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Apple: Das mit Aperture ist echt Scheiße!

Was eigentlich schon lange absehbar war ist jetzt offiziell von Apple bestätigt: Aperture wird eingestellt. Die letzten Monate (fast schon Jahre) klammerte man sich nur mehr wegen der Hoffnung an die Aussicht auf Aperture 4, nicht wegen des Glaubens, dass es kommt. Dabei fürchtete ich schon mit der Vorstellung von Aperture 3 vor einigen Jahren, dass das Programm diese Entwicklung nehmen würde – weg von der professionellen Anwendung hin zu einem Aufsteiger-iPhoto. Apertures Nachfolgeprogramm »Photos« wird wohl genau das sein – ein Zwitter zwischen Aperture und iPhoto. Etwas anspruchsvoller als letzteres aber zu wenig professionell für Profifotografen und Semiprofis.

Generell sei gesagt, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass Unternehmen Produkte einstellen. Jedes Unternehmen in dem ich und ihr arbeitet stellt Produkte ein, die in der Unternehmensstrategie keinen Sinn mehr haben oder unrentabel sind. Sich über das Ende von Aperture hämisch freuende Lightroom-User sollten nicht glauben, dass das bei Adobe anders ist. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass Lightroom irgendwann eingestellt wird, aber mit Programmen wie Adobe LiveMotion und GoLive ließ der Konzern seine Kunden auch ordentlich hängen, nicht weniger bei den zugekauften Programmen Freehand und Fontographer und Freunde von Fireworks dürften auch wissen wie man sich vernachlässigt fühlen kann.

Dass Apple Aperture einstellt ist unerfreulich aber zu akzeptieren. Wie Apple dabei vorgegangen ist ist indiskutabel: Treue Anwender Jahre lang im unklaren über die Strategie und im Saft ihrer Hoffnung braten zu lassen zeugt lediglich von Unverständnis der Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden und der Ignoranz mit der sich die Konzerne dem gegenüber verhalten. Ich verstehe die Geheimhaltung um die Entwicklung neuer Produkte und dass Apple den Hype um die Geheimniskrämerei und die Überraschung bei der Vorstellung neuer Produkte nutzen möchte. Doch bei einem Nischenprodukt wie es Aperture ist, ist das einfach nur unnötig und lächerlich. Schon gar nicht wäre es notwendig die Hoffnung auf eine neue Aperture-Version noch durch vage Andeutungen zu schüren, wenn man weiß, dass das Ende längst besiegelt ist, wie das im Falle Aperture geschah.

Allerdings gibt es auch hierfür ein Beispiel, dass das bei anderen Konzernen nicht anders ist: Adobe verkaufte nach der Übernahme von Macromedia ihr Produkt GoLive 9 noch brav weiter an Neukunden, obwohl für jeden Kenner der Branche absehbar war, dass das Produkt nicht weiter entwickelt werden würde. Diese Ignoranz den Kunden gegenüber ist allerdings leider keine Spezialität von Apple oder Adobe sondern schlichter Spiegel unseres Wirtschaftssystems in dem nicht der Kunde oder das Produkt im Mittelpunkt stehen sondern Umsatz und Gewinn.

Noch etwas möchte ich jenen hinter die Ohren schreiben die sich jetzt ob des Niedergangs von Aperture schadenfreuen: Bei Monopolen verliert vor allem der Kunde.

Meine persönliche Konsequenz aus dem Ende von Aperture ist, dass ich mich von der Vorstellung ich könne mit ein und demselben Programm die Entwicklung von RAW wie auch die Verwaltung der entwickelten RAW-Bilder managen verabschiede. Diese Kombination macht einen Wechsel der Anwendungssoftware zur schrecklichen Qual, weil man nach dem Wechsel in der neuen Software alle Bilder neuerlich entwickeln muss. Metainformationen, Schlagworte, Wertungen oft sogar Farbetiketten lassen sich zwar in der Regel von einem Programm zum anderen übernehmen, nicht aber die Entwicklungseinstellungen. Dazu sind die Arten wie die Bilder entwickelt werden in verschiedenen Programmen einfach zu unterschiedlich.

