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Apple: Das mit Aperture ist echt Scheiße!

Was eigentlich schon lange absehbar war ist jetzt offiziell von Apple bestätigt: Aperture wird eingestellt. Die letzten Monate (fast schon Jahre) klammerte man sich nur mehr wegen der Hoffnung an die Aussicht auf Aperture 4, nicht wegen des Glaubens, dass es kommt. Dabei fürchtete ich schon mit der Vorstellung von Aperture 3 vor einigen Jahren, dass das Programm diese Entwicklung nehmen würde – weg von der professionellen Anwendung hin zu einem Aufsteiger-iPhoto. Apertures Nachfolgeprogramm »Photos« wird wohl genau das sein – ein Zwitter zwischen Aperture und iPhoto. Etwas anspruchsvoller als letzteres aber zu wenig professionell für Profifotografen und Semiprofis.

Generell sei gesagt, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass Unternehmen Produkte einstellen. Jedes Unternehmen in dem ich und ihr arbeitet stellt Produkte ein, die in der Unternehmensstrategie keinen Sinn mehr haben oder unrentabel sind. Sich über das Ende von Aperture hämisch freuende Lightroom-User sollten nicht glauben, dass das bei Adobe anders ist. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass Lightroom irgendwann eingestellt wird, aber mit Programmen wie Adobe LiveMotion und GoLive ließ der Konzern seine Kunden auch ordentlich hängen, nicht weniger bei den zugekauften Programmen Freehand und Fontographer und Freunde von Fireworks dürften auch wissen wie man sich vernachlässigt fühlen kann.

Dass Apple Aperture einstellt ist unerfreulich aber zu akzeptieren. Wie Apple dabei vorgegangen ist ist indiskutabel: Treue Anwender Jahre lang im unklaren über die Strategie und im Saft ihrer Hoffnung braten zu lassen zeugt lediglich von Unverständnis der Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden und der Ignoranz mit der sich die Konzerne dem gegenüber verhalten. Ich verstehe die Geheimhaltung um die Entwicklung neuer Produkte und dass Apple den Hype um die Geheimniskrämerei und die Überraschung bei der Vorstellung neuer Produkte nutzen möchte. Doch bei einem Nischenprodukt wie es Aperture ist, ist das einfach nur unnötig und lächerlich. Schon gar nicht wäre es notwendig die Hoffnung auf eine neue Aperture-Version noch durch vage Andeutungen zu schüren, wenn man weiß, dass das Ende längst besiegelt ist, wie das im Falle Aperture geschah.

Allerdings gibt es auch hierfür ein Beispiel, dass das bei anderen Konzernen nicht anders ist: Adobe verkaufte nach der Übernahme von Macromedia ihr Produkt GoLive 9 noch brav weiter an Neukunden, obwohl für jeden Kenner der Branche absehbar war, dass das Produkt nicht weiter entwickelt werden würde. Diese Ignoranz den Kunden gegenüber ist allerdings leider keine Spezialität von Apple oder Adobe sondern schlichter Spiegel unseres Wirtschaftssystems in dem nicht der Kunde oder das Produkt im Mittelpunkt stehen sondern Umsatz und Gewinn.

Noch etwas möchte ich jenen hinter die Ohren schreiben die sich jetzt ob des Niedergangs von Aperture schadenfreuen: Bei Monopolen verliert vor allem der Kunde.

Meine persönliche Konsequenz aus dem Ende von Aperture ist, dass ich mich von der Vorstellung ich könne mit ein und demselben Programm die Entwicklung von RAW wie auch die Verwaltung der entwickelten RAW-Bilder managen verabschiede. Diese Kombination macht einen Wechsel der Anwendungssoftware zur schrecklichen Qual, weil man nach dem Wechsel in der neuen Software alle Bilder neuerlich entwickeln muss. Metainformationen, Schlagworte, Wertungen oft sogar Farbetiketten lassen sich zwar in der Regel von einem Programm zum anderen übernehmen, nicht aber die Entwicklungseinstellungen. Dazu sind die Arten wie die Bilder entwickelt werden in verschiedenen Programmen einfach zu unterschiedlich.

