Me und d610

Mein 11. Buch ist da. Gestern angekommen. Es ist die Überarbeitung des Nikon-D600-Buches zur D610 in neuem Gewand – das D600-Buch ist ja ein Taschenbuch im kleinen Format, das D610-Buch hat Hardcover und ist größer. Das gilt übrigens auch für das kommende Olympus-OM-D-Buch.

Inhalt, Aufbau und Didaktik folgen demselben Konzept wie »Kreativ Fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«, »Kreativ fotografieren mit Nikon D600« und »Kreativ fotografieren mit Nikon D7100«. Wer sich also einen Überblick verschaffen möchte, was Leser darüber denken, besucht über die Links Amazon und stöbert in den Rezensionen.

Kreativ Fotografieren mit Nikon D610 ist wie die Vorgänger kein Handbuch, sondern eine anspruchsvolle Fotoschule für ambitionierte fotografische Ein- und Aufsteiger (das aber durchaus auch Semiprofis etwas zu geben scheint – siehe Amazon-Rezensionen), die die Funktionen der Kamera vor dem Hintergrund der praktischen Anwendung beschreiben und das Ganze mit den erforderlichen Grundlagen, der Theorie und den Zusammenhängen unterfüttert. Es ist gegliedert in die Kapitel »D610: Nützliches Zubehör und Voreinstellungen«, »Perspektive: Objektive und Bildwinkel«, »Schärfe: Fokussierung und Schärfentiefe«, »Belichtung: Einstellen und korrigieren«, »Komposition: Auto gibt’s hier nicht« und »Entwicklung: Digitale Dunkelkammer«. Wie üblich konzentriere ich mich ganz auf die praktische Fotografie, klammere Video komplett aus, befasse mich dafür mit passenden Objektiven, Tragesystemen, Taschen, Bildkomposition und der Ausarbeitung der Bilder in der Digitalkamera – bei letzterem vor allem in aller Tiefe mit den Vorteilen des Fotografierens im RAW-Format.

Auf der Website von dpunkt lassen sich Inhaltsverzeichnis, Vorwort und das erste Kapitel als vollständiges Demokapitel herunterladen. Für Rückmeldungen zum Buch bin ich jederzeit dankbar und natürlich auch für Rezensionen, die ihr bei Amazon (oder sonst wo) schreiben möchtet.

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Zu einem meiner Artikel erhielt ich den folgenden Kommentar (von mir gekürzt):

»Für jemanden wie mich, der eher zu den unbedarften ab-und-zu-Knipsern zählt, ist das Durchwühlen unzähliger Testseiten, Blogs und Berichte sehr verwirrend. Man möchte als unerfahrener Amateur mit kleinem Budget eigentlich eine Hilfe, die man so nicht bekommt. Da werden Testfotos von guten und schlechten Kameras nebeneinander gestellt, wo ich mich frage, wo ist der Unterschied? Da wird sich in technischen Details und Laborwerten verloren, die einen als Laien eher verwirren. Und dann liest man ›Ja die Kompakte ist nicht schlecht, aaaaber für richtig vernünftige Bilder brauchst Du DLSR.

??? Brauch ich ??? Was sind denn nun vernünftige Bilder?

Brauch ich APS-C oder MFT, wenn’s nur das Familienfeierbild oder das Urlaubserinnerungsfoto werden soll? Ich will mir keinen Fuhrpark an Kameras und Objektiven zulegen, ich möchte die eine Kamera, die meine bescheidenen Belange abdeckt. Gewicht und Größe sind mir völlig egal. Ich will nur der Verwandtschaft zeigen, ›Kuck mal ich war am Brandenburger Tor!‹«

Da ich glaube, dass er ein Problem anspricht, das viele Beschäftigt (wahrscheinlich sogar alle, die Laien sind und beschließen eine Kamera zu kaufen), kommt die Antwort hier als Artikel.

Um es gleich vorne weg zu sagen: Die Antwort auf die Frage »welche Kamera soll ich kaufen?« gibt es nicht. Die richtige Antwort auf alle Fragen lautet: Es kommt drauf an. Sorry! Würde es die eine Kamera geben, mit der sich die Frage allgemeingültig beantworten ließe, dann gäbe es keine anderen Kameras.

Die ideale Kamera sieht für jeden Fotografen anders aus!

1. Anspruch | Wie viel Qualität brauche ich, bzw. wie viel Qualität sehe ich überhaupt? Für einen musikalischen Laien mag das billige Keyboard nicht vom großen Konzertflügel zu unterscheiden sein, also weshalb soll er in seiner Wohnung Wände durchbrechen um Platz für einen Bösendorfer zu schaffen? Dem Philharmoniker hingegen können feinste Unstimmigkeiten in den Nuancen Kopfschmerzen bereiten.

Selbstverständlich spürt jeder Betrachter den Unterschied, zwischen laienhaften Schnappschüssen und Werken, die von Profis mit Profiausrüstung gemacht wurden. Doch es war nicht die Ausrüstung des Profis, die für die umwerfenden Ergebnisse gesorgt hat, sondern vor allem seine Ausbildung, langjährige Erfahrung und Leidenschaft zur Fotografie.

Und auch bei ihm kam die Aufnahme nicht so aus der Kamera, wie sie im Magazin und im Internet zu sehen ist, sondern er hat aus Dutzenden, Hunderten oder gar Tausenden Aufnahmen die beste herausgesucht, und diese professionell mit professioneller Software entwickelt. Nicht, weil es ihm nicht gelang, die Aufnahme von Anfang an perfekt zu machen, sondern weil er am Computer noch vieles herausholen kann, was vorher einfach nicht möglich ist. Auch dafür braucht er Erfahrung und Zeit – und ein Rohmaterial aus der Kamera, das nur professionelle Geräte liefern. Wohlgemerkt: Nicht die Software hat entwickelt – ER hat entwickelt! Ohne die professionelle Erfahrung bei der Aufnahme und bei der Entwicklung bringt die teuerste Profikamera allerdings wirklich nicht bedeutend viel mehr, als die kompakte Knippse.

2. Wie wird fotografiert | Es hat auch damit zu tun, wie man fotografiert. Wer nicht besonders mobil sein muss oder gar vorrangig Stillleben im Studio macht, für den mag Mittelformat das Maß der Dinge sein. Für Fashion und Beauty ist man mit Vollformatkamera agiler, man möchte aber dennoch nicht auf das voluminöse Gehäuse einer professionellen DSLR verzichten. Wer viel unterwegs ist, für den empfiehlt sich in meinen Augen eine Systemkamera – das kann eine APS-C- oder MFT-Kamera sein, je nachdem, was einem besser gefällt, was sich für einen besser anfühlt, womit man besser zurecht kommt. Vollformat wird in Sachen Transportabilität niemals die Vorzüge von APS-C oder MFT erreichen!

