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OP Tech USA Kamera-Gurtsystem

So gut wie jede Kamera kommt mit einem Schulterriemen oder einer Handschlaufe daher. Die letzte Kamera bei der ich diese Beigabe nutzte war meine erste DSLR, die Nikon D80. Als ich 2008 begann mit der Nikon D700 und somit Vollformat und entsprechend schweren Linsen zu fotografieren suchte ich nach einer komfortableren Alternative die ich im Gurtsystem von OP Tech USA auch bald fand.

OP Tech USA hat sich auf die Herstellung von Gurtsystemen und Accessoires aus Neopren für Fotografen und Jäger spezialisiert. Die Neoprengurte sind nicht besonders schick und deshalb wahrscheinlich nicht erste Wahl für den gemeinen Hipster unter den Motivjägern. Dafür sind sie sehr angenehm zu tragen, widerstandsfähig, pflegeleicht und flexibel. Auch mein erster Gurt von 2008 sieht kaum gebrauchter aus als meine letzten Neuzugänge.

Bei den Schultergurten wirkt das Neopren stark federnd, was ein sehr angenehmes Tragegefühl vermittelt, ohne, dass die Kamera schaukelt oder auf und ab hüpft.

Die Handschlaufen vermitteln ein bisschen den Eindruck als wären sie aus Schaumgummi gefertigt. Mit der edlen Anmutung von Lederhandschlaufen hat das wenig gemein. Dafür ist das Tragegefühl umso besser, denn die Schlaufe ist eigentlich kaum zu spüren. Die Schaumgummi-Anmutung vermittelt nicht unbedingt reissfest zu sein, doch OP Tech gibt selbst für die kleine Kompaktkamera-Handschlaufe Cam Strap QD eine empfohlene Tragelast von 1,1kg an, für den SLR Wrist Strap 4,5kg.

Das Klippsystem erlaubt einen schnellen Wechsel zwischen Gurt und Handschlaufe was mir wichtig ist. Die Klips selbst scheinen bombenfest, eine versehentliche Lösung habe ich in all den Jahren nie erlebt. Angenehm auch: Die Schulterriebem lassen sich recht klein zusammenrollen oder legen und beanspruchen nicht viel Platz in den Fototaschen.

classicstrapuniloop

Für meine Olympus OM-D E-M1 habe ich den Super Classic Strap Uni-Loop (Abbildung oben; OP-Tech-Produktseite; Amazon-Affiliate-Link) von meiner Vollformatkamera übernommen, bei Bedarf wechsle ich zum SLR Wrist Strap (Abbildung unten; OP-Tech-Produktseite; Amazon-Affiliate-Link).

slrwriststrap

camstrapqd

OP Tech nutzt zwei verschiedene Klippsysteme (Connectors): Das Uni-Loop-System für schwerer Kamerasysteme und das Mini-QD-System für Kompakt- und kleinere spiegellose Systemkameras. An meiner OM-D E-M5 und der Pen E-PL7 verwende ich statt der größeren Verschlüsse die kompaktere Variante. Oben zu sehen die E-PL7 mit dem Cam Strap QD (OP-Tech-Produktseite; Amazon-Affiliate-Link), unten ein Foto der Pen mit dem Mirrorless Strap (OP-Tech-Produktseite; Amazon-Affiliate-Link).

mirrorlessstrap

Der Unterschied zwischen Super Classic Strap zum Mirrorless Strap betrifft nicht nur die Verbindungsklipps, sondern auch das Schulterteil ist etwas anders. Der Super Classic Strap ist auf der Trageseite gummiert was ihn rutschfester macht und ich als etwas angenehmer empfinde. Der Unterschied ist allerdings nicht besonders groß.

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Welche Kamera ist die richtige?

Besucher die regelmäßig vorbei schauen, wissen, dass die Frage dieser Überschrift ein Thema spiegelt das mich häufig beschäftigt. Die Antwort lautet: Es kommt drauf an!

Die richtige Kamera für jeden gibt es nicht! Und was es wohl auch nicht mehr gibt sind schlechte Kameras. Jedenfalls nicht bei den verbreiteten Systemkameras und nicht bei den gängigen Marken (was sich unter diversen Namen bei manchen Discountern an Kompaktkameras mit fix verbauten Linsen tummelt mag ein anderes Thema sein).

Doch wenn es eh keine schlechten Kameras gibt und alle Modelle iO sind, weshalb schreibe ich immer wieder darüber und rücke z.B. die Vorzüge von MFT in den Mittelpunkt?

Wer hier öfters mitliest kennt auch diese Antwort: Weil ich einen viel zu breiten Mainstream sehe, der nach wie vor der Meinung anhängt, alles andere als Vollformat und Spiegelreflex wäre bestenfalls zweite Wahl.

Richtig ist, dass noch immer die meisten Berufsfotografen mit Vollformat und Spiegelreflex arbeiten. Daran ist nichts verkehrt.

Richtig ist aber auch, dass das vor allem Tradition hat. Die meisten lernten mit DSLR und investierten irgendwann in ein DSLR-System. Als 2008 die ersten spiegellosen Systemkameras auf den Markt kamen waren sie nichts weiter als eine interessante Alternative als Zweitkamera. Die Systeme waren zwar klein und Kompaktkameras überlegen, doch sowohl bei Ausstattung als auch bei Funktion und Qualität zu weit von Spiegelreflex entfernt, um professionellen Ansprüchen gerecht zu werden.

Seither hat sich viel getan und spätestens mit Modellen der X-Serie von Fuji, der NEX7 und NEX6 von Sony, der GH4 von Panasonic und den OM-D-Modellen von Olympus finden spiegellose Modelle auch bei Berufsfotografen professionellen Einsatz. Qualitative Unterschiede durch die verschiedenen Sensorformate und bei den verschiedenen Marken gibt es, das ist keine Frage. Doch ist das Niveau insgesamt so hoch, dass endloses Herumkauen auf Differenzen die oft nur mehr im Labor messbar sind, absurd ist.

Kein Mensch sieht einer Aufnahme an ob sie mit der teuersten Vollformat- oder einer Einsteigersystemkamera gemacht wurde – jedenfalls nicht, solange man bei ISO-Einstellungen keine extremen Grenzwerte überschreitet und keine detailreichen Aufnahmen deutlich über A3 ausdruckt. Was man Aufnahmen da schon eher ansieht, ist das Können der Leute die die Kameras bedienen, also ob der Fotograf sein Handwerk versteht oder nicht. Für viele Amateure wäre eine Investition in die eigenen Skills lohnender als in teurere Systeme – am besten eine Investition von Zeit in Praxis.

Beim Entwicklungsstand aktueller Kamerasysteme wird die Frage nach der besten Abbildungsqualität zum sekundären Thema. Viel wichtiger ist, wie mir ein Apparat liegt und ob ich die Funktionen vorfinde die ich für meine Arbeit brauche. Ein paar Beispiele und Überlegungen:

  • Wenn ich beabsichtige Landschaft und Architektur mit dem erforderlichen Aufwand (Stativ, Spiegelvorauslösung, Fernauslöser) zu fotografieren und in Formaten über A3 zu drucken, dann kann eine Investition in eine Vollformatkamera mit großem Kontrastumfang und Auflösung von 36MP und mehr durchaus sinnvoll sein. Ob mit oder ohne Spiegel ist persönliche Geschmacksache. (Nebenbei bemerkt: Höchste Ansprüche erfüllt man in dieser Disziplin wohl mit Mittelformat, was allerdings eine Frage des Budgets ist.)
  • Wenn ich an Porträts denke die ich in erster Linie im Studio und an mit dem Auto gut erreichbaren Locations aufnehme, oder Assistenten als Sherpas für schweres Equipment habe, dann haben voluminöse Bodys wie sie Vollformat- und bzw. oder Spiegelreflexkameras zu Eigen sind, durchaus ihre Berechtigung. Der Sinn von Auflösungen jenseits der 20MP erschließt sich mir hier hingegen kaum (höchstens man ist von einem gewissen Schärfefetischismus jenseits jeder praktischen Überlegung getrieben, woran ja auch nichts verwerflich ist).
  • Wenn ich an Astrofotografie interessiert bin, hat Nikon mit der D810A eine Kamera im Angebot die sich speziell an diese Zielgruppe richtet.
  • Wenn ich mich von Wind, Regen und Schnee nicht abhalten lasse und bei jedem Wetter auf die fotografische Pirsch gehen möchte, sollte das System gut gegen Feuchtigkeit geschützt sein. Entsprechende Modelle dürfte es bei allen Anbietern geben. Allerdings genügt es nicht eine dichte Kamera zu haben, auch die Objektive müssen gleichermaßen abgedichtet sein.
  • Wenn ich unter Wasser fotografieren möchte, muss ich vor einem Kauf sicherstellen, dass die Kamera entsprechende Features aufweist und beispielsweise Gehäuse für den Tauchgang verfügbar sind.
  • Wer Makrofotografie im Sinn hat, wird ein Klappdisplay zu schätzen wissen.
  • Wer auf Hochzeiten fotografiert, wird eine leise Kamera ebenso schätzen, wie jeder, der an Street Photography interessiert ist – letzteren ist noch an unauffälligen Kameras gelegen.
  • Wer viel unterwegs ist, wird wohl auf Dauer weniger Freude an einem großen und schweren Spiegelreflexsystem, als an einer kompakten Systemkamera haben.
  • Wer gerne Sport fotografiert, braucht eine Kamera die rasch und präzise fokussiert, und dürfte bislang mit einer Spiegelreflex-a besser bedient sein als mit einer spiegellosen Kamera (die neue Sony A6300 soll diesen Unterschied pulverisieren, doch bevor ich das nicht selbst getestet habe, bleibe ich skeptisch). Weiters garantiert eine Kamera, bei der extremes Anheben der ISO-Empfindlichkeit sehr kurze Verschlusszeiten erlaubt ohne Details durch Rauschen zermatschen zu lassen, exzellente Resultate.