Die Entwicklung von RAWs mit Aperture ist bei mir seit vorgestern zu Ende. Statt dessen werde ich dazu in nächster Zeit wieder Capture One nutzen – das Programm liefert ohnehin nach wie vor die besten Entwicklungsergebnisse von allen RAW-Konvertern. Leider ist es zur Verwaltung umfangreicher Bildbestände nicht die erste Wahl. Deshalb werde ich die entwickelten Bilder als JPEG exportieren und dann in Aperture übernehmen. Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass das Nachfolgeprogramm »Photos« in Sachen Verwaltung keinen schwerwiegenden Rückschritt gegenüber Aperture darstellt (zumindest hoffe ich das) und dann würde es das Programm der Wahl zur Verwaltung meiner Bildbibliotheken bleiben.

Ich werde außerdem in der nächsten Zeit wieder einmal einen Blick auf Lightroom werfen, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass ich mich in diese Richtung bewegen werde. Dazu ist meine Abneigung gegen das strikte und unflexible User-Interface und die Aussicht in absehbarer Zeit in der Cloud zu landen zu groß. Lightroom in der Cloud heißt lebenslänglich an das Abo gebunden zu sein, denn eine Kündigung des Abos würde bedeuten, mit einem Schlag die gesamte Bilder-Bibliothek zu verlieren – nicht die Bilder aber die Bibliothek! Das heißt selbst wenn das Management von Photos Mist wäre und mir keine Alternative als Lightroom übrig bleibt würde ich damit nur mehr entwickelte JPEGs verwalten und mit überschaubarem Aufwand auf eine andere Software umsteigen zu können.

Ich bin vier Mal mit RAWs umgezogen – ich habe keine Lust auf ein fünftes Mal!

Wo bleibt Aperture 4?

  • Olympus E-PL3: Juni 2011;
    Nachfolgemodell E-PL5: September 2012.
  • Nikon D600 September 2012;
    Nachfolgemodell D610: Oktober 2013.
  • Nikon D5200: Oktober 2012;
    Nachfolgemodell D5300: November 2013.
  • Sony RX100: Juni 2012;
    RX100 II: Juni 2013.
  • Photoshop CS6: Mai 2012;
    Photoshop CC: Juni 2013.
  • Lightroom 4: März 2012;
    Lightroom 5: Juni 2013.

Das erste mal, dass mich ein kurzer Produktlebenszyklus nervte, war nach dem Kauf der Sony Cyber-Shot T1. Kaum hatte ich das noch junge Modell gekauft, wurde es schon vom Nachfolgemodell zum alten gemacht. Natürlich sind in den vergangenen Jahren gerade bei der noch recht neuen Technik der Digitalkameras enorme Fortschritte gemacht worden. Doch weshalb dreht sich das Produktekarussell nun, wo das Niveau bereits sehr hoch ist, immer noch schneller? Mir geht das immer mehr auf den Zeiger – in allen Bereichen.

Mein Auto habe ich jetzt seit sechs Jahren und ich habe noch immer Freude am Fahren damit. Facelifts gab es bereits. Aber weshalb sollte ich es austauschen, wenn es mir noch Spaß macht?

Mein iPhone ist noch immer ein iPhone 4, ich bin noch immer zufrieden damit, es ist noch immer ausreichend schnell und ich wüsste nicht was mir daran abgehen sollte. Ich sehe momentan keinen Grund es durch ein neueres oder anderes Gerät zu ersetzen.

Und was hat das mit Aperture zu tun? Gar nicht so wenig, denn Apple Aperture scheint eine Art Relikt eines Produkts zu sein, das nicht jährlich durch ein Nachfolgemodell ersetzt wird.

