Canon S95: Kompakter Profi

Mon, 01. Nov. 10

Ich bin ja ein großer Fan der Street- und Reportagefotografie. Kein fotografisches Genre liefert – in meinen Augen – mehr Stoff für spannende, unterhaltsame, lustige, berührende oder einfach nur interessante Bilder. Für einen Feigling wie mich, der zu schüchtern ist sich mit kurzen Brennweiten an Personen heran zu pirschen und sie nach einer Aufnahme auch anzusprechen, ihnen die Bilder zu zeigen, ihnen anzubieten, sie ihnen zukommen zu lassen oder im Bedarfsfall zu löschen, sind lange Brennweiten natürlich die Alternative, mit denen sich verhindern lässt die Leute auch anzusprechen. Aber es bleibt bei mir bei dieser Form des stillen Voyeurismus immer ein etwas schaler Geschmack übrig. Ich werde das Gefühl nicht los die Menschen heimlich um intime Momente zu bestehlen.

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Witzige Szene auf einem Marktplatz am Lago Maggiore. Wir wissen, dass sie nicht miteinander telefonieren (na ja, vermutlich jedenfalls), aber doch stellt unser Gehirn diese Verbindung her. Streetphotograpy ist für mich eines der spannendsten fotografischen Genres.

Das Problem an Spiegelreflexkameras mit langen Brennweiten ist daneben auch, dass lichtstarke Boliden – Kameras mit langen Rohren – den Eindruck eines Paparazzos vermitteln und sich viele Leute davon bedroht fühlen. Bei meinen Streifzügen durch Orte habe ich – mit einer D700 und einem langen 300mm-Objektiv vor Augen – immer wieder sehr skeptische – fast schon böse – Blicke von Leuten geerntet, in deren Richtung ich fokussierte. Ich kann das auch verstehen.

Bei mir entstand der Wunsch nach einer unauffälligeren Kamera für unterwegs. Nachdem ich das iPhone 4 bekommen hatte, war eine kleine Kamera für ›immer-dabei‹ eine Zeit lang gar kein Thema mehr. Für Schnappschüsse bietet das iPhone eine hervorragende Qualität. Aber natürlich reicht es nicht in die Qualität einer brauchbaren Kompaktkamera heran und bietet schon gar nicht deren Einstellungsmöglichkeit.

Als ich begann nach potenziellen Kameras für meine Ansprüche umzusehen, konnte ich vier potenzielle Kandidaten ausmachen:

Erfreulicherweise konnte ich »Point of Sale« dafür gewinnen über die G12/S95 ein Buch zu schreiben. Seit einigen Tage habe ich die Kameras nun da und bereits ausgiebig getestet. Dabei ist mir die S95 bisher mehr ans Herz gewachsen.

Ich würde es vielleicht anders sehen, wenn ich nicht in der Hauptsache mit Spiegelreflex fotografieren würde, sondern eine Kompaktkamera als Hauptkamera bräuchte. Vor allem das klapp- und schwenkbare Display der G12 hat Vorteile und erlaubt Perspektiven, die mit Kameras ohne Schwenkdisplay fast nicht möglich sind.

Aber als kleine Alternative zur Spiegelreflex-Ausrüstung hat für mich die S95 die Nase klar vorne. In der Bedienung schenken sich die beiden Kameras, trotz deutlich weniger Knöpfen und Reglern bei der S95, kaum etwas. Ich finde sogar, dass die Einstellungen von Blende und Belichtungskorrektur an der S95 leichter und flotter von der Hand geht.

Blickt man von oben auf die S95 findet der ambitionierte Fotograf alles, was sein Herz begehrt, und zwar in Form eines Drehschalters, der es erlaubt einen Programmmodus (P), eine Zeitvorwahl (Tv), eine Blendenvorwahl (Av) und einen komplett manuellen Modus (M) zu wählen. Was braucht man mehr?

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Programmmodus, Zeitvorwahl, Blendenvorwahl und manueller Modus – alles, was der ambitionierte Fotograf von einer Kamera erwartet. Der gerippte Ring um das Objektiv lässt sich drehen und mit Funktionen belegen – im (meist genutzten) Modus Blendenvorwahl liegt bei mir darauf die Blendeneinstellung.

