Thu, 12. Jan. 12

Noch sind die Hüllen über Photoshop CS6 nicht gefallen, aber es wird gemunkelt, dass der sechste Streich der Creative Suite im Frühjahr folgen wird. Zeit für uns, Galileo und mich, uns in die Startlöcher zu begeben. Wie bei jeder Auflage meines Workshop-Buchs zum Bildbearbeitungsprogramm möchte ich das Konzept auch diesmal weiter entwickeln und verbessern. Vielleicht könnt ihr mir dabei helfen.

Schreibt mir eine E-Mail oder einen Kommentar zu diesem Artikel welche Aufgaben ihr immer schon einmal gerne in einem Workshop gelöst hättet und gerne lernen würdet. Wer ein Bild mit einem konkreten Problem in seiner Sammlung hat kann mir das Bild auch zukommen lassen. Wenn es für sie/ihn OK ist und ihr mir das Recht gebt es im Buch zu verwenden, werde ich es vielleicht auch gerne einsetzen. Natürlich unter Nennung eures Namens (falls jemand auf die Idee kommt ich wolle nur billig an Material kommen: Ich kann das Buch wahrscheinlich wieder zu 90% selbst mit Bildern ausstatten und der Rest kostet bei Bildagenturen auch nicht die Welt).

Damit sich das mitmachen auch lohnt soll es natürlich etwas zu gewinnen geben. Alle, die eine Idee für einen neuen Workshop beisteuern, bekommen das neue Workshop-Buch sobald es aus der Druckerpresse fällt. Den ›Einsendeschluss‹ kann ich euch im Moment natürlich noch nicht nennen, weil ich selbst noch nicht so genau weiß, wann es wirklich in die konkrete Umsetzungsphase geht.

Kommentare: 1 (schreib deinen Kommentar)
Wie findest du den Artikel: Nicht gutGutSehr gut (Artikel bisher ohne Wertung)
Loading ... Loading ...
Mon, 09. Jan. 12

Das Thema Urheberrecht und Bilderklau erhitzt derzeit die Gemüter bloggender Fotografen. Persönlich mache ich mir wenig Gedanken wer meine Bilder für was auch immer verwendet. Es gibt Vieles, was mich mehr bewegt. Tatsächlich mache ich mir zum Beispiel mehr Sorgen über intime Momente, die ich gerne Passanten in der Street Photography klauen würde, die ich ihnen aber lasse, weil ich Skrupel vor diesem Raub habe.

Generell beschäftigt mich das Thema Urheberrecht jedoch. Ein Artikel mit dem Titel »Bilderklau – die Konsequenzen«, auf blendwerk-freiburg.de, hat meine grauen Zellen nun wieder einmal darum joggen lassen.

Wie gehen wir mit geistigem Eigentum um?

Bevor man sich graue Haare um Selbstbedienungsmentalität im Internet wachsen lässt, sollte man zunächst den eigenen Umgang mit den geistigen Werken Anderer hinterfragen: Nutze ich Software, Musik, Videos, Spiele, Schriften, etc., die auf Wegen zu mir gekommen sind, die nicht ganz den rechtlichen Lizenzvorstellung der Produzenten entsprechen?

Wer bei dieser Frage ins Stocken gerät sollte sich überlegen, ob er nicht zweierlei Maß ansetzt, wenn er über Bilder, die ihm geklaut wurden, echauffiert ist, und sich gleichzeitig bei den Werken Anderer bedient.

Ich nehme an, dass viele Leser diese Zeilen jetzt mit einem ›ja, aber …‹ auf den geistigen Lippen lesen werden. Nach meinem Gefühl haben etwa 90 Prozent kein Problem damit Musik, Filme, Software, Schriften, etc. bei Wunsch einfach aus dem Internet oder von den Festplatten von Freunden zu saugen. Wieso auch nicht: Eine Datei zu kopieren ist schließlich einfach und es macht ja eh jeder.

