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Fotografische Theorie und Praxis

Mein Artikel über »Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab« scheint für etwas Aufmerksamkeit und Diskussionsstoff gesorgt zu haben. Das merke ich nicht nur an Nachrichten die mich direkt erreichen, sondern auch an dem was in Foren darüber diskutiert wird, wenn ich eingehenden Links folge.

Was mich überrascht, ist, wie sehr manche Leute an der Theorie festhalten, auch wenn die Praxis etwas anderes zu sagen scheint. Sehen wir uns dazu noch einmal zwei Beispiele aus dem oben genannten Artikel an.

Der Fotograf weiß, dass er über die Brennweite Perspektive und Tiefenstaffelung gestalten kann. Der Theoretiker widerspricht und behauptet, dass das falsch ist. Die Brennweite habe keinen Einfluss auf die Tiefenstaffelung, dass man mit ihr die Tiefenwirkung verdichten könne sei Unsinn.

Damit hat er zunächst einmal recht: Eine längere Brennweite verengt lediglich den Bildausschnitt und ändert nichts an Perspektive und Tiefenwirkung. Verkürzt man die Brennweite erhält man einen weiteren Ausschnitt, auch das bei gleicher Perspektive und Dichte. Die Theorie erweist sich auch in der Praxis als korrekt – das kann jeder überprüfen (und ich kann nur empfehlen Theorie zu überprüfen, bevor man für sie auf die Barrikaden steigt).

Der Praktiker aber weiß, dass Perspektive aus dem Zusammenspiel von Brennweite und Distanz entsteht. Wenn ich die Distanz vergrößere und Brennweite verlängere, dann verdichtet sich die Perspektive für jeden sichtbar. Die folgenden Abbildungen zeigen das deutlich.

weitwinkel
Brennweite 14mm (28mm KB), Blende ƒ5.6, Abstand ca. 0,5m
tele
Brennweite 150mm (300mm KB), Blende ƒ5.6, Abstand ca. 1,5m

Der Denkfehler vieler Theoretiker scheint mir, dass sie theoretisch korrekte Merksätze generalisieren. Tatsächlich sind Merksätze in der Regel an bestimmte Bedingungen geknüpft. Ändert sich der Kontext, hat das meist auch Auswirkungen auf das Resultat.

Die Aussage, »die Veränderung der Brennweite hat keinen Einfluss auf die Perspektive«, ist korrekt, so lange ich alle anderen Parameter (Distanz und Sensorformat) unverändert lasse. Die Aussage, »die Brennweite hat keinesfalls Einfluss auf die Perspektive«, ist falsch. Ändere ich zusammen mit der Brennweite auch die Distanz (und/oder das Aufnahmeformat), ändert sich die Perspektive. Das belegen die Abbildungen oben und jeder Fotograf wird das wissen und in der Praxis gezielt nutzen.

Nun wurde nicht nur meine Aussage zur Tiefenstaffelung bekritelt, sondern auch meine Schlüsse zur Schärfentiefe.

Die Theorie besagt, dass die Schärfentiefe nicht von der Brennweite, sondern lediglich von Abbildungsmaßstab und Blende abhänge. Dieser Merksatz war Auslöser für den angesprochenen Artikel. Nehmen wir ihn wörtlich, würde das heißen, dass eine längere Brennweite nicht zu einem unschärferen Hintergrund führt. Jeder Fotograf weiß jedoch aus der Praxis, dass man mit Tele deutlich besser freistellen kann als mit Weitwinkel – wer das noch nie erlebt hat fotografiere einmal mit einem Nikon 200mm ƒ2.0!

Ein Selbstversuch belegt: Wird ein Objekt bei jeweils unterschiedlicher Brennweite und Distanz im selben Abbildungsmaßstab fotografiert, ist die Unschärfe der Elemente im Hintergrund praktisch identisch.

Allerdings wird das nur bei genauer Analyse der Aufnahme deutlich, denn die größere Entfernung bei längerer Brennweite führt dazu, dass der Hintergrund näher rückt. Die Verdichtung der Tiefenstaffelung vergrößert den Hintergrund. Analog zum Hintergrund wird die Unschärfe mit vergrößert. Obwohl sie im Verhältnis zu den Elementen des Hintergrunds gleich ist wie bei kurzer Brennweite, wird sie durch die Vergrößerung auch größer wiedergegeben. Anders gesagt: Im Verhältnis zu den Elementen auf einer Ebene im Hintergrund ist die Unschärfe unverändert, im Verhältnis zum Element im Vordergrund jedoch ist sie größer. Und das ist eben der Effekt den man meint, wenn man behauptet man könne mit längeren Brennweite besser freistellen.

Dasselbe gilt übrigens auch für das Sensorformat. Tatsächlich ändert auch das Sensorformat lediglich den Bildausschnitt. Doch im Kontext der verschiedenen Parameter die in der Fotografie zusammenspielen ergibt sich der praktische Effekt, dass ich umso größere Schärfentiefe erhalte, je kleiner der Sensor ist. Absurderweise scheinen manchmal genau die zu widersprechen, dass das Sensorformat Einfluss auf die Schärfentiefe haben, die auf Vollformat schwören, weil man damit mehr Bokeh erhalte (noch einmal: ich weiß um die theoretischen Hintergründe und Zusammenhänge, doch was für mich zählt sind die praktischen Auswirkungen).

Ein weiteres Problem ergibt sich, wenn man versucht theoretische Grundsätze 1:1 auf die Praxis zu übertragen: Theorie baut oft auf idealen Bedingungen auf. Ideale Bedingungen kommen in der Praxis meist nicht vor. Man braucht diese idealen Annahmen aber um eine Basis für eine Theorie zu schaffen – ein Beispiel bietet der sogenannte schwarze Körper an der sich die Farbtemperatur Kelvin orientiert (diesen Körper gibt es nicht, er ist ein theoretisches Konstrukt). Manchmal sind ideale Bedingungen auch Annahmen die etwas vereinfachen, weil die Realität zu komplex ist um sie theoretisch zu erfassen.

Ich kann nur noch einmal den Rat wiederholen, theoretische Grundlagen im Selbststudium in der Praxis zu überprüfen – vor allem bevor man versucht andere zu bekehren. Es hilft nicht nur Fehlschlüssen auf die Spur zu kommen und zu verstehen was die Theorie für die Praxis bedeutet, sondern auch die praktische Relevanz theoretischer Grundlagen zu erforschen.

Eine gute Basis für fundiertes theoretisches Wissen bildet ein PDF das von Carl Zeiss verbreitet wird. Darin werden die Zusammenhänge von Schärfentiefe, Abbildungsmaßstab, Brennweite, etc. vom Experten sehr ausführlich erklärt und zwar so, dass auch ein optisches Greenhorn wie ich es versteht.

Nicht, dass ich das unbedingt jedem empfehlen möchte der einfach nur fotografieren will.

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Über Schärfentiefe und Bokeh

Die meisten Rückmeldungen zu meinem Blog und seinen Artikeln sind positiv und wohlwollend. Gelegentlich gibt es Kritik und manchmal ist sie gerechtfertigt. Auch wenn ich mich bemühe gründlich zu recherchieren bevor ich Betrachtungen und Behauptungen verbreite, unterliege ich schon einmal Fehlschlüssen, Irrtümern, Vorurteilen oder sitze falschen Behauptungen anderswo auf. Auf einen Fehler hingewiesen zu werden ist mir nicht unbedingt angenehm aber willkommen – das letzte was ich möchte ist an falschen Ansichten festhalten.

Natürlich ist nicht jede Kritik fundiert und gerechtfertigt und Manchen gelingt es nicht Kritik höflich zu formulieren. So erreichte mich beispielsweise dieser Tage das Mail eines »Kollegen« der sich über meinen Artikel »Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab« ausließ und ihn mehr oder weniger durchwegs als Unsinn bezeichnete.

Es ist nicht sinnvoll hier auf die in meinen Augen etwas wirren Behauptungen zu Schärfentiefe und Bokeh einzugehen, doch ein Anlass einmal meine Position zu Theorie und Praxis in der Fotografie zu definieren: Mein Interesse gilt allein der Praxis. Die Theorie interessiert mich soweit, wie sie für die Praxis relevant ist. In der Theorie gibt es Konstruktionen die in der Praxis niemals auftreten.

