Nach dem sich der geneigte Fotograf bewusst geworden ist wo, wie und was er gerne fotografiert beginnt die Suche nach der Kamera, die diese Grundvoraussetzungen als optimalen Kompromiss erfüllt. Ein Kompromiss wird es immer sein. Die eierlegende Wollmilchsau, die in die Jackentasche geht, eine perfekte Ergonomie für alle Aufnahmesituationen bietet, einen großen Sensor für viel kreativen Spielraum im Umgang mit Schärfentiefe hat und gleichzeitig unkompliziert Makroaufnahmen machen lässt, gibt es nicht.

Man muss ich für ein Kamerasystem und eine Kameramarke entscheiden. Wichtiger als die Marke ist aber das System. Spiegelreflexkameras haben andere Eigenschaften als Systemkameras und eine Systemkamera gibt es beispielsweise aktuell von Canon nicht. Also fiele für alle, die sich eine Systemkamera wünschen, Canon als Marke aus.

Grundsätzlich ist die Marke selbst relativ belanglos. Alle Marken haben Stärken und Schwächen. Wer bestimmte Eigenschaften sucht, mag bei einem Systemen eines bestimmten Herstellers besser bedient sein, als beim anderen. Im Großen und Ganzen jedoch kochen alle Hersteller mit Wasser und man findet wohl bei allen bessere und weniger gut gelungene Modelle.

Mit diesem Artikel möchte ich einen Fokus auf die verschiedenen Systeme legen, ihre potenziellen Vor- und Nachteile ansprechen und ein paar Modelle verschiedener Hersteller hervorheben, wobei ich zunächst mit Kompaktkameras beginne.

Auch wenn ich mit Nikon DSLRs arbeite, die Entscheidung für diese Marke bewusst getroffen habe und keinen Grund sähe die Marke zu wechseln, ist das meine subjektive Entscheidung. Fragt man mich, welche Marke ich als DSLR empfehlen würde, muss es natürlich Nikon sein – schließlich ist es die Marke für die ich mich entschieden habe. Aber jeder muss selbst herausfinden was für ihn am besten passt. Und wenn mich einer fragt, welche Kompaktkamera ich empfehle, dann wäre es die Canon Powershot S96 (aktuell S100). Trotz aller Vorlieben bleibt die Marke nur bedingt wichtig und es gibt bedeutend wichtigere Faktoren.

Kompaktkameras

Modische Basismodelle zum Draufhalten und Abdrücken

Kompaktkameras gibt es in schier unübersichtlicher Anzahl von allen Herstellern in allen Farben und Formen. Viele versuchen schick auszusehen, manchen gelingt es. Die Bildsensoren erreichen kaum ein Format 6×4mm. Diese winzigen Aufnahmemedien ermöglichen so gut wie kein kreatives Spiel mit Schärfentiefe und die Anfälligkeit für Bildrauschen ist erhöht wenn die Lichtbedingungen nicht optimal sind und das Umgebungslicht schwach ist.

Lieber weniger Megapixel | Da die Zielgruppe kompakter Kameras vor allem der unerfahrene Fotograf ist und die Marketing-Abteilungen der Hersteller wissen, dass man dieser Klientel möglichst viele Megapixel offerieren muss, um die Modelle zu verkaufen, liegt der Standard für die meisten Geräte bei etwa 16 Megapixel. Leider wirkt sich die Kombination kleinerer Sensor, mehr Megapixel negativ auf die Bildqualität aus (etwas ausführlicher im letzten Artikel erklärt). Ich rate also sich in der Kategorie der kleinen, modischen Kompaktkameras lieber für Geräte mit weniger Megapixel zu entscheiden, also viel lieber 10 statt 16 MP.

Draufhalten und Abdrücken | Die Geräte sind grundsätzlich zum Draufhalten und Abdrücken gedacht. Kreative Einstellungen finden sich, wenn überhaupt, lediglich in den Menüs und ich habe bisher keine Kamera kennengelernt, bei der das Einstellen über Menüs den fotografischen Fluss nicht gebremst hätte.

Wahlräder für Blenden- und Zeitvorwahl und manuelle Belichtungseinstellungen sucht man in dieser Kameraklasse vergebens. Man darf sich aber fragen, welchen Sinn solche Hardware-Steuerelemente in dieser Kameraklasse überhaupt haben, wenn man ohnehin kaum Blendenspielraum und (außer im Makro-Bereich) so gut wie immer annähernd unendliche Schärfentiefe hat – egal welche Blende man vorwählt.

Qualität oft besser als der Ruf | All die beschriebenen Einschränkungen bedeuten jedoch nicht, dass man mit kompakten Kameras keine tollen Aufnahmen machen könnte. Wer zu fotografieren versteht, kann auch im Rahmen enger Einschränkungen gute Fotos machen. Ich habe auch schon umwerfende Bilder aus Handys gesehen – von guten Fotografen gemacht, die verstehen, trotz der bei Handys noch engeren Einschränkungen, das beste aus einem Fotoapparat herauszuholen.

Wer in erster Linie ein Gerät sucht, mit dem man auf Motive zielen und Abdrücken kann, ohne sich mit Blendeneinstellungen, ISO-Werten und Brennweite-Belichtungszeit-Verhältnissen zu befassen und weder Blitz, noch Stativ, noch eine große Kamera mit sich rum schleppen möchte, der ist in dieser Klasse gut bedient und braucht auf tolle Ergebnisse nicht zu verzichten. Sich nicht mit den technischen Aspekten von Fotografie auseinandersetzen zu wollen, bedeutet ja nicht, dass man nicht dennoch bewusst und kreativ fotografieren könnte, auch wenn man ganz ohne technisches Wissen in den kreativen Ausdrucksmöglichkeiten natürlich immer etwas eingeschränkt bleibt.

Brennweite – lieber weniger als mehr | Vor wenigen Jahren reichte die Brennweite der Zoomobjektive kompakter Kameras meist von 35mm bis etwas über 100mm (bezogen auf Kleinbild). Beeindruckende Landschaftsaufnahmen sind mit mit 35mm Weitwinkel kaum zu erzielen – dabei sind es vor allem Landschaften, bei denen kompakte Kameras einigermaßen mit Spiegelreflex-Modellen mithalten können.

Heute liegt der Standard meist bei 28mm+, womit sich durchaus ein netter Panoramablick einfangen lässt. Ich persönlich würde aber auf jeden Fall 24mm+ vorziehen.

Umgekehrt kann ich am langen Ende gut auf mehr Brennweite verzichten. Lange Brennweiten werden meist genutzt um auf große Distanzen zu fotografieren. Dabei ergeben sich meist Probleme durch Blauverschiebung und Störungen in der Atmosphäre, sowie mit der Belichtungszeit oder zu hartem Licht. Ich kann deshalb gut auf lange Brennweiten verzichten. Bewegliche Beine machen besser Aufnahmen als lange Brennweiten.

Allerdings können lange Brennweiten bei kompakten Kameras (und bei allen Kameras mit kleinen Bildsensoren) genutzt werden um Objekte, trotz kleinem Bildsensor, durch geringe Schärfentiefe und somit unscharfen Hintergrund freistellen zu können. Je länger nämlich die Brennweite eingestellt wird, desto kürzer wird die Schärfentiefe. Bei 200mm+ kann man auch mit einer Kamera mit sehr kleinem Sensor den Hintergrund unscharf bekommen; fast so, als hätte man mit einer Spiegelrefexkamera mit offener Blende fotografiert. Man muss sich bei längerer Brennweite halt etwas vom Motiv weg bewegen (wobei wir wieder bei den beweglichen Beinen wären) und damit leben, dass sehr lange Brennweiten immer zu einer etwas flachen Perspektive führen. Aber wie gesagt: Fotografieren heißt immer auch Kompromisse eingehen.

Darüber hinaus kann man sehr lange Brennweiten auch in der Makrofotografie, für die Kompaktkameras ja unkompliziert und gut eingesetzt werden können, gut für tolle Ergebnisse einsetzen.

Kompaktkamera canon ixus

Canons IXUS-Serie gehörte schon in analogen Zeiten zu den Klassikern. Die IXUS 510 HS hier scheint mir mit etwa 10 Megapixel sinnvoll und nicht übertrieben hoch aufgelöst. Die Anfangsbrennweite von 28mm wäre für meinen Geschmack etwas zu lang, dafür erreicht sie aber mit 336mm KB am langen Ende ein durchaus beachtliches Tele. Außerdem sind kürzere Brennweiten als 28mm nach wie vor rar bei kompakten Kameras.
Tipp: Wer eine simple Kamera sucht und sich etwas sehr eckigen Look dieser Kamera nicht stört, sollte sich das Gerät einmal etwas genauer ansehen. Mir scheint es jedenfalls einen näheren Blick wert.

