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Affinity Photo iPad: Perspektivenkorrektur

Perspektivische Verzerrungen entlang der Vertikalen – man spricht auch von fallenden, kippenden oder stürzenden Fassaden – lassen Architekturaufnahmen – und nicht nur diese – oft unprofessionell wirken. Hier zeige ich zwei Wege sie zu korrigieren.

1.3. Architektur und Perspektive

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

In vielen Aufnahmesituationen und fotografischen Genres unterstützen drei Fluchtpunkte eine dynamischere Wirkung und erzeugen spannendere Resultate. Und wenn nicht, dann wirken sie sich zumindest nicht negativ auf die Bildwirkung aus. In der Architekturfotografie wirken sich drei Fluchtpunkte jedoch oft negativ aus und vermitteln eine unprofessionelle Bildwirkung.

leichtstuerzend.jpg Dezent stürzende Linie wirken bei der Abbildung von Gebäuden immer etwas fehlerhaft. Zwar stört es den fotografischen Laien nicht bewusst, da wir solche Ansichten aus unzähligen Aufnahmen gewohnt sind. Doch ansprechende Architekturbilder sehen anders aus. In einer Architekturzeitschrift oder in ›Schöner Wohnen‹ würden wir es aber als laienhaften Stil empfinden.

Ambitionierte Architekturfotografen arbeiten statt dessen oft mit extremen Perspektiven – zum Beispiel durch Weitwinkel aus kurzer Distanz.

spannendeperspektive.jpg Werden stürzende Linien so angelegt, dass sie extrem flüchten, kann das Ergebnis spannend sein. Das Bild stammt übrigens von der Canon Powershot S95 und zeigt wie gut das Rauschverhalten von Kompaktkameras in der Blauen Stunden mittlerweile geworden ist.

Shiften | Meistens strebt der Achritekturfotograf, sofern er nicht gerade Wolkenkratzer und hohe Türme abbilden will, nach einer unverzerrten Darstellung ohne stürzende Linien. Professionelle Architekturfotografen verwenden deshalb oft spezielle Objektive, mit denen sie durch verschieben der Objektivebene – dem sogenannte Shiften – die Optik so beein­flussen können, dass die senkrechten Wände von Gebäuden auch senkrecht aufs Bild kommen. Sie vermeiden damit das Stürzen der Fassaden.

TS-E_24mm_w200_tcm83-624767.jpg Shift- und, wie hier, Tilt-Shift-Objektive sind highend Präzisionsgeräte. Die Tilt-Shift-Objektive von Canon genießen einen hervorragenden Ruf unter Architekturfotografen. Schnäppchen sind sie aber keine. Wer eines möchte, muss schon in Richtung zwei Kilo kalkulieren. (Bild: canon.de)

Korrektur durch Verzerrung

Man kann sich aber mit Tricks auch mit normalen Objektiven behelfen um Architektur ohne stürzende Linien abzulichten. Eine Möglichkeit bietet die Nachbearbeitung in der digitalen Dunkelkammer. Dabei wird das Bild digital so verzerrt, dass stürzende Linien durch diese Verzerrung anschließend senkrecht auf dem Bild stehen.

graf110a.jpg Da wir Gebäude in der Regel eher von unten, aus der ›Froschperspektive‹, sehen und auch so fotografieren, entstehen zum Himmel hin fliehende (stürzende) Linien.
graf110c.jpg In der digitalen Dunkelkammer – der Entwicklung von Fotos am Computer – kann man stürzende Linien relativ einfach und gut korrigieren. Hier zum Beispiel durch ›Frei Transformieren‹ in Photoshop.
graf110b.jpg Das Ergebnis ist zwar kein professionelles Architekturfoto – immerhin wurde es mit einer Kompaktkamera aufgenommen – aber es wirkt schon weniger laienhaft, als vor der Bearbeitung.

Ohne vertikale Verzerrung fotografieren

Die zweite Möglichkeit Architektur ohne stürzende Linien abzulichten sieht so aus: Man achtet darauf, dass sich der Horizont während der Aufnahme vertikal in der Mitte des Bildes befindet. Dadurch ist die Kamera weder nach unten noch nach oben gekippt und die vertikalen Linien des Motivs werden vertikal (und nicht stürzend) aufgenommen. Sobald man die Blickachse durch das Objektiv nach oben oder unten kippt erfahren die Elemente der Motive eine vertikale Verzerrung.