Natürlich muss sich jeder Fotograf bis zu einem gewissen Punkt mit theoretischen Themen befassen und für mich als Autor und Trainer gilt das umso mehr. Allerdings ist mir wichtig, dass ich mein Wissen so vermittle, dass es verständlich bleibt, auch wenn ich dazu Vereinfachungen und Abkürzungen verwenden muss, die dem Theoretiker die Haare zu Berge stehen lassen.

Viele Theoretiker scheinen dermaßen in der Theorie verhaftet zu sein, dass sie den Blick für die praktische Relevanz oft verlieren. Außerdem kenne ich nur wenige, denen es gelingt ihr Wissen so zu vermitteln, dass sie von Leuten mit weniger Expertise verstanden werden. Oft habe ich das Gefühl, dass manch Experte aus Eigendefinition selbst nicht versteht was er von sich gibt, bei einigen Kommentaren die mich bis heute erreicht haben war das mehr als offensichtlich – eine Diskussion ist dann meist vergebene Liebesmüh.

Den Besuchern meines Blogs sei gesagt, dass sie an der richtigen Stelle sind, wenn sie einfache Erklärungen für die Praxis suchen. Wer vor allem an theoretischen Aspekten interessier ist, für den bin ich sicher nicht die richtige Anlaufstelle.

Ein Verständnis der optischen Phänomene die hinter meinem Artikel über Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab  stehen findet sich in einem PDF das bei Carl Zeiss veröffentlicht wurde – wer an optischer Theorie interessiert ist, dem sei die Lektüre empfohlen. Interessant ist das PDF vor allem »… für diejenigen, die Freude haben an der Schönheit mathematischer Zusammenhänge …« haben – um eine Passage daraus zu zitieren (wobei sich die Anzahl mathematischer Formeln glücklicherweise in Grenzen hält). Allen anderen empfehle ich sich mehr an der Praxis zu orientieren und sie vor allem zu üben.

Persönlich habe ich mir übrigens angewöhnt Theorien nicht einfach zu übernehmen, sondern sie anhand praktischer Versuche zu überprüfen. Eine Theorie die ich durch praktische Selbstversuche nicht bestätigt sehe verwerfe ich – nicht als falsch, sondern als irrelevant!

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Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab

An verschiedenen Stellen in meinem Blog steht zu lesen, dass die Brennweite die Schärfentiefe beeinflusst: Je länger die Brennweite desto geringer die Schärfentiefe. Nicht zum ersten Mal wurde ich vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass die Brennweite keinen Einfluss auf die Schärfentiefe habe sondern lediglich Abbildungsmaßstab und Blende dazu beitrügen.

Die Anmerkung ist theoretisch so richtig wie praktisch falsch. Um den Denkfehler zu demonstrieren habe ich mir von meinem freundlichen Fachhändler ein Objektiv mit großem Brennweitenumfang ausgeborgt – einmal mehr gilt mein Dank Foto Hebenstreit für die Unterstützung. Natürlich hätte ich auch zwei meiner Objektive nehmen können, doch ich wollte verhindern, dass mir jemand vorwerfen kann die verschiedenen Linsen hätten die Ergebnisse verfälscht.

Im ersten Aufbau habe ich einen Textmarker etwa einen halben Meter vor meinem Bücherregal aufgehängt, und dann einmal bei 14mm aus geringer und einmal bei 150mm aus größerer Distanz abgelichtet.

weitwinkel
Brennweite 14mm (28mm KB), Blende ƒ5.6
tele
Brennweite 150mm (300mm KB), Blende ƒ5.6

Ich kann mir nicht helfen, doch bei der Aufnahme mit langer Brennweite wirkt die Schärfentiefe bedeutend geringer als bei jener mit kurzer Brennweite.

Theoretisch stimmt es zwar, dass die Schärfe des Hintergrunds bei beiden Aufnahmen praktisch gleich ist. Doch während das Weitwinkel den Hintergrund in die Tiefe rücken lässt und einen bedeutend größeren Ausschnitt abbildet, während mit Tele der Hintergrund an das fokussierte Objekt heranrückt und größer abgebildet wird, ist der praktische Effekt jener einer geringeren Schärfentiefe.

Um das zu verdeutlichen habe ich in den beiden Aufnahmen einen etwa gleichen Ausschnitt markiert und auf ihn zugeschnitten und dann auf die gleiche Größe gebracht. Der Vergleich der beiden Aufnahmen zeigt, dass die Unschärfe des Hintergrunds tatsächlich identisch ist.

weitwinkel-ausschnitt
Ausschnitt aus der Weitwinkelaufnahme
tele-ausschnitt
Ausschnitt aus der Teleaufnahme

Wie ihr seht ist der Unterschied in der Unschärfe des Hintergrunds marginal, und dass überhaupt ein Unterschied sichtbar ist liegt an der mangelnden Präzision meines Versuchsaufbaus. Dennoch zeigt sich: Die Theorie, dass die Schärfe des Hintergrunds bei identischem Abbildungsmaßstabs des fokussierten Objekts im Vordergrund korrekt ist.

Praktisch jedoch führt die Verdichtung durch das Tele dazu, dass der Hintergrund näher rückt und seine Elemente mitsamt ihrer Unschärfe vergrößert abgebildet werden.

Der Ausschnitt aus der Weitwinkelaufnahme ist eine 1:1 Abbildung und hat eine Höhe und Breie von 474 Pixel. Der Ausschnitt aus der Teleaufnahme hingegen ist eine Verkleinerung – ich habe ihn auf die gleiche Größe wie den Weitwinkelausschnitt hinunter gerechnet. Vor dem Hinunterrechnen hatte er eine Höhe und Breite von 1554 Pixel. Das heißt die effektive Unschärfe war mehr als drei Mal so hoch wie bei der Weitwinkelaufnahme.

Theoretisch ist es also richtig, dass die Unschärfe der Elemente im Hintergrund identisch ist. Praktisch jedoch ist die Unschärfe durch die Verdichtung längerer Brennweiten größer – und das noch nicht einmal theoretisch sondern tatsächlich effektiv, sichtbar und nachvollziehbar.

Hier noch die zweite Versuchsanordnung. Der Grund für das hohe Rauschen aller Bilder ist übrigens, dass ich den Versuch zwischendurch einmal bei available light machte und deshalb einen hohen ISO-Wert wählen musste.

weitwinkel2
Brennweite 14mm (28mm KB) bei Blende ƒ5.6 aus geringer Distanz
tele2
Brennweite 150mm (300mm KB) bei Blende ƒ5.6 aus großer Distanz

Ich kann nur raten sich in der Fotografie nicht zu sehr auf die Theorie zu versteifen, sondern sich vor allem um die Praxis zu kümmern. Die Schärfentiefe sei unabhängig von der Brennweite kann man doch nur behaupten, wenn man das irgendwo gelesen, aber nie die Wirkung von unterschiedlichen Brennweiten auf die Schärfentiefe verglichen hat. Oder drastisch ausgedrückt: Der Einfluss der Brennweite auf die Schärfentiefe kann einem als praktizierender Fotograf doch nicht entgehen!

Nachtrag: All jenen die mehr über die theoretischen Grundlagen und Hintergründe von Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab erfahren wollen empfehle ich ein ein PDF das bei Carl Zeiss heruntergeladen werden kann.

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Super Tele: Panasonic/Leica Vario-Elmar 100–400mm

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Panasonic Lumix G Leica DG Vario-Elmar 100–400 mm / F4-6.3 ASPH. / Power O.I.S. (Abbildung: Panasonic)

Ich habe mich bislang nicht unbedingt als großer Freund besonders langer Brennweiten geoutet, was nicht zuletzt daran liegt, dass ich eher selten da nach Motiven jage wo Brennweite Trumpf sind. Trotzdem gibt es auch für einen Weitwinkel-Fan gelegentlich Situationen in denen ein normales Tele nicht ausreicht. Außerdem hat man als ambitionierter Fotograf irgendwie das Gefühl nicht ganz komplett zu sein wenn sich im Objektivpark nicht auch ein Supertele befindet.