Das sind nur ein paar Überlegungen die bei der Entscheidung für ein bestimmtes System heute wichtiger sind, als ob ein Sensor bei bestimmten Tests in Laboren einen Hauch besser aussteigt. Keine Kamera erfüllt jede Anforderung zugleich am besten. Deshalb gibt es auch nicht die Kamera die für alles am besten ist. Es dürfte aber auch kaum Fotografen geben die in all diesen Bereichen regelmäßig fotografieren und dabei immer optimale Leistung benötigen, und wenn doch, dann werden sie über mehrere Systeme verfügen.

Auch wenn nicht jede Kamera jede Aufgabe gleich gut erfüllen kann, erfüllen doch wohl alle Apparate die meisten Aufgaben mehr oder weniger gut (abgesehen von einigen Einsteigerkameras denen die Hersteller manchmal Limits einbauen um sie von hochwertigeren Apparaten abzuheben).

Wir haben heute vergleichbare Qualität und vergleichbaren Funktionsumfang bei allen Kameras zu vergleichbaren Preisen. Das heisst für den Fotografen, dass es in erster Linie darauf ankommt welche Kamera sich für ihn gut anfühlt, wie sie ihn anspricht, ob er sie gerne in die Hand nimmt und wie er sie bedienen will und kann. Die Vorlieben sind da so unterschiedlich wie Menschen nun einmal sind. Was für den Einen perfekt ist, kann für den Anderen der komplette Unsinn sein.

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Fotografie aus Leidenschaft

Steinmaennchen

Ich fotografiere nicht weil ich muß. Ich fotografiere aus Leidenschaft. Ich lebe weder für noch von der Fotografie. Ich lebe mit Fotografie. Fotografie lebt mit mir. Sie begleitet mich. Eine Kamera ist stets dabei.

Als Fotografie-Trainer und -autor ist sie Teil meines Berufslebens, aber als solcher kann ich Fotografieren was, wie und womit ich will – eine Freiheit die sonst nur Hobbyfotografen haben. Eine wunderbare Freiheit!

Ich fotografiere weil mich eine große Leidenschaft für den Akt des Fotografierens beseelt. Ich liebe es Ausschau nach bemerkenswerten Szenen zu halten, mich ganz den Dingen um mich herum zu öffnen und zum Entdecker von Motiven zu werden.

Ich liebe die Optik, die Haptik und den Klang meiner Kamera. Ich liebe es mit einem Messfeld, manuell oder per Fingertipp den Fokuspunkt zu bestimmen, liebe die Überlegung welche Blende das Motiv am Besten zur Geltung bringt und die Suche nach der optimalen Belichtung. Fotografie bringt mich zum Flow. Die Aufnahme ist angenehmer Nebeneffekt.

Das mag für zielorientierte Menschen befremdlich klingen. Ich bin nicht besonders zielorientiert. Das heißt nicht, dass ich keine Ziele habe. Aber ich bevorzuge Ziele zu denen ein mich reizender Weg führt. Oder umgekehrt: Ich mag keine Ziele die mich zu Wegen nötigen die mir zuwider sind.  Auch wenn es abgedroschen klingen mag: Der Weg ist mein Ziel. Das Ziel selbst ist lediglich das Finale des Weges. Um es sportlich auszudrücken: Dabei sein ist alles! Ein Ziel ist für mich eher Perspektive als unabänderliches Endresultat.

Manchmal ist das Ziel sogar der Ort an dem ich mich gerade befinde. Neben meinen Leidenschaften für das Schreiben und das Fotografieren habe ich beispielsweise auch eine Leidenschaft fürs Fahren. Mein Auto hat dabei viel mit meiner Kamera gemein: Der kleine Roadster gehört nicht zu den stärksten, er ist nicht der schnellste, ich kann mit ihm weder ins Gelände noch viele Menschen oder große Dinge transportieren. Aber er vermittelt mir ebenso wie meine Kamera eine unbeschwerte Leichtigkeit.

Ich mag sein Design, seine Haptik, seinen Sound. Ich könnte nicht mehr Spaß am Fahren haben wenn es ein Ferrari oder Aston Martin wäre. Leute für die vor allem Größe zählt, für die mehr immer mehr ist, größer besser ist und die erst zufrieden sind wenn es nichts mehr gibt was noch besser sein könnte (sprich also: nie), werden auch das nicht verstehen.

Wenn man manchen Fotografen zuhört könnte man glauben vor der letzten Photokina wäre keine qualitativ akzeptable Fotografie möglich gewesen. Alles was in Sachen Rauschverhalten, Auflösung und Kontrastumfang nicht State of the Art ist, ist des fotografischen Einsatzes unwürdig.

Deshalb kommt beispielsweise keine Kamera mit einem FourThirds-Sensor in die Tüte. Zu geringe Auflösung, zu schlechtes Rauschverhalten, zu wenig Kontrastumfang! Dabei rauchen alle MFT-Kameras die ich seit 2014 hatte meine erste Profikamera von 2008, die Nikon D700, in Sachen Auflösung und Rauschverhalten in der Pfeif. Außer der Lumix GM1 stecken sie sie auch beim Kontrastumfang in die Tasche.

Warum soll heute unbrauchbar sein was vor wenigen Jahren des Profis Topqualität war? Die technische Brillanz die mit den neuesten High-Tech-Werkzeugen zu erreichen ist, ersetzt weder Inspiration noch Emotion. Die Qualität einer Fotografie lässt sich nicht in Linienpaaren per Millimeter messen, die Freude am Fotografieren schon gar nicht.

Natürlich sei es jedem belassen so viel Freude an technischen Spielzeugen und beim Abzählen von Linien per Millimeter zu haben wie er will und es ist nichts verwerfliches daran für Fineart-Prints das letzte Quäntchen Detailreichtum aus seiner Ausrüstung kitzeln zu wollen. Ich finde es aber müßig den eigenen Anspruch an eine theoretisch erzielbare Maximalqualität zum Kreuzzug zu erklären und zu glauben jeden der andere Ansprüche hat zum rechten Weg bekehren zu müssen!

Fotografie besteht nicht nur aus Megapixel, Dynamikumfang und High-ISO. Fotografie ist ein kreativer Prozess und eine Kunstform und ihre Qualität misst sich ebensowenig am eingesetzten Werkzeug wie sich die Qualität eines Gemäldes am verwendeten Pinsel misst.

Als Mountain-Biker musste ich immer über jene Gelegenheits-, Mode- und Einsteiger-Biker schmunzeln die sich sanfte Steigungen hoch mühten, denen du ansahst, dass sie die erste Tour noch nicht lange hinter sich aber das gerade angesagteste High-Tech-Bike unter ihrem Hintern haben. Ich war so Mittelklasse unterwegs. Ich hatte ein vernünftiges Bike, allerdings weitab von State of the Art. Hatte ich mich damit einen Berg hinauf gequält und ich begegnete dabei einem hartgesottenen Trend-Verweigerer, auf einem Drahtesel der mehr mit einem alten Waffenrad als mit einem Mountainbike gemein hatte, rang mir das immer besonderen Respekt ab.

Ich will mich fotografisch nicht unnötig abmühen. Ich liebe die Leichtigkeit der Fotografie die mir meine Kameras geben, was nur in Kombination mit den konkurrenzlos kompakten Objektiven möglich ist. Ihr Volumen schmiegt sich perfekt in meine Hände, die verwendeten Materialien geben ihnen im Verhältnis zur Größe ein sehr sattes Gewicht und dennoch ist es so gering, dass es sich im wahrsten Sinne des Wortes unbeschwert fotografieren lässt.

Dass ich dieses Thema in meinem Blog immer wieder aufnehme, liegt nicht daran, dass ich mich auf einer Mission gegen Vollformat befinde. Ganz im Gegenteil! Wenn ich in einer Mission unterwegs bin, dann im Namen der Vielfalt. Die verschiedenen Systeme haben wie schon so oft gesagt Vor- und Nachteile. Die breite Auswahl an Konzepten ermöglicht jedem das zu finden was er braucht.

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Wieso manche Fotografen »fremde« Systeme schlechtreden

Ich habe wieder einmal ein Mail erhalten dessen Antwort mir für einen Artikel interessant zu sein scheint:

»Wieso gibt es eigentlich immer soviel Unmut über die diverse Kameramodelle, obwohl Viele gerne damit fotografieren? Man ist regelrecht überfordert, wenn man die Beiträge zu den MFT-Kameras liest. Gerne würde ich die OM-D E M5 kaufen, aber man rät mir von verschiedenen Seiten davon ab. Das hohe Rauschverhalten gibt hier wohl den Ausschlag.«

Das Schlechtreden anderer Systeme dient nach meiner Meinung bei den meisten Fotografen in erster Linie dazu sich das eigene System schönzureden – sich selbst zu bestätigen, dass man die besten Wahl getroffen hat. Meist wird dabei auf Basis von Nicht- und Halbwissen argumentiert, Argumente die das eigene System besser aussehen lassen werden in den Vordergrund gerückt, Nachteile des eigenen Systems ausgeblendet und ignoriert.

Leute die sich wirklich mit der Technik auskennen haben meist einen differenzierteren Blick und werden wohl nur selten von einem System als Ganzes abraten, auch wenn Kritik an Details immer angebracht ist und es sehr wohl Modelle gibt die tatsächlich keine Kaufempfehlung wert sind.

Jedes System, jede Marke hat Vor- und Nachteile, Stärken und Schwächen. Das System das in jeder Beziehung das beste ist gibt es nicht. Ich habe den Vergleich schon oft strapaziert: Ein Geländewagen und ein Sportwagen sind für zwei verschiedene Einsatzzwecke gedacht – da ist nicht das eine Konzept besser als das andere!

