Schlagwort-Archive: Blende

Über Schärfentiefe und Bokeh

Die meisten Rückmeldungen zu meinem Blog und seinen Artikeln sind positiv und wohlwollend. Gelegentlich gibt es Kritik und manchmal ist sie gerechtfertigt. Auch wenn ich mich bemühe gründlich zu recherchieren bevor ich Betrachtungen und Behauptungen verbreite, unterliege ich schon einmal Fehlschlüssen, Irrtümern, Vorurteilen oder sitze falschen Behauptungen anderswo auf. Auf einen Fehler hingewiesen zu werden ist mir nicht unbedingt angenehm aber willkommen – das letzte was ich möchte ist an falschen Ansichten festhalten.

Natürlich ist nicht jede Kritik fundiert und gerechtfertigt und Manchen gelingt es nicht Kritik höflich zu formulieren. So erreichte mich beispielsweise dieser Tage das Mail eines »Kollegen« der sich über meinen Artikel »Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab« ausließ und ihn mehr oder weniger durchwegs als Unsinn bezeichnete.

Es ist nicht sinnvoll hier auf die in meinen Augen etwas wirren Behauptungen zu Schärfentiefe und Bokeh einzugehen, doch ein Anlass einmal meine Position zu Theorie und Praxis in der Fotografie zu definieren: Mein Interesse gilt allein der Praxis. Die Theorie interessiert mich soweit, wie sie für die Praxis relevant ist. In der Theorie gibt es Konstruktionen die in der Praxis niemals auftreten.

Natürlich muss sich jeder Fotograf bis zu einem gewissen Punkt mit theoretischen Themen befassen und für mich als Autor und Trainer gilt das umso mehr. Allerdings ist mir wichtig, dass ich mein Wissen so vermittle, dass es verständlich bleibt, auch wenn ich dazu Vereinfachungen und Abkürzungen verwenden muss, die dem Theoretiker die Haare zu Berge stehen lassen.

Viele Theoretiker scheinen dermaßen in der Theorie verhaftet zu sein, dass sie den Blick für die praktische Relevanz oft verlieren. Außerdem kenne ich nur wenige, denen es gelingt ihr Wissen so zu vermitteln, dass sie von Leuten mit weniger Expertise verstanden werden. Oft habe ich das Gefühl, dass manch Experte aus Eigendefinition selbst nicht versteht was er von sich gibt, bei einigen Kommentaren die mich bis heute erreicht haben war das mehr als offensichtlich – eine Diskussion ist dann meist vergebene Liebesmüh.

Den Besuchern meines Blogs sei gesagt, dass sie an der richtigen Stelle sind, wenn sie einfache Erklärungen für die Praxis suchen. Wer vor allem an theoretischen Aspekten interessier ist, für den bin ich sicher nicht die richtige Anlaufstelle.

Ein Verständnis der optischen Phänomene die hinter meinem Artikel über Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab  stehen findet sich in einem PDF das bei Carl Zeiss veröffentlicht wurde – wer an optischer Theorie interessiert ist, dem sei die Lektüre empfohlen. Interessant ist das PDF vor allem »… für diejenigen, die Freude haben an der Schönheit mathematischer Zusammenhänge …« haben – um eine Passage daraus zu zitieren (wobei sich die Anzahl mathematischer Formeln glücklicherweise in Grenzen hält). Allen anderen empfehle ich sich mehr an der Praxis zu orientieren und sie vor allem zu üben.

Persönlich habe ich mir übrigens angewöhnt Theorien nicht einfach zu übernehmen, sondern sie anhand praktischer Versuche zu überprüfen. Eine Theorie die ich durch praktische Selbstversuche nicht bestätigt sehe verwerfe ich – nicht als falsch, sondern als irrelevant!

Flattr this!

Schärfentiefe – die Zusammenhänge, schnell aber anschaulich

Das Video oben von Filmmaker IQ erklärt aus welchen Variablen sich Schärfentiefe zusammensetzt und wie sie zusammenhängen. Das Ganze ist sehr flott erklärt, und dass es für uns (zumindest mich) in einer Fremdsprache vorgetragen wird macht es nicht einfacher den komplexen Beschreibungen zu folgen, obwohl ich mit der Materie im Großen und Ganzen vertraut bin. Sehr schön aber, wie die optischen Grundlagen mit einfachsten Mitteln – einem Licht und einer Lupe – erklärt werden.

Flattr this!

Manuelle Belichtung: Probier’s doch mit Gemütlichkeit

Die Menüs von Kameras für den ambitionierten Aufsteiger werden von vielen Einsteigern, Amateur- und Hobbyfotografen wie ein tiefer, schwarzer See empfunden – und flößen ihnen oft sogar Ehrfurcht, Respekt oder gar Berührungsangst ein. Dabei braucht man vor dem was sich da in der Tiefe versteckt nicht die geringste Furcht zu haben, plantscht man in der Regel ja doch eher an der Oberfläche – egal ob aus Spaß oder von Berufswegen.

Ihr, liebe Einsteiger und Amateure, würdet es nicht glauben, wie viele Berufsfotografen nur sehr wenig Ahnung von den technischen Untiefen ihrer Werkzeuge haben. Trotzdem können sie exzellente Arbeiten liefern, denn sie beherrschen das was wirklich wichtig ist, und verschwenden keine Zeit an Beigemüse das für ihre tägliche Arbeit nicht relevant ist.

Ich beginne deshalb meine Fotokurse immer mit einer Einleitung, in der ich erkläre was an einer Kamera wirklich wichtig ist: Zoomring, Fokusring, Blendeneinstellung, Zeiteinstellung und Auslöser. Das sind die zentralen Bedienelemente. Hinzu kommt die Einstellung der ISO-Empfindlichkeit und das Wissen darum, wie mit diesen Mitteln Perspektive und Schärfe kreativ gestaltet werden können, worauf bei der Belichtung zu achten ist und Überlegungen zur Bildkomposition. That’s it!

Der Rest dessen was Digitalkameras bieten sind Grundeinstellungen (einmal einstellen und dann vergessen oder gleich so lassen wie ab Werk geliefert), Sonderfunktionen (z.B. für Taucher und Astrofotografen), Dinge die man nutzen kann aber absolut nicht muss (z.B. Belichtungsmesswertspeicherung) Firlefanz (z.B. »kreative« Effekte) und Dinge die mich als Fotograf nicht interessieren (Movie).

Also Konzentration auf das Wesentliche: Brennweite, Fokus, Blende, Zeit.

Digitalkameras sind Schnellfeuerwaffen. Im Serienbildmodus kommst du dir vor wie Rambo. Entsprechend schnell wird geschossen. Die unglaubliche Geschwindigkeit der Elektronik treibt uns an und lässt uns keinen Moment ans Verschnaufen denken. Entsprechend schnell feuern wir durch die Gegend. Unüberlegt. Unbewusst.

Fotografieren mit manuellen Belichtungseinstellungen bremst dich ein. Welche Blendeneinstellung soll ich wählen? Viel oder wenig Schärfentiefe? An welchem Einstellrad muss ich dazu drehen? Und in welche Richtung. Ach ja, schöne Landschaft. Ich glaube Blende 11 ist perfekt.

