Nikon D7100

Sun, 12. May. 13

Ich bin ein emotionaler Mensch und kann mich überschwänglich für Dinge begeistern wenn sie mir gefallen und in Grund und Boden zerreissen, wenn sie mir an einigen Ecken und Enden missfallen. Die D7100 ist eine Kamera die mich begeistert. Überschwänglich! Ich halte sie in Sachen Preis/Leistung für das Beste das sich aktuell am Markt befindet. Wer nicht glaubt er müsse unbedingt eine Vollformatkamera haben, findet mit ihr ein Modell das absolut auf Augenhöhe mit Nikons FX-Kamera D600 liegt – in vielen Dingen ist sie ihr überlegen – und dabei nur etwa die Hälfte kostet. Ist natürlich auch deshalb eine absolut subjektive Aussage, weil mit der Vergleich mit Canon, Pentax und Sony fehlt.

Die D7100 hat ebenso wie die D600 24 Megapixel. Schärfe und Rauschverhalten sind vergleichbar (wobei das mein subjektiver Praxiseindruck ist und ich keine Labortests angestellt habe, schließlich fotografiere ich in der Praxis und nicht im Labor).

So wie zuvor schon bei der der D800E hat Nikon bei der D7100 Tiefpassfilter ausgestattet. Solche Filter fanden sich bislang vor praktisch allen Digitalkamerabildsensoren um sogenannte Moirés zu verhindern. Moriés entstehen, wenn sich extrem feine Muster überlagern. Bei einer Digitalkamera die feine Pixelstruktur des Bildsensors mit beispielsweise der Struktur eines textilen Stoffes. Unangenehmer Nebeneffekt: Die Resultate werden einen Hauch unschärfer.

Nun: Die D7100 liefert beeindruckend scharfe Resultate. dpreviev behauptet zwar, dass die Resultate durch das Weglassen des Tiefpassfilters auch nicht schärfer sind als wenn sie einen hätte. Allerdings frage ich mich woher sie eine D7100 mit Tiefpassfilter bekommen haben um diesen Vergleich anstellen zu können!? Mein Eindruck ist jedenfalls, dass die Aufnahmen der D7100 eine Schärfe zeigen, die ich so bislang nicht gewohnt bin. Schon gar nicht von einer APS-C-Kamera, und mir drängt sich schon der Verdacht auf, dass das Fehlen des Tiefpassfilters dafür die Verantwortung trägt.

Nun da ich »Kreativ fotografieren mit Nikon D7100« fertig geschrieben habe muss ich die Kamera an der Verlag zurückgeben. Es blutet mir schon ein bisschen das Herz, denn sie ist mir sehr ans Herz gewachsen und ich muss gestehen, dass ich sie lieber mag, als die D600. Es ist einfach das Gesamtpaket, das an der D7100 stimmig ist und begeistert. Allerdings sind die Brennweiten meiner Objektive absolut auf Vollformat abgestimmt. Außerdem wäre auch das doch etwas magere Angebot an sehr kurzen Brennweiten unterhalb von 35mm KB bei DX-Kameras ein Wermutstropfen für mich. Wer aber nicht so ein eingefleischter Weitwinkel-Fan ist wie ich für den gibt es spätestens seit der D7100 kaum mehr einen rationalen Grund unbedingt in eine Vollformatkamera investieren zu müssen.

Nun muss man als hoffnungsloser Optimist natürlich immer ein Auge auf das Positive an jeder Sache werfen. Das positive daran, dass die Arbeit an »Kreativ fotografieren mit Nikon D7100« so gut wie abgeschlossen ist, ist, dass ich wieder mehr Zeit habe mit meiner noch recht neuen Olympus OM-D zu fotografieren, denn auch sie ist in ihrer Kategorie eine perfekte Kamera. Sehr kompakt und unglaublich schnell im fokussieren und auslösen – obwohl eine spiegellose Systemkamera wohl eines der ersten Modelle das es in Sachen Geschwindigkeit beim Scharfstellen mit DSLRs aufnehmen kann. Ich hoffe ich finde in absehbarer Zeit einmal Zeit auch einen Artikel über sie zu posten.