Wer keine Objektive wechseln will, der ist auch mit einer Kompakten gut bedient. Die haben zwar tatsächlich den Nachteil der großen Schärfentiefe, das heißt eine Kamera mit MFT, mehr noch APS-C und noch mehr Vollformat, wird immer nettere Porträts machen, weil jeder potenziell störende Hintergrund auf Grund der Charakteristik dieser Systeme unscharf wird, wohingegen alle wirklich kompakten Kameras hässliche Hintergründe gnadenlos scharf abbilden. Dafür kann man mit der kompakten wunderbar unkompliziert Makro machen, was mit MFT-, APS-C und Vollformat kaum ohne Spezialobjektive geht und auch dann ohne Blitze nur wischi-waschi-unscharf.

3. Individuen haben individuelle Vorlieben | Jeder Fotograf hat seine subjektiven Vorlieben. Deshalb liebt der eine Canon, der andere Nikon, der dritte schwört auf Pentax, wieder einer, für den gibt es nichts anderes als Fuji, und so weiter. Die meisten können unzählige Argumente für ihr System nennen und manche können wunderbar alles madig machen, worauf nicht ihr Kameralabel gedruckt ist. Ich für meinen Teil liebe meine OM-Ds und halte, wenn es rein um Preis/Leistung geht, die Nikon D7100 für die aktuell beste Digitalkamera. Aber auch das ist subjektiv.

Schön und gut. Aber was helfen diese drei Ansagen Leuten, die noch keine Erfahrung haben? Die noch nicht wissen, wo ihr Anspruch liegt, was und wie genau sie fotografieren wollen und wie ihre subjektiven Vorlieben beschaffen sind? Ohne Erfahrung hat man meist noch keine Vorlieben!

Das ist ein Problem, das man als Anfänger in jedem Bereich hat. Als ich begann Musik zu machen, kaufte ich meinen ersten Bass gebraucht um 1000 Schilling, entdeckte aber bald, dass der Hals ziemlich klobig war, was das Spielen etwas mühsam machte. Also kaufte ich einen neuen, teureren Fender-Bass, der mir aber mit der Zeit auch nicht mehr so gefiel. Es folgten noch zwei weitere, bis ich endlich damit zufrieden war. Für die beiden Bässe zwischen dem gebrauchten, zum Anfangen, und meinem Esh-Bass, mit dem ich dann nachhaltig glücklich war, bezahlte ich Lehrgeld. Ein anderes Beispiel: Ich fuhr einst einen alten 3er-BMW. Der hatte (ca.) 113PS. Als ich später meinen ersten Neuwagen kaufte, einen Skoda Fabia, hielt ich aus meiner BMW-Erfahrung (ca.) 105PS für einen Kleinwagen für ausreichend, lernte aber bald, dass 113PS aus 1,8 Liter und 105PS aus 1,4 Liter ein Unterschied sind. Lange war ich nicht glücklich mit dem Skoda – auch für ihn hatte ich Lehrgeld bezahlt, weil ich es noch nicht besser wusste.

Niemand kann jemandem die Frage »welche Kamera soll ich kaufen?« mit einem bestimmten Modell beantworten. Schon gar nicht, wenn man den Fragenden nicht kennt und keine Ahnung davon hat, wie, was und wo er fotografieren wird. Das geht genauso wenig, wie bei der Frage »welches Auto soll ich kaufen?«. Ich kann aber ein paar Anregungen geben (zur Kamera, nicht zum Auto).

1. Schnappschüsse kann jedes Telefon | Während des Tages liefern Smart Phones heute hervorragende Resultate. Wer nur der Verwandtschaft zeigen will, wie es am Urlaubsort ausgesehen hat, braucht eigentlich nicht mehr. Dass man damit großartige Fotografie machen kann, davon kann sich jeder auf der Seite des »iPhone Photography Awards« überzeugen. Das Gros der Aufnahmen auf Flickr & Co aus Ein-, Aufsteiger- und Profi-DSLRs kann den Aufnahmen dort nicht das Wasser reichen.

2. Es gibt keine schlechten Kameras | Zumindest nicht, so lange man bei etablierten Herstellern, wie Canon, Nikon, Pentax, Olympus, Fuji und Sony, aber auch Samsung und Panasonic, einkauft – für Hausmarken von Aldi & Co würde ich die Hand eher nicht ins Feuer legen. Alle kochen sie nur mit Wasser, alle Marken haben ihre Stärken und Schwächen, alle haben sie tolle Geräte in den Regalen, und Modelle die weniger der Hammer sind, alle haben Modelle mit gutem Preis/Leistungsverhältnis und solche, über die man geteilter Meinung sein kann. Welche das genau sind, kann bei der Vielzahl an Modellen niemand sagen, da niemand ausreichend Erfahrung mit allen haben kann.

Meine Empfehlung aus eigener Erfahrung (siehe auch hier): Nikon D7100, wenn jemand eine gute DSLR will, Olympus OM-D E-M5 oder E-M1, wenn man eine kompakte, ausgezeichnete Systemkamera haben möchte, Canon S110 (oder sonst eine der S-Reihe) oder Olympus XZ-10, wenn jemand eine taschenfreundliche Kompakte sucht. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass man mit diesen Modellen nichts falsch macht, bin mir aber sehr wohl bewusst, dass es viele andere tolle Kameras gibt. Wer ein anderes Modell von einem der etablierten Hersteller kauft und dabei wirklich eine Niete zieht, der hat einfach Pech gehabt. Nieten findet man sicher bei jedem (ich fand zum Beispiel die Olympus XZ-1 eine Niete), doch sie sind die Ausnahme, nicht die Regel. Meist bekommt man, wofür man bezahlt – wer mehr ausgibt, darf mehr Features und bessere Leistung erwarten, wobei natürlich immer das eine Modell etwas besser, das andere etwas fragwürdiger kalkuliert ist. Der springende Punkt ist aber, dass man mit kaum einem Modell wirklich als der Angeschmierte aussteigt. Dass man subjektiv, mit dem was objektiv eigentlich OK ist, möglicherweise nicht glücklich wird, ist ein anderes Thema.

3. Berichte und Tests mit Vorsicht genießen | Eine meiner wichtigsten Quellen um mich über Fotoausrüstung zu informieren ist dpreview.com. Die Tests sind fundiert und das ganze scheint insgesamt seriös und kompetent. Trotzdem wurde dort (wie sonst auch überall) die Olympus XZ-1 als (damals) aktuell beste Kompaktkamera empfohlen und nachdem ich sie gekauft hatte, kam ich zur Erkenntnis, dass sie für mich Praxisuntauglich ist.