Das heißt nicht, dass es nicht gepflegt wird – seit Aperture 3 veröffentlicht wurde hat es 23 kleinere und größere Updates erfahren. Doch das große Upgrade auf Aperture 4 lässt weiter auf sich warten. Ich hatte gehofft, dass es bei der Veranstaltung am 22. Oktober etwas Neues zu hören gibt, wurde aber leider enttäuscht. Allerdings würde ich daraus nicht schließen, dass die nächste Aperture-Version nicht unmittelbar bevorsteht – schon das letzte große Upgrade war kurze Zeit nach einer Keynote plötzlich und völlig unerwartet veröffentlicht worden.

Ich bewundere Apples Coolness trotz der wohl nicht unerheblichen Massen ambitionierter Fotografen die das Schiff Richtung Adobe verlassen keinerlei Anzeichen von Stress erkennen zu lassen, ja ich mag es, dass es hier ein Produkt gibt das sich den sich immer schneller drehenden Produktzyklen nicht anschließt, auch wenn es mich andererseits nervt, dass du als Aperture-User keine Ahnung hast wie es um die Zukunft des Programms aussieht und ob es überhaupt noch eine Zukunft hat.

Keine Frage: Es gibt Dinge die gehören endlich nachgerüstet. Eine verbesserte und automatische Linsenkorrektur auf Basis von Linsenprofilen zum Beispiel und eine Korrektur für stürzende Linien. Dinge die alle nennenswerten Mitbewerber längst beherrschen. Allerdings gehen mir diese Dinge bei weitem nicht so sehr ab, als dass ich derzeit noch einmal von Aperture weg gehen würde. Schon zweimal bin ich weg nur um nach wenigen Monaten zurück zu kehren.

Trotz fehlender Linsenkorrekturen und endloser Ungewissheit über die Zukunft des Programms liebe ich die Arbeit damit noch immer. Ich mag die Oberfläche, ich mag die Workflows die das Programm ermöglicht, ich will nicht darauf verzichten nahezu alles mit eigenen Shortcuts versehen zu können, und ich mag auch die gute Performance und Stabilität die das Programm heute auf meinen Macs an den Tag legt (das war aber wirklich auch schon anders). Daneben sind dann fehlende Linsenkorrekturen doch eher nur Peanuts für mich. Das Gesamtkonzept zählt, nicht ein Feature hier und eines da.

Ich habe die Mitbewerber im Auge. Mit Adobe Camera Raw arbeite ich seit Jahren parallel zu Aperture (also kann ich auch die Qualität von Aperture und Lightroom vergleichen). Aktuell schenken sich die Programme nicht viel (und ich entwickle regelmäßig die gleichen Bilder in beiden Programmen). Gerade eben habe ich auch einen Vergleich mit mehreren Dutzend automatisch entwickelten Bildern aus Aperture und dem nagelneuen DxO Optics Pro 9 gemacht, nur um festzustellen, dass die Ergebnisse zwar anders, aber nicht besser sind (mir haben sie sogar weniger gut gefallen, trotz der guten Linsenkorrekturen und des hervorragenden Entrausch-Algorithmus).

Aperture ist noch immer ein sehr gutes Produkt auf Augenhöhe mit den Mitbewerbern – mit Stärken und Schwächen. Ich wundere mich ein bisschen über Anwender die glauben Aperture verlassen zu müssen, weil sich die Uhren der Updates anderswo deutlich schneller drehen. Am Ende heißt das doch auch, dass man mehr bezahlt, wenn die Upgrades jährlich anstehen, statt alle drei Jahre einmal.

Ich will niemanden von Aperture überzeugen. Ich will nur sagen, dass es auch bei Software wichtig ist, dass man sich damit wohl fühlt. Das ist nicht anders, als bei der Kamera und dem Kamerasystem. Software ist wie eine Kamera ein Instrument – sie hilft dem Fotografen durch gute Bildentwicklung Bilder zum klingen zu bringen. Dass ein gutes Werkzeug gute Qualität erzeugen können muss ist selbstverständlich. Doch jeder Fotograf ist anders, hat andere Vorlieben und Vorstellungen und entwickelt andere Workflows.