Die Entwicklung von RAWs mit Aperture ist bei mir seit vorgestern zu Ende. Statt dessen werde ich dazu in nächster Zeit wieder Capture One nutzen – das Programm liefert ohnehin nach wie vor die besten Entwicklungsergebnisse von allen RAW-Konvertern. Leider ist es zur Verwaltung umfangreicher Bildbestände nicht die erste Wahl. Deshalb werde ich die entwickelten Bilder als JPEG exportieren und dann in Aperture übernehmen. Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass das Nachfolgeprogramm »Photos« in Sachen Verwaltung keinen schwerwiegenden Rückschritt gegenüber Aperture darstellt (zumindest hoffe ich das) und dann würde es das Programm der Wahl zur Verwaltung meiner Bildbibliotheken bleiben.

Ich werde außerdem in der nächsten Zeit wieder einmal einen Blick auf Lightroom werfen, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass ich mich in diese Richtung bewegen werde. Dazu ist meine Abneigung gegen das strikte und unflexible User-Interface und die Aussicht in absehbarer Zeit in der Cloud zu landen zu groß. Lightroom in der Cloud heißt lebenslänglich an das Abo gebunden zu sein, denn eine Kündigung des Abos würde bedeuten, mit einem Schlag die gesamte Bilder-Bibliothek zu verlieren – nicht die Bilder aber die Bibliothek! Das heißt selbst wenn das Management von Photos Mist wäre und mir keine Alternative als Lightroom übrig bleibt würde ich damit nur mehr entwickelte JPEGs verwalten und mit überschaubarem Aufwand auf eine andere Software umsteigen zu können.

Ich bin vier Mal mit RAWs umgezogen – ich habe keine Lust auf ein fünftes Mal!

Wo bleibt Aperture 4?

  • Olympus E-PL3: Juni 2011;
    Nachfolgemodell E-PL5: September 2012.
  • Nikon D600 September 2012;
    Nachfolgemodell D610: Oktober 2013.
  • Nikon D5200: Oktober 2012;
    Nachfolgemodell D5300: November 2013.
  • Sony RX100: Juni 2012;
    RX100 II: Juni 2013.
  • Photoshop CS6: Mai 2012;
    Photoshop CC: Juni 2013.
  • Lightroom 4: März 2012;
    Lightroom 5: Juni 2013.

Das erste mal, dass mich ein kurzer Produktlebenszyklus nervte, war nach dem Kauf der Sony Cyber-Shot T1. Kaum hatte ich das noch junge Modell gekauft, wurde es schon vom Nachfolgemodell zum alten gemacht. Natürlich sind in den vergangenen Jahren gerade bei der noch recht neuen Technik der Digitalkameras enorme Fortschritte gemacht worden. Doch weshalb dreht sich das Produktekarussell nun, wo das Niveau bereits sehr hoch ist, immer noch schneller? Mir geht das immer mehr auf den Zeiger – in allen Bereichen.

Mein Auto habe ich jetzt seit sechs Jahren und ich habe noch immer Freude am Fahren damit. Facelifts gab es bereits. Aber weshalb sollte ich es austauschen, wenn es mir noch Spaß macht?

Mein iPhone ist noch immer ein iPhone 4, ich bin noch immer zufrieden damit, es ist noch immer ausreichend schnell und ich wüsste nicht was mir daran abgehen sollte. Ich sehe momentan keinen Grund es durch ein neueres oder anderes Gerät zu ersetzen.

Und was hat das mit Aperture zu tun? Gar nicht so wenig, denn Apple Aperture scheint eine Art Relikt eines Produkts zu sein, das nicht jährlich durch ein Nachfolgemodell ersetzt wird.

