Sun, 23. Jan. 11

Die Gerüchte-Küche über das nächste Adobe-CS-Upgrade beginnt schon wieder zu kochen. Adobe kündige eine neue Veröffentlichung innerhalb der nächsten drei bis neun Monate an, meldet zum Beispiel macnews.de. Dabei haben sich meine Nerven noch nicht ganz an CS5 gewöhnt. Und ich frage mich, ob ich wirklich Lust habe, das nächste Photoshop-Buch in Angriff zu nehmen und Kurse für CS6 vorzubereiten, wo ich mit CS5 noch nicht so recht abgeschlossen habe. Den Anwendern, die gerade erst auf CS5 aufgerüstet haben, dürfte es nicht anders gehen.

Was erwartet uns mit CS6? Wird die Arbeit mit Pfaden in Illustrator noch schlechter und unpräziser? Wird InDesign weiter mit Interaktiv-Funktionen überladen? Brauchen wir wirklich in Photoshop weitere Funktionen zur Bearbeitung von Videos? Brauchte nicht schon die Bisherigen keiner? So, wie die 3D-Edit-Funktionen von Photoshop-Extended?

Was wären für mich wirklich sinnnvolle, bahnbrechende Neuerungen:

  • Stabilität.
  • Geschwindigkeit (Pixelmator, um 24 Euro, lässt Photoshop wie eine lahme Schnecke aussehen).
  • Ausmerzen von Fehlern – alle, die wir Adobe CS täglich anwenden, wissen wir, dass die Programme voll davon sind.
  • Modernisieren veralteter Filter: Photoshop beinhaltet Filter, die sich seit Einführung in den frühen 1990ern nicht verändert haben. Vorschau ist dabei zum Beispiel Essig. Außerdem: Angleichung der Filter.
  • Angleichen der Oberfläche und Befehle. Und zwar wirklich! Eklatantes Beispiel: In Photoshop und InDesign kann man mit strg/cmd++ einzoomen, in Illustrator ist für denselben Befehle strg/cmd+shift+0 erforderlich.
  • Konzentration der Programme auf Kernkompetenz. Auslagern der Video-Funktionen aus Photoshop, in ein Video-Programm. Dasselbe gilt für die 3D-Funktionen.
  • Ich würde auch überlegen, die Illustrationsfunktionen, in eine separate Umgebung auszulagern und Photoshop auf die Kernkompetenz – Bildbearbeitung – zurückzuführen.
  • Die Interaktive-Funktionen aus InDesign in ein separates Programm auslagern.
  • Dafür eine fließende Integration aller Programme untereinander. Was mich zum Beispiel wundert, ist, dass es Adobe noch immer nicht geschafft hat, Lightroom und Photoshop fließend ineinander zu integrieren. Statt dessen würde man noch nicht einmal glauben, dass die Programme vom selben Hersteller stammen. Aber Gott bewahre, das Interface von CS wird an Lightroom angeglichen!
  • Und wenn wir gerade beim Thema Interface-Design sind: Acrobat ist die Antithese zu professionellem, übersichtlichem, benutzerfreundlichen Interface-Design (weshalb ist der Acrobat-Zyklus noch immer nicht auf Adobe CS abgestimmt?)

Und bitte Schnappsideen unterlassen, wie im Dialog ›Kante verbessern‹ in Photoshop, wo man nicht mehr ›Vorschau‹ ausschaltet, um die Vorschau zu deaktivieren, sondern ›Original anzeigen‹ ein.

Am anderen Ende wäre uns Allen etwas (viel) geholfen, wenn Adobe ihren Produktzyklus deutlich entschleunigen würde. Adobe könnte dann vielleicht wieder einmal ausgereifte Produkte auf den Markt bringen und sich Gedanken über wirklich sinnvolle Neuerungen machen. Es gibt sie zwar, aber sie fallen meist recht spärlich aus. Die könnten dann auch ausgereift integriert werden. Nicht so wie Kante verbessern, in Photoshop CS4, oder das perspektivische Raster in Illustrator CS5. Und wir hätten Zeit uns an die neuen Funktionen zu gewöhnen.

