Schlagwort-Archive: Fotografie

Das Wort zum Sonntag

»Der Betrachter mag nichts
über Design-Grundlagen wissen –
doch durch das Betrachten zahlreicher Bilder
ist er intuitiv mit den Regeln vertraut.
Enttäuschen Sie ihn nicht!«

Michael Freeman, „Der fotografische Blick“

Top of the Blogs im August

Im Mai habe ich schon einmal »Meine Blog-Top-Ten« veröffentlicht. Charts aber sind nichts für die Ewigkeit, sondern sind laufend in Bewegung. Man findet neue Blogs, verliert das Interesse an bestehenden Anlaufstellen – und dann kommt noch dazu, dass sich das Interesse auch immer mal wieder verschiebt. Ein paar von meinen lieben Lesern werden mit Enttäuschung festgestellt haben, dass in den letzten Wochen die Themen rund um Design und Typo etwas aus dem Mittelpunkt dieser Website geraten ist. Das heißt nicht, dass mein Interesse daran erloschen ist, hat aber drei gute Gründe:

  1. Ich habe enorm viel zu tun, und kaum noch Freizeit, geschweige denn Zeit mich angemessen um mein Weblog zu kümmern (wenn Pascal nicht wäre …)
  2. Ich halte nach wie vor in vielen Design- und Typoblogs-Ausschau nach interessanten News für euch, aber die Nachrichten über Innovationen, heisse Tutorials und coole Freefonts halten sich derzeit in Grenzen
  3. Pascal und ich arbeiten jetzt an einem gemeinsamen Buch-Projekt und dabei geht es um Fotografie. Es ist noch zu früh, um mehr zu verraten, aber der Auftrag bestimmt natürlich auch den Fokus meiner täglichen Recherchen

Das heißt aber nicht, dass das Thema aus der Welt ist: Zum Jahreswechsel stehen zwei neue Publikationen zu Software-Anwendungen an und von Frühjahr bis Herbst werde ich daran arbeiten mein Baby zur Welt zu bringen: Ein ehrgeiziges Buch-Projekt, das Grafikdesign als Ganzes erschlagen soll. 🙂

Hier also jetzt meine aktuellen Top-Ten:

  1. fokussiert.com
    Leser können Bilder abgeben, die dann von Profis bewertet und kommentiert werden; sehr interessant!
  2. www.designtagebuch.de
    Nach wie vor einer meiner liebsten Blogs mit täglich aktuellen Beispielen aus der Welt der Gestaltung; regelmäßige Leser konnten hier vor kurzem ein Interview mit der Person dahinter lesen: Achim Schaffarinna
  3. blog.reduxo.de
    Hier treffen sich Werbung, Gestaltung und Unterhaltung; schnell besucht und gut amüsiert; wo kriegt der Daniel nur immer die tollen Beispiele her?
  4. www.typeneu.com
    Das tägliche Muss für alle Typo-Fans!
  5. www.hoemmerich.com
    Interessante Beispiele und News zu Gestaltung; Martin Hömmerich war mein erster Interview-Partner
  6. www.fscklog.com
    Die perfekte Ergänzung zu macnews.de für alle Apple-Fans
  7. stylespion.de
    Der Name ist Programm: Schöne Beispiele zu allem was mit visuellem Stil zusammenhängt
  8. www.studio5555.de
    Hat auch mit Stil zu tun und ist auch sehenswert
  9. www.typoblog.ch
    Dürfte öfters aktualisiert werden, aber wenn was kommt, dann ist es interessant; Aktuell: der Hinweis auf die sehr schöne Aaux Next bei TypeTrust, jetzt im Sonderangebot um 200 Dollar je Schriftfamilie (jeweils 18 Schnitte!) – da ist es mir wieder einmal schwer gefallen, nicht gleich zu zuschlagen
  10. www.fontwerk.com
    Schade, dass Ivo derzeit nicht mehr Zeit hat, auf Fontwerk Artikel zu schreiben, sonst wäre das Fontwerk sicher weiter vorne; aber wer zwei Blogs betreibt (www.zoomfeed.de) und auch arbeiten möchte, hat’s eben nicht leicht

In den kommenden Wochen kann ich euch hoffentlich noch ein paar Interessante Interviews liefern, mit Leuten die hinter diesen und anderen Blogs stehen. Die beiden bereits veröffentlichten waren ja schon sehr viel versprechend. Ich bin schon gespannt auf die Antworten die die Kollegen auf meine Fragen geben werden.