Bei mir steht in der Mitte des Workflows Aperture, ergänzt von Photoshop, das ich wiederum mit Topaz-, OnOne-, Anthropics- und DxO-Plugins ergänze. Andere bevorzugen Lightroom, andere Capture One, andere DxO Optics und noch einmal andere arbeiten mit Bridge und Camera Raw. Letzteres ist mir völlig schleierhaft – aber wie gesagt: Wir sind alle anders und gerade unterschiedliche Werkzeuge und Arbeitsweisen führen zu unterschiedlichen Resultaten.

Auch bei Software führt reine Konzentration auf Featurismus und Pixelzählerei nicht zu besseren Resultaten. Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile. Und ein Produkt ist nicht deshalb schlecht, weil andere in derselben Zeit dreimal zur Kasse bitten. Wobei auch die paar Euros für die Upgrades nicht zählen, wenn man mit dem Produkt ansonsten glücklich ist und gut arbeiten kann. Konzentriert euch auf die Arbeit mit euren Werkzeugen, arbeitet womit ihr euch wohl fühlt, und verschwendet nicht zu viel Zeit immer auf die Tools der Mitbeweber zu schielen (es reicht wenn ich das mache 😉 ).

Apple vs. Adobe – Gedanken eines Zuschauers

Wer die Entwicklung der Computer-Branche mit etwas Interesse verfolgt, dem dürfte nicht die zunehmende Spannung zwischen Apple und Adobe entgangen sein. Der Konflikt spitzte sich in den letzten Wochen dadurch zu, dass Adobe für die Creative Suite 5 ein Modul entwickelt hat, um mit Flash Apps für das iPhone zu entwickeln und Apple kurz vor der Vorstellung von CS5 Flash als Technologie für das iPhone und iPad ausgeschlossen hat.

Wie es so ist: Einer schiebt die Schuld für Probleme mit der Technologie auf den Anderen. Adobe behauptet, man bekäme von Apple zu wenig Unterstützung bei der Weiterentwicklung von Flash für den Mac, Apple behauptet man hätte Adobe oft um eine zufriedenstellende Version von Flash für iPhone und iPad gebeten, hätte aber nichts bekommen. Was die Wahrheit ist, bleibt dem Außenstehenden verborgen.

Nun hat Steve Jobs einen offenen Brief veröffentlicht, in dem er darlegt, weshalb sich Apple für den Ausschluss von Adobe Flash vom iPhone entschieden hat. Auch hier kann ein Außenstehender kaum beurteilen, wie stichhaltig und objektiv die von Jobs vorgebrachten Argumente tatsächlich sind — zumindest mir geht es so. Allerdings hat der offene Brief von Jobs bei mir wieder ein paar Gedanken freigesetzt, die mich seit Langem beschäftigen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein eingeschworener Apple-Fan bin. Entsprechend subjektiv sind meine Betrachtungen. Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich noch vor etwa fünf Jahren ein ebenso eingefleischter Fan von Adobe war und ich wurde in meinen Seminaren oft gefragt, ob ich von Adobe für meine Werbung bezahlt würde; nein, ich habe nie etwas von Adobe bekommen (wenn ich von Etwas angetan bin, mache ich gerne Werbung dafür).

Ich muss gestehen, dass ich es nicht mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen habe, dass Apple Flash aus dem iPhone und dem iPad ausgeschlossen hat. Mich erinnert das zu sehr an die Praxis von Microsoft auf Basis seiner Marktmacht eigene Technologien durchzusetzen und Fremdtechnologien auszusperren und zu untergraben. Allerdings gibt es zwischen Microsoft und Apple einen großen Unterschied: Microsoft beherrscht den Markt für Betriebssysteme nach wie vor noch Absolut, Apple ist ein Player unter anderen.

Hätte das iPhone einen Marktanteil von 90% oder mehr, bei den SmartPhones, dann wäre dieses Gebaren ein Problem, doch bei der aktuellen Verteilung der Marktanteile, hat der Kunde ja die freie Wahl sich für ein anderes Produkt als das iPhone (oder das iPad) zu entscheiden.