Würde ich mit Blendenvorwahl arbeiten würde die Elektronik jetzt die Verschlusszeit für mich einstellen. Und schon wird wieder gefeuert, aus vollen Rohren. Aber nein. Ich fotografiere manuell. Nach der Blendeneinstellung ist die Verschlusszeit zu wählen. Dafür kommt das andere Einstellrad zum Einsatz (oder wenn du nur ein Einstellrad hast drückst du die +/–-Taste und drehst an dem einen).

So lange drehen bis die Belichtungsskala ausgeglichen ist. Eine ausgeglichene Belichtungsskala bedeutet Belichtung auf mittlere Helligkeit. Das ist genau das was die Elektronik in den Programmen P, S und A auch macht (oder in P, Tv und Av – je nach Marke). Eigentlich ganz einfach. So simpel ist manuelles Fotografieren! Sagen die Teilnehmer meiner Kurse dann auch immer.

belichtungsskala
Über eine Belichtungsskala verfügt praktisch jede Kamera. Ist sie ausgeglichen – zeigt sie also keinen Ausschlag nach links oder rechts – bedeutet das Belichtung auf mittlere Helligkeit. Das ist dieselbe Einstellung die die Elektronik auch in den automatischen Programmen wählen würde. It’s easy!

Oder sollte ich 1/3 oder 2/3 Lichtwerte unterbelichten? Bei Landschaft meist empfehlenswert. Also noch einmal 2 Klicks in Richtung Minus drehen – die Skala zeigt jetzt einen Ausschlag um zwei kleine Punkte.

Was für eine Verschlusszeit hat sich dadurch ergeben? Ist sie noch kurz genug um sich aus freier Hand halten zu lassen? Geht sich der Kehrwert der Brennweite? Also z.B. bei 100mm 1/100 Sekunde oder bei 35mm 1/35 Sekunde. Diese Regel darf auch beim Fotografieren in A, S oder P nicht vergessen werden; wird sie aber oft, angetrieben vom atemlosen Shooten im Rhythmus der Elektronik.

Fotografieren im manuellen Modus lässt dich deinen eigenen fotografischen Atem spüren. Bringt dich zurück zu deinem Rhythmus. Bringt dich von der elektronischen zurück auf die menschliche Schwingung.

Also ISO-Empfindlichkeit anheben, falls die Zeit fürs Belichten aus freier Hand zu lange geworden ist.

Verschlusszeit als Ausgleich für die Empfindlichkeit reduzieren.

Auslöser halb durchdrücken.

Tief einatmen.

Ausatmen.

Am Endpunkt der Ausatmung den Auslöser durchdrücken.

Passt. Die Aufnahme ist im Kasten.

Also: Nehmt euch ein Beispiel an Balu, dem Bären, und nehmt’s mit Gemütlichkeit.

Flattr this!

Kauft euch eine Festbrennweite!

Im Rahmen meiner Fotokurse weise ich auch auf die Vorteile lichtstarker Festbrennweiten hin. Den Einsteiger befremdet natürlich die Vorstellung auf den Luxus des Zoomens verzichten zu müssen. Heranzoomen geht damit nicht! Man muss herangehen.

Im Grunde ist das schon der erste Vorteil einer Festbrennweite: Näher dran sieht einfach oft auch besser aus. Es vermittelt dem Betrachter den Eindruck ganz nah dran, mitten im Geschehen, Hautnah dabei zu sein. Brennweiten von 50mm und weniger vermitteln Authentizität.

Doch das ist nicht das Einzige! Der Komfort von Zoomobjektiven befördert die Faulheit. Erblicken, Kamera zücken, hinzoomen – klick! Reinster Zufall, wenn dadurch eine bemerkenswerte Fotografie zustande kommt.

Wer mit Festbrennweite fotografiert kommt gar nicht darum herum sich bewusster mit der Bildgestaltung auseinander zu setzen. Statt Hinzoomen bewegen einen die Beine näher hin oder weiter weg. Festbrennweiten schaffen Bewusstsein und sind schon deshalb ein Segen, weil sie einen zwingen den fotografischen Prozess zu entschleunigen.

Wer jedoch eine Festbrennweite kauft, kauft sie aus einem anderen Grund: Lichtstärke! Die Blende lässt sich weiter öffnen, wodurch ich weniger Licht zum Fotografieren benötige und die Schärfentiefe geringer gestalten kann. Lichtstarke Festbrennweiten bedeuten Fotografieren in einer anderen Dimension.

After Sunset

Eine andere Welt eröffnen lichtstarke Festbrennweiten weil man damit tiefer in den Abend vordringen kann ohne ein Stativ benützen zu müssen. Mit einer Consumer-Kamera und einem üblichen Standardzoom mit einer Brennweite von 18–55mm und Lichtstärke ƒ3.5–5.6 ist bei 55mm ohne Stativ und ohne Anheben der Empfindlich nach Faustregel spätestens kurz vor Sonnenuntergang Schluss mit unverwackelten Aufnahmen. Eine vergleichbare Festbrennweite und Lichtstärke ƒ2.0 hingegen ermöglicht es bis kurz vor Einbruch der Nacht ohne höhere ISO-Werte und ohne Stativ zu fotografieren. Kein Wunder: Bei ƒ2.0 genügt zur Belichtung 1/8 des Lichts (Umgebungslicht) das bei  ƒ5.6 notwendig ist.

Freistellen

Vom Freistellen spricht man, wenn ein Motiv im Vordergrund vor unscharfem Hintergrund abgebildet ist. Das lässt sich mit einer langen Brennweite erreichen, geht aber noch viel besser mit einer Blende die sich weit öffnen lässt. Das oben genannte Standardzoom erreicht bei 55mm und ƒ5.6 auf eine Distanz von 3m eine Schärfentiefe von 66cm – von flauschiger Weichzeichnung der Elemente dahinter ist da nicht mehr zu träumen.

Eine Festbrennweite mit 55mm und Lichtstärke ƒ1.8 erzielt auf 3m eine Schärfentiefe von knapp 22cm – das ist gerade einmal ein Drittel! Objekte im Vordergrund vor unscharfem Hintergrund freizustellen lässt sich damit natürlich bedeutend leichter erreichen.

_EM11306
Vom »Freistellen« spricht man wenn ein Hauptmotiv im Vordergrund durch geringe Schärfentiefe vor unscharfem Hintergrund abgebildet wird. Olympus OM-D E-M1; Objektiv: Olympus M.Zuiko 45mm ƒ1.8 | 45mm (90mm KB); ƒ1.8; 1/3200s; ISO200; entfesselt geblitzt

Begeisterung garantiert!

Schon viele Teilnehmer meiner Seminare haben sich bereits während die Kurse liefen meinem Rat folgend eine Festbrennweite gekauft und ich kann mich an keinen einzigen erinnern der nicht vom Fleck weg begeistert gewesen wäre.

Profiqualität zum Schnäppchenpreis

Lichtstarke Festbrennweiten sind oft nicht billig. Doch die meisten Hersteller haben die eine oder andere Linse im Programm die professionelle Abbildungsqualität zum Sparpreis liefert.