Das heißt nicht, dass es nicht gepflegt wird – seit Aperture 3 veröffentlicht wurde hat es 23 kleinere und größere Updates erfahren. Doch das große Upgrade auf Aperture 4 lässt weiter auf sich warten. Ich hatte gehofft, dass es bei der Veranstaltung am 22. Oktober etwas Neues zu hören gibt, wurde aber leider enttäuscht. Allerdings würde ich daraus nicht schließen, dass die nächste Aperture-Version nicht unmittelbar bevorsteht – schon das letzte große Upgrade war kurze Zeit nach einer Keynote plötzlich und völlig unerwartet veröffentlicht worden.

Ich bewundere Apples Coolness trotz der wohl nicht unerheblichen Massen ambitionierter Fotografen die das Schiff Richtung Adobe verlassen keinerlei Anzeichen von Stress erkennen zu lassen, ja ich mag es, dass es hier ein Produkt gibt das sich den sich immer schneller drehenden Produktzyklen nicht anschließt, auch wenn es mich andererseits nervt, dass du als Aperture-User keine Ahnung hast wie es um die Zukunft des Programms aussieht und ob es überhaupt noch eine Zukunft hat.

Keine Frage: Es gibt Dinge die gehören endlich nachgerüstet. Eine verbesserte und automatische Linsenkorrektur auf Basis von Linsenprofilen zum Beispiel und eine Korrektur für stürzende Linien. Dinge die alle nennenswerten Mitbewerber längst beherrschen. Allerdings gehen mir diese Dinge bei weitem nicht so sehr ab, als dass ich derzeit noch einmal von Aperture weg gehen würde. Schon zweimal bin ich weg nur um nach wenigen Monaten zurück zu kehren.

Trotz fehlender Linsenkorrekturen und endloser Ungewissheit über die Zukunft des Programms liebe ich die Arbeit damit noch immer. Ich mag die Oberfläche, ich mag die Workflows die das Programm ermöglicht, ich will nicht darauf verzichten nahezu alles mit eigenen Shortcuts versehen zu können, und ich mag auch die gute Performance und Stabilität die das Programm heute auf meinen Macs an den Tag legt (das war aber wirklich auch schon anders). Daneben sind dann fehlende Linsenkorrekturen doch eher nur Peanuts für mich. Das Gesamtkonzept zählt, nicht ein Feature hier und eines da.

Ich habe die Mitbewerber im Auge. Mit Adobe Camera Raw arbeite ich seit Jahren parallel zu Aperture (also kann ich auch die Qualität von Aperture und Lightroom vergleichen). Aktuell schenken sich die Programme nicht viel (und ich entwickle regelmäßig die gleichen Bilder in beiden Programmen). Gerade eben habe ich auch einen Vergleich mit mehreren Dutzend automatisch entwickelten Bildern aus Aperture und dem nagelneuen DxO Optics Pro 9 gemacht, nur um festzustellen, dass die Ergebnisse zwar anders, aber nicht besser sind (mir haben sie sogar weniger gut gefallen, trotz der guten Linsenkorrekturen und des hervorragenden Entrausch-Algorithmus).

Aperture ist noch immer ein sehr gutes Produkt auf Augenhöhe mit den Mitbewerbern – mit Stärken und Schwächen. Ich wundere mich ein bisschen über Anwender die glauben Aperture verlassen zu müssen, weil sich die Uhren der Updates anderswo deutlich schneller drehen. Am Ende heißt das doch auch, dass man mehr bezahlt, wenn die Upgrades jährlich anstehen, statt alle drei Jahre einmal.

Ich will niemanden von Aperture überzeugen. Ich will nur sagen, dass es auch bei Software wichtig ist, dass man sich damit wohl fühlt. Das ist nicht anders, als bei der Kamera und dem Kamerasystem. Software ist wie eine Kamera ein Instrument – sie hilft dem Fotografen durch gute Bildentwicklung Bilder zum klingen zu bringen. Dass ein gutes Werkzeug gute Qualität erzeugen können muss ist selbstverständlich. Doch jeder Fotograf ist anders, hat andere Vorlieben und Vorstellungen und entwickelt andere Workflows.