Nikon coolpix S9100

Meine Erfahrungen mit Nikon Coolpix-Kameras sind durchwegs positiv, auch wenn ich den Eindruck habe, dass Canon bei Kompakten die Nase etwas vorne hat. Die Coolpix S9100 hier ist mit 12 Megapixel nicht sinnlos hoch aufgelöst und deckt mit 25–450mm einen immensen Brennweitenbereich ab.
Tipp: Die zweite (und letzte) Kamera, die mir beim Blick in die Auslagen der Kamerahersteller aufgefallen ist, die mir in der Klasse der einfachen Basismodelle aufgefallen ist und die ich mir persönlich näher ansehen würde.

Sony cybershot tx1

Ebenfalls positiv waren meine bisherigen Erfahrungen mit Digitalkameras von Sony. Wie auch in anderen Bereichen besticht Sony durch cooles Design, wie bei der TX1 hier, und Sony-Kameras sehen oft anders aus, als die Geräte der etablierten Kamerahersteller. Kameras mit unter 16 Megapixel sind bei Sony aber leider eine Seltenheit. Bei meinen früheren Sony Modellen störten mich außerdem die teuren Speicherkarten und die teuren, aber sehr rasch entleerten Akus.

Samsung wb750

Nicht minder innovativ im Design sind die Kompaktkameras von Samsung. Dabei bestechen die Geräte, die ich bislang in Händen hatte, durch extrem hochwertige Materialhaptik. Die WB750 hier ist im übrigen ein typisches Bespiel dafür, dass die etwas teureren Modelle beim selben Hersteller oft weniger Auflösung haben, als preiswertere.

Olympus vr 330

Meine persönlichen Erfahrungen mit Kompakten von Olympus sind gemischt. Ich hatte und habe eine mit absolut herausragender Bildqualität und hatte für ein paar Tage ein Modell, dessen Ergebnisse inakzeptabel für einen Fotoapparat war (bestenfalls auf dem Niveau aktueller Smartphones). Man darf aber davon ausgehen, dass jeder Hersteller seine Highlights und Nieten im Programm hat.

Panasonic lumix DMC FS40EG K

Ebenfalls gemischt ist meine Erfahrung mit Panasonics Lumix-Kameras; hier die DMC-FS40EG-K (man lasse sich den Namen auf der Zunge zergehen). Vor einigen Jahren hatte ich eine kleine Lumix gekauft, habe sie aber nach einem Wochenende wieder gegen eine andere Kamera eingetauscht, weil mich die Lumix völlig enttäuscht hat. Heute besitze ich eine Lumix G3 und kann nicht viel daran aussetzen. Allerdings finde ich, dass Panasonics Kameras irgendwie die Kamera-Seele fehlt; das ist aber ein sehr subjektives Empfinden und kein Hard-Fact.

Fuji T400 Black Front

Fujis Objektive und Sensoren genießen einen hervorragenden Ruf. Persönlich finde ich in ihrem Angebot an kompakten Geräten aber nichts was ich mir persönlich näher ansehen würde. Das soll aber nichts über die generellen Leistungen von Fujis kleinen Geräten sagen. Schließlich kann man nur objektiv über eine Kamera urteilen, nachdem man ausgiebig praktische Erfahrungen damit gemacht hat.

Pentax RZ18 black face

Pentax ist ein alter Hase auf dem Feld der Kamerahersteller. Die paar Pentax Optio-Modelle die ich bislang in Händen hatte, habe ich aber rasch wieder weg gelegt. Die Materialanmutung roch mir zu sehr nach billigem Plastik. Das muss allerdings nichts über die Qualität der Kameras selbst aussagen. Mir persönlich ist halt eine angenehme Haptik und wertiges Material wichtig.

Kompaktkameras für den sportlichen Einsatz

Wer sportlich unterwegs ist und seiner Kamera harte Stöße, Stürze, Feuchtigkeit oder gar Nässe zumuten möchte oder muss, für den gibt es heute auch bereits ein breiteres Angebot an Kameras. Einige Kameras bieten zusätzlich sogar GPS, was bei diesen Modellen, da ja oft im Outdoor-Sport und auf Reisen Einsatz finden, wohl auch besonders sinnvoll sein mag.

Pentax WG2GPS Orange a2

Hätte Batman eine Kamera würde sie wohl so aussehen wie diese Kamera von Pentax. Zumindest wenn sie komplett schwarz wäre. Und tatsächlich habe ich sie schon in ganz schwarz gesehen. Nicht aber auf der Website von Pentax. Schlagfest. Wasserfest. Und mit GPS. Leider hat die WG2 GPS nur 28mm+ Brennweite. 24mm wäre mir sympathischer für eine Kamera mit so klar deklariertem Outdoor-Einsatz.

Nikon AW100 CM front

Die Nkon AW100 ist anhand der technischen Eckdaten vergleichbar mit der Pentax oben. Allerings unglaublich hässlich, im hier abgebildeten H.C.-Look für die Fotos von drei-Biere-bitte-Bestellungen bei den paramillitärischen Paintball-Übungen in den heimischen Wäldern und Bierstuben. Glücklicherweise gibt es das Gerät auch in mattschwarz mit Hammerschlagstruktur, und damit sieht sie richtig cool aus – entwickelt dann eher eine Art Ninja-Ästhetik.

Olympus TG 620 black still 1

Eigentlich gebührte es Olympus in der Reihe der toughen Kameras als erstes genannt zu werden, denn soweit ich mich erinnern kann, waren sie in diesem Feld als erstes am Platz.

Panasonic presse 364 905 2

Kürzere Brennweiten als 28mm findet man bei Panasonic. Die DMC-FT20EG-K (einen freien Kaffee für alle, die sich den Namen bis morgen merken) beginnt bei 25mm und endet bei 100mm. Andere Modelle gehen von 28mm–128mm. Leider finden sich auch hier nur Pixelmonster mit 14–16 Megapixel.

YELLOW POWERSHOT D20 FRT

Canon hat zwar schon jetzt ein wasserfestes Gehäuse am Start, allerdings mit einer Brennweite von 35mm+ (und dem Look eines aufgeblasenen Schweinchens im Taucheranzug. Die neue D20 kommt ab Mai 2012 mit einer Anfangsbrennweite von 28mm. Nicht ganz mein Wunschwert von 24mm+. Dafür finde ich aber die 12 Megapixel smart. Wetten, dass Canon aus diesen 12MP mehr Bildqualität herausholt, als die anderen Kollegen aus 14 und 16?
Tipp: Wer warten kann und nicht auf Biegen und Brechen mehr Weitwinkel, als 28mm, haben muss, sollte bis Mai warten und einen Blick auf diese Kamera werfen. Es könnte sich lohnen.

Kompakte für ambitionierte und anspruchsvolle Fotografen

Kompaktkameras für anspruchsvollere Fotografen zeichnen sich oberflächlich betrachtet dadurch aus, dass sie Wahlräder für Blenden- und Zeitvorwahl, manuelle Belichtungseinstellung und einen schnellen Zugriff auf Belichtungskorrektur ermöglichen. Die Darstellung eines Histogramms nach der Aufnahme muss selbstverständlich sein.

Weniger ist mehr | Interessant ist, wie bereits erwähnt, dass diese Kameras trotz des höheren Preises meist weniger Megapixel haben, als die preiswerteren Basismodelle. Der erfahrende Fotograf weiß, dass er dennoch – oder gerade deshalb – mehr Bildqualität erwarten darf. 16 Megapixel bei kompakten mit winzigen Sensoren darf man ruhig als Marketing-Gag betrachten, der vom Markt allerdings dankbar angenommen wird.

Nicht nur die geringere Auflösung verbessert die Aufnahmeeigenschaften, auch die meist schon etwas größeren Bildsensoren im Bereich von 8×6mm. Zwar reicht das Sensorformat bei Weitem nicht um großartig kreativ mit Blende und Schärfentiefe spielen zu können, aber zumindest das Rauschverhalten entwickelt sich gut bei weniger Auflösung bei größerem Sensorformat.

Das Problem bei kleinen Sensoren und großer Auflösung ist, dass sich Bildrauschen oft auch unter guten Lichtbedingungen in schattigen Bereichen nicht vermeiden lässt. Die Software der Kamera steuert diesem Umstand gegen, dass sie mit aggressiven Rauschreduzierungs-Algorithmen drüber fährt. Das macht aber das Bild noch unschärfer, als es durch das Rauschen ohnehin schon wird. Deshalb wird das Bild anschließend wieder aggressiv nachgeschärft. Werden die Bilder zusätzlich noch durch kräftige JPEG-Komprimierung auf geringe Dateigröße zusammengestaucht, dann fallen die Resultate noch schlechter aus. Ein Bild, das mit 10 Megapixel aufgenommen wurde, nur maßvoll JPEG-komprimiert und in Photoshop auf 16 oder 18 Megapixel aufgeblasen wird, wird mit ziemlicher Sicherheit besser ausfallen, als ein Bild aus einer 16-MP-Kamera, das durch den beschriebenen Rausreduzierungs-Scharfzeichnungs-Komprimierungs-Fleischwolf gejagen wurde.