Der gerippte Ring um das Objektiv ist kein Designelement, sondern lässt sich drehen und mit Funktionen belegen. Über die Taste ›Ring Func.‹ auf der Kamera lässt sich diesem Ring für jeden Modus (P, Tv, Av, M) eine eigene Funktion zuweisen. Ich nutze die S95 vorwiegend in der Blendenvorwahl (Av) und habe auf den Ring die Blendeneinstellung gelegt.

Der Rücken der Kamera ist klar und übersichtlich gestaltet. Der Einstellring um die Taste ›Func. Set‹ lässt sich einerseits nach oben, rechts, unten und links kippen, wodurch man die Belichtungskorrektur aufrufen kann, den Blitz einstellen, den Selbstauslöser aktivieren und auf Makro (Blume) und manuellen Fokus (MF) umstellen kann. Auch hier also alle wichtigen Funktionen schnell und ohne klicken durch Menüs aufrufbar.

Der gerippte Ring außen um den Kippschalter herum kann, ebenso wie der Ring um das Objektiv an der Front, mit einer Funktion belegt werden. Ich habe darauf die Belichtungskorrektur gelegt. Die S95 lässt sich also bedienen wie eine Spiegelreflexkamera mit zwei Wahlrädern. So könnte man beispielsweise im manuellen Modus die Blende auf den vorderen und die Zeit auf den hinteren Ring legen. Das Bedienkonzept ist wirklich clever und wenn man so eine Arbeitsweise gewöhnt ist, kommt man damit sofort zurecht.

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Der Ring um ›Func. Set‹ ist vielseitig und erschließt sich doch gleich einmal intuitiv. Canon hat bei der Bedienung hervorragende Arbeit geleistet.

Die Einstellungen sind im Grunde auf zwei Menüs aufgeteilt: Über ›Func. Set‹ erreicht der Fotograf die wichtigsten erweiterten Einstellmöglichkeit für das aufnehmen von Bildern, wie den Weißabgleich, die Auflösung, das Bildformat und so weiter. Über ›Menu‹ lassen sich die Grundeinstellungen der Kamera verändern, wobei man sogar ein eigenes Menü mit den wichtigsten Einstellungspunkten zusammenstellen kann – auf Knopfdruck landet man dann zuerst in diesem ›Custom Menu‹.

Die Taste ›S‹ Links oberhalb des Einstellungsrings lässt sich wieder mit einer eigenen Funktion belegen. Bei mir liegt darauf die Belichtungsspeicherung. Auch hier steht die kleine S95 also einer SLR nicht nach. Es mag echt zu begeistern, wie benutzerfreundlich Canon eine Unmenge an Anwendungsmöglichkeit an dieser kleinen, übersichtlichen Kamera anbieten.

Selbstverständlich bietet die S95 auch die Möglichkeit nach der Aufnahme ein Histogramm samt Überbelichtungswarnung anzeigen zu lassen, so dass man im Falle einer Überbelichtung eine Belichtungskorrektur vornehmen und noch einmal auslösen kann. Auch hier also auf Augenhöhe mit SLR.

Blickt man von vorne auf die S95, hat man ein ausgesprochen cooles, reduziert gestaltetes und unauffälliges Kameragehäuse vor sich. Schicker kann eine Kompakte wohl kaum sein. Dabei stimmt nicht nur die Form. Auch die Haptik ist vom Feinsten. Keine Spur von billigem Plastikfeeling, sondern ein solides Gehäuse, das weder zu schwer noch zu leicht wirkt. Design hat hier ganz offensichtlich nicht bei der Formgebung aufgehört. Sehr gut.

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Die S95 ist nicht nur funktional gut ausgestattet, sondern auch ausgesprochen cool und ansprechend gestaltet.

Und die sonstigen Werte? Ein richtiges Weitwinkel war etwas, was lange Zeit bei kaum einer Kompakten zu finden war. Ich würde jedoch nie wieder eine Kamera kaufen, die keine kürzere Brennweite als 35mm erlaubt. 28mm ist keine besonders weite Brennweite, doch es genügt weite Landschaften einzufangen, in engen Räumen mehr als einen kleinen Ausschnitt ablichten zu können, und auch einmal etwas spektakulär mit der Perspektive zu spielen.

