Die Blende und alles was mit ihr zu tun hat, wird von den meisten Einsteigern nicht oder nur kaum verstanden. Da wird von abblenden geredet und das ein Objektiv mit Blende ƒ2.8 oder noch weniger einfach Gold Wert ist. Um hier nun Wort wörtlich etwas Licht ins Dunkel zu bringen wird dies ein ausführlicher Blogeintrag.

Der Aufbau und die Funktion

Beginnen wir mal bei der eigentlich Funktion und widmen wir uns erst später der technischen Erklärung. Stellen wir uns vor, der Sensor (oder auch das Filmmaterial) sei eine leere Badewanne und das Licht ist unser Wasser. Damit wir uns in der Badewanne wohl fühlen, muss diese mit einer gewissen Wassermenge gefüllt werden. Es macht keinen Spass wenn nur der Badewannenboden mit Wasser bedeckt ist, oder? Ich muss aber auch aufpassen, dass ich nicht zuviel einfülle und die Badewanne überläuft. Genau gleich verhält es sich mit dem Licht und dem Sensor. Nur die richtige Menge an Licht ergibt eine korrekt belichtete Aufnahme. Zu wenig Licht bedeutet, dass die Aufnahme zu dunkel wirkt und bei zu viel Licht, wirkt sie zu hell.
Im ersten Artikel habe ich darüber berichtet, dass die Belichtungszeit und die Blende untrennbar miteinander verbunden sind. Die Verschlusszeit ist in unserem Beispiel die Zeit die wir benötigen um die Badewanne einlaufen zu lassen. Die einzige Möglichkeit die ich nun noch habe um die Badewanne schneller oder weniger schnell zu füllen ist der Wasserhahn. Drehe ich ihn voll auf, geht es sehr schnell, lasse ich Tropfen für Tropfen einlaufen, kann das unter Umständen sehr lange dauern :)

Die Blende hat genau diese Aufgabe. Sie steuert die Lichtmenge, welche auf den Sensor (Film) fallen soll.

Mit diesem Wissen, dass wir mit der Öffnung der Blende die Lichtmenge steuern können, wird es auch einleuchten, dass bei offener Blende, viel Licht in die Kamera eindringen kann. Jeh grösser diese Öffnung ist, desto kürzer werden meine Verschlusszeiten. Das kann einem am hellichten Tag ja egal sein mag man denken. Wenn man aber Abends, drinnen, im Schatten oder einfach sonst irgendwo fotografiert wo Licht Mangelware ist (und das ist öfters der Fall als ihr denkt), wird man über eine möglichst grosse Blendenöffnung froh sein.
Nun reicht uns dieses Wissen alleine aber noch nicht aus, die Kamera bedienen zu können. Denn eine grosse Blendenöffnung verbindet man automatisch auch mit einer grossen Zahl. Ab diesem Punkt sind jetzt viele Leute verwirrt.

Ganz ganz Wichtig: Jeh kleiner die Blendenzahl, desto grösser die Blendenöffnung.

Das hört sich komisch an, ist aber so ;) Die Erklärung findet sich in der Mathematik. Keine Angst, es wird nicht kompliziert. Um wieder auf unser Wasserbeispiel zu kommen. Die Brennweite eines Objektivs (Brennweite wird in einem separaten Thema erläutert) wird in mm angegeben und kann in unserer Metapher als Rohrdurchmesser betrachtet werden. Die Blende ist immernoch unser Ventil, das den Durchfluss steuert. Die Blendenzahl ist nun ein Verhältnis von Rohrdurchmesser zum Ventildurchmesser. Hat also unser Rohr einen Durchmesser von 100mm unser Ventil einen Durchmesser von 25mm, so bekommen wir als Ergebnis den Wert 4! Machen wir das Ventil zu und verkleinern so den Durchmesser auf Beispielsweise 10mm, so bekommen wir als Ergebnis 10. Oder umgekehrt, öffnen wir das Ventil und lassen wieder viel Wasser einströmen bei Beispielsweise 50mm so bekommen wir als Ergebnis 2!

Wenn man dieses Rechenbeispiel nun noch etwas weiter verfolgt, sieht man auch schnell, weshalb eine kleine Blendenzahl soviel bringt. Gehen wir wieder mal davon aus, dass unser Ventildurchmesser 25mm beträgt und wir diesen auf 50mm erweitern. Wieviel mehr Licht wird nun in der gleichen Zeit in die Kamera geleitet? Ich bin mir sicher, dass einige von euch spontan auf den doppelten Wert gekommen sind, da der Durchmesser ja doppelt so gross ist. Da sich aber der Querschnitt aus r2*Pi errechnet, ergibt sich dadurch nicht die doppelte, sondern die vierfache Menge!

Ich kann also bei doppeltem Durchmesser, respektiver halbierter Blendenzahl die Verschlusszeit vierteln.