Raw | Noch besser, und für mich ein absolutes Go-/Nogo-Kriterium, ist es, wenn es die Kamera erblaubt Bilder gleich im Raw-Format zu speichern. Wenn der Bildsensor etwas taugt, kann der Fotograf damit in einem Raw-Entwicklungsprogramm, wie Lightroom, Aperture oder Capture One das Maximum aus den digitalen Negativen herausholen.

Nikon P7100 front lc

Modelle, wie die Nikon P7100, richten sich an besonders anspruchsvolle Fotografen. Sie bieten schnellen Zugriff auf wichtige Einstellungen über Schalter, woraus man aber nicht schließen darf, dass man die Flexibilität einer Spiegelreflex erreicht. Den Funktionsumfang bezahlt man hier aber dafür mit einem Volumen und Gewicht, dass die Kamera nicht mehr ganz kompakt ausfallen lässt.
Ich hatte vor einiger Zeit das Konkurrenzmodell von Canon, zur P7000 (dem Vorgänger der P7100). Ein durchaus toller Apparat. Allerdings war dessen Hauptargument in meinem Augen – der optische Sucher – so klein, dass er sich für die Praxis als praktisch unbrauchbar herausgestellt hat. Ob das auf die Nikon P7100 ebenfalls zutrifft kann ich nicht sagen. Persönlich stelle ich mir unter eine Kompaktkamera etwas kompakteres vor und würde mich nicht mehr für die Canon Powershot G12 entscheiden.

Canon S100 FRT HOR BLK

Kompaktkamera-Empfehlung: Es gibt eine schier unüberschaubare Anzahl an Kompaktkameras am Markt. Die meisten werden Durchschnitt sein. Manche sind Stark, haben aber natürlich ihre Schwächen. Die Canon S95 durfte ich über ein paar Wochen testen und die kleine konnte mich echt begeistern. Sie hat dieselben Qualitäten wie Canons Kompakt-Flaggschiff G12, allerdings in einem tatsächlich kompakten Gehäuse. Dabei ist sie komfortabel zu bedienen und gibt dem Fotografen alle wichtigen Einstellungen in schnellen Zugriff. Vor allem gehört sie aber zu den nach wie vor wenigen Modellen, die in einem sehr kleinen und schicken Gehäuse, die Möglichkeit bieten, die Bilder als Raw zu speichern. Und das, was ich aus den Raw-Dateien rausgeholt habe, war um vieles besser, als die JPEG-Dateien, die die Kamera speichert und die auch nicht schlecht sind.
Die Nachfolgerin der S95 ist die links abgebildete S100. Diese hat zwar 12, statt 10 Megapixel, aber ich gehe jetzt einfach einmal davon aus, dass es sich Canon für diese Kamera gut überlegt hat, die Auflösung zu erhöhen. Ich würde zumindest keine Verschlechterung erwarten, denn die technische Entwicklung bleibt ja nicht stehen.

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Wer es nicht ganz so kompakt haben muss, wie bei der Canon S100, der sollte sich auf jeden Fall die Fuji X10 ansehen. Die Kamera ist im trendigen, aber auch funktional absolut sinnvollen, Retro-Look gehalten. Die Materialanmutung ist edel – man nimmt die Kamera gerne zur Hand. Der Sensor ist mit 8,8×6,6mm für eine Kompakte sehr groß, mit allen günstigen Eigenschaften die damit verbunden sind. Der Einschaltmechanismus ist schlicht Wegs genial. Natürlich können die Bilder in Raw gespeichert werden.
Auch bei den Kollegen der Foto-bloggenden Zunft genießt sie einen recht guten Ruf.

XZ 1 black front XL

Wer nach einer anspruchsvollen Kompakten sucht und die X10 von Fuji bereits als zu groß empfindet, der sollte neben der S100 von Canon auch die XZ-1 von Olympus in Betracht ziehen. Diese Kamera weißt eine absolut beeindruckende Lichtstärke auf. Lediglich die P310 von Nikon würde mir noch mit derselben Lichtstärke einfallen (die Fuji X10 bringt es zwar nur auf ƒ2.0, statt ƒ1.8 im Weitwinkel, ist aber mit ƒ2.8 im Telebereich insgesamt besser). Gegenüber der Nikon hat die Olmpus allerdings den Vorteil Raw als Dateiformat anzubieten, weshalb die Nikon für mich in dieser Klasse der anspruchsvollen Kompakten auch ausfällt.

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Im schnelllebigen Digitalkameramarkt bereits ein etwas älterer Knabe aber noch immer gut beleumundet ist die Lumix LX5 von Panasonic.

Weiter zum 4. Teil: Kompakte Exoten

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Die Frage nach der richtigen Kamera stellt sich jedem, für den ›drauf halten und abrücken‹ nicht ausreicht. Die Frage nach der Marke sollte dabei zunächst nebensächlich sein. Vielmehr sollte man nach dem passenden Modell Ausschau halten, ganz egal welcher ›Brand‹ auf dem Gehäuse prangt.

Ausschlaggebend für die Entscheidung ist vor allem wo und wie man welche Motive fotografieren möchte.

Frage 1: Wo

Mit der Frage nach dem ›wo Fotografieren‹ meine ich vor allem, wie einen die Kamera zur ›Location‹ begleiten soll. Begibt man sich speziell zum Zweck des Fotografierens an einen bestimmten Ort und geht es dann ausschließlich um das Fotografieren? Dann darf die Kamera auch ein ordentliches Volumen und Gewicht haben. Man wird vielleicht sogar eine ganze Kameraausrüstung mitschleppen.

Oder fotografiert man eher bei Gelegenheit und Beiläufig wenn sich Motive gerade erbeben? Dann ist natürlich vor allem wichtig, dass die Kamera dabei ist. Dann brauche ich also eine Kamera, die klein genug ist, um in die Jacken- oder Handtasche zu passen.

Natürlich wäre es schön, wenn man aus der kleinsten, schicksten und leichtesten Kamera dasselbe herausholen könnte und wenn sie genauso ergonomisch zu bedienen wäre, wie das bei großen und schwereren Kameras der Fall ist. Doch wer sich für ein möglichst kleines Gerät entscheidet, muss sich bewusst sein: Je kleiner das Gerät, desto mehr muss man mit qualitativen, gestalterischen und ergonomischen Einschränkungen rechnen. Diese Erkenntnis ist wichtig: Nicht nur die Qualität ist (etwas) und die Bedienung (deutlich) eingeschränkt, sondern vor allem auch der gestalterische Spielraum.

Frage 2: Wie

Schicke, kleine Kompaktkameras decken kaum eine Handfläche ab. Zum schnellen draufhalten auf ein Motiv ist mehr Ergonomie nicht unbedingt notwendig. Doch wer ausgedehnt fotografieren will, wird schnell merken, dass diese kleinen Geräte der Hand wenig Griffigkeit anbieten. Man hält sie mit den Fingern und bei längerem Fotografieren eher etwas verkrampft. Verkrampft heißt unruhig. Und unruhig ist für scharfe Fotos eher nicht so optimal.

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Schick und klein, aber ohne Ergomie für lange Foto-Sessions – die Komapktkamera.

Möchte man außerdem kreativ mit einem Fotoapparat arbeiten, ist es am besten für möglichst viele Einstellungen möglichst viele Knöpfe direkt am Gehäuse zu haben. Bedienung über Hardware, sozusagen, und nicht über die Software-Menüs, die sich am Display darstellen lassen. Kamera-Einstellungen über Menüs stören den Fluss des Einstellens und Fotografierens. Doch kleine Kameras haben, sofern sie überhaupt die Möglichkeit bieten wichtige Einstellungen über Knöpfe und Drehräder vorzunehmen, wenig Platz für diese. Sie sind dann meist zu klein und liegen zu dicht aufeinander.

X S1 UP 24mm

Zu groß für die Hand- und viel zu groß für die Jackentasche. Aber ergonomisch geformt für viel Spaß beim langen Fotografieren (Abbildung: Fuji X-S1).

Kameras, die nicht nur für das gelegentliche Schnappschießen gedacht sind, sind deshalb meist größer, so dass sie ein oder zwei Hände gut ausfüllen können – mit zwei Händen hält sich die Kamera einfach besser. Außerdem braucht man für kreativ gestaltendes Fotografieren auch eine Hand fürs Zoomen und Scharfstellen und die andere für Blendeneinstellungen, Zeiteinstellungen, Belichtungskorrekturen, etc.