Belastet hat die seltsame Beziehung zwischen Content-Anbietern und Content-Konsumenten sicher der patscherte Umgang der Musik-Industrie mit manischen Vielkopierern. Die Millionenklagen gegen Jugendliche und Hausmütterchen haben diese Branche in den Augen der Öffentlichkeit zum geldgierigen Darth Vader gemacht, der eingefleischte Musikfans mit ihrer geballten dunklen Macht einfach platt macht. Es darf sich deshalb als Robin Hood fühlen, wer das Imperium um ein paar Titel erleichtert. Man nimmt es ja Quasi von den Reichen und verteilt es unter dem Armen, der man selbst ist.

Software Firmen, wie Microsoft und Adobe, die ihr Monopol nutzen, Software überteuert und zu sittenwidrigen Lizenzbedingungen an den Verbraucher zu bringen, entlasten das Verhältnis Produzent–Konsument auch nicht unbedingt.

Aber!

Ich gehe jede Wette ein, dass der überwiegende Teil der privaten Anwender von Photoshop mit illegalen Kopien arbeitet. Für die breite Masse scheint das selbstverständlich und es in Frage zu stellen erntet Stirnrunzeln und Kopfschütteln. Schließlich seien die Programme so teuer – das könne man sich ja nicht leisten!

Verstehe ich das richtig? Wenn etwas teurer ist, als ich es mir leisten kann oder will, dann darf ich es mir einfach und selbstverständlich nehmen?

Ein Mercedes SLK ist ein schönes Auto. Aber er ist mir zu teuer. Darf ich dann zum Händler gehen und ihn vom Platz flatzen?

Speziell bei Hobby-Fotografen kann ich diese Mentalität nicht nachvollziehen. Mancher fotografiert da mit einer Nikon D3 um 5.000 bis 6.000 Euro und hat Objektive davor, die im Stück ebenso 1.000, 2.000 und 3.000 Euro kosten. Da sollten doch die 1.000 Euro für Photoshop nicht zum Ruin führen. Verzichtet man halt auf ein Objektiv.

Aber Photoshop ist doch völlig überteuert!

Stimmt. Aber wenn mir jemand ein Auto anbietet und zu viel Geld dafür verlangt, kann ich es ja auch nicht mit gutem Recht klauen! Ich muss halt bei Jemandem einen Wagen kaufen, der ein akzeptables Angebot macht, auch wenn es dann vielleicht nicht genau das Modell ist.

Es gibt Alternativen zu Photoshop. Angefangen vom kostenlosen Gimp (zwar hässlich wie Sau, aber kann fast alles, was Photoshop kann) bis hin zu Pixelmator am Mac (kann zwar nicht alles, was Photoshop kann, kostet aber nur einen Bruchteil davon, ist flink wied er Blitz und fast schon zu schön gestaltet).

Sprechen wir noch von Bilderklau?

Genau. Darum ging es ja. Um Fotografen, die es nicht lieben, wenn sich Andere ihre Bilder unter den Nagel reißen.

Meine Software ist zu 100% lizensiert, meine Musik zu über 95% legal, ich setze in Grafik-Projekten nur lizensierte Schriften ein und bin mir nicht sicher, ob ich schon jemals einen raubkopierten Film gesehen hat. Ich bilde mir deshalb ein nicht mit zweierlei Maß zu messen, würde ich mich darüber aufregen, wenn sich jemand an meinen Bilder bedient und ich sauer wäre. Mach ich aber nicht. Ist nicht gesund und interessiert mich auch nicht. Ich habe Besseres zu tun.

Oder anders gesagt: Ich halte es mit Depeche Mode. Diese wurden einmal gefragt, ob sie nicht verärgert sind, wenn andere Musiker ihre Sounds klauen. Sie antworteten, dass sie sich im Gegenteil geschmeichelt fühlten; denn würden diesen Anderen ihre Sounds nicht gefallen, würden sie sich auch nicht daran bedienen.

Natürlich ist zu unterscheiden, ob ein schlichter Konsument, der sein Leben lang kaum etwas über Urheberrechte gehört hat, ein Foto für sein Facebook-Profil verwendet, weil es ihm gefällt, oder ob ein Unternehmen es in einem Folder oder der Internet-Präsentation einsetzt, weil sie die Kosten für einen Fotografen bzw. für Stock- oder Agenturbilder sparen wollen. Erstens darf man im Bereich der Marktkommunikation Professionalität und Wissen um Urheberrechte erwarten und zweitens ist es dann einfach Bereicherung an den Leistungen anderer.