Dabei scheint es zu klar zu sein, worum es geht: Nicht um Innovation, sondern lediglich darum, Geld in die Maschinen von Adobe zu spülen. Als Anwender haben wir längst keine Nutzen mehr davon.

Leider geht berechtigte Kritik an Adobe seit längerer Zeit im schicken Trend unter, Apple an den Pranger zu stellen. Ich habe bereits darüber geschrieben, dass ich es nicht gut heiße, dass Apple seinen Kunden nicht die Möglichkeit lässt, sich für oder gegen Flash zu entscheiden. Andererseits wäre es in meinen Augen ein Segen, wenn diese unselige, leistungshungrige Technologie endlich das Zeitliche segnen würde. Vielleicht ist Apples strikte Verweigerung von Flash ja auch eine Retour-Kutsche: Es heißt seit Jahren Adobe würde Flash am Mac stiefmütterlich behandeln. Flash-Animationen im Internet erfordern von unseren MacBooks oft mehr Leistung, als beinahe alles andere, was man machen kann: Auf jeden Fall lässt kein anderes Programm die Lüfter nerviger aufheulen, als der Browser, wenn er aufwändige Flash-Programme darstellen muss.

Bei aller, teilweise auch berechtigten Kritik an Apple: Für mich ist der unsympathischte Konzern mit Abstand Adobe geworden (bedauerlich, aber wahr). Und Adobe ist auch das, was Microsoft nicht mehr ist und Apple nie war: Ein Monopolist. Aus einer anderen Position heraus könnte sich ein Unternehmen nie das herausnehmen, was sich Adobe herausnimmt.

Als Aperture-User musste ich lange auf ein Update des Programms warten, während Adobe eine Lightroom-Version nach der anderen auf den Markt warf. Rückblickend würde ich mir einen Update-Zyklus von zwei bis drei Jahren für ausgereifte Programme wünschen. Alle zwei bis drei Jahre ein ausgereiftes Update für die Creative Suite, das wäre wünschenswert. Und dass es sich auch preislich in eine andere Richtung entwickeln kann, zeigt ebenfalls Apple: Während Lightroom noch immer knapp 300 Euro kostet, gibt es Aperture mittlerweile um 62 Euro.

Skurriles Detail am Rande: Im Adobe-Online-Store scheint die Download-Version von CS5 etwas teurer zu sein, als die Box.

Am Ende bleibt für mich die Hoffnung, dass Apples App Store mehr Bewegung in den Markt bringt, Entwicklern von Alternativen von Adobe Programmen eine bessere Möglichkeit bietet, den Kunden zu erreichen. Würde das Adobe am Ende so unter Druck setzen, dass sie wieder mehr Qualität als Marketing und Gewinn ins Zentrum ihres Strebens stellen müssten, wäre am Ende allen geholfen. Die Kunden von Microsoft haben auf jeden Fall vom Erfolg von Apple und OpenSource profitiert und auch uns Apple-Kunden kommen Android & Co sicher entgegen.

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Thu, 30. Dec. 10

Ich habe mit Aperture begonnen, noch bevor es Lightroom gab. Bin dann zu Lightroom gewechselt, weil das Programm so viel versprochen hat. Mehrere Monate habe ich mit dem Programm für den Foto-Workflow aus dem Hause Adobe gearbeitet. Doch richtig glücklich wurde ich mit dem Programm nie. Ich mochte die klobige Oberfläche nicht, das schwarze Umfeld ist eigentlich kontraproduktiv für die Bildbearbeitung – ein graues Interface ist deutlich besser – und das Konzept mit den vier Räumen für Sortierung, Entwicklung, Druck und Webausgabe hat meinen Workflow vor allem ausgebremst. Der größte Unsinn: Tastaturbefehle bewirken teilweise in den unterschiedlichen Räumen unterschiedliche Dinge (ich weiß nicht, ob Adobe an diesem Schwachsinn in Lightroom 3 festgehalten hat – in Lightroom 2 war das so).