Die größeren Gehäuse sind auch schwerer. Was als Nachteil für den Transport und ermüdend klingen mag, ist für das Fotografieren ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Denn mehr Gewicht liegt satter in Händen, stabilisiert die Kamera und sorgt somit für mehr unverwackelte und scharfe Bilder.

Auf den größeren Gehäusen lassen sich viele gut ertastbare Schalter und Wählräder bei ausreichendem Abstand unterbringen. Das macht die Arbeit mit diesen Geräten um Welten angenehmer.

Wie gesagt: Fürs draufhalten und abdrücken ist das alles kein Thema. Aber wer ausgiebige Foto-Sessions und -Safaris mit kreativer Bildgestaltung plant, der sollte lieber nicht zur kompaktesten Lösung greifen.

Frage 3: Was

Die dritte Frage ist: Was möchte ich fotografieren? Welche Art von Motiven? Dabei würde ich drei grundlegende Gruppen unterscheiden.

Landschaft und landschaftähnlich

Das klassische Landschaftsbild besteht aus Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. Alle drei sollen scharf abgebildet sein – die Schärfe soll also von ganz vorne bis ganz hinten reichen. Man spricht dann von großer Schärfentiefe.

Was für Landschaften gilt, gilt grundsätzlich auch für Orts- und Städteansichten – das meine ich dann mit landschaftsähnlich. Auch wenn ich einen Raum fotografiere, oder eine Party, möchte ich wohl meist von vorne bis hinten alles scharf abgebildet haben.

Die Schärfentiefe hängt von verschiedenen Faktoren ab: dem Abstand zum Motiv, der Brennweite, der sogenannten Blende und vom Format des Bildsensors.

Je kleiner der Bildsensor, desto größer fällt die Schärfentiefe aus.

Für Landschaften und landschaftähnliche Motive, bei denen viel Schärfentiefe von vorne bis hinten gewünscht ist, sind auch Kameras mit sehr kleinen Bildsensoren durchaus gut geeignet. Wenn das Licht geht kann die Kamera und der kleine Aufnahmesensor sogar ein Vorteil sein, weil man die sogenannte Blende offen lassen kann, somit das noch vorhandene Licht besser ausnutzt und trotzdem eine hohe Schärfentiefe erzielt. Bei einer Kamera mit großem Bildsensor hat man die Wahl zwischen offener Blende, die das vorhandene Licht gut ausnutzt, und kurzer Schärfentiefe, oder geschlossener Blende, was zwar die Schärfentiefe erhöht, aber nicht mehr viel Licht zum Sensor lässt und somit längere Belichtungszeiten erfordert.

Kleiner Sensor, großer Sensor

Kleine Kompaktkameras und große Kameras – zum Beispiel Spiegelreflexkameras – unterscheiden sich vor allem auch durch die Größe des Bildsensors. Der Bildsensor ist das Aufnahmemedium. In der analogen Fotografie ist das der Film.

Eine Spiegelreflexkamera hat in fast allen Fällen einen um ein mehrfaches größeren Bildsensor als eine Kompaktkamera. Damit ist nach Stand der Technik vor allem etwas mehr Detailschärfe und weniger störendes sogenanntes Bildrauschen möglich. Größere Sensoren erlauben also insgesamt im Detail etwas mehr Bildqualität (was allerdings, abgesehen von Extrembedingungen, bei einer Wiedergabe unter A4 eher marginal ins Gewicht fällt). Vor allem aber erlauben diese größeren Bildsensoren viel mehr Spielraum zwischen wenig und viel Schärfentiefe. Geringe Schärfentiefe (wie in der nächsten Abbildung weiter unten) ist mit Kompaktkameras schwer zu erreichen (nur durch extrem kurzen Abstand oder extrem lange Brennweite).

Doch da bei Landschaft und landschaftähnlich große Schärfentiefe gewünscht ist, erreichen die kleinen Kompakten bei solchen Motiven dennoch Resultate, die jenen von Spiegelreflexkameras kaum nachstehen. Erst bei sehr großen Ausdrucken und bei sehr genauem Hinsehen wird man die Unterschiede deutlich ausmachen können.

Kompaktkameras sind somit für alle gut geeignet, die gerne Landschaften, Plätze, Gärten und Parks, Orte, Städte und Gassen fotografieren, jedoch auf das letzte Maß an anspruchsvoller Qualität zugunsten des leichten Transports verzichten können. Somit sind Kompaktkameras zum Beipsiel gute Reisekameras. Sie erreichen zwar die Güte ihrer großen Geschwister nicht ganz, doch je größer die Kamera, desto lieber und öfter wird man wohl ohne sie aus dem Haus gehen. Und die Kamera, die daheim im Schrank liegt, macht keine besseren Bilder, sondern gar keine!

Porträt und porträtähnlich

Anders sieht es aus, wenn man gerne Leute porträtiert. Bei einem Porträt geht es vor allem darum eine Person, einen Kopf, ein Gesicht zu zeigen. Alles andere würde bei diesen Aufnahmen nur stören und ablenken. Ein unruhiger, penetranter Hintergrund ist der Tod einer jeden gelungen Aufnahme einer Person. Deshalb hat man für diese Motive gerne eine geringe Schärfentiefe. Bei kurzer Schärfentiefe erscheint nur die Person scharf am Bild und der Hintergrund ist unscharf, lenkt nicht mehr vom Hauptmotiv ab und stört auch nicht mehr.

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Porträt. Die Person ist durch kurze Schärfentiefe vom Hintergrund ›freigestellt‹.

Was für Porträts gilt, lässt sich auf alle Objekte übertragen, die nicht wesentlich größer als eine Person sind und die ich zeigen möchte, ohne, dass ihr Hintergrund sich wichtig macht.

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Porträtähnliche Situation. Das Hauptmotiv ist ebenfalls durch kurze Schärfentiefe vom Hintergrund freigestellt.

Leider ist beim kleinen Sensor einer Kompaktkamera die Schärfentiefe so gut wie immer so groß, dass man kaum in der Lage ist das Hauptmotiv durch Unschärfe vom Hintergrund freizustellen.

Ich bin mir sicher, dass darin der Grund liegt, weshalb so viele Leute das Gefühl haben eine Spiegelreflexkamera würde um Welten bessere Fotos machen, als eine Kompaktkamera. Wenn es um Porträts geht erzeugen sie tatsächlich auch im Automatikbetrieb bessere Aufnahmen, als es in vielen Fällen auch mit den ausgefeiltesten manuellen Einstellungen an einer Kompaktkamera möglich ist.

Doch wie gesagt: Auch wenn das für Porträt und porträtähnlich zutrifft, sind die qualitativen Unterschiede bei Landschaft und landschaftähnlich für den Laien oft gar nicht recht auszumachen.

Klein oder Porträt | Das ist eine ganz wichtige Frage. Möchte ich eine kleine Kamera zum immer-dabei-haben? Oder eine Kamera mit der sich tolle Porträts und Bilder von Menschen machen lassen? Beides geht nicht! (genau genommen gibt es kleine Kameras mit relativ großen Sensoren, die aber die absolute Ausnahme dieser Regel sind und meist in der Preisregion einer Einsteiger-Spiegelreflexkamera liegen).

Für den Wanderer stellt sich diese Frage nicht. Seine Motive werden zu einem großen Teil Landschaften sein. Zwar will er sicher auch ein paar Aufnahmen seiner Begleiter einfangen. Aber diese Art der Porträts geraten dann am gelungensten, wenn die Landschaft, in der gewandert wird, mit einbezogen und ebenfalls scharf abgebildet wird. Das heißt, dass bei diesen Porträts die Schärfentiefe groß sein darf oder sogar soll. Er ist also mit einer kompakten Kamera, die klein genug ist um nicht einmal im Rucksack verschwinden zu müssen und somit schnell zur Hand ist, gut bedient. Für den Wanderer ist eine kompakte Kamera also wohl in den meisten Fällen ein Gewinn. Zumindest, wenn man zu jenen Wanderern gehört, für die das Wandern die Hauptsache und das Fotografieren die Nebensache ist (es gibt ja auch Wanderer, für die das Fotografieren die Hauptsache und das Wandern eher die Nebensache ist). Auf den Städtebummel und auf die Reise lässt sich das natürlich genauso übertragen.

Wer aber den Menschen, Objekte zwischen Blumen- und Menschengröße, oder auch Tiere in den Mittelpunkt seines fotografischen Interesses stellt, wird mit einer Kompaktkamera und ihrem kleinen Bildsensor keine langfristige Freude haben. Hier kommt man um eine Spiegelreflex, oder eine sogenannte Systemkamera mit ausreichend großem Bildsensor einfach nicht herum.