Im Grunde ist das nichts anderes als Software-Piraterie. Jemand anders investiert Zeit (und wir wissen ja: Zeit ist Geld) um eine Leistung zu erbringen und jemand anderes reißt sich das unter den Nagel um damit selbst, ohne viel Aufwand, abzusahnen. Wobei ich gestehen muss, dass ich den Kunden dieser Piraten nicht sonderlich besser finde, als den Piraten selbst. Ohne Kunden keine Piraten. So einfach ist das.

Persönlich verzichte ich nicht deshalb auf Raubkopien, weil ich Angst vor Verfolgung und Strafe habe, sondern weil ich es es einfach für unrecht halte. Es ist schlicht eine Frage der Haltung.

Recht, aber mit Augenmaß

So traurig es klingt: Wer sich ärgert, wenn sich Leute an seinen Werken einfach bedienen, sollte keine ins Internet stellen. Stelle ich etwas Brauchbares oder gar Wertvolles vor das Haus oder an einen öffentlichen Platz, darf ich mich auch nicht wundern, wenn es eines Tages weg ist. Dabei ist das Bewusstsein, dass Hardware nicht gestohlen werden darf, relativ hoch – sieht man einmal von Seifen und Badetüchern in Hotels ab, die bei Gelegenheit viele Zeitgenossen zu Dieben zu machen scheinen. Geht es hingegen um Software – und nichts anderes sind digitale Bilder – ist Unrechtsbewusstsein offensichtlich mehr Ausnahme als Regel. Sogar Jene, die selbst von der Erstellung geistiger Werke leben, haben oft keinen Respekt vor den geistigen Leistungen anderer.

Nun gibt es auch Leute die resolut und konsequent gegen die Selbstbedienung im Internet vorgehen. So hörte ich von einer Künstlerin, die Google auf Unterlassung geklagt hat, weil Ihre Kunstwerke von irgendeiner Galerie-Website in die Bilder-Suchergebnisse der Suchmaschine geraten waren. Grundsätzlich ist dieses Ansinnen sicher rechtens; wer etwas schafft, sollte auch bestimmen dürfen, was damit geschehen darf und was nicht. Doch was würde aus dem Internet, wenn sämtliche Urheberrechtsbestimmungen so scharf exekutiert würden würden, wie sie geschrieben wurden?

Es würde verstopfen und zusammenbrechen!

Mein Blog visuelle Inspiration als Beispiel: In diesem Blog veröffentliche ich interessante Designs, Fotos, Werbung, etc. Alles, was ich visuell inspirierend finde, für mich als Lesezeichen ablegen und mit Anderen teilen möchte.

Ich sehe das als Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Mein Blog bekommt durch die Fundstücke Traffic und mein Name vielleicht etwas Bekanntheit, was den Absatz meiner Bücher fördern könnte. Der Gestalter der präsentierten Fundstücke bekommt Aufmerksamkeit. Der Besucher bekommt Inspiration. Grundsätzlich gehe ich aber davon aus, dass sich dieser Blog aber am Rande der Legalität bewegt und ich jederzeit mit einer Abmahnung rechnen muss.

Ich denke, dass der Blick auf Urheberrechte von Augenmaß, Toleranz und Verständnis getragen werden sollte. Nicht jeder, der ein Bild in seinem Facebook-Profil postet, ist von krimineller Energie geleitet. Viel wichtiger ist aber vor allem zunächst vor der eigenen Haustüre zu kehren und sich selber an der Nase zu nehmen. Es geht um Haltung. Es geht darum, die Leistungen und Werke anderer zu respektieren. Dann kann man auch Respekt für die eigenen Werke verlangen.

