Auf meinem Auto pickt ein Apfel. So viel zur Objektivität meiner Artikel zum Thema Apple.
Über das, was ich in den letzten Tagen an Berichterstattung und Kommentaren zu Apples »Antennagate« gelesen habe, kann ich nur den Kopf schütteln. Apples iPhone 4 hat ein Problem mit der Antenne. Wenn man das Telefon auf bestimmte Art hält, dann fällt die Empfangsqualität etwas ab. Die Reaktionen des Konzerns auf die Berichte darüber waren nicht teilweise nicht sehr professionell, am bedenklichsten ist, dass man entsprechende Kommentare aus den Diskussionsforen der eigenen Server gelöscht hat.
Zum Problem: das iPhone hat zwei außen liegende Antennen und wenn man durch die Handhaltung die Trennung dazwischen überbrückt, sinkt die Empfangsleistung. Nachdem ein Testportal darüber berichtet hatte, forderte die internationale Presse und eine Reihe prominenter Berufener eine Rückrufaktion. Das Problem wurde mit den technischen Problemen der Bremsen in manchen Toyota-Fahrzeugen verglichen.
Hallo!? Dort geht es um Menschenleben, hier um die Reduzierung der Empfangsleistung die unter bestimmten Bedingungen zum Abbruch von Telefongesprächen führen kann. Der Vergleich ist zum hinken schon gar nicht mehr in der Lage.
Die Testseite Consumer Reports hat das iPhone getestet, das Problem mit der Antenne entdeckt und spricht dem iPhone keine Empfehlung aus. Soetwas ist Alltag in Fachzeitschriften und Testmagazinen. Ein Produkt wird getestet und am Ende heißt das Fazit Pro, Kontra, Testsieger oder nicht zu empfehlen. OK. Das iPhone bekommt keine Empfehlung. Das ist ja in Ordnung und jeder kann sich nun entscheiden ob der der Empfehlung zur nicht-Empfehlung nachgeht, oder trotzdem ein iPhone 4 kauft (so wie ich). Aber ist das ein Grund zur Rückrufaktion?
In der ganzen Debatte scheinen sich Viele gegen Apple eingeschossen zu haben. Die Frage wie gut die Empfangsleistung des iPhones generell ist, ob dieses Problem bei anderen Handys auch auftritt, und ob die Leistung des iPhones durch den Leistungsabfall noch immer besser ist als der Durchschnitt der Konkurrenzprodukte, oder aber schlechter, scheint die Kritiker nicht zu interessieren. Ich kann gut verstehen, dass Apple da zur Flucht nach vorne ansetzt, und demonstriert, dass die Produkte von Mitbewerbern dasselbe Problem haben. Ob der Einbruch der Empfangsleistung vom reinen Abschirmen des Handys, oder, wie beim iPhone 4, vom Überbrücken der Isolierung zweier Antennen herrührt, ist doch haarspalterei.
Interessant an der Angelegenheit ist vor allem, dass Kommentatoren und Blogger, die sich jetzt bemüßigt fühlen Ihren Senf zur Angelegenheit beizusteuern, durchwegs eines gemeinsam haben: Sie haben kein iPhone und wollen auch keines. Ich habe bisher keinen Kommentar oder Bericht eines Anwenders gelesen der ein iPhone 4 hat und sich darüber beschwert. Alles, was ich von jenen lesen konnte, die es bereits in Händen hatten, war, dass ihnen das Gerät gut gefällt. Aber verteidigen darf man das Produkt, beispielsweise bei standard.at nicht, denn dann wird man sogleich als Apple-Jünger angegriffen, der Nachts vor einem Schrein zu Steve betet.
Als Apple-Fan (ja, ich liebe die Produkte des Unternehmens, und das aus gutem Grund, bete aber nicht zu Steve) finde ich es schade, dass Apples Image durch die schwer negativ gefärbte und in meinen Augen wenig objektive Berichterstattung deutlichen Schaden nimmt.
Betrüblich finde ich vor allem, wie viele Leute sich auf der einen Seite über Apples Fehler aufs übelste auslassen können und, auf der anderen Seite, dass der aus Gier und Fahrlässigkeit resultierende Fehler eines Ölkonzerns, der ganze Küstenstriche auf Jahre und vielleicht Jahrzehnte hinaus verpestet, zu wenig Leute berührt, als dass man einen Bogen um deren Zapfsäulen machen könnte.
Ich will den Fail von Apple nicht mit dem Fail von BP vergleichen. Doch dass das eine derzeit so hohe Wellen schlägt, während das andere schon fast wieder aus den Schlagzeilen raus ist, und dass der Konsument gar keine Konsequenz aus dem BP-Desaster gezogen hat, das ist schon sehr bedauerlich.
Zurück zu einem anderen Vergleich: Auch Toyotas Image, und das ganze Unternehmen, hat durch die Berichterstattung und die Konsumentenbeschwerden zum Problem mit verklemmenden Fußmatten in den Bremspedalen enormen Schaden genommen. Wochenlang war es in den Schlagzeilen. Letzte Woche hörte ich eine Kurzmeldung, wonach sich nach dem Abschluss der Untersuchungen zu den tatsächlichen Unfallursachen heraus gestellt habe, dass in einem einzigen Fall tatsächlich eine verklemmende Fußmatte Auslöser eines schweren Unfalls war. Im Rest der Fälle, war Versagen des Fahrers Ursache für die Schwere von Unfällen, weil auf das Gaspedal gedrückt wurde, statt auf die Bremse, was anscheinend, bei den in USA üblichen Automatikfahrzeugen gelegentlich vorkomme.
Also, liebe Medien und iPhone-Verweigerer. Berichtet, sagt eure Meinung und wählt die Produkte die euch gefallen. Aber lasst doch bitte die Kirche im Dorf.