Stuerzend Auch hier hat das Kippen der Kamera, um das Gebäude von unten bis oben komplett in den Bildausschnitt zu bekommen, dazu geführt, dass sich die Fassade nach oben hin zu verjüngen scheint..
Unverzerrt Hier habe ich den ­Effekt bereits bei der Aufnahme gering gehalten, indem ich die vertikale Mitte des Bildausschnitts möglichst nah am Horizont ausgerichtet habe. Der Rest wurde digital am Computer beschnitten und korrigiert.

Ablichten und beschneiden | Wenn ich eine vertikale Ver­zerrung in einem Motiv vermeiden möchte – also speziell in der Architekturfotografie –, dann achte ich darauf, dass die vertikale Mitte des Bildausschnitts in einer Linie mit dem Horizont liegt.

horizontale-Bildachse.jpg
Verläuft die Blickachse absolut waagrecht, entstehen in einem Foto keine stürzenden Linien.

Viele Kameras bieten dazu die Möglichkeit ein Gitternetz einzublenden, um bei der Bildkomposition und -ausrichtung zu helfen. Bei manchen lässt es sich für Live-View am Display einblenden, andere erlauben es elektronisch im Sucher anzuzeigen, bei wieder anderen muss man die Mattscheibe des Suchers tauschen. Ich fotografiere praktisch niemals ohne Gitterlinien, egal ob mit Kompakt über das Display oder mit SLR über den Sucher. Es hilft nicht nur, wenn man im Umfeld von Architektur fotografiert, sondern auch bei Orten und Landschafen die exakte Horizontale zu finden und zu halten. Bei Verrenkungen für ungewöhnliche Perspektiven ist das oft gar nicht so einfach! Und bei Aufnahmen, bei denen exakt Horizontal und Vertikal eher sekundär ist, zum Beispiel bei Porträts, stören die Linien zumindest nicht. Ja sie helfen sogar dort als Gedächtnisstütze über eine asymmetrische Bildkomposition nachzudenken, statt das Hauptmotiv einfach nur in die Mitte zu nehmen.

Nikonsucher Bei den meisten Nikons kann über die Individualfunktionen des Kameramenüs ›Gitterlinien‹ einblenden. Im Display der Nikon D7000 sieht das dann so aus. Wenn eine Kamera die elektronische Anzeige einer solchen Hilfe nicht erlaubt, dann kann alternativ die Mattscheibe im Sucher getauscht werden um eine permanente zur Verfügung zu haben.

Hier habe ich die Gitterlinien genutzt um die Mitte des Bildausschnitts exakt am (vermuteten) Horizont auszurichten.

Villavorbeschnitt Das Ausrichten der Bildmitte am Horizont führt dazu, dass Kamera nicht gekippt wird und der Blickwinkel durch das Objektiv exakt waagrecht verläuft. Dadurch bleiben aufsteigende Linien unverzerrt.

Natürlich führt das oft zwangsläufig dazu, dass man ein horizontal eingemittetes Ergebnis ohne Spannung erhält, bei dem unten (im Vordergrund)oft unattraktive Bereiche mit im Bild sind..

Villanachbeschnitt Doch diese Bereiche werden einfach in der digitalen Dunkelkammer weggeschnitten. Das Resultat ist eine Architekturaufnahme ohne stürzende Linien.

Der Trick gleich beim Fotografieren auch ohne teure Shift-Objektive Architektur ohne stürzende Linien ablichten zu können, besteht also ganz einfach darin, die Blickrichtung durch das Objektiv weder nach oben noch nach unten zu kippen. So kommen unverzerrte Fassaden aufs Bild und unschöne, überflüssige Flächen werden einfach anschließend am Computer beschnitten. Das geht natürlich nicht nur mit Spiegelreflex-, sondern auch mit Kompaktkameras.