Geht es um die Qualität muss jeder selbst entscheiden ob MFT für die eigenen Anforderungen ausreichend ist. Dass ein Kleinbildsensor mehr zu leisten in der Lage ist steht außer Frage, auch in Sachen Rauschverhalten. Allerdings sind die Unterschiede, abgesehen von extremen Anforderungen, eher theoretischer Natur – im Labor messbar, in der Praxis nicht sichtbar.

Eine Einsteigerkamera wie die Olympus Pen E-PL7 um knapp 350 Euro steckt heute eine Nikon D700, die vor wenigen Jahren Maßstäbe in professioneller Abbildungsqualität setzte, sowohl bei der Auflösung als auch beim Rauschen ganz locker in die Tasche. Wieso soll plötzlich inakzeptabel sein was vor wenigen Jahren das professionelle Maß der Dinge war?

Natürlich leistet eine Kleinbildkamera bei Auflösung und Rauschen mehr als eine MFT-Kamera. Doch wenn maximal erreichbare Abbildungsqualität und Auflösung tatsächlich das alleinige Kriterium für den Kauf einer Kamera ist, dann muss ich in letzter Konsequenz wohl zu einer Phase One Mittelformat oder einer Leica S greifen.

Alle Systeme haben Vor- und Nachteile. Es gilt Prioritäten zu setzen und zu definieren welche Eigenschaften für einen selbst wichtig sind. Wenn es ausschließlich Auflösung und Rauschfreiheit ist – sei’s drum. Es spricht nichts dagegen Spaß am Pixelzählen zu haben. Für mich lautet die Frage aber nicht wie viel Qualität kann ich erreichen, sondern wie viel brauche ich! Und wenn ich da alle Pros und Contras untereinander schreibe und einen Strich unter die Gleichung mache, dann ergibt sich für mich MFT als das ideale System. Es wäre aber kompletter Unsinn meine Gleichung auf irgendeinen anderen Fotografen übertragen zu wollen. Also einfach Ohren zuklappen wenn Leute versuchen genau das zu tun.

Zu den Details der Vor- und Nachteile von MFT habe ich schon einige Artikel geschrieben – eine Suchabfrage findet alles was es auf meiner Seite rund um MFT zu lesen gibt.

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Olympus OM-D E-M10 – die ideale Einsteigerkamera

Mein erstes spontan und planlos aufgenommenes Video-Kamera-Review ist etwas holprig geworden und ich musste es arg zusammenschneiden. Ich bin mir noch nicht sicher ob solche Video-Reviews eine Zukunft für mich haben. Zwar hat es Vorteile in Form eines Videos vorführen zu können wie ein Produkt aussieht und funktioniert, bleibt aber die Frage was euch, liebe Besucher, Leser und Zuschauer lieber ist. Sachdienliche Rückmeldungen ob Video gut oder geschriebener Bericht besser ist sind deshalb sehr willkommen.

Zur Kamera in aller Kürze: Die E-M10 MkII ist eine selbst für einen Oly-Fan wie mich überraschend coole Kamera. Auch wenn es schon einige Monate her ist, dass ich die MkI in Händen hatte, glaube ich doch mich rückblickend zu erinnern, dass deren Haptik zwar auch OK aber nicht so überzeugend wie bei der MkII war. Tatsächlich empfinde ich die E-M10 MkII in Händen in Sachen Solidität und Materialeindruck absolut auf Augenhöhe mit einer E-M5 oder E-M1, auch wenn es einen funktionalen und praktischen Unterschied gibt: Die E-M10 ist nicht gegen Feuchtigkeit und Staub abgedichtet (im Video spreche ich zweimal von »abgedeckt«, was natürlich nicht ganz richtig benannt ist).

Die Kamera ist kaum größer als eine Pen E-PL7 und somit absolut alltagsbegleitungstauglich. Würde ich mir heute noch einmal eine Begleiterin für immer-dabei kaufen käme ich schwer ins Grübeln ob es die E-M10 oder E-PL7 sein soll.

Die Einstellräder wirken wie kleine Türmchen auf der Kamera was ein bisschen witzig aussieht, funktional aber absolut seine Berechtigung hat, denn so sind sie gut zu ertasten und da der Aufbau für den Sucher noch etwas höher ist, tragen die Türmchen an sich nicht zusätzlich auf. Die Räder haben eine gute Haptik – kein Vergleich zu dem was Panasonic oft an billigen Plastik dafür verbaut – und laufen extrem smooth. Einerseits rasten sie absolut deutlich ein andererseits vermitteln sie den Eindruck nicht den geringsten Widerstand zu bieten – auch das im Gegensatz zum Rad einer Lumix GM5. Dabei hat sich meine erste Befürchtung, die Räder ließen sich zu leicht versehentlich verstellen in der Praxis überhaupt nicht bestätigt. Von daher muss ich wohl auch in meiner Einschätzung der OM-D E-M5 MkII zurückrudern, denn auch dort hegte ich den Verdacht die Räder seien zu leichtgängig.

Ansonsten gilt in meinen Augen für die E-M10 MkII dasselbe wie für die MkI: Sie ist die ideale Einsteigerkamera für alle die mehr als ein Telefon oder eine Kompakte zum Fotografieren wünschen.

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Sony oder Olympus?

Gestern erreichte mich eine interessante Frage eines Lesers:

»Ich bin kurz davor in eine neue (Semi)-Profi Kameraausrüstung zu investieren. … Nachdem ich mir diverse Systeme angeschaut habe, stehen nun für mich die Systemkameras von Olympus und Sony im grossen Finale. … Gerne würde ich noch weitere Erfahrung von Ihnen zu Olympus hören.«

Sonys Spiegellose bekommen viel begeisterten Beifall und mit Zeiss als Partner steht die Qualität der Optiken wohl außer Frage. Es ist auch kein Geheimnis, dass Sony die besten Sensoren baut – auch Nikon und Olympus vertrauen darauf.

Betrachtet man die reine Bildqualität haben Sonys Kleinbild- gegenüber Olympus’ MFT-Kameras zweifellos die Nase vorne – ein größerer Sensor ist ein größerer Sensor. Der größere Bildwandler bringt auch den Vorteil geringerer Schärfentiefe, was allerdings nicht generell ein Vorteil ist.

Obwohl sich der qualitative Unterschied zwischen kleineren und größeren Sensoren nicht von der Hand weisen lässt, sollte man sie nicht überbewerten. Wir sprechen hier vom Unterschied zwischen Phantastisch und noch ein bisschen besser als Phantastisch. Meist ist der Vorteil größerer Sensoren eher mess- als sichtbar. Vor allem so lange man keine hohen Auflösungen für Prints in Formaten von deutlich über A3 benötigt, und es sich nicht um Motive handelt in denen Details und feine Strukturen eine zentrale Rolle spielen können.

Fotografieren wir Landschaften oder Architektur darf durchaus davon ausgegangen werden, dass interessierte Betrachter gelegentlich einzelne Details in Augenschein nehmen, und dazu ganz nah an den Print herantreten. Bei kräftiger Vergrößerung würden dann Unschärfe oder pixelige Strukturen den Bildeindruck stören.

Bei vielen anderen Motiven jedoch ist eine solche Detailuntersuchung kaum zu erwarten – wer sollte schon Interesse haben die Hautstrukturen eines Porträts unter die Lupe zu nehmen (außer vielleicht ein Hautarzt). Beträgt der Betrachtungsabstand eine Armlänge und mehr spielt die Auflösung kaum mehr eine Rolle – ein Unterschied zwischen einem Print mit 150ppi und einem mit 300ppi ist praktisch nicht mehr zu erkennen. Dies habe ich beispielsweise in meinem Buch »Grafik und Gestaltung« mit mehreren Abbildungen demonstriert (für alle die das Buch zufällig besitzen). Bei der Distanz aus der man Poster üblicherweise betrachtet ist auch zwischen 72ppi und 300ppi kein Unterschied mehr zu erkennen.

Bis A3 dürfte der Qualitätsunterschied von Kleinbild- und MFT-Kameras auch bei 300ppi kaum relevant sein. Die Brillanz der Linsen und die Präzision der Aufnahme spielt dabei in der Regel die größere Rolle. Die praktische Frage bei der Entscheidung für eine Kamera ist für mich deshalb nicht »wie viel Auflösung kann ich kriegen?« sondern »wie viel Auflösung brauche ich?«

Mehr Auflösung als man braucht ist kontraproduktiv, denn zu viel Auflösung ist überflüssiger Ballast bei der Bildbearbeitung. Festplatten gehen ebenso rascher über, wie Prozessoren unter der Datenlast stöhnen und die Workflows der RAW-Konverter zähflüssiger werden lassen.

Die große Stärke von MFT und der Grund weshalb ich mich dafür entschieden habe und glücklich damit bin, ist die Kompaktheit des Systems. Sony mag noch so kompakte Kleinbildkameras bauen, die Optiken werden immer größer und schwerer sein als bei Olympus und Panasonic, und zwar deutlich. Ist man häufig unterwegs und beabsichtigt mehr als nur eine Kamera mit einem Objektiv dabei zu haben, darf man MFT keinesfalls außer Acht lassen. Deshalb frage ich immer zuerst nach der Bedeutung von Transportabilität, wenn ich um einen Tipp bezüglich Kamerakauf gebeten werde.

Hat Mobilität keine Bedeutung, fotografiert man in erster Linie daheim oder im Studio, beabsichtigt auch Locations unterwegs bequem mit dem Auto anzufahren und spielt Mobilität somit generell keine Rolle, fehlen die Argumente pro MFT und es gibt gute Gründe anderen Systemen den Vorzug zu geben. Doch wenn es um den optimalen Kompromiss aus Abbildungsqualität, Möglichkeiten und Transportabilität eines Systems geht, ist MFT unschlagbar.