Zu einer Spiegelreflex oder Systemkamera würde ich auch den Mamas und Papas raten, für die der Nachwuchs das liebste Motiv darstellt – die Fotos werden einfach besser und machen wohl ein Leben lang mehr Freude. Natürlich darf man sich hier die Frage stellen, ob man diese doch schon mehr oder weniger großen Geräte dann wirklich immer dabei hat, wenn Bambam oder Pebbles gerade wieder ihre herzigsten Momente an den Tag legen. Aber seien wir mal ehrlich: Welche Kamera hat man immer dabei? Richtig: Das Smartphone. Und die Qualität der Kameras von Smartphones sind heutzutage absolut Schnappschusstauglich. Man macht dann halt die Erinnerungsschnappschüsse mit dem Telefon und die Hammerbilder mit der Großen.

Marko und die Welt des Kleinsten

Eine dritte Gruppe der Motive stellen Makroaufnahmen von winzigen Motiven dar. Der Besitzer einer Spiegelreflexkamera steht hier vor zwei Problemen:

  1. Normale Objektive für Spiegelreflexkameras verlangen einen reltaiv großen Mindestabstand zum Motiv. Das können 20cm, 40cm oder auch 100cm sein. Damit kommt man gar nicht nahe genug an winzige Motive heran um sie formatfüllend abzubilden. Der Spiegelreflex-Makrofotograf muss also in spezielle Makroobjektive investieren und diese kosten meist ein mehrfaches einer normalen Kompaktkamera.
  2. Auf Grund der geringen Schärfentiefe der mittelgroßen bis großen Bildsensoren dieser Kameratypen gerät bei der normalen Automatikeinstellung die Schärfentiefe so kurz, dass es kaum möglich ist, einen Käfer von vorne bis hinten scharf abzubilden. Die Schärfentiefe ist oft sogar so kurz, dass es kaum möglich ist das Facettenauge kleiner Käfer von vorne bis hinten scharf abzubilden und aus freier, unruhiger Hand ist es ein Glücksfall den Punkt maximaler schärfe dorthin zu bekommen, wo er sein soll: auf die Augen.
    Makrofografen mit Spiegelreflexkamera fotografieren deshalb oft mit Blitzen oder Stativen – oder beidem zusammen (der Grund dafür würde für diesen kleinen Leitfaden etwas zu weit führen).

Wer also gerne kleine Blüten, Schmetterlinge, Käfer und andere Winzigkeiten fotografiert, kann mit einer Kompaktkamera und ihrer von Haus aus großen Schärfentiefe viel leichter und bequemer beeindruckende Ergebnisse erzielen. Ich rate deshalb jedem, der Makro liebt und nicht den Aufwand mit Spezialobjektiven, Stativen und Blitzen treiben will, sich für eine Kompaktkamera zu entscheiden. Speziell die sogenannten Birdgekameras bilden hier oft hervorragende Arbeitsgeräte, die auch hohen Ansprüchen gerecht werden.

Die Grundsätzliche Entscheidung

Wer sich auf die Suche nach einer Kamera begibt muss also die Grundsatzentscheidung treffen, zwischen bevorzugten Motiven – landschaftähnlich, porträtähnlich oder Makro – bevorzugter Arbeitsweise – gelegentlich Fotografieren oder ausgedehnte Shootings – und Portabilität – immer dabei oder maximale Qualität und kreative Flexibilität. Wer sowohl ausgedehnte Porträt-Shootings und immer-dabei haben möchte, kommt um die Anschaffung (mindestens) zweier Kameras nicht herum.

Sonstige Kriterien

Natürlich gibt es noch weitere Kriterien. Zum Beispiel wäre die Bedienbarkeit über Hardware-Schalter und -Einstellräder genannt, die bereits angesprochen wurde. In dem Zusammenhang vor allem, wie viele Schalter vorhanden sind, was sich damit bedienen lässt und wie man sie vielleicht mit Individuellen Funktionen belegen kann.

Touch-Display | Neuere Kameras bieten zunehmend die Möglichkeit der Bedienung über ein Touch-Display, also wie bei einem Smartphone. Das ist etwas komfortabler als die Bedienung über kleine Kippschalter und Menüs, bietet zudem ganz neue Möglichkeiten (zum Beispiel mit einem Tipp auf das Display auf einen Punkt scharf zustellen und sogleich auszulösen), kommt aber an echte Schalter, die sich auch blind ertasten lassen, nicht ran.

Wechselobjektive | Ob sich die Objektive wechseln lassen ist natürlich auch ein ganz schwer gewichtiges Kriterium. Allerdings sollte man nicht grundsätzlich dem Schluss verfallen, dass eine Kamera mit der Möglichkeit Objektive zu wechseln grundsätzlich die bessere Entscheidung ist. Wie immer gilt: Es kommt drauf an. Und die Frage nach einem fix verbauten Objektiv, oder mit einem Anschluss für Wechselobjektive würde ich erst als vierten Schritt stellen, nachdem ›wie‹, ›wo‹ und ›was‹ geklärt ist.

Dateiformat | Da ich nicht nur die fotografische Gestaltung, sondern auch die Bildentwicklung, selbst kontrollieren möchte, ist für mich das Speicherformat noch eine ganz wichtige Zusatzfrage. Kompaktkameras bieten mit wenigen Ausnahmen nur das JPEG-Format als Speicherformat an. Wenn man selbst nicht in die Ausarbeitung eingreifen möchte, dann ist das auch perfekt. Doch für die Nachbearbeitung und Optimierung am Computer bietet es viel zu wenig Spielraum. Hier ist das sogenannte Raw-Format einfach besser. Bei Spiegelreflex- und Systemkameras ist das selbstverständlich. Bei Kompaktkameras gibt es diese Option hingegen nur selten.

Weiter zu Teil 2: Megapixel und so

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Seit vielen Monaten treibt mich die Suche nach einer kompakten immer-dabei-Kamera um. Gewöhnlich fotografiere ich mit der Nikon D700. Ein tolles Arbeitsgerät, aber zum Mitnehmen etwas klobig. Besonders wenn man auch noch entsprechende Objektive anschraubt.

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G’scheiter Brocken, die Nikon D700; Bild: © Nikon GmbH

Kompaktkameras und das Schärfentiefe-Problem

Zuletzt hatte ich gehofft in der Powershot S95 beziehungsweise Powershot G12 die Antwort auf meine Bedürfnisse gefunden zu haben. Die zwei Kleinen von Canon sind klasse Kompaktkameras, deren Qualität kaum etwas zu bemängeln gibt, so lange man berücksichtigt, dass sie nur etwa die Hälfte einer Einsteiger-DSLR mit Objektiv kosten. Wäre da nicht der kleine Sensor!

Das Problem ist weniger das Rauschen, wie wohl Viele vermuten würden, sondern vielmehr der kaum vorhandene Spielraum bei der Schärfentiefe. Blendenvorwahl hin und manuelle Einstellung her. Wenn ich bei 50mm Brennweite, Blende ƒ2.8 und 6m Entfernung bereits eine Schärfentiefe von 1,5m habe, dann lässt sich damit kaum mehr etwas Freistellen oder kreativ mit der Schärfentiefe gestalten. Zum Vergleich: Die Nikon D700 hat mit denselben Einstellungen eine Schärfentiefe von 26cm. (Sollte das jetzt ein spanisches Dorf sein, dann verschafft vielleicht mein Artikel über Sensorformate uns Schärfentiefe mehr Klarheit.)

Was meine immer-dabei-Kamera können soll

Wonach ich konkret suche? Nach einer Kamera für unterwegs mit Eignung zur Street Photography. Das heißt: Klein, leicht, unauffällig und leise. Allerdings mit all den Einstellmöglichkeiten, die man von einer Profi-DSLR gewohnt ist. Bei meiner D700 heißt das zwei Einstellräder, um Blende und Zeit beim Fotografieren im manuellen Modus rasch justieren zu können. Außerdem schätze ich eine AF-On-Taste. Je mehr Einstellungen über Hardware-Knöpfe vorgenommen werden können, desto besser. Menügeführte Einstellungen scheinen mir immer ein Klotz am Bein zu sein.

Dann bin ich es gewöhnt mit meinen DSLRs über den Sucher zu fotografieren. Die Vorstellung, eine Kamera mit mehr oder weniger ausgestreckten Armen vor meinen Kopf zu halten, gefällt mir absolut nicht. Das hat vor allem damit zu tun, dass ich mir kaum eine Kamerahaltung vorstellen kann, bei der es schwieriger ist die Kamera ruhig zu halten. Wenn schon über Display fotografieren, dann ziehe ich es vor die Kamera vor meine Brust oder meinen Bauch zu halten, wie es mit einem Klappdisplay möglich ist. Überhaupt habe ich mit der Powershot G12 die Qualitäten eines Klappdisplays wieder sehr zu schätzen gelernt – es macht ungewöhnliche Perspektiven einfach einfacher.

