verwaltende Idee. Doch das Pinselwerkzeug bietet wenig Einstellungsmöglichkeiten, der Radierer radiert gleich einmal alles aus und die Ebenen lassen sich nicht in Ihrer Deckkraft reduzieren, was einiges Potenzial zur kreativen Bildentwicklung mit sich bringen würde.

Was ich von Aperture vermisse ist ein Regler für Lebendigkeit (in Lightroom sollte das wohl Dynamik heißen). Außerdem fehlt mir auch ein Kanalmixer.

Trotz dieser Schönheitsfehler hat mich Capture One Pro bislang völlig überzeugt und ich glaube meine Begeisterung wurde im vorangegangen Text offensichtlich. Wer nicht zu 100% glücklich ist mit seinem Raw-Entwicklungswerkzeug, oder einfach einmal über den Tellerrand hinaus schauen möchte, dem kann ich nur empfehlen die Demoversion des Programms bei Phase One herunter zu laden und einmal auf Herz und Nieren zu testen. Vielleicht versteht ihr meine Begeisterung dann.

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Aperture – bessere Raw-Entwicklung

Ich habe mit Aperture begonnen, noch bevor es Lightroom gab. Bin dann zu Lightroom gewechselt, weil das Programm so viel versprochen hat. Mehrere Monate habe ich mit dem Programm für den Foto-Workflow aus dem Hause Adobe gearbeitet. Doch richtig glücklich wurde ich mit dem Programm nie. Ich mochte die klobige Oberfläche nicht, das schwarze Umfeld ist eigentlich kontraproduktiv für die Bildbearbeitung – ein graues Interface ist deutlich besser – und das Konzept mit den vier Räumen für Sortierung, Entwicklung, Druck und Webausgabe hat meinen Workflow vor allem ausgebremst. Der größte Unsinn: Tastaturbefehle bewirken teilweise in den unterschiedlichen Räumen unterschiedliche Dinge (ich weiß nicht, ob Adobe an diesem Schwachsinn in Lightroom 3 festgehalten hat – in Lightroom 2 war das so).

Bereits 2008 bin ich den Weg zu Aperture zurück gegangen und habe den Schritt nie bereut. Fast nie: Apple ließ seine Kunde lange auf Aperture 3 warten – wie immer ohne irgendwas zu verraten, wie der Stand der Dinge ist; ob es noch einmal eine weitere Version von Aperture gibt.

Ich habe immer behauptet, es sei reine Geschmacksache, ob man Aperture oder Lightroom nutzt. Naja, es ist natürlich auch eine Frage des Betriebssystems. Wer keinen Mac hat, kommt nicht in die Versuchung Aperture zu testen.

Schon lange habe ich den Eindruck, dass ich in Aperture schneller zu besseren Ergebnissen gekommen bin, als in Lightroom. Aber das mag subjektiv sein. Dachte ich.

Nachdem ich nun mehrere Wochen parallel in Aperture und Lightroom gearbeitet habe, muss mich meine Ansicht revidieren. Aperture ist objektiv das bessere Programm.

Es mag vieles geben, was Geschmacksache ist. Der Umgang von Lightroom 2 mit Farbräumen war nicht nachvollziehbar. Ich habe nie rausgefunden, wie ich den Softproof für den Bildschirm einstellen kann. In Aperture ist das ganz einfach und das Farbmanagement funktioniert ziemlich transparent. Aber das meiste vom Rest sind Details und Peanuts.

Was für mich aber kein Detail oder Peanut ist, ist das Handling unter- und überbelichteter Bereiche. Aperture kommt damit einfach mit Abstand besser zurecht, als Lightroom.

Dazu ein Beispiel:

himmel-aperture-roh.jpg

Das Bild ist eine Gegenlichtaufnahme. Das Motiv gefiel mir. Der kleine Teich, das (riesige) Kreuz, die Spiegelung. Aber das Gegenlicht sorgte dafür, dass der Himmel über, die Landschaft unterbelichtet ausfiel. Vielleicht hätte ich etwas weiter unterbelichten sollen. Dann wäre der Himmel nicht so ausgebrochen. Aber vielleicht hätte das auch zu Problemen in den tiefen Bildbereichen geführt.

In Aperture ließ sich der Himmel so wieder herstellen:

himmel-aperture.jpg

In Camera Raw sieht das Ergebnis so aus:

himmel-cameraraw.jpg

Der Himmel ist völlig tot. Ohne massive, selektive Nachbearbeitung ginge hier gar nichts.

Soweit ich weiß, arbeitet Adobe Photoshop Lightroom mit der selben Entwicklungs-Engine, wie Adobe Camera Raw. Deshalb gehe ich davon aus, dass Lightroom keine besseren Ergebnisse liefern würde, als Camera Raw.

Natürlich sind das krasse Beispiele. Aber ich denke sie zeigen, dass Aperture im Bereich der Tiefen und Lichter einfach bessere Arbeit leistet, als die Software aus dem Hause Adobe.

Ich habe dieses Bild übrigens auch spontan mit Capture One getestet und das Resultat ist nicht wirklich überzeugender, als jense von Camera Raw. Natürlich gibt es noch viele andere Produkte auf dem Markt. Vielleicht hat Capture One Vorzüge, die ich beim kurzen, schnellen Test nicht mitbekommen habe. Aber wenn die Frage lautet: Aperture oder Lightroom? Dann weiß ich heute fix, was ich zu antworten habe (nach der Frage: Hast du einen Mac?)

Und das Beste daran: Apple Apterure gehört im Mitbewerberfeld mit 199 Euro zu den Schnäppchen.

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