Lichtstärke 2.0 klingt beachtlicher, als es sich in der Praxis auswirkt. Bei reduziertem Umgebungslicht am langen Ende der Brennweite (Tele) – wo mehr Lichtstärke ja wichtiges ist, als im Weitwinkelbereich – ist man bei Lichtstärke 4.9 und das ist nicht mehr so berauschend. Und mit dem kleinen Sensor der Kamera lässt sich die große Offenblende auch nicht so zur Steuerung der Schärfentiefe nützen, wie man es von einer SLR mit mittlerem oder großem Sensor gewohnt ist. Anders gesagt: Kurze Schärfentiefe zum Freistellen portraitierter Personen oder von Objekte ist zu vergessen.

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Freistellen von Objekten durch geringe Schärfentiefe ist nur für kleine Objekte auf kurze Distanz möglich. Die S95 teilt ihr Schicksal mit fast allen Kompaktkameras, dass sie aufgrund des kleinen Sensors als Portraitkamera praktisch ungeeignet ist. Wer mit einer Kompakten portraitieren will muss auf Apparate mit mittlerem oder Kleinbild-Sensor warten. Das kann aber noch dauern.

Was für mich im Übrigen Kompaktkameras endlich wieder attraktiv gemacht hat, ist, dass sie heute schnell genug und in der Lage sind RAW-Dateien aufzunehmen. Ich muss gestehen, dass ich nach Jahren reinen SLR-Fotografierens im RAW-Dateiformat zunächst etwas enttäuscht von den Resultaten der S95 war. Derzeit kann ich die RAW-Dateien noch nicht entwickeln, da weder Aperture, noch Adobe Camera Raw noch Adobes RAW-Converter das Dateiformat der neuen Kamera unterstützt. Ich fotografiere deshalb im Moment parallel in RAW ›und‹ JPEG. Die Spannung steigt, was ich aus den gemachten Aufnahmen später noch herauskitzeln werde können. Auf jeden Fall geht auch das parallele Fotografieren und Speichern von RAW+JPEG ohne nennenswerte Wartezeit von statten. Das hat bei Kommpaktkameras vor ein paar Jahren noch anders ausgesehen.

Die S95 ist eine sehr sympathische, schicke Kompaktkamera mit allen Einstellmöglichkeiten, die sich ein ambitionierter Fotograf von einer Kamera erwartet und dabei intuitiv und flott zu bedienen. Auch wenn ich noch kein abschließendes Resümee ziehen kann, weil mir noch die Möglichkeit der Entwicklung der RAW-Dateien fehlt, glaube ich doch, dass ich sie absolut empfehlen und jedem ans Herz legen kann, der eine kompakte Zweitkamera zur SLR sucht – auch wenn er, wie ich, sonst eher mit Nikon unterwegs ist.

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Ansprechende Landschaftsaufnahmen sind auch mit Kompaktkameras möglich.

Weitere Bilder aus der S95 habe ich (weitgehend unbearbeitet) in einer mobileMe-Gallerie online gestellt.


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Via Twitter hat mich am Wochenende die Frage nach der besten Kamera erreicht. Ich bin Nikon-Fotograf aus absoluter Überzeugung. Deshalb kann ich nichts anderes empfehlen als eine Nikon.

Die drei großen Hersteller – Nikon, Canon und Sony – haben sicher langfristig das größte Potenzial und das größte Angebot an Objektiven – vor allem Canon und Nikon.

Mir fallen viele Argumente pro Nikon ein: Nikon ist bekannt dafür, besonders gute, große, helle Sucher zu bauen, und auch beim Systemblitzen scheint Nikon derzeit die Nase vor allen anderen Herstellern zu haben (vor allem wenn es um entfesseltes Blitzen geht). Die Qualität der Nikon-Objektive steht außer Zweifel (und im Gegensatz zu einem geizigen Mitbewerber ;-) kommen Nikon-Linsen immer MIT Streulichtblende), und, und, und.