Für MFT-Fotografen sind Brennweitengiganten glücklicherweise etwas preiswerter zu haben wie bei Systemen mit größeren Bildsensoren, schließlich führt der kleine Sensor auch zu etwas, das oft als »Brennweitenverlängerung« bezeichnet wird. Olympus’ 75–300mm ist bereits für knapp unter, Panasonics 100–300mm für knapp über 500 Euro zu haben – am langen Ende des Zooms weisen beide beachtliche 600mm kleinbildäquivalente Brennweite auf.

Ich hatte mich für Panasonics Superzoom entschieden und war von der Abbildungsqualität von Beginn an beeindruckt. Aus Neugier habe ich letzten Herbst auch Olympus’ Supertelezoom getestet, es mit Panasonics 100–300mm verglichen und einen Bericht dazu verfasst. Fazit: Die beiden schenken sich wenig.

Trotzdem, dass ich Panasonics 100–300mm schätze, hatte ich es eher selten im Einsatz, denn gefährliche oder scheue Tiere stehen nicht an vorderster Stelle meines Abschussplans, und für Motive die nicht beissen oder fliehen sind so lange Rohre keine Notwendigkeit.

Im vergangenen Winter wuchs allerdings der Wunsch und die Lust im Frühjahr mit der Kamera auf Vogeljagd zu gehen, was das Panasonic-Superzoom nun vermehrt zum Einsatz brachte Leider machte der vermehrte Einsatz ein Problem augenscheinlich: Der Fokusring läuft zwar weich, er sperrt sich aber ein bisschen dagegen in Bewegung versetzt zu werden – um die Schärfe einzustellen muss immer etwas Reibungswiderstand überwunden werden. Bei Brennweiten ab 200mm KB erschwert das allerdings das Finetuning der Fokussierung. Der Spaß am Fotografieren kann einem durchaus vergehen, wenn dauernd das Motiv von dannen hüpft, während man noch die Fokussierung zu optimieren versucht oder wenn das Gros der Aufnahmen den Schärfepunkt nicht an der richtigen Stelle hat.

Bis Ende 2015 sah es bei MFT mit hochwertigen Superteles noch übel aus, was sich mit 2016 aber ändert. Olympus hat eine 300mm-ƒ4-Pro-Festbrennweite auf den Markt gebracht und Panasonic ein höherwertiges, spritzwassergeschütztes Superzoom mit Leica-Label und einem Brennweitenbereich von 100–400mm.

Nun ist die Begeisterung der Fachpresse für Olympus’ lichtstarkes 300mm Objektiv groß, doch es ist mit einem Preisschilf von 2500 Euro nicht eben ein Schnäppchen. Demgegenüber ist Panasonics 100–400mm-Zoom um 1500 Euro (Amazon-Affiliate-Link) dann doch preiswert.

Seit einigen Tagen habe ich die Möglichkeit Panasonics neues Superzoom zu testen. Ich war gespannt wie sehr sich die 100mm mehr (200mm KB mehr) in der Praxis auswirken. Und, ja: Es wirkt sich absolut aus – mehr als ich erwartet hatte. Es sind die entscheidenden Millimeter die mir bislang fehlten Robin & Co einigermaßen formatfüllend abzulichten.

Neben der längeren Brennweite und der flexibleren Einsetzbarkeit aufgrund des Zooms bietet das Panasonic gegenüber Olympus’ Supertele auch den Vorteil etwas kompakter und leichter zu sein. Spritzwasserfest und staubdicht ist das Pana dennoch und leicht ist die Linse – zumindest nach MFT-Maßstäben – trotzdem nicht. Vielmehr vermittelt es den Eindruck aus solidem Metall gefertigt und für Profis konstruiert worden zu sein. Lediglich die vorschiebbare, fix verbaute Ministrulichtblende auf die sich eine zweite Streulichtblende aufschrauben lässt ohne dabei arretierbar zu sein lässt mich etwas ratlos zurück – allerdings ist das am Ende nur ein Detail.

Nachdem ich das Objektiv nun auf zwei Ausflügen eingesetzt habe bin ich schwer begeistert. Ich würde sagen ich werde gerade vom Supertele-Skeptiker zum Supertele-Fan bekehrt. Endlich gelingt es mir ausreichend nahe an kleine Piepmatze heranzukommen vernünftige Aufnahmen von ihnen zu schießen. Dabei ist die Kompaktheit es MFT-Systems einmal mehr ein riesiger Vorteil: Vergleichbare Brennweite für APS-C oder Kleinbild sind in der Regel mehr als die Hälfte länger und bringen das zwei- bis dreifache Gewicht auf die Waage. Tatsächlich ist das 100–400mm nur unwesentlich länger als beispielsweise Nikons Standardzoom 24–70mm ƒ2.8 und sogar etwas leichter. Entsprechend komfortabel lässt es sich einsetzen.

Beeindruckt hat mich die Bildstabilisierung. Obwohl die In-Body-Stabilisierung von Olympus bekanntermaßen exzellent ist, bevorzuge ich bereits beim 100–300mm Panasonics Stabilisierung im Objektiv. Das ist beim 100–400mm nicht anders. Was sie tatsächlich leistet muss man im Grunde selber sehen um eine Vorstellung davon zu haben. Bei 800mm Kleinbild entsteht eine enorme Hebelwirkung für die geringste Unruhe beim Halten der Kamera – ohne Stativ scheint ruhiges Halten unmöglich. Umso verblüffender wie stabil das Bild im Sucher urplötzlich wird wenn durch halbes Drücken des Auslösers die Bildstabilisierung aktiv wird.

Das 100–400mm ist wirklich ein Objektiv das man mit Freude einsetzt. Und die Freude hört beim Fotografieren nicht auf. Auch die Abbildungsqualität enttäuscht nicht. Das Bokeh ist ebenso wunderbar cremig und die fokussierten Bereiche knackscharf – jedenfalls so lange die ISO-Empfindichkeit nicht zu hoch klettern oder die Verschlusszeit für die Brennweite doch zu lang wird, doch dafür kann das Objektiv nichts. Durch Einsatz eines Einbein- oder gleich eines normalen Stativs ist natürlich noch mehr raus zu holen als aus freier Hand – trotz überzeugender Bildstabilisierung.

Neben der Möglichkeit Fernes ganz nah heran zu holen glänzt das Objektiv auch durch exzellente Freistellungsqualitäten: Fokussiert auf die Naheinstellgrenze von 1,3m ergibt sich bei 400mm und ƒ6.3 ist eine Schärfentiefe von gerade einmal 1,4mm zu erzielen – selbst auf 500m fällt die Schärfentiefe noch nicht unendlich aus (sie beträgt dann 323m).

Aufgrund der für ein Supertele recht geringen Naheinstellgrenze erzielt das 100–400mm einen Abbildungsmaßstab von 1:2 und kann dementsprechend durchaus noch als Makroobjektiv durchgehen – es gibt Objektive die sich Makro auf die Hülle schreiben und das nicht erreichen.

Clevere Details am Rande: Am Objektiv befindet sich ein Schalter mittels dem man von Full–Infinity (1,3m bis unendlich) auf 5m–Infinity (5m bis unendlich) umschalten kann, was die Fokussierung beschleunigen soll. Der Ring für die Stativschelle ist fix montiert, nur der Fuß mit dem das Objektiv montiert wird, wird angeschraubt. Im Ring sind die Schalter für Bildstabilisierung und Full/5m–Infitity integriert – der Ring lässt sich trotzdem leicht drehen, so dass man bequem vom Quer- ins Hochformat wechseln kann.

Nachtrag: Mittlerweile habe ich meine Objektive einer einfachen Testreihe unterzogen. Für das 100–400mm Tele hat sich herausgestellt, dass es, so wie ein Leser angemerkt hat, am langen Ende der Brennweite bei 400mm tatsächlich nicht sonderlich scharf zeichnet. Weiters habe ich den Eindruck erhalten, dass es im Brennweitenbereich des 100–300mm auch keine besseren Ergebnisse erzielt.