Wenn Apple behauptet, Flash sei der Hauptgrund, dass Macs abstürzen und die Laufzeit des iPhone-Akkus würde durch den Einsatz von Flash massiv reduziert, dann kann ich nachvollziehen und akzeptieren, dass Apple diese Technologie nicht auf dem iPhone haben möchte. Schließlich ist dem Anwender wohl kaum bewusst, dass Flash schuld ist, wenn sich der Akku des SmartPhones wesentlich schneller entlädt, als vom Hersteller angegeben und er gibt auch Apple die Schuld dafür und nicht Adobe.

In wie fern Flash am iPhone tatsächlich zu viel Strom fressen würde, kann ich natürlich nicht sagen, ich merke aber laufend, dass vor allem mein MacBook extrem viel Arbeit zu haben scheint, wenn ein Browserfenster offen ist, in dem Flash läuft — obwohl der Laptop zwar offen, aber unbenutzt, irgendwo steht, fahren seine Lüfter zu Hochtouren auf. Browserfenster schließen, Lüfter fahren wieder runter.

Die Diskussionen die nun aus der Ablehnung von Flash für das iPhone entstanden sind, haben sich längst auf die Frage um die Zukunft der Adobe Grafikprodukte auf der Apple-Plattform ausgedehnt. Ehrlich gesagt mache mich mir darüber keine Sorgen.

Was mir jedoch schon länger Sorgen bereitet, ist das Monopol, das Adobe im Bereich der Grafiksoftware einnimmt. Zwar hat der Anwender die Wahl ob er Grafiksoftware am Mac oder unter Windows betreiben will und das ist auch gut so. Auch wenn ich mir noch deutlich mehr Marktanteil für Macs wünsche, eine Situation in der Apple 90% des Betriebssystemmarktes dominieren könnte, würde ich genau so wenig begrüßen, wie mir die Dominanz von Microsoft gefällt. Als Anwender verlieren wir durch Monopolisten und gewinnen durch Wettbewerb zwischen annähernd gleich starken Anbietern.

Bei der Wahl der Grafiksoftware jedoch haben wir kaum mehr eine Wahl. Zwar ist es denkbar, dass wir mit Gimp, Pixelmator oder einer sonstigen Alternative arbeiten, und es wäre vielleicht CorelDraw als Alternative für Illustrator denkbar, aber sind diese Alternativen wirklich gleichwertig? Ist Quark eine Alternative zu InDesign? XPress ist verhältnismäßig teuer und kann in Sachen Funktion doch nicht mit InDesign mithalten. Und gerade wenn es um Layoutprogramme geht ist ein Wechsel des Programms schwer. Bei Pixelbildern und Vektordateien funktioniert der Austausch über Tiff und EPS weitgehend, doch InDesign-Dateien lassen sich kaum 1:1 auf ein alternatives Layoutprogramm portieren. Wer einst von Quark auf InDesign umgestiegen ist, kennt die Probleme.

Nun wäre es ja kein Problem keine Auswahl mehr zu haben, wenn ein Produkt zweifelsfrei optimal entwickelt wird. Aber kann man das von der Adobe Creative Suite sagen? Auch wenn jede neue Version Neuerungen bietet, die das Arbeiten damit besser und angenehmer machen und auch wenn ich noch immer gerne mit den Adobe CS-Programmen arbeiten, finde ich das nicht. Die Programme haben in den letzten Jahren Bugs aufzuweisen, die sich zum Teil über Versionen hinaus weiterziehen können. Das Ausrichten von Ankerpunkten funktioniert in Illustrator CS4 schlechter als zuvor. Abstürze häufen sich vor allem in InDesign und Illustrator. Das ist keine zufriedenstellende Entwicklung.

