Es war ein Erlebnis der besonderen Art, welches mich zum Schreiben dieses Artikels veranlasst.
Die großartige Canon PowerShot A620 die ich im Frühjahr gekauft habe, hat meine Begeisterung für die kreative Fotografie wiedererweckt. Aber bei aller Liebe zu der kleinen Kompakten kenne ich die Vorteile einer Spiegelreflex noch aus meinen analogen Zeiten.
Aus diesem Grund begann ich auch bald schon wieder von einer Spiegelreflex zu träumen. Noch vor Ende des Jahres möchte ich nun eine digitale SLR-Kamera kaufen und beschloss am vergangenen Freitag mich einmal in einem Fachgespräch, natürlich im Fachhandel, einen Überblick zu verschaffen und mich bei einem kundigen Berater über Vor- und Nachteile diverser Optionen zu erkundigen. Die Informationen aus diesem Gespräch sollten dann noch etwas wirken, wahrscheinlich würde ich auch noch ein oder zwei weitere Fachhändler aufsuchen um mir verschiedene Meinungen einzuholen — nebenbei sollte sich so auch herausfinden lassen wo das kompetenteste Fachpersonal zu finden ist. Gekauft würde dann in der nächsten Zeit — auf jeden Fall im Fachhandel.
Ich begab mich also zum Fachhändler in der freudigen Erwartung Auskünfte zu bekommen die mich der Entscheidung für ein bestimmtes Modell einen Schritt näher brachten. Und was dann geschah raubte mir für den Moment die Spucke: nach kurzer und gehaltloser Einleitung wurde mir erklärt, dass, wenn ich nicht mit einer konkreten Kaufabsicht gekommen wäre, es auch kein Beratungsgespräch gäbe.
Tja, ich drehte also auf dem Absatz um und machte mich auf den Heimweg. Nun informiere ich mich im Internet und wenn ich mir mein Bild zusammengelesen habe werde ich wohl auch den billigsten Anbieter im Internet suchen und bestellen; oder mich zum regionalen Media Markt begeben.
Als Corporate Designer beschäftige ich mich natürlich viel mit dem Ruf (Image) von Unternehmen und mit den Zusammenhängen zwischen dem Verhalten des Unternehmens (Corporate Behaviour) und seinem Erfolg. Vor diesem Hintergrund meiner Profession ärgere ich mich nicht einfach nur über dieses Erlebnis sondern nehme es zum Anlass meine Leser daran zu erinnern, dass die Arbeit eines Grafikdesigners, mag sie auch noch so exzellent sein, im Grunde nur Beigemüse ist. Sie kann den Erfolg eines Unternehmens fördern und das Zünglein an der Waage sein, welches den Ausschlag für das eine Produkt und die Entscheidung gegen das andere gibt. Aber wenn ein Unternehmen seinen Kunden auf diese Art entgegen tritt, dann hilft auch das blendendste Corporate Design nicht mehr.