DSC0361

DSC1032

DSC1444

DSC1791

DSC2372

DSC2824

DSC2930

DSC3466

DSC3818  1

DSC4943

DSC5058

Kommentare: 1 (schreib deinen Kommentar)

Ich habe gestern über meine Suche nach einer kompakten Systemkamera berichtet, und dass ich mich am Ende für die Olympus OM-D entschieden habe. Mit ein Grund für meine Entscheidung für die OM-D ist der Micro-FourThirds-Sensor. Dieser ist nämlich kleiner als zum Beispiel die APS-C-Sensoren in den Sony NEX-Geräten.

Sensorformate

Die Grafik zeigt die Größenverhältnisse der verschiedenen Sensoren. Die goldenen Grundfläche repräsentiert das Kleinbildformat mit 36×24mm. Der zweite Rahmen zeigt das Format eines APS-C-Sensors, der dritte steht für das Micro-FourThirds-Format mit 17,3×13mm. Die innere Box zeigt die Größe eines Nikon-CX-Sensors mit 13,2×8,8mm, wie er auch in der Sony RX100 steckt.

Dem kleineren Sensor vor dem größeren den Vorzug geben? Wieso das denn?

Weil ein anderes Sensorformat andere Eigenschaften mitbringt, was die Schärfentiefe anbelangt. Mit meiner D600 bekomme ich auf eine Distanz von 50cm bei 50mm Brennweite und Blende ƒ1.8 eine Schärfentiefe von 9,7mm. Das ist für Porträts eigentlich meist schon deutlich zu wenig. Mit einem APS-C-Sensor ergibt 50mm (KB) auf 50cm Distanz bei Blende ƒ1.8 eine Schärfentiefe von 15,6mm. Das führt bei seitlichen Aufnahmen noch immer dazu, dass ein Auge scharf, das andere deutlich unscharf abgebildet wird. Bei der Olympus OM-D erziele ich auf dieselbe Distanz bei denselben Einstellung und bei 50mm KB-Brennweite eine Schärfentiefe von 20,5mm. Das ist mehr als das Doppelte wie bei der D600.

Für mich stellte sich also nicht die Frage, wieso sollte ich den kleineren Sensor wählen, als vielmehr die Frage, wieso sollte ich einen wählen, der fast schon dieselben Eigenschaften hat? Statt dessen scheint mir eine Kamera mit anderen Eigenschaften, als die, die ich ohnehin schon habe, viel interessanter. Und doppelte Schärfentiefe bei gleicher Blendenöffnung kann sich in der Praxis als durchaus nützlich erweisen.

Gesichtsporträts mit Blende ƒ1.8 sind meist schon des Guten zu viel. Ich bevorzuge im Moment Blende 4. Mit der OM-D bekomme ich dieselbe Schärfentiefe bei Blende 2. Das heißt ich brauche um 2 Lichtwerte weniger Umgebungslicht. Das heißt auch, ich kann mit einem Viertel der Lichtmenge noch immer dieselbe Schärfentiefe erzielen. Das ist praktisch durchaus ein Unterschied.

Man sollte als Fotograf vom Denken weg kommen, dass grundsätzlich das Eine besser ist als das Andere. Besonders was die Sensorgröße angeht. Es ist vor allem anders. Und ich ziehe diese Andersartigkeit vor, gegenüber zwei Kameras, die fast schon gleiche Eigenschaften. Deshalb eben auch FourThirds, als Zweitkamera zur Kleinbild-D600, statt APS-C.

Es gibt aber noch einen zweiten Punkt, den ich an Sony nicht mag, nämlich die Gigantonomie in Sachen Auflösung. Klar! Sony hat bewiesen, dass sie kleine Sensoren mit dichter Auflösung vollstopfen können, ohne dass Rauschen zum Problem wird. Die Sony RX100 demonstriert das eindrücklich mit ihren 20MP und bei einer NEX7 mit 24MP wird das nicht anders sein. Aber!