Gitternetztdisplay Hier habe ich am Display der Canon PowerShot G12 ebenfalls das Gitternetz genutzt um bei der Aufnahme dieses alten Holzhauses in der Schweiz stürzende Linien zu verhindern. Die PowerShot bietet zwar mit der Dreifachteilung keine vertikale Mittellinie, es hilft aber doch den Horizont auszurichten.
Unverzerrt anschnitt Die Straße im Vordergrund habe ich dann einfach am Computer abgeschnitten. Das Haus steht ohne stürzende Fassade.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
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1.1. Grundlagen der Perspektive

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Einer der zentralen Gestaltungsparameter in der Fotografie ist die Perspektive. Um die Perspektive einer Szene bewusst kreativ gestalten zu können hilft es, die Grundlagen der Perspektive zu verstehen und etwas über Fluchtpunkte zu wissen. Wer bereits auf dem Zeichenbrett Illustrationen mit Fluchtpunkten und perspektivisch fliehenden Linien gearbeitet hat, hat beim Fotografieren einen Vorteil. Doch das Grundwissen lässt sich in Grundzügen rasch und ausreichend vermitteln.

Fluchtpunkt und fliehende Linien

Was entfernt ist, wirkt kleiner, kürzer und schmaler – deshalb scheinen die Straßen vor unseren Füßen zum Horizont hin immer enger zu werden. An und für sich verlaufen die beiden Straßenränder natürlich parallel zueinander. Doch wenn wir ihnen mit den Augen in die Ferne folgen, scheinen sie sich am fernen Horizont an einem Punkt zu treffen. Der Punkt an dem sie sich scheinbar treffen wird Fluchtpunkt genannt.

Ein Fluchtpunkt | Mit einem einzigen Fluchtpunkt nehmen wir vor allem flache Objekte wahr. Nicht nur Solche, die sich über die Fläche unter und vor unseren Füßen erstreckt, sondern auch senkrecht stehende Mauern (zum Beispiel am Rande eines Weges) oder in den Himmel ragende Wolkenkratzer vor unserer Nase.

Fluchpunkt1 Perspektive mit einem Fluchtpunkt. Wo sich die beiden Ränder der Straße in der Ferne zu treffen scheinen, liegt der Fluchtpunk.
Fluchpunkt1b Senkrechtes Objekt mit einem Fluchtpunkt das sich in die Ferne (Tiefe) erstreckt.
Fluchpunkt1c Senkrechtes Objekt mit einem Fluchtpunkt, das sich in die Ferne (Höhe) erstreckt.
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Perspektiven mit nur einem Fluchtpunkt können einen regelrechten Tiefensog entwickeln. Vor allem wenn Sie mit Weitwinkel fotografiert wurden. Aufnahme mit Canon Powershot G12 (das Klapp-Display hat die niedrige Kameraposition ­erlaubt) und Brennweite 28mm.

Zwei Fluchtpunkte | Bei dreidimensionalen Objekten sind meist (mindestens) zwei Fluchtpunkte im Spiel. Zwar lässt sich ein Würfel mit nur einem Fluchtpunkt auf dem Reißbrett konstruieren doch in der Realität ist er ebenso unmöglich, wie manch anderes Konstrukt.

Fluchpunkt2 Damit ein dreidimensionales Objekt (zum Beispiel ein Haus) Tiefe bekommt, darf es nicht frontal abgelichtet werden, sondern aus der Diagonalansicht.
fluchpunkt1d.png Man kann nicht gleichzeitig die Vorderseite eines Würfels oder Quaders frontal und zusätzlich eine Seite sehen.
fluchpunkt1e.png Der oben abgebildete Würfel ist in der Realität so ­unmöglich wie dieses konstruierte ­Objekt.

Frontal- und Diagonalansicht

Wenn man sich direkt vor eine Hausfassade stellt und es frontal ablichtet, dann ist es unmöglich gleichzeitig eine im rechten Winkel dazu angelegte Seitenwand zu sehen. Objekte die in der direkten Frontalansicht abgelichtet sind zeigen in der Regel nur kurze Linien die in die Tiefe fliehen. Die Frontal­ansicht erzeugt deshalb oft etwas langweilige und flache Bilder.

fluchpunkt_frontalansicht.jpg spacer.gif perpsektive-frontal.jpg
Frontaler Blickwinkel vor einem Objekt. Die Frontalperspektive wirkt meist sachlich und flach. Frontal meint übrigens nicht nur den Blick von vorne, sondern auch direkt von der Seite oder exakt von hinten.