Kommentare: 2 (schreib deinen Kommentar)
Wie findest du den Artikel: Nicht gutGutSehr gut (Artikel bisher ohne Wertung)
Loading ... Loading ...
Mon, 19. Dec. 11

Wer sich für Lichtführung mit Blitzen interessiert, sollte auch einmal das E-Book ‘Lighting101’ von Krolop und Gärst ansehen. Darin wird zwar das Beleuchten mit entfesselten Systemblitzen erklärt; aber abgesehen davon, dass Studioblitze kräftiger beleuchten, dürften sich die Grundlagen nicht wesentlich von der Lichtführung mit den kleinen Aufsteckblitzen unterscheiden. Das PDF sollte demnach für alle interessant sein, die sich für Blitzlicht interessieren und einsteigen wollen.

Für 9,99 kann man das E-Book bei Krolop und Gerst einkaufen. Wer Mitglied bei FotoTV ist, oder mit dem Gedanken spielt eine Mitgliedschaft zu testen, kann sich den Preis auch sparen, denn Mitglieder von FotoTV bekommen das E-Book als Weihnachtsgeschenk gratis.

Für alle, die FotoTV noch nicht kennen: FotoTV ist eine Lernplattform für Fotografen mit mittlerweile wohl hunderten Videos und Tutorials zum Thema Fotografie. Für eine Abbo-Gebühr ab etwa 15 Euro im Monat kann man sich Fotografie-Info rein ziehen bis zum Abwinken.

Kommentare: 2 (schreib deinen Kommentar)
Wie findest du den Artikel: Nicht gutGutSehr gut (Artikel bisher ohne Wertung)
Loading ... Loading ...
Sat, 17. Dec. 11

Seit ich begonnen habe Bücher zu »Photoshop«, der »Nikon D700«, »Grafik und Gestaltung« und »Kreativ fotografieren« zu schreiben, war Zeit, meinen Blog und meine Kontakte in den sozialen Netzwerken zu pflegen, Mangelware. Seit »Kreativ fotografieren« fertig ist ist der permanente Zeitdruck zu Ende. Ich genieße das und bin wieder aktiver am Bloggen, Feed-Abbos durchstöbern, bei Facebook, Google+ und bei Twitter. Vor allem die Foto-Blogger-Szene ist ja besonders aktiv und wie mir scheint auch sehr kontaktfreudig.

Diese Woche bin ich mit Jana Mänz von www.janasworld.de – als Frau zur Minderheit der Foto-Blogger zählend – in Kontakt uns ins Gespräch gekommen. Ich hatte Sie mit der Bitte kontaktiert ihr »Kreativ fotografieren« als Rezensionsexemplar zusenden zu dürfen. Wir haben uns während der Woche einmal via Skype verbunden, über Fotobücher, Fotografie, Fotoschulen, die unterschiedlichen Zugänge von Frauen und Männern zur Fotografie und die Foto-Blogger-Szene unterhalten.

Jana betreibt auf ihrem Blog eine eigene Fotoschule, die völlig anders funktioniert als meine. Sie veröffentlicht keine Artikelserie in Form eines Buches, sondern betreut und berät ihre Fotoschüler – besser gesagt meist Schülerinnen – direkt und aktiv, zum Beispiel in Form von Bildbesprechungen. Ein interessanter Ansatz, wie ich meine; nicht nur für Fotografinnen.

Für das kommende Jahr steht bei ihr ein Webinar zum Thema »selbständig machen als Fotograf« in der Pipeline. Ich habe mir die Sache einmal angesehen und finde sie sieht sehr interessant aus. Vor allem hat mich der Preis von 390 Euro überrascht. Wäre bei mir der Jahresbeginn 2012 nicht schon ziemlich dicht hätte ich mich gleich angemeldet. Ich bin zwar schon seit langem (als Grafiker) selbständig, aber man lernt nie aus.

Anbei eine gekürzte Beschreibung Janas des Webinars.

Kreative Wege, sich als Fotograf/Fotodesigner selbständig zu machen.

Sie wollen aus Ihrem Hobby, der Fotografie einen Beruf machen, Sie haben das Gefühl, dass nichts anderes Ihnen so viel erfüllte Zeit bieten kann? Aus diesem Grund haben wir unser Webinar unter dieses Motto gestellt: »Tue das, was du liebst und liebe das,was du tust! – ›Kreative Wege, sich als Fotograf/Fotodesigner selbständig zu machen‹«.