»… Sony bietet einen genialen Vollformatsensor mit 42 Megapixel … Wenn ich jetzt investiere, will ich eine gewisse Nachhaltigkeit erreichen und mir möglichst viele Einsatzmöglichkeiten offen halten.

Bezüglich Print werde ich mich je nachdem zwischen A4 und F12 bewegen aber auch die Auflösung bei Bildschirmen wird immer höher und die Anforderung an hochaufgelöste Bilder/Videos in 4K ist keine Zukunftsmusik mehr.

… Jedoch ist da der kleinere MTF Sensor und auch die Technik im Gehäuse ist nicht ganz so fortschrittlich wie Sony.«

Wenn ich das korrekt deute, liegt die Präferenz bei Sony. Ich kann nur raten dem persönlichen Bauchgefühl zu folgen. Kein Hersteller baut schlechte Kameras, alle haben Stärken und Schwächen, jeder Fotograf jagt andere Motive, fotografiert anders und hat individuelle Vorlieben. Entscheidungen gegen den Bauch gehen meist schief, mögen sie rational noch so gut begründet scheinen. Auch wenn sich das viele Kamerakäufer wünschen würden: Die generell beste Kamera gibt es nicht. Vielmehr muss man nach der Kamera suchen, die für einen selbst am besten passt.

F12 ist ein recht großes Format (268,5 cm × 128 cm, ein Plakatformat in der Schweiz – musste erst einmal googeln) für das die hohe Auflösung einer Sony A7R II durchaus sinnvoll ist. Zwar bietet Olympus mit der Pixel-Shift-Funkion eine vergleichbare Auflösung, allerdings bislang nur für unbewegte Motive und mit Stativ (man munkelt die E-M1 II solle Pixel-Shift auch aus freier Hand möglich machen).

Dass 4K- und 5K-Monitore im Anflug sind ist Tatsache. Ich weiß die feine Auflösung des Retina-Displays meines MacBooks zu schätzen, allerdings eher in Bezug auf die Darstellung von Text, Schrift und Vektorgrafiken. Bei der Betrachtung von Fotos hingegen ist der Unterschied zu geringer aufgelösten Displays zu vernachlässigen. Gerade aus der Distanz aus der Betrachter Fotos bei einer Diashow folgen ist eine geringere als für das Medium optimale Auflösung in der Regel kein Problem, ein Unterschied nicht wahrnehmbar.

Die Ansicht, dass Sony gegenüber Olympus überlegene Technik verbaut teile ich nicht. Zwar genießt Sony den Ruf der innovativste Kamerahersteller zu sein, doch ich sehe es wie Steve Huffs der Olympus für den eigentlichen Innovator der Branche hält. Olympus hatte als erstes Live-View, als erstes Sensorreinigung (und lange Zeit, vielleicht noch heute, die effizienteste), Olympus hat zusammen mit Panasonic das Segment der Spiegellose Systemkameras erfunden, hat mit Pixel-Shift in den Massenmarkt eingeführt, hat den Retro-Trend begründet, hat lange vor Sony 5-Achsen-Bildstabilisierung geboten und gilt damit als Branchenprimus. Sony ist innovativ, keine Frage, aber Olympus kaum weniger.

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Welche Kamera soll ich kaufen?

»Welche Kamera soll ich kaufen?« Wenn du Fotografie unterrichtest und Bücher über Fotografie schreibst wird dir diese Frage oft gestellt. Und ich habe sie auch schon mehrmals beantwortet. Auch hier im Blog. Die Antwort lautet: Es kommt drauf an!

Für Viele kommt es als erstes einmal auf das Budget an. Allerdings ist das Budget als wichtigstes Kriterium für den Kauf einer Kamera keine kluge Basis. Wer keine 500 Euro ausgeben will sollte sich den Kauf eines Smartphones statt einer Kamera überlegen. Kameras hochwertiger Smartphones sind heutzutage Exzellent und stecken Kompaktkameras der unteren Preisklassen in vielerlei Hinsicht in die Tasche. Dabei lassen sich ihre Preise häufig vom Mobilfunkanbieter subventionieren, Apps für ein paar Cents machen sie zum Bildbearbeitungscomputer und beides – Fotografieren und Bildbearbeitung – ist nur ein kleiner Teil dessen was die smarten Alleskönner leisten.

Fotografieren mit dem Schweizer Taschenmesser

Das Smartphone ist das Schweizer Taschenmesser unter den elektronischen Geräten. Wer nicht viel mitschleppen will und nichts anderes als Schnappschießen im Sinn hat ist mit einem Smartphone bestens bedient – fürs Draufhalten und Abdrücken braucht man kaum mehr. Dass sich trotz aller Einschränkungen die diese Art der Kamera zweifellos hat exzellente Fotos machen lassen beweisen jährlich die iPhone Photography Awards.

Richtige Kameras

Über eine richtige Kamera nachzudenken hat vor allem einen Sinn wenn man richtig fotografieren will– wenn man mehr zu tun bereit ist als ein technisches Gerät im Automatik-Modus zu bedienen (wobei sogar das mit Smartphones möglich ist). Das verlangt aber, dass man weiß wie der Apparat zu bedienen ist und welche Einstellungen was bewirken. Oder besser anders herum ausgedrückt: Wenn man weiß was man einstellen muss um etwas Bestimmtes zu bewirken.

Ja, es gibt Situationen in denen eine Spiegelreflexkamera automatisch bessere Fotos macht als eine Kompakte oder ein Handy. Es gibt aber kaum weniger Situationen in denen es für alle die nur Draufhalten und Abdrücken wollen kaum einen Unterschied macht ob der Apparat ein Handy oder eine Spiegelreflex ist.

Alles andere als unbeschwert

Die meisten die sich nicht ernsthaft mit Fotografie befassen wollen und trotzdem eine Spiegelreflex kaufen lassen nach meiner Erfahrung die Apparate bald wieder daheim im Schränkchen. Eben weil eine Spiegelreflexkamera immer ein bisschen Schlepperei bedeutet und man regelmäßig erfährt, dass das Handy oft genau so gute Fotos macht wie die Spiegelreflex, wenn man letztere ohne Gewusst-wie einsetzt.

Die richtige richtige Kamera

Hat man nun aber beschlossen sich aktiv mit Fotografie auseinander zu setzen und Interesse an und Liebe zur Materie gefunden, stellt sich die Frage welche Kamera die richtige unter den richtigen Kameras ist. Damit wären wir wieder bei der Frage: Welche Kamera soll ich kaufen?

Noch immer gibt es keine einfache, eindeutige, allgemeingültige Antwort. Es ist wie die Frage welches Auto soll ich kaufen? Ein Kleinbus, ein Sport- und ein Geländewagen sind auch bei identischer Preis/Leistung drei völlig unterschiedliche Wagentypen. Jeder hat Vorteile die der andere nicht hat und Nachteile bezüglich dessen was er selbst absolut nicht leisten kann. Welcher für mich der richtige Wagen ist hängt von meinen Anforderungen ab. Möchte ich mehr als fünf Leute befördern können, soll der Weg durchs Gelände zur Berghütte bewältigt werden oder will ich sportlich um Kurven brettern?

Für den angehenden Fotografen stellen sich die Fragen wie, wo man was man fotografieren möchte. Welches Modell welcher Marke es am Ende genau ist ist hingegen von geringer Bedeutung. Wer behauptet es müsse unbedingt ein Modell einer bestimmten Marke sein, tut das in der Regel um sich selbst zu bestätigen, dass er mit der Entscheidung für seine Marke die richtige getroffen hat.

Klar: Wenn mich jemand frage, welche Kamera würdest du kaufen, muss ich sagen, eine Olympus. Ich habe drei davon und keine andere Marke. Die drei Kameras die ich habe passen perfekt zu mir. Doch was für mich perfekt ist kann für andere voll daneben sein.

Also geht zum Händler, nehmt verschiedene Modelle verschiedener Hersteller und die Hand und schaut welcher Apparat das größte Will-haben-Gefühl auslöst! Dass sich eine Kamera perfekt anfühlt ist das Um und Auf. Ob das am Ende tatsächlich die perfekte Kamera für einen ist merkt man ohnehin immer erst nach einiger Zeit der Anwendung. Doch die Antwort steht noch viel weniger auf irgendeinem Datenblatt oder in irgendeinem Testbericht, als sie einem durch das Gefühl beim In-die-Hand-nehmen beim Händler vermittelt wird. Ich habe auch schon Kameras nach dem was ich las und was auf Datenblättern stand blind bestellt und es hat sich immer als Fehler herausgestellt.

Was Qualität und Preis/Leistung angeht kann man in der Regel kaum etwas falsch machen, egal zu welcher Kamera man greift. Alle Hersteller kochen mit demselben Wasser, alle haben Stärken und Schwächen, keiner bringt kompletten Mist in die Läden. Zum gleichen Preis darf man unterm Strich vergleichbare Qualität erwarten.

Auf das Wie, Was und Wo im Detail einzugehen würde sehr tief führen – recht ausführlich widme ich mich dem Thema in meinem Buch »Die kreative Fotoschule«. Doch ein paar grundlegende Gedanken als Ausgangspunkt möchte ich nennen.

Transportabilität: Fotografiere ich häufig unterwegs? Möchte ich eine Kamera die ich möglichst unbeschwert transportieren kann, die dabei aber alle Möglichkeiten einer Spiegelreflexkamera und vergleichbare Qualität liefert? Schaut euch die Systemkameras von Sony, Fujifilm, Olympus und Panasonic an.

Die beste Wahl wenn es um einen perfekten Kompromiss von Gewicht/Volumen zu Qualität geht stellt Micro FourThirds dar, also die Systeme von Panasonic und Olympus. Die ideale und beste Einsteigerkamera ist in meinen Augen derzeit die Olympus OM-D E-M1. Sie ist klein, leicht, für ihren Funktionsumfang absolut preiswert, bietet eine Abbildungsqualität auf Höhe von Olympus’ Topapparaten und den Funktionsumfang eines Profigeräts. Und: Ja, das ist keine objektive sondern eine absolut subjektive Meinung – jeder darf eine andere haben und sie kund tun.