Ein Canon-Fan wird aber wohl genau so viele Argumente pro Canon liefern. Alle Hersteller kochen mit Wasser und beinahe jedes Modell hat Vor- und Nachteile. Am Besten ist immer zu überlegen, was möchte ich mit der Kamera machen und welche must-have-Eigenschaften ergeben sich daraus für die Kamera. Bei Street-Photography ist derzeit zum Beispiel die Panasonic G1 neue Micro-Four-Thirds sicher eine Überlegung wert: Klein und kein Spiegel, der Lärm macht. Studio-Fotografen die einen preiswerten Einstieg ins Profi-Segment mit hoher Auflösung suchen und auf hohe ISO-Werte verzichten können, sollten die Sony α900 ansehen. Für alle, die im Gegensatz auf eine gigantische Auflösung verzichten können (man sollte sich ernsthaft überlegen, wie viel Auflösung man braucht und wie viel Auflösung zu viel ist), aber hohe ISO-Werte zu schätzen wissen, für die stellt die D700 (und darüber die D3) eine Revolution dar. Canons D700-Konkurrent 5D Mark II punktet mit fast schon doppelter Auflösung, wirft damit natürlich extrem hohe Datenmengen auf und ist damit auch deutlich langsamer als die D700. Bezüglich Rauschen habe ich von dieser Kamera schon gelesen, dass sie besser als die D700 sein soll, und gehört, dass sie mit der D700 nicht mithalten kann.

Und dann muss einem eine Kamera immer auch vom Feeling und der Bedienung her gut liegen und sympathisch sein. Ein Produkt wie ein Kamerasystem, darf einem nicht nur funktional entgegen kommen, sondern man muss es auch emotional mögen.

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Zugegeben, der Titel hört sich ziemlich verwirrend an. Es ist aber immer gut, wenn man die englischen Begriffe kennt, denn diese werden unter Fotografen eigentlich meistens benutzt. Die Auto Exposere Bracketing (AEB) Funktion ist nichts anderes als eine Belichtungsreihe. Eine Belichtungsreihe ist eine Serie von Aufnahmen bei der die Belichtung für ein und das selbe Motiv unterschiedlich eingestellt wird.  Dies kann sehr nützlich sein, wenn man sich nicht sicher ist ob die eingestellte Blenden- Verschlusszeitkombination passt. Oder es findet auch Verwendung wenn in Kombination mit einem Stativ mehrere identische Aufnahmen nachträglich zu einer HDR Aufnahme zusammen gefügt werden. Wer sich nicht mehr erinnert, was eine HDR Aufnahme ist, sollte sich diesen Artikel nochmals zu Gemüte führen.

Die Belichtungsreihe kann nur in den Kreativmodi verwendet werden. Sind die Motivprogramma aktiviert, ist das Menü nicht sichtbar. Es findet sich im zweiten Aufnahmemenü unter dem Kürzel »AEB«. Wählt man diesen Menüpunkt aus, kann mit Hilfe des Wahlrades oder den Cursertasten links und rechts der Abstand der einzelnen Belichtungen eingestellt werden. Die Schritte sind in 1/3 Blendenstufen eingeteilt und reicht bis maximal zwei Blendenstufen. Es können nur drei Belichtungen eingestellt werden (Profikameras lassen bis zu 9 oder noch mehr zu).

Sind die Einstellungen getätigt und mit der Mitteltaste bestätigt worden geht es an die Aufnahme. Ist der »Einzelbild« Modus aktiv, muss für jede der drei Aufnahmen einzeln ausgelöst werden. Ist die Reihenaufnahme eingeschaltet, kann man einfach auf dem Auslöser drauf bleiben und alle drei Aufnahmen werden nacheinander aufgenommen. Das Ganze wird auch auf dem Display visualisiert. Die Belichtungsschritte werden mit schwarzen Balken angezeigt und rechts daneben finden sich drei Rechteckflächen welche übereinander liegen.

Standardmässig geht die Belichtungsreihe von dem »korrekt« belichteten Mittelwert aus. Man kann diesen allerdings auch verschieben, in dem man eine Belichtungskorrektur anbringt. Hält man die AV Taste gedrückt und dreht das Wahlrad, so verschieben sich die Balken nach links oder rechts und mit ihr die Abstände der Belichtungsreihe. So können mit Hilfe eines Stativs auch mehr als drei Aufnahmen von der selben Stelle gemacht werden.

