Sun, 17. Jan. 10
Autor: Markus Kategorien: Kraut & Rüben Tags: ; ; ; ; ; ;

Ein Jahr ist es nun her, dass ich begonnen habe kurze Splitter zu veröffentlichen. Zuerst einmal interessante Fotos, die ich bei Flickr gefunden habe, unter dem Titel »Flickr Splittr«. Daraus sind im Laufe des Jahres Kurzartikel und Posts mit Fundstücken entstanden, unter den Titeln »DesignView«, für alles um Design, »ImageView« für Interessante Fotos und bemerkenswerte Fotografen und »AdView« für clever gemachte Werbung in Wort, Bild und Film.

Leider wenig eigene Artikel | Bedauerlich ist auch für mich, dass ich kaum mehr Zeit finde wirklich eigene Artikel über Typo, Design und die Anwendungsprogramme zu verfassen. Ich weiß, dass Viele in der Vergangenheit genau wegen dieser Artikel zu Freunden des Blogs geworden sind und die Abos verraten mir, dass ich wohl viele Leser bereits verloren habe, weil sich die Inhalte des Blogs verändert haben.

Schade. Weniger schade ist natürlich der Grund: Während rundum viele Freunde über zu wenig Arbeit klagen oder gar ihren Job verloren haben, kann ich mich vor Aufträgen kaum retten. Neben der vielen Arbeit soll ja auch, wie einige von euch wissen, im Frühjahr endlich mein Buch über »Grafik und Gestaltung« auf den Markt kommen (wir avisieren den März, es kann aber auch noch April werden) — eine Mammutaufgabe, die umso schwerer ist, da ich mit Grafikaufträgen und Trainings alleine schon ausgelastet wäre. Die Kehrseite der Medaille ist, dass ich mich kurz vor dem Ausbrennen fühle. :(

Quelle der Inspiration | Ich habe in den letzten 20 Jahren viele Dutzend Bücher, hunderte Zeitschriften und X-Tausend Seiten über Gestaltung und Anwendungsprogramme gelesen. Ich habe den Punkt überschritten, an dem mir die meisten Bücher in der Richtung noch mehr als 20 oder 25 Prozent neues Wissen liefern (es gibt natürlich Ausnahmen) — das macht das Lesen etwas ineffizient, wenn man an Zeit ohnehin knapp ist, und oft auch langweilig.

Was mich heute weiterbildet, ist die Inspiration durch das blättern und stöbern in den Archiven von Fotografen und Designern. Einige Dutzend Websites und Blogs, die sich dem Sammeln und Zeigen gut gemachter Werke verschrieben habe, habe ich abonniert. Das ist wirklich phantastisch am Internet: Früher bezahlte man viel Geld um Bücher mit vielleicht 200 guten Beispielen aus Design, Typografie und Werbung zu bekommen. Heute kann man die Quellen gratis anzapfen und bekommt jede Woche tausend und mehr Beispiele exzellenter Arbeit herein.

Inspiration teilen | Der Sprung von meinem BlogAbo-Programm in meinen eigenen Blog ist nur ein kleiner. Deshalb habe ich begonnen, Werke, die ich besonders inspirierend finde, hier meinen lieben Besuchern zu zeigen und auf die Quellen zu verweisen, wo ich über die Fundstücke gestolpert bin und wo meist auch weitere Beispiele zu finden sind.

Auch für mich selbst wird mein eigener Blog damit zu einem wichtigen Archiv, in dem ich Fundstücke, die mir Gefallen haben, meist schnell wieder finde.

Allen, denen Bücher über Gestaltung noch nicht zu den Ohren raus quellen, kann ich nur raten viele zu lesen. Aber die Theorie, die ihr demnächst auch auf 600 Seiten Papier komprimiert von mir beschrieben im Handel erwerben könnt, ist nicht alles. Beinahe wichtiger ist die Inspiration. Die oberste Gestaltungsregel lautet: Schauen! Und durch schauen kann man auch viel aus den Glanzleistungen und Missgeschicken anderer Gestalter lernen.

Ich hoffe, das euch mein Blog als Inspirationsquelle gefällt und euch die Beispiele inspirieren.

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Mon, 11. Jan. 10

Klassizistische Antiqua und SansSchrift nach Vorbild der Renaissance-Antiqua sollte nach SchriftenMisch-Faustregel eigentlich nicht gehen. Diese These vertrete ich auch im gerade in Arbeit befindlichen Praxisbuch »Grafik und Gestaltung«.