Bereits 2008 bin ich den Weg zu Aperture zurück gegangen und habe den Schritt nie bereut. Fast nie: Apple ließ seine Kunde lange auf Aperture 3 warten – wie immer ohne irgendwas zu verraten, wie der Stand der Dinge ist; ob es noch einmal eine weitere Version von Aperture gibt.

Ich habe immer behauptet, es sei reine Geschmacksache, ob man Aperture oder Lightroom nutzt. Naja, es ist natürlich auch eine Frage des Betriebssystems. Wer keinen Mac hat, kommt nicht in die Versuchung Aperture zu testen.

Schon lange habe ich den Eindruck, dass ich in Aperture schneller zu besseren Ergebnissen gekommen bin, als in Lightroom. Aber das mag subjektiv sein. Dachte ich.

Nachdem ich nun mehrere Wochen parallel in Aperture und Lightroom gearbeitet habe, muss mich meine Ansicht revidieren. Aperture ist objektiv das bessere Programm.

Es mag vieles geben, was Geschmacksache ist. Der Umgang von Lightroom 2 mit Farbräumen war nicht nachvollziehbar. Ich habe nie rausgefunden, wie ich den Softproof für den Bildschirm einstellen kann. In Aperture ist das ganz einfach und das Farbmanagement funktioniert ziemlich transparent. Aber das meiste vom Rest sind Details und Peanuts.

Was für mich aber kein Detail oder Peanut ist, ist das Handling unter- und überbelichteter Bereiche. Aperture kommt damit einfach mit Abstand besser zurecht, als Lightroom.

Dazu ein Beispiel:

himmel-aperture-roh.jpg

Das Bild ist eine Gegenlichtaufnahme. Das Motiv gefiel mir. Der kleine Teich, das (riesige) Kreuz, die Spiegelung. Aber das Gegenlicht sorgte dafür, dass der Himmel über, die Landschaft unterbelichtet ausfiel. Vielleicht hätte ich etwas weiter unterbelichten sollen. Dann wäre der Himmel nicht so ausgebrochen. Aber vielleicht hätte das auch zu Problemen in den tiefen Bildbereichen geführt.

In Aperture ließ sich der Himmel so wieder herstellen:

himmel-aperture.jpg

In Camera Raw sieht das Ergebnis so aus:

himmel-cameraraw.jpg

Der Himmel ist völlig tot. Ohne massive, selektive Nachbearbeitung ginge hier gar nichts.

Soweit ich weiß, arbeitet Adobe Photoshop Lightroom mit der selben Entwicklungs-Engine, wie Adobe Camera Raw. Deshalb gehe ich davon aus, dass Lightroom keine besseren Ergebnisse liefern würde, als Camera Raw.

Natürlich sind das krasse Beispiele. Aber ich denke sie zeigen, dass Aperture im Bereich der Tiefen und Lichter einfach bessere Arbeit leistet, als die Software aus dem Hause Adobe.

Ich habe dieses Bild übrigens auch spontan mit Capture One getestet und das Resultat ist nicht wirklich überzeugender, als jense von Camera Raw. Natürlich gibt es noch viele andere Produkte auf dem Markt. Vielleicht hat Capture One Vorzüge, die ich beim kurzen, schnellen Test nicht mitbekommen habe. Aber wenn die Frage lautet: Aperture oder Lightroom? Dann weiß ich heute fix, was ich zu antworten habe (nach der Frage: Hast du einen Mac?)

Und das Beste daran: Apple Apterure gehört im Mitbewerberfeld mit 199 Euro zu den Schnäppchen.

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Mon, 26. Jul. 10

dragthing.jpg

Eines meiner wichtigsten Mac-Zusatzprogramme ist sicherlich DragThing. Ich weiß schon gar nicht mehr wie lange es schon zu meiner fixen Ausstattung auf all meinen Macs gehört.