Dies bestätigt für mich, dass das 100–300mm für seinen Preis sehr scharf abbilden kann. Ich persönlich ziehe dennoch das 100–400mm vor. Die Gründe sind:

  1. Die zusätzlichen 100mm scheinen mir von Vorteil auch wenn die Schärfe bei 400mm zu wünschen übrig lässt (allerdings wäre hier noch ein Test interessant, ob bei einer hochinterpollierten 300mm-Aufnahme nicht gleichwertige Resultate zu erzielen wären, den ich bislang nicht gemacht habe).
  2. Die Fokussierung scheint mir vor allem auf große Distanzen deutlich treffsicherer. Mit dem 100–300mm erzielte ich auf große Entfernungen oft Resultate die mir deutlich unschärfer erschienen als sei hätten sein dürfen; als auf kurze Distanz fokussiert. Generell scheint das 100–400mm mit AF deutlich präziser und schneller zu fokussieren als das 100–300mm.
  3. Das 100–300mm stellte für mich ein Problem bei manueller Fokussierung dar, da der Fokusring meist einen Reibungswiderstand bietet der überwunden werden muss um manuell scharfstellen zu können, was das Scharfstellen zum Geduldspiel macht und meist länger dauert als ein Vogel auf einem Platz zu sitzen bereit ist. Fokus- und Zoomring scheinen nach dem was ich im Internet las manchen Besitzern schwergängig, doch sie laufen sauber, weich und ohne Reibungswiderstand.
  4. Die Bildstabilisierung scheint mir (noch) besser (was allerdings ein wirklich subjektiver Eindruck sein kann).
  5. Die Abdichtung des Objektivs macht es möglich auch bei schlechten Witterungsverhältnissen auf den Weg zu gehen.

Nun wird darüber spekuliert, ob Olympus’ 300mm ƒ4 nicht die bessere Wahl ist. Zu seinem deutlich höheren Preis würde ich das annehmen und Olympus behauptet es sei das schärfste Objektiv das sie je gebaut haben. Allerdings ist es voluminöser und schwerer und eben eine Festbrennweite. Es ist ein Objektiv mit dem man ganz anders arbeitet – es ist ein ganz anderes Objektiv. Das 100–400mm Panasonic ist trotz seines immensen Brennweitenumfangs ein Objektiv das man gut auf ausdauernden Fotosafari mitnehmen und mit dem man gut aus freier Hand fotografieren kann. Das Zoom macht es flexibel genug auf unterschiedliche Situationen zu reagieren. Olympus’ 300mm ƒ4 ist eher ein Objektiv für geduldige Fotografen die sich an einem Platz niederlassen und auf ihr Motiv in einer bestimmten Entfernung warten.

Geht es rein um ein Verhältnis von Schärfe zu Preis ist das 100–300mm die deutlich bessere Wahl. Ob die Vorteile des 100–400mm den empfindlichen Mehrpreis rechtfertigen muss jeder für sich entscheiden.

Ein Leser schrieb er überlege mit Panasonics 100–300mm oder 100–400mm ein Olympus 75–300mm ersetzen. Nach meiner Erfahrung die ich in einem Bericht geteilt habe halte ich das nicht für sinnvoll, da sich jedenfalls 100–300mm und 75–300mm in der Praxis nicht viel schenken und auch dxomark.com wertet die beiden Linsen etwa gleich.

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Schärfentiefe – die Zusammenhänge, schnell aber anschaulich

Das Video oben von Filmmaker IQ erklärt aus welchen Variablen sich Schärfentiefe zusammensetzt und wie sie zusammenhängen. Das Ganze ist sehr flott erklärt, und dass es für uns (zumindest mich) in einer Fremdsprache vorgetragen wird macht es nicht einfacher den komplexen Beschreibungen zu folgen, obwohl ich mit der Materie im Großen und Ganzen vertraut bin. Sehr schön aber, wie die optischen Grundlagen mit einfachsten Mitteln – einem Licht und einer Lupe – erklärt werden.

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3.13. Bildstabilisierung

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Normaler Weise lässt aus freier Hand eine Belichtungszeit ­halten, die etwa dem Kehrwert der Brennweite entspricht. Durch Bildstabilisierung lässt sich dieser Wert ausdehnen.

Die Bildstabilisierung findet je nach Hersteller und Modell ­entweder im Objektiv statt oder in der Kamera.

Da die Belichtungszeit umso kürzer sein muss, je länger die Brennweite ist, ist eine solche Unterstützung natürlich umso willkommener, je ­länger die Brennweite ist. Anders gesagt, bei kurzen Brennweiten im Weitwinkelbereich bis hinein in den Bereich der Normalobjektive ist eine Bildstabilisierung nicht unbedingt notwendig, da man ohnehin nicht so oft unter Belichtungszeiten von 1/50 Sekunde kommt. Deshalb bieten auch die meisten Objektive dieser Brennweiten keine Bildstabilisierung an (sofern der Hersteller die Bildstabilisierung nicht ohnehin in die Kamera verlagert hat).

Laut Herstellern und Medien sollen sich mit Bildstabilisierungssystemen bis zu vier Lichtwerte gewinnen lassen. Das heißt, man kann länger aus freier Hand belichten, ohne dass das Bild verwackelt.

Es gibt kritische Stimmen zur Bildstabilisierung. Meine eigenen Erfahrungen damit sind positiv, vor allem bei meinem ­Nikon 70–300 mm 4.5–5.6 Objektiv, bei dem ich Stabilisierung in erster Linie nutze. Die folgenden Abbildung zeigen eine Reihe von Testaufnahmen, die ich mit diesem Objektiv ohne und mit Stabilisierung aufgenommen habe. Die Ergebnisse sprechen für sich. ­Allerdings darf man aus den Ergebnissen ebenso wenig ableiten, dass die Bildstabilisierung aller Nikon Objektive ebenso effektiv arbeitet, noch, dass andere Hersteller weniger effektive Systeme haben. Am besten findet ihr heraus, wie leistungsfähig euer System ist, indem ihr eine ähnliche Testserie aufnehmen.

Motiv Der Originalausschnitt, aus dem die Ausschnitte unten stammen. Alle Ausschnitte sind nicht in tatsächlicher Pixelgröße dargestellt und sind durch die JPEG-Komprimierung unschärfer, als im Original. Trotzdem verdeutlichen die Abbildungen klar, dass Bildstabilisierung extrem effektiv arbeiten kann. Alle Bilder wurden mit einer Nikon DX-Kamera bei 300mm Brennweite aufgenommen, was einer Kleinbild-Brennweite von 450mm entspricht (siehe dazu »Formatfaktor«).
640 Sec ohne Stabilisierung 1/640 Sekunde ohne Bildstabilisierung
640 Sec mit Stabilisierung 1/640 Sekunde mit Bildstabilisierung
320 Sec ohne Stabilisierung 1/320 Sekunde ohne Bildstabilisierung
320 Sec mit Stabilisierung 1/320 Sekunde mit Bildstabilisierung
160 Sec ohne Stabilisierung 1/160 Sekunde ohne Bildstabilisierung
160 Sec mit Stabilisierung 1/160 Sekunde mit Bildstabilisierung
60 Sec mit Stabilisierung 1/60 Sekunde mit Bildstabilisierung

Als Kaufargument für oder gegen ein Objektiv hat Bildstabilisierung für mich eher wenig Gewicht. Wichtiger sind mir Lichtstärke und generelle Abbildungsleistung. Doch wenn eine ­Stabilisierung auch noch mit drin ist – warum nicht!

Ebenso wenig wäre für mich das Argument, dass ein Hersteller die Bildstabilisierung in der Kamera vornimmt, ein Grund, mich für eine Marke zu entscheiden. Zwar hat es den Vorteil, dass mit der ­Stabilisierung in der Kamera mit jedem Objektiv stabilisiert foto­grafiert werden kann. Doch auch hier fallen mir viele Argumente ein, die mir wichtiger sind als dieses.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

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2.8. Blende bewusst kreativ einsetzen

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Sehen wir uns die Erkenntnisse des letzten Artikels in der Praxis an: Die aus gewählter Brennweite und Distanz resultierende Schärfentiefe wird durch die Wahl der Blende angepasst beziehungsweise korrigiert. Möchte ich das eigentliche Hauptmotiv vor dem Hintergrund hervorheben führt eine geringe Abblendung (offene Blende) zu kurzer Schärfentiefe und weichgezeichnetem Hintergrund. Möchte ich sowohl den Vordergrund als auch den Hintergrund deutlich erkennbar abbilden, dann führt kräftige Abblendung (Blende schließen) zu großer Schärfentiefe und detailreicher Wiedergabe sowohl naher als auch ferner Elemente. Nach der kreativen Kernfrage über die gewünschte Perspektive folgt die kreative Kernfrage über die Schärfe.