Die stolze Königin Didot kann hier aber ganz gut mit dem etwas raubeinigen Handwerker Gill Sans. Allerdings hat der Gestalter die Gill hier nur versal eingesetzt, und die Versalien der Gill sind sehr liniear gezeichnet, erinnern fast etwas an eine Konstruierte und harmonieren deshalb gut mit der ebenfalls kühl und linear anmutenden Didot.

Es kommt eben immer drauf an!

Quelle: http://www.mymodernmet.com

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Sun, 10. Jan. 10




Peugeot hat sich offensichtlich ein Re-Design seines Logos gegönnt.

Das Designtagebuch von Achim Schaffrinna hat sich des Themas bereits angenommen. Ich schätze Achim und sein Designtagebuch sehr. Seine Berichte sind interessant, umfangreich, gut analysiert und in der Regel bin ich auf seiner Linie. Bei Peugeot geht meine Meinung etwas in eine andere Richtung.

Zwar kann man hinterfragen, ob das Re-Design notwendig war, aber eine Verschlechterung ist es nach meiner Ansicht nicht. Dem einen mag die vorherige Variante besser gefallen haben, der andere mag eher die neue Formensprache mögen.

Ich finde der Löwe ist wesentlich dynamischer und moderner geworden. In der alten Variante wirkt der Logo erhaben und mächtig, aber auch statisch. Die alte Form erinnert eher an ein Wappen (und ist ein Wappen nicht etwas antiquiertes?), was das Re-Design eigentlich nicht assoziiert.

Einen mutigen Schritt, aber vielleicht auch einen sinnvollen, hätte es für mich dargestellt, wenn der Löwe gespiegelt worden wäre. Dann würde er nicht mehr gegen unsere konditionierte Dynamik gehen sondern sich mit ihr bewegen.

Was mich aber vielmehr interessiert: Darf der Löwe auf den Fronten der Peugeots endlich seine Badewanne verlassen? Es muss schlimm sein, für ein so königliches Tier in so beengten Verhältnissen zu leben.

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Sat, 14. Nov. 09




Neuforma from FutureDeluxe on Vimeo.

Found: http://www.dersven.de

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Sun, 01. Nov. 09

Gestern hat mich der Kommentar eines Fotografen erreicht, dessen Foto ich im Blog gezeigt habe. Er hat sich beschwert, dass ich unter meinem Namen ein Foto von ihm zeige ohne seine Erlaubnis einzuholen. In einem freundlichen Mailwechsel konnten wir die Sache Gott sei Dank gütlich klären, doch es hat mich angeregt einmal mehr über das Urheberrecht im Internet nachzudenken.

Zum Einen habe ich zwar immer auf die Quelle zurück verlinkt wenn ich ein Beispiel exzellenter Arbeit präsentierte, aber ich muss gestehen, dass ich zu faul war auch den Namen des Fotografen mit anzuführen. Das habe ich jetzt geändert.

Ich habe bereits mit einigen Fotografen über ihre Meinung dazu gesprochen, was sie davon halten wenn ich ihre Fotos in meinem Blog zeige. Das Feedback ging durchgehend in die Richtung, dass sie sich darüber freuen wenn ich hier ihre Fotos zeige, solange ich zu ihnen zurück verlinke.

Das ist auch meine Einstellung dazu: Ich freue mich wenn jemand meine Arbeiten herzeigt solange er mich als Urheber kenntlich macht und meine Bilder nicht kostenlos verwendet um damit sein eigenes Geschäft anzukurbeln. Das heißt, wenn ein Verlag, der mit seinen Publikationen Cash macht, meine Bilder verwendet um den Einkauf kostenpflichtiger Agenturbilder oder um Aufträge an Fotoreporter zu umgehen, dann halte ich das nicht für legitim. Noch viel verwerflicher finde ich es, wenn Werbeagenturen und Werbegrafiker Bilder klauen, um sich damit die eigene Nase vergolden zu lassen. Da ist es mit einer einfachen Quellenangabe oder Namensnennung nicht getan! Wer Geld mit den Werken Anderer verdient, sollte diese auch an seinem Gewinn beteiligen. Das ist nur fair.