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Lange habe ich mir Zeit gelassen die Serie über die Bedienung der EOS 400D fortzusetzen – viel zu lange eigentlich. Nun bin ich aber zurück auf dem Parkett und ich möchte in diesem Artikel die Lichtmessungsmethoden behandeln. Folgen werden noch die Motivprogramme, Bracketing (Mehrfachbelichtung) und einigie Individualfunktionen (Spiegelvorauslösung, Blitzsynchronisation). Vielleicht fällt mir dann noch das eine oder andere im laufe der Zeit ein. Schauen wir mal.

Bevor wir uns aber mit den Messmethoden befassen ist es wichtig zu wissen, wie eine Kamera arbeitet. Aus den vorherigen Kapiteln wissen wir, dass eine Kamera immer eine »richtige« Belichtung vorschlägt. Wenn wir zum Beispiel im Av Modus (Blendenvorwahl) arbeiten und die Blende wählen, bestimmt die Kamera automatisch die passende Verschlusszeit für ein »korrekt« belichtetes Bild. Doch was heisst korrekt belichtet, wie kann eine Kamera das wissen?

Nun jede Kamera ist darauf kalibriert, Bilder als richtig belichtet zu erkennen, wenn nach der Reduktion von Farbe und dem Zusammenführen aller Pixel daraus ein 18 prozentiger mittlerer Grauton entsteht. Die Erklärung wie das genau vor sich geht wäre alleine ein ganzer Artikel wert. Ich verzichte hier darauf und behelfe mich mit einem Beispiel. Markus und ich haben mit diversen Kameras Versuche gemacht um zu testen, was es mit dem 18% Grauton auf sich hat. Dabei haben wir drei Kartone in den Farben Weiss, (mittleres) Grau und Schwarz abgelichtet. In unserem Fall haben wir den Kreativmodus Av (Blendenvorwahl) gewählt und die Verschlusszeit der Kamera überlassen.

Das Ergebnis ist sehr interessant: Alle drei Aufnahmen lassen sich nicht voneinander unterscheiden. Der weisse Karton wurde ebenso grau aufgenommen wie der schwarze.

Genau darin liegt das Problem. Die Kamera kann nicht wissen ob wir etwas weisses oder etwas schwarzes fotografieren wollen. Sie »weiss« lediglich dass es ihr Ziel sein muss, alles in einem mittleren Grau zu belichten. Deshalb wird halt ein weisses Blatt grau und auch ein schwarzes Blatt ebenfalls grau dargestellt. Dieser Versuch kann gut zu Hause selber ausprobiert werden. Dafür reicht eine weisses und ein schwarzes T-Shirt, wenn nicht gerade ein Karton herumliegen sollte. Beachtet werden muss noch, dass manuell fokussiert wird. Da das Sujet keinen Kontrast bietet welchen die Kamera messen könnte, wird sie auch nicht fokussieren. Auch eine wichtige Erkenntnis nebenbei!

Nun wissen wir dass die Kamera immer versucht auf diesen 18 prozentigen Grauton zu belichten. Das ganze macht sie natürlich aus einem guten Grund, denn in vielen Fällen passt diese Variante ganz gut. Wir haben selten sehr helle oder sehr dunkle Motive, aber wir haben sie! Es gibt jetzt verschiedene Methoden diesem Effekt bewusst entgegen zu wirken. Hier kommen nun die Messmethoden ins Spiel.

Beginnen möchte ich mit der Selektivmessung da die als Standard gesetzte Mehrfeldmessung etwas anders arbeitet. Bei der Selektivmessung wird die Helligkeit nur auf einem Zentrumsdurchmesser von ca. 1/3 Bildhöhe gemessen. Alles ausserhalb dieses Kreises wird nicht in die Berechnung miteinbezogen. Diese Messmethode hilft und insbesondere bei starken Gegenlichtsituationen. Hier müssen wir eine Entscheidung treffen und uns festlegen, ob das Gegenlicht richtig belichtet werden soll, oder das Subjekt davor.