Weiters sehe ich mir die Labortestergebnisse bei dxomark.com an. Doch solche Tests sind eines, wie einem das, was Objektive und Kameras ausspucken, subjektiv gefällt, ist etwas anderes. Ich habe es durchaus schon erlebt, dass mir die Resultate eines Objektivs subjektiv besser gefielen, als es Tests nahelegen. Ich finde es interessant mich zu informieren, aber nur wenn die Resultate außergewöhnlich schlecht (oder extrem gut) ausfallen, wird es für mich für eine Kaufentscheidung wirklich relevant. Ich würde nie eine Kamera gegenüber einer anderen vorziehen, wegen des Rankings bei dxomark.com – für Objektive gilt dasselbe.

Daneben lese ich Berichte auf Blogs und in Magazinen mit Interesse, ohne, dass sie mich großartig beeinflussen. Dass hier kritisch berichtet wird ist eher die Ausnahme, als die Regel. Das ist für mich auch nachvollziehbar. Hersteller und Magazine sind voneinander abhängig. Magazine leben von der Werbung der Hersteller und sind darauf angewiesen von ihnen Modelle zum Testen zu bekommen. Man wird sich also davor hüten zu harsche Kritik zu veröffentlichen. Und als Blogger geht es einem kaum anders. Zumindest ich täte mir schwer eine Kamera, die mir ein freundlicher Mitarbeiter eines Markenherstellers zu Testzwecken zur Verfügung stellt, zu zerreissen. Nicht, weil ich fürchten würde, dann keine Kameras mehr zu bekommen, sondern weil ich die Freundlichkeit eines gestellten Leihgeräts nicht mit einer unfreundlichen Rezension beantworten wollte.

Ich überlegte vor kurzem bei meinem Händler eine Nikon Df auszuleihen um hier über sie zu berichten. Allerdings war ich sicher, dass es eine Abrechnung werden würde, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mit ihr effizient arbeiten könnte – vom Design möchte ich jetzt gar nicht reden. Ich habe mich dagegen entschieden, weil ich nicht die Freundlichkeit des Händlers mit dem Verriss einer Kamera beantworten wollte, die er zum Verkauf anbietet.

Am aufschlussreichsten sind Berichte über Geräte, die ein Autor selbst gekauft hat. Aber auch dabei muss man sich bewusst sein, dass auch sie absolut subjektiv gefärbt sind. Deshalb findet man bei nahezu jedem Gerät Berichte von begeisterten und von enttäuschten Benutzern.

Man kann sich mit dem, was Foren, Magazine und Blogs schreiben, ein Bild machen, aber es sollte nicht ausschlaggebend sein.

4. Der Bauch muss entscheiden | Und woran soll man sich orientieren, wenn alle Marken gute Geräte haben und auf das, was Blogs, Magazine und Foren schreiben, kein Verlass ist? Vor allem an seinem Bauchgefühl! Die Leistungszahlen auf den Websites der Hersteller und Tests und Berichte sind gut um sich vorzuinformieren und eine Vorauswahl an interessanten Modellen zu finden. Danach sollte man aber zu einem Händler gehen, der (möglichst) all diese Geräte im Laden hat, die Dinge zur Hand nehmen und schauen, was sich gut anfühlt und daran herumspielen um zu schauen, ob man damit zurecht kommt. Diesbezüglich kann ich meinen freundlichen Fotohändler (Foto Hebenstreit) nur loben, denn da kann man das wirklich in Ruhe machen, ohne dass einem ein Verkäufer im Nacken hängt, aufpasst und einen voll labert. Ob einen eine Kamera glücklich macht, erkennt man nie an den Leistungszahlen, sondern man spürt es immer erst, wenn man ein Gerät in Händen hat. Oder, umgekehrt, was noch schlimmer ist: Wenn man sich für ein Gerät entscheidet, das laut Kennzahlen und Berichten umwerfend sein soll, das einem aber kein gutes Gefühl gibt, besteht kaum eine Chance glücklich zu werden.

5. Laborwerte sind für Topprofis wichtig | Was in Laboren gemessen wird ist im Großen und Ganzen für Topprofis von Bedeutung. Als Laie oder Amateur sollte man sich davon nicht verrückt machen lassen. Die Unterschiede zwischen mittelprächtigen Geräten und der ersten Sahne, werden in vielerlei Hinsicht erst relevant, wenn man es 1. versteht die Ausrüstung professionell einzusetzen und 2. die feinen Unterschiede durch Finetuning am Computer herauszukitzeln kann. Natürlich macht ein 5000-Euro-Objektiv an einer 5000-Euro-Kamera vom Fleck weg imposantere Aufnahmen, als eine 200-Euro-Kompakte. Aber wir wissen wohl alle, dass ein S-Klasse-Mercedes mehr kann, als ein Fiat Panda, und trotzdem hat nicht jeder das Gefühl er müsse einen haben.

6. Werdet euch bewusst was ihr wollt | Ohne geht’s nicht, sorry. Wenn ich nicht weiß, ob ich Salat, Suppe, Bruscetta oder Champignons als Vorspeise möchte, wird es schwierig mit der Bestellung – es gibt keinen Suppen-Salat mit Bruscetta und Champigons! Und es gibt nicht die eierlegende Wollmilchsau in Sachen Kamera!

Ihr wollt eure Kamera vor allem immer dabei haben? Dann muss es wohl eine Kompakte werden! Ihr wollt vor allem unkompliziert Makro fotografieren? Auch dabei ist nichts besser als eine gute Kompakte (oder eine Bridge-Kamera).

Die Kamera muss nicht immer dabei sein, sollte aber gut zu transportieren sein, für Reisen und/oder Wanderungen, mehr Möglichkeiten als eine Kompakte und auch bessere Resultate für die Entwicklung am Computer liefern? In meinen Augen gibt es dafür im Moment nichts besseres als die MFT-Kameras von Olympus und Panasonic. Grund: Die Auswahl an Objektiven ist mittlerweile riesig und es gibt in jeder Preisklasse und jeder Qualitätsstufe alles mögliche. Bei Fuji fehlen im Moment die preiswerten Linsen und das Angebot ist überschaubar und bei Sony, Nikon, Samsung und Canon schaut es ohnehin düster aus mit einem nennenswerten Angebot an kompakten, für Systemkamera optimierten Linsen.