Apple wird oft vorgeworfen, dass sie die Anwender über die Entwicklung ihrer Produkte im Unklaren lassen. Doch wie sieht das bei Adobe aus? Interessant ist, dass ein Programm, das noch einen nennenswerten Mitbewerber hat, sich im fast permantenten Beta-Status befindet. Für Adobe Photoshop Lightroom kommt schon bald nach Vorstellung einer neuen Version eine noch neuere Beta-Version heraus, bei denen die Anwender Adobe helfen dürfen, das Produkt als Beta-Tester laufend weiterzuentwickeln. Selbstverständlich kostenlos.

Lightroom kennt einen Mitbwerber: Apple Aperture. Und man könnte den Verdacht haben, dass Adobe mit den laufenden Betas versucht, Apple möglichst frühzeitig mit Neuerungen zu übertreffen, lange bevor ein amtliches Upgrade den Markt erblickt.

Bei Photoshop, Illustrator und InDesign gibt es diese Transparenz nicht. Im Gegenteil: Was in einer kommenden Version der Creative Suite auf den Anwender zukommt, daraus macht Adobe ebenso ein Geheimnis, wie Apple um seine Produkte. Selbst wenn man sich aus bestimmten Gründen um Vorab-Beta-Versionen bemüht, ist die Chance klein, von Adobe tatsächlich damit bedacht zu werden. Ich kann ein Lied davon singen: Obwohl ich für eine großen Verlag über Photoshop schreibe, gelingt es uns kaum Beta-Versionen zur Vorbereitung zu bekommen. Schleierhaft, nach welchen Kriterien Adobe die Betas verteilt — denn natürlich haben Autoren und Verlage die frühzeitig mit Betaversionen bedacht werden, einen Vorteil wenn es darum geht als erstes mit einem Werk am Markt zu sein.

Auch wenn es mir absurd scheint, so frage ich mich doch, ob es bei Adobe eventuell eine Schwarze Liste über Autoren gibt, durch die kritische Autoren bei der Vergabe von Beta-Versionen den Kürzeren ziehen. Nicht, dass ich mir das tatsächlich vorstellen kann, und doch nagt irgendwie der Zweifel in meinem Kopf, in wie fern ich mir mit einem kritischen Artikel, wie diesem, eventuell selbst schade könnte.

Apple wird auch vorgeworfen, dass der Konzern sehr verschlossen arbeitet und das stimmt in manchen Bereichen auch. Die Art und Weise wie man die Anwender von Aperture über viele Monate hinweg im Unklaren ließ, ob Aperture überhaupt weiter entwickelt wird war nicht OK und auch ich hatte, kurz vor Aperture 3 erschien, die Hoffnung schon fast aufgegeben und versuchte mich bereits mit dem Gedanken anzufreunden zu Lightroom zurück zu kehren.

Doch wenn man von der Geheimniskrämerei um Produktentwicklung absieht, ist Apple ein Unternehmen mit einem sehr offenen Kundensupport. Jedes mal, wenn ich bei Apple angerufen habe, kam ich innerhalb weniger Minuten an einen Mitarbeiter, der mein Anliegen freundlich und absolut in meinem Sinn behandelt hat. Auch über die Chat-Funktion auf der Website von Apple kommt man innerhalb weniger Minuten mit einem Techniker ins Gespräch, der einem kompetent hilft Probleme zu beseitigen.

Kann man das von Adobe auch behaupten? Der Ruf Adobes diesbezüglich steht nicht zum Besten. Das kenne ich von meinen Bemühungen um Beta-Versionen von Photoshop, aber auch aus der unseligen Prüfung als Adobe Certified Expert für CS3. Die Prüfungsfragen waren international so schlecht und zu einem erheblichen Teil wurden die an und für sich falschen Antworten als richtig gewertet, dass Adobe irgendwann selbst zurück ruderte, die Prüfungen für nichtig erklärte und den Teilnehmern anbot kostenfrei noch einmal antreten zu dürfen — kurz bevor CS4 am Start stand. Von einer eventuellen Rückerstattung der Kosten war nirgends wein Wort zu lesen (im Vergleich: Apple hatte vor allem zum Start von mobileMe große Probleme und hat den Anwendern einen Monat Mitgliedschaft geschenkt und nachdem Aperture nach der Einführung von Lightroom eine deutliche Preissenkung erfuhr, bekamen vormalige Käufer vom Konzern einen Einkaufsgutschein).