Wenn ihr euch die Beispielbilder der RX100 und die 100-%-Ausschnitte in diesem Artikel einmal anseht, ist leicht zu erkennen, dass die Resultate trotz hoher Auflösung unscharf sind. Es reicht eben nicht, einfach nur einen Sensor mit hoher Auflösung in eine Kameragehäuse zu stecken. Man muss auch Objektive mit einer Optik einsetzen, die dem Sensor genug Schärfe liefern die hohe Auflösung auch auszunutzen. Sonst erhält man keine schärferen Bilder sondern nur größere Dateien. Die einzigen die davon profitieren sind die Computer- und Festplattenhersteller.

Um das zu demonstrieren habe ich mich eines fiesen Tricks bedient. Hier ist noch einmal eines der Beispielbilder aus der RX100.

Das nächste Bild zeigt einen 100-%-Ausschnitt aus dem Originalbild, wie es ohne Zusatzeinstellungen von Apple Aperture entwickelt wurde.

Originalausschnitt

Jetzt kommt der gemeine Trick: Ich habe das Original in Photoshop geöffnet, auf 12MP heruntergerechnet und das Resultat wieder auf 20MP aufgeblasen.

Interpoliert

Alles klar? Das interpolierte Bild wirkt kaum schlechter und unschärfer als das 20MP Original. Dabei habe ich das zweite Bild ja zweimal interpoliert – einmal runter und einmal rauf. Hätte die RX100 einen 12MP-Sensor wäre das Resultat wohl besser, wenn ich es mit Photoshop auf 20MP aufblase, als das, was aktuell aus ihr raus kommt.

Nach meiner Meinung sind die hohen Auflösungen, mit denen Sony kompakte Systeme ausstattet, reines Marketing. Sie bringen in kompakten Kameras nichts und sie bringen in Systemkameras nichts, wenn nicht entsprechende Objektive eingesetzt werden und man seine fotografische Arbeitsweise für die hohen Auflösungen optimiert.

Die 36MP einer Nikon D800 haben ihre Berechtigung wenn man entsprechende Motive für eine Ausgabe auf Postergröße fotografiert. Aber nur wenn die Objektive genug Auflösung an die Sensoren liefern und der Fotograf seine Arbeitsweise anpasst. Die Faustregel des Kehrwerts der Brennweite für die längste Verschlusszeit lässt sich auf 36MP nicht mehr so recht übertragen. Nach meiner Erfahrung muss man die Regel bei meiner 24MP-D600 um den Faktor 1,5 verkürzen und ich habe letzte Woche mit einem Fotografen gesprochen, der bei seiner D800 vom Faktor 2 ausgeht.

Ich liebe meine RX100. Sie ist eine tolle Kamera die mir viel Freude macht. Aber mit 10 oder 12MP wäre sie mir noch lieber, als mit 20. Das ist etwas, was ich an Nikon schätze: Ihre Kamera-Modelle scheinen weniger vom Marketing konzipiert zu werden, als vielmehr vom fotografisch Sinnvollen. Nikon stattet seine Systemkameras der 1-Serie noch immer mit 10 bis 14MP aus. Mehr Auflösung strapaziert nur unnötig die Speicherkapazität der Festplatten der Zielgruppe.

Kommentare: 4 (schreib deinen Kommentar)

IMG 1239

Seit 2008 fotografiere ich nun mit einer digitalen Spiegelreflexkamera im Kleinbildformat, zuerst mit der Nikon D700, jetzt mit der Nikon D600. Kameras die mit entsprechenden Objektiven beeindruckende Resultate liefern, aber aufgrund von Volumen und Gewicht keine idealen Wander- und Reisebegleiter sind. Auch in der Street Photography sind sie suboptimal – du siehst damit aus wie ein Paparazzo. Ich glaube jeder, der so eine Kamera hat, stellt ihr früher oder später eine kompakte Zweitkamera für den Alltag zur Seite.

