Wer die Entwicklung der Computer-Branche mit etwas Interesse verfolgt, dem dürfte nicht die zunehmende Spannung zwischen Apple und Adobe entgangen sein. Der Konflikt spitzte sich in den letzten Wochen dadurch zu, dass Adobe für die Creative Suite 5 ein Modul entwickelt hat, um mit Flash Apps für das iPhone zu entwickeln und Apple kurz vor der Vorstellung von CS5 Flash als Technologie für das iPhone und iPad ausgeschlossen hat.

Wie es so ist: Einer schiebt die Schuld für Probleme mit der Technologie auf den Anderen. Adobe behauptet, man bekäme von Apple zu wenig Unterstützung bei der Weiterentwicklung von Flash für den Mac, Apple behauptet man hätte Adobe oft um eine zufriedenstellende Version von Flash für iPhone und iPad gebeten, hätte aber nichts bekommen. Was die Wahrheit ist, bleibt dem Außenstehenden verborgen.

Nun hat Steve Jobs einen offenen Brief veröffentlicht, in dem er darlegt, weshalb sich Apple für den Ausschluss von Adobe Flash vom iPhone entschieden hat. Auch hier kann ein Außenstehender kaum beurteilen, wie stichhaltig und objektiv die von Jobs vorgebrachten Argumente tatsächlich sind — zumindest mir geht es so. Allerdings hat der offene Brief von Jobs bei mir wieder ein paar Gedanken freigesetzt, die mich seit Langem beschäftigen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein eingeschworener Apple-Fan bin. Entsprechend subjektiv sind meine Betrachtungen. Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich noch vor etwa fünf Jahren ein ebenso eingefleischter Fan von Adobe war und ich wurde in meinen Seminaren oft gefragt, ob ich von Adobe für meine Werbung bezahlt würde; nein, ich habe nie etwas von Adobe bekommen (wenn ich von Etwas angetan bin, mache ich gerne Werbung dafür).

Ich muss gestehen, dass ich es nicht mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen habe, dass Apple Flash aus dem iPhone und dem iPad ausgeschlossen hat. Mich erinnert das zu sehr an die Praxis von Microsoft auf Basis seiner Marktmacht eigene Technologien durchzusetzen und Fremdtechnologien auszusperren und zu untergraben. Allerdings gibt es zwischen Microsoft und Apple einen großen Unterschied: Microsoft beherrscht den Markt für Betriebssysteme nach wie vor noch Absolut, Apple ist ein Player unter anderen.

Hätte das iPhone einen Marktanteil von 90% oder mehr, bei den SmartPhones, dann wäre dieses Gebaren ein Problem, doch bei der aktuellen Verteilung der Marktanteile, hat der Kunde ja die freie Wahl sich für ein anderes Produkt als das iPhone (oder das iPad) zu entscheiden.

Wenn Apple behauptet, Flash sei der Hauptgrund, dass Macs abstürzen und die Laufzeit des iPhone-Akkus würde durch den Einsatz von Flash massiv reduziert, dann kann ich nachvollziehen und akzeptieren, dass Apple diese Technologie nicht auf dem iPhone haben möchte. Schließlich ist dem Anwender wohl kaum bewusst, dass Flash schuld ist, wenn sich der Akku des SmartPhones wesentlich schneller entlädt, als vom Hersteller angegeben und er gibt auch Apple die Schuld dafür und nicht Adobe.

In wie fern Flash am iPhone tatsächlich zu viel Strom fressen würde, kann ich natürlich nicht sagen, ich merke aber laufend, dass vor allem mein MacBook extrem viel Arbeit zu haben scheint, wenn ein Browserfenster offen ist, in dem Flash läuft — obwohl der Laptop zwar offen, aber unbenutzt, irgendwo steht, fahren seine Lüfter zu Hochtouren auf. Browserfenster schließen, Lüfter fahren wieder runter.

Die Diskussionen die nun aus der Ablehnung von Flash für das iPhone entstanden sind, haben sich längst auf die Frage um die Zukunft der Adobe Grafikprodukte auf der Apple-Plattform ausgedehnt. Ehrlich gesagt mache mich mir darüber keine Sorgen.