DragThing ist zuerst einmal ein Programm, über das man Programme, aber auch Ordner und Dokumente, mit einem Klick aus einem Dock (oder auch aus mehreren Docks heraus, wenn man will) starten kann. Da ich aber sehr viel mit Shortcuts und über Tastatur arbeite, wäre das noch lange kein Grund für mich DragThing zu nutzen. Was DragThing jedoch unverzichtbar für mich macht, ist der Umstand, dass man jedem DragThing-Objekt – also Programmen, Ordnern, Dokumenten, etc. – einen Shortcut zuweisen kann.

Ich nutze dabei meist, die am Mac nur in wenigen Programmen genutzte ctrl-Taste um Programme jederzeit schnellstens öffnen zu können. ctrl+S öffnet so zum Beispiel Safari, ctrl+D öffnet InDesign, ctrl+T iTunes, ctrl+M Mail ctrl+U MarsEdit, ctrl+L TwitterFone und so weiter.

Natürlich kann ich über diese Shortcuts auch zwischen Programmen springen, ohne mich unter einem dutzend offener Applikationen im Dock orientieren zu müssen.

DragThing kostet $ 29,– und ist jeden einzelnen Cent wert.

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Mon, 19. Jul. 10

Auf meinem Auto pickt ein Apfel. So viel zur Objektivität meiner Artikel zum Thema Apple.

Über das, was ich in den letzten Tagen an Berichterstattung und Kommentaren zu Apples »Antennagate« gelesen habe, kann ich nur den Kopf schütteln. Apples iPhone 4 hat ein Problem mit der Antenne. Wenn man das Telefon auf bestimmte Art hält, dann fällt die Empfangsqualität etwas ab. Die Reaktionen des Konzerns auf die Berichte darüber waren nicht teilweise nicht sehr professionell, am bedenklichsten ist, dass man entsprechende Kommentare aus den Diskussionsforen der eigenen Server gelöscht hat.

Zum Problem: das iPhone hat zwei außen liegende Antennen und wenn man durch die Handhaltung die Trennung dazwischen überbrückt, sinkt die Empfangsleistung. Nachdem ein Testportal darüber berichtet hatte, forderte die internationale Presse und eine Reihe prominenter Berufener eine Rückrufaktion. Das Problem wurde mit den technischen Problemen der Bremsen in manchen Toyota-Fahrzeugen verglichen.

Hallo!? Dort geht es um Menschenleben, hier um die Reduzierung der Empfangsleistung die unter bestimmten Bedingungen zum Abbruch von Telefongesprächen führen kann. Der Vergleich ist zum hinken schon gar nicht mehr in der Lage.

Die Testseite Consumer Reports hat das iPhone getestet, das Problem mit der Antenne entdeckt und spricht dem iPhone keine Empfehlung aus. Soetwas ist Alltag in Fachzeitschriften und Testmagazinen. Ein Produkt wird getestet und am Ende heißt das Fazit Pro, Kontra, Testsieger oder nicht zu empfehlen. OK. Das iPhone bekommt keine Empfehlung. Das ist ja in Ordnung und jeder kann sich nun entscheiden ob der der Empfehlung zur nicht-Empfehlung nachgeht, oder trotzdem ein iPhone 4 kauft (so wie ich). Aber ist das ein Grund zur Rückrufaktion?

In der ganzen Debatte scheinen sich Viele gegen Apple eingeschossen zu haben. Die Frage wie gut die Empfangsleistung des iPhones generell ist, ob dieses Problem bei anderen Handys auch auftritt, und ob die Leistung des iPhones durch den Leistungsabfall noch immer besser ist als der Durchschnitt der Konkurrenzprodukte, oder aber schlechter, scheint die Kritiker nicht zu interessieren. Ich kann gut verstehen, dass Apple da zur Flucht nach vorne ansetzt, und demonstriert, dass die Produkte von Mitbewerbern dasselbe Problem haben. Ob der Einbruch der Empfangsleistung vom reinen Abschirmen des Handys, oder, wie beim iPhone 4, vom Überbrücken der Isolierung zweier Antennen herrührt, ist doch haarspalterei.