Street Photography Enthusiasten werden jetzt anmerken, dass ich mir doch eine Leica M9 kaufen soll, wenn ich eine kompakte, professionelle Kamera mit großem Sensor und Sucher suche. Aber ehrlich: 5000 Euro für eine Zweitkamera will ich mir einfach leisten.

Kompakte mit großem Sensor und fixem Objektiv

Was am Markt bisher so gut wie nicht vorhanden ist, sind Kompaktkameras mit mit Sensoren in einem Format, wie sie in Spiegelreflexkameras verbaut werden. Zwei der wenigen Ausnahmen sind die Fuji X100 und die DP-Serie von Sigma. Leider sind die Geräte hier zu Lande schwer für Tests in die Finger zu bekommen. Ich muss aber auch gestehen, dass ich mich mit beiden Konzepten nicht so ganz anfreunden kann, auch die Geräte sicherlich hervorragenden Qualitäten haben.

Fuji x100

Fuji Finepix X100; Bild: © Fuji Deutschland

Sigma dpx2

Sigma DP2X; Bild: © Sigma Deutschland

Systemkameras

Interessant sind natürlich die sogenannten Systemkameras. Das sind Kameras, bei denen man die Objektive wechseln kann, die aber nicht über einen optischen Sucher verfügen, wie eine Spiegelreflexkamera. Solche Systeme werden heute im Wesentlichen von Olympus, Panasonic, Sony und Samsung angeboten.

Panasonics G-Modelle

Bei Panasonic findet man derzeit drei Modelle im besonders kompakten Micro FourThirds-Standard. Die G3 ist die Größte im Trio und erinnert im Design an eine SLR. Sie hat auch tatsächlich einen Sucher, der allerdings nicht optisch funktioniert, sondern über ein hochaufgelöstes, elektronisches Display im Inneren. Alternativ kann man allerdings auch über ein Klappdisplay fotografieren, das als Besonderheit Touch-Funktion bietet. Es kann also wie ein Smartphone mit dem Finger am Display bedient werden.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich eine Kamera über ein Touchdisplay trotz menügeführter Bedienung effizient einstellen lässt. Im Gegensatz zu Menüs, durch die man sich über Info-, Funktions-, Set-, Menü-, Kipp- und Drehtasten quälen muss. Leider ist die G3 nicht wirklich wesentlich kompakter als meine kleine DSLR.

Als Alternative bietet Panasonic die Lumix GF2 und die noch kleinere GF3 an. Allerdings haben beide weder einen Sucher, noch ein Klappdisplay und sind über ein paar Steuerungstasten menügeführt zu bedienen. Ohne Touch-Display!

Panasonoc Image DMC GF2k

Panasonic Lumix GF2; Bild: © Panasonic Deutschland

Was mit beim Stöbern im Angebot von Panasonic aufgefallen ist: Auf der Panasonic-Homepage merkt man, dass man bei einem Anbieter von Unterhaltungselektronik ist, der auch Kameras im Programm hat. Im Gegensatz zu den Websites von Olympus, Sigma und Nikon, wo man spürt, dass Kamerablut durch die Kabel fließt, fühlt man sich speziell bei Panasonic als Fotograf nicht ganz ernst genommen. So ist es mir zum Beispiel bei einem Objektiv nicht gelungen herauszufinden, was für eine Naheinstellgrenze es hat. Auch nicht nach Herunterladen des Datenblattes. Ähnliches empfindet man übrigens auch, wenn man Sony besucht. Auch hier ist Fotografie ein Thema von vielen.

Sonys NEX-System

Sony hat vor einiger Zeit mit der NEX-Reihe eigene Systemkameras auf den Markt gebracht und sehr erfolgreich eingeführt. Leider ist das Angebot an Objektiven für dieses System noch mehr als überschaubar. Die einzige für mich infrage kommende Brennweite stellt ein 16mm Objektiv (24mm KB) dar. Allerdings haut mich eine Lichtstärke von ƒ2.8 wirklich nicht aus den Socken.

Sony nex 5

Sony NEX 5; Bild: © Sony Europe

Limited

Andererseits hat Sonys NEX den Vorteil mit einem Klappdisplay ausgestattet zu sein. Deshalb wollte ich ein solches Gerät schon einmal in die Hand nehmen, bevor ich es als für mich ungeeignet abhake. Allerdings haben meine Versuche die Kamera zu bedienen mein Vorurteil bestätigt, dass menügeführte Kamerabedienung für einen ambitionierten Fotografen keine Lösung ist.

Ich habe versucht der Kamera Einstellungen beizubringen, wie ich sie von einer DSLR her gewohnt bin. Leider bin ich kläglich gescheitert. Natürlich habe ich dazu kein Handbuch in die Hand genommen. Erschließt sich die Bedienung einer Kamera nicht von selbst, sollte man eher die Finger von ihr lassen. Jedenfalls, wenn man schon einige Kameras bedient hat. Als Einsteiger kommt man wohl nicht drumherum, einmal ein Handbuch zu lesen. Aber erfahrenden Fotografen sollte sich die Bedienung einer Kamera intuitiv erschließen. Es ist wie mit einem Auto: Es darf nicht so gestaltet sein, dass jemand der Autofahren kann, nicht damit fahren kann. Licht, Blinker, Scheibenwischer, Gas, Bremse, Warnblinker – alles muss sich an gewohnten Plätzen befinden und klar zu finden sein.

Dass ich eine Nikon bedienen kann ist klar. Schließlich fotografiere ich lange genug mit Nikon und ein Buch über eine Nikon zu schreiben hat auch geholfen. Doch auch mit den kompakten S95 und G12 von Canon bin ich sofort und ohne Blick ins Handbuch klargekommen. Die Menüführung der NEX5 hingegen hat sich mir nicht intuitiv erschlossen. Ich vermute einmal, dass Sony die NEX-Kameras dermaßen darauf getrimmt hat, Laien rasches Point-and-Shoot-Fotografieren zu ermöglichen, dass alles, was der erfahrene Fotograf sucht, aus dem Weg geräumt wurde. Diesen Eindruck hatte ich übrigens auch bei der Lumix GF2.

Samsungs NX100

So wie Panasonic, hat auch Samsung Systemkameras in SLR- und Kompaktkamera-Design im Programm. Die kompakte Variante heißt NX100 und ist mit durchaus interessanten Features ausgestattet, wie dem iFunction-Button. Man drückt eine Taste am Objektiv und kann dann verschiedene Einstellungen über einen Ring am Objektiv verändern. Das klingt sehr interessant und verlockend. Ob es sich in der Praxis bewährt ist natürlich eine andere Frage. Leider ist auch hier die Auswahl an Objektiven überschaubar und deren Lichtstärken hauen einen verwöhnten Nikon-Fotografen auch nicht um.

Olympus’ Pen-Modelle

Frischen Wind bringen nun die vor wenigen Tagen vorgestellten neuen Modelle der Olympus Pen-Serie. Die Olympus Pen-Reihe ist seit mehreren Jahren auf dem Markt. Die Pens lassen sich so bedienen, wie man es als routinierter Fotograf von einer Kamera erwartet. Bisher hat mich allerdings gestört, dass es weder eine Pen mit Sucher gab – außer einem teuren elektronischen Sucher zum Aufstecken, noch eine mit Klappdisplay.

Mit der Pen E-PL3 hat Olympus nun eine Kamera vorgestellt, die das bewährte FourThirds-System nutzt, eine Klappdisplay hat und insgesamt durchaus vielversprechend zu werden scheint.

Mir gefällt an der E-PL3 vor allem das schlichte und schicke Design, das auf Retro verzichtet und äußerst unauffällig daher kommen dürfte. Das Problem von NEX und NX100, ein zu knappes Objektiv-Angebot zu bieten, kann man dem FourThirds-Standard nicht nachsagen. Schließlich passen auch Panasonic-Objektive auf die Olympus FourThirds-Kameras und sogar Sigma bietet bereits Objektive mit FourThirds-Anschluss. Besonders interessant für Street Photography Ambitionierte: Das ebenfalls neu vorgestellte 12mm (24mm KB) ƒ2.0 mit manueller Fokussierung und Schärfentiefeskala.

Schade allerdings, dass die E-PL3 – anders als die E-P3 – keine zwei Einstellräder und auch kein TouchDisplay bietet. Da kommen mir wieder Bedenken bezüglich einer raschen und effizienten Bedienung. Allerdings kann ich es nicht erwarten die Geräte in die Hand zu bekommen und auszuprobieren, wie die Bedienung funktioniert und wie sie sich anfühlen.

Und was machen Nikon und Canon? Derzeit ist nichts von kompakten Systemkameras aus den Häusern der beiden Platzhirschen zu hören. Manche haben den Eindruck hier würden die Marktführer den Trend verschlafen. Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass sie ihre Konzepte einfach besonders gut durchdacht entwickeln um Lösungen auf den Markt zu bringen, wie man sie von ihnen erwartet und mit denen auch professionelle Fotografen zufrieden sind.

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Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Sehen wir uns die Erkenntnisse des letzten Artikels in der Praxis an: Die aus gewählter Brennweite und Distanz resultierende Schärfentiefe wird durch die Wahl der Blende angepasst beziehungsweise korrigiert. Möchte ich das eigentliche Hauptmotiv vor dem Hintergrund hervorheben führt eine geringe Abblendung (offene Blende) zu kurzer Schärfentiefe und weichgezeichnetem Hintergrund. Möchte ich sowohl den Vordergrund als auch den Hintergrund deutlich erkennbar abbilden, dann führt kräftige Abblendung (Blende schließen) zu großer Schärfentiefe und detailreicher Wiedergabe sowohl naher als auch ferner Elemente. Nach der kreativen Kernfrage über die gewünschte Perspektive folgt die kreative Kernfrage über die Schärfe.

Der Vergleich der beiden folgenden Abbildungen verdeutlich noch einmal den Unterschied in der Bildwirkung ob die Blende offen ist oder geschlossen.

Krabbler offeneblende

Die drei Stofftierchen sind hier bei Brennweite 28 mm und offener Blende ƒ2.0 fotografiert worden. Die Schärfentiefe ist kurz (kleine Blendenzahl = kurze Schärfentiefe).

Krabbler geschlosseneblende

Ebenfalls mit Brennweite 28mm aus derselben ­Distanz, jedoch mit Blende ƒ8.0. Die Schärfentiefe ist weit.

Noch einmal zur Erinnerung: Die Schärfentiefe resultiert nicht aus der Blendeneinstellung allein! Brennweite (siehe ›Schärfentiefe und Brennweite‹), Abstand (siehe ›Schärfentiefe und Distanz‹) und Sensorformat (siehe ›Sensorformat und Schärfentiefe‹) haben einen ebenso bedeutenden Einfluss wie die Blende.

Aber:

  • Die Distanz zum Motiv wird primär durch die Größe der abzubildenden Objekte bestimmt. Die Überlegung, welche Auswirkung eine bestimmte Distanz auf die Schärfentiefe der Aufnahme hat, spielt bei der Aufnahme keine Rolle. Oder anders gesagt: Kein Fotograf wird eine bestimmte Distanz wählen, nur weil er sich davon eine bestimmte Schärfentiefe erwartet.
  • Die Brennweite wird normalerweise ebenso wenig wegen ihrer Auswirkung auf die Schärfentiefe gewählt. Meist ist sie entweder Resultat aus einer langen Distanz, die der Fotograf nur mit Hilfe eines Teleobjektivs überwinden kann, einer kurzen Distanz, die eine Abbildung nur mit Weitwinkel erlaubt (zum Beispiel wenn man eine Fassade in einer engen Gasse fotografieren möchte), oder aber der Fotograf möchte mit der Brennweite eine bestimmte perspektivische Wirkung erzielen.
  • Das Sensorformat ist Resultat der Kaufentscheidung des Fotografen. Die wenigsten Fotografen nehmen drei, vier oder fünf Kameras mit unterschiedlichen Sensorformaten mit auf den Weg, um damit unterschiedliche Schärfentiefewirkungen erzielen zu können.

Deshalb bleibt als wichtigstes Werkzeug zur Steuerung der Schärfentiefe die Blende übrig.

Aber: Kompaktkamera | Da Kompaktkameras, wie bereits mehrfach in dieser Serie erwähnt, in der Regel sehr viel kleinere Sensoren haben, als Spiegelreflexkameras, erzeugen sie damit automatisch eine sehr viel höhere Schärfentiefe, als ihre größeren Brüder und Schwestern. Der Einfluss der Blende auf die Schärfentiefe ist bei diesen Kameras lediglich bei Aufnahmen aus nächster Nähe wirklich relevant (also bei Makro-Aufnahmen). Bei Canons Edel-Kompakten G12 beträgt die Schärfentiefe bereits bei einem Abstand von zwei Metern, 50mm Brennweite und Blende ƒ2.8 einen knappen Meter. Selbst wenn sich ein hässlicher oder nichtssagender Hintergrund fünf Meter hinter einer porträtierten Person befindet, erfolgt dessen Abbildung scharf genug um die Wirkung des Bildes zu zerstören. Zum Vergleich: Bei einer Kleinbildkamera beträgt die Schärfentiefe auf dieselbe Distanz, mit derselben Brennweite und derselben Blendeneinstellung 14cm. Alles was sich einen Meter oder mehr dahinter befindet wird schon dermaßen weichgezeichnet, dass es kaum mehr zu erkennen ist. Eine porträtierte Person ist dadurch deutlich vom Hintergrund freigestellt.

Das ist der Irrtum vieler Fotografen, die sich für eine Kompaktkamera mit kreativen Einstellmöglichkeiten entscheiden. Sie erwarten mit Einstellmöglichkeiten für Zeitvorwahl, Blendenvorwahl und manueller Belichtungseinstellung ähnliche Ergebnisse erzielen zu können, wie an einer SLR. Doch solange die Bildsensoren so klein bleiben wie sie derzeit bei kompakten sind, ist der nutzen dieser kreativen Modi bei einer Kompakten fast zu vernachlässigen.

Die meisten ambitionierten SLR-Fotografen fotografieren im Belichtungsprogramm Blendenvorwahl, weil sie durch bewusste Auswahl der Blende die Schärfentiefe kreativ gestalten können. Sie lassen die Blende für kurze Schärfentiefe offen oder schließen sie für weite Schärfentiefe. Bei einer Kompakten bringt das meist wenig.

Das soll die Leistung moderner Kompakter nicht schmälern. Aber wer die Anschaffung einer Kamera plant sollte sich auch solcher Grenzen bewusst sein und wer eine Kompakte besitzt sollte die Einschränkungen noch vielmehr kennen.

Der Besitzer einer Kompaktkamera kann die Brennweite nicht frei wählen, wenn er ein Motiv durch kurze Schärfentiefe freistellen will. Eine akzeptable Freistellung erreicht er nur mit einer langen Brennweite – 100mm, 150mm oder mehr. Während der Spiegelreflex-Fotograf dem 4-Schritte-Konzept folgen kann, Distanz und Brennweite wählt und dann die Schärfentiefe über die Blendeneinstellung großzügig beeinflussen kann, muss der Kompaktkamera-Fotograf die Brennweite für die kreative Gestaltung der Schärfentiefe heranziehen. Sehr oft heißt es dann entweder Wunsch-Perspektive oder Wunsch-Schärfentiefe.

Wenn ich also eben behauptet habe, dass die Schärfentiefe vom Fotografen praktisch ausschließlich mit Hilfe der Blende gestaltet wird, gilt das in erster Linie für Fotografen mit Spiegelreflexkameras und Kameras mit vergleichbar großen Bildsensoren. Der Fotograf mit einer Kompaktkamera hingegen wird sehr wohl gelegentlich die Brennweite nutzen, um die Schärfentiefe kreativ zu beeinflussen. So wähle ich beim Porträt einer Person mit einer Kompakten ganz bewusst eine lange Brennweite (oft eine deutlich längere, als ich mit Spiegelreflex nutzen würde), damit ein allfällig unruhiger Hintergrund zumindest einigermaßen unscharf und das eigentliche Modell somit freigestellt wird.

Cent1

Aufnahme mit der Kompaktkamera Canon PowerShot G12 bei 140mm Brennweite (KB). Die lange Brennweite sorgt hier für den unscharfen Hintergrund und eine sachliche, flache Darstellung der Münzen.

Cent2

Derselbe Münzstapel aus kürzester Distanz (wenige Zentimeter). Die perspektivische Wirkung ist komplett anders wie oben. Der unscharfe Hintergrund entsteht hier vor allem durch die extrem kurze Distanz.

Schluessel

Perspektive und Schärfentiefe ­machen auch aus alltäglichen ­Dingen durchaus interessante ­Objekte.

Titel

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
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Vor Kurzem habe ich mit meinem neuesten Buch-Projekt begonnen – der ›Fotoschule zur G12/S95‹. Letzte Woche habe ich meinen Eindruck zur S95 in einem Blog-Artikel veröffentlicht. Nun reiche ich den Bericht zur G12 nach.

Die G12 hat für bedeutend mehr Rauschen im Blätterwald der Fachpresse gesorgt, als die kompakte S95. Natürlich! Stellt sie doch das Flaggschiff in Canons Kompaktkamera-Armada dar. Dabei unterscheiden sich die ungleichen Schwestern G12 und S95 in der Praxis geringer, als man es von der Form her vermuten würde.