Was mir jedoch schon länger Sorgen bereitet, ist das Monopol, das Adobe im Bereich der Grafiksoftware einnimmt. Zwar hat der Anwender die Wahl ob er Grafiksoftware am Mac oder unter Windows betreiben will und das ist auch gut so. Auch wenn ich mir noch deutlich mehr Marktanteil für Macs wünsche, eine Situation in der Apple 90% des Betriebssystemmarktes dominieren könnte, würde ich genau so wenig begrüßen, wie mir die Dominanz von Microsoft gefällt. Als Anwender verlieren wir durch Monopolisten und gewinnen durch Wettbewerb zwischen annähernd gleich starken Anbietern.

Bei der Wahl der Grafiksoftware jedoch haben wir kaum mehr eine Wahl. Zwar ist es denkbar, dass wir mit Gimp, Pixelmator oder einer sonstigen Alternative arbeiten, und es wäre vielleicht CorelDraw als Alternative für Illustrator denkbar, aber sind diese Alternativen wirklich gleichwertig? Ist Quark eine Alternative zu InDesign? XPress ist verhältnismäßig teuer und kann in Sachen Funktion doch nicht mit InDesign mithalten. Und gerade wenn es um Layoutprogramme geht ist ein Wechsel des Programms schwer. Bei Pixelbildern und Vektordateien funktioniert der Austausch über Tiff und EPS weitgehend, doch InDesign-Dateien lassen sich kaum 1:1 auf ein alternatives Layoutprogramm portieren. Wer einst von Quark auf InDesign umgestiegen ist, kennt die Probleme.

Nun wäre es ja kein Problem keine Auswahl mehr zu haben, wenn ein Produkt zweifelsfrei optimal entwickelt wird. Aber kann man das von der Adobe Creative Suite sagen? Auch wenn jede neue Version Neuerungen bietet, die das Arbeiten damit besser und angenehmer machen und auch wenn ich noch immer gerne mit den Adobe CS-Programmen arbeiten, finde ich das nicht. Die Programme haben in den letzten Jahren Bugs aufzuweisen, die sich zum Teil über Versionen hinaus weiterziehen können. Das Ausrichten von Ankerpunkten funktioniert in Illustrator CS4 schlechter als zuvor. Abstürze häufen sich vor allem in InDesign und Illustrator. Das ist keine zufriedenstellende Entwicklung.

Apple wird oft vorgeworfen, dass sie die Anwender über die Entwicklung ihrer Produkte im Unklaren lassen. Doch wie sieht das bei Adobe aus? Interessant ist, dass ein Programm, das noch einen nennenswerten Mitbewerber hat, sich im fast permantenten Beta-Status befindet. Für Adobe Photoshop Lightroom kommt schon bald nach Vorstellung einer neuen Version eine noch neuere Beta-Version heraus, bei denen die Anwender Adobe helfen dürfen, das Produkt als Beta-Tester laufend weiterzuentwickeln. Selbstverständlich kostenlos.

Lightroom kennt einen Mitbwerber: Apple Aperture. Und man könnte den Verdacht haben, dass Adobe mit den laufenden Betas versucht, Apple möglichst frühzeitig mit Neuerungen zu übertreffen, lange bevor ein amtliches Upgrade den Markt erblickt.

Bei Photoshop, Illustrator und InDesign gibt es diese Transparenz nicht. Im Gegenteil: Was in einer kommenden Version der Creative Suite auf den Anwender zukommt, daraus macht Adobe ebenso ein Geheimnis, wie Apple um seine Produkte. Selbst wenn man sich aus bestimmten Gründen um Vorab-Beta-Versionen bemüht, ist die Chance klein, von Adobe tatsächlich damit bedacht zu werden. Ich kann ein Lied davon singen: Obwohl ich für eine großen Verlag über Photoshop schreibe, gelingt es uns kaum Beta-Versionen zur Vorbereitung zu bekommen. Schleierhaft, nach welchen Kriterien Adobe die Betas verteilt — denn natürlich haben Autoren und Verlage die frühzeitig mit Betaversionen bedacht werden, einen Vorteil wenn es darum geht als erstes mit einem Werk am Markt zu sein.

Auch wenn es mir absurd scheint, so frage ich mich doch, ob es bei Adobe eventuell eine Schwarze Liste über Autoren gibt, durch die kritische Autoren bei der Vergabe von Beta-Versionen den Kürzeren ziehen. Nicht, dass ich mir das tatsächlich vorstellen kann, und doch nagt irgendwie der Zweifel in meinem Kopf, in wie fern ich mir mit einem kritischen Artikel, wie diesem, eventuell selbst schade könnte.