Die erste kompakte Begleiterin für den Alltag, mit der ich wirklich zufrieden war, war die Canon S95. Sie ist klein und verdient damit auch wirklich die Bezeichnung Kompaktkamera – sie passt ganz locker in eine Jackettasche, ohne es auszubeulen. Dabei liefert sie sehr gute Abbildungsqualität, kann RAW aufnehmen und bietet alle Einstellmöglichkeiten, die man sich als ambitionierter Fotograf wünscht, in schnellem Zugriff. Bis heute sind die Modelle S95, S100 und S110 meine Empfehlung, wenn mich jemand nach einer Kompaktkamera fragt.

Abgelöst wurde die S95 bei mir von der Olympus XZ-1. Leider machte mich die in Foren, Magazinen und von Juroren so hoch gelobte Kamera absolut nicht glücklich. Zwar ist die Lichtstärke des Objektivs beeindruckend und erlaubt das Freistellen von Personen in Porträts – was von kaum einer anderen Kompaktkamera vergleichbar erreicht wird. Auf der Schattenseite liegt aber ein Objektivdeckel der lieber abfällt als hält, ein Moduswählrad das sich viel zu leicht verstellen lässt und immer falsch eingestellt ist, wenn man die Kamera aus der Tasche zieht, und dass sich für die Ansicht nach der Aufnahme kein Histogramm einstellen lässt.

Ich habe die XZ-1 mittlerweile wieder verkauft und hoffe, dass der Käufer damit glücklicher wird, als ich es war. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Prüfer, Tester und Juroren von Digitalkameras Ihre Eindrücke wohl eher aus dem Labor und von Datenblättern haben, als vom Praxiseinsatz.

IMG 1109

Zur einzigen Kompaktkamera, die mich, neben der Canon S95, bislang vollständig zufrieden stellen konnte, wurde letzten Sommer die Sony RX100. Sie besticht zunächst einmal durch ihr schlichtes, klares Design – eine Eigenschaft, die sie mit Canon S95/S100/S110 und Olympus XZ-1 teilt. Nimmt man sie allerdings zur Hand, hebt sie sich sogleich von den beiden anderen ab. Sie fühlt sich schwerer, metallischer und wertiger an. Ich liebe den Eindruck, den echte Materialien dem Tastsinn vermitteln. Deshalb ist mir ein iPhone aus Glas und Metall auch lieber, als ein Plastik-Handy.

Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass viele Leute – vor allem Frauen – leichte Geräte bevorzugen. Ich persönlich kann mit Plastikbombern überhaupt nicht. Besonders ekelhaft finde ich Oberflächen aus Plastik in Chrom- oder Metall-Look. Natürlich findet sich auch an der Oberfläche der RX100 Kunststoff. Dennoch findet genug Heavy Metal Einsatz um das Gefühl zu vermitteln, dass es sich hier um ein echtes Stück Hardware handelt.

Wichtiger ist natürlich was im Gehäuse steckt. Bei der RX100 ist vor allem der für eine Kompaktkamera relativ große Bildsensor hervorzuheben. Trotzdem, dass er mit 20MP in meinen Augen mit Auflösung völlig überladen ist (mir wären so etwa 12MP deutlich lieber), ist die Bildqualität tadellos und das Rauschverhalten beeindruckend gut. Deshalb habe ich einen Artikel über sie auch mit »Best Compact in the World« überschrieben.

Auch nach mehreren Monaten freue ich mich noch immer die Kleine in die Hand zu nehmen und mit ihr zu fotografieren. Ich glaube es ist für eine Kamera gar nicht so leicht mich auf Dauer zufrieden zu stellen. Doch die RX100 gibt mir keinerlei Anlass über eine mögliche Alternative auch nur nachzudenken.