Interessant an der Angelegenheit ist vor allem, dass Kommentatoren und Blogger, die sich jetzt bemüßigt fühlen Ihren Senf zur Angelegenheit beizusteuern, durchwegs eines gemeinsam haben: Sie haben kein iPhone und wollen auch keines. Ich habe bisher keinen Kommentar oder Bericht eines Anwenders gelesen der ein iPhone 4 hat und sich darüber beschwert. Alles, was ich von jenen lesen konnte, die es bereits in Händen hatten, war, dass ihnen das Gerät gut gefällt. Aber verteidigen darf man das Produkt, beispielsweise bei standard.at nicht, denn dann wird man sogleich als Apple-Jünger angegriffen, der Nachts vor einem Schrein zu Steve betet.

Als Apple-Fan (ja, ich liebe die Produkte des Unternehmens, und das aus gutem Grund, bete aber nicht zu Steve) finde ich es schade, dass Apples Image durch die schwer negativ gefärbte und in meinen Augen wenig objektive Berichterstattung deutlichen Schaden nimmt.

Betrüblich finde ich vor allem, wie viele Leute sich auf der einen Seite über Apples Fehler aufs übelste auslassen können und, auf der anderen Seite, dass der aus Gier und Fahrlässigkeit resultierende Fehler eines Ölkonzerns, der ganze Küstenstriche auf Jahre und vielleicht Jahrzehnte hinaus verpestet, zu wenig Leute berührt, als dass man einen Bogen um deren Zapfsäulen machen könnte.

Ich will den Fail von Apple nicht mit dem Fail von BP vergleichen. Doch dass das eine derzeit so hohe Wellen schlägt, während das andere schon fast wieder aus den Schlagzeilen raus ist, und dass der Konsument gar keine Konsequenz aus dem BP-Desaster gezogen hat, das ist schon sehr bedauerlich.

Zurück zu einem anderen Vergleich: Auch Toyotas Image, und das ganze Unternehmen, hat durch die Berichterstattung und die Konsumentenbeschwerden zum Problem mit verklemmenden Fußmatten in den Bremspedalen enormen Schaden genommen. Wochenlang war es in den Schlagzeilen. Letzte Woche hörte ich eine Kurzmeldung, wonach sich nach dem Abschluss der Untersuchungen zu den tatsächlichen Unfallursachen heraus gestellt habe, dass in einem einzigen Fall tatsächlich eine verklemmende Fußmatte Auslöser eines schweren Unfalls war. Im Rest der Fälle, war Versagen des Fahrers Ursache für die Schwere von Unfällen, weil auf das Gaspedal gedrückt wurde, statt auf die Bremse, was anscheinend, bei den in USA üblichen Automatikfahrzeugen gelegentlich vorkomme.

Also, liebe Medien und iPhone-Verweigerer. Berichtet, sagt eure Meinung und wählt die Produkte die euch gefallen. Aber lasst doch bitte die Kirche im Dorf.

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Fri, 30. Apr. 10

Wer die Entwicklung der Computer-Branche mit etwas Interesse verfolgt, dem dürfte nicht die zunehmende Spannung zwischen Apple und Adobe entgangen sein. Der Konflikt spitzte sich in den letzten Wochen dadurch zu, dass Adobe für die Creative Suite 5 ein Modul entwickelt hat, um mit Flash Apps für das iPhone zu entwickeln und Apple kurz vor der Vorstellung von CS5 Flash als Technologie für das iPhone und iPad ausgeschlossen hat.

Wie es so ist: Einer schiebt die Schuld für Probleme mit der Technologie auf den Anderen. Adobe behauptet, man bekäme von Apple zu wenig Unterstützung bei der Weiterentwicklung von Flash für den Mac, Apple behauptet man hätte Adobe oft um eine zufriedenstellende Version von Flash für iPhone und iPad gebeten, hätte aber nichts bekommen. Was die Wahrheit ist, bleibt dem Außenstehenden verborgen.