Nikon beispielsweise hat gleich zwei unschlagbare Preis/Leistungs-Knüller im Programm. Das wäre zum einen das 50mm ƒ1.8, bei Amazon (Affiliate-Link) zum Hammerpreis von unter 200 Euro zu haben – ein Objektiv, das sowohl an Einsteigermodellen im DX-Format als auch an Vollformatkameras verwendet werden kann. An DX-Kameras ist das 50er ein durchaus ernstzunehmendes und profitaugliches Porträtobjekitv, am Vollformat übernimmt es die Rolle der vielseitig einsetzbaren Normalbrennweite.

AFS_50_1-8G
AF-S NIKKOR 50 mm 1:1,8G (© Nikon)

Kaum weniger Interessant: Das 35mm ƒ1.8, aktuell bei Amazon (Affiliate-Link) um 180 Euro zu haben. Das ist zwar nur an DX-Kameras sinnvoll zu nutzen und entspricht dort mit umgerechnet 52,5mm etwa einer Normalbrennweite, es ist aber dadurch vielseitiger einsetzbar.

AFS_DX_35_G_rgb
AF-S DX NIKKOR 35 mm 1:1,8G (© Nikon)

Während ich die beiden oben genannten Nikkore aus eigener Erfahrung empfehlen kann, habe ich mit Canons Linsen keine Erfahrungen. Ich weiß aber, dass sich Canons 50mm ƒ1.8 kaum geringerer Beliebtheit erfreut wie Nikons 50mm-1.8er Linsen –  bei Amazon (Affiliate-Link) bereits um knappe 120 Euro zu haben.

EF-50mm-f1-8
Canon EF 50mm f/1.8 STM (© Canon)

Eine besonders exzellente Linse zum Schnäppchenpreis ist das 45mm ƒ1.8 von Olympus. Auf Kleinbild umgerechnet ist es länger als die oben genannten Linsen von Nikon und Canon, denn es entspricht 90mm. Das macht es zwar weniger universell einsetzbar, aber dafür zur umso besseren Porträtbrennweite. Sein Preis bei Amazon (Affiliate-Link) liegt derzeit bei knapp über 250 Euro.

PB290075
Olympus M.ZUIKO DIGITAL 45mm 1:1.8

Auch für die anderen Kameramarken werden lichtstarke Festbrennweiten angeboten, sei es von den Herstellern selbst, sei es von Drittherstellern wie Sigma. Da mir beim Angebot für diese Marken aber der Überblick fehlt kann ich keine wirklichen Tipps dazu abgeben. Sachdienliche Hinweise und Tipps als Kommentar von euch, liebe Leser, wären diesbezüglich sicher hilfreich.

Anmerkung: Ich persönlich kaufe meine Ausrüstung weitest gehend beim Fachhändler, auch wenn ich dort manchmal etwas mehr bezahle als bei Bestellungen im Internet. Nur wenn ich mir bei einem Produkt nicht sicher bin und es bei meinem Händler nicht lagernd ist, bevorzuge ich den Weg über Amazon, weil ich die Produkte dort problemlos eintauschen kann. Eintauschen geht zwar bei meinem Fachhändler auch, aber ich möchte nicht, dass der auf irgendwelchen exotischen Bestellungen von mir sitzen bleibt, wenn ich mich gegen den Kauf entscheide.

Wo ihr einkauft werdet ihr selbst entscheiden. Wenn ihr den Weg über Amazon wählt würdet ihr mir einen Gefallen tun, die Bestellung über meine Affiliate-Links hier zu starten. Euch kostet das keinen Cent mehr, doch bei mir bleiben ein paar Euros hängen, je nach Preis des Produkts.

Flattr this!

Fotografieren mit Olympus’ Schnappschuss-Fokus

Olympus’ bewirbt seine Objektive M.Zuiko 12mm ƒ2.0 und M.Zuiko 17mm ƒ1.8 unter Anderem mit dem Schlagwort »Schnappschuss-Fokus«. Klingt super – aber was ist das?

Entfernungs- und Schärfentiefeskala

Zum Umschalten von automatischer auf manuelle Fokussierung werden bei diesen Objektiven die Fokusringe Richtung Kamera gezogen. In manueller Stellung geben die Ringe eine zweiteilige Skala frei. Diese dient sowohl zur Entfernungseinstellung als auch als Schärfentiefeskala (oder Tiefenschärfeskala – wie man will).

Die obere Hälfte der Skala zeigt ein paar Blendenwerte und in der Mitte eine rote Markierung. Die untere Skala zeigt einige Entfernungen – Meter in Schwarz, Fuß (ft) in Rot – 1 Fuß sind knapp über 30cm.

Entfernungseinstellung

_EM50665
Wird  am Olympus M.Zuiko 12mm ƒ2.0 der Fokusring so eingestellt, dass sich 0.2m unter der roten Markierung befindet, beträgt der Abstand zum Punkt maximaler Schärfe (Fokuspunkt) 20cm – von der Ebene des Bildsensors aus gemessen, nicht von der Frontlinse.
_EM50666
Die 3 unter der roten Markierung sollte auf 3m fokussieren – theoretisch!
_EM50670
Steht der Fokusring auf ∞ sollte alles ab einer gewissen Distanz bis unendlich scharf sein – allerdings müsste man dazu wissen wie groß diese Distanz ist. Leider finden sich aber keine Angaben dazu in welcher Entfernung ∞ beim 12mm ƒ2.0 liegt.

Wüsste man in welcher Entfernung ∞ beim 12mm ƒ2.0 liegt bräuchte man das Objektiv nur auf ∞ zu stellen und wüsste, dass alles ab dieser Distanz bis unendlich scharf abgebildet wird. Theoretisch ließe sich die Entfernung von ∞ mit Tests ermitteln. Praktisch würde das aber nichts bringen, weil die Skala aufgrund der kleinen Baugröße des Objektivs und des Umstands, dass die Schärfe nicht direkt mechanisch sondern vom AF-Moter geändert wird viel zu wenig präzise ist um Nutzen daraus zu ziehen.

Bei 0.2-m-Einstellung funktioniert das Fokussieren per Skala noch ganz gut, bei 1ft (30cm) ist es akzeptabel, bei 0.5m beginnt es kritisch zu werden – jedenfalls bei Offenblende. Bei geschlossener Blende lässt es sich aufgrund der größeren Schärfentiefe eher mit der Skala arbeiten – eine Fehlfokussierung einiger Zentimeter ist bei Blendenöffnungen von ƒ5.6 und kleiner bei 12mm MFT kaum relevant.

Schärfentiefeskala (Schnappschuss-Fokus)

Der Nutzen der Entfernungsskala hält sich also in Grenzen. Anders sieht es mit der Schärfentiefeskala aus.

_EM50668
Dreht man den Fokusring so, dass rechts ∞ unter 5.6 steht kann man links unter 5.6 ablesen, dass die Schärfentiefe bei dieser Stellung von 5ft (1,5m) bis unendlich reicht. Es wird also ALLES (!) ab einer Distanz von 1,5m scharf aufgenommen.
_EM50667
Dreht man den Fokusring so, dass ∞ unter 11 steht reicht die Schärfentiefe von 2ft (60cm) bis unendlich reicht.