Bewegt man sich von der Mitte der Front weg und passiert eine der beiden Gebäudeecken, kann man in der Diagonalansicht zwei Seiten sehen. Jede dieser Seiten hat dann ihren eigenen Fluchtpunkt.

fluchpunkt_diagonalansicht.jpg spacer.gif perspektive-diagonal.jpg
Diagonaler Blickwinkel auf ein Motiv. Durch die Diagonalperspektive werden Aufnahmen meist räumlicher, dynamischer und spannender.

Auch wenn es durchaus Situationen und Motive gibt, bei denen die Frontalansicht zum besten Ergebnis führt. Pauschal kann man behaupten, dass die Diagonalansicht in der Regel spannendere Perspektiven und Resultate erzeugt. Die Frontalansicht hingegen neigt zu sachlicheren, ruhigeren, aber eben oft auch langweiligeren Perspektiven. Dabei darf ›Frontalansicht‹ nicht ausschließlich als Blick von vorne verstanden werden. Vielmehr versteht man darunter auch den Blick im 90°-Winkel von der Seite oder direkt von hinten – jede Ansicht die im rechten Winkel zu Front, Rücken oder Seite steht. Diagonalansichten sind umgekehrt alle Blickwinkel dazwischen, die eine schräge Perspektive auf das Objekt liefern.

Auto frontalperspektive Abbildungen in der Frontalansicht wirken nüchtern, statisch und sachlich. Je exakter ein 90° Winkel in Breite und Höhe eingehalten wird, desto sachlicher die Wirkung.
Auto diagonalperspektive Diagonalansichten wirken spannender und dynamischer. Besonders wenn Weitwinkel-Brennweiten im Spiel sind.

Man sollte sich sich, wann immer möglich, bewusst mit dem Blickwinkel auf Motive auseinander und die unter­schiedliche Wirkung der Ansichten nutzen, um dynamische Spannung oder statische Sachlichkeit zu vermitteln.

Eine Ausnahme, in der Frontal- und Diagonalansicht absolut gleichwertig zu betrachten sind, stellt die People- und Porträtfotografie dar. Zwar führt auch hier die Diagonalansicht zu einer besonders plastischen Wiedergabe. Doch kein Motiv zieht unsere Aufmerksamkeit und unser Interesse mehr an, als ein Gesicht, das uns direkt entgegen blickt.

Robert diagonal Der diagonale Blickwinkel betont in der Regel die Physiognomie von Gesichtern deutlicher, als die ­frontale Ansicht. Allerdings berühren uns Porträts, bei denen der Porträtierte nicht in die Kamera blickt, weniger als solche, bei ­denen er dem Betrachter entgegen sieht.
Robert frontal Blickt uns eine Person direkt in die Augen, dann können wir unsere Aufmerksamkeit kaum entziehen. Das kennen wir aus täglichen ­Begegnungen mit Mitmenschen. Es wirkt aber aus Bildern genauso.

Durch bewussten Einsatz von Frontal- oder Diagonalansicht lassen sich Motive statisch und sachlich oder dynamisch und spannend gestalten.

Drei Fluchtpunkte | In unserer Alltagserfahrung ist die ­natürlichste Perspektive jene, in der geometrische Körper drei Fluchtpunkte haben. Meist liegen dann zwei Fluchtpunkte in der Ferne auf oder in der Nähe des Horizonts und einer in der Tiefe weit unter unseren Füßen.

fluchpunkt3.jpg Drei Fluchtpunkte erzeugen in der Regel äußerst dynamische Ansichten.

Drei Fluchtpunkte entstehen wenn man sich einem Motiv diagonal nähert und dabei einen tiefen Standpunkt von unten hinauf, oder einen hohen Standpunkt von oben herunter wählt. Beim Blick auf Alltagsobjekte führt diese Perspektive entweder zu sehr gewöhnlich empfundenen Ansichten wenn die Perspektive mit drei Fluchtpunkten moderat ausfällt, oder zu besonders ungewohnten und bemerkenswerten Ansichten, wenn die Fluchtpunkte eng beieinander liegen und die Perspektive extrem ist.