Nun hat Steve Jobs einen offenen Brief veröffentlicht, in dem er darlegt, weshalb sich Apple für den Ausschluss von Adobe Flash vom iPhone entschieden hat. Auch hier kann ein Außenstehender kaum beurteilen, wie stichhaltig und objektiv die von Jobs vorgebrachten Argumente tatsächlich sind — zumindest mir geht es so. Allerdings hat der offene Brief von Jobs bei mir wieder ein paar Gedanken freigesetzt, die mich seit Langem beschäftigen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein eingeschworener Apple-Fan bin. Entsprechend subjektiv sind meine Betrachtungen. Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich noch vor etwa fünf Jahren ein ebenso eingefleischter Fan von Adobe war und ich wurde in meinen Seminaren oft gefragt, ob ich von Adobe für meine Werbung bezahlt würde; nein, ich habe nie etwas von Adobe bekommen (wenn ich von Etwas angetan bin, mache ich gerne Werbung dafür).

Ich muss gestehen, dass ich es nicht mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen habe, dass Apple Flash aus dem iPhone und dem iPad ausgeschlossen hat. Mich erinnert das zu sehr an die Praxis von Microsoft auf Basis seiner Marktmacht eigene Technologien durchzusetzen und Fremdtechnologien auszusperren und zu untergraben. Allerdings gibt es zwischen Microsoft und Apple einen großen Unterschied: Microsoft beherrscht den Markt für Betriebssysteme nach wie vor noch Absolut, Apple ist ein Player unter anderen.

Hätte das iPhone einen Marktanteil von 90% oder mehr, bei den SmartPhones, dann wäre dieses Gebaren ein Problem, doch bei der aktuellen Verteilung der Marktanteile, hat der Kunde ja die freie Wahl sich für ein anderes Produkt als das iPhone (oder das iPad) zu entscheiden.

Wenn Apple behauptet, Flash sei der Hauptgrund, dass Macs abstürzen und die Laufzeit des iPhone-Akkus würde durch den Einsatz von Flash massiv reduziert, dann kann ich nachvollziehen und akzeptieren, dass Apple diese Technologie nicht auf dem iPhone haben möchte. Schließlich ist dem Anwender wohl kaum bewusst, dass Flash schuld ist, wenn sich der Akku des SmartPhones wesentlich schneller entlädt, als vom Hersteller angegeben und er gibt auch Apple die Schuld dafür und nicht Adobe.

In wie fern Flash am iPhone tatsächlich zu viel Strom fressen würde, kann ich natürlich nicht sagen, ich merke aber laufend, dass vor allem mein MacBook extrem viel Arbeit zu haben scheint, wenn ein Browserfenster offen ist, in dem Flash läuft — obwohl der Laptop zwar offen, aber unbenutzt, irgendwo steht, fahren seine Lüfter zu Hochtouren auf. Browserfenster schließen, Lüfter fahren wieder runter.

Die Diskussionen die nun aus der Ablehnung von Flash für das iPhone entstanden sind, haben sich längst auf die Frage um die Zukunft der Adobe Grafikprodukte auf der Apple-Plattform ausgedehnt. Ehrlich gesagt mache mich mir darüber keine Sorgen.

Was mir jedoch schon länger Sorgen bereitet, ist das Monopol, das Adobe im Bereich der Grafiksoftware einnimmt. Zwar hat der Anwender die Wahl ob er Grafiksoftware am Mac oder unter Windows betreiben will und das ist auch gut so. Auch wenn ich mir noch deutlich mehr Marktanteil für Macs wünsche, eine Situation in der Apple 90% des Betriebssystemmarktes dominieren könnte, würde ich genau so wenig begrüßen, wie mir die Dominanz von Microsoft gefällt. Als Anwender verlieren wir durch Monopolisten und gewinnen durch Wettbewerb zwischen annähernd gleich starken Anbietern.

Bei der Wahl der Grafiksoftware jedoch haben wir kaum mehr eine Wahl. Zwar ist es denkbar, dass wir mit Gimp, Pixelmator oder einer sonstigen Alternative arbeiten, und es wäre vielleicht CorelDraw als Alternative für Illustrator denkbar, aber sind diese Alternativen wirklich gleichwertig? Ist Quark eine Alternative zu InDesign? XPress ist verhältnismäßig teuer und kann in Sachen Funktion doch nicht mit InDesign mithalten. Und gerade wenn es um Layoutprogramme geht ist ein Wechsel des Programms schwer. Bei Pixelbildern und Vektordateien funktioniert der Austausch über Tiff und EPS weitgehend, doch InDesign-Dateien lassen sich kaum 1:1 auf ein alternatives Layoutprogramm portieren. Wer einst von Quark auf InDesign umgestiegen ist, kennt die Probleme.