Das dürfte wohl gemeint sein, wenn Olympus von Schmappschuss-Fokus spricht: Man stellt die Kamera auf eine bestimmte Blende ein – in der Regel eine mittlere bis kleine Blendenöffnung, nehmen wir an ƒ11 –, stellt den Fokusring so, dass sich ∞ unter 11 befindet und kann munter ohne zu fokussieren drauf los fotografieren: Alles was weiter von der Kamera entfernt ist als 60cm landet scharf auf der Aufnahme.

Ein cooles Feature für Street-Fotografen und alle die schneller abdrücken wollen als Mensch oder Kamera fokussieren kann. Und mit ein Grund weshalb ich mein Panasonic 15mm ƒ1.7 bald durch das Olympus 17mm ƒ1.8 ersetzen möchte.

Zum Abschluss ein paar Fotos die ich am vergangenen schönen Wochenende in Bregenz am Bodensee mit der Olympus Pen E-PL7 aufgenommen habe – alle mit 12mm ƒ2.0 bei Blende ƒ11 auf entsprechender Schnappschuss-Fokus-Einstellung des Objektivs. Alles scharf!

_5250098 _5250101 _5250114 _5250149 _5250095 _5250154

Flattr this!

Wie viel Belichtungsmodus braucht eine Kompaktkamera?

P7000 top lo
© Nikon GmbH

Schon tolle Geräte, Kameras wie die P7000 von Nikon, die Lumix LX5 oder die Canon PowerShot G12. Scheinen alles zu können, was eine Spiegelreflexkamera kann, außer Objektive wechseln. Sie bieten sogar wie DSLRs einen Wahlschalter für Programm ( P ), Zeitvorwahl (S), Blendenvorwahl (A) und manuelle Belichtungseinstellung (M).

Aber bringen diese Belichtungsmodi bei einer Kompakten überhaupt etwas?

Kaum. Aufgrund optischer Phänomene bei den kleinen Sensoren der meisten Kompaktkameras und deren Preiskalkulation erreicht kaum ein solcher Apparat einen größeren Blendenspielraum als bestenfalls ƒ1.4 bis ƒ8.0 am kurzen und ƒ4.0 bis ƒ8.0 am langen Ende der Brennweite.

Üblicherweise gilt ein manueller Eingriff in die Blendeneinstellung vor allem dazu die Schärfentiefe kreativ zu gestalten. Bei den kleinen Bildsensoren kompakter Kamera ist allerdings abgesehen vom Nahbereich in dem Makro fotografiert wird die Schärfentiefe in den meisten Fällen nahezu unendlich. Im Weitwinkelbereich noch mehr als in Telestellung. Ob Blende ƒ1.4 oder ƒ8.0 bei Weitwinkel beziehungsweise Blende ƒ4.0 oder ƒ8.0 im Telebereich macht da kaum einen Unterschied. Deshalb ist es auch weitgehend egal ob der Fotograf in Programm, Blendenvorwahl oder mit manueller Belichtungseinstellung fotografiert.

Flattr this!

3.4. Licht- und Blendenwert

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

An der Belichtung jedes Fotos sind die vier Faktoren Belichtungszeit, ISO-Empfindlichkeit, Blende und Umgebungslicht beteiligt. Ein ­optimal belichtetes Foto gelingt nur dann, wenn ­diese Faktoren gut ausbalanciert sind.

Umgebungslicht

Das Umgebungslicht ist für den Fotografen der Faktor der Belichtung, der am schwierigsten zu beeinflussen ist. Er kann auf die Lichtsituation in der Umgebung eingehen, indem er die Blende ­öffnet oder schließt, die Lichtempfindlichkeit des Sensors erhöht oder verringert, oder die Belichtungszeit verlängert oder verkürzt. Oft wird er an zwei oder allen drei Parametern drehen, um die ­optimale Belichtung zu erreichen. Das Umgebungslicht hat er höchstens im Studio voll unter Kontrolle. Bei Landschaftsaufnahmen ist die einzige Möglichkeit das Umgebungslicht zu beeinflussen, wenn man zu ­einem anderen Zeitpunkt zurück kehrt, sollte das Licht im Moment nicht optimal sein.

Lichtwert als relatives Maß

Dass ein Lichtwert (LW) für eine Verdoppelung beziehungsweise Halbierung der Helligkeit, Lichtmenge, beziehungsweise Belichtung steht, habe ich bereits erwähnt, als ich das Zonensystem vorgestellt habe.

Nehmen wir an, wir fotografieren im Freien, die Dämmerung ist herein gebrochen und die Lichtmenge hat sich seit dem letzten Foto halbiert – das Umgebungslicht hat sich um –1 LW reduziert. Nun können wir auf die veränderte Lichtsituation so reagieren:

  • Die Belichtungszeit auf das Doppelte ausdehnen. Das heißt, Sie heben die Belichtungszeit um +1 LW an.
    Beispiel: Die Belichtungszeit wird von 1/60 Sekunde auf 1/30 ­Sekunde verdoppelt.
  • Die Blendenöffnung verdoppeln. Das heißt, Sie öffnen die Blende um +1 LW.
    Beispiel : Sie öffnen die Blende von vormals ƒ 2.8 auf ƒ 2.0.
  • Die ISO-Empfindlichkeit verdoppeln. Das heißt, die Empfindlichkeit des Bildsensors um +1 LW anheben.
    Beispiel: von ISO100 auf ISO200.

Auf Englisch nennt sich der Lichtwert ‘Exposure Value’ (EV), ­weshalb Sie auf Kameras auf die Abkürzung ›EV‹ stoßen können. In der fotografischen Praxis wird statt von Lichtwert auch oft von ›Blendenstufe‹ gesprochen. Rät Ihnen also ein Kollege – oder lesen Sie das irgendwo – eine Blende höher (heller) zu belichten, will er ­damit sagen, dass Sie eine Einstellung wählen sollten, die die Lichtmenge um einen Lichtwert verdoppelt. Das muss nicht unbedingt heißen, dass Sie tatsächlich die Blende um einen ganzen Schritt ­öffnen müssen. Er meint lediglich, die Belichtung sollte einen Lichtwert heller ausfallen. Ob Sie das erreichen, indem Sie tatsächlich die Blende öffnen, den ISO-Wert erhöhen oder die Belichtungszeit verdoppeln, bleibt bei dieser Aussage in der Regel Ihnen überlassen.

Auf diese Art angewandt ist der Lichtwert ein relativer Wert, bei dem sich ±X auf einen relativen Ausgangswert bezieht.

Viele Kameras – bei DSLR oder Systemkameras praktisch alle – erlauben es, die Einstellungen für Belichtungszeit, Blendenöffnung und ISO-Empfindlichkeit nicht nur in ganzen Schritten zu verdoppeln oder halbieren, sondern ermöglichen Halb- oder Drittelschritte. Das heißt, Sie können, statt nur Blende, Zeit oder ISO um einen ganzen Schritt zu ändern, auch an jedem Parameter ein Drittel drehen, oder einen beliebigen anderen Mix aus zweien wählen.

Falls Ihnen das jetzt erschreckend kompliziert erscheint, bitte ich Sie um etwas Geduld. Sie werden sehen, dass es in der Praxis gar nicht so kompliziert ist.

Lichtwerttabelle: Lichtwert als absolutes Maß

Die Bezeichnung ›Lichtwert‹ steht nicht nur für relative ­Werte um Belichtung zu halbieren oder zu verdoppeln. Lichtwert wird auch als absolutes Maß eingesetzt um die Helligkeit einer Szene zu bezeichnen. Lichtwert 0 ist der Basiswert und bezeichnet eine Szene, bei der eine Kombination von ISO100, Blende ƒ1.0 und 1 Sekunde Belichtungszeit zu einer neutralen, mittleren Helligkeit des Resultats führt.

Lichtwert 0 entspricht etwa der Lichtsituation einer Neumondnacht, LW4 einer beleuchteten Straße bei Nacht oder ­einer Szene im Kerzenlicht, LW8 hellen Innenräumen und Sport­hallen ; LW12 ist typisch für die Zeit kurz Sonnenauf- oder kurz nach Sonnenuntergang beziehungsweise für bedeckte Tage, LW14 spiegelt die normale Tageslichtsituation am helllichten Tag; und mit LW16 darf man rechnen, wenn die Sonne zur Mittagszeit voll vom Firmament knallt.

Aus der Tabelle unten lässt sich ablesen, was für eine Zeit/Blenden-Kombination beim Lichtwert einer bestimmten Lichtsituation zu einem optimal belichteten Ergebnis führt. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass eine perfekte Einstellung aus technischer Sicht nicht immer ein optimales Bild liefert.

Lichtwertabelle
Lichtwerttabelle

Bitte glaubt jetzt nicht, ihr müsstet die Lichtwerttabelle auswendig lernen, um bessere Bilder zu machen. Auch wenn Profifotografen mit Lichtwerten arbeiten, die Sie von Belichtungsmessgeräten ­ablesen, denke ich, dass es für den Hobby- und Amateurfotografen deutlich effizienter ist, das Histogramm zu verstehen und über Belichtungskorrekturen die optimale Belichtung zu ermitteln. Um zu verstehen wie das geht, werde ich euch im nächsten Artikel erklären, was das Histogramm bedeutet.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

Flattr this!

2.8. Blende bewusst kreativ einsetzen

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Sehen wir uns die Erkenntnisse des letzten Artikels in der Praxis an: Die aus gewählter Brennweite und Distanz resultierende Schärfentiefe wird durch die Wahl der Blende angepasst beziehungsweise korrigiert. Möchte ich das eigentliche Hauptmotiv vor dem Hintergrund hervorheben führt eine geringe Abblendung (offene Blende) zu kurzer Schärfentiefe und weichgezeichnetem Hintergrund. Möchte ich sowohl den Vordergrund als auch den Hintergrund deutlich erkennbar abbilden, dann führt kräftige Abblendung (Blende schließen) zu großer Schärfentiefe und detailreicher Wiedergabe sowohl naher als auch ferner Elemente. Nach der kreativen Kernfrage über die gewünschte Perspektive folgt die kreative Kernfrage über die Schärfe.

Der Vergleich der beiden folgenden Abbildungen verdeutlich noch einmal den Unterschied in der Bildwirkung ob die Blende offen ist oder geschlossen.

Krabbler offeneblende Die drei Stofftierchen sind hier bei Brennweite 28 mm und offener Blende ƒ2.0 fotografiert worden. Die Schärfentiefe ist kurz (kleine Blendenzahl = kurze Schärfentiefe).
Krabbler geschlosseneblende Ebenfalls mit Brennweite 28mm aus derselben ­Distanz, jedoch mit Blende ƒ8.0. Die Schärfentiefe ist weit.

Noch einmal zur Erinnerung: Die Schärfentiefe resultiert nicht aus der Blendeneinstellung allein! Brennweite (siehe ›Schärfentiefe und Brennweite‹), Abstand (siehe ›Schärfentiefe und Distanz‹) und Sensorformat (siehe ›Sensorformat und Schärfentiefe‹) haben einen ebenso bedeutenden Einfluss wie die Blende.

Aber:

  • Die Distanz zum Motiv wird primär durch die Größe der abzubildenden Objekte bestimmt. Die Überlegung, welche Auswirkung eine bestimmte Distanz auf die Schärfentiefe der Aufnahme hat, spielt bei der Aufnahme keine Rolle. Oder anders gesagt: Kein Fotograf wird eine bestimmte Distanz wählen, nur weil er sich davon eine bestimmte Schärfentiefe erwartet.
  • Die Brennweite wird normalerweise ebenso wenig wegen ihrer Auswirkung auf die Schärfentiefe gewählt. Meist ist sie entweder Resultat aus einer langen Distanz, die der Fotograf nur mit Hilfe eines Teleobjektivs überwinden kann, einer kurzen Distanz, die eine Abbildung nur mit Weitwinkel erlaubt (zum Beispiel wenn man eine Fassade in einer engen Gasse fotografieren möchte), oder aber der Fotograf möchte mit der Brennweite eine bestimmte perspektivische Wirkung erzielen.
  • Das Sensorformat ist Resultat der Kaufentscheidung des Fotografen. Die wenigsten Fotografen nehmen drei, vier oder fünf Kameras mit unterschiedlichen Sensorformaten mit auf den Weg, um damit unterschiedliche Schärfentiefewirkungen erzielen zu können.

Deshalb bleibt als wichtigstes Werkzeug zur Steuerung der Schärfentiefe die Blende übrig.

Aber: Kompaktkamera | Da Kompaktkameras, wie bereits mehrfach in dieser Serie erwähnt, in der Regel sehr viel kleinere Sensoren haben, als Spiegelreflexkameras, erzeugen sie damit automatisch eine sehr viel höhere Schärfentiefe, als ihre größeren Brüder und Schwestern. Der Einfluss der Blende auf die Schärfentiefe ist bei diesen Kameras lediglich bei Aufnahmen aus nächster Nähe wirklich relevant (also bei Makro-Aufnahmen). Bei Canons Edel-Kompakten G12 beträgt die Schärfentiefe bereits bei einem Abstand von zwei Metern, 50mm Brennweite und Blende ƒ2.8 einen knappen Meter. Selbst wenn sich ein hässlicher oder nichtssagender Hintergrund fünf Meter hinter einer porträtierten Person befindet, erfolgt dessen Abbildung scharf genug um die Wirkung des Bildes zu zerstören. Zum Vergleich: Bei einer Kleinbildkamera beträgt die Schärfentiefe auf dieselbe Distanz, mit derselben Brennweite und derselben Blendeneinstellung 14cm. Alles was sich einen Meter oder mehr dahinter befindet wird schon dermaßen weichgezeichnet, dass es kaum mehr zu erkennen ist. Eine porträtierte Person ist dadurch deutlich vom Hintergrund freigestellt.

Das ist der Irrtum vieler Fotografen, die sich für eine Kompaktkamera mit kreativen Einstellmöglichkeiten entscheiden. Sie erwarten mit Einstellmöglichkeiten für Zeitvorwahl, Blendenvorwahl und manueller Belichtungseinstellung ähnliche Ergebnisse erzielen zu können, wie an einer SLR. Doch solange die Bildsensoren so klein bleiben wie sie derzeit bei kompakten sind, ist der nutzen dieser kreativen Modi bei einer Kompakten fast zu vernachlässigen.

Die meisten ambitionierten SLR-Fotografen fotografieren im Belichtungsprogramm Blendenvorwahl, weil sie durch bewusste Auswahl der Blende die Schärfentiefe kreativ gestalten können. Sie lassen die Blende für kurze Schärfentiefe offen oder schließen sie für weite Schärfentiefe. Bei einer Kompakten bringt das meist wenig.

Das soll die Leistung moderner Kompakter nicht schmälern. Aber wer die Anschaffung einer Kamera plant sollte sich auch solcher Grenzen bewusst sein und wer eine Kompakte besitzt sollte die Einschränkungen noch vielmehr kennen.

Der Besitzer einer Kompaktkamera kann die Brennweite nicht frei wählen, wenn er ein Motiv durch kurze Schärfentiefe freistellen will. Eine akzeptable Freistellung erreicht er nur mit einer langen Brennweite – 100mm, 150mm oder mehr. Während der Spiegelreflex-Fotograf dem 4-Schritte-Konzept folgen kann, Distanz und Brennweite wählt und dann die Schärfentiefe über die Blendeneinstellung großzügig beeinflussen kann, muss der Kompaktkamera-Fotograf die Brennweite für die kreative Gestaltung der Schärfentiefe heranziehen. Sehr oft heißt es dann entweder Wunsch-Perspektive oder Wunsch-Schärfentiefe.

Wenn ich also eben behauptet habe, dass die Schärfentiefe vom Fotografen praktisch ausschließlich mit Hilfe der Blende gestaltet wird, gilt das in erster Linie für Fotografen mit Spiegelreflexkameras und Kameras mit vergleichbar großen Bildsensoren. Der Fotograf mit einer Kompaktkamera hingegen wird sehr wohl gelegentlich die Brennweite nutzen, um die Schärfentiefe kreativ zu beeinflussen. So wähle ich beim Porträt einer Person mit einer Kompakten ganz bewusst eine lange Brennweite (oft eine deutlich längere, als ich mit Spiegelreflex nutzen würde), damit ein allfällig unruhiger Hintergrund zumindest einigermaßen unscharf und das eigentliche Modell somit freigestellt wird.

Cent1 Aufnahme mit der Kompaktkamera Canon PowerShot G12 bei 140mm Brennweite (KB). Die lange Brennweite sorgt hier für den unscharfen Hintergrund und eine sachliche, flache Darstellung der Münzen.
Cent2 Derselbe Münzstapel aus kürzester Distanz (wenige Zentimeter). Die perspektivische Wirkung ist komplett anders wie oben. Der unscharfe Hintergrund entsteht hier vor allem durch die extrem kurze Distanz.
Schluessel
Perspektive und Schärfentiefe ­machen auch aus alltäglichen ­Dingen durchaus interessante ­Objekte.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

Flattr this!

2.7. Blende und Schärfentiefe

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Nach der vielen trockenen Theorie der letzten Artikel führen wir uns zwischendurch die Grundidee dieser Serie vor Augen, nämlich das Fotografieren nach den vier Schritten. Wo stehen wir mit unseren Betrachtungen im Moment:

  1. Für den ersten Schritt haben wir uns mit der Perspektive befasst und uns angesehen, wie man sie über Brennweite, Distanz und Blickwinkel (frontal oder diagonal, von unten, aus Augenhöhe oder von oben) kreativ beeinflussen kann.
  2. Ziel des zweiten Schrittes ist die kreative Gestaltung der Schärfe.
  3. Ziel des dritten Schrittes ist eine korrekte Belichtung.
  4. Im vierten Schritt schließen wir mit der Komposition des Bildausschnitts ab.

Nun beschleicht uns irgendwie das Gefühl, dass wir beim siebten Artikel im Abschnitt ›Schärfe‹ angekommen sind und noch immer nicht genau wissen, wie man die Schärfe kreativ beeinflusst.

Klar: Wir haben uns darüber unterhalten, dass die Brennweite Auswirkung auf die Schärfentiefe und ebenso die Distanz Auswirkung auf die Schärfentiefe hat.

Aber dann haben wir uns über die Blende unterhalten und dabei fast ausschließlich über Belichtung gesprochen. Der kreativen Beeinflussung der Schärfe scheinen wir noch nicht so recht näher gekommen zu sein. Haben wir uns verlaufen?

Keineswegs. Es war nur notwenig einige Grundlagen zu klären um die folgenden Zusammenhänge besser verstehen zu können.

Tatsache ist, dass durch die Auswahl einer bestimmten Brennweite auf eine bestimmte Distanz die Schärfentiefe bereits vorbestimmt wird (siehe auch ›Schärfentiefe‹). Mit einer kurzen Brennweite, wie zum Beispiel 24mm, werde ich immer schon eine weite Schärfentiefe vorprogrammiert haben, mit einer langen Brennweite, wie 200mm, ist bereits eine geringe Schärfentiefe der Fall.

Die Schärfentiefe wird zunächst von Brennweite und Disanz beeinflusst.

Ergänzend zu diesem Merksatz muss noch einmal darauf hingewiesen werden, dass auch das Format des Abbildungsmediums, also bei Digitalkameras des Sensors, einen wesentlichen Einfluss auf die Schärfentiefe hat. Das ist vor allem wichtig um den Unterschied zwischen Spiegelreflex- und Kompaktkamera zu verstehen.

Um die durch Brennweite und Distanz vorgegebene Schärfentiefe zu verändern beziehungsweise korrigieren zu können, kommt die Blende ins Spiel. Mit ihr können wir einstellen ob wir sowohl Vorder-, Mittel- und Hintergrund mit großer Schärfentiefe scharf aufnehmen wollen, oder durch geringe Schärfentiefe ein Objekt vom Hintergrund freistellen möchten.

Der Merksatz für die Auswirkung der Blende auf die Schärfentiefe dazu lautet:

Je größer die Blendenöffnung, desto kürzer die Schärfentiefe.

Offene Blende

Offene Blende für wenig Schärfentiefe.

Geschlossene Blende

Geschlossene Blende für viel Schärfentiefe.

Große Öffnung = kleine Tiefe? Da haben wir wieder eine umgekehrte Logik im Merksatz. Für Alle die es einfach lieben:

Kleine Blenden­zahl
= geringe Schärfentiefe,
große Blendenzahl
= hohe Schärfen­tiefe.

Offenblende und Abblendtaste

Die Blende beeinflusst also Lichtmenge und Schärfentiefe. Wer kein kompletter Neueinsteiger ist, dem war das sicher schon bekannt.

Das Autofokus-System (AF – die Elektronik, die für das Scharfstellen sorgt) einer Kamera arbeitet am schnellsten und zuverlässigsten, wenn es den Bereich, auf den es scharf stellen soll, ausreichend hell sieht. Schließt der Fotograf die Blende für eine hohe Schärfentiefe, dann wird das Bild nicht nur für den Sensor, sondern auch für das AF-Messsystem dunkler. So könnte es sein, dass das AF-System bei Blende ƒ8, ƒ11 oder ƒ22 den zu ­fokussierenden Bereich bereits so dunkel sieht, dass ein Scharfstellen gar nicht mehr möglich ist. Um das zu verhindern, bleibt die Blende so lange man durch den Sucher blickt offen. Nur in dem kurzen Moment, in dem man den Auslöser drückt und das Bild aufgenommen wird, schnellt die Blende kurz auf die voreingestellte Größe zu, um anschließend sofort wieder in die Offenstellung zu springen.

