Die Gerüchte-Küche über das nächste Adobe-CS-Upgrade beginnt schon wieder zu kochen. Adobe kündige eine neue Veröffentlichung innerhalb der nächsten drei bis neun Monate an, meldet zum Beispiel macnews.de. Dabei haben sich meine Nerven noch nicht ganz an CS5 gewöhnt. Und ich frage mich, ob ich wirklich Lust habe, das nächste Photoshop-Buch in Angriff zu nehmen und Kurse für CS6 vorzubereiten, wo ich mit CS5 noch nicht so recht abgeschlossen habe. Den Anwendern, die gerade erst auf CS5 aufgerüstet haben, dürfte es nicht anders gehen.
Was erwartet uns mit CS6? Wird die Arbeit mit Pfaden in Illustrator noch schlechter und unpräziser? Wird InDesign weiter mit Interaktiv-Funktionen überladen? Brauchen wir wirklich in Photoshop weitere Funktionen zur Bearbeitung von Videos? Brauchte nicht schon die Bisherigen keiner? So, wie die 3D-Edit-Funktionen von Photoshop-Extended?
Was wären für mich wirklich sinnnvolle, bahnbrechende Neuerungen:
- Stabilität.
- Geschwindigkeit (Pixelmator, um 24 Euro, lässt Photoshop wie eine lahme Schnecke aussehen).
- Ausmerzen von Fehlern – alle, die wir Adobe CS täglich anwenden, wissen wir, dass die Programme voll davon sind.
- Modernisieren veralteter Filter: Photoshop beinhaltet Filter, die sich seit Einführung in den frühen 1990ern nicht verändert haben. Vorschau ist dabei zum Beispiel Essig. Außerdem: Angleichung der Filter.
- Angleichen der Oberfläche und Befehle. Und zwar wirklich! Eklatantes Beispiel: In Photoshop und InDesign kann man mit
strg/cmd++einzoomen, in Illustrator ist für denselben Befehlestrg/cmd+shift+0erforderlich. - Konzentration der Programme auf Kernkompetenz. Auslagern der Video-Funktionen aus Photoshop, in ein Video-Programm. Dasselbe gilt für die 3D-Funktionen.
- Ich würde auch überlegen, die Illustrationsfunktionen, in eine separate Umgebung auszulagern und Photoshop auf die Kernkompetenz – Bildbearbeitung – zurückzuführen.
- Die Interaktive-Funktionen aus InDesign in ein separates Programm auslagern.
- Dafür eine fließende Integration aller Programme untereinander. Was mich zum Beispiel wundert, ist, dass es Adobe noch immer nicht geschafft hat, Lightroom und Photoshop fließend ineinander zu integrieren. Statt dessen würde man noch nicht einmal glauben, dass die Programme vom selben Hersteller stammen. Aber Gott bewahre, das Interface von CS wird an Lightroom angeglichen!
- Und wenn wir gerade beim Thema Interface-Design sind: Acrobat ist die Antithese zu professionellem, übersichtlichem, benutzerfreundlichen Interface-Design (weshalb ist der Acrobat-Zyklus noch immer nicht auf Adobe CS abgestimmt?)
Und bitte Schnappsideen unterlassen, wie im Dialog ›Kante verbessern‹ in Photoshop, wo man nicht mehr ›Vorschau‹ ausschaltet, um die Vorschau zu deaktivieren, sondern ›Original anzeigen‹ ein.
Am anderen Ende wäre uns Allen etwas (viel) geholfen, wenn Adobe ihren Produktzyklus deutlich entschleunigen würde. Adobe könnte dann vielleicht wieder einmal ausgereifte Produkte auf den Markt bringen und sich Gedanken über wirklich sinnvolle Neuerungen machen. Es gibt sie zwar, aber sie fallen meist recht spärlich aus. Die könnten dann auch ausgereift integriert werden. Nicht so wie Kante verbessern, in Photoshop CS4, oder das perspektivische Raster in Illustrator CS5. Und wir hätten Zeit uns an die neuen Funktionen zu gewöhnen.
Dabei scheint es zu klar zu sein, worum es geht: Nicht um Innovation, sondern lediglich darum, Geld in die Maschinen von Adobe zu spülen. Als Anwender haben wir längst keine Nutzen mehr davon.
Leider geht berechtigte Kritik an Adobe seit längerer Zeit im schicken Trend unter, Apple an den Pranger zu stellen. Ich habe bereits darüber geschrieben, dass ich es nicht gut heiße, dass Apple seinen Kunden nicht die Möglichkeit lässt, sich für oder gegen Flash zu entscheiden. Andererseits wäre es in meinen Augen ein Segen, wenn diese unselige, leistungshungrige Technologie endlich das Zeitliche segnen würde. Vielleicht ist Apples strikte Verweigerung von Flash ja auch eine Retour-Kutsche: Es heißt seit Jahren Adobe würde Flash am Mac stiefmütterlich behandeln. Flash-Animationen im Internet erfordern von unseren MacBooks oft mehr Leistung, als beinahe alles andere, was man machen kann: Auf jeden Fall lässt kein anderes Programm die Lüfter nerviger aufheulen, als der Browser, wenn er aufwändige Flash-Programme darstellen muss.
Bei aller, teilweise auch berechtigten Kritik an Apple: Für mich ist der unsympathischte Konzern mit Abstand Adobe geworden (bedauerlich, aber wahr). Und Adobe ist auch das, was Microsoft nicht mehr ist und Apple nie war: Ein Monopolist. Aus einer anderen Position heraus könnte sich ein Unternehmen nie das herausnehmen, was sich Adobe herausnimmt.
Als Aperture-User musste ich lange auf ein Update des Programms warten, während Adobe eine Lightroom-Version nach der anderen auf den Markt warf. Rückblickend würde ich mir einen Update-Zyklus von zwei bis drei Jahren für ausgereifte Programme wünschen. Alle zwei bis drei Jahre ein ausgereiftes Update für die Creative Suite, das wäre wünschenswert. Und dass es sich auch preislich in eine andere Richtung entwickeln kann, zeigt ebenfalls Apple: Während Lightroom noch immer knapp 300 Euro kostet, gibt es Aperture mittlerweile um 62 Euro.
Skurriles Detail am Rande: Im Adobe-Online-Store scheint die Download-Version von CS5 etwas teurer zu sein, als die Box.
Am Ende bleibt für mich die Hoffnung, dass Apples App Store mehr Bewegung in den Markt bringt, Entwicklern von Alternativen von Adobe Programmen eine bessere Möglichkeit bietet, den Kunden zu erreichen. Würde das Adobe am Ende so unter Druck setzen, dass sie wieder mehr Qualität als Marketing und Gewinn ins Zentrum ihres Strebens stellen müssten, wäre am Ende allen geholfen. Die Kunden von Microsoft haben auf jeden Fall vom Erfolg von Apple und OpenSource profitiert und auch uns Apple-Kunden kommen Android & Co sicher entgegen.
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