Bei mir steht in der Mitte des Workflows Aperture, ergänzt von Photoshop, das ich wiederum mit Topaz-, OnOne-, Anthropics- und DxO-Plugins ergänze. Andere bevorzugen Lightroom, andere Capture One, andere DxO Optics und noch einmal andere arbeiten mit Bridge und Camera Raw. Letzteres ist mir völlig schleierhaft – aber wie gesagt: Wir sind alle anders und gerade unterschiedliche Werkzeuge und Arbeitsweisen führen zu unterschiedlichen Resultaten.

Auch bei Software führt reine Konzentration auf Featurismus und Pixelzählerei nicht zu besseren Resultaten. Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile. Und ein Produkt ist nicht deshalb schlecht, weil andere in derselben Zeit dreimal zur Kasse bitten. Wobei auch die paar Euros für die Upgrades nicht zählen, wenn man mit dem Produkt ansonsten glücklich ist und gut arbeiten kann. Konzentriert euch auf die Arbeit mit euren Werkzeugen, arbeitet womit ihr euch wohl fühlt, und verschwendet nicht zu viel Zeit immer auf die Tools der Mitbeweber zu schielen (es reicht wenn ich das mache 😉 ).

Capture One Pro – Ineffizienz war gestern

Seit den Weihnachtsfeiertagen arbeite ich mit einem neuen Werkzeug zur Raw-Entwicklung und es wird Zeit, dass ich meiner Begeisterung Ausdruck verleihe. Vorher aber ›was bisher geschah‹:

Am Anfang war Aperture

Mein erster Raw-Entwickler war Apple Aperture. Das in der Beta-Phase befindliche Lightroom lockte aber bereits und es zeichnete sich noch vor der offiziellen Version ab, dass das Programm ein Erfolg werden würde. Immerhin kam es von Adobe und die hatten mit Photoshop Erfahrung in Bildbearbeitung wie kaum jemand sonst. Also habe ich in großen Erwartungen den Zug gewechselt und meine junge Bibliothek auf Lightroom umgestellt.

Meine Lightroom-Phase

Glücklich geworden bin ich damit nicht. Die Oberfläche des Programm ist furchtbar klobig, platzverschwenderisch gestaltet und absolut strikt. Gut. Man kann in die Kopfleiste sein eigenes Logo einpflanzen und verschiedene Schnörkel für den Abschluss der Palettenleisten definieren. Professionell finde ich diesen Umfang an Individualisierbarkeit allerdings nicht. Der Rest lässt sich kaum an die Anforderungen des Anwenders anpassen.

Dann dieses seltsame Konzept mit den fünf Räumen. Auch so eine Idee die Adobe dem Benutzer unabänderlich aufs Auge drückt. Zu allem Überfluss verknüpft das Programm mit demselben Shortcut unterschiedliche Befehle, je nach Raum, in dem ich mich gerade befinde. Zumindest in früheren Versionen war das so.

Und wenn herum nörgeln an Shortcuts sind: In InDesign, Illustrator und Photoshop rufe ich mit cmd+K die Voreinstellungen auf. Weshalb ist das in Lightroom ein anderer Kürzel?

Ihr merkt schon: Ich mag Lightroom nicht!

Zurück zu Aperture

Nach einigen Monaten unglücklicher Ehe mit Lightroom bin ich reumütig zu Aperture zurück und wenn ihr mich fragt: Es ist das bessere Programm für die Raw-Entwicklung. Zwar wird immer wieder die Kompetenz Lightrooms beim Entrauschen gelobt, aber wenn das nicht besser ist als in Adobe Camera Raw – und ich gehe davon aus es ist 1:1 die selbe Engine – dann berauscht mich das auch nicht.