Ihr braucht gar keine riesige Auswahl an Objektiven, möchtet aber etwas wasser- und stoßfestes, am liebsten zum Untertauchen? Die Nikon 1 AW ist eure Kamera. Schnell wie die Sau, sehr kompakt und hart im Nehmen. Allerdings zum Preis einer recht großen Schärfentiefe, also mit Nachteil beim Porträtieren und allem, wo man den Hintergrund gerne unscharf hätte.

Ihr wollt eine coole, aber doch unauffällige Kamera für Reise, Reportage und Street Photography? In diesen Situationen wird man mit Vollformat zum Paparazzo. Aktuell schwören viele in diesen Genres auf Fuji, und ich kann das gut nachvollziehen. Würde Geld bei mir keine Rolle spielen, hätte ich neben meinen Nikon- und Olympus-Systemen schon lange eine Fuji im Schrank. Qualität, die aber leider spätestens bei den Objektiven ihren Preis hat. Also nichts für Leute, die mehrere Objektive und trotzdem das Budget schonen wollen.

Ist auch alles egal? Ihr wollt Porträts schießen? Fashion und Beauty ist euer Thema? Kauft euch eine DSLR. Dabei muss es gar nicht unbedingt Vollformat sein. Würde ich jetzt mit DSLR einsteigen, fiele meine Wahl auf die Nikon D7100. Die liefert absolut professionelle Qualität zum Amateurpreis, sie liegt super in den Händen und lässt kaum etwas vermissen, was Profikameras bieten. Die Auswahl an Objektiven ist riesig und deutlich leistbarer, als bei Vollformat, obschon man bis zum Profiobjektiv zum Preis eines Kleinwagens alles nutzen kann.

Eine DSLR vom Schlage einer D7100 ist auch mein Tipp für alle, die gerne flinke Tiere und schnelle Sportarten fotografieren wollen. Selbst mit der außerordentlich schnellen OM-D sieht man in diesen Situationen alt aus. Systemkameras (von Kompakten möchte ich gar nicht reden) sind noch nicht auf Höhe von DSLR, wenn es außerordentlich hektisch wird.

7. Gebt euch die Chance Erfahrungen zu machen | Wer fotografisch am Anfang steht und noch nicht recht weiß, was ideal für ihn ist, muss einfach ausprobieren. Das schließt try and error einfach mit ein. Ich würde dabei auch empfehlen wirklich mit preiswerten Einsteigergeräten anzufangen. Es stimmt zwar, dass, wer billig kauft, zweimal kauft. Aber das mit dem (mindestens) zweimal kaufen wird ohnehin kaum einem erspart bleiben. Das erste Gerät sollte einfach einmal dazu dienen sich zu finden. Entscheidet man sich für Spiegelreflex, ist der Schaden mit einer 500-Euro-Einseiger-DSLR geringer als mit einem 5000-Euro-Profiboliden, wenn man entdeckt, dass man etwas Kompakteres braucht.

8. Kauft keine neuen Geräte weil es jetzt etwas besseres geben soll | Eine neuere oder teurere Kamera macht keine besseren Bilder. Sie macht gar keine Bilder. Ihr macht die Bilder! 24 Megapixel, 10 Bilder in der Sekunde, High-ISO-105.000, 5-Achsen-Bildstabilisierung und so weiter mögen verführerisch klingen, aber braucht ihr das überhaupt? 24 Megapixel und mehr bringt nur etwas, wenn man exzellente (teure) Objektive verwendet und arbeitet wie ein Profi. Sonst macht das nur Datenmüll. 10 Bilder die Sekunde. Brauchen vielleicht Sportfotografen. Trifft das auf euch zu? Hattet ihr jemals schon in der Praxis das Gefühl eure Serienbildleistung reicht nicht aus? Wenn nein: Weshalb ist das ein Argument für eine neue Kamera? High-ISO und Bildstabilisierung: Wenn ihr in erster Linie bei Tageslicht fotografiert ist das nicht wirklich relevant.

Kauft euch dann neue Kameras, wenn ihr den qualitativen Unterschied zwischen eurer aktuellen Kamera und der neuen, durch die ihr sie ersetzen würdet, seht – am Bild, nicht am Datenblatt! Stellt aber sicher, dass die Schwäche nicht am billigen Objektiv liegt. Kauft euch eine neue Kamera, weil euch am aktuellen Modell etwas abgeht. Wenn ihr mit dem einen Einstellrad der Einsteiger-DSLR immer etwas zu umständlich hantieren müsst. Teurere Kameras können mehr. Sie machen nicht von selbst bessere Aufnahmen, sondern ermöglichen es dem erfahrenden Fotografen mehr aus ihr herauszuholen. Wenn ihr mit den Bildern eurer aktuellen Kamera nicht zufrieden seid, liegt es vielleicht gar nicht an der Kamera, sondern am mangelnden Können. das ist umso wahrscheinlicher, je weniger ihr es wirklich mit eigenen Augen am Bildrauschen, Detailunschärfen, chromatischer Aberration oder sonst etwas festmachen könnt.

9. Megapixel sind kein Qualitätskriterium | Ich kann es nicht oft genug sagen: Für die meisten Anwender sind 10–12MP genug. Natürlich erfüllen die Bilder dann vielleicht nicht die optimalen Standards für hochauflösende Fernseher oder Prints von Postern. Doch beides – Fernseher und Poster – betrachtet man aus Distanzen von 2m, 3m und mehr. Auf diese Entfernung sieht kein Mensch den Unterschied, ob das da 12MP oder 24MP sind. Selbstverständlich gibt es die Anwendung, in denen es ausschlaggebend ist, ob mit 24MP, 36MP oder noch mehr gedruckt wird – bei Landschafts- oder Architekturaufnahmen geht der Betrachter schon auch einmal ganz nah ans Poster ran um Details in Augenschein zu nehmen –, doch diese Auflösungen verlangen vom Fotografen viel präziseres Arbeiten und bessere Objektive, sonst ist das, was in den Details zu sehen ist, unscharf und unscharfe Resultate kann man auch erzeugen, indem man 10MP-Bilder am Computer hochrechnet.

Ich weiß, dass dieser Artikel keine Antwort auf die Frage »welche Kamera soll ich kaufen?« ist. Niemand kann diese Frage beantworten, außer man selbst. Und wenn man noch am Anfang steht kann man das selbst nicht. Auch später, wenn man schon recht genau weiß, was für Bedürfnisse man hat, ist man deshalb nicht davor gefeit, gelegentlich ein Gerät zu kaufen, bei dem man mit der Zeit feststellt, dass man doch nicht glücklich wird damit. Was man sich vor allem abschminken muss, ist zu glauben, es gäbe die Kamera mit der man alles gleich gut machen kann. Wer die verschiedensten Aufgaben lösen will, kommt gar nicht darum herum, mehrere Kameras zu kaufen. Es ist wie mit der Frage nach dem Auto, das man kaufen soll. Wer sowohl die abgelegene Jagdhütte in den Bergen mit dem Auto besuchen will, beim räubern über Passstraßen den Wind in den Haaren spüren möchte, und mit dem 9-Köpfigen Kegel-Club zum Gardasee fahren muss, der kommt nicht um drei Autos rum: Einen Geländewagen, ein Sport-Cabrio und einen Kleinbus.