Der Vergleich der beiden folgenden Abbildungen verdeutlich noch einmal den Unterschied in der Bildwirkung ob die Blende offen ist oder geschlossen.

Krabbler offeneblende Die drei Stofftierchen sind hier bei Brennweite 28 mm und offener Blende ƒ2.0 fotografiert worden. Die Schärfentiefe ist kurz (kleine Blendenzahl = kurze Schärfentiefe).
Krabbler geschlosseneblende Ebenfalls mit Brennweite 28mm aus derselben ­Distanz, jedoch mit Blende ƒ8.0. Die Schärfentiefe ist weit.

Noch einmal zur Erinnerung: Die Schärfentiefe resultiert nicht aus der Blendeneinstellung allein! Brennweite (siehe ›Schärfentiefe und Brennweite‹), Abstand (siehe ›Schärfentiefe und Distanz‹) und Sensorformat (siehe ›Sensorformat und Schärfentiefe‹) haben einen ebenso bedeutenden Einfluss wie die Blende.

Aber:

  • Die Distanz zum Motiv wird primär durch die Größe der abzubildenden Objekte bestimmt. Die Überlegung, welche Auswirkung eine bestimmte Distanz auf die Schärfentiefe der Aufnahme hat, spielt bei der Aufnahme keine Rolle. Oder anders gesagt: Kein Fotograf wird eine bestimmte Distanz wählen, nur weil er sich davon eine bestimmte Schärfentiefe erwartet.
  • Die Brennweite wird normalerweise ebenso wenig wegen ihrer Auswirkung auf die Schärfentiefe gewählt. Meist ist sie entweder Resultat aus einer langen Distanz, die der Fotograf nur mit Hilfe eines Teleobjektivs überwinden kann, einer kurzen Distanz, die eine Abbildung nur mit Weitwinkel erlaubt (zum Beispiel wenn man eine Fassade in einer engen Gasse fotografieren möchte), oder aber der Fotograf möchte mit der Brennweite eine bestimmte perspektivische Wirkung erzielen.
  • Das Sensorformat ist Resultat der Kaufentscheidung des Fotografen. Die wenigsten Fotografen nehmen drei, vier oder fünf Kameras mit unterschiedlichen Sensorformaten mit auf den Weg, um damit unterschiedliche Schärfentiefewirkungen erzielen zu können.

Deshalb bleibt als wichtigstes Werkzeug zur Steuerung der Schärfentiefe die Blende übrig.

Aber: Kompaktkamera | Da Kompaktkameras, wie bereits mehrfach in dieser Serie erwähnt, in der Regel sehr viel kleinere Sensoren haben, als Spiegelreflexkameras, erzeugen sie damit automatisch eine sehr viel höhere Schärfentiefe, als ihre größeren Brüder und Schwestern. Der Einfluss der Blende auf die Schärfentiefe ist bei diesen Kameras lediglich bei Aufnahmen aus nächster Nähe wirklich relevant (also bei Makro-Aufnahmen). Bei Canons Edel-Kompakten G12 beträgt die Schärfentiefe bereits bei einem Abstand von zwei Metern, 50mm Brennweite und Blende ƒ2.8 einen knappen Meter. Selbst wenn sich ein hässlicher oder nichtssagender Hintergrund fünf Meter hinter einer porträtierten Person befindet, erfolgt dessen Abbildung scharf genug um die Wirkung des Bildes zu zerstören. Zum Vergleich: Bei einer Kleinbildkamera beträgt die Schärfentiefe auf dieselbe Distanz, mit derselben Brennweite und derselben Blendeneinstellung 14cm. Alles was sich einen Meter oder mehr dahinter befindet wird schon dermaßen weichgezeichnet, dass es kaum mehr zu erkennen ist. Eine porträtierte Person ist dadurch deutlich vom Hintergrund freigestellt.

Das ist der Irrtum vieler Fotografen, die sich für eine Kompaktkamera mit kreativen Einstellmöglichkeiten entscheiden. Sie erwarten mit Einstellmöglichkeiten für Zeitvorwahl, Blendenvorwahl und manueller Belichtungseinstellung ähnliche Ergebnisse erzielen zu können, wie an einer SLR. Doch solange die Bildsensoren so klein bleiben wie sie derzeit bei kompakten sind, ist der nutzen dieser kreativen Modi bei einer Kompakten fast zu vernachlässigen.

Die meisten ambitionierten SLR-Fotografen fotografieren im Belichtungsprogramm Blendenvorwahl, weil sie durch bewusste Auswahl der Blende die Schärfentiefe kreativ gestalten können. Sie lassen die Blende für kurze Schärfentiefe offen oder schließen sie für weite Schärfentiefe. Bei einer Kompakten bringt das meist wenig.

Das soll die Leistung moderner Kompakter nicht schmälern. Aber wer die Anschaffung einer Kamera plant sollte sich auch solcher Grenzen bewusst sein und wer eine Kompakte besitzt sollte die Einschränkungen noch vielmehr kennen.

Der Besitzer einer Kompaktkamera kann die Brennweite nicht frei wählen, wenn er ein Motiv durch kurze Schärfentiefe freistellen will. Eine akzeptable Freistellung erreicht er nur mit einer langen Brennweite – 100mm, 150mm oder mehr. Während der Spiegelreflex-Fotograf dem 4-Schritte-Konzept folgen kann, Distanz und Brennweite wählt und dann die Schärfentiefe über die Blendeneinstellung großzügig beeinflussen kann, muss der Kompaktkamera-Fotograf die Brennweite für die kreative Gestaltung der Schärfentiefe heranziehen. Sehr oft heißt es dann entweder Wunsch-Perspektive oder Wunsch-Schärfentiefe.

Wenn ich also eben behauptet habe, dass die Schärfentiefe vom Fotografen praktisch ausschließlich mit Hilfe der Blende gestaltet wird, gilt das in erster Linie für Fotografen mit Spiegelreflexkameras und Kameras mit vergleichbar großen Bildsensoren. Der Fotograf mit einer Kompaktkamera hingegen wird sehr wohl gelegentlich die Brennweite nutzen, um die Schärfentiefe kreativ zu beeinflussen. So wähle ich beim Porträt einer Person mit einer Kompakten ganz bewusst eine lange Brennweite (oft eine deutlich längere, als ich mit Spiegelreflex nutzen würde), damit ein allfällig unruhiger Hintergrund zumindest einigermaßen unscharf und das eigentliche Modell somit freigestellt wird.

Cent1 Aufnahme mit der Kompaktkamera Canon PowerShot G12 bei 140mm Brennweite (KB). Die lange Brennweite sorgt hier für den unscharfen Hintergrund und eine sachliche, flache Darstellung der Münzen.
Cent2 Derselbe Münzstapel aus kürzester Distanz (wenige Zentimeter). Die perspektivische Wirkung ist komplett anders wie oben. Der unscharfe Hintergrund entsteht hier vor allem durch die extrem kurze Distanz.
Schluessel
Perspektive und Schärfentiefe ­machen auch aus alltäglichen ­Dingen durchaus interessante ­Objekte.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
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2.5. Blendenschritte

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

›Die Blende‹ wird in der Regel in einer für den Einsteiger nur schwer nachvollziehbaren Zahlenreihe angegeben. Da gibt es Werte wie 1.8, 2.0 und 5.6. Manchmal wird diesen Zahlen ein ›ƒ‹ oder ein ›F‹ vorangestellt und manchmal auch ›1:‹.

Beschäftigt man sich eingehender mit diesen Zahlen – sie haben ja große Bedeutung für die Fotografie – wird man durch den Umstand verwirrt, dass große Zahlen zu kleinen Blenden zu gehören scheinen und kleine Zahlen zu großen Blenden. Klingt unlogisch, ist es aber nicht, wenn man die falsch etablierten Bezeichnungen richtig stellt.

ƒ steht für ›focal length‹ | Stellen wir uns als erstes die Frage wofür das ›ƒ‹ vor den Blendenzahlen steht: Es steht für den englischen Begriff ›focal length‹, zu deutsch ›Brennweite‹.