Wo Aperture im Verhältnis zu Lightroom definitiv glänzt ist die Wiederherstellung von unterbelichteten und überbelichteten Bereichen – ich habe diesbezüglich einmal einen Artikel veröffentlicht.

Natürlich arbeitet das Gros der professionellen Welt mit Lightroom und ich halte die Kollegen bei Gott nicht für Nackerpatzerln. Am Ende ist es immer auch etwas subjektiv was man gut findet und was nicht. Unterm Strich findet man Licht und Schatten bei Lightroom und bei Aperture.

Lightroom vs. Aperture

Aperture wird zuweilen ein etwas zähes Ansprechverhalten nachgesagt und tatsächlich: Wer keinen Turbo im Rechner hat muss mangelnde Power mit Geduld ausgleichen. Auch die Stabilität könnte besser sein. Allerdings verfiel ich bei meinen Lightroom-Tests, die ich über die Jahren immer wieder gemacht habe, auch nicht gerade in einen Geschwindigkeitsrausch.

Was mich wundert ist, was Adobe am heutigen Tag an Neuerungen für Lightroom 4 ankündigt: Ein neues Buchmodul (sieht aus wie das, was ich von Aperture schon lange kenne); Direkte Integration von Maps (habe ich seit Aperture 3 und brauche ich so oft wie etwas anderes: Faces – nämlich exakt gar nicht).

Was ich allerdings sehr wohl brauche ist Softproofing. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich das in Aperture einmal nicht hatte. In Lightroom soll es das mit 4 jetzt auch geben. Wie um Himmels Willen! Konnte die professionelle Welt in Lightroom bislang auf den Bildschirm-Proof verzichten? Ist mir rätselhaft.

Aber wäre bei Aperture alles so, wie ich es mir vorstellte, hätte ich mich nie nach einer Alternative umsehen müssen.

Geschwindigkeit und Stabilität habe ich bereits als problematisch angesprochen. Dann verliert Aperture Bilder in der Datenbank. Ich nehme an, das passiert bei Abstürzen. Die Bilder vegetieren dann irgendwo auf der Festplatte rum. Ob die Bilder in der Aperture-Datenbank liegen oder als Verknüpfungen in separaten Ordnern ist dabei Irrelevant. Wenn Sie in Aperture nicht mehr aufscheinen sind sie so gut wie nicht mehr existent, auch wenn sie noch irgendwo auf der Festplatte Speicherplatz verspeisen.

Ein Vorteil von Aperture war für mich unter anderem die Integration in das Gesamtsystem Apple, bestehend aus meinen Macs, iPhone, iPad und mobileMe. Aber die Alben von mobileMe sollen nach der Einführung von iCloud sterben. iCloud ist mir noch immer suspekt. Und Fotostream, das Bilder annähernd in Echtzeit auf allen Geräten eines Anwenders verteilt, hat bei mir mehr Unordnung als Nutzen gestiftet.

Das schlimmste ist bei Aperture allerdings, dass man keine Ahnung hat, was Apple weiter damit vor hat. Lightroom-User sehen durch die neue Beta, dass an ihrem Programm was weiter geht. Aber Apple macht ja aus allem ein Staatsgeheimnis. Das wäre nicht so schlimm, wenn man von einer professionellen Weiterentwicklung ausgehen könnte. Leider ist bei mir der Verdacht gekeimt, Apple mache aus dem Profi-Werkzeug langfristig ein Aufsteiger-iPhoto für Hobbyfotografen und lässt den professionellen Anspruch fallen.

Was nun?

Frustriert habe ich vor Weihnachten wieder einmal ein Auge auf das aktuelle Angebot an in Frage kommenden Werkzeugen geworfen. Zunächst einmal natürlich wieder der Blick auf Lightroom. Allerdings brauchte ich nicht lange um sicher zu sein, dass damit für mich noch nicht einmal eine Vernunftehe möglich ist.