Porträt: Wer gerne Personen porträtiert und in Richtung Foto-Shootings mit Menschen denkt und nur geringes Interesse hat eine Kamera laufend durch die Gegend zu schleppen kann und sollte zu einer größeren Kamera als Micro FourThirds greifen. System- und Spiegelreflexkameras von Fujifilm, Sony, Canon, Nikon und Pentax haben größere Bildsensoren die einer kürzere Schärfentiefe forcieren (wobei das MFT nicht wirklich viel schlechter kann) und lassen sich aufgrund ihres größeren Volumens bei ausgedehnten Shootings besser bedienen. Außerdem ist das Angebot an Studio-Zubehör für Canon und Nikon größer als bei allen anderen Herstellern.

Aus eigener Erfahrung empfehle ich einen Blick auf die Nikon D7200 zu werfen (deren Vorgängerinnen ebenfalls exzellent sind und heute wohl bedeutend billiger zu haben sein dürften).

Speedy Models: Wer Motive ins Korn nehmen möchte die sich rasend schnell bewegen, ist mit einer Spiegelreflexkamera am besten bedient. Beim fotografieren von Möwen und anderen flotten Flugkünstlern können meine Olympus-Kameras den Nikons die ich davor hatte nicht das Wasser reichen.

Makro: Wer unkompliziert und ohne Makroblitze, Makroobjektive und Makroschlitten auf Stativen in die Welt des Kleinsten vordringen will, dem empfehle ich eine Kompakt– oder Bridgekamera. Winzig kleine Motive formatfüllend ablichten ist mit ihnen ein Kinderspiel. Um eine vergleichbare Qualität zu erreichen ist mit einer System- oder Spiegelreflexkamera schon einiges an Aufwand und Investition erforderlich.

Das sind, wie gesagt, nur ein paar ganz grobe Gedanken für die Auswahl einer passenden Kamera. Jedes Kameramodell ist anders gestrickt und jeder Fotograf ist anders. Das große Angebot unterschiedlicher Geräte hat den Vorteil, dass jeder das Passende für sich finden kann. Was die richtige Kamera ist lässt sich keinesfalls pauschal beantworten sondern ist immer vom Individuum abhängig. Falls ihr weitere Fragen dazu habt, stellt sie gerne als Kommentar hier in den Blog – Dialoge sind meist bedeutend hilfreicher als einseitige Monologe.

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Großartige Kleine: Olympus Pen E-PL7 und Panasonic Lumix GM5

Eigentlich plante ich ursprünglich einen reinen Erfahrungsbericht zur E-PL7. Doch da ich mir die E-PL7 ansah weil ich mit meiner Lumix GM5 nicht mehr ganz glücklich bin  komme ich kaum darum herum die beiden Kameras im Vergleich zu betrachten.

GM1 und GM5

Seit ich mit Olympus OM-D arbeite ist Fotografie keine belastende Angelegenheit mehr für ich. Doch auch wenn die E-M5 sich auch einmal in einer Jacken- oder Manteltasche verstauen lässt – jedenfalls so lange eines der kompakteren Objektive angesetzt ist –, als täglicher Begleiter ist sie mir doch einen Hauch zu groß.

Bislang blieb nur der Griff zur Kompaktkamera wenn man einen wirklich kompakten Fotoapparat wollte. Mit der Lumix GM1 jedoch wurde eine Systemkamera für Micro FourThirds vorgestellt, die tatsächlich nicht größer ist als eine kompakte Kompaktkamera – zumindest ohne Objektiv. Ich testete diese Kamera deshalb vor ziemlich genau einem Jahr und deklarierte sie als idealen Apparat für immer-dabei.

Festbrennweiten bevorzugt | Anstatt das Kitobjektiv dazu zu nehmen entschied ich mich im Herbst für das zu der Zeit nagelneue Lumix G 15mm ƒ1.7. Abgesehen davon, dass in meiner Festbrennweitenausstattung ein Loch zwischen 24mm KB (12mm MFT) und 50mm KB (25mm MFT) klaffte, reizte mich auch der Blendeneinstellring. Damit konnte ich die wichtigsten Belichtungsparameter Blende und Zeit bzw. Belichtungskorrektur trotz der aufgrund der kompakten Bauweise mit Bedienelementen spartanisch ausgestatteten GM1 komfortabel kontrollieren.

Die GM1 ist in der Tat eine superleichte, unauffällige Begleiterin deren Abbildungsqualität kaum hinter einer OM-D zurückliegt und die – wie die meisten MFT-Kameras – in Sachen Ausstattung und Funktion viele Einsteiger-DSLR alt aussehen lässt. Ein Funktionsriese im Jackentaschenformat kann man sagen.

Blindflug in der Sonne | Das einzige was mich an der GM1 nervte, war, dass fotografieren im Sonnenschein aufgrund des Fehlens eines Suchers oft zum Blindflug wurde. Als ich las, dass Panasonic der GM1 eine Schwester mit elektronischem Sucher zur Seite stellt begannen die Zahnräder in meinem Kopf zu arbeiten und spuckten eine Bestellung für den Apparat aus.

Plastikrädchen | Die GM5 unterscheidet sich nicht nur durch den elektronischen Sucher von der GM1 sondern hat darüber hinaus ein kleines Einstellrädchen am Rücken. Die GM1 wurde via eines Rades das mit der 4-Wege-Wippe auf dem Rücken kombiniert war bedient. Das neue Bedienrädchen der GM5 ist klickbar und hat somit eine Doppelfunktion, also zum Beispiel Blende und Zeit.

Das macht dann natürlich irgendwie den Blendenring des Objektivs obsolet. Trotz des Reizes die Blende wieder so wie früher über einen Ring am Objektiv einzustellen muss ich rückblickend sagen, dass es sich für mich praktisch nicht wirklich bewährt hat. Abgesehen davon, dass sich beim 15mm ƒ1.7 der Ring ganz vorne befindet und ausreichend leichtgängig ist sich häufig versehentlich zu verstellen, hat es auch von der Bedienung her keinen Vorteil die Blende am Objektiv statt mittels eines Einstellrads an der Kamera einzustellen – für mich persönlich geht es mit Einstellrädern an der Kamera effizienter.

Winziger Sucher | Der Grund die GM1 durch die GM5 zu ersetzen war aber doch der elektronische Sucher. Leider bestätigte sich für mich wieder einmal, dass man keine Kamera kaufen sollte die man nicht in Händen hatte. So stellte sich in der Praxis dann gleich einmal heraus, dass der elektronische Sucher der GM5 vielleicht gelegentlich als Notlösung taugen mochte – Spaß machte es aber keinen damit zu arbeiten. Panasonic machte ich deswegen keinen Vorwurf: Winzige Kamera, winziger Sucher – was hatte ich anderes erwartet?

Kein taktiles Erlebnis | Spaß macht es übrigens auch nicht das kleine Plastikrädchen zum Einstellen von Blende und Zeit zu bewegen. Was funktional clever integriert ist ist haptisch eine Katastrophe.

Am Ende hatte es sich für mich als Fehler erwiesen die GM1 durch die GM5 zu ersetzen. Das geringe Vergnügen das es bereitet durch den Sucher zu blicken und das Einstellrad zu betätigen hat unsere Beziehung auskühlen lassen und ich bekam das Gefühl, dass wir getrennte Wege gehen sollten.

Dabei sind die GM1 und GM5 eigentlich exzellente kleine Zwerge. Wie gesagt gibt es an der Ausstattung nichts zu bemängeln, die Gehäuse fühlen sich wertig an, die Qualität spielt bei den Großen mit, die Bedienung des Touchdisplays funktioniert einwandfrei und der AF arbeitet nicht langsamer oder weniger präzise als bei einer OM-D E-M5 – zumindest wäre mir das nie aufgefallen. Das einzige was ich bemängele ist, dass man »Auslösen per Touch« jedes Mal wieder aktivieren muss wenn an die Kamera aus dem Ruhezustand aufweckt.

Objektiv betrachtet kann ich GM1 und GM5 also nur beste Zeugnisse ausstellen. Dass Touchdisplays in der Sonne schwer abzulesen sind ist bei anderen Kameras nicht anders. Dass eine winzige Kamera keinen riesigen Sucher haben kann liegt in der Natur der Sache.

Pen E-PL7

Obwohl ich mit der OM-D zum Olympus-Fan wurde muss ich gestehen, dass ich die Pen nie so wirklich ernst nahm. Zwar nahm ich die E-P5 als besonders attraktive Kamera wahr – mehr als alle ihre Vorgängerinnen –, doch ich hätte sie nie für mich in Betracht gezogen.

Frauenkamera | Die E-PL7 hat viel von der Attraktivität der E-P5 abbekommen. Vielleicht war die Kombination von handtaschentauglicher Kompaktheit und sexy Body ausschlaggebend, dass Olympus sich entschied die E-PL7 als Frauenkamera zu bewerben. Während die größere E-P5 auf Olympus’ Website von einem retrostilsicheren bärtigen Hipster präsentiert wird, zeigt die Seite der E-PL7 ausschließlich weibliche Models bei denen die Kamera andere Modeaccessoires wie die Handtasche weitgehend degradiert. Zum wichtigsten Feature wird dabei das nach vorne klappbare Display das das Einfangen von Selfies mit der besten Freundin zum Kinderspiel macht.

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Aufgenommen mit dem Selfie-Display der E-PL7. Mir persönlich genügt es aber mein Konterfei morgens im Spiegel zu sehen und mein Gesicht gehört zu den Motiven die mich am wenigsten interessieren – deshalb ist das nach vorne klappbare Display auch nicht so das Killer-Feature für mich.