Erinnern wir uns daran, dass ein Objektiv mit einer Brennweite von 200mm theoretisch 200mm lang ist. Das ist ein ganz schön langes Rohr. Wie man sich vorstellen kann, kommt durch einen langen Tunnel nicht so viel Licht in einen Raum, wie durch einen kurzen. Vergleichbar verhält es sich mit Objektiven: Eine lange Brennweite lässt weniger Licht zum Sensor durch als eine kurze. Damit die Lichtmenge, die ein Blendenventil in einem langen Objektiv durchlässt, mit der eines kurzen vergleichbar ist, hat man sich entschieden die Werte so anzulegen, dass sie in Beziehung zur Objektivlänge (›focal length‹) stehen.

ƒ2.0 zum Beispiel stellt eine verkürzte Schreibweise von ƒ1/2.0 beziehungsweise ƒ1/2 dar. Übersetzen kann man das so, dass auf der Objektivlänge (Brennweite = ›focal length‹ = ƒ) diese Blendenöffnung zweimal Platz hätte.

Blende f2 Bei Blende ƒ2.0 lässt sich der Durchmesser der Blendenöffnung zweimal auf die Objektivlänge ­umlegen.
  • Blende ƒ4.0 bedeutet also, dass der Durchmesser der Blendenöffnung viermal auf die Objektivlänge geht ,
  • bei Blende ƒ8.0 achtmal,
  • bei Blende ƒ16 sechzehn mal,
  • und so weiter.
Blende f4 Bei Blende ƒ4.0 lässt sich der Durchmesser der Blendenöffnung viermal auf die Objektivlänge ­umlegen.
Blende f8 Bei Blende ƒ8.0 lässt sich der Durchmesser der Blendenöffnung achtmal auf die Objektivlänge ­umlegen.

Oder eben anders herum:

  • Bei Blende ƒ4.0 ist der Durchmesser der Blendenöffnung ein Viertel der Objektivlänge,
  • bei ƒ8.0 ein Achtel
  • und bei ƒ16 ein Sechzehntel.

Man kann die Blendenzahlen also genauso gut als Bruch lesen, also ƒ2.0 bedeutet 1/2 Objektivöffnung, ƒ4.0 1/4 Objektivöffnung und so weiter. Die Blendenzahl stellt darin den Nenner des Bruches dar. Je größer die Zahl, desto kleiner der Bruch. 1/2 ist größer als 1/4. 1/4 ist größer als 1/8. 1/8 ist größer als 1/16 und so weiter. Hat man die Blendenzahlen auf diese Weise verstanden wird klar, weshalb eine große Zahl eine kleinere Öffnung bedeutet.

Größere Blendenzahlen stehen für kleiner Blendenöffnungen und somit für geringere Lichtstärke.

Merkhilfen | Wir wissen nun woher es rührt, dass eine größere Zahl für eine kleinere Blendenöffnung steht. Mir persönlich liegt dieses um-zwei-Ecken-Denken nicht. Ich bevorzuge die direkte Logik, wie: »Kleine Blende = geringe Schärfentiefe«. Manche tun sich leichter »kleine Zahl = große Blendenöffnung« zu merken, andere schwerer. Meine Unterhaltungen mit Amateurfotografen haben mir den Eindruck vermittelt, dass das um-zwei-Ecken-Denken anderen Fotografen ebenso wenig liegt, wie mir. Deshalb habe ich nach einfacheren Merksätzen gesucht.

In der Fotografie werden große Blendenzahlen oft als ›kleine Blenden‹ bezeichnet. Der Fotograf sagt »nimm da am besten eine große Blende« und meint damit »du solltest die Blende öffnen«.

Aber ist die Blende nicht dieses Lamellenventil im ­Objektiv? Wenn die Öffnung groß ist muss die Blende doch klein sein, oder nicht?

Offene Blende Ein große Blendenöffnung entsteht, wenn die Blendenlamellen zurückgezogen sind und somit die Blende klein ist = kleine Blendenzahl! Zum Beispiel Blende ƒ2.0.
Geschlossene Blende Eine kleine Blendenöffnung wird mit ausgefahrenen Blenden­lamellen und damit einer großen Blende erzeugt – zum Beispiel Blende ƒ16.

Richtig! Wenn jemand eine große Blendenöffnung als große Blende bezeichnet, dann ist das vom Sinn her eigentlich falsch! Tatsache ist: Ist die Blendenzahl klein, dann ist auch die Blende klein!
Und weshalb folgt alle Welt der verkehrten Bezeichnung? Weil »nimm eine große Blende« eine schlampige Abkürzung für »nimm eine große Blendenöffnung« ist.

Die landläufige Bezeichnung ›kleine/große Blende‹ steht für ›kleine/große Blendenöffnung‹.

Wenn ich fotografiere und über Fotografie nachdenke, dann stelle ich mir unter kleiner Blende eine kleine Blende vor. Das steht zwar entgegengesetzt zum etablierten Fotografenjargon, aber es hilft mir intuitiv und schnell zu arbeiten.

Tatsächlich steht eine kleine Blendenzahl für eine kleine Blende und eine große Blendenzahl für eine große Blende!

Unterhalte ich mich mit anderen Fotografen, spreche ich prinzipiell nicht von ›großer‹ oder ›kleiner‹, sondern von offener oder geschlossener Blende. Damit kann es weder Verwirrung noch Missverständnisse geben.

Darüber hinaus verwende ich oft den Begriff ›Ab­blenden‹. So spreche (und schreibe) ich vom ›geringen‹ oder ›starken Ab­blenden‹ wo man ansonsten von ›kleiner‹ und ›großer Blende‹ sprechen würde. Wenn ihr mit dem um-die-Ecke-Denken des etablierten Jargons keine Schwierigkeiten habt, dann brauchen euch diese Merksätze nicht zu kümmern. Mir hat es den Zugang zur Blende und den Blendenzahlen erleichtert und ich merke wie ich noch heute ins stocken gerate, wenn ich auf die etablierte Weise denken muss.

Blendenschritte und Blendenzahlen

Die Blendenzahlen folgen eigenartigen Schritten wie 1.4, 2.0, 2.8, 4.0, 5.6, 8.0 und so weiter. Im Grunde wäre das eine Frage für einen IQ-Test: »Setzen Sie diese Zahlenreihenfolge fort«.

Wenn man sich die Zahlenreihe einmal genauer ansieht und sie analysiert, fällt vielleicht auf, dass 2, 4 und 8 darin vorkommt – also eine jeweilige Verdoppelung – und 1.4, 2.8 und 5.6 – ebenfalls Verdoppelungen. Also würde man im Intelligenztest ausfüllen 11.2, 16.0, 22.4, 32 und so weiter. Damit hätte man den Test bestanden. Genau so baut sich die Reihe der ganzen Blendenschritte auf. Nur dass 11.2 auf 11 und demnach 22.4 auf 22 gerundet wird.

Blendentabelle
Zahlenreihe der ganzen Blendenschritte.

Es gibt viele verschiedene Schreibweisen für den Blendenwert: 2.0, ƒ2.0, ƒ2,0, ƒ2, F2, F1:2 (F1:2.8, F1:4 usw), 1:2, F1/2 (F1/2.8, F1/4 usw) und weiter und das Ganze auch noch in allen möglichen Kombinationen. Gemeint ist aber ­immer dasselbe. Willkommen in der Fotografie!

Halbierung beziehungsweise Verdoppelung der Lichtmenge | Die Blendenschritte wurden so festgelegt, dass sich von einem Schritt zum nächsten die Blende soweit öffnet beziehungsweise schließt, dass sich die durchfallende Lichtmenge verdoppelt oder halbiert. Das heißt, wenn ich die Blendenöffnung von ƒ2.0 auf ƒ2.8 um einen ganzen Schritt schließe, halbiert sich die Lichtmenge. Wenn ich sie statt dessen auf ƒ1.4 um einen ganzen Schritt öffne, dann verdoppelt sich die Lichtmenge.

Ein ganzer Blendenschritt verdoppelt oder halbiert die Lichtmenge.

Für Alle, die es genau wissen wollen: Der Faktor, der zur Halbierung beziehungsweise Verdoppelung der Lichtmenge führt, ist √2 (≈ 1,41). Daraus ergibt sich die (jeweils gerundete) Zahlenreihe: 1 × √2 ≈ 1,4; 1,4 × √2 ≈ 2,0; 2,0 × √2 ≈ 2,8; 2.8 × √2 ≈ 4,0; 4,0 × √2 ≈ 5,6; und so ­weiter.