Nun wäre es ja kein Problem keine Auswahl mehr zu haben, wenn ein Produkt zweifelsfrei optimal entwickelt wird. Aber kann man das von der Adobe Creative Suite sagen? Auch wenn jede neue Version Neuerungen bietet, die das Arbeiten damit besser und angenehmer machen und auch wenn ich noch immer gerne mit den Adobe CS-Programmen arbeiten, finde ich das nicht. Die Programme haben in den letzten Jahren Bugs aufzuweisen, die sich zum Teil über Versionen hinaus weiterziehen können. Das Ausrichten von Ankerpunkten funktioniert in Illustrator CS4 schlechter als zuvor. Abstürze häufen sich vor allem in InDesign und Illustrator. Das ist keine zufriedenstellende Entwicklung.

Apple wird oft vorgeworfen, dass sie die Anwender über die Entwicklung ihrer Produkte im Unklaren lassen. Doch wie sieht das bei Adobe aus? Interessant ist, dass ein Programm, das noch einen nennenswerten Mitbewerber hat, sich im fast permantenten Beta-Status befindet. Für Adobe Photoshop Lightroom kommt schon bald nach Vorstellung einer neuen Version eine noch neuere Beta-Version heraus, bei denen die Anwender Adobe helfen dürfen, das Produkt als Beta-Tester laufend weiterzuentwickeln. Selbstverständlich kostenlos.

Lightroom kennt einen Mitbwerber: Apple Aperture. Und man könnte den Verdacht haben, dass Adobe mit den laufenden Betas versucht, Apple möglichst frühzeitig mit Neuerungen zu übertreffen, lange bevor ein amtliches Upgrade den Markt erblickt.

Bei Photoshop, Illustrator und InDesign gibt es diese Transparenz nicht. Im Gegenteil: Was in einer kommenden Version der Creative Suite auf den Anwender zukommt, daraus macht Adobe ebenso ein Geheimnis, wie Apple um seine Produkte. Selbst wenn man sich aus bestimmten Gründen um Vorab-Beta-Versionen bemüht, ist die Chance klein, von Adobe tatsächlich damit bedacht zu werden. Ich kann ein Lied davon singen: Obwohl ich für eine großen Verlag über Photoshop schreibe, gelingt es uns kaum Beta-Versionen zur Vorbereitung zu bekommen. Schleierhaft, nach welchen Kriterien Adobe die Betas verteilt — denn natürlich haben Autoren und Verlage die frühzeitig mit Betaversionen bedacht werden, einen Vorteil wenn es darum geht als erstes mit einem Werk am Markt zu sein.

Auch wenn es mir absurd scheint, so frage ich mich doch, ob es bei Adobe eventuell eine Schwarze Liste über Autoren gibt, durch die kritische Autoren bei der Vergabe von Beta-Versionen den Kürzeren ziehen. Nicht, dass ich mir das tatsächlich vorstellen kann, und doch nagt irgendwie der Zweifel in meinem Kopf, in wie fern ich mir mit einem kritischen Artikel, wie diesem, eventuell selbst schade könnte.

Apple wird auch vorgeworfen, dass der Konzern sehr verschlossen arbeitet und das stimmt in manchen Bereichen auch. Die Art und Weise wie man die Anwender von Aperture über viele Monate hinweg im Unklaren ließ, ob Aperture überhaupt weiter entwickelt wird war nicht OK und auch ich hatte, kurz vor Aperture 3 erschien, die Hoffnung schon fast aufgegeben und versuchte mich bereits mit dem Gedanken anzufreunden zu Lightroom zurück zu kehren.