Oder wieder in der Metapher gesprochen. Wenn ich das Ventil im Durchmesser verdopple brauche ich nur noch einen viertel der Zeit, bis meine Badewanne mit Wasser gefüllt ist. Es ist jetzt nicht schlimm, wenn ihr diesem Rechenbeispiel nicht ganz folgen konntet (auch wenn ich mir aller grösste Mühe gegeben habe, es verständlich zu erklären ;) Ich werde bei den Aufnahmemodi Zeit– und Blendenautomatik nochmals darauf eingehen. Wichtig ist nur, das ihr folgendes mitnehmt:

Es gibt selten zu viel Licht aber oftmals zu wenig! Deshalb kann ein Objektiv nie eine zu kleine Blendenzahl haben.

Kommen wir nun kurz zu den unterschiedlichen Bezeichnungen. Ob jetzt 1:2.8, oder ƒ2.8 oder ƒ/2.8 irgendwo geschrieben steht spielt eigentlich keine Rolle. Der Wert ist entscheidend und wird immer gleich berechnet. Durchnittliche Objketive haben Blendenzahlen von 3.5-5.6. Hochwertige Objektive beginnen mit 2.8 und gehen rauf bis 1.2 (das heisst, der Öffnungsdurchmesser bei einem 50mm Objektiv beträgt 41.6mm!). In der Grafik zu den Blendenöffnungen wird es noch etwas deutlicher, wieviel eine grosse Blendenöffnung tatsächlich bewirkt.

Die Blende wurde dem menschlichen Auge nachempfunden und öffnet oder schliesst sich kreisförmig. Da wir aber mit der Mechanik nicht das komplizierte Zusammenspiel von Muskeln nachbilden können wird das öffnen und schliessen einer Blende mit Lamellen erreicht, welche ringförmig angelegt sind. Durch das Verschieben verkleinert oder vergrössert sich der Öffnungsdurchmesser.

Die Blende als Gestaltungsmittel

Drei MädelsDie Blende hat neben der Steuerung der Lichtmenge noch einen weiteren grossen Vorteil. Mit ihr lässt sich die Schärfentiefe gezielt beeinflussen. Die Schärfentiefe (oftmals fälschlicherweise Tiefenschärfe genannt!) bezeichnet den Bildbereich, welchen wir als scharf wahrnehmen. Das Zusammenspiel von Blende und Schärfentiefe ist ziemlich komplex in der Erklärung und lasse ich deshalb aussen vor. Dafür ist die Anwendung sehr einfach und ihr müsst euch nur merken:

Jeh kleiner die Blendenzahl, desto kleiner die Schärfentiefe, also der Bereich der von uns als scharf wahr genommen wird.

ZaunDieses Gestaltungsmittel wird oftmals in der Portraitfotografie eingesetzt um Personen klar von der Umgebung abzugrenzen. Es kann aber auch kreativ genutzt werden um alltägliche Dinge, wie z.B. diesen Zaun, interessant wirken zu lassen. Man konzentriert sich dabei auf Details, welche die Neugier des betrachters Wecken. Der Kreativität sind natürlich keine Grenzen gesetzt und es ist eine wunderbare Möglichkeit sich auszutoben :)

Wurzelstrunk im WasserNatürlich gilt für die Blende auch das genaue Gegenteil. Also je grösser die Blendenzahl, desto grösser ist die Schärfentiefe, also der Bereich der von uns als Scharf empfunden wird. Hier spricht man dann auch von dem so genannten »abblenden«. Also das gezielte verkleinern der Blendenöffnung um das Bild über einen grossen Bereich scharf wirken zu lassen. Dies findet oft in der Landschaftsfotografie Verwendung, bei der man oftmals die Landschaft als Ganzes abbilden möchte und nicht nur einzelne Details davon.

Wenn ihr jetzt verstanden habt, dass:

  • die Blende die Lichtmenge reguliert
  • eine kleine Blendenzahl eine grosse Blendenöffnung bedeutet und deshalb viel Licht rein lässt und dass
  • man damit die Schärfentiefe beeinflussen kann, habt ihr das Rüstzeug für die nächsten Kapitel :)

Nachtrag

Toasti hat mich darauf Aufmerksam gemacht, dass die Schärfe oder besser gesagt die Abbildungsleistung von Objketiven bei der Start– und Endblende schlechter ist, als bei einem Mittelwert. Damit hat er völlig recht. Ich selbst habe meine Objektive mittels eines Tests auf der Traumflieger Homepage getestet. Dabei wird die 5 der rechten unteren Ecke einer 5 Euro Note abgelichtet und Anhand einer Referenzdatei verglichen.

Herausgekommen sind dabei folgende Grafiken für meine Objektive welche alle die Aussage von Toasti unterstreichen. Deshalb lieber ein bis zwei Blendenstufen über den Extremwerten arbeiten. Eine Liste mit jeder menge getesteten Objektiven von Canon, Sigma und Tamron befindet sich ebenfalls auf der Traumflieger Homepage und ist hier zu finden.