Richtig wahrgenommen habe ich die E-PL7 dann zum ersten Mal in einer Vitrine beim Fotohändler. Ich war überrascht wie klein sie ist. Wieder so ein Eindruck der die Zahnrädchen in meinem Schädel in Bewegung versetzte um den Gedanken zu malen ob die E-PL7 ein Ersatz für die GM5 sein könnte.

Klappdisplay statt Sucher | Zunächst einmal hat die E-PL7 ebenso wenig einen Sucher wie die GM1. Allerdings hat sie ihr gegenüber den Vorteil eines klappbaren Displays wodurch man versuchen kann das Display so hin zu drehen, dass es trotz Sonnenlicht ausreichend gut abzulesen ist. Das Klappdisplay der E-PL7 hat mir in der Praxis aber ganz etwas anderes bewusst gemacht: Ich suchte wieder nach Perspektiven nach denen ich mit den Lumix Zwergen nie gesucht hätte.

Darüber hinaus mag ich es einfach mit nach oben geklapptem Display und nach unten gerichtetem Blick zu fotografieren. Was ich im Gegensatz dazu hingegen überhaupt nicht mag, ist eine Kamera dreißig Zentimeter vor meinem Kopf in die Höhe zu halten.

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Neben der GM5 sieht die E-PL7 nicht wirklich nennenswert größer aus.
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Aus diesem Blickwinkel betrachtet sieht man hingegen, dass die E-PL7 doch deutlich größer ist als die GM5.

Klein aber größer | Die Dinge sind relativ! Wirkte die E-PL7 in der Vitrine des Händlers winzig schien sie im direkten Vergleich neben der GM1 dann doch riesig. Das kommt natürlich der Bedienung entgegen. Viele werden darüber hinaus das Gefühl haben, die E-PL7 liege sicherer in der Hand als die GMs – allerdings hatte ich bei letzteren auch nie das Gefühl sie nicht sicher halten zu können.

Ein weiterer Vorteil des größeren Gehäuses: Das Display ist viel größer! Darüber hinaus ist es von hervorragender Qualität und lässt jenes an meiner E-M5 schon wieder ziemlich alt aussehen.

Exzellente Haptik | Die Haptik der GM1 und GM5 ist gut doch die E-PL7 fühlt sich hervorragend an – ich würde sie durchaus auf Augenhöhe mit E-M5/E-M1 einstufen, was allerdings ein Bisschen täuscht, denn die Nehmerqualitäten der OM-D-Topmodelle hat die Pen nicht. Trotzdem: Olympus führt vor, dass sich Kameras in der Preisklasse unter 400 Euro nicht wie Plastikbomber anfühlen müssen.

Vorbildliches Einstellrad | Wo wir gerade bei Gefühlen sind: Das Einstellrad der E-PL7 fühlt sich exzellent an. Das Besten woran ich bisher gedreht habe (jedenfalls an Kameras). Das Rad ist gleichzeitig leichtgängig (also das Gegenteil einer Fujifilm X-T1) aber bietet ausreichend Widerstand sich nicht dauernd von selbst zu verstellen (also das Gegenteil der Olympus OM-D E-M5II). Das Einrasten der Einstellung ist perfekt ausbalanciert – ein taktiles Erlebnis (das Gegenteil des Einstellrads der GM5).

Ausreichend Funktionstasten | Drei Funktionstasten stehen an der E-PL7 zur Verfügung um weitgehend frei belegt zu werden – mehr braucht man nicht unbedingt, weniger wäre zu wenig. Auf die Starttaste für Filmaufnahmen legte ich als bekennender Nicht-Filmer die Umschaltfunktion zwischen Zeit/Blende (bei manueller Belichtung) beziehungsweise Belichtungskorrektur (in den Programmmodi).

Die Starttaste für Filme ist sehr clever unter der Daumenablage platziert. Man kann sie kaum versehentlich betätigen muss den Daumen aber nur etwas eindrehen um sie zu drücken. Anders sieht es mit den beiden anderen Funktionstasten aus die durch eine exponierte Position andauernd versehentlich betätigt werden. Ich muss noch ein Bisschen üben wie ich die Kamera beim an der Hand tragen halten muss um die entsprechenden Einstellungen nicht versehentlich zu ändern.

Auf die FN-Taste legte ich die ISO-Empfindlichkeit, auf der Vergrößerungstaste beließ ich die Standardeinstellung des Vergrößerns für manuelle Fokussierung.

Ebenfalls individualisieren lassen sich zwei Wege der Vier-Wege-Wippe wovon ich die Blitzeinstellung durch den Weißabgleich ersetzt habe. Somit habe ich alle wichtigen Einstellungen im schnellen Zugriff und kann die Kamera so flüssig bedienen wie ich mir das wünsche.

Druckknopf zum Einschalten | Zum Einschalten ist bei der E-PL7 anders als bei den meisten anderen Systemkameras kein Hebel zu kippen sondern ein Knopf zu drücken. Ich hätte gedacht, dass ich den Hebel vorziehe, doch der Knopf ist so gut positioniert und gestaltet, dass ich die E-PL7 schneller ein- und ausschalte als jede andere meiner Kameras. Dabei habe ich sie noch kein einziges Mal versehentlich eingeschaltet.

Der Schrecken der Straße | Die kleine Pen ist wahrlich eine exzellente Kamera die sich besonders auf der Straße wohl fühlt. Dass sie etwas größer ist als Panasonics kleine Lumix Modelle ist für den Transport im Alltag kaum relevant – sie passt in die gleiche kleine Tasche in der ich bislang die Lumix sowie Ersatzbatterie, Geldtasche und Handy transportierte.

In vielerlei Hinsicht ist sie mit den OM-D-Modellen auf Augenhöhe, man muss jedoch auf den Sucher und den Komfort eines zweiten Einstellrads verzichten.

Rationales Unentschieden | Dass ich mich für die kleinen Lumix-Modelle heute nicht mehr so recht begeistern kann ist rein subjektiv begründet. Objektiv betrachtet liegen E-PL7 und GM5 wohl weitgehend auf Augenhöhe – beide können Vor- und Nachteile für sich verbuchen.

Da gibt’s die Kameras | Wer sich einen eigenen Eindruck von den beschriebenen Kameras machen möchte kann das im gut sortierten Fachhandel tun – hier zu Lande empfehle ich Foto Hebenstreit wo sowohl eine Lumix als auch die E-PL7 lagernd sein dürfte. Wer lieber via Amazon bestellt findet hier drei Affiliate-Links (das heißt wenn ihr kauft fällt eine kleine Provision für mich ab):

Nachfolgend noch ein paar Bilder die in den letzten Tagen mit der E-PL7 entstanden sind.

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Fujifilm X-T1 Praxis-Check – 2. Teil

Bereits im 1. Teil meines Erfahrungsberichts über die X-T1 habe ich beschrieben, dass ich ihrem Bedienkonzept skeptisch gegenüber stehe. Am Ende des 1. Teils schloss ich aber doch mit dem Fazit, dass fotografieren mit der X-T1 Spaß macht.

Digital- ist keine Analogfotografie

Ab den 1980er Jahren ersetzte in Fotoapparaten zunehmend Elektronik mechanische Funktionen. Ich habe zwar noch in den 70ern gelegentlich mit mechanischen Apparaten meines Vaters fotografiert – genau genommen habe ich scharfgestellt und abgedrückt, um die Belichtungseinstellungen kümmerte sich Papa – doch meine fotografische Entwicklung fand mit Kameras statt die bereits überwiegend elektronisch gesteuert wurden.

Abgesehen davon, dass die Empfindlichkeit damals nicht durch ein Einstellrad sondern das Wechseln des Filmes geändert wurde, unterschieden sich meine eigenen analogen Apparate nicht großartig von der Art wie Digitalkameras heute bedient werden.

Ich habe mich daran gewöhnt mit zwei Einstellrädern, die ich mit Daumen und Zeigefinder der rechten Hand bediene, Blende, Zeit, ISO, Belichtungskorrektur und mehr zu steuern, während die linke bei Bedarf das Einstellen des Zooms und der Fokussierung übernimmt. Überwacht werden die Auswirkungen der Einstellungen mit einem Blick in den Sucher oder auf das Display. Auf Einstellräder aufgedruckte Skalen haben für mich keinen praktischen Wert.

Damit wiederhole ich, was ich bereits im 1. Teil angemerkt habe. Sympathisch war mir die X-T1 trotz des Kritikpunkts. Sie weist eine tolle Haptik auf, ist kaum größer als meine OM-Ds, liegt gut in Händen und vermittelt dieselbe Leichtigkeit des Fotografierens die ich auch an den OM-Ds liebe.

Feine Linsen

Das 18–55mm-Kitobjektiv fühlt sich gut an, das Einstellen der Blende am Objektiv macht Spaß, Fokus- und Zoomring laufen sauber und weich, wobei die Gelegenheiten bei denen man versehentlich am falschen Ring dreht bei drei Ringen größer ist als mit zwei, vor allem wenn man nicht nur mit einem Objektiv arbeitet sondern mit verschiedenen und bei jedem Modell eine andere Anordnung der Ringe gewählt wird.

Dass es Fuji es ernst meint und eine anspruchsvolle und professionelle Zielgruppe im Visier hat zeigt sich am feinen Objektivangebot. Allerdings hat das die Kehrseite, dass billige Schnäppchen wie das 35mm ƒ1.8 und 50mm ƒ1.8 bei Nikon oder das 45mm ƒ1.8 bei MFT kaum existieren – ein Grund weshalb ich Einsteigern nicht unbedingt empfehle sich bei Fuji umzusehen.

Dafür ist aber eben das, was es an Glas gibt lichtstark und wie man hört und liest vom Feinsten und wer Ansprüche stellt sollte sie bei Fuji erfüllt finden. Das 18–55mm ƒ2.8–4 macht mir auf jeden Fall einen guten Eindruck, liefert scharfe Details und ein schönes Bokeh.