Als Beispiel, um den Sachverhalt näher zu illustrieren, habe ich noch einmal das Motiv mit den fünf Spielkegeln herangezogen. Betrachten wir es mit einem Objektiv mit der Lichtstärke 1.8 durch den Sucher, dann sieht das aus wie in Abbildung unten.

F1 8sucher

So sieht das Motiv bei Blende ƒ1.8 durch den Sucher aus. Scharf gestellt wurde auf den roten Kegel. Da die Schärfentiefe bei ƒ1.8 gering ausfällt sind die Kegel unmittelbar davor und dahinter unscharf.

Schließen wir die Blende auf ƒ22, dann erhält die Aufnahme eine höhere Schärfentiefe und müsste aussehen wie in der folgenden Abbildung.

F22sucher

So müsste dasselbe Motiv bei Blende ƒ22 aussehen. Bei Blende ƒ22 ist die Schärfentiefe groß und deshalb müssten die Kegel vor und hinter dem roten, auf den scharf gestellt wurde, auch deutlich schärfer angezeigt werden, als bei Blende ƒ1.8.

Tatsächlich jedoch sieht man das Bild im Sucher nach wie vor bei der Offenblende, also bei einem Objektiv mit Lichtstärke 1.8 mit der Schärfentiefe von Blende ƒ1.8.

Um die Schärfentiefe eines Motivs im Sucher überprüfen zu können, muss die Blende auf die eingestellte Öffnung geschlossen werden. Zu diesem Zweck verfügen viele SLR-Kameras über eine sogenannte Abblendtaste.

Abblendtaste

Abblendtaste (1) einer Nikon D7000 (Bild: © Nikon GmbH)

Drückt man diese Taste drücken und hält sie gedrückt, dann schließt sich die Blende auf den eingestellten Wert. Das Verkleinern der Blendenöffnung hat aber nicht nur zur Folge, dass die Kamera das Motiv dunkler sieht, sondern auch im Sucher wird es plötzlich zappenduster.

F22abblenden

So etwa sieht man ein Motiv bei ­Blende ƒ22, wenn die ­Abblendtaste gedrückt wird.

Das ist gewöhnungsbedürftig, aber nicht zu vermeiden, wenn man die Schärfentiefe vor der Aufnahme beurteilen will.

Um die Schärfentiefe im Sucher beurteilen zu können muss man die Abblendtaste drücken.

Titel

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
240 Seiten, in Farbe, Hardcover;
ISBN: 9783842373938;
Link zu Amazon
Link zu Books on Demand
Ladenpreis: 44,90 (D);
Ladenpreis E-Book: 35,99 (D)
Mehr Info und ein kostenloses Demokapitel.

Flattr this!

2.5. Blendenschritte

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

›Die Blende‹ wird in der Regel in einer für den Einsteiger nur schwer nachvollziehbaren Zahlenreihe angegeben. Da gibt es Werte wie 1.8, 2.0 und 5.6. Manchmal wird diesen Zahlen ein ›ƒ‹ oder ein ›F‹ vorangestellt und manchmal auch ›1:‹.

Beschäftigt man sich eingehender mit diesen Zahlen – sie haben ja große Bedeutung für die Fotografie – wird man durch den Umstand verwirrt, dass große Zahlen zu kleinen Blenden zu gehören scheinen und kleine Zahlen zu großen Blenden. Klingt unlogisch, ist es aber nicht, wenn man die falsch etablierten Bezeichnungen richtig stellt.

ƒ steht für ›focal length‹ | Stellen wir uns als erstes die Frage wofür das ›ƒ‹ vor den Blendenzahlen steht: Es steht für den englischen Begriff ›focal length‹, zu deutsch ›Brennweite‹.

Erinnern wir uns daran, dass ein Objektiv mit einer Brennweite von 200mm theoretisch 200mm lang ist. Das ist ein ganz schön langes Rohr. Wie man sich vorstellen kann, kommt durch einen langen Tunnel nicht so viel Licht in einen Raum, wie durch einen kurzen. Vergleichbar verhält es sich mit Objektiven: Eine lange Brennweite lässt weniger Licht zum Sensor durch als eine kurze. Damit die Lichtmenge, die ein Blendenventil in einem langen Objektiv durchlässt, mit der eines kurzen vergleichbar ist, hat man sich entschieden die Werte so anzulegen, dass sie in Beziehung zur Objektivlänge (›focal length‹) stehen.

ƒ2.0 zum Beispiel stellt eine verkürzte Schreibweise von ƒ1/2.0 beziehungsweise ƒ1/2 dar. Übersetzen kann man das so, dass auf der Objektivlänge (Brennweite = ›focal length‹ = ƒ) diese Blendenöffnung zweimal Platz hätte.

Blende f2 Bei Blende ƒ2.0 lässt sich der Durchmesser der Blendenöffnung zweimal auf die Objektivlänge ­umlegen.
  • Blende ƒ4.0 bedeutet also, dass der Durchmesser der Blendenöffnung viermal auf die Objektivlänge geht ,
  • bei Blende ƒ8.0 achtmal,
  • bei Blende ƒ16 sechzehn mal,
  • und so weiter.
Blende f4 Bei Blende ƒ4.0 lässt sich der Durchmesser der Blendenöffnung viermal auf die Objektivlänge ­umlegen.
Blende f8 Bei Blende ƒ8.0 lässt sich der Durchmesser der Blendenöffnung achtmal auf die Objektivlänge ­umlegen.

Oder eben anders herum:

  • Bei Blende ƒ4.0 ist der Durchmesser der Blendenöffnung ein Viertel der Objektivlänge,
  • bei ƒ8.0 ein Achtel
  • und bei ƒ16 ein Sechzehntel.

Man kann die Blendenzahlen also genauso gut als Bruch lesen, also ƒ2.0 bedeutet 1/2 Objektivöffnung, ƒ4.0 1/4 Objektivöffnung und so weiter. Die Blendenzahl stellt darin den Nenner des Bruches dar. Je größer die Zahl, desto kleiner der Bruch. 1/2 ist größer als 1/4. 1/4 ist größer als 1/8. 1/8 ist größer als 1/16 und so weiter. Hat man die Blendenzahlen auf diese Weise verstanden wird klar, weshalb eine große Zahl eine kleinere Öffnung bedeutet.

Größere Blendenzahlen stehen für kleiner Blendenöffnungen und somit für geringere Lichtstärke.

Merkhilfen | Wir wissen nun woher es rührt, dass eine größere Zahl für eine kleinere Blendenöffnung steht. Mir persönlich liegt dieses um-zwei-Ecken-Denken nicht. Ich bevorzuge die direkte Logik, wie: »Kleine Blende = geringe Schärfentiefe«. Manche tun sich leichter »kleine Zahl = große Blendenöffnung« zu merken, andere schwerer. Meine Unterhaltungen mit Amateurfotografen haben mir den Eindruck vermittelt, dass das um-zwei-Ecken-Denken anderen Fotografen ebenso wenig liegt, wie mir. Deshalb habe ich nach einfacheren Merksätzen gesucht.