Wenn ihr mich fragt, ob es auch etwas zu bekriteln gibt: Ja. Die Chromatische Aberration kann in extremen Kontrasten gelegentlich einmal etwas abenteuerlich ausfallen. Und die Brennweite beginnt am kurzen Ende bei 28mm Kleinbild – das kann die S110 mit 24mm heute besser. Was ich in einem früheren Artikel noch kritisch angemerkt habe, dass sich die Verriegelung des Batteriefachdeckels sehr leicht öffnen lässt, hat sich in der Praxis als unproblematisch herausgestellt.

Ist die RX100 nun die Kompakte, die ich jedem empfehle? Nein! Die meisten Leute, die eine Kompakte suchen, werden wohl keine 600 Euro ausgeben wollen – um dieses Geld (oder weniger) kaufen sich viele eine Einsteiger-DSLR mit Kit-Objektiv. Deshalb hört man von mir meist »Canon S110« wenn ich nach »Kompaktkamera?« gefragt werde.

Natürlich kann die RX100 nicht mit der Qualität meiner D600 mithalten – schließlich kostet die DSLR auch ohne Objektive mehr als das Dreifache. Für Schnappschüsse im Alltag ist das Belanglos. Geht es aber auf Urlaubsreise, sind mir die Möglichkeiten einer Kompakten zu eingeschränkt und es ist mir die Lücke in Sachen Detailqualität zu groß, wenn die fotografischen Bedingungen eines Motivs zu sehr vom optimalen Standard abweichen. Aus diesem Grund will ich nicht auf ein Zwischending, zwischen Nikon-KB-DSLR und Sony-Kompaktkamera verzichten. Als solches Zwischending habe ich mir 2011 die Lumix G3 gekauft – das war noch vor der RX100.

IMG 1381

Die Lumix G3 ist eine solide kleine Kamera und eine gute Option für alle, die mehr wollen, als eine Kompakte bieten kann, denen aber eine Spiegelreflex zu groß ist. Ich habe gemeinsam mit ihr und der ausgezeichneten Panasonic-20mm-ƒ1.7-Festbrennweite im Herbst 2012 eine zweiwöchige Rundfahrt durch Österreich bestritten und war mit den Ergebnissen durchaus zufrieden, habe allerdings oft auch gemerkt, dass ich nicht das erreiche, was mit meiner Nikon DSLR möglich gewesen wäre.

Der Einzug der Sony RX100 in meinen Kamerapark hat dann die G3 endgültig in Frage gestellt. Zwar hat die G3 durchaus einige Vorteile gegenüber der RX100 – zum Beispiel eben eine lichtstarke Festbrennweite und ein Klappdisplay – in Sachen Abbildungsqualität schneidet der Bildsensor der RX100 allerdings besser ab, als jener der G3 (das darf nicht wundern: die RX100 kostet aktuell mehr als die G3 mit Kit-Objektiv). Die Vorzüge der Lumix waren mir nicht mehr groß genug, um sie, statt der RX100, einzupacken. Also musste sie ersetzt werden.

Die Recherche nach einem neuen Zwischending haben mir dann gezeigt, wie wenig ausgereift der Markt an Systemkameras noch immer ist.

Nikons Systemkameras schieden gleich einmal aus. Zwar ist die J-Serie durchaus schick (was ich von der S nur eingeschränkt und der V gar nicht sagen würde) und die Kameras fühlen sich wirklich gut und wertig an. Aber sie sind doch eher für den unbedarften Fotografen konzipiert, dem Kompaktkamera nicht mehr reicht und der Objektive wechseln möchte. Für diese Zielgruppe finde ich die Nikon 1 eine absolut zu beachtende Option. Wenn man allerdings, wie ich, direkten Zugriff auf Belichtungsmodi, ISO, Schärfe etc. haben möchte, dann ist das System uninteressant.

Bei den Lumix-Modellen, auf die ich von der G3 her aufsteigen hätte können, habe ich Probleme mit der Optik – ich finde sie schlicht hässlich. Mein Zwischending sollte auch ein bisschen Schick aussehen, und nicht wie eine verkleinerte DSLR, die aufgeblasen wurde.

IMG 1449

Die Olympus OