Tue, 10. Jan. 12

Der will-haben-Faktor für diese Kamera ist bei mir am oberen Anschlag. Ich bin schon gespannt auf erste Testberichte. Wenn die Kamera hält was sie verspricht und der Preis tatsächlich, wie meine erste Recherche ergeben hat, bei etwa 1300 Euro inklusive Normal-Objektiv liegen wird, dann ist das Teil so gut wie gekauft. Der Preis sollte für die Kamera bei etwa $1700 liegen, die Objektive sollen in einem Bereich von etwa $600 auf den Markt kommen.

Fuji Guys – Fujifilm X-Pro1 – Hands-on Preview (1/2) – YouTube.

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Sun, 13. Nov. 11
Panasonic DMC G3k front1442

© Panasonic

Panasonic DMC G3k back

© Panasonic

Seit Juli habe ich nun die Panasonic Lumix G3 in Besitz und im Einsatz. Ich habe mich sogar getraut sie als alleine Kamera mit auf meine dreiwöchige Urlaubsreise mit dem Cabrio durch Österreich zu nehmen, was ich keinen Moment bereut habe. In sofern war die Kamera für mich ein guter Zuwachs, auch wenn ich im Weiteren einiges zu bekritteln habe.

Die G3 sieht auf Bildern größer aus als sie tatsächlich ist. Sie ist sogar sehr kompakt und gar nicht so viel größer als zum Beispiel oder die Nikon P7000. Um Unterschied zu diesen beiden Modellen hat man aber einen um ein vielfaches größeren Bildsensor, einen Sucher, der mehr als ein Placebo darstellt und die Möglichkeit Objektive zu wechseln. Für viele ist wohl letzteres ein Grund sich für die G3 zu entscheiden. Für mich gar nicht so unbedingt, obwohl es natürlich alles andere als ein Nachteil ist.

Trotz ihrer Kompaktheit ist die G3 überraschend schwer, was eine absolut positive Eigenschaft für eine Kamera ist, weil sie so gut und satt in der Hand liegt, sich gut stabilisieren lässt und sich darüber hinaus wertig anfühlt.

Nimmt man die G3 zur Hand macht sie einen sehr soliden Eindruck und man empfindet ein metalleneres Gehäuse, als man bei genauerer Analyse tatsächlich entdeckt. Einiges an der Kamera ist Plastik und nicht alles macht einen so soliden Eindruck. So frage ich mich zum Beispiel wie lange es wohl dauern wird, bis ich den Schalter zum Einschalten der Kamera wohl abbreche.

Die Knöpfe machen einen recht billigen Eindruck, sind zum Teil kaum zu ertasten und damit nur schwer blind anzuwenden, liegen schlecht positioniert oder zu dicht aufeinander und ich würde mir wünschen die Taste zum Starten der Video-Aufnahme und die iA-Taste (›intelligent Auto‹) per Menü mit anderen Funktionen versehen zu können. Sollte ja eigentlich für die Programmierer kein Problem darstellen. Diese beiden Tasten liegen günstiger und sind besser zu ertasten, als die beiden Fn-Tasten, die man frei mit Funktionen belegen kann.

Etwas fummelig ist auch das Einstellrad am Rücken und es macht auch einen etwas billigen Eindruck. In der Praxis lässt es sich aber relativ gut, wenn auch nicht perfekt, bedienen. Genial finde ich daran, dass man dieses Rad nicht nur Drehen, sondern auch Drücken kann, und so zwischen Blendeneinstellung und Belichtungskorrektur, im Belichtungsmodus Blendenvorwahl, und zwischen Blende und Zeit, im manuellen Modus, wählen kann. Auf diese Art lässt sich die G3 für mich so bedienen, wie meine Profi-Kamera Nikon D700 mit zwei Einstellrädern.

Gold wert ist natürlich das Klappdisplay. Besonders bei einer kompakten Kamera wüte ich nur ungern auf diese Option verzichten. Schließlich gehört der Blickwinkel als Teil der Bildperspektive, neben Schärfe, Belichtung und Komposition, zu den wichtigsten Gestaltungsparametern.

Lustig und interessant ist die Option die Kamera mit Touch zu steuern. Die Kamera hat nämlich ein berührungsempfindliches Display, wie man es von Handys her kennt, auch wenn es etwas weniger sensibel ist, an was man sich zuerst gewöhnen muss, was in der Praxis aber wohl auch gut ist. So kann man zum Beispiel die Kamera so einstellen, dass mit einem Fingertipp auf das Display auf diesen Punkt scharf gestellt und gleich ausgelöst wird. Ich könnte nicht behaupten, dass das die Art zu fotografieren revolutionieren würde. Es scheint mir nicht wirklich einen großen Vorteil zu klassischen Art zu fokussieren und auszulösen zu haben. Vielleicht in manchen Situationen, aber nicht generell. Um was es die Fotografie aber auf jeden Fall bereichert ist den Spaß, den es macht Bilder auf diese Art aufzunehmen. Es erweitert einfach die spielerischen Varianten die eine Kamera bietet. Und Spaß sollte immer etwas zentrales an der Fotografie sein.

Schön wäre, wenn die Kamera automatisch zwischen Display und Sucher wechseln würde, wenn man sich mit dem Auge dem Sucher nähert. Tatsächlich muss man vorher manuell umschalten.

Der Sucher selbst, mein erster elektronischer Sucher, erweist sich in der Praxis als sehr gut brauchbar. Er ist groß genug und natürlich auch hell genug, da ja ein Bildschirm im Sucher steckt und der immer mit Licht arbeitet. Jedenfalls so lange Licht vor dem Objektiv ist. Wenn es bereits relativ dunkel ist, dann sieht man durch diesen elektronischen Sucher nur mehr Schwarz. Bei einem analogen Sucher könnte man denselben in derselben Situationen noch problemlos nutzen.

Beim Funktionsumfang gibt es an der G3 kaum etwas zu bemängeln. Die Kamera bietet fast schon zu viel Einstellungen, was man individualisieren kann. Vielleicht wäre hier weniger fast ein bisschen mehr gewesen.

Mit dem mitgelieferten 14–42mm Objektiv hatte ich wenig keine Freude. Zwar werden ihm im Verhältnis zum Preis recht gute optische Eigenschaften nachgesagt, aber es fühlt sich an, als wäre es aus einem Kinderüberraschungsei geschlüpft. Und so billig sich das Plastik anfühlt, so billig hört es sich auch an, wenn die Plastikteile aneinander schaben, wenn man am Zoomring dreht. Das passt einfach nicht zum eher wertigen Eindruck, den das Gehäuse insgesamt doch macht. Hier fühlen sich zum Beispiel die neuen Nikon 1 Modelle und deren Objektive um Welten besser an.

Generell scheinen mir die aktuellen Evil Systemkameras (Elecrtonic Viewfinder, Interchangable Lens – Elektronischer Sucher und Wechselobjektiv) einen gravierenden Ansatzfehler zu haben. Der Sinn dieser Modelle ist ja vor allem auch, dass sie deutlich kleiner sein sollen, als Spiegelreflexkameras. Und so gut wie alle Modelle, von Sony, Olympus, Samsung oder eben auch Panasonic sind das auch – die meisten noch deutlich kleiner als die G3. Das soll den Vorteil haben, dass man die Kamera immer dabei haben kann. Auf die Kameras mag das ja zutreffen. Aber gilt das noch, wenn auch Objektive mit dabei sind?

NEX 5 von Sony Schwarz 014 jpg

© Sony

Das ist mit dem 14–42mm Objektiv zur G3 nicht anders. Auch wenn es grässlich leicht ist, so trägt es doch ordentlich vor der Kamera auf und macht aus der kompakten Systemkamera ein Gerät, das nicht mehr so kompakt in einer Tasche untergebracht werden kann.

Wer also eine G3 (oder eine andere Kamera von Panasonic oder Olympus) ins Auge fasst, sollte sich überlegen ob er deren Standardobjektiv tatsächlich im Set mit der Kamera kaufen soll, oder ob es nicht vernünftiger wäre das Kameragehäuse alleine zu kaufen und ein angemessenes Objektiv gesondert dazu. Wer auf Zoom nicht verzichten will, sollte sich einmal das innovative Panasonic Lumix G X Varia PZ 14–42mm ansehen.

Panasonic H PS14042k side Power on

© Panasonic

Dieses Objektiv kopiert im Grunde das Prinzip von Objektiven, wie sie in Kompaktkameras üblich sind und die sich komplett in das Kompaktkamera Gehäuse versenken lassen. Durch dieses Prinzip wird das Objektiv im Ruhezustand extrem flach und so wird das Konzept der kompakten Evil-Systemkameras erst richtig schlüssig. Zum Zooomen dient dann kein Ring mehr, sondern der Schalter, der am Objektiv zu sehen ist. Man zoomt also auch, wie bei einer Kompaktkamera.

Für meine G3 habe ich mich für ein Festbrennweiten-Objektiv entschieden und zwar für das H020E Pancake mit Lichtstärke ƒ1.7.

H H020 slant

© Panasonic

Es fühlt sich an, wie sich ein Objektiv anfühlen soll und liefert eine ausgezeichnete Abbildungsqualität. Der Straßenpreis von ca. 350 Euro geht dafür absolut in Ordnung. Durch die hohe Lichtstärke lässt es sich richtig schön mit Schärfentiefe spielen und es ist möglich Motive vor dem Hintergrund freizustellen. Die Lichtstärke hilft auch dem Autofokus beim Scharfstellen.

Wie alle bisherigen Systemkameras ohne Sucher glänzt auch die G3 nicht unbedingt durch blitzartiges Fokussieren, wenn die Lichtverhältnisse nachlassen. Genau genommen ist an sehr trüben Tagen selbst mit dem Lichtstarken 1.7er Objektiv ein Scharfstellen auf bewegte Objekte kaum möglich. Mit einem weniger Lichtstarken Objektiv fällt der Kamera das Fokussieren natürlich noch schwerer.

Das Pancake 1.7 von Panasonic ist auf jeden Fall eine Empfehlung für alle, die mit einer Micro FourThirds Kamera fotografieren.

Von meinen Nikon-Objektiven bin es gewohnt praktisch immer eine Streulichtblende im Lieferumfang zu finden. Die wenigen Ausnahmen haben das Glas der Frontlinse so tief im Objektivgehäuse versenkt, dass man gut darauf verzichten kann.

Das Lumix Pancake kommt leider ohne Streulichtblende daher und Panasonich bietet auch keine an. Schade, denn ich schätze Streulichtblenden vor allem als Schutz für die Frontlinse. Besser als jeder UV-Filter und ohne dessen möglicherweise negativer Auswirkung auf die Abbildungsqualität.

Ich habe mir deshalb die Streulichtblende von Enjoyyourcamera bei Amazon besorgt. 17 gut investierte Euro, denn ohne wäre das Objektiv mittlerweile sicher über den Jordan. Während einer Wanderung stolperte ich mit der Kamera über einen Draht, den ein heimtückischer Bauer knapp über den Weg gespannt hatte und trotz meiner Bemühung den Fall so zu gestalten, dass ich mir die Knochen breche und nicht die Kamera sich das Gehäuse, fiel die G3 mit der Front nach unten auf den Schotterweg. Ohne die stabile Streulichtblende aus Aluminium wäre die vorstehende Frontlinse garantiert zu Bruch gegangen.

Ebenfalls von Enjoyyourcamera stammt die Handschlaufe, die ich mir zur Kamera besorgt habe. Für mich die komfortablere Möglichkeit eine kompakte Kamera mit mir herumzutragen, als eine Schlinge um den Hals. Die Kamera versehentlich fallen zu lassen, wird durch die Schlaufe unmöglich.

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Bild: Amazon

Fazit | Die Lumix G3 ist eine Empfehlung für alle, die viel Fotografieren und eine kompakte Kamera mit sehr guter Abbildungsleistung, ordentlicher Verarbeitung, vernünftiger Objektiv-Auswahl und vielfältigen Einstelloptionen suchen. Es macht Spaß mit ihr zu fotografieren, doch sie krankt noch etwas an einer Schwäche, die spiegellose Systemkameras bisher hatten: Sie fokussiert deutlich langsamer als eine Spiegelreflexkamera. Diese Schwäche teilt sie mit Kompaktkameras, die die Schärfe in der Regel auf dieselbe Art ermitteln, wie Systemkameras. Doch die kreativen Möglichkeiten und die mögliche Bildqualität sind bei der G3 deutlich besser, als bei Kompaktkameras.

Ob Nikon mit seinen neuen Nikon 1 Kameras das Problem der langsameren Fokussierung bei spiegellosen Kameras gelöst hat, wird sich zeigen. Es wird ihr jedenfalls nachgesagt. Doch Nikon hat für das neue System kleinere Bildsensoren gewählt und hat damit Schwächen bei den Möglichkeiten die Schärfentiefe zu reduzieren. Hier haben FourThirds-Kamras Vorteile.

Man wird sehen, was die Zukunft bringt und es ist durchaus möglich, dass ich mittelfristig die G3 durch ein aktuelleres Modell ersetze. Bislang jedoch ist die G3 für mich die optimale immer-dabei-Kamera und ich sehe noch kein Modell auf den Markt, das meine Anforderungen und Wünsche besser erfüllen würde.

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Sat, 16. Jul. 11

Interessante Informationen bekommt man im Fachhandel: »Ich habe mir gleich gedacht, dass Sie aussehen wie ein Arschloch. Da kann man nichts machen. Wenn man ein Arschloch ist, ist man ein Arschloch.« Aber der Reihe nach.

Als vor einigen Jahren digitale Spiegelreflexkameras in Preisregionen sanken, die man sich auch leisten kann, wenn man nicht von der Fotografie lebt, beschloss ich mich nach einer DSLR umzusehen. Mein erstes Interesse galt Sony. Ich begab mich also zum Fachhändler im Zentrum der Lokalmetropole, Foto Murer, in Dornbirn. Ein freundlicher junger Verkäufer händigte mir das begehrte Gerät aus, konnte aber meine Fragen nicht beantworten und rief nach einem älteren Kollegen. Dieser kam, Brille putzend und die Nase hoch erhoben, auf mich zu und eröffnete mir »Ohne konkrete Kaufabsicht gibt es keine Beratung«.

Man kann sich vorstellen, dass mir sich mir zunächst das Unterkiefer aus der Verankerung löste. Ich schluckte kurz durch, legte die Sony A100 auf den Verkaufstisch, sagte »danke« und »auf Wiedersehen« und verließ den Laden (nachzulesen auch in einem Artikel von 2006).

Glücklicherweise hatte zu der Zeit ganz in der Nähe ein neues Fotogeschäft eröffnet. Bei Digital Willam erregte dann eine Olympus E330 mein Interesse. Eine der ersten Kameras mit Live-View und darüber hinaus auch noch ein Klappdisplay. Ich hätte mir die Kamera schon fast einpacken lassen, da riet mir und bot mir Armin Willam an, die Kamera doch einmal fürs Wochenende zu testen, bevor ich sie fix kaufte.

Ein Segen! Meine anfängliche Begeisterung schwand schnell. Ich kam mit der Bedienung nicht richtig zurecht, der dunkle, kleine Sucher war suboptimal und Live-View, so fand ich schnell heraus, mag bei einer Kompakten eine feine Sache sein, aber bei einer SLR ist es für die meisten Aufnahmesituationen nicht so der Bringer. Jedenfalls für mich nicht. Ich habe bei Armin dann eine Nikon D80 gekauft, eine Wahl für eine Kamera (und viel mehr noch für eine Marke) die ich bislang nicht bereut habe.

Seither habe ich mehrere Tausend Euro für Kameraausrüstung ausgegeben. Einen guten Teil davon bei Digital Willam. Wäre ich bei Foto Murer damals korrekt beraten worden, wäre dieser Umsatz wahrscheinlich dort gelandet.

Schon damals hatte ich aber auch den Wunsch nach einer kompakten Zweitkamera und seit ich mit der D700 fotografiere ist dieser Wunsch noch viel dringlicher geworden. Auch die an sich hervorragenden Kompakten G12 und S95 von Canon haben mich nicht glücklich gemacht. Auch wenn diese Geräte außerordentlich benutzerfreundlich sind, die S95 super schick aussieht und die Qualität dank RAW hervorragend ist, selbst bei erhöhten ISO-Werten – der kleine Sensor bietet einfach zu wenig Möglichkeit mit der Schärfentiefe zu spielen.

Systemkamers bieten mittlerweile eine sehr gute Alternative. Deshalb habe ich vor einigen Wochen begonnen, mich in diesem Marktsegment schlau zu machen.

Man darf eine Kamera nicht vom Datenblatt kaufen. Oder weil sie einem von Freunden empfohlen wurde. Man muss sie in die Hand nehmen. Man muss spüren wie sie sich anfühlt und wie sie sich bedienen lässt und ob man mit ihr zurecht kommt. Ob man sich mit ihr wohl fühlt. Eine Kamera muss passen wie ein Schuh, wenn man Freude am Fotografieren haben will. Und Schuhe muss man anprobieren.

Digital Willam hat sich auf die Marken Nikon, Olympus und Fuji spezialisiert. Also musste ich mich für die potenziellen Kandidaten Lumix oder Sony wo anders umsehen. Bei Foto Murer in Bregenz habe ich vor Kurzen bei einem durchaus sehr freundlichen Verkäufer eine Sony NEX in die Hand bekommen. Die paar Minuten, in denen ich probiert habe mit ihr zurecht zu kommen haben mir bestätigt, dass ich mich mit einer, von Sonys NEX-Modellen nicht anfreunden kann. Die Bedienung ist zu sehr auf völlig unerfahrene Fotografen ausgelegt. Eine wichtige Erkenntnis!

Nicht in Betracht gezogen hatte ich bis heute die Lumix G2. Doch als ich sie heute im Schaufenster bei Foto Murer sah, fiel mir auf, dass sie deutlich kleiner ist, als sie auf Fotos erscheint. Ich ging also in den Laden und bat darum das Gerät einmal in die Hand nehmen zu dürfen. Sie ist wirklich außerordentlich kompakt und liegt trotzdem gut in Händen. Klappdisplay – ein Muss für meine Zweitkamera zur D700. Ich begann gerade mich mit der Kamera anzufreunden und spielte bereits mit dem Gedanken das Gerät zu kaufen, da kam eine Dame von hinter dem Ladentresen zu mir und meinte »Sie sehen aus als wenn Sie die Kamera nur ausprobieren wollen.« »Richtig. Ich will sie zunächst einmal nur ausprobieren«, erwiderte ich, »ist das ein Problem«. »Nein«, antwortete Sie in einem Ton, der mich nicht überzeugte.

Es war eine Art des Déjà-vu und erinnerte mich an mein Erlebnis von vor Jahren in der Filiale von Foto Murer in Dornbirn. Nach kurzer Überlegung ging ich auf die Dame zu und sagte: »Ich will Ihnen etwas sagen. Ich wollte mich vor Jahren in Ihrer Filiale in Dornbirn nach einer Kamera erkundigen und man sagte mir ich bekäme keine Beratung, wenn ich keine konkrete Kaufabsicht hätte. Seither habe ich mehrere Tausend Euro für Kameraausrüstung ausgegeben« und wollte mich verabschieden. »Ich habe mir gleich gedacht, dass Sie aussehen wie ein Arschloch. Da kann man nichts machen. Wenn man ein Arschloch ist, ist man ein Arschloch«, sagte die Dame.

Mittlerweile habe ich erfahren, dass ich es offensichtlich mit der Herrin des Hauses zu tun hatte. Offensichtlich war mein Erlebnis von 2006 kein Einzelfall, sondern das Diensteistungsverständnis, dass man nur beraten wird, wenn man sich vorher entscheidet das Produkt zu kaufen, scheint bei Foto Murer offensichtlich zur Unternehmensphilosophie zu gehören.

Ich hätte die Lumix G2 heute wahrscheinlich gekauft. Nun bleibt mir wohl nur das Gerät bei Amazon zu bestellen. Schade. Ich war früher ein so engagierter Freund des Fachhandels.

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Fri, 26. Nov. 10

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Es gibt viele fotografische Themenbereiche, beziehungsweise Genres. Zum Beispiel Porträtfotografie, Makrofotografie, Landschaftsfotografie, Sportfotografie, Architekturfotografie, Bühnenfotografie, Wildlife-Fotografie, Street Photography, Aktfotografie, Reportagefotografie und, und, und.

Nicht jede Kamera ist für jedes Genre geeignet. Jedes Kamera­konzept hat Vor- und Nachteile, Stärken und Schwächen. Ich halte es für wichtig dieses Thema zu beleuchten, denn die richtige Kamera ist mit ausschlaggebend für das Gelingen von Bildern und damit für die Freude an der Fotografie.

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Kompaktkamera: Fixes Objektiv, in der Regel kleine Bildsensoren. (Bild: canon.de)

Sucherkamera: Der Klassiker dieses Baukonzept ist die Leica. Meist lassen sich die Objektive wechseln. Hier bei der Fuji X100 ist das Objektiv fix verbaut. Die Bildsensoren sind mittel bis groß. (Bild: fujifilm.de)

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Systemkamera ohne optischen Sucher, aber mit der Möglichkeit Objektive zu wechseln. (Bild: panasonic.de)

Spiegelreflexkamera: Schnell, flexibel und hochwertige Abbildungsqualitäten durch mittlere bis große Bildsensoren, dafür aber auch groß und schwer. (Bild: nikon.de)

Oft schon habe ich in Fotoforen und auf Fotoblogs Kommentare von Fotografen gelesen die eine teure Fotoausrüstung wieder veräußert haben weil sie in bestimmten Situationen an die Grenzen des Kamerakonzepts gestoßen sind. So kann ich mich an einen wanderbegeisterten Fotografen erinnern, der seine Spiegelreflexkamera (Single Lens Reflex (SLR) oder Digital Single Lens Reflex (DSLR)) samt Objektiven verkauft hat, weil es ihm zu mühsam war die schwere Gerätschaft in den Bergen mitzuschleppen. Statt dessen ist er auf eine Kompaktkamera mit kreativen Einstellmöglichkeiten umgestiegen umgestiegen. Eine vernünftige Entscheidung, will ich meinen.

Bei Landschaftsfotografie unter Tageslichtbedingungen – worum es ja einem Natur- und Wanderfreund in erster Linie gehen dürfe – sind die Ergebnisse von Kompaktkameras oft erst beim studieren der Details in der vergrößerten Ansicht am Computer, von den Resultaten von Spiegelreflexkameras zu unterscheiden.

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Zwei Aufnahmen von derselben Position auf dieselbe Landschaft. Einmal SLR, einmal Kompakt. Aber was ist was?

Sogar wenn es darum geht zwischendurch Blumen und Bienen als fotografierte Beute mit nachhause zu nehmen haben Kompaktkameras gegenüber Spiegelreflexkameras eindeutige Vorteile. Ohne spezielles Makroobjektiv sind richtig kleine Fundstücke mit einer DSLR kaum abzulichten – mit einer Kompakten ist das meist kein Problem.

Der größte Vorteil von Kompaktkameras für Wander und Reisefotografen ist allerdings: sie sind klein und leicht. Der Schluss »je größer desto besser« lässt sich auf die Fotografie nicht generell anwenden. Wer sich für ein bestimmtes Genre entscheidet tut gut daran vor dem Einkaufen zu eruieren welches Konzept diesem Thema am besten entgegen kommt. Wer sich für viele Genres interessiert wird nicht darum herum kommen sich früher oder später nach einer Zweit- oder Drittkamera umzusehen.

Betrachten wir uns einmal ein paar Genres und reden wir darüber, was für ein Kamerakonzept ihnen am besten entgegen kommt.

Landschaftsfotografie | Ambitionierte Landschaftsfotografen bevorzugen in der Regel Spiegelreflexkameras, hochwertige Objektive und stabile, meist schwere Stative, um ihre Motive mit dem letzten Quäntchen Schärfe abbilden zu können.

Manfrotto

Ich verwende gelegentlich das Stativ Manfrotto 190 XPROB. ­Obschon kein wirkliches Leicht­gewicht dürfte es vielen Landschaftsfotografen dennoch zu leicht und Schwingungsanfällig sein.

Da der Landschaftsfotograf oft vor allem die Weite von Landstrichen einfangen will arbeitet er meist mit Weitwinkelobjektiven.

14-24mm 2.8 Nikkor

Weitwinkelobjektiv erster Güte: Das AF-S Nikkor 14–24 mm 1:2,8 G ED. Solch extreme Weitwinkelbrennweiten sind nicht pflegeleicht in der Anwendung. Aber ich liebe das 14–24mm gerade wegen der extremem Perspektiven die es ermöglicht. Ich habe auch bereits einen ausführlichen Artikel darüber gepostet.
Bild: © Nikon GmbH

Mikrobe

Es braucht nicht viel, damit ein ­Objekt bei 14mm dermaßen ver­unstaltet abgebildet wird. Oder drastischer Ausgedrückt: Foto­grafiert man mit extremen Weitwinkeln muss man höllisch auf­passen, dass nicht ein Großteil der Aufnahmen verunglückt. Weitwinkel ist in ­meinen Augen am spannendsten aber auch am schwierigsten zu beherrschen.
Kamera: Nikon D700
Objektiv: 14–24 mm 2:2,8

Wer Landschaften fotografiert hat gerne weiches Licht. Das lässt sich bei wolkenlosem Himmel um die Mittagszeit herum kaum er­reichen. Der Landschaftsfotograf sollte für das beste Licht gerne früh aufstehen und auf den Weg gehen. In der Zeit um den Sonnen­aufgang herum zeigt sich Landschaft meist im schönsten Licht. Rund um den Sonnenuntergang – beziehungsweise kurz danach – ist das Licht zwar auch meist weich aber davor relativ gelb- und danach relativ blaustichig.

People- und Porträtfotografie | Auch der People- und Porträt-Fotograf arbeitet in der Regel am liebsten mit einer griffigen Spiegelreflexkamera.

So wie das Weitwinkel zum bevorzugten Objektiv des Landschaftsfotografen gehört, wählt der Porträtfotograf am liebsten leichte Teleobjektive im Brennweitenbereich zwischen 80mm und 120mm. Diese Brennweiten sind am besten geeignet Gesichts­proportionen plastisch und unverzerrt abzubilden.

Portraet24mm

Porträt bei 36 mm Kleinbild. Die Gesichtszüge ­scheinen schmal, die Proportionen verzerrt.

Portraet50mm

An einer Kleinkamera wären 50mm zu kurz für die harmonische Abbildung von Gesichtszügen. An Consumer-Kameras von Canon, Nikon, Pentax oder auch Olympus und Panasonic ist sie aber durchaus für Nahaufnahmen von Gesichtern geeignet. So ergibt sich an der Nikon D7000 auf Grund des sogenannten Formatfaktors (siehe auch Formatfaktor) ein tatsächlicher Blickwinkel eines leichten Teles mit 75mm Brennweite.

Portraet105mm

Das AF-S Micro Nikkor 105mm 1:2,8 G VR gehört an einer Kleinbildkamera zu den perfekten ­Porträt-Objektiven. Hier an der D7000 erzeugt es allerdings einen Blickwinkel der knapp 158mm an Kleinbild entspricht. Das ist zu lang. Die Gesichtszüge erscheinen dadurch runder und flacher. Den fotogenen Gesichtszügen von Vanessa ­schadet das zwar nicht. Doch wer ihr live begegnet empfindet ihre Gesichtszüge anders.

Portraet300mm

300mm an einer Kamera mit mittelgroßem Sensor ergeben den Blickwinkel einer Brennweite von 450mm bei Kleinbild. Das macht einen völlig anderen und irgendwie fremden Menschen aus Vanessa. Immer noch hübsch aber die Kopfform scheint flacher und das Gesicht eckiger geworden zu sein. Vergleicht man die vier Aufnahmen könnte deutlicher kaum werden wie Brennweiten ein Gesicht verändern können.

Brennweiten im leichten Tele-Bereich helfen nicht nur Gesichtszüge mit einer vorteilhaften perspektivischen Wirkung abzubilden sondern unterstützen zusätzlich auch noch die Weichzeichnung des Hintergrundes. Ein durch Unschärfe weichgezeichneter Hintergrund verwischt Details und verhindert, dass der Hintergrund vom Hauptmotiv ablenkt. Bei Kompaktkameras ist das in der Regel etwas schwieriger, da sie eine sehr hohe Schärfentiefe (siehe auch Schärfe) abbilden und somit den Hintergrund scharf auf das Bild bannen.

Scharf

Aufnahme mit der Kompaktkamera Canon PowerShot S95 bei maximaler Brennweite von 105mm und größtmöglicher Blendenöffnung ƒ4.9. Sowohl längere Brennweite, als auch offene Blende helfen den Hintergrund weniger scharf abzubilden. Richtig unscharf wird der Hintergrund aber auf diese kurze Distanz bei dieser Brennweite mit dem kleinen Sensor einer Kompaktkamera trotzdem nicht. Kompaktkameras sind keine Porträtkameras!

Nichtsoscharf

Aufnahme mit der Canon PowerShot G12 bei 135mm und Blende ƒ4.5. Die Brennweite ist länger und die Blende ein bisschen weiter offen als beim Bild oben. Sowohl die etwas weiter geöffnete Blende als auch – und vor Allem – die längere Brennweite tragen zum weicheren Hintergrund bei.

Unscharf

Der Vergleich der Aufnahmen der Kompaktkameras oben mit dem Resultat einer Spiegelreflexkamera hier macht deutlich weshalb Porträtfoto­grafen keine Kompaktkameras nutzen: Der größere Sensor einer Spiegelreflexkamera, egal ob mittelgroße Four-Thirds-, APS-C- oder APS-H-Formate oder das große Kleinbildformat, bietet einfach deutlich mehr Spielraum mit Schärfentiefe zu gestalten und Modelle durch unscharfen Hintergrund freizustellen.

Die oberen drei Abbildungen zeigen, dass ein unscharfer Hintergrund die porträtierte Person besser zur Geltung bringt. Die drei Bilder zeigen aber auch, dass das nur bei einer Kamera mit mittlerem oder großem Sensor vernünftig funktioniert – in der Regel heißt das Spiegelreflex. Kompaktkameras mit kleinen Sensoren bilden bei Porträts die Hintergründe bei Brennweiten, die dem Blickwinkel von 105mm oder 135mm Kleinbild entsprechen und optimal für Porträts sind, viel zu scharf ab.

Spiegelreflexkameras haben darüber hinaus auch den Vorteil durch ihr großes Volumen, die griffige Ergonomie und ihr Gewicht sicher und satt in der Hand zu liegen. Der Blick durch den Sucher hilft zusätzlich Verwackelung zu vermieden, da die Kamera nicht nur in Händen gehalten wird, sondern durch die Auflage vor Nase und Stirn einen dritten Stabilisierungspunkt erhält. Und da man Modelle und Personen, die man Porträtieren muss, nur selten über Wanderungen besucht, stellen Gewicht und Umfang der Ausrüstung in diesem Genre keinen Nachteil dar.

Sucher

Beim Fotografieren über den ­Sucher wird die Kamera mit zwei Händen gehalten und am Kopf ­angelehnt. Das mag teilweise zu seltsamen Verrenkungen führen, bietet aber deutlich mehr Stabilität als würde man die Kamera einfach von sich weg halten und mit den Bildausschnitt über das Display bestimmen.

Fazit: Der sport- und wanderbegeisterte Landschaftsfotograf mag Freude mit einer kompakten Kamera haben und tolle Ergebnisse damit erzielen. Wer jedoch Menschen und Porträts eher im Mittelpunkt seiner fotografischen Leidenschaft sieht sollte unbedingt zu einer Spiegelreflexkamera greifen.

Reise- und Reportagefotografie | Spiegelreflexkameras bieten in der Regel hervorragende Bildqualität. Wer von einer Kompaktkamera auf eine SLR umsteigt wird das Gefühlt haben, dass seine Ergebnisse schlagartig besser werden. Nicht bei jedem Motiv. Aber vor allem bei Aufnahmen von Menschen wird er diese Erfahrung machen. Das hat vor allem damit zu tun, dass diese Kameras auch im vollautomatischen Modus, beim Fotografieren von Menschen, Tieren und anderen nahen und nicht zu großen Objekten, eine relativ kurze Schärfentiefe erzeugen und somit freistellen. Das wirkt fast immer besser, als wenn der Hintergrund, wie bei Kompaktkameras, scharf mit aufs Bild kommt.

Darüber hinaus sind Spiegelreflexkameras äußerst flexibel, da sie als Systemkamera die Möglichkeit bieten Objektive zu wechseln und sie somit der Situation und Aufgabe anzupassen. Aber der Preis dafür ist eben die Größe und das Gewicht der Ausrüstung. Reise- und Reportagefotografen ziehen deshalb oft leichteres Equipment vor.

Die erste Möglichkeit zum Abspecken stellt es dar, statt eines professionellen oder semiprofessionellen Modells eine Kamera aus der Einsteiger- oder Mittelklasse zu verwenden. Diese Geräte haben in der Regel bereits sehr gute Abbildungsqualitäten, sind aber kompakter und leichter gebaut.

Die Wechselobjektive bleiben am besten zuhause. Statt dessen darf ein rundum-glücklich-Objektiv mit auf Reise, wie ein 18–200mm-Zoomobjketiv. Die Abbildungsqualität von Zoomlinsen, mit einem so weiten Brennweitenbereich, erreicht zwar im Detail nicht die Exzellenz von Zoomobjektiven mit kleinerem Brennweitenumfang – schon gar nicht von Festbrennweiten. Dafür ist man aber sehr flexibel um je nach Bedarf zwischen Weitwinkel- und Tele-Bereich zu wechseln – ohne das Objektiv zu wechseln! Ein Nachteil jedoch wiederum: Objektive mit einem so weiten Zoombereich sind meist nicht besonders lichtstark. Das heißt ohne Stativ packt man seine Ausrüstung sehr viel früher ein, als Fotografen mit lichtstarken Objektiven.

Telezoom

Ein Zoomobjektiv mit außerordentlich breitem Brennweitenbereich: Das Sigma 18-250mm F3,5-6,3 DC OS HSM. Mit 630g deutlich schwerer als manche Kompaktkamera, dabei aber noch nicht wirklich schwer und vor allem äußerst flexibel. (Foto: sigma-foto.de)

Eine radikale Alternative zu Zoomobjektiven stellt für Reise und Reportagefotografen die Festbrennweite dar. Sie ist leicht, bei kurzen Brennweiten nicht besonders teuer und liefert dennoch eine Qualität und Lichtstärke, für die man bei Zoomobjektiven vierstellige Beträge in die Hand nehmen muss. Ich selbst habe bislang an meiner Nikon D80 eine 35mm-Festbrennweite für unterwegs genutzt. Ein Objektiv das ich Nikon-DX-Fotografen uneingeschränkt empfehlen kann.

35mmnikkor

Nikon 35mm ƒ1.8 Festbrennweiten-Objektiv. Klein, leicht, kompakt, preiswert und trotzdem sehr gute Abbildungsqualität. (Foto: nikon.de)

Im Angebot für Canon, Pentax und Sony gibt es sicherlich Objektive mit vergleichbaren Brennweiten. Olympus- und Pentaxfotografen können zum wunderbar flachen 25mm Pancake Objektiv greifen, das 50mm Kleinbild entspricht.

EZ 25mm Pancake XL

Flacher geht kaum: Das 25mm Pancake Objektiv von Olympus zeigt denselben Bildausschnitt, wie ein 50mm Kleinbildobjketiv. (Foto: olympus.de)

Allerdings ist der Blickwinkel von 53mm (bezogen auf Kleinbild) was für viele Situationen bereits zu eng ist. Deshalb nutze ich seit Kurzem bevorzugt ein Objektiv mit 28mm Festbrennweite. Dieses hat an der D80 den Blickwinkel von 42mm Kleinbild und das ist ein Bereich, der klassischen Reise- und Reportage-Brennweiten sehr nahe ist.

Af 28mm

AF Nikkor 28 mm 1:2,8 D. Nicht mehr die jüngste Linse im Nikon-Park, aber dafür recht preiswert. Für Straßenpreise ab etwa 300 Euro darf man professionellste Qualität erwarten. An einer ­Kamera mit DX-Sensor kommt die Brennweite auf 42 mm und ist ­damit vorzüglich als immer-dabei-Linse geeignet. Die mit ƒ2.8 hohe Lichtstärke erlaubt auch bei ­spärlichem Umgebungslicht noch ausreichend kurze Belichtungszeit und gibt Freiraum um mit Schärfentiefe zu spielen.
(Bild: © Nikon GmbH)

Wer jetzt erschreckt zurückschreckt und sich denkt, dass eine einzige, feste Brennweite eine inakzeptable Einschränkung darstellt, der hat wahrscheinlich noch nicht oft mit Festbrennweiten fotografiert. Zwar ist der Verlust an Flexibilität nicht von der Hand zu weisen, doch die Beschränkung auf eine feste Brennweite bringt auch Vorteile: Man kann es sich als Fotograf nicht mehr bequem machen und von der Stelle aus auf den Auslöser drücken, an der einem ein Motiv ins Auge gesprungen ist. Statt dessen muss man sich dem Objektiv nähern und nach der perfekten Perspektive suchen. Die Einschränkung führt dadurch zu einer zwangsweise intensiveren Auseinandersetzung mit dem Motiv und zu interessanteren Ansichten, die man gar nicht gefunden hätte, hätte man einfach nur an es heran gezoomt.

Weitwinkel oder Normalobjektiv haben gegenüber Teleobjektiven klare Vorteile:

  • Es lassen sich mit Ihnen auch mehr oder weniger weite Landschaften einfangen, was mit Brennweiten über 50mm kaum mehr möglich ist.
  • In Städten, Straßen und Gassen ist man flexibler. Man kann an kleine Objekte herantreten und für die Aufnahme ganzer Fassade auch wieder ausreichend auf Distanz gehen. Mit einer langen Brennweite steht man da schnell einmal an der Wand.
  • Dasselbe gilt natürlich auch in Räumen, wie Kneipen, Museen, Schlössern und Kirchen. Ein Weitwinkel kann die Stimmung eines ganzen Raumes einfangen, mit Teleobjektiven können Sie höchstens einzelne Menschen oder kleine Menschengruppen fotografieren.
  • Bilder, die mit Teleobjektiven aus der Distanz geschossen werden, erzeugen beim Betrachter ein Gefühl der Distanz und vermitteln gerne einen voyeuristischen Charakter. Bilder hingegen, die mit 50mm, 35mm, 28mm oder geringer aufgenommen wurden, vermitteln dem Betrachter den Eindruck mitten im Geschehen zu stecken und ganz nah an der Szene dran zu sein. In der Reise- und Reportagefotografie erzeugen Weitwinkelaufnahmen in der Regel authentischere Ansichten.
  • Mit Weitwinkel fotografiert man noch, wenn das Licht für Teleobjektive nicht mehr ausreicht. Lichtstärke ist bei moderatem Weitwinkel bedeutend preiswerter zu bekommen, als bei Teleobjektiven. Ganz abgesehen davon, dass man mit Weitwinkel generell längere Belichtungszeiten aus freier Hand halten kann als bei Telebrennweiten.

Die Art, wie Wanderer und Ausflügler fotografieren, ist in der Regel der Reisefotografie ähnlich. Auch Sie profitieren von leichtem, flexiblem Equipment. Hochwertige Kompaktkameras stellen für sie oft die vernünftigere Alternative zu Spiegelreflexkameras dar. Zwar können SLRs heute noch durch die Bank durch geringeres Rauschen punkten wenn es in die Dämmerung hinein geht. Doch das ist meist die Zeit in der der Wanderer bereits zuhause vor dem Computer sitzt um seine Beute zu sichten. Unter normalen Lichtbedingungen hingegen ist an der Abbildungsleistung von guten Kompaktkameras heute kaum mehr viel auszusetzen. Und wie bereits erwähnt: Mit der Kompaktkamera fotografiert man Landschaft, Hund, Blume und Käfer im Zeitraum von Augenblicken – bei der SLR liegt dazwischen oft der Objektivwechsel.

Makrofotografie | Was bei der Portätfotografie ein Vorteil ist, ist in der Makrofotografie meist ein Nachteil: Geringe Schärfentiefe. Auf kurze Distanz schrumpft bei offener Blende die Schärfentiefe bei SLR oft auf den Bereich eines Millimeters zusammen. Das reicht oft nicht einmal aus um das Facettenauge eines Insekts von vorne bis hinten scharf aufzunehmen und es wird auch schwieriger den schärfsten Bereich exakt auf den gewünschten Bereich – die Augen – zu legen. Die kleinen Sensoren von Kompaktkameras ergeben von Haus aus eine viel höhere Schärfentiefe und das ist beim Ablichten winziger Models ein absoluter Vorteil.

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Diese Aufnahme entstand mit einer Kompaktkamera, mit einem Abstand von kaum mehr als einem Zentimeter zur Ameise. Mit einer SLR wäre ein vergleichbares Ergebnis praktisch nur mit Blitzen möglich gewesen – separaten, nicht dem Blitz auf der Kamera.
Ob die Ameise so lange gewartet hätte?

Makro slr

Makro-Aufnahme mit der SLR Nikon D700 und 105mm Makroobjektiv. Die Schärfentiefe ist sehr gering. Das kann auch reizvoll sein. Hier ist es das nicht. Der schärfste Punkt liegt auf dem oberen Fühler, sollte aber auf den Augen liegen. Den Schärfepunkt exakt zu setzen ist natürlich mit so geringer Schärfentiefe schwierig. Ein Millimeter daneben und schon kann ein Foto misslungen sein.

Das heißt nicht, dass Makrofotografen meist mit Kompaktkameras durch Wälder und Wiesen streifen. Doch mit aktuellen, kompakten Modellen lassen sich durchaus exzellente Ergebnisse erzielen. Die Objektive von Kompaktkameras erlauben es dabei sogar oft auf Distanzen von einem Zentimeter oder noch geringer scharf zu fokussieren. Normale Objektive von SLRs hingegen verlangen meist einen Mindestabstand von zwanzig, vierzig, siebzig oder noch mehr Zentimetern. Der Makrofotograf mit der DSLR ist deshalb gezwungen spezielle Makroobjektive auf seine Kamera zu schrauben um die Welt des Kleinsten zu fotografieren. Mal eben eine Landschaft ablichten, dann ein Eichhörnchen in einigen Metern Entfernung und im nächsten Moment einen Marienkäfer geht eben nicht ohne Wechsel des Objektivs. Natürlich verwenden die meisten ambitionierten Makrofotografen dennoch Spiegelreflexkameras, um das letzte Quäntchen zusätzlicher Qualität aus ihren Aufnahmen heraus zu kitzeln. Dafür sind sie aber dann auch meist mit Stativ, speziellem Makroblitz und zum Teil auch Reflektoren unterwegs.

Street Photography | Was für den Reise- und Reportagefotografen gilt – dass kurze Brennweiten Nähe erzeugen – gilt für den Fotografen auf der Straße genauso, will er das Treiben der Menschen einfangen. Natürlich gibt es auch hier Fotografen, die mit großen SLR-Boliden und langen Telezooms aufkreuzen. Doch je näher der Fotograf an die Leute ran geht, desto spannender, fesselnder und authentischer wirken die Resultate. Dabei muss der Straßenfotograf den Spagat schaffen nah an seine Opfer heranzukommen, muss dabei aber unentdeckt bis er abgedrückt hat. Die Magie eines Augenblicks in dem Menschen miteinander interagieren, in sich versunken sind oder einer interessanten Tätigkeit nachgehen, ist ein scheues Reh das beim Anblick einer Kamera verschwindet noch bevor man den Auslöser durchdrückt.

Wichtige Eigenschaften für eine Kamera für die Streetphotography sind, dass Sie geräuschlos auslösen und unauffällig sind. Während es viele Leute einfach ignorieren, wenn man mit einer Kamera, die an einen kompakten Knipserapparat erinnert, auf sie zielt, haben es die wenigsten gerne wenn das Gerät, in dessen Visier sie sich fühlen, an die Ausrüstung von Paparazzo erinnert.

Höchste Qualität, kompaktes und relativ unauffälliges Aussehen, sowie flüsterleises Auslösen – dafür sind vor allem die Sucherkameras von Leica bekannt. Allerdings liegen diese Geräte meist in preislichen Regionen, die dem Hobbyfotografen den Atem rauben. Doch wer sich für die Street-Fotografie interessiert, muss nicht unbedingt den Betrag eines jungen, gebrauchten Kompaktwagens hinblättern. Bei der Street-Fotografie zählt vor allem Eines: Die Szene. Je interessanter die Szene, desto nebensächlicher die Bildqualität.

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Aufnahme auf der Straße mit der Kompaktkamera Canon G12. Die Aufnahme entstand am Abend und erforderte hohe Empfindlichkeit, was zu Bildrauschen führte. Bewegungsunschärfe, leichte Verwackelung, zu hohe Schärfentiefe – dennoch hat das Bild seinen Reiz, weil es Menschen in Interaktion zeigt.

Wenn wir Menschen in einem faszinierenden, vielleicht emotionalen Moment ablichten, dann ist es fast nebensächlich, ob wir mit einer Leica M9 oder einem Smartphone ausgelöst haben. Die Faszination solcher Bilder liegt überwiegend in der Szene. Unschärfen können die authentische Wirkung unterstreichen und wenn das Bild in Farbe nicht schön aussieht, wandelt man es in der digitalen Dunkelkammer (Photoshop, Lightroom, et cetera) in Schwarzweiß um. Street-Photography-Aufnahmen sehen monochrom ohnehin meist besser aus. Allfälliges Rauschen kleinerer Sensoren kann nach der Schwarzweißentwicklung sogar charmant wirken – nicht umsonst fügen manche Schwarzweißfotografen Ihren Bildern oft mit digitalen Filtern Störungen bei.

In meinen Augen ist die Street-Fotografie das Genre, das die geringste Investition für bemerkenswerte Bilder erfordert. Vielmehr braucht es den Mut an die Leute heranzutreten und Sie, noch bevor man bemerkt wird, abzulichten. Anschließend sollte man ihnen die Aufnahmen zeigen und anbieten ihnen die Bilder zuzusenden. Im Bedarfsfall sollte man sich auch entschuldigen und die Bilder löschen. Ich bin zwar fasziniert von der Street Photography und würde gerne mehr in diese Richtung unternehmen, aber oft zu schüchtern die Leute auf Aufnahmen anzusprechen. Mit dem heimlichen Fotografieren aus dem Hintergrund und ohne die Leute nachträglich zu informieren, dass sie abgelichtet wurden, habe ich hingegen Schwierigkeiten. Ich habe danach immer das Gefühl sie irgendwie beraubt zu haben (ich gebe aber zu, es gelegentlich nicht lassen zu können).

Stock- und Werbe-Fotografie | Mein persönlicher, bildgestalterischer Background findet sich im Grafikdesign und der Werbung. Gute Bilder sind das Um und Auf erfolgreicher visueller Kommunikation. Je professioneller die Bildwirkung, desto professioneller wirken Unternehmensauftritte. Oder umgekehrt: Amateuraufnahmen vermitteln in der Werbung keine Professionalität!

Da ich schon lange bevor ich selbst begann mich eingehender mit Fotografie zu befassen viel mit professionellen Aufnahmen zu tun hatte, ist mein Auge geschult professionelle Arbeiten von Amateuraufnahmen zu unterscheiden – was jetzt aber nicht heißt, dass Amateure keine professionelle Bildwirkung zu Stande bringen. Als ich selbst meine erste Spiegelreflexkamera und später die erste Digitalkamera in die Hand nahm um dem Ideal gut umgesetzter Werbefotografie nach zu eifern, wurde ich mit dem Lauf der Zeit zunehmend frustrierter. Ich erreichte die Qualität der Profis nicht. Obwohl mir klar war wie Brennweite, Blende, Empfindlichkeit und Belichtung zusammenhängen, blieben meiner Ergebnisse auch unter besten Lichtbedingungen hinter der Qualität professioneller Werbefotografie zurück.

Die Kronleuchter gingen mir während eines Fotoworkshops auf. Ich hatte bis dahin mit einer Kamera des gehobenen Einsteigersegments gearbeitet und mit Objektiven die in derselben Liga spielten. Auf diesem Workshop hatte ich die Möglichkeit zum ersten Mal mit einer professionellen Kamera und einem Objektiv der Viertausend-Euro-Klasse zu fotografieren. Ich habe ein einziges Bild gemacht, auf dem Display betrachtet und verstanden, weshalb meine Ergebnisse mit meiner Ausrüstung immer hinter den Resultaten der Profis zurückbleiben würden.

Es heißt oft, dass die Ausrüstung des Fotografen nebensächlich sei. Das stimmt insofern, dass ein guter Fotograf mit der billigsten Kamera bessere Aufnahmen machen wird, als ein Laie oder Einsteiger mit einer Top-Ausrüstung. Doch es gibt auch fotografische Genres in denen man sich ohne entsprechende Ausrüstung die Zähne ausbeissen wird. Dazu gehört in der Regel die Werbefotografie, aber auch der Bereich der professionellen Sportfotografie, wo über die Distanz eines Fußballfelds beeindruckende Bilder unter Flutlicht entstehen sollen, oder auch die Wildlife-Fotografie, bei der der Fotograf im dichten Wald bei dämmrigen Lichtverhältnissen versucht über eine erhebliche Distanz einen scheuen Vogel abzulichten.

Die Kamera für alle Fälle gibt es nicht

Die falsche und nicht zum Thema, das man gerne und primär fotografiert, passende Kamera kann einem die Freude an der Fotografie ordentlich verleiden. Ich habe viele Kameras besessen, habe immer nach der eierlegenden Wollmilchsau gesucht, die für alle Fälle den perfekten Kompromiss darstellt – zumindest das war mir schon früh klar: Wenn man schon auf mehreren Hochzeiten tanzen möchte muss man Kompromisse eingehen. Richtig Freude hatte ich aber mit diesen Kompromissen nie. Heute habe ich eine Profi-DSLR für reine Foto-Shootings, bei denen ich kompromisslose Qualität erwarte, meine Einsteiger-DSLR zum Wandern und Spazieren, eine Kompaktkamera als leichten Begleiter und darüber hinaus ein Smartphone, mit dem ich noch Fotos machen kann, wenn ich keine andere Kamera mit mir rum schleppe.

Man sollte sich nicht mit einem Gerät abmühen, das für das bevorzugtes Genre nicht gut geeignet ist. Entweder man wechselt das Genre oder – besser – die Kamera. Auch wenn sie noch neu ist. Mir scheint es besser ein paar Euro Lehrgeld zu bezahlen als die Freude an der Fotografie zu verlieren.

Titel

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
240 Seiten, in Farbe, Hardcover;
ISBN: 9783842373938;
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Ladenpreis: 44,90 (D);
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Mon, 01. Nov. 10
Autor: Markus Kategorien: Fototechnik Tags: ; ; ;

Ich bin ja ein großer Fan der Street- und Reportagefotografie. Kein fotografisches Genre liefert – in meinen Augen – mehr Stoff für spannende, unterhaltsame, lustige, berührende oder einfach nur interessante Bilder. Für einen Feigling wie mich, der zu schüchtern ist sich mit kurzen Brennweiten an Personen heran zu pirschen und sie nach einer Aufnahme auch anzusprechen, ihnen die Bilder zu zeigen, ihnen anzubieten, sie ihnen zukommen zu lassen oder im Bedarfsfall zu löschen, sind lange Brennweiten natürlich die Alternative, mit denen sich verhindern lässt die Leute auch anzusprechen. Aber es bleibt bei mir bei dieser Form des stillen Voyeurismus immer ein etwas schaler Geschmack übrig. Ich werde das Gefühl nicht los die Menschen heimlich um intime Momente zu bestehlen.

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Witzige Szene auf einem Marktplatz am Lago Maggiore. Wir wissen, dass sie nicht miteinander telefonieren (na ja, vermutlich jedenfalls), aber doch stellt unser Gehirn diese Verbindung her. Streetphotograpy ist für mich eines der spannendsten fotografischen Genres.

Das Problem an Spiegelreflexkameras mit langen Brennweiten ist daneben auch, dass lichtstarke Boliden – Kameras mit langen Rohren – den Eindruck eines Paparazzos vermitteln und sich viele Leute davon bedroht fühlen. Bei meinen Streifzügen durch Orte habe ich – mit einer D700 und einem langen 300mm-Objektiv vor Augen – immer wieder sehr skeptische – fast schon böse – Blicke von Leuten geerntet, in deren Richtung ich fokussierte. Ich kann das auch verstehen.

Bei mir entstand der Wunsch nach einer unauffälligeren Kamera für unterwegs. Nachdem ich das iPhone 4 bekommen hatte, war eine kleine Kamera für ›immer-dabei‹ eine Zeit lang gar kein Thema mehr. Für Schnappschüsse bietet das iPhone eine hervorragende Qualität. Aber natürlich reicht es nicht in die Qualität einer brauchbaren Kompaktkamera heran und bietet schon gar nicht deren Einstellungsmöglichkeit.

Als ich begann nach potenziellen Kameras für meine Ansprüche umzusehen, konnte ich vier potenzielle Kandidaten ausmachen:

Erfreulicherweise konnte ich »Point of Sale« dafür gewinnen über die G12/S95 ein Buch zu schreiben. Seit einigen Tage habe ich die Kameras nun da und bereits ausgiebig getestet. Dabei ist mir die S95 bisher mehr ans Herz gewachsen.

Ich würde es vielleicht anders sehen, wenn ich nicht in der Hauptsache mit Spiegelreflex fotografieren würde, sondern eine Kompaktkamera als Hauptkamera bräuchte. Vor allem das klapp- und schwenkbare Display der G12 hat Vorteile und erlaubt Perspektiven, die mit Kameras ohne Schwenkdisplay fast nicht möglich sind.

Aber als kleine Alternative zur Spiegelreflex-Ausrüstung hat für mich die S95 die Nase klar vorne. In der Bedienung schenken sich die beiden Kameras, trotz deutlich weniger Knöpfen und Reglern bei der S95, kaum etwas. Ich finde sogar, dass die Einstellungen von Blende und Belichtungskorrektur an der S95 leichter und flotter von der Hand geht.

Blickt man von oben auf die S95 findet der ambitionierte Fotograf alles, was sein Herz begehrt, und zwar in Form eines Drehschalters, der es erlaubt einen Programmmodus (P), eine Zeitvorwahl (Tv), eine Blendenvorwahl (Av) und einen komplett manuellen Modus (M) zu wählen. Was braucht man mehr?

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Programmmodus, Zeitvorwahl, Blendenvorwahl und manueller Modus – alles, was der ambitionierte Fotograf von einer Kamera erwartet. Der gerippte Ring um das Objektiv lässt sich drehen und mit Funktionen belegen – im (meist genutzten) Modus Blendenvorwahl liegt bei mir darauf die Blendeneinstellung.

Der gerippte Ring um das Objektiv ist kein Designelement, sondern lässt sich drehen und mit Funktionen belegen. Über die Taste ›Ring Func.‹ auf der Kamera lässt sich diesem Ring für jeden Modus (P, Tv, Av, M) eine eigene Funktion zuweisen. Ich nutze die S95 vorwiegend in der Blendenvorwahl (Av) und habe auf den Ring die Blendeneinstellung gelegt.

Der Rücken der Kamera ist klar und übersichtlich gestaltet. Der Einstellring um die Taste ›Func. Set‹ lässt sich einerseits nach oben, rechts, unten und links kippen, wodurch man die Belichtungskorrektur aufrufen kann, den Blitz einstellen, den Selbstauslöser aktivieren und auf Makro (Blume) und manuellen Fokus (MF) umstellen kann. Auch hier also alle wichtigen Funktionen schnell und ohne klicken durch Menüs aufrufbar.

Der gerippte Ring außen um den Kippschalter herum kann, ebenso wie der Ring um das Objektiv an der Front, mit einer Funktion belegt werden. Ich habe darauf die Belichtungskorrektur gelegt. Die S95 lässt sich also bedienen wie eine Spiegelreflexkamera mit zwei Wahlrädern. So könnte man beispielsweise im manuellen Modus die Blende auf den vorderen und die Zeit auf den hinteren Ring legen. Das Bedienkonzept ist wirklich clever und wenn man so eine Arbeitsweise gewöhnt ist, kommt man damit sofort zurecht.

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Der Ring um ›Func. Set‹ ist vielseitig und erschließt sich doch gleich einmal intuitiv. Canon hat bei der Bedienung hervorragende Arbeit geleistet.

Die Einstellungen sind im Grunde auf zwei Menüs aufgeteilt: Über ›Func. Set‹ erreicht der Fotograf die wichtigsten erweiterten Einstellmöglichkeit für das aufnehmen von Bildern, wie den Weißabgleich, die Auflösung, das Bildformat und so weiter. Über ›Menu‹ lassen sich die Grundeinstellungen der Kamera verändern, wobei man sogar ein eigenes Menü mit den wichtigsten Einstellungspunkten zusammenstellen kann – auf Knopfdruck landet man dann zuerst in diesem ›Custom Menu‹.

Die Taste ›S‹ Links oberhalb des Einstellungsrings lässt sich wieder mit einer eigenen Funktion belegen. Bei mir liegt darauf die Belichtungsspeicherung. Auch hier steht die kleine S95 also einer SLR nicht nach. Es mag echt zu begeistern, wie benutzerfreundlich Canon eine Unmenge an Anwendungsmöglichkeit an dieser kleinen, übersichtlichen Kamera anbieten.

Selbstverständlich bietet die S95 auch die Möglichkeit nach der Aufnahme ein Histogramm samt Überbelichtungswarnung anzeigen zu lassen, so dass man im Falle einer Überbelichtung eine Belichtungskorrektur vornehmen und noch einmal auslösen kann. Auch hier also auf Augenhöhe mit SLR.

Blickt man von vorne auf die S95, hat man ein ausgesprochen cooles, reduziert gestaltetes und unauffälliges Kameragehäuse vor sich. Schicker kann eine Kompakte wohl kaum sein. Dabei stimmt nicht nur die Form. Auch die Haptik ist vom Feinsten. Keine Spur von billigem Plastikfeeling, sondern ein solides Gehäuse, das weder zu schwer noch zu leicht wirkt. Design hat hier ganz offensichtlich nicht bei der Formgebung aufgehört. Sehr gut.

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Die S95 ist nicht nur funktional gut ausgestattet, sondern auch ausgesprochen cool und ansprechend gestaltet.

Und die sonstigen Werte? Ein richtiges Weitwinkel war etwas, was lange Zeit bei kaum einer Kompakten zu finden war. Ich würde jedoch nie wieder eine Kamera kaufen, die keine kürzere Brennweite als 35mm erlaubt. 28mm ist keine besonders weite Brennweite, doch es genügt weite Landschaften einzufangen, in engen Räumen mehr als einen kleinen Ausschnitt ablichten zu können, und auch einmal etwas spektakulär mit der Perspektive zu spielen.

Lichtstärke 2.0 klingt beachtlicher, als es sich in der Praxis auswirkt. Bei reduziertem Umgebungslicht am langen Ende der Brennweite (Tele) – wo mehr Lichtstärke ja wichtiges ist, als im Weitwinkelbereich – ist man bei Lichtstärke 4.9 und das ist nicht mehr so berauschend. Und mit dem kleinen Sensor der Kamera lässt sich die große Offenblende auch nicht so zur Steuerung der Schärfentiefe nützen, wie man es von einer SLR mit mittlerem oder großem Sensor gewohnt ist. Anders gesagt: Kurze Schärfentiefe zum Freistellen portraitierter Personen oder von Objekte ist zu vergessen.

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Freistellen von Objekten durch geringe Schärfentiefe ist nur für kleine Objekte auf kurze Distanz möglich. Die S95 teilt ihr Schicksal mit fast allen Kompaktkameras, dass sie aufgrund des kleinen Sensors als Portraitkamera praktisch ungeeignet ist. Wer mit einer Kompakten portraitieren will muss auf Apparate mit mittlerem oder Kleinbild-Sensor warten. Das kann aber noch dauern.

Was für mich im Übrigen Kompaktkameras endlich wieder attraktiv gemacht hat, ist, dass sie heute schnell genug und in der Lage sind RAW-Dateien aufzunehmen. Ich muss gestehen, dass ich nach Jahren reinen SLR-Fotografierens im RAW-Dateiformat zunächst etwas enttäuscht von den Resultaten der S95 war. Derzeit kann ich die RAW-Dateien noch nicht entwickeln, da weder Aperture, noch Adobe Camera Raw noch Adobes RAW-Converter das Dateiformat der neuen Kamera unterstützt. Ich fotografiere deshalb im Moment parallel in RAW ›und‹ JPEG. Die Spannung steigt, was ich aus den gemachten Aufnahmen später noch herauskitzeln werde können. Auf jeden Fall geht auch das parallele Fotografieren und Speichern von RAW+JPEG ohne nennenswerte Wartezeit von statten. Das hat bei Kommpaktkameras vor ein paar Jahren noch anders ausgesehen.

Die S95 ist eine sehr sympathische, schicke Kompaktkamera mit allen Einstellmöglichkeiten, die sich ein ambitionierter Fotograf von einer Kamera erwartet und dabei intuitiv und flott zu bedienen. Auch wenn ich noch kein abschließendes Resümee ziehen kann, weil mir noch die Möglichkeit der Entwicklung der RAW-Dateien fehlt, glaube ich doch, dass ich sie absolut empfehlen und jedem ans Herz legen kann, der eine kompakte Zweitkamera zur SLR sucht – auch wenn er, wie ich, sonst eher mit Nikon unterwegs ist.

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Ansprechende Landschaftsaufnahmen sind auch mit Kompaktkameras möglich.

Weitere Bilder aus der S95 habe ich (weitgehend unbearbeitet) in einer mobileMe-Gallerie online gestellt.


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