In der Fotografie werden große Blendenzahlen oft als ›kleine Blenden‹ bezeichnet. Der Fotograf sagt »nimm da am besten eine große Blende« und meint damit »du solltest die Blende öffnen«.

Aber ist die Blende nicht dieses Lamellenventil im ­Objektiv? Wenn die Öffnung groß ist muss die Blende doch klein sein, oder nicht?

Offene Blende Ein große Blendenöffnung entsteht, wenn die Blendenlamellen zurückgezogen sind und somit die Blende klein ist = kleine Blendenzahl! Zum Beispiel Blende ƒ2.0.
Geschlossene Blende Eine kleine Blendenöffnung wird mit ausgefahrenen Blenden­lamellen und damit einer großen Blende erzeugt – zum Beispiel Blende ƒ16.

Richtig! Wenn jemand eine große Blendenöffnung als große Blende bezeichnet, dann ist das vom Sinn her eigentlich falsch! Tatsache ist: Ist die Blendenzahl klein, dann ist auch die Blende klein!
Und weshalb folgt alle Welt der verkehrten Bezeichnung? Weil »nimm eine große Blende« eine schlampige Abkürzung für »nimm eine große Blendenöffnung« ist.

Die landläufige Bezeichnung ›kleine/große Blende‹ steht für ›kleine/große Blendenöffnung‹.

Wenn ich fotografiere und über Fotografie nachdenke, dann stelle ich mir unter kleiner Blende eine kleine Blende vor. Das steht zwar entgegengesetzt zum etablierten Fotografenjargon, aber es hilft mir intuitiv und schnell zu arbeiten.

Tatsächlich steht eine kleine Blendenzahl für eine kleine Blende und eine große Blendenzahl für eine große Blende!

Unterhalte ich mich mit anderen Fotografen, spreche ich prinzipiell nicht von ›großer‹ oder ›kleiner‹, sondern von offener oder geschlossener Blende. Damit kann es weder Verwirrung noch Missverständnisse geben.

Darüber hinaus verwende ich oft den Begriff ›Ab­blenden‹. So spreche (und schreibe) ich vom ›geringen‹ oder ›starken Ab­blenden‹ wo man ansonsten von ›kleiner‹ und ›großer Blende‹ sprechen würde. Wenn ihr mit dem um-die-Ecke-Denken des etablierten Jargons keine Schwierigkeiten habt, dann brauchen euch diese Merksätze nicht zu kümmern. Mir hat es den Zugang zur Blende und den Blendenzahlen erleichtert und ich merke wie ich noch heute ins stocken gerate, wenn ich auf die etablierte Weise denken muss.

Blendenschritte und Blendenzahlen

Die Blendenzahlen folgen eigenartigen Schritten wie 1.4, 2.0, 2.8, 4.0, 5.6, 8.0 und so weiter. Im Grunde wäre das eine Frage für einen IQ-Test: »Setzen Sie diese Zahlenreihenfolge fort«.

Wenn man sich die Zahlenreihe einmal genauer ansieht und sie analysiert, fällt vielleicht auf, dass 2, 4 und 8 darin vorkommt – also eine jeweilige Verdoppelung – und 1.4, 2.8 und 5.6 – ebenfalls Verdoppelungen. Also würde man im Intelligenztest ausfüllen 11.2, 16.0, 22.4, 32 und so weiter. Damit hätte man den Test bestanden. Genau so baut sich die Reihe der ganzen Blendenschritte auf. Nur dass 11.2 auf 11 und demnach 22.4 auf 22 gerundet wird.

Blendentabelle
Zahlenreihe der ganzen Blendenschritte.

Es gibt viele verschiedene Schreibweisen für den Blendenwert: 2.0, ƒ2.0, ƒ2,0, ƒ2, F2, F1:2 (F1:2.8, F1:4 usw), 1:2, F1/2 (F1/2.8, F1/4 usw) und weiter und das Ganze auch noch in allen möglichen Kombinationen. Gemeint ist aber ­immer dasselbe. Willkommen in der Fotografie!

Halbierung beziehungsweise Verdoppelung der Lichtmenge | Die Blendenschritte wurden so festgelegt, dass sich von einem Schritt zum nächsten die Blende soweit öffnet beziehungsweise schließt, dass sich die durchfallende Lichtmenge verdoppelt oder halbiert. Das heißt, wenn ich die Blendenöffnung von ƒ2.0 auf ƒ2.8 um einen ganzen Schritt schließe, halbiert sich die Lichtmenge. Wenn ich sie statt dessen auf ƒ1.4 um einen ganzen Schritt öffne, dann verdoppelt sich die Lichtmenge.

Ein ganzer Blendenschritt verdoppelt oder halbiert die Lichtmenge.

Für Alle, die es genau wissen wollen: Der Faktor, der zur Halbierung beziehungsweise Verdoppelung der Lichtmenge führt, ist √2 (≈ 1,41). Daraus ergibt sich die (jeweils gerundete) Zahlenreihe: 1 × √2 ≈ 1,4; 1,4 × √2 ≈ 2,0; 2,0 × √2 ≈ 2,8; 2.8 × √2 ≈ 4,0; 4,0 × √2 ≈ 5,6; und so ­weiter.

Drittelschritte | Vielleicht ist euch bei dieser Erklärung bereits aufgefallen, dass ihr an euren Kameras schon andere Werte gesehen habt als die in der Tabelle der ganzen Blendenschritte oben. Oder euch ist eingefallen, dass es ja auch Objektive mit einer Lichtstärke von ƒ1.8 gibt. Das liegt daran, dass die ganzen Blendenschritte wie abgebildet natürlich kein Naturgesetz darstellen. Im Grund ließe sich die Blende stufenlos öffnen und schließen. Die ganzen Blendenschritte repräsentieren wie gesagt jeweils eine Halbierung oder Verdoppelung der Lichtmenge und stellen soetwas wie eine Norm dar. Die meisten Kameras erlauben allerdings auch die Blendenöffnung in Drittelschritten zu steuern.

Wie auch immer die Zahlen für den Blendenwert aussehen, für den Fotografen ist im Zusammenhang mit den Blendenzahlen vor allem eins wichtig:

Kleine Blendenzahl
= kleine Blende
= große Blendenöffnung

Große Blendenzahl
= große Blende
= kleine Blendenöffnung

Anmerkung: In früheren Versionen der Fotoschule habe ich laut meinen Recherchen behauptet, dass ƒ für ›fraction‹, also Bruch, stünde. Ein Leser hat mich dann auf den Ursprung ›focal length‹ verwiesen. Neuerliche Recherchen haben mir klar gemacht, dass dieser Ursprung der tatsächlich richtige sein dürfte.

Sehr oft (wenn nicht sogar meist) wird geschrieben das ƒ beziehe sich auf ›Focus‹ – eine Erklärung der ich nicht glauben kann, denn tatsächlich sind Fokus und Blende zwei voneinander unabhängige fotografische Parameter. Zwar bleibt es am Ende für die praktische Anwendung belanglos ob sich ƒ auf ›focus‹, ›focal length‹ oder ›fraction‹ bezieht. Doch je mehr man über eine Sache weiß, desto besser versteht man sie meist.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

Flattr this!