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0.5. Die Bildgestaltung

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Zu Beginn dieser Serie habe ich behauptet, dass für beein­druckende Fotos ›Bildinhalt‹, ›Bildgestaltung‹ und ›technische Umsetzung‹ drei Grundbestandteile der Fotografie sind. Seither haben wir uns mit Überlegungen zu fotografischen Projekten und fotografischen Genres in erster Linie mit dem Bildinhalt befasst.

Nach dem Bildinhalt ist die Bildgestaltung die zweite, der drei Komponenten, die ein gutes Foto ausmacht. Und damit wären wir beim Kern des ›vier Schritte zum Bild‹-Konzepts. Bildgestaltung hängt primär an vier Parametern:

  1. Perspektive | Sie wird beeinflusst durch den Abstand vom und den Blickwinkel auf das Motiv sowie von der gewählten Brennweite, also ob Weitwinkel-, Normal- oder Teleobjektiv.
  2. Schärfe | Die Schärfe wird ebenfalls durch die Brennweite und den Abstand zum Motiv beeinflusst.
    Sind Distanz und Brennweite bestimmt, kann der Fotograf über die Blende die Schärfe noch beeinflussen – mit der einen Kamera mehr (SLR) mit der anderen weniger (in der Regel Kompaktkameras). Außerdem hat natürlich auch Bewegung Einfluss auf die Schärfe.
  3. Belichtung | Die Einstellung der Belichtung überlässt der Fotograf heute meist der Belichtungsautomatik der Kamera. Er kann und muss aber gelegentlich eingreifen. Sei es um Über- oder Unterbelichtung zu verhindern oder um dem Motiv bewusst eine hellen (high key) oder dunklen (low key) Charakter zu verleihen.
  4. Komposition | Schließlich erfordert kreative Fotografie auch noch das Anordnen der Bildelemente im Bildausschnitt. Der Fotograf muss entscheiden, was in der Mitte stehen soll und wie weit zentrale Motivbestandteile aus dem Zentrum heraus verrückt werden; wie im Bild sichtbare Linien in das Rechteck der Bildbegrenzung hinein verlaufen und welche Elemente im Bild noch zu sehen sein dürfen oder wo Bildbestandteile abgeschnitten sein sollen.
Perspektive 36 mm Brennweite und kurze Distanz betonen die ­Perspektive dieses Gebäudes.
Schaerfe Das Spiel mit der Schärfe kann auch Alltäglichem eine ungewohnte Anmutung verleihen.
Belichtung ›Korrekt‹ belichtet wäre hier die Stimmung verloren gegangen. Diese Aufnahme wurde bewusst unter­belichtet.
Komposition Bildkomposition ist mit entscheidend. Mit dem Zwerg in der Mitte wäre das Bild wesentlich langweiliger. Die Nase des Zwerges steht exakt auf Drittellinie.

Nicht die Kamera macht gute Bilder, sondern der Fotograf, der die Möglichkeiten seines Kameramodells bewusst bildgestaltend einsetzt. Und die bildgestaltenden Bestandteile, die der Fotograf mit Kamera und Kameraerweiterungen, (Filter, Blitzen, Reflektoren, et cetera) beeinflussen kann sind eben: Perspektive, Schärfe, Belichtung, Komposition – dann: Klick!

Natürlich kann der arrangierende Fotograf auch in eine Bildinszenierung eingreifen indem er ein Modell bittet sich etwas zu drehen und zu lächeln. Aber wir werden uns im weiteren Verlauf auf jene Parameter konzentrieren, die unmittelbar mit der Kameratechnik zu beeinflussen sind, beziehungsweise durch die Position des Fotografen – nicht mit Inszenierung, Regieanweisungen und Organisation.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

Proportion und Komposition

Kimberly Elam: Proportion und Komposition

Kennen Sie das? Design soll letzten Endes ja einfach nur Geschmacksache sein.

Grundsätzlich muss ich jedem Recht geben, der dabei von seinem eigenen Geschmack spricht. Subjektiv hat jeder von uns einen anderen Geschmack. Nun ist es aber normalerweise nicht Sache des Designers, den Geschmack eines Einzelnen zu treffen. Vielmehr sollte er eine breite Masse ansprechen können, zumindest aber eine klar umgrenzte Zielgruppe. Der professionelle Gestalter verlässt sich dabei nicht ausschließlich auf seine Intuition, sondern er hat die Regeln und Erkenntnisse der Gestaltungsgeschichte studiert, und bedient sich bewährten Konstruktionsmustern.

Im wesentlichen arbeitet der Gestalter mit Achsen und Proportionen, woraus sich wiederum Rhythmus, Kontrast und Harmonie ergeben. Eine der bekanntesten Proportionsrezepte ist der goldene Schnitt. Zuerst haben wohl die griechischen Architekten und Bildhauer mit diesem Verhältnis gearbeitet, später die Römer, die Mönche in mittelalterlichen Schreibstuben, die Meister der Setzereien ebenso wie große Künstler – besonders da Vinci und Dürer haben sich um die Definition harmonischer Proportionen verdient gemacht – bis hin zu den Grafikern, Fotografen und Produktdesigner in jüngster Zeit, die mit ansprechendem Design besondere Erfolge gefeiert haben.

In diesem Buch werden zahlreiche Gestaltungs-Klassiker analysiert und es wird demonstriert, wo sich in den Werken Achsen und Proportionen finden lassen.