Eine coole Kappe

Fuji kann offensichtlich auch praktische Objektivdeckel gestalten. Die Kappe des Kitobjektivs hat die Riegel innen (vorne) und sie sind ausgesprochen ausgeprägt – der Deckel lässt sich gut abnehmen und aufsetzen.

Objektivdeckel bei Olympus sind eher das Gegenteil von praktisch. Deren Entriegelung befindet sich meist seitlich und wer sie wie ich auch bei montierter Streulichtblende aufsetzen möchte darf sich anschließend ärgern wenn er die Kappe wieder von der Linse klezeln will.

Zwar hat das M.Zuiko 12–40mm ƒ2.8 auch eine Kappe die innen entriegelt wird, doch die ist mittlerweile berüchtigt sich nach einiger Zeit in ihre Bestandteile aufzulösen (was ich allerdings nachhaltig mit Superkleber repariert habe).

Lupe und Wasserwaage

Besonders gut gefiel mir die Wasserwaage, die eine schlichte Linie ist die sich in der Mitte über den ganzen Bildausschnitt erstreckt. Einfach ist oft am besten. Nachteilig ist allerdings, dass sie nur seitliche Neigung anzeigt.

Noch viel besser gefiel mir die Lupe fürs manuelle Fokussieren. Eine solche Vergrößerung des Bereichs auf den man scharfstellen möchte brachte mir mit der OM-D E-M5 das manuelle Fokussieren zum ersten Mal wieder näher, seit ich keine Kamera mehr mit Schnittbildindikator im Sucher habe.

Bei der X-T1 finde ich diese Lupe allerdings noch praktischer gelöst als bei anderen Kameras – die Vergrößerung lässt sich als separaten Ausschnitt neben dem Gesamtbildausschnitt anzeigen. Anders als bei Lösungen, bei denen einfach nur der vergrößerte Ausschnitt zu sehen ist oder der vergrößerte Ausschnitt über dem Gesamtausschnitt liegt, kann mit Fujis Lösung gleichzeitig die Detailschärfe in der Vergrößerung und die Bildkomposition im Gesamtausschnitt beurteilt werden. Falls ihr euch nicht vorstellen könnt wie das aussieht – im folgenden Review von Digitalreview ist es zu sehen.

Fokussierung braucht Zeit

Soweit ich mitbekommen habe ist ein etwas langsamer Autofokus ein bekanntes Problem von Fuji – das war mir bekannt. Dass der Unterschied zu dem was ich von Olympus und Panasonic gewohnt bin jedoch dermaßen eklatant ist hat mich überrascht.

Fotografiert man unter Tageslicht beziehungsweise in hellen Räumen statische Motive bemerkt man zwar keinen Unterschied zu anderen Systemen, doch meine ersten Aufnahmen machte ich von einem Kleinkind in einem nicht ganz hellen Raum. Ich sollte vielleicht »versuchte ich zu machen« schreiben, denn  so lange das Kind in Bewegung war gelang mir kein einziger Treffer. Mit meinen MFTs geschweige denn mit einer Nikon hätte ich in derselben Situation nicht die kleinste Verzögerung der Fokussierung erwartet.

KO durch umständliche Anwendung

Effiziente und intuitive Bedienung ist immer auch eine subjektive Empfindung. Ich hörte schon häufig von einer schlechten Menüführung bei Nikon, Olympus steht sogar besonders im Ruf undurchschaubare Menüs zu gestalten. Ich kann mich allerdings nicht erinnern Schwierigkeiten gehabt zu haben mich an die Benutzerführung bei Nikon zu gewöhnen und ich hatte auch keine Probleme mich bei meiner ersten Olympus zurecht zu finden.

Ich will nicht behaupten, dass ich mit der Menüführung bei der X-T1 Schwierigkeiten hatte oder, dass ich etwas nicht fand wonach ich suchte, trotzdem empfand ich die Bedienung als umständlich. Möchte man beispielsweise Einstellungen über das Quickmenü verändern muss die Funktion via Vier-Wege-Wippe ausgewählt und dann über das weiter oben befindliche Einstellrad verändert werden. Bei meinen OM-Ds kann ich die Funktion mit dem hinteren Einstellrad anspringen und die Änderung dann mit dem vorderen vornehmen – das empfinde ich als deutlich flüssiger und effizienter.

Was mir den Spaß am Fotografieren mit der X-T1 aber letztendlich tatsächlich verleidete war das was ich Anfangs kritisierte: Die umständliche Steuerung über fünf bis sechs Einstellräder.

Umständliche Belichtungseinstellungen

Habe ich die Kamera vor Augen, den Blick im Sucher und möchte Parameter wie die Belichtungszeit oder Empfindlichkeit ändern, dann muss ich einen Knopf auf einem Einstellrad – Empfindlichkeit links, Zeit rechts – gedrückt halten und das Rad drehen. Das geht mit der Kamera vor den Augen nur mit Verrenkungen. So kann und will ich nicht arbeiten! Ich sehe einfach keinen Nutzen im Bedienkonzept der Kamera sondern nur Nachteile.

Umständliche Einstellung des Belichtungsmodus

Ein zweites Beispiel wo das Bedienkonzept aus der Mitte des letzten Jahrhunderts die Benutzung verkompliziert; Mit wenigen Ausnahmen haben heute alle Kameras ein Einstellrad für den Belichtungsmodus über das sich Programm, Zeit- oder Blendenautomatik oder manuelle Belichtungseinstellung einstellen lässt.

Ich nutze praktisch ausschließlich manuelle Belichtungseinstellungen und Blendenvorwahl. Alle meine bisherigen Kameras ließen sich so konfigurieren, dass Wahl des Modus M Zeit, Blende und ISO manuell steuern kann und im Modus A (Blendenvorwahl) die Blende vorwähle, während Zeit und ISO automatisch eingestellt werden – auf P kann ich alles der Automatik überlassen.

Ein vergleichbares Umstellen von M auf P verlangt bei der X-T1, dass der Blendenring am Objektiv auf A gestellt wird (bzw. ein entsprechender Schalter), dass ISO auf A gestellt wird und dass Zeit auf A gestellt wird. 1:3 für für das Belichtungsmoduswahlrad gegen das Räderwerk der X-T1 – wobei bei diesem Match weniger mehr ist.

Wider Erwarten eine enttäuschende Bilanz

Trotz aller Sympathie für Fuji und die X-T1hat sich am Ende meines Praxis-Checks herausgestellt, dass wir beide nicht füreinander geschaffen sind. Weniger als zuvor verstehe ich, was viele Fotografen an der X-T1 so begeistert. Aber ich muss ja nicht alles verstehen. Verschiedene Fotografen haben nun einmal unterschiedliche Vorlieben und Anforderungen. Sieht man vom Autofokus ab gibt es qualitativ sicher wenig an Fujis X-Kameras zu beanstanden – der Rest ist halt Geschmacksache.

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Trotz aller Kritik der Bedienung und der Fokussierung: Die Ergebnisse wären durchaus zufriedenstellend.

Hinweis | Abschließend möchte ich mich noch einmal bei Foto Hebenstreit bedanken, dass er mir die Kamera für einige Tage zur Verfügung stellte.

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Mein Eindruck der Fujifilm X-T1 – Teil 1

Obwohl mir meine Olympus OM-Ds ans Herz gewachsen sind verfolge ich mit Interesse was sich am Kameramarkt auch abseits von MFT tut. Meine besondere Aufmerksamkeit und Sympathie zieht dabei  Fujifilm auf sich, seit die X100 vorgestellt wurde.

Nachdem Fuji mit einigen Kameras im leicaesken Messsucherstil viel Begeisterung bei Fotografen die wie ich viel auf Achse sind ausgelöst hat, folgte mit der X-T1 ein Modell das eher den Stil klassischer Spiegelreflexkameras aufnimmt.

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Die Fujifilm X-T1 nimmt das Design klassischer Spiegelreflexkameras auf – vulgo »Retro-Design« –, hat also mehr Ecken und Kanten als das von Luigi Colani geprägte ergonomische Design das Spiegelreflexkameraformen seit den 1980er Jahren prägte.

Um den Apparat nicht nur aus der Ferne zu beurteilen bat ich meinen freundlichen Fachhändler mir ein Modell zur Verfügung zu stellen. Der Deal lautet: Ich bekomme Kameras zum Testen und rühre dafür ein bisschen die Werbetrommel, was ich hiermit auch gerne mache.

Freundlicher Fachhändler

Wenn ihr in Vorarlberg und Umgebung zuhause und auf der Suche nach einer Kamera seid schaut bei Foto Hebenstreit in Feldkirch rein. Vor allem wer noch nicht weiß welches Modell welcher Marke es werden soll findet in der Region wohl keine bessere Adresse in der Region – Canon, Nikon, Sony, Pentax, Olympus, Panasonic und Leica sind hier friedlich vereint.

Die Beratung ist stets freundlich und rasch auch freundschaftlich, man kann an der Ausrüstung herumspielen und ausprobieren, ohne, dass ein Verkäufer als Wachhund jeden Handgriff argwöhnisch beobachtet. Und wenn du dich beim ersten Besuch noch nicht für ein Modell entschieden hast kannst du den Laden verlassen ohne das Gefühl mit zu bekommen, dass du gerade verflucht wirst weil du vielleicht etwas Zeit mitgenommen aber keine Kohle dagelassen hast.

Alles subjektiv

Wer auf der Suche nach einem objektiven Bericht über die X-T1 ist wird in diesem Artikel kaum fündig werden. Ausführliche Angaben über Ausstattung und Funktionen von Kameras sowie objektive Messwerte aus Labortests finden sich bei digitalkamera.de, dpreview.com und dxomark.com (wobei sich dxomark offensichtlich nicht sehr engagiert wenn es um das Testen von Fujifilm-Ausrüstung geht). Ich möchte lediglich meinen subjektiven Eindruck beschreiben wie sich eine Kamera für mich und in meinen Händen anfühlt.