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Das ist eine Frage die mir dauernd gestellt wird und die ich hier auch schon mehrfach beantwortet habe. Doch da die Zeit verrinnt und laufend neue Modelle auf den Markt drängen müssen sich meine Antworten ändern. Heute beantworte ich die Frage mal etwas konkreter als sonst, wobei wie immer gilt: Die richtige Antwort auf alle Fragen lautet »es kommt drauf an!«

D7100 ambience 3

Nikon D7100 © Nikon GmbH

Ihr wollt eine Spiegelreflexkamera und mit einem professionellen Teil im Studio und on Location richtig arbeiten? Dann kauft eine Nikon D7100. Ja, ich weiß: Die D7100 hat kein Vollformat. Aber vergesst endlich das verdammte Vollformat! Ein Auto ist nicht besser nur weil es 300 statt 200 PS hat. Ein guter Wagen ist die Summe seiner Teile, und die Pferdestärken sind nur ein Zahnrädchen im Uhrwerk einer geilen Karre. Mit der Kamera ist es dasselbe und die D7100 ist die leibhaftige Lotus Elise unter den Spiegelreflexkameras. Die hat zwar nur lausige 134 PS doch der Ferrari-Fahrer wird sie abseits von Autobahn und schnurgerader Landstraße kaum aus dem Rückspiegel kriegen. Die Summe der Teile der D7100 (D7100 bei Amazon) macht dieses Gerät extrem scharf und absolut profitauglich – und das zum Preis einer Consumer-Kamera!

DI XZ 10

Olympus XZ-10; © Olympus

Ihr hättet lieber eine kleine aber feine Kompaktkamera die in der Hemdtasche Platz hat und in der Handtasche kaum welchen wegnimmt? Dann ist die Olympus XZ-10 genau das Richtige. Die Kleine ist mit einem aktuellen Straßenpreis von 250 Euro echt preiswert, schick, ohne sich wichtig zu machen, hat eine phantastische Linse mit einer Lichtstärke, mit der sich durchaus Freisteller realisieren lassen (unscharfer Hintergrund), bringt tolle Makroqualitäten mit, hat Touchscreen und löst hurtig aus, hat mit 26mm einen (gerade noch) annehmbaren Weitwinkel und ist auch sonst in jeder Beziehung ein Schnuckelchen und eine fotografische Wonne. Ich gehe ohne die XZ-10 (Olympus XZ-10 bei Amazon) nicht mehr aus dem Haus!

PS: Nein, die Sony RX100 ist nicht besser, sonst hätte ich sie nicht durch die XZ-10 ersetzt!

OM D still 5

Olympus OM-D E-M5; © Olympus

Keine Kompaktkamera befriedigt euren Qualitätsanspruch, aber die Kamera soll trotzdem kompakt sein, zur Not auch in der Jackentasche Platz finden? Die OM-D E-M5 ist der Wolf im Kaninchenpelz. Keine Kamera hat mir bislang mehr Spaß gemacht! Wenn ich noch einmal die Metapher vom Sportwagen strapazieren darf, dann ist sie der Turbo-Mini und Porscheschreck. Mit einer der hervorragenden M.Zuiko-Festbrennweiten von Olympus oder aus der Lumix-G-Reihe von Panasonic macht man damit den Vollformatkamerafotografen mächtig Konkurrenz. Und Platz findet sie überall, die E-M5 (Olympus E-M5 bei Amazon).

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Olympus OM-D E-M1; © Olympus

Wenn ihr tickt wie ich und sowohl unterwegs, als auch im Studio fotografiert, dann ist die E-M5 nicht die geeignete Wahl. Selbst für zarte Hände ist sie dafür zu klein. Doch Olympus hat mit der E-M1 die perfekte Kamera nachgereicht, für alle, die auf beiden Hochzeiten tanzen wollen – auf der Polarexpedition und beim Beauty-Shooting im Studio. Die OM-D E-M1 liegt traumhaft in der Hand und bereitet die wahre Freude am Fotografieren. Und – wenn ihr mich fragt – ist sie die reinste Retrokamera mit digitalem Aufnahmesensor. Vielmehr, als an digitaler Technik vollgefressene, fett gewordene Magnesiumgehäuse mit im Stil der 60er gestalteten und unergonomisch platzierten Metallrädchen, vermittelt ihre Handlichkeit und ihr Gewicht das wahrhaft unbeschwerte Fotofeeling analoger Zeiten. Zwar braucht die E-M1 wohl einen Militärparka, will man sie mal eben in den Sack stecken, doch dafür ist sie die perfekte Arbeitsmaschine für alle die gerne auf Achse sind (Olmpus OM-D E-M1 mit dem phantastischen 12–40mm ƒ2.8 bei Amazon).

Am Ende gilt natürlich wie immer: Geht zum Fachhändler – zu dem, mit den vielen Marken im Regal –, nehmt alle Kameras in die Hand, und schaut, was sich für euch gut anfühlt (auch wenn es dann eine vollgefressene Me-too-Retro-Kamera ist – mir soll’s recht sein ;) ). Aber wenn ihr mich fragt was ich kaufen würde: Das sind meine vier heißesten Tipps!

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Olympus OM-D E-M5; © Olympus Corporation

E-M5 • Seit Februar fotografiere ich nun mit der OM-D E-M5. Nach langem überlegen und checken aller verfügbaren Systeme von Fuji, über Nikon, Panasonic und Samsung bis Sony habe ich mich für die Olympus-MFT als kompaktes Zweitsystem neben Nikon-Vollformat, entschieden. Als ich ab Frühjahr dann auch dazu kam ausgiebig mit ihr zu Fotografieren hatte ich von Anfang an besonderen Spaß an der Arbeit mit ihr. Niemals zuvor hat mir manuell fokussieren mehr Spaß gemacht und die Vorzüge elektronischer Sucher, wie zum Beispiel die Bildkontrolle nach der Aufnahme samt Histogramm direkt im Sucher, hatte mich schon bei der Lumix G3 vom Mäusekino überzeugt.