Wir haben Dozenten aus dem Fotografie-Business eingeladen. Dabei sind u.a. der erfolgreiche Werbefotograf und Autor Jens Brüggemann, der Justizar des Deutschen Verbandes für Fotografie e.V. (DVF) Wolfgang Rau sowie Business Coach Petra Rexroth aus London, der CEO der Bildagentur westend61, Gerald Staufer, sowie weitere Dozenten, die unsere Webinare mit ihrem Fachwissen und Know-How begleiten werden.

Mehr Informationen findet ihr hier.

Fotografie Webinar: Selbstständig machen als Fotograf

Kommentare: 0 (schreib einen ersten Kommentar)
Wie findest du den Artikel: Nicht gutGutSehr gut (Artikel bisher ohne Wertung)
Loading ... Loading ...
Thu, 15. Dec. 11

Digitalfotografie hat Bilder den Kosten enthoben. Du kaufst eine Kamera, eine Speicherkarte und einen Computer, und irgendwie: Je mehr Bilder du machst, desto besser fällt das Preis-per-Bild-Verhältnis aus. Wenn deine Kamera 100 Euro kostet und du machst ein Bild damit, hat dich dieses Bild 100 Euro gekostet. Zwei Bilder kosten dich je 50 Euro, 4 Bilder je 25 und 40 Bilder je 2,50.

Die Rechnung ist natürlich Unsinn. Niemand wird so denken. Aber es zeigt, dass ein Bild nichts mehr kostet. Sind Bilder deshalb nichts mehr wert?

Die omnipräsente Kamera

Ich habe die beliebteste Kamera bei Flickr: Ein iPhone. Ich habe auch einige Apps mit denen man Fotos machen und gleich mit coolen Effekten versehen und direkt zu Flickr, Twitter oder Facebook hochladen kann. Ich habe in den letzten Tagen auch überlegt ob ich auf den Instagram-Zug aufspringen soll. Immerhin: Jedes Bild, das du bewusst aufnimmst, trägt zu deiner Entwicklung als Fotograf bei.

Älter als die Zeitung von gestern

Aber was dann? Sind diese, in den sozialen Netzwerken publizierten Schnappschüsse, jemandem mehr als einen flüchtigen Blick wert? Ist der Tweet oder der Facebook-Status von vor fünf Minuten nicht schon älter als die Zeitung von gestern und die damit geposteten Bilder mit ihm? Dabei kann man noch nicht einmal Fisch darin einwickeln!

Sicher: Wenn ich das Glück habe mit meinem iPhone eine bemerkenswerte Szene zu erwischen, dann ist es die Publikation sicher wert. Was aber ist mit den 99,9% restlicher Aufnahmen, die nichts Spektakuläres darstellen? Wenn sie schon jetzt niemandem mehr als eine Sekunde Aufmerksamkeit entlocken können – werde ich sie selbst in einem Monat, einem Jahr oder in der Pension noch einmal anschauen wollen? Oder vergrößern sie nur einen gigantischen Haufen visueller Eindrücke in digitalen Quadraten festgehalten?

Digitalfotografie ist Freiheit (für mich)

Ich liebe die digitale Fotografie, weil sie es mir ermöglicht frei zu probieren und zu experimentieren und zu lernen, ohne, dass jedes Bild meine Geldtasche plündert. Ich genieße den Luxus Bilder zu machen, von denen ich schon vor dem Fotografieren weiß, dass das Licht, der Hintergrund oder andere Rahmenbedingungen eine gelungene Aufnahme unmöglich machen. Wenn ich mit meiner Einschätzung richtig lag, ist das Foto schnell gelöscht. Doch manchmal täuscht meine Einschätzung und das Resultat hat doch etwas reizendes. Das ist für mich auch eine Form der Freiheit.

Sicher: Analoge Fotografen können jetzt einwerfen, dass das eine feige Einstellung ist. Ich möchte, dass mich das Scheitern nichts kostet. Für den Analogfotografen ist jede Aufnahme eine Investition. 36 Aufnahmen machen einen Film voll, die Entwicklung kostet Geld und den Film kann man nach der Bildentwicklung icht wieder leeren und für die nächsten 36 Aufnahmen nutzen.