Vollformat oder Crop?

Bei picspack.de fand ich dieser Tage einen Artikel mit dem Titel »Vollformat vs. Crop«. Zur kurzen Erklärung worum es geht: Zu Zeiten der analogen Fotografie – also dem Aufzeichnen der Bilder auf Film – hatte sich für Normalverbraucher-Kameras das sogenannte Kleinbildformat (KB-Format) durchgesetzt: 36x24mm. Das Format der Sensoren in digitalen Spiegelreflexkameras ist in der Regel kleiner, als das Format des Films in analogen Spiegelreflexkameras – bei Nikon 23,6×15,7mm, bei Canon 22,2×14,8.

Welche Vor- und Nachteile das mit sich bringt soll im Moment nicht Thema dieses Artikels sein. Was mich interessiert: Wird das Vollformat kommen und die kleineren Formate verdrängen? Ich behaupte: Ja.

Dabei halte ich es für müßig die Frage auf Basis der reinen Vernunft beantworten zu wollen. Der Umstieg von den kleineren Sensoren auf das jetzt als Vollformat bezeichnete Kleinbildformat bedeutet, dass die meisten Objektive die wir in den letzten Jahren für digitale SLR-Kameras gekauft haben, für das größere Format bestenfalls noch suboptimal sind. Für die Kamerahersteller natürlich ein Traum! Sie können uns all die teuren Zoom-, Fixbrennweiten- und Makroobjektive, die wir in den letzten Jahren für die kleinen Sensoren gekauft haben, neuerlich verkaufen – diesmal für das Vollformat. Für uns Konsumenten wird das in erster Linie teurer. Ob die Vorteile, die das größere Format mit sich bringt, diese Investitionen rechtfertigen, mag ich bezweifeln.

Nach vernünftigen Maßstäben mag es also sinnvoll sein, das mit der digitalen Spiegelreflexfotografie eingeführte Format zu behalten (ich betone das »mag«, denn es gibt auch genügend Argumente die für die Rückkehr zum Standard 36x24mm sprechen). Dennoch bin ich mir sicher, dass sich das KB-Format in den nächsten ein bis drei Jahren gegenüber den kleineren Formaten durchsetzen wird.

Das wichtigste Argument, welches die Massen des Marktes hin zum KB-Format bewegen wird lautet nämlich: Viel hilft viel.

Zwar wissen wir, dass das Nonsens ist, aber dennoch funktioniert der Markt genau nach diesen Maßstäben. Das haben wir in den vergangenen zwei Jahren sehr schön bei den digitalen Kompaktkameras gesehen. Der Konsument bewertet die Qualität einer Kamera nach der Anzahl der Megapixel. Mehr Megapixel = bessere Kamera. Stimmt aber absolut nicht! Ganz im Gegenteil. Für die kleinen Sensoren von Kompaktkameras sind mehr als sechs Megapixel Gift (siehe www.6mpixel.org). Das weiß der informierte Leser und das wissen die Kamerahersteller.

Dennoch haben Nikon, Canon, Olympus und Konsorten längst keine Kamera mit sechs Megapixel mehr im Programm, sondern bieten sieben, zehn und zwölf Megapixel-Modelle. Nicht, weil sie es nicht besser wüssten, sondern weil sie auf ihren Modellen mit geringerer Auflösung sitzen bleiben würden. Fuji war der letzte Mohikaner, der noch ein Sechsmegapixelmodell angeboten hat. Aber auch Fuji hatte wohl trotz aller Vorbehalte keine Lust mehr Ladenhüter zu produzieren, und deshalb hat heute auch dieser Hersteller keine Kompaktkamera mit vernünftiger Auflösung mehr im Programm.

Und genau dies wird in den kommenden Monaten auch beim Format der Sensoren passieren. Viel hilft viel. Also sind größere Sensoren auch automatisch besser als weniger große. Noch vor wenigen Wochen (und ich meine wirklich ganz, ganz wenige Wochen) habe ich mit Fachleuten, die im Umfeld von Kameras ihren Lebensunterhalt bestreiten, darüber diskutiert, ob denn das Vollformat nun komme oder nicht. Beide Experten betonten, dass es nicht vernünftig wäre, im Consumer-Bereich (also bei Kameras für Otto-Normalverbraucher) auf KB umzusteigen. Beide meinten, dass das KB-Vollformat eine Domäne der professionellen Boliden bleiben werde.