Außerdem haute mich die Abbildungsqualität des M.Zuiko 45mm ƒ1.8 förmlich um. Ich hätte nicht erwartet, dass eine recht preiswerte MFT-Linse an mein geliebtes 85mm-ƒ1.8-Porträt-Nikkor heranreichen würde. Zwar erreicht das Nikon-85er in den Labors von DxO-Mark einen phänomenalen Wert von 35 während das Olympus-45er nur mit 20 glänzen kann (was allerdings auch ein überdurchschnittlicher Wert ist), bei den praktischen Ergebnissen jedoch gefällt mir vor allem das Bokeh des M.Zuike besser als jenes des Nikon.

Zwei Wochen Roadster-Urlaub mit der OM-D E-M5 in Frankreich haben schließlich dazu geführt, dass sie meine Erst- und die D600 zur Zweitkamera wurde, was ja ursprünglich umgekehrt gedacht war. Die OM-D reiste in einer kleinen Kameratasche, in die sich die D600 mit einem kompakten Objektiv gerade einmal hineinzwängen hätte lassen, mit drei Festbrennweiten mit und es wäre locker noch Platz für ein oder zwei weitere Objektive gewesen. Mit der OM-D zu reisen ist im wahrsten Sinn des Wortes weit aus weniger beschwerlich als mit einer Vollformat – ohne dabei nennenswerte Abstriche in der Bildqualität machen zu müssen. Heute noch zu glauben eine gute Systemkamera liefere praxisrelevant mindere Qualität als eine Vollformatkamera kommt mir vor wie darüber zu philosophieren ob ein Auto nun mit 300 oder 350 PS ausreichend motorisiert sei.

Nach allem was ich lese und höre überzeugen sowohl Fujis als auch Sonys als auch Panasonics Systemkameras bei der Abbildungsqualität absolut – bei der OM-D weiß ich, dass sie überzeugt. So wie ein guter Autofahrer mit 300 PS einem Durchschnittslenker mit 1000 um die Ohren fahren kann, zählt auch beim Fotografieren der Fotograf viel mehr als die Kamera.

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Olympus OM-D E-M1; © Olympus Corporation

E-M1 • Als Olympus die große Schwester zur E-M5 vorstellte tauchte bei mir die Frage auf ob ich mit ihr eventuell mein Vollformatsystem sollte. Nicht weil ich mit Nikon nicht zufrieden wäre, sondern weil ich überwiegend unterwegs fotografiere und dabei hat das MFT-System einfach den immensen Vorteil viel geringeren Volumens und vor allem geringeren Gewichts. Nun habe ich die E-M1 ein paar Wochen in Verwendung und möchte meinen bisherigen Eindruck schildern.

Gehäuse • Mein erster Eindruck war, dass die E-M1 nicht ganz so wertig ist wie die E-M5. Das mag so scheinen, weil die E-M5 – im Verhältnis zu Vollformat eine leichte Kamera – relativ zu ihrem Volumen betrachtet überraschend schwer ist. Steve Huff – bekannter Blogger in Sachen Fotografie – wertet allerdings die E-M1 auf Augenhöhe mit den Top-Kameras in Sachen Qualitätsanmutung, beispielsweise der Nikon D800.

Schon die E-M5 nehme ich außerordentlich gerne zur Hand. Sie fühlt sich in meinen Händen besser an als jede andere Kamera. Ich mag das Design. Es ist eine absolut gelungene moderne Interpretation klassischen Kameradesigns der 1970er Jahre. Das ist auch Fuji mit ihren X-Kameras gelungen, Nikon bei der Df jedoch nicht. Natürlich ist es Jedermanns und -fraus subjektive Angelegenheit das Design der Df zu mögen – individueller Geschmack ist immer einer persönliche Sache, den sich niemand vorschreiben lassen muss. Doch das Mischen von Elementen, die 1:1 den 1960er bzw. 70er Jahren entlehnt sind, mit solchen, die aus einem Baukasten der 2010er Jahre stammen, ist aus Designperspektive ein absolutes No-Go. Betrachtet man die OM-D (oder Fujis X-Kameras), dann lässt sich unschwer erkennen, dass sich das Retrodesign zwar an Klassiker anlehnt, doch diese konsequent neu interpretiert. Die Df zeigt diese Neuinterpretation der Elemente nicht, darum wirken die Knöpfe, die ebenso gut von einer D5300 oder D4 stammen könnten, und das Display so deplatziert. Während sich die OM-D für mich sowohl im Volumen als auch im Gewicht genauso anfühlt wie ich es von den SLRs meines Vaters aus den 70ern in Erinnerung habe. Die Df hingegen scheint weder in Sachen Volumen (sie ist voluminöser) noch in Sachen Gewicht (moderner Leichtbau) den klassischen Vorbildern zu entsprechen. Dieter Rahms, Jahrhunderdesigner bei Braun, postulierte einst »Design ist konsequent bis ins letzte Detail«.

Ganz so ansprechend wie das Design der E-M5 finde ich das der E-M1 nicht. Der deutlich herausgearbeitete Griff mag einigen designaffinen Menschen unangenehm ins Auge stechen. Die E-M1 ist nicht als ästhetisches Glanzstück konzipiert das in einer Vitrine glänzen soll, sondern als Arbeitsgerät. Man muss sich bei der Bewertung von Designs immer bewusst sein, dass wirklich gute Gestaltung oft ein Kompromiss aus Funktion und Ästhetik sein muss. Ich kenne keine schöne digitale Spiegelreflexkamera, auch wenn ich immer fand, dass Nikon seine Geräte ansprechender gestaltet als andere. Doch seit den 1990er Jahren sind die Formen der Apparate zunehmend ergonomischer und funktionaler geworden, wodurch sie ästhetisch an Eleganz eingebüßt haben. Wie ich finde das aus gutem Grund, denn mit einem Arbeitsgerät soll man effizient arbeiten können – hier geht mir Funktion vor Eleganz, auch wenn eine Kamera deshalb nicht hässlich sein muss (was manche Geräte leider tatsächlich sind).

Aus Sicht des puren Designs sehe ich die Leica M als perfekte Kamera – ein durchwegs schmuckes Stück. Allein: Ich mag die Haptik nicht! Natürlich oute ich mich jetzt als Banause. Tatsächlich sehe ich keinen Grund Leica zu kritisieren, ich kann nur sagen, dass sie mir persönlich nicht liegt. Genauso wenig würde ich irgendjemandem von der Nikon Df abraten. Ich bringe nur meine Ansicht zum Design des Apparats zum Ausdruck – das kann jeder auch anders sehen. Wenn ihr die Df mögt: Freut mich. Wenn ihr die Sony A7 mögt: Habt Spaß damit! Ich liebe die OM-D.