Ein Beispiel. Auf meiner letzjährigen Australienrundreise waren wir zur späten Stunde bei den Pinnacles in Westaustralien. Pinnacles sind Kalksteine, die wie Termitehügel aus dem Boden ragen. Hier musste ich mich entscheiden ob ich die Pinnacles nur als Silhoutte abbilden möchte und dafür dem dramatisch wirkenden Himmel die Hauptrolle geben möchte, oder ich den Spiess umkehre.

Um dem Himmel richtig belichtet zu haben, fokussierte ich auf diesen und habe mit der Sterntaste die Belichtung gespeichert. Danach habe ich das Bild entsprechend komponiert und abgedrückt. Bei der unteren Aufnahme habe ich zuerst auf den Pinnacle fokussiert und mit der Sterntaste den Belichtungsmesswert gespeichert und danach das Bild erneut komponiert.

Gehen wir über zur Mittenbetonten Messung. Sie ist etwas schwierig zu erklären, da das Messfeld nicht überall gleich misst. Das Zentrum wird stärker gewichtet als die Ränder. Das Feld misst aber nicht ganz bis an den Rand (was eigentlich auch nicht notwendig ist). Sie wird auch in der Anleitung nur erfahrenen Benutzern empfohlen. Ich persönlich verzichte gänzlich auf diese Messung, da sie relativ schwer zu interpretieren ist und oft eine Belichtungskorrektur erfordert.

Nun noch zur Mehrfeldmessung. Nun sie wiederspricht der eigentlichen Theorie vom simplen messen und reduzieren auf den 18% Grauton. Die Mehrfeldmessung ist eine »intelligente« Messung, welche das Bild in Felder aufteilt. Sie analysiert die Geschehnisse und schlägt dann Aufgrund der programmierten »Erfahrungen« eine korrekte Belichtung vor. Dazu ist sie in der Lage, weil im Hintergrund eine Bilddatenbank mit vielen Aufnahmesituationen hinterlegt sind. Die Kamera sucht ein passendes Bild dass der Aufnahesituation ähnelt, entscheidet dann selbstständig welche Bildbereiche mit Priorität behandelt werden sollen und schlägt eine entsprechende Belichtung vor. Was sich nach Willkür anhört, funktioniert eigentlich ganz gut und der Einsteiger wird mit diesere Messmethode im normalfall bestens Leben können. Mit zunehmender Erfahrung überlässt man aber gerne immer weniger den Faktoren Zufall und Automatismus und greift gerne selber ins Geschehen ein. Deshalb wird mit der Zeit die Selektivmessung wohl zum Standard eines jeden engagierten 400D Fotografen werden.

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Welche Marke ist die Beste?

Tue, 14. Oct. 08

Als sich gestern zu »Klotzen statt Kleckern« in den Kommentaren Canon vs. Nikon diskutiert wurde, konnte ich mich nicht halten und habe mich prompt beteiligt. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich sehr für eine Marke begeistern kann. Ich bin sowas wie ein Apple-Fan, ein Nikon-Fan und war einmal ein MG-Fan. Bei Letzterem bin ich geläutert.

Ich versuche mich weitestgehend bewußt für ein Produkt und eine Marke zu entscheiden. Für mich ist Apple besser als Windows und Nikon besser als Canon. Das ist aber mein ganz subjektiver Eindruck, der sich zum einen nach meinen subjektiven Anforderungen an Produkte richtet. Außerdem redet wie wir wissen  der Bauch immer auch ein gewichtiges Wörtchen mit – und der schert sich wenig um Objektivität.

Bemühe ich mich Produkte und Marken rational und objektiv zu betrachten, dann glaube ich, dass am Ende fast alle Hersteller in fast allen Marktsegmenten eh nur mit Wasser kochen, und dass es Argumente pro Windows, pro Apple wie auch pro Nikon, pro Canon und nicht zu vergessen auch pro Olympus gibt. In den meisten Fällen lässt sich einem Argument pro einer Marke mit einem Gegenargument pro anderer Marke entgegnen. Was für jeden Einzelnen wichtig ist, muss eben auch jeder individuell für sich selbst entscheiden.

Am Ende darf man aber auch etwas Fan sein, wie ich finde. Und man darf auch zu seiner Manschaft halten, ob das Apple, Microsoft, Canon, Nikon oder der FC Bayern ist. So lange wir uns nicht die Schädeln dabei einschlagen. :-)

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