Es ist legitim diese Herausforderung zu suchen. In meinen Augen ist das weder besser noch schlechter als digital zu Fotografieren und ich würde mir den Respekt von Analogfotografen gegenüber der Digitalfotografie wünschen, den Digitalfotografen der analogen entgegen bringen. Was zählt ist die Freude an der Fotografie und Resultate, die den Betrachter berühren. Egal ob die Bilder chemisch oder elektronisch zustande gekommen sind.

Nicht jede Aufnahme ist bemerkenswert

Digitalfotografie heißt für mich aber nicht, dass ich jeden Schnappschuss und jede Aufnahme einer Serie von zwei Dutzend Ansichten einer Blume aus verschiedenen Perspektiven behalten muss, geschweige sie ins Internet stellen. Nicht jede Aufnahme ist bemerkenswert und man muss deshalb auch nicht jedes Bild archivieren. Bilder löschen ist auch ein Teil des kreativen Prozesses, dem sich der Fotograf stellen muss.

Ich werde es deshalb es wohl auch unterlassen mich mit täglich zehn Bildern an Instagram zu beteiligen und jeden Schritt den ich mache, durch unscharfe und mit Effekten versehene Bilder öffentlich zu dokumentieren.

‘Just because we can’ ist keine ausreichende Begründung für ein Bild

Digitalfotografie sollte nicht heißen, gedankenlos Speicherkarten voll zu stopfen und jeden Kuhmist zu digitalisieren. ‘Just because we can’ ist kein Ausreichendes Argument für eine Aufnahme. Wenn es mir ausschließlich ums Fotografieren geht, ohne dass mich die Resultate noch interessieren, ist das legitim – eine Speicherkarte brauche ich dazu aber nicht. Noch nicht einmal eine Batterie.

Gute Bilder sind Resultat von Kreativität, offener Augen und der aktiven Auseinandersetzung mit dem Motiv. Und das wird auch so bleiben, egal welche Ästhetik- und Kreativitätsautomatismen die Marketingabteilungen von Kameraherstellern in ihre Geräte einpflanzen. Welchen Sinn hätte Fotografie überhaupt noch, wenn am vorderen Ende der Fotograf beim Fotografieren nur mehr den Auslöser drücken muss und die Kamera alles, bis auf den Bildausschnitt und die Schärfentiefe automatisch wählt, und am hinteren Ende die Resultate eh niemand mehr sehen will?

Nicht jedes Bild ist es wert archiviert zu werden. Das meiste ist weder persönlich noch historisch eine Katastrophe, wenn man es so schnell wieder löscht, wie man es aufgenommen hat. Publizieren muss man es schon gar nicht – auch nicht ‘just because we can’.

Die Flut, die keine Spuren hinterlässt

Wir werden ohnehin von viel zu vielen Bildern überflutet. Die Welt der neuen Medien beschießt uns mit einem Dauerfeuer visueller Reize, denen wir nirgends entgehen können. Schon die guten Bilder sind um Tonnen mehr, als wir registrieren können – an Genuss kann ich dabei gar nicht denken. Wir schwimmen in einer Flut an Eindrücken die immer schneller an uns vorbei zieht.

Aber wird dieses Dauerfeuer an Bildeindrücken Fotografie überhaupt gerecht? Ist Fotografie nicht viel eher das Einfrieren der Zeit das Stille braucht die Werke zu betrachten und wirken zu lassen?

Etwas Entschleunigung, aktive Auseinandersetzung mit den Resultaten unserer fotografischen Aktivitäten und der Mut zu löschen, was nicht bemerkenswert ist, würde uns sicher gut tun. Denn die Bilderflut die aktuell an uns vorbei schwappt hinterlässt doch im Wesentlichen eines: keine Spuren.

Kommentare: 2 (schreib deinen Kommentar)
Wie findest du den Artikel: Nicht gutGutSehr gut (Artikel bisher ohne Wertung)
Loading ... Loading ...