DxO Optics

Durch einen Tweet von Zoomyboy bin ich wieder auf DxO Optics Pro aufmerksam geworden. Und – wow! – was das Programm an Schärfe in ein Bild rein zaubern kann hat mich echt umgehauen. Weniger begeistern kann die Geschwindigkeit. Auf meinem Rechner waren die paar Tests mit der Software eine zähe Tortur. Mein MacBook ist nicht mehr das jüngste, aber wenn ich die Leistung mit Aperture vergleiche, dann erscheint das Apple-Programm plötzlich wie ein Ferrari.

Die Geschwindigkeit ist allerdings nicht alleinige KO-Kriterium für das Programm aus Frankreich. Darüber hinaus erscheint mir der Funktionsumfang recht überschaubar und vor allem die Individualisierbarkeit der Oberfläche zu begrenzt. Zum Beispiel habe ich keinen Dialog gefunden um Shortcuts zu individualisieren.

Wer jedoch ein Programm sucht, das Objektiv-Fehler und Verzerrungen kompetent aus Bildern heraus rechnen kann und rattenscharfe Ergebnisse erzielt, der sollte vielleicht zumindest als Zweitprogramm einen Blick auf DxO Optics werfen.

Bibble

Weiters habe ich mir auch Bibble wieder einmal angesehen. Auch hier spricht mich allerdings die Oberfläche nicht wirklich an und auch hier hatte ich den Eindruck, dass Anpassungen an individuelle Arbeitsweisen nur sehr eingeschränkt möglich sind.

Capture One Pro

Capture One Pro dürfte wohl so etwas wie der Mercedes unter den Raw-Entwicklern sein – zumindest was den Preis angeht. 300 Euro muss hinblättern, wer die Pro-Version kaufen möchte. DxO, Bibble und vor allem Aperture sind absolute Schnäppchen dagegen. Allerdings bekommt man für dieses Geld auch eine ganze Menge Professionalität.

Capture One stammt von Phase One. Phase One ist ein dänischer Hersteller von Mittelformat-Kamerasystemen und bietet soweit ich weiß die Kameras mit der höchsten Sensorauflösung an – aktuell bis zu 65 Megapixel. Capture One scheint der professionalität dieser High-End-Geräte nicht nach zu stehen.

Nach etwa drei Wochen der Arbeit mit Capture One Pro kann ich mich vor Begeisterung kaum halten. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass eine um so vieles bessere Raw-Entwicklung möglich ist. Die Resultate heben sich um Welten von dem ab, was ich mit Aperture oder Adobe Camera Raw aus meinen Bildern raus hole.

Ebenso überzeugend wie die Resultate sind, ist auch die Performance mit der das Programm zur Sache geht. Man arbeitet quasi in Echtzeit. Wartezeiten im Arbeits-Workflow gibt es kaum. Lediglich beim Exportieren von Bildern oder während des Imports lässt man dem Programm besser seine Ruhe. Allerdings sind diese Vorgänge bedeutend schneller abgeschlossen, als ich es von Aperture kenne. Viele Aktionen, wie zum Beispiel das Kopieren und Einsetzen von Entwicklungseinstellungen geht auch über dutzende Bilder hinweg so schnell, dass man sich zunächst fragt, ob das Programm jetzt überhaupt etwas gemacht hat.

Dabei scheint Capture One äußerst Ressourcenschonend mit den Recheneinheiten meines Macs umzugehen. Während Aperture die Lüfter des Laptops immer wieder einmal zum Großeinsatz aufruft, kann ich mich nicht erinnern sie schon einmal wegen Capture One groß in Aufregung gehört zu haben.