Vergleicht man die beiden Kameras nach dem Datenblatt, dürften beide denselben Bildsensor mit 10 Megapixel beinhalten und denselben Verarbeitungsprozessor. Zumindest verarbeiten beide RAW schnell genug, dass praktisch keine Wartezeiten entstehen. Auch in der Bildqualität kann ich bisher keine Unterschiede erkennen.

Am kurzen Ende der Brennweite ist die S95 etwas lichtstärker, am langen Ende – also da, wo’s drauf an kommt – hat die G12 die Nase form. Darüber hinaus hat die G12 insgesamt die längere Brennweite; während die S95 bis 105mm reicht (umgerechnet auf Kleinbild), reicht die G12 bis 135mm. Letztere liefert also etwas mehr Potenzial zum Freistellen von Motiven.

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Dank der längeren Brennweite der G12 sind mit 135mm Freisteller (Subjekt der Aufnahme scharf, Hintergrund unscharf) nicht allzu großer Objekte möglich, die mit den 105mm der S95 nicht möglich sind.

Generell will Freistellen mit einer Kamera mit kleinem Bildsensor – wie G12 und S95 – aber mit Vorbehalten betrachtet werden. Kann man kleine Objekte bei langer Brennweite und möglichst offener Blende zumindest noch ein bisschen freistellen, ist es schon bei Portraits praktisch zu vergessen. So lange die Sensoren bei Kompaktkameras so klein bleiben, wie sie bisher sind, werden sie nicht annähernd an die Freistellerqualitäten einer SLR heranreichen. Hatte ich von der Lichtstärke ƒ2.8 noch etwas zusätzliches Freistellungspotenzial erwartet, hat sich schon bei den ersten Bildern herausgestellt, dass diese Hoffnung etwas naiv war. Bei der kurzen Brennweite von 28mm bringt Blende ƒ2.8 nicht viel, und am langen Ende von 135mm ist dann ƒ4.5 auch nicht alle Welt.

Auch die generelle Möglichkeit die Bildwirkung von Aufnahmen großartig beeinflussen zu können, kann man sich weitgehend abschminken. Auf der langen Seite der Brennweite spielt sich der kreative Spielraum zwischen ƒ4.5 und ƒ8.0 ab. Bei der ohnehin schon extrem weiten Schärfentiefe der kleinen Sensoren kann man da eigentlich gar nicht mehr von kreativem Gestaltungsspielraum sprechen. Im Grunde ist der rasche Zugriff auf die Belichtungskorrektur bei G12 wie S95 bedeutsamer, als die Manipulation der Blende.

Dafür lassen sich über die manuelle Steuerung von Blende, Belichtung und Empfindlichkeit jedoch schon Aufnahmen umsetzen, hinter denen man zunächst wohl eher eine SLR vermuten würde, wie verwischtes, fließendes Wasser oder Mitzieher.

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Mitzieher haben mir der G12 überraschend gut geklappt.
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Auch ›fließend Wasser‹ ist für die G12 eigentlich keine Herausforderung.

Augenscheinlichster Unterschied zwischen den Kameras: während die S95, wie für Kompaktkameras üblich, mit einer überschaubaren Anzahl an Dreh- und Drückknöpfen ausgestattet ist, macht die G12 hier einen bedeutend üppigeren Eindruck. Was einen besonderen Reiz auf mich ausgeübt hat: Es gibt einen Hardware-Drehregler für Belichtungskorrektur, und einen für ISO-Werte. Ein Segen, in einer Zeit, in der Kompaktkameras vor allem dadurch ›glänzen‹, dass man sich zum Gros der Funktionen über Menüs hanteln muss. Für einen geübten Fotografen ist das eher hinderlich und verzögert den Einstellungsprozess.

Das wirkt sich in der Praxis auch tatsächlich wie erwartet aus: Das anpassen des ISO-Wertes geht an der G12 bedeutend flotter, als an der S95, wo man dazu ins Menü muss.

Unterm Strich ist es allerdings nicht so hinderlich, da man den ISO-Wert ohnehin nicht laufend ändert.

In der praktischen Anwendung hat die S95 die Nase fast etwas vorne – jedenfalls, wenn es um die Steuerung der Belichtung geht. Der wichtigste Modus für die Belichtungsautomatik stellt für mich – wie wohl für die meisten Fotografen – die Blendenvorwahl (Av) dar. An der S95 stelle ich das am Rad um das Objektiv ein, die G12 hat dazu (im Unterschied zur G11) ein Einstellungsrad unterhalb des Auslösers, wie man es von Spiegelreflexkameras kennt.

Nach dem Auslösen checke ich die Belichtung einer Aufnahme in der Regel anhand des Histogramms am Display. Zeigt das Histogramm eine Unter- oder Überbelichtung an, muss über die Belichtungskorrektur eingegriffen und neuerlich belichtet werden. Bei beiden Kameras geht das flott, allerdings bei der S95 etwas flotter, wenn man die Belichtungskorrektur auf dem hinteren Einstellungsrad liegen hat – der Blick bleibt bei der Veränderung der Einstellung am Display. Bei der G12 muss man umgreifen, um das obere Einstellrad bedienen zu können, und wird auch den Blick vom Display nehmen, um auf das Einstellrad schauen zu können. Allerdings ist das jetzt Erbsenzählerei – die G12 ist nicht wirklich umständlicher zu bedienen als die S95.

G12-histogramm.jpg
Professionelle Bildvorschau nach der Aufnahme: Histogramme sind wichtiger, als die Anzeige des Bildes selbst. Die G12 kann sogar für Rot, Grün und Blaukanäle separate Histogramme anzeigen.

Unterm Strich lassen sich beide Kameras intuitiv und effizient bedienen und behindern den Fotografen in keinem Moment in der Arbeit.

g12-top.jpg
Professionelle Einstellmöglichkeiten: Programme für Zeit- und Blendenvorwahl und eine manuelle Belichtungseinstellung. Die Empfindlichkeit lässt sich per Wahlrad einstellen, die Belichtungskorrektur ebenso.

Sehen wir uns weitere Unterschiede von der G12 zur S95 an.

Die G12 hat einen Sucher, der mir – bevor ich die Kamera in der Hand hatte – sehr verlockend erschien. Aber als Nikon-SLR-Fotograf bin ich große und helle Sucher gewöhnt und habe den Sucher sofort wieder ad Akta gelegt. Ich kann damit nicht arbeiten.

Anders das Schwenkdisplay. Wenn es etwas gibt, was für mich ein bitterer Abstrich an der S95 ist, dann ist es das Fehlen eine Schwenkdisplays.

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Für solche Perspektiven ist eine Leiter erforderlich – oder ein Schwenkdisplay.

Ein weiterer Unterschied: Auf der Oberseite der G12 wartet ein Blitzschuh auf einen externen Blitz. Wenn man – wie ich – versucht das Blitzen von einem Blitz, der fix mit der Kamera verbunden ist, nach Möglichkeit tunlichst zu vermeiden, dann kann einen diese Erweiterungsmöglichkeit kaum reizen. Für Unternehmen jedoch, die eine Kamera brauchen um beispielsweise auf Veranstaltungen Fotos machen zu können, und nicht gleich eine Spiegelreflex-Kamera nutzen wollen, stellt das aufsetzen eines zusätzlichen Blitzgeräts einen absoluten Vorteil dar. Erstens sitzt – auch beim direkten Blitzen – der Blitz weiter vom Objektiv entfernt. Zweitens haben externe Blitze mehr Power. Und drittens, lässt sich mit Aufsteckblitzen auch indirekt blitzen, was in der Regel zu deutlich besseren Aufnahmen führt, als wenn der Blitz direkt in Richtung Motiv feuert.

Deutliche Vorteile finden Makrofotografen in der G12 gegenüber der S95 – die G12 fokussiert noch auf einen Mindestabstand von 1cm, die S95 benötigt 5cm.

Mein Fazit | Die G12 ist eine tolle Kamera, die dem ambitionierten Fotografen alle Möglichkeiten bietet, die er auch von einer Spiegelreflexkamera erwarten würde, mit der Einschränkung, dass ein so kleiner Sensor mit den kreativen Möglichkeiten einer SLR mit mittlerem oder großem Sensor einfach nicht mithalten kann.

Als kompakter Begleiter und Zweitkamera zur SLR würde ich in jedem Fall die S95 vorziehen – die G12 ist doch schon relativ groß und alles andere als leicht. Wer jedoch unterhalb einer SLR nach einer Kompaktkamera mit einem Maximum an Möglichkeiten sucht, der sollte schon einen Blick auf die G12 werfen.

Weitere, überwiegend unbearbeitete Aufnahme-Beispiele der G12 habe ich in einer mobileMe-Galerie zusammengestellt.

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