Die OM-D E-M1 ist die schönste ergonomisch geformte Kamera, aber sie ist kein Schmuckstück, wie manche Fuji-X-Modelle oder die Lumix GX7, trotzdem fühle ich mich bei der OM-D eher zuhause. Sie liegt mir besser in Händen als jede andere Kamera, derer ich bisher habhaft wurde. Tiefe und Griff sind perfekt für meine Hand gebaut. Seit ich sie in Händen hatte kommt mir jede DSLR fett vor. Allerdings brauche ich für dieses perfekte Gefühl den Hochformatgriff, denn aufgrund des niedrigen Gehäuses greift mein kleiner Finger sonst ins Leere.

Wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten. Das kompakte Gehäuse hat gegenüber einer Vollformatkamera (und auch einer DX, wie der D7100) Nachteile in der Bedienung. Die Tasten sind kleiner und liegen dichter beieinander. Die Bedienelemente lassen sich an Nikons anspruchsvolleren Modellen besser ertasten. Die Position der AE-L/AF-L-Taste ist im Vergleich zu Nikons zu vergessen. Zwar lässt sich beinahe jede beliebige Funktion auf beliebige Tasten legen, doch egal wie ich sie lege, es fällt mir an der OM-D schwerer bestimmte Tasten spontan zu finden (zum Teil natürlich auch dem anderen Layout einer Olympus und noch mangelnder Gewöhnung geschuldet).

Wer primär ausgiebige Sessions fotografiert und dahin nicht meilenweit wandern muss, ist mit einer DSLR sicher besser bedient als mit einer E-M1. Die OM-D ist keine Studiokameras!

Autofokus • Neben der etwas minderen Effizienz für ausgedehnte Shootings hat die OM-D gegenüber DSLR einen zweiten Nachteil: Wer gerne rasende Motive fotografiert wird mit DSLR mehr Treffer landen und glücklicher werden. Im normalen Fotoalltag vermittelt die OM-D zwar den Eindruck rasend schnell zu sein, sie arbeitet in jeder Beziehung flüssig und fokussiert nicht merklich langsamer als eine gute moderne DSLR, manchmal habe ich den Eindruck präziser als meine Nikons (was aber auch an der geringeren Auflösung gegenüber einer D600 oder D7100 liegen kann). Auslösen per Tippen aufs Touchdisplay fühlt sich unheimlich snappy an – Tipp, Klack, im Kasten. Nicht die geringste Verzögerung ist zu spüren. Die OM-D hat auch keine Probleme mit normal schnellen Motiven. Doch bei einem Versuch Möwen im Flug mit ihr einzufangen scheiterte sie mit jeder Linse und jeder Einstellung.

Abgesehen von diesem Test mit rasend schnellen Vögeln hatte ich in einem halben Jahr des Fotografierens mit der OM-D E-M5 nicht ein einziges Mal das Gefühl, weniger gut Fokussieren zu können, als mit meinen Nikons, und die E-M1 sollte da noch ein bisschen was an Präzision drauflegen (wobei ich in der Praxis keinen Unterschied feststellen kann). Tatsächlich sprechen wir beim Versuch Möwen im Flug zu erwischen von einer Extremsituation, denn die Vögel fliegen so rasant und nah an einem vorbei, dass man es kaum einmal schafft ihnen mit dem Sucher zu folgen – egal ob optischer Sucher an einer DSLR oder elektronischer Sucher an der OM-D. So eine Extremsituation ergibt sich für den normalen Fotografen doch eher selten, weshalb man sich überlegen muss, wie viel Gewicht man dieser Schwäche beimisst. Wer allerdings häufig außerordentlich schnelle Motive einfangen möchte, sie es rasante Sportarten oder eben kaum zu verfolgende Tiere, der ist mit DSLR sicher noch immer besser bedient.

Sucher • Der elektronische Sucher der E-M1 ist anerkanntermaßen der beste elektronische Sucher der derzeit zu finden ist und der zweitgrößte Sucher überhaupt im Bereich digitaler System- und Spiegelreflexkameras (bis Vollformat). Ich habe mich wie gesagt bestens mit elektronischen Suchern angefreundet und vermisse den optischen nicht – ganz im Gegenteil. Aber auch das ist Geschmacksache. Ich kann nur neuerlich betonen, dass ich das Gefühl, das einem eine Kamera und ein System vermittelt, wichtiger ist, als Leistungszahlen und Labormesswerte. Ich bin überzeugt, dass man bessere Fotos macht wenn Fotografieren Spaß macht und mehr Spaß macht Fotografieren wenn man die Ausrüstung liebt.

Display • Mit ein Grund für meine Entscheidung für die OM-D E-M5 war das Klappdisplay. Fuji hatte damals kein X-Modell mit Klappdisplay. Panasonic hatte zwar welche, aber die seitlich ausklappenden. Mir persönlich sind die seitlich ausklappenden allerdings nicht sympathisch. Mir erscheinen diese Systeme filigran und zerbrechlich. Ein Rempler, einmal stolpern, und ab das Ding – jedenfalls vermitteln sie mir den Eindruck. Da scheint mir das einfache Klappsystem, das man jetzt an der Lumix GX7, an den Fujis, an den Sonys und eben auch an der OM-D findet, robuster.

Bei der Kritik an den einfachen Klappsystemen (die nur oben und unten können), dass man mit ihnen keine Hochformataufnahmen machen könne, frage ich mich manchmal, ob die Kritiker schon einmal versucht haben mit der seitlichen Klappe Hochformat zu fotografieren: Aus tiefen Perspektiven verdeckt die Kamera bei etwas steilerem Blickwinkeln die Sicht aufs Display und das Einrichten des Bildausschnitts kommt mir immer vor als würde ich über einen Spiegel agieren müssen. Aber vielleicht bin ich in letztere Angelegenheit einfach nur zu ungeschickt – ich kann auch nicht mit dem Auto via Spiegel rückwärts fahren oder mit einem Anhänger zurücksetzen. Also vielleicht ist auch das Geschmacksache.

Die Touch-Funktion ergänzt das Klappdisplay optimal. Wenn ich mit nach oben geklappten Display arbeite fotografiere ich meist nur via Display-Touch. Das geht einfach deutlich besser von der Hand. Etwas auf das ich nicht mehr verzichten möchte. Allerdings nur, wenn es auch tatsächlich so direkt reagiert, wie bei der OM-D. Ich hatte das bei der Lumux G3 auch schon, wo allerdings erstens das Display auf Druck (nicht auf Berührung) reagierte und deshalb oft etwas verzögert oder bei zu wenig Druck gar nicht und zweitens die Fokussierung zu langsam auslöste, um irgendetwas, was sich bewegt erwischen zu können. Auch wenn ich weiter oben schrieb, dass die OM-D bei extrem schnellen Motiven nicht nachkommt, so möchte ich noch einmal unterstreichen, dass sie kein Problem mit Bewegung an sich hat.