Perspektive deutlich
Für dieses Element eines Gebäudes habe ich bewusst mit ­betonter Perspektive gearbeitet, indem ich nahe an das Gebäude herantrat und eine mittlere Brennweite mit 60 mm wählte. Deutlich zu erkennen, wie die Linien nach links, nach rechts und nach oben auf drei verschiedene Fluchtpunkte zu fliehen. Eine kürzere Brenn­weite hätte die Wirkung noch verstärkt, doch dann wäre der Bildausschnitt zu groß geworden und der Turm hätte seine dominierende Wirkung verloren.

Am deutlichsten zeigt sich dieser Effekt beim Abbilden von architektonischen Objekten. Einerseits kann man aus geringer Distanz und mit Weitwinkel dramatisch fliehende Linien erzeugen, die die Höhe von Objekten betonen können. Die bekanntesten Beispiele dazu sind die Blicke den Wolkenkratzern entlang gen Himmel aus den Straßenschluchten von Großstädten. Fällt die Perspektive jedoch moderat aus und fliehen die Linien in die Höhe nur gering, dann wird das meist als störend empfunden. Der Effekt rührt daher, dass wir beim Ablichten von Architektur in der Regel aus der Froschperspektive heraus fotografieren. Wir müssen die Kamera mehr oder weniger leicht nach hinten kippen und die Blickrichtung nach oben schwenken um auch das Dach mit abbilden zu können. Das Resultat der geneigten Blickachse ist, dass die Fassaden der Gebäude die wir so ablichten nach hinten zu fallen scheinen.

dreifluchtpunkte.jpg Weitwinkel und Nähe zum Objekt bewirkt, dass – neben den fliehenden ­Linien nach links und nach rechts hinten – auch die Linien nach oben fliehen. In diesem Bild wird dadurch die Höhe drastisch betont.
Verzerrte perspektive Auch hier sind drei Fluchten zu erkennen: Nach links hinten, nach rechts und nach oben. In diesem Fall wird aber keine Dramatik erzeugt, sondern die Aufnahme wirkt einfach nur misslungen.

Wieder gilt, dass der Fotograf sehr bewusst mit der ­Perspektive arbeiten muss, möchte er beeindruckende Bildergebnisse erzielen, die als handwerklich souverän gemacht empfunden werden.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

Proportion und Komposition

Kimberly Elam: Proportion und Komposition

Kennen Sie das? Design soll letzten Endes ja einfach nur Geschmacksache sein.

Grundsätzlich muss ich jedem Recht geben, der dabei von seinem eigenen Geschmack spricht. Subjektiv hat jeder von uns einen anderen Geschmack. Nun ist es aber normalerweise nicht Sache des Designers, den Geschmack eines Einzelnen zu treffen. Vielmehr sollte er eine breite Masse ansprechen können, zumindest aber eine klar umgrenzte Zielgruppe. Der professionelle Gestalter verlässt sich dabei nicht ausschließlich auf seine Intuition, sondern er hat die Regeln und Erkenntnisse der Gestaltungsgeschichte studiert, und bedient sich bewährten Konstruktionsmustern.

Im wesentlichen arbeitet der Gestalter mit Achsen und Proportionen, woraus sich wiederum Rhythmus, Kontrast und Harmonie ergeben. Eine der bekanntesten Proportionsrezepte ist der goldene Schnitt. Zuerst haben wohl die griechischen Architekten und Bildhauer mit diesem Verhältnis gearbeitet, später die Römer, die Mönche in mittelalterlichen Schreibstuben, die Meister der Setzereien ebenso wie große Künstler – besonders da Vinci und Dürer haben sich um die Definition harmonischer Proportionen verdient gemacht – bis hin zu den Grafikern, Fotografen und Produktdesigner in jüngster Zeit, die mit ansprechendem Design besondere Erfolge gefeiert haben.

In diesem Buch werden zahlreiche Gestaltungs-Klassiker analysiert und es wird demonstriert, wo sich in den Werken Achsen und Proportionen finden lassen.