Drittelschritte | Vielleicht ist euch bei dieser Erklärung bereits aufgefallen, dass ihr an euren Kameras schon andere Werte gesehen habt als die in der Tabelle der ganzen Blendenschritte oben. Oder euch ist eingefallen, dass es ja auch Objektive mit einer Lichtstärke von ƒ1.8 gibt. Das liegt daran, dass die ganzen Blendenschritte wie abgebildet natürlich kein Naturgesetz darstellen. Im Grund ließe sich die Blende stufenlos öffnen und schließen. Die ganzen Blendenschritte repräsentieren wie gesagt jeweils eine Halbierung oder Verdoppelung der Lichtmenge und stellen soetwas wie eine Norm dar. Die meisten Kameras erlauben allerdings auch die Blendenöffnung in Drittelschritten zu steuern.

Wie auch immer die Zahlen für den Blendenwert aussehen, für den Fotografen ist im Zusammenhang mit den Blendenzahlen vor allem eins wichtig:

Kleine Blendenzahl
= kleine Blende
= große Blendenöffnung

Große Blendenzahl
= große Blende
= kleine Blendenöffnung

Anmerkung: In früheren Versionen der Fotoschule habe ich laut meinen Recherchen behauptet, dass ƒ für ›fraction‹, also Bruch, stünde. Ein Leser hat mich dann auf den Ursprung ›focal length‹ verwiesen. Neuerliche Recherchen haben mir klar gemacht, dass dieser Ursprung der tatsächlich richtige sein dürfte.

Sehr oft (wenn nicht sogar meist) wird geschrieben das ƒ beziehe sich auf ›Focus‹ – eine Erklärung der ich nicht glauben kann, denn tatsächlich sind Fokus und Blende zwei voneinander unabhängige fotografische Parameter. Zwar bleibt es am Ende für die praktische Anwendung belanglos ob sich ƒ auf ›focus‹, ›focal length‹ oder ›fraction‹ bezieht. Doch je mehr man über eine Sache weiß, desto besser versteht man sie meist.

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2.2. Schärfentiefe, Brennweite und Distanz

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Schärfentiefe und Brennweite

Ausschlaggebend für die Tiefe der Schärfentiefe (der Bereich zwischen Nah- und Fernpunkt, der als scharf empfunden wird) sind Brennweite, Distanz, Blende und Sensorformat.

Die folgenden Abbildungen demonstrieren wie sich das Reduzieren der Brennweite auf die Schärfentiefe auswirkt. Je kürzer die Brennweite desto größer fällt die Schärfentiefe aus – bei ansonsten gleichen Einstellungen und Distanz. Umgekehrt heißt das natürlich auch, dass sich die Schärfentiefe reduziert, wenn man längere Brennweiten einsetzt.

Schaerfentiefe160mm
Mit Brennweite 160mm (KB) auf eine Entfernung von 4m beträgt die Schärfen­tiefe 32cm.
Schaerfentiefe75mm
Verkürzt man die Brennweite auf 75mm (KB), hält aber die Distanz von 4m, erhöht sich die Schärfen­tiefe auf 146cm.
Schaerfenteiefe30mm
Verkürzt man die Brennweite noch weiter auf 30mm (KB) und belässt die Entfernung weiterhin unverändert bei 4m erhöht sich die Schärfen­tiefe weiter auf unendlich. Das heißt auf diese Distanz wird alles was sich dahinter befindet als scharf empfunden.
Kurze Brennweite weite Scharfentiefe 75mm Brennweite bei relativ weit geöffneter Blende auf eine Distanz von etwas mehr als 3m. Der Hintergrund ist unscharf, doch noch immer deutlich zu erkennen und störend und ablenkend.
Lange Brennweite kurze Scharfentiefe 158mm Brennweite bei vergleichbarer Blendeneinstellung und nur geringfügig kürzerer Distanz (Der Bildausschnitt wird durch die längere Brennweite natürlich bedeutend enger): Die Schärfentiefe ist sehr viel geringer und der Hintergrund stark weichgezeichnet. Das Modell ist schön freigestellt.

Je länger die Brennweite, desto geringer die Schärfen­tiefe.

Schärfentiefe und Distanz

Wie so oft in der Fotografie wird beim Thema Schärfentiefe wieder einmal deutlich, dass es schwer fällt für das Fotografieren ganz einfache Faustregeln aufzustellen. Abgesehen davon, dass bei der Schärfentiefe auch das Sensorformat eine Rolle spielt (siehe Formatfaktor), ist, neben der gewählten Blende, auch die Distanz ein wichtiger Faktor dafür, wie Tief der scharfe Bereich ausfällt.

Die folgenden Beispiele illustrieren, wie sich eine mittlere Distanz, im Verhältnis zu einer extrem kurzen, auswirken kann. Je geringer die Distanz zum Fokuspunkt , desto kürzer fällt die Schärfentiefe aus.

Schaerfentiefe auf mittlere Distanz
Während man mit einer Kleinbildkamera bei einer Distanz von 4m, Brennweite 105 mm und Blende ƒ5.6 eine Schärfentiefe von 25cm erhält und somit ein Gesicht von der Nasenspitze bis hinter die Ohren scharf abbilden kann …
Schaerfentiefe auf kurze Distanz
… erhält man mit exakt derselben Brennweite und Einstellung für die Blende auf eine Distanz von 20cm nur mehr eine hauchdünne Schärfentiefe von 0,3mm – meist noch nicht einmal genug um das Facettenauges eines Käfers von vorne bis hinten scharf abzubilden.
Viel Schaerfentiefe 28mm Weitwinkelbrennweite mit Fokussierung auf eine Distanz von knapp einem halben Meter. Die Schärfentiefe ist hoch, der Hintergrund scharf abgebildet und ­äußerst störend.
Wenig Schaerfentiefe 28mm Weitwinkelbrennweite mit Fokussierung auf eine Distanz von ­wenigen Zentimetern. Trotz identischer Einstellung aller Parameter, wie für die Aufnahme oben, sind die Blätter nur wenige Zentimeter hinter dem Blütenkelch bereits sehr unscharf (die beiden Aufnahmen stammen von den Kompaktkameras Canon PowerShot G12 und S95).

Je kürzer die Distanz, desto geringer die Schärfentiefe.

Einmal mehr ist es für den kreativen Fotografen wichtig, über einen theoretischen Zusammenhang für die Praxis Bescheid zu wissen. Während der Fotograf bei einem Porträt bewusst eine offene Blende wählt um sein Modell vom Hintergrund zu trennen und die Aufmerksamkeit durch den Fokuspunkt selektiv auf die Augen lenkt, muss der Makrofotograf beim Ablichten eines Käfers die Blende bis auf eine kleine Öffnung schließen, damit die Schärfentiefe nicht geringer ausfällt, als das Facettenauge des winzigen Tiers in die Tiefe reicht.

Hyperfokale Entfernung

Besonders für Landschaftsfotografen ist das Thema der Hyperfokalen Entfernung (Hyperfokale Distanz) interessant. In diesem Genre ist das letzte Quäntchen Schärfe für die meisten Fotografen Pflicht. Deshalb fotografiert der Landschaftsfotograf auch nicht mit offener Blende aus freier Hand – auch wenn das Licht das zulassen würde – sondern stellt seine Kamera auf ein möglichst schweres, stabiles Stativ um die Blende unabhängig von den Einschränkungen der Belichtungszeit, die er mit freier Hand berücksichtigen müsste, einstellen zu können.

Bei seinen Einstellungen achtet er sehr oft auf die Hyperfokale Entfernung. Vereinfacht ausgedrückt ist das die Distanz, ab der bei einer bestimmten Brennweite und Blende alles was dahinter liegt scharf abgebildet ist – ab der die Schärfen­tiefe unendlich ausfällt.

Das Thema ist äußerst spröde und umständlich zu erklären und erfordert vom Leser noch mehr, wenn er es verstehen will. Mir ist spontan keine Erklärung und Illustration eingefallen, von der ich erwarten würde, dass sie ohne viel Hirnschmal zu verstehen ist. Da es mir hier zu tief in ein bestimmtes Genre führen würde, möchte ich uns diese schwere Kost ersparen. Wer jedoch in der Landschaftsfotografie seine Leidenschaft gefunden hat, auf maximale Abbildungsqualität aus ist und tatsächlich mit SLR, Stativ und hochwertigem Objektiv auf Motivjagd geht, sollte einmal nach den Begriffen Hyperfokale Distanz oder Hyperfokale Entfernung googeln.