Eine Kamera ist mehr als die Summe ihrer Teile. Vergleicht man die Messergebnisse von Labortests verschiedener Kameramodelle derselben Preisklassen mögen die Unterschiede am Datenblatt oft eklatant aussehen, in wiefern sie aber praktisch relevant sind steht auf einem anderen Blatt.

Viel wichtiger als objektive Zahlen ist wie sich eine Kamera subjektiv anfühlt – ob sie zu mir, meiner Arbeitsweise und meinen Motiven kompatibel ist, ob ich sie intuitiv bedienen kann und ob der Look and Feel meinem Geschmack entgegen kommt.

Design-Betrachtungen

Look and Feel der X-T1 kommen meinem Geschmack durchaus entgegen, auch wenn ich finde, dass die OM-Ds noch ein Stück besser gelungen sind. Das Seitenverhältnis Breite zu Höhe wirkt bei der X-T1 etwas plumper und sie wirkt pummeliger als die E-M5 – um es im Fotografen-Jargon auszudrücken: die Proportionen der OM-D sind näher am Goldenen Schnitt beziehungsweise der Drittelregel.

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Die X-T1 wirkt im Vergleich mit der OM-D E-M5 etwas plumper.

Allerdings hat die größere Höhe der X-T1 ergonomische Vorteile: Während mein kleiner Finger bei der OM-D E-M1 ins leere greift und ich einen Hochformatgriff brauche damit sie mir sicheren Halt vermittelt, ist das bei der X-T1 nicht der Fall.

Den vom SLR-Pentaprisma abgeleiteten Aufbau empfinde ich bei der X-T1 etwas zu wuchtig – bei der OM-D wirken die Proportionen auch diesbezüglich stimmiger und die ausgeprägtere Neigung der Seiten lässt ihn bei ihr stromlinienförmiger erscheinen.

Der Wulst zum Halten der Kamera ist keine Augenweide, macht ergonomisch aber Sinn. Dieser ist bei der OM-D E-M5 Mark II besonders zurückhaltend und elegant gestaltet, so dass er sich dort perfekt ins Design einfügt, nur bietet er deutlich weniger Halt als der Griff der X-T1. Den Preis eines etwas aufgesetzt wirkenden und nicht unbedingt attraktiven Handgriffs bezahlt man allerdings auch bei der OM-D E-M1 für die bessere Ergonomie.

Überraschend war für mich, dass die X-T1 neben die E-M5 gelegt nicht wirklich nennenswert größer wirkt. Inklusive des oben abgebildeten 12–40mm ist die E-M5 sogar etwas voluminöser und schwerer als die X-T1 mit dem 18–55mm Standardzoom.

Klassisches SLR-Design

Ebenso wie die OM-Ds nimmt sich das Design der X-T1 klassische Spiegelreflexkameras zum Vorbild – man bezeichnet das heute als Retro. Retro und Vintage haben sich in den letzten Jahren als fester Trend etabliert und wie bei allen Trends gibt es jene die unbedingt dabei sein müssen und jene die jede Mode verteufeln.

Wer Neuinterpretationen von Klassikern verurteilt hat wahrscheinlich von Designgeschichte wenig Ahnung. Bereits die Renaissance orientierte sich an der Kunst der Antike und der Klassizismus hat seinen Namen daher, dass die Architektur des alten Roms als Vorbild herangezogen wurde. Die »Arts and Crafts«-Bewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts orientierte sich an der Renaissance und die Popart der 1960er Jahre vermischte sich in den frühen 70ern aus der Hippie-Bewegung heraus mit einer Wiederbelebung des Jugendstils.

Retro und Vintage sind also nicht wirklich eine Erfindung des Marketings des 21. Jahrhunderts. Gut gemacht können moderne Interpretationen klassischer Vorbilder durchaus zu einer eigenständigen Design-Ikone werden – der Mini macht’s vor.

Anachronistisches Räderwerk

Wie gesagt: Das Design der X-T1 spricht mich durchaus an und zu ihrem Erscheinungsbild gehört auch das üppige Werk der Einstellungsrädchen. Funktional betrachtet schient mir das Bedienkonzept allerdings ein Bisschen anachronistisch und die Beschriftungen sind für mich reines Zierwerk.

Einstellräder mit Skalen und Werten zu versehen stammt aus einer Zeit als Kameras noch rein mechanische Wunderwerke waren. Damals gab es keine elektronischen Anzeigen und Displays die Einstellungen anzeigten – wären die Werte nicht aufgedruckt gewesen hätte sich eine Kamera kaum bedienen lassen.

Heute kann ich auf analoge Beschriftungen durchaus verzichten, denn was ich über irgendwelche Rädchen einstelle sehe ich im elektronischen Sucher oder am Display angezeigt. Oft interessieren mich aber Histogramme und Überbelichtungswarnungen bedeutend mehr als ob die Verschlusszeit nun auf 1/250 s oder 1/1000 s steht.

Rädchen die keine Skalen aufgedruckt haben haben gegenüber bedruckten einen Vorteil: Man kann sie individuell mit Funktionen versehen. Bei Olympus ist beispielsweise üblich, dass nach Werkseinstellung am vorderen Einstellrad die Verschlusszeit liegt und am hinteren die Blende. Ich bevorzuge es genau umgekehrt.

Natürlich spricht wohl nichts dagegen trotz Beschriftung die Belegung zu verändern – seltsam empfände ich das aber schon.

Mein Arbeitsweise sieht in der Regel so aus, dass ich mit einem Einstellrad die Blende steuere, mit dem anderen die Verschlusszeit (in M) oder Belichtungskorrektur (in A) und bei Bedarf eine Zusatztaste drücke um die Empfindlichkeit zu beeinflussen – diesbezüglich gibt es keinen Unterschied zwischen meinen früheren Nikon- und den aktuellen Olympus-Modellen. Die X-T1 verlangt eine andere Arbeitsweise.

Interessant wird es wenn ich beginne Rädchen zu zählen. Bei Nikon und Olympus komme ich mit drei Einstellrädern zurecht: Ein Einstellrad für den Belichtungsmodus (also ob P, A, S oder M) und zwei Einstellräder um die wichtigsten Belichtungsparameter einzustellen.

Bei der X-T1 zähle ich sechs: Ein Rad für die Blende am Objektiv, ein Rad für die Empfindlichkeit, ein Rad für die Belichtungskorrektur, ein Rad für die Verschlusszeit, ein vorderes Einstellrad (das für die Drittelschritte bei der Verschlusszeit benötigt wird, die sich auf dem Verschlusszeit-Einstellrad offensichtlich nicht ausgegangen sind) und ein hinteres Einstellrad (dessen Sinn sich mir im Moment nur bedingt erschließt – es ist offensichtlich dazu gedacht im Quick-Menü Einstellungen vorzunehmen).

Die Bedienung dieses komplexen Rädchenwerks scheint mir nicht besonders effizient zu sein, vor allem, dass ich um Drittelzeitwerte zu ändern zwei Räder bedienen muss befremdet mich ein Bisschen.

Generell sind die Einstellräder eher von der schwergängigen Sorte. Da schon das absichtliche Einstellen (zum Beispiel der Belichtungskorrektur) durchaus Kraftaufwand erfordert, würde ich ein versehentliches eher ausschließen. Trotzdem sind Zeit und Empfindlichkeit zusätzlich mit einer Taste geschützt, was eine flüssige Bedienung auch nicht unbedingt erleichtert. Und warum ist überhaupt nur Zeit und Empfindlichkeit durch eine Taste geschützt, Belichtungskorrektur aber nicht?

Leichtgängig ist übrigens der Ring für die Blende am Objektiv – gegen ein versehentliches Verstellen ist der aber wiederum nicht geschützt.

Während ich bei Olympus und Nikon die Steuerung der Einstellungen im Wesentlichen mit einer Hand erledigen kann muss ich bei der X-T1 die linke Hand zum Einstellen dazu nehmen. Zwar ist es auch bei den Nikons üblich, dass für ISO eine Taste zur linken Hand gedrückt werden muss, die liegt aber in der Nähe des Daumens links und nicht oberhalb. Erschwert wird die Änderung des Werts eben zusätzlich dadurch, dass man nicht nur drehen sondern auch einen Knopf zur Entriegelung drücken muss.

Anders und doch lustig

Das klingt jetzt alles nicht unbedingt nach Begeisterung für die X-T1, doch es spiegelt meine generelle Skepsis an einem Bedienkonzept, das sich an mechanischen Analogkameras orientiert. Eine Digitalkamera ist keine Analogkamera, bietet andere Möglichkeiten – immerhin bedeutet analog das Ändern der Empfindlichkeit einen Filmwechsel – und lässt sich anders bedienen. Ich teile nicht die Ansicht, dass früher alles besser war.

Andererseits gibt es doch genügend Fotografen die diesbezüglich anders ticken als ich, von denen nicht wenige sehr viel erfahrenere Fotografen sind als ich. Ob man Kameras mit diesem ans Analoge angelehnten Bedienkoknzept bevorzugt oder wie ich jenes das in den letzten Jahren an Systemkameras dominierte ist somit am Ende auch Geschmacksache. Auch hier gilt, dass das eine nicht generell besser sein muss als das andere – es ist nur anders. Und ich finde halt Vielfalt immer besser als Einfalt. So kann jeder finden was er sucht.

Trotz meiner Vorbehalte in Sachen Bedieneffizienz ist die X-T1 eine Kamera die Spaß macht – vielleicht auch deshalb weil sie den Fotofluss etwas hemmt und somit möglicherweise ein bewussteres Fotografieren fördert. Über die Erfahrungen mit der Kamera im praktischen Einsatz werde ich in den nächsten Tagen noch berichten: Link.

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