Ich hatte damals versucht eine Stellungnahme von Adobe zu den unsäglichen Tests zu ergattern und um eine Lösung gebeten, da ich ja für die Prüfungen bezahlen musste. Wer argwöhnt, dass eine Antwort ausblieb, liegt richtig.

(Nachtrag vom 1.5.10) Ein anderes Beispiel für Adobes Offenheit stellt ihr Umgang mit Freehand und GoLive dar. Freehand wurde, trotz anfänglicher Beteuerungen (denen ohnehin kaum einer glaubte) eingestellt und verschwand in der Versenkung. Trauriger ist für mich die Geschichte von GoLive. Ich habe das Produkt als Cyberstudio bereits vor es von Adobe gekauft und in GoLive umbenannt wurde benutzt. Durch Übernahme von Macromedia hatte Adobe mit Dreamweaver ein am Markt verbreiteteres und bei Webentwicklern mehr angesehenes Produkt im Portfolio.

Anfänglich wurde beteuert, man werde GoLive weiter entwickeln. Adobe brachte bald darauf GoLive 9 auf den Markt und bat die Kunden dafür noch zur Kasse, obschon damals auf der Produktseite des Programms zu lesen war, dass man sich doch Dreamweaver ansehen solle, wenn man ein richtiges Webentwicklungstool haben wolle (sinngemäß). Tatsächlich hat es ein GoLive 10 nie gegeben. Der Verdacht drängt sich auf, dass Adobe bei der Übernahme von Macromedia und Dreamweaver mit der Entwicklung von GoLive bereits ziemlich weit fortgeschritten war und man mit einem kommerziellen Upgrade noch einmal Kohle machen wollte, anstatt den Kunden die finale und letzte Version des Programms als Trostpflaster zu schenken. Nur dumm, wer sich damals noch dazu entschieden hat in das Programm zu investieren. Er hat sich offensichtlich von der Strategie des Konzerns an der Nase herumführen lassen.

Wie gesagt: Ich arbeite nach wie vor gerne mit den Programmen von Adobe und sehe derzeit keinen wirklichen Grund mich um Alternativen zu bemühen. Doch wenn Steve Jobs Adobe rügt, der Konzern solle sich mehr anstrengen, dann kann ich nur zustimmen.

Vor dem Hintergrund all dieser Überlegungen ist noch ein Interview mit einer einstigen Steve Jobs Wegbegleiterin bei Spiegel online interessant und aufschlussreich.

Schriftenvielfalt fürs Webdesign

Sehr kontrovers wird derzeit Apples Vorstoß diskutiert, mit dem jetzt (in Apple Safari) und in Zukunft (in anderen Browsern – Opera wird als nächstes folgen) Schriften, die auf einem Server zur Verfügung stehen, mittels Stylesheet zur Darstellung im Browser geladen werden können. Einen Artikel dazu hat Ralf Herrmann vor kurzem in seinem Typowiki veröffentlicht.

Weniger Freude äußert ein Teil der Schriftenentwerfer und -vertriebler, wie aus einem Artikel im Fontblog, sowie den dazu geäußerten Kommentaren, zu entnehmen ist – dort heißt die provokante Überschrift »Apple erklärt Schriftentwerfern und -verlagen den Krieg«.

Mehr Begeisterung zeigen die Schriftentwickler bei fonts.info, die die Neuigkeit mit dem Freefont Graublau Sans Web in den Schnitten Regular und Bold, zum (natürlich) kostenlosen Download feiern.
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Für alle interessierten, vor allem für alle mit Webdesign beschäftigten, hat Ralf Herrmann eine Umfrage ins Internet gestellt, um das Interesse der Gestalter zu erkunden. Der Link zur fünf Minuten dauernden Umrage ist hier.