Kommentare: 0 (schreib einen ersten Kommentar)

Beginnen mit der Serie Basiswissen der Fotografie (kurz BdF) möchte ich mit einem leicht verständlichen Thema, der Belichtungszeit. Obwohl Belichtungszeit und Blende eigentlich untrennbar miteinander verbunden sind, möchte ich trotzdem diese Themen getrennt bearbeiten. Zumindest soll dann für das nächste Kapitel über die Blende der Grundstein bereits gelegt worden sein.

Die Belichtungs– oder Verschlusszeit gibt Auskunft darüber, wie lange das Aufzeichnungsmedium (ob jetzt Film oder Sensor spielt keine Rolle) mit Licht beaufschlagt wird. Dieser Wert wird bei den Kameras immer in Sekunden angegeben. Eine Einsteigerkamera wie die EOS 400D kann mit Verschlusszeiten von 1/4000sec bis 30sec arbeiten. Länger Belichtungszeiten sind im Bulb-Modus und einer Fernauslösung möglich. Dazu aber mehr in einem späteren Kapitel.

Eingefrorener SprungDie Belichtungszeit ist neben der Blende, das wichtigste Gestaltungsmittel. Mit Kurzzeitbelichtungen können Bilder eingefangen werden, die unserem »trägen« Auge normalerweise verborgen bleiben. Solche Momentaufnahmen sind faszinierend, da wir diese Situationen zwar tagtäglich erleben, aber nie bewusst wahr nehmen (können). Die scheinbar schwerelos wirkende Aufnahme in diesem Beispiel, war schlussendlich nichts anderes als wildgewordenes rumgehüpfe :)

Wasserfall RappenlochschluchtAuch die Langzeitbelichtung bietet kreatives Potential. Eines der einfachsten und eindrücklichsten Beispiele der Langzeitbelichtung ist der seiden wirkende Vorhang eines Wasserfalles. Dabei reicht es schon aus, die Belichtungszeit auf 1/2sec einzustellen um die Bewegung des fallenden Wassers zu glätten.

Natürlich gibt es noch weit extremere Beispiele in beide Richtungen. Wichtig und als Zusammenfassung merkt euch einfach folgendes:

Mit kurzen Belichtungszeiten werden in erster Linie statische Momentaufnahmen erreicht. Die Langzeitbelichtung dient der Visualisierung von Bewegung und Dynamik.

Kommentare: 0 (schreib einen ersten Kommentar)

Ein herzliches Hallo und guten Tag an alle alten und neuen Gesicht da draussen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit WordPress, kann ich nun endlich beginnen zu bloggen. Die regelmässigen Besucher von Markus Weblog werden schon den einen oder anderen Artikel über mich gelesen haben und sich womöglich schon mal auf meine Webseite verirrt haben. Den meisten werde ich aber noch unbekannt sein und das möchte ich hiermit ändern.

Mein Name ist Pascal Reis, bin 26 Jahre alt, wohne am Schweizer Bodenseeufer und ich bin Markus Neffe. Beruflich gehöre ich der Gattung „Logische Denker“ an und bin als technischer Projektleiter in einem Engineeringbüro mehr mit Funktion als Design beschäftigt. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, habe ich an der Fotografie als kreatives Ausgleichselement gefallen gefunden. Mit der Fotografie beschäftige ich mich seit etwas über einem Jahr intensiv. Auslöser war ein Artikel hier auf dieser Seite über Dave Hill und seine HDR-Fotografie.

Einlaufende FlutMit dem Hintergedanken auf der letztjährigen Reise quer durch Australien und Neuseeland etwas bessere Bilder mit nach Hause zu bringen als beim ersten mal, habe ich mir dann die Canon EOS 400D angeschafft. Das Interesse für die HDR Fotografie ist dann ebenso schnell verschwunden wie es gekommen war, dafür konnte ich mich für die Landschaftsfotografie wie auch für die Personenfotografie im Studio oder Outdoor begeistern.

Die Frage, was dieser „Neuling“ euch beibringen kann, sei erlaubt. Mein bisheriges Wissen habe ich mir autodidaktisch und mit der Unterstützung von Markus angeeignet. Mitte September werde ich noch das 2. Semester des M-Art Fotografiekurses in Zürich besuchen mit den Schwerpunkten Blitztechniken, Lichtkombinationen, Bildanalyse und eigene Bildsprache. Mit dem Willen und dem Interesse die Dinge zu verstehen und erklären zu können bin ich in der Zwischenzeit in der Lage euch eine Einführung in die digitale Fotografie zu geben, zumindest hoffe ich das ;)

Damit möchte ich dann auch dem Wunsch von Markus nachkommen und die auf meiner Seite bereits veröffentlichten Artikel über das Basiswissen der Fotografie und die Bedienung der EOS 400D auf diesen Weblog übertragen. Ich bitte alle meine bisherigen Leser um etwas Geduld, da sich mit diesem Schritt die Weiterführung etwas verzögern wird.

So bleibt mir im Moment nichts weiter, als euch zu sagen, dass ich mich auf die Zusammenarbeit mit Markus und euch sehr freue. Für Fragen, Anregungen und Kritik, sowohl positiv als auch negativ, habe ich stets ein offenes Ohr.

Kommentare: 0 (schreib einen ersten Kommentar)