Ein weiterer Punkt der mich aus den Socken haut, ist die Benutzerfreundlichkeit und Flexibilität der Oberfläche. Der Benutzer kann jedes Detail exakt so einrichten, wie er es haben möchte. Der Funktionsumfang ist immens. Trotzdem bleibt das Programm wie gesagt intuitiv sehr zugänglich und einfach zu bedienen. Ich habe mir etwa eine Stunde lang Schulungsvideos angeschaut und nach ganz kurzer Einarbeitungszeit fühlt sich das Programm an als würde ich seit Jahren damit arbeiten.

Doch nicht nur die Oberfläche lässt sich beliebig konfigurieren. Für beinahe jedes Detail lassen sich Shortcuts konfigurieren. Ich kann Belichtung, Kontrast, Helligkeit, Sättigung, Weißableich und Färbung über Tastatur steuern. Performance und Effizienz der Oberfläche geben der Sortierung und Ausarbeitung von Bildern eine mir bislang unbekannte Dynamik.

Der Umgang mit Farbmanagement ist ein Traum. Man richtet ein Ausgabeprofil ein, definiert das Farbprofil dafür und mit einem Klick hat man den entsprechenden Softproof am Bildschirm vor Augen. Automatisch passen sich Farbwerte an den Farbraum des Zielprofils an. Im Grunde ein Detail. Aber eines von vielen, dass das Arbeiten mit Capture One zum flüssigen Vergnügen macht. Mich ärgert nur, dass ich jetzt erst damit arbeite.

Was ich weiters an Capture One schätze ist, dass es nicht wie Lightroom und Aperture auf einer Datenbank basiert. Vielmehr greift man auf beliebige Verzeichnisse auf angeschlossenen Festplatten zu. Also eher so wie der Finder am Mac, der Explorer unter Windows oder Bridge. Dateileichen auf Grund von Fehlern in der Datenbank sind somit ausgeschlossen. Die Entwicklungseinstellungen werden schlicht als XML-Datei in einem Ordner im Verzeichnis der Bilder abgelegt. Clever, die Dänen!

Wo Licht ist, ist aber auch Schatten – das soll nicht verschwiegen werden. Lightroom-Benutzer können – im Gegensatz zu Aperture-Anwendern – Objektivfehler aus Bildern heraus rechnen lassen. Capture One Pro kann das zwar auch. Allerdings nur für ausgesuchte Objektive von Mittelformatkameras. Der Anwender kann zwar manuell Fehler wie Verzerrungen und Chromatische Aberation beseitigen, doch der Luxus, das auf Basis unter Laborbedingungen entwickelten Werten automatisch ausführen zu lassen fehlt.

Aperture hat tolle Retusche Werkzeuge. Capture One hat zwar auch ein Flecken-Entfernungswerkzeug, doch im Verhältnis zur Professionalität des restlichen Programms ist das doch von eher peinlicher Qualität und Funktionalität.

Capture One beherrscht auch selektive Bildbearbeitung mit Pinseln. Das Konzept diese Arbeiten über Ebenen zu verwalten ist eine für erfahrene Photoshoper gut nachvollziehbare und leicht zu verwaltende Idee. Doch das Pinselwerkzeug bietet wenig Einstellungsmöglichkeiten, der Radierer radiert gleich einmal alles aus und die Ebenen lassen sich nicht in Ihrer Deckkraft reduzieren, was einiges Potenzial zur kreativen Bildentwicklung mit sich bringen würde.

Was ich von Aperture vermisse ist ein Regler für Lebendigkeit (in Lightroom sollte das wohl Dynamik heißen). Außerdem fehlt mir auch ein Kanalmixer.

Trotz dieser Schönheitsfehler hat mich Capture One Pro bislang völlig überzeugt und ich glaube meine Begeisterung wurde im vorangegangen Text offensichtlich. Wer nicht zu 100% glücklich ist mit seinem Raw-Entwicklungswerkzeug, oder einfach einmal über den Tellerrand hinaus schauen möchte, dem kann ich nur empfehlen die Demoversion des Programms bei Phase One herunter zu laden und einmal auf Herz und Nieren zu testen. Vielleicht versteht ihr meine Begeisterung dann.