Kabellos blitzen • Ein weiterer Punkt will überlegt sein, wenn man sich für eine OM-D entscheidet: Kabellos Blitzen. Als ich vor einigen Wochen ins Auge fasste eventuell von Nikon zu Olympus umzusteigen, betraf meine größte Sorge diesen Punkt. Ich fotografiere seit Jahren mit kabellos ausgelösten Blitzen. Nikon ist bekanntermaßen Branchenprimus, wenn es um Blitztechnik geht, und das Nikon Creative Lighting System funktionert recht gut. Trotzdem versagt dieses System, das auf Lichtsignale vom Steuer- zu den Ferngesteuerten Blitzen baut, wenn keine Sichtverbindung zwischen den Blitzen besteht, oder kräftiges Sonnenlicht die Lichtsignale überlagert. Wegen der Probleme mit Sichtkontakt und Sonnenlicht plante ich zuletzt von CLS auf ein Funksystem umzusteigen. Nur: Funksysteme, die Steuersignale unterstützen, gibt es nur für Canon und Nikon. Funk ohne Steuersignale bedeutet aber für jede Änderung einer Einstellung den Marsch zum Blitz anzutreten. Bei drei bis vier Blitzen die ich frei im Raum verteile und dem Fehlen eines Einstelllichts, das zumindest eine Vorstellung verschafft, wie die Resultate aussehen werden, habe ich nicht vor mich und meine Modelle damit herumzuplagen.

Meine ersten Shootings im Studio haben mir nun den Eindruck gegeben, dass Olympus’ kabelloses RC-Blitzsystem etwa so zuverlässig arbeitet, wie das CLS von Nikon. Benutzerführung und Vorgang zum Einstellen scheint mir bei Olympus deutlich besser gelungen. Es hat mich auch erstaunt, wie gut das Auslösen von drei Gruppen mit dem winzigen Blitz im Lieferumfang der OM-Ds funktioniert (Nikons machen mit dem eingebauten Blitz zwei Gruppen). Andererseits scheint mir das Olympus-System etwas kurzsichtiger zu sein, als Nikons CLS. Im Studio hatte ich niemals große Mühe mit dem Steuerblitz auf der Kamera die Slave-Geräte zu erreichen, beim Olympus-System hingegen musste ich teilweise etwas herumdoktern um Sichtkontakt zu erreichen. Das macht mir etwas Sorgen fürs Rausgehen. Als Optimist setze ich nun einfach meine Hoffnung auf den Erfolg des MFT-Systems und darauf, dass in absehbarer Zeit ein Anbieter mit einem TTL-Funksystem für Olympus und Panasonich auftreten wird.

Objektive • Ich denke es sind vor allem Objektive die ein System interessant machen. Und das MFT-System hat hervorragende Linsen zu bieten (was keinesfalls heißen soll, dass Nikkore schlechter wären). Das 12mm ƒ2.0 ist eine großartige (kleine) Weitwinkellinse – mit 24mm KB eine meiner liebsten Brennweiten. Das Lumix 20mm ƒ1.7 ist fast ein bisschen etwas, wie eine lebende Legende (allerdings muss man 40mm KB echt mögen). Das 45mm ƒ1.8 ersetzt mit das 85mm ƒ1.8 von Nikon schmerzlos. Geiler als beide zusammen jedoch ist das Voigtländer 42,5mm ƒ1.8, auch wenn mit manueller Blende und Fokussierung. Das Setobjektiv der E-M1, das 12–40mm ƒ2.8 ist vergleichbar mit Nikons 24–70mm, gefällt mir aber sowohl vom etwas längeren Brennweitenbereich als auch von der Bildwirkung (Bokeh) besser (auch beim Bokeh ist Qualität mehr Wert als Quantität – die Schärfentiefe des Olympus-Zooms entspricht einer Lichtstärke von ƒ4.0 bei Kleinbild).

Fazit • Alles hat zwei Seiten. MFT im Allgemeinen, und die OM-D im Speziellen, hat Vor- und Nachteile, Stärken und Schwächen. Ich habe eine Schwäche für die OM-D entwickelt und hatte noch nie so viel Spaß beim Fotografieren, egal ob im Studio oder unterwegs. Ich verlasse ein gutes System (Nikon) weil ich mich mit der OM-D noch wohler fühle. Wäre ich Studiofotograf würde ich das ebenso wenig machen, wie wenn rasanter Sport oder Vögel mein Kernanliegen wären. Doch jedes Mal wenn ich meine Fototasche packe oder hebe liebe ich MFT aufs Neue.

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Alle Bilder sind JPEGs out of the Camera.

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Da Retrokameras im Moment dermaßen beliebt sind möchte ich einen kleinen Beitrag leisten, damit jeder seine Digitale in wenigen Schritten zur Retro umfunktionieren kann, um zu einer entschleunigten Arbeitsweise wie damals zu gelangen.

  1. Festbrennweite rauf. 35mm oder 50mm.
  2. ISO100 einstellen. Aber nicht schummeln und bei Bedarf auf ISO800 oder ISO6400 hochdrehen. Niemand hatte zu analogen Zeiten einen zweiten, dritten oder vierten Film dabei, um ihn bei Bedarf mal schnell zu wechseln. Wer authentisches Feeling will stellt die Empfindlichkeit seiner Digitalen ein bevor er auf den Weg geht.
  3. Manuell Fokussieren. Fokussierhilfen sind allerdings erlaubt, denn das gab es analog auch schon.
  4. Manuelle Belichtungseinstellung. Und nicht auf die Belichtungsanzeige im Sucher schielen – sowas gab’s damals nicht! Wenn schon denn schon: Handbelichtungsmesser. Sonst halt: Belichtungstabellen auswendig lernen.
  5. Histogramm ausschalten (Belichtungswarnungen natürlich auch).
  6. Bildkontrolle abschalten. Gesichtet wird zuhause.

So, fertig ist eure digitale Analogkamera, auch wenn sie vielleicht nicht ganz so hip aussieht, wie die aktuellen Retromodelle beim Händler. Wer nicht die Konsequenz hat das durchzuziehen, dem hilft auch eine neue Alte nicht, denn die lassen sich in ihren auf alt getrimmten Gehäusen immer einstellen und bedienen wie das, was sie sind: Digitale Hochleistungsgeräte. Sie zwingen euch nicht zu bewussterer Fotografie, denn das würden ihnen die Kunden sehr übel nehmen.

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