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1.7. Brennweite und Bildausschnitt

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Mit den drei Grafiken des letzten Abschnitts (Brennweite, Fluchtpunkt und Bilddynamik) habe ich die perspektivische Wirkung von Brennweiten Illustriert, jedoch einen wichtigen Faktor ausgeklammert: Aus einer einzigen Position lässt sich mit unterschiedlichen Brennweiten nicht derselbe Bildausschnitt aufnehmen. Das heißt, wenn ich einen Würfel einigermaßen formatfüllend mit Normalobjektiv fotografiere, dann muss ich mich für ein ebenfalls formatfüllendes Bild mit Weitwinkel näher hin und für ein formatfüllendes Bild mit Teleobjektiv weiter weg bewegen.

Fotografiert man aus derselben Position mit 105mm, 50mm und 28mm, dann ändert sich die Perspektive nicht! Lediglich der Bildausschnitt wird enger (längere Brennweite) beziehungsweise weiter (kürzere Brennweite). Entgegen der landläufig unter Fotoamateuren verbreiteten Ansicht kann man die Perspektive durch ändern der Brennweite alleine nicht beeinflussen. Die Brennweite alleine verändert lediglich die Größe des Bildausschnitts vor den Augen des Fotografen (oder vor der Linse vor dem Sucher). Um mit Hilfe der Brennweite die perspektivische Wirkung zu beeinflussen, muss der Fotograf zusätzlich die Distanz zum Motiv ändern. Zusammen ergeben Brennweite und Distanz ein enorm wichtiges Gestaltungsmittel für den kreativen Fotografen. Hier befinden wir uns an einem der Kernpunkte kreativer Fotografie.

Brennweiten und Bildausschnitte
Fotografiert man von derselben Position aus mit 105mm, 50mm und 28mm, dann ändert sich die Perspektive nicht, nur der Bildausschnitt wird enger (längere Brennweite) beziehungsweise weiter (kürzere Brennweite).

Brennweite + Distanz = perspektivische Wirkung

Anders gesagt hat der Fotograf zur perspektivischen Gestaltung seiner Bilder zwei Werkzeuge, die er einsetzen muss: Die Brennweite und seine Beine.

Die Abbildung oben illustriert sehr deutlich, dass sich durch unterschiedliche Brennweiten an der Anordnung, der Perspektive und der Dichte des Bildes rein gar nichts ändert und eben nur ein anderer Ausschnitt abgebildet wird.

Die gerne getätigte Aussage man könne mit der Brennweite – speziell mit Hilfe von Zoomobjektiven – die perspektivische Wirkung von Bildern verdichten und Objekte im Hintergrund näher an die Objekte im Vordergrund heranrücken lassen, ist ein Missverständnis. Es beruht wohl darauf, dass die Aussage verschweigt, dass sich die perspektivische Wirkung nur dann wirklich ändert, wenn der Fotograf nicht nur die Brennweite verändert, sondern auch seine Distanz zum Motiv.

Die folgenden Abbildungen demonstrieren welche bildgestalterischen Auswirkungen es auf die visuelle Nähe des Hintergrunds hat, wenn Sie eine Person mit 28mm, 50mm und 200mm aus unterschiedlichen Distanzen jeweils so fotografieren, dass sie die Höhe des Bildausschnitts beinahe füllt.

Brennweite 50mm Distanz spacer.gif Brennweite 50mm Bildwirkung
Formatfüllende Abbildung einer Person aus mittlerer Distanz und Brennweite 50mm … … und der Bildausschnitt, wie er abgelichtet wird.
Brennweite 28mm Distanz spacer.gif Brennweite 28mm Bildwirkung
Möchte man die Person mit 28mm formatfüllend ablichten muss man ihr dazu bedeutend näher kommen. Die perspektivische Wirkung und die Größenverhältnisse der Objekte in Vorder- und Hintergrund ändern sich dadurch dramatisch.
spacer.gif
Brennweite 200mm Distanz
Um mit einem starken Teleobjektiv mit 200mm Brennweite die Person noch immer formatfüllend in den Bildausschnitt zu bekommen muss man sich ordentlich weit von ihr entfernen.
Brennweite 200mm Bildwirkung Neuerlich ändert sich die perspektivische Wirkung und die Größenverhälnisse von Objekten im Vorder- und Hintergrund drastisch. Tatsächlich scheint das Haus hinter der Person viel näher herangetreten zu sein. Wichtig dabei ist, dass sich eine Veränderung der Dichte einer Szene und der perspektivischen Wirkung nur durch verändern der Brennweite und der Distanz erzielen lässt.

Mit einem Weitwinkelobjektiv müssen Sie nahe an ein Motiv herantreten um es formatfüllend ablichten zu können. Durch den weiten Winkel des Blickfeldes scheinen die Objekte dahinter weiter in den Hintergrund zu treten.

Mit einem Normalobjektiv müssen Sie sich im Verhältnis zum Weitwinkelobjektiv weiter von der Person entfernen, um Sie noch immer ganz in der Bildhöhe des Bildausschnitts unterbringen zu können.

Noch sehr viel weiter müssen Sie sich mit einem Teleobjektiv vom Hauptmotiv wegbewegen, um es noch immer ganz in den Bildausschnitt zu bekommen.

Das Verändern der Brennweite alleine hat keine Auswirkung auf die Tiefenwirkung eines Bildes – es verkleinert lediglich den Ausschnitt. Der kreative Prozess dahinter ist in etwa so anspruchsvoll, wie das Beschneiden eines fertigen Bildes in der digitalen Dunkelkammer.

Wenn Sie jedoch Brennweite + Distanz gemeinsam verändern – Weitwinkel und näher ran versus Tele und weiter weg – dann beeinflussen Sie einen der wichtigsten, bildgestaltenden Parameter in der Fotografie überhaupt.

Entgegen der landläufigen Ansicht, Zoom sei (nur) dazu da entfernte Objekte näher an die Kamera heran zu bekommen, begreifen wir die bildgestalterische Qualität der Brennweite nun neu.

Die letzten Abbildungen Kapitels sollen abschließend die perspektivische Auswirkung verschiedener Brennweiten auf ein Motiv aus zwei Würfeln illustrieren. Es wird deutlich, wie sehr ein Weitwinkelobjektiv das Gefühl der Nähe, die dynamische Wirkung und die räumliche Tiefe der Abbildung verstärkt, während mit zunehmend längerer Brennweite die Abbildungen sachlicher und flacher wirken.

Es ist noch einmal zu unterstreichen, dass diese unterschiedlichen Bildwirkungen und das formatfüllende Wiedergeben der Würfel nur dadurch möglich sind, indem der Abstand von Aufnahme zu Aufnahme variiert wird. Der Abstand zu den Würfeln bei der 200mm Abbildung (etwa 2m) ist ein Vielfaches der Distanz, die für die Bildwirkung bei 14mm notwendig war (kaum 10cm).

Brennweite14mm Brennweite 14mm – Perspektive eines extremes Weitwinkel
Brennweite28mm Brennweite 28mm – Perspektive eines moderates Weitwinkel
Brennweite50mm Brennweite 50mm – Perspektive eines Normalobjektivs
Brennweite105mm Brennweite 105mm – Perspektive eines leichten Teleobjektivs
Brennweite200mm Brennweite 200mm – Perspektive eines starken Teleobjektiv

Überlassen Sie die perspektivische Wirkung der Motive nicht dem Zufall, indem Sie von da aus fotografieren, von wo aus Ihnen die Szene gerade ins Auge gesprungen ist. Nutzen Sie die Beweglichkeit Ihrer Beine und die Variabilität moderner Zoomobjektive. Gehen Sie um Ihr Motiv herum und entscheiden Sie, ob eine frontale oder eine diagonale Perspektive besser ist. Wo hat das Objekt das Sie ablichten wollen die Augen? Gehen Sie mit ihm auf Augenhöhe. Setzen Sie die Brennweite bewusst bildgestaltend ein. Beziehen Sie dabei auch mit ein, ob ein Blickwinkel von unten oder von oben besser wäre.

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