Beunruhigend finde ich die derzeitige Praxis von Google Bücher ohne das Einholen der Rechte zu scannen und ins Internet zu stellen. Das edle Mäntelchen, das sich der Infomonopolist da umhängt, ist doch falsche Fassade, denn Google macht mit seinen Services enorme Kohle. Autoren sollen dann pro Buch mit ein paar Euro abgespeist werden und der GoogleKrake steckt die Millionen ein? Hm. :\

Noch geht es um Bücher, die nicht mehr erhältlich sind. Aber wie soll das weiter gehen, wenn der Trend zum geilen Geiz anhält. Glaubt ihr ich schreibe noch Bücher, wenn ich damit nichts mehr verdienen kann? Glaubt ihr Irgendjemand schreibt noch Irgendeinen anspruchsvollen hochwertigen Text, wenn er davon nicht mehr leben kann?

Zurück zum Thema Bilder, denn so einfach ist das Thema mit den Blogs noch nicht abgehakt. Zwar ist die Kohle, die ich mit GoogleAdds und AmazonLinks verdiene, so wenig, dass das nix mit einer kommerziellen Nutzung zu tun hat. Aber neben dem Spaß am Bloggen sehe ich das Weblog schon auch als Marketinginstrument und hoffe, dass ich damit Promotion für meinen Namen und meine Bücher machen kann. Also ist auch mein Blog ein bisschen kommerziell. Und das gilt für viele Blogs.

Zwar müsste ich den Blog wie er jetzt ist einstellen, wenn ich für jedes Beispiel eine Erlaubnis einholen müsste, ganz zu schweigen davon, dass ich keine Lizenzgebühren für Bilder die ich zeige abgeben könnte. Die Einkünfte aus den Büchern sind gerade groß genug das Schreiben eines neuen Buches wirtschaftlich so einigermaßen zu rechtfertigen. Aber vor diesem Hintergrund kann ich doch verstehen, dass nicht alle Fotografen oder Designer erbaut sind ihre Arbeiten in fremden Umfeldern zu finden – ob mit Quellenangabe oder ohne. Überhaupt ist es legitim, dass der Schöpfer eines Werkes nicht will, dass seine Arbeit auf einem Blog oder einer Site erscheint von der er nie etwas erfährt.

Natürlich unterstützt die Verbreitung von Arbeiten Kreativer in Blogs, auf Sites und in Communitys die Reputation ihrer Schöpfer. Das ist meine Sichtweise und die Sichtweise Vieler die ich kenne. Aber es ist auch legitim es anders zu sehen.

Wer ein Werk schafft hat in meinen Augen auch das Recht zu bestimmen was damit geschieht und was nicht damit geschehen darf. Die Mentalität Vieler zu glauben, sie hätten EIN RECHT auf Alles was andere im Schweiße ihres Angesichts erarbeiten und erschaffen und das Recht es sich auch so zu nehmen, wenn Sie den dafür verlangten Preis nicht bezahlen wollen, nicht können oder für zu hoch erachten, finde ich gelinde gesagt zum Kotzen. Schade, dass diese Mentalität längst zum Mainstream geworden ist und nur die wenigsten Leute ein Problem damit haben sich einfach zu nehmen, wonach ihnen gelüstet.

Ich will hier nicht als Ritter der Rechte ausbeuterischer Industrien auftreten. Wenn eine gierige Musikindustrie gewöhnliche Hausfrauen und Mütter zu Millionenklagen verdonnert und ihr Leben ruiniert, weil sich auf ihrer Festplatte ein paar illegal erworbene Musikstücke gefunden hat, dann ist das mehr zum Kotzen als man jemals essen kann – eine Industrie, die keine Skrupel hat mit minderwertiger Massenware die Taschengeldbörsen Minderjähriger zu plündern. Aber nur weil sich da eine Industrie und einige Multis auf übelste daneben benehmen, rechtfertigt das nicht, dass wir – du und ich – uns einfach überall bedienen dürfen und einfach nehmen wonach uns ist.

Ein kleiner Fotograf ist kein Plattenmulti. Ein kleine Softwareschmiede mit einer sauberen Shareware ist kein Adobe, kein Microsoft, kein Apple. Und ein Schriftdesigner schafft seine Schriften in der Regel aus einer Leidenschaft die finanziell nie vergolten wird.

Das sind nur so ein paar Gedanken zum Urheberrecht und ein Aufruf dazu, dass wir alle darüber nachdenken dürfen, wo die Produkte die uns Freude machen oder uns helfen einen Job zu erledigen her kommen, wer sie gemacht hat, was er dafür aufgewendet hat und, dass er wahrscheinlich auch davon leben können möchte.

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