Apple wird auch vorgeworfen, dass der Konzern sehr verschlossen arbeitet und das stimmt in manchen Bereichen auch. Die Art und Weise wie man die Anwender von Aperture über viele Monate hinweg im Unklaren ließ, ob Aperture überhaupt weiter entwickelt wird war nicht OK und auch ich hatte, kurz vor Aperture 3 erschien, die Hoffnung schon fast aufgegeben und versuchte mich bereits mit dem Gedanken anzufreunden zu Lightroom zurück zu kehren.

Doch wenn man von der Geheimniskrämerei um Produktentwicklung absieht, ist Apple ein Unternehmen mit einem sehr offenen Kundensupport. Jedes mal, wenn ich bei Apple angerufen habe, kam ich innerhalb weniger Minuten an einen Mitarbeiter, der mein Anliegen freundlich und absolut in meinem Sinn behandelt hat. Auch über die Chat-Funktion auf der Website von Apple kommt man innerhalb weniger Minuten mit einem Techniker ins Gespräch, der einem kompetent hilft Probleme zu beseitigen.

Kann man das von Adobe auch behaupten? Der Ruf Adobes diesbezüglich steht nicht zum Besten. Das kenne ich von meinen Bemühungen um Beta-Versionen von Photoshop, aber auch aus der unseligen Prüfung als Adobe Certified Expert für CS3. Die Prüfungsfragen waren international so schlecht und zu einem erheblichen Teil wurden die an und für sich falschen Antworten als richtig gewertet, dass Adobe irgendwann selbst zurück ruderte, die Prüfungen für nichtig erklärte und den Teilnehmern anbot kostenfrei noch einmal antreten zu dürfen — kurz bevor CS4 am Start stand. Von einer eventuellen Rückerstattung der Kosten war nirgends wein Wort zu lesen (im Vergleich: Apple hatte vor allem zum Start von mobileMe große Probleme und hat den Anwendern einen Monat Mitgliedschaft geschenkt und nachdem Aperture nach der Einführung von Lightroom eine deutliche Preissenkung erfuhr, bekamen vormalige Käufer vom Konzern einen Einkaufsgutschein).

Ich hatte damals versucht eine Stellungnahme von Adobe zu den unsäglichen Tests zu ergattern und um eine Lösung gebeten, da ich ja für die Prüfungen bezahlen musste. Wer argwöhnt, dass eine Antwort ausblieb, liegt richtig.

(Nachtrag vom 1.5.10) Ein anderes Beispiel für Adobes Offenheit stellt ihr Umgang mit Freehand und GoLive dar. Freehand wurde, trotz anfänglicher Beteuerungen (denen ohnehin kaum einer glaubte) eingestellt und verschwand in der Versenkung. Trauriger ist für mich die Geschichte von GoLive. Ich habe das Produkt als Cyberstudio bereits vor es von Adobe gekauft und in GoLive umbenannt wurde benutzt. Durch Übernahme von Macromedia hatte Adobe mit Dreamweaver ein am Markt verbreiteteres und bei Webentwicklern mehr angesehenes Produkt im Portfolio.

Anfänglich wurde beteuert, man werde GoLive weiter entwickeln. Adobe brachte bald darauf GoLive 9 auf den Markt und bat die Kunden dafür noch zur Kasse, obschon damals auf der Produktseite des Programms zu lesen war, dass man sich doch Dreamweaver ansehen solle, wenn man ein richtiges Webentwicklungstool haben wolle (sinngemäß). Tatsächlich hat es ein GoLive 10 nie gegeben. Der Verdacht drängt sich auf, dass Adobe bei der Übernahme von Macromedia und Dreamweaver mit der Entwicklung von GoLive bereits ziemlich weit fortgeschritten war und man mit einem kommerziellen Upgrade noch einmal Kohle machen wollte, anstatt den Kunden die finale und letzte Version des Programms als Trostpflaster zu schenken. Nur dumm, wer sich damals noch dazu entschieden hat in das Programm zu investieren. Er hat sich offensichtlich von der Strategie des Konzerns an der Nase herumführen lassen.

Wie gesagt: Ich arbeite nach wie vor gerne mit den Programmen von Adobe und sehe derzeit keinen wirklichen Grund mich um Alternativen zu bemühen. Doch wenn Steve Jobs Adobe rügt, der Konzern solle sich mehr anstrengen, dann kann ich nur zustimmen.

Vor dem Hintergrund all dieser Überlegungen ist noch ein Interview mit einer einstigen Steve Jobs Wegbegleiterin bei Spiegel online interessant und aufschlussreich.

Kommentare: 0 (schreib einen ersten Kommentar)