Das Erscheinen der Nikon D700 straft nun aber diese Ansicht einen Irrtum. Nachdem Canon schon länger mit der 5D eine einigermaßen erschwingliche DSLR mit Vollformat im Programm hat, bedient nun auch der zweite Platzhirsch den Markt mit einer semiprofessionellen Kamera mit Vollbild. Sony wird sicher bald folgen.

Natürlich ist der Einzug des KB-Sensors in der semiprofessionellen Klasse nur der Anfang einer Entwicklung, an dessen Ende »alle« DSLR-Kameras einen Sensor im Format 36x24mm haben werden. Ausnahme könnte am Ende wohl einzig der Four-Thirds-Standard von Olympus und Panasonic sein.

Der Wechsel zurück zum KB-Standard dürfte schmerzhaft werden für alle – mich eingeschlossen –, die in den vergangenen Monaten für das kleinere Format optimierte Objektive gekauft haben. Neue Objektive werden langfristig unumgänglich sein, und für den Bestand der Optiken für die kleineren Sensoren wird der Gebrauchtmarkt wohl keine Spitzenpreise mehr zulassen.

Bleibt zu hoffen, dass sich am Ende wenigstens das KB-Format wieder als Standard über Marken- und Systemgrenzen hinweg etablieren wird, und wir vor allem innerhalb eines Systems wieder Optiken haben, die sowohl auf Einsteiger- wie auch auf Profikameras ihr Bestes geben.

Best »Gestaltungsbuch« ever

Dieses Buch ist echt der Hammer, und ein Muss für jeden Gestalter. Zwar heißt das Buch »Das Foto«, aber die Gestaltungsgrundlagen, die Mante hier erklärt, haben Allgemeingültigkeit für jeden Gestalter.

Mante erklärt Form, Fläche, Goldener Schnitt, Proportionen, Linie, Punkt, Farbe und Kontraste – alles an Beispielen der Fotografie, aber es geht nur ganz selten um Fototechnik. Es geht fast immer um die reine Bildgestaltung und deren Regeln lassen sich fast immer 1:1 auf andere Gestaltungsdisziplinen übertragen.

Wer also das Gestalten jenseits von Button-Klicks in Photoshop und InDesign erlernen will, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Auch den alten Hasen. Auch wenn man selbst noch nie eine Kamera in der Hand hatte, wird man doch außerordentlich vom Wissen in diesem Buch profitieren – der Einsteiger wie der Profi. Und da ohnehin fast jeder Grafikdesigner – auch der nicht fotografierende – praktisch täglich mit Bildern und Fotos zu tun hat, ist ein zusätzlicher Grund, sich das Buch zu besorgen und mit Hingabe zu verschlingen.

Nachtrag: Von vielen Seiten wurde negativ angemerkt, dass diese hervorragende Buch über Gestaltung alles andere als hervorragend gestaltet ist. Diesem Einwand muss ich leider zustimmen. Dass die Rotis hier als Grundschrift eingesetzt wurde, und als Überschriften dann die Frutiger hinzugekommen ist, mag dem typophilen Leser die Freude am Buch trüben. Die Typografie ist ansonsten aber sauber ausgeführt, und trotz der Schriftwahl lässt es sich gut und flüssig lesen.

Weniger gut und flüssig hingegen ist die Platzierung der Bilder. Die Grafiken und Fotos sind in sehr vielen Fällen nicht auf der Seite, auf der sie im Text besprochen werden. Permanent muss man quer blättern um die genannten Beispiele vor Augen bekommen zu können. Einen Grund dafür, weshalb die Bilder nicht passend auf die Seite des Textes platziert wurden, habe ich nur selten Entdeckt. Ganz im Gegenteil: Es gibt Illustrationen die auf der folgenden Doppelseite besprochen werden, während dort dann eine identisch große Grafik steht, die auf der Doppelseite zuvor ein Thema war.

Inhaltlich bleibt das Buch eine Empfehlung, trotz dieser formalen Schwächen.