Doch wenn man von der Geheimniskrämerei um Produktentwicklung absieht, ist Apple ein Unternehmen mit einem sehr offenen Kundensupport. Jedes mal, wenn ich bei Apple angerufen habe, kam ich innerhalb weniger Minuten an einen Mitarbeiter, der mein Anliegen freundlich und absolut in meinem Sinn behandelt hat. Auch über die Chat-Funktion auf der Website von Apple kommt man innerhalb weniger Minuten mit einem Techniker ins Gespräch, der einem kompetent hilft Probleme zu beseitigen.

Kann man das von Adobe auch behaupten? Der Ruf Adobes diesbezüglich steht nicht zum Besten. Das kenne ich von meinen Bemühungen um Beta-Versionen von Photoshop, aber auch aus der unseligen Prüfung als Adobe Certified Expert für CS3. Die Prüfungsfragen waren international so schlecht und zu einem erheblichen Teil wurden die an und für sich falschen Antworten als richtig gewertet, dass Adobe irgendwann selbst zurück ruderte, die Prüfungen für nichtig erklärte und den Teilnehmern anbot kostenfrei noch einmal antreten zu dürfen — kurz bevor CS4 am Start stand. Von einer eventuellen Rückerstattung der Kosten war nirgends wein Wort zu lesen (im Vergleich: Apple hatte vor allem zum Start von mobileMe große Probleme und hat den Anwendern einen Monat Mitgliedschaft geschenkt und nachdem Aperture nach der Einführung von Lightroom eine deutliche Preissenkung erfuhr, bekamen vormalige Käufer vom Konzern einen Einkaufsgutschein).

Ich hatte damals versucht eine Stellungnahme von Adobe zu den unsäglichen Tests zu ergattern und um eine Lösung gebeten, da ich ja für die Prüfungen bezahlen musste. Wer argwöhnt, dass eine Antwort ausblieb, liegt richtig.

(Nachtrag vom 1.5.10) Ein anderes Beispiel für Adobes Offenheit stellt ihr Umgang mit Freehand und GoLive dar. Freehand wurde, trotz anfänglicher Beteuerungen (denen ohnehin kaum einer glaubte) eingestellt und verschwand in der Versenkung. Trauriger ist für mich die Geschichte von GoLive. Ich habe das Produkt als Cyberstudio bereits vor es von Adobe gekauft und in GoLive umbenannt wurde benutzt. Durch Übernahme von Macromedia hatte Adobe mit Dreamweaver ein am Markt verbreiteteres und bei Webentwicklern mehr angesehenes Produkt im Portfolio.

Anfänglich wurde beteuert, man werde GoLive weiter entwickeln. Adobe brachte bald darauf GoLive 9 auf den Markt und bat die Kunden dafür noch zur Kasse, obschon damals auf der Produktseite des Programms zu lesen war, dass man sich doch Dreamweaver ansehen solle, wenn man ein richtiges Webentwicklungstool haben wolle (sinngemäß). Tatsächlich hat es ein GoLive 10 nie gegeben. Der Verdacht drängt sich auf, dass Adobe bei der Übernahme von Macromedia und Dreamweaver mit der Entwicklung von GoLive bereits ziemlich weit fortgeschritten war und man mit einem kommerziellen Upgrade noch einmal Kohle machen wollte, anstatt den Kunden die finale und letzte Version des Programms als Trostpflaster zu schenken. Nur dumm, wer sich damals noch dazu entschieden hat in das Programm zu investieren. Er hat sich offensichtlich von der Strategie des Konzerns an der Nase herumführen lassen.

Wie gesagt: Ich arbeite nach wie vor gerne mit den Programmen von Adobe und sehe derzeit keinen wirklichen Grund mich um Alternativen zu bemühen. Doch wenn Steve Jobs Adobe rügt, der Konzern solle sich mehr anstrengen, dann kann ich nur zustimmen.

Vor dem Hintergrund all dieser Überlegungen ist noch ein Interview mit einer einstigen Steve Jobs Wegbegleiterin bei Spiegel online interessant und aufschlussreich.

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