Viele meiner Freunde fotografieren (noch) mit einem komprimierten Dateiformat (meist .jpg) ohne dabei genau zu wissen, was sie eigentlich an Möglichkeiten in der Nachbearbeitung verschenken. Um hier ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen gibt es heute Teil 1 des mehrteiligen Artikels der sich ausschliesslich mit den Vorteilen des RAW Formats auseinander setzt. Als erstes möchte ich mich dem Weissabgleich (und der Farbtemperatur) widmen da dies ohnehin ein wichtiges Thema ist.
Licht ist nicht gleich Licht
Das Wichtigste zu diesem Thema: Licht ist nicht gleich Licht. Das Licht der Sonne unterscheidet sich zum Licht das eine Glühbirne abstrahlt. Auch ist das Licht einer Glühbirne anders als das einer Leuchtstoffröhre und es macht einen Unterschied ob es bewölkt ist, bei welcher Tageszeit fotografiert wird und ob ich im Schatten stehe. Das Licht einer Glühbirne wird durch seinen gelblichen Ton als »warm« empfunden, während an einem bewölkten Tag die Bilder bläulich erscheinen und daher eher »kalt« wirken. Mit dem Weissabgleich wird genau dem entgegen gewirkt. Ziel ist es, ein Bild immer natürlich wirken zu lassen. Dem Bild sollte man also im Normalfall nicht ansehen, welche Lichtverhältnisse vorhanden waren (ausser es wird gestalterisch genutzt).
Bei diesem Beispiel kann man gut den Unterschied zwischen der bewölkten Aufnahme (links) und der Aufnahme im Sonnenlicht (rechts) erkennen. Die Bilder sind mit automatischem Weissabgleich aufgenommen und unbearbeitet so von der Kamera übernommen worden.
Automatikmodus oder Manuell?
Für die meisten ist der Weissabgleich aber ein leidiges Thema und wird auch nicht richtig verstanden. Oftmals wird auf automatischen Weissabgleich geschaltet, in der Hoffnung die Kamera mache dann schon das Richtige. Zuhause am Bildschirm ist dann die Entäuschung oftmals gross. Die Bilder decken sich nicht mit den Erinnerungen und haben im schlimmsten Fall auch einen Farbstich, der das ganze Foto ruiniert.Die Fortgeschrittenen unter euch werden den Weissabgleich evt. auch manuel setzen. Dabei ist die Auswahl in den meisten Kameras aber sehr bescheiden gehalten und es lassen sich zwischen 5–7 Lichtsituationen auswählen, einen Automatikmodus und noch der manuelle Weissabgleich. Oft habe ich auch schön gehört, das der Weissabgleich generell auf »bewölkt« eingestellt wird, da dies dem Foto eine warme Note gibt. Auch das ist aber keine zufriedenstellende Lösung für den anspruchsvollen Fotografen.
Deshalb RAW!
Nun die gute Nachricht: Wer im RAW-Format fotografiert muss sich um den Weissabgleich nicht kümmern. Dieser kann bequem nachträglich am Bildschirm angepasst werden und zwar stufenlos! Der Grund ist schnell erklärt. Jedes Bild, dass die Kamera aufnimmt wird als erstes im RAW-Format aufgenommen. Habe ich nun als Standardformat .jpg ausgewählt, durchläuft das Bild Kameraintern einen Komprimierungsprozess. Die Datenmenge wird verringert und (scheinbar) nicht mehr benötigtes gelöscht. Auch der Weissabgleich wird durchgeführt und unwiederruflich in das .jpg Bild integriert. Man hat zwar mit entsprechenden Programmen auch beim .jpg Bild noch Möglichkeiten Farbstiche zu entfernen aber immer auf Kosten der Qualität. Auch wer diese Programme nicht zur Verfügung hat muss mit dem falsch abgeglichenen Bild leben.
RAW bedeuted also nichts anders, als dass die Bilddaten roh und unkomprimiert von der Kamera ausgegeben werden und ich die Möglichkeit habe, mein Bild selber zu entwickeln. So konnte ich auch durch einfaches Anpassen des Weissabgleiches das linke (bläuliche) Bild retten. Hier noch der vorher/nachher Vergleich.
Nachteil von RAW
Das RAW-Format hat zwei Nachteile. Nr. 1, ein RAW-Bild benötigt etwa den 2.5-fachen Speicherplatz eines .jpg Bildes. Bei den heutigen Speichermedien ist dies aber eigentlich kein Thema mehr. Nr. 2, es gibt kein einheitliches RAW-Format. Jeder Kamerahersteller hat sein eigenes Format respektive eigene Formate! Deshalb wird oftmals spezielle Software benötigt welche die Dateien anzeigen können. Da aber jeder Kamerahersteller eine entsprechende Software mitliefert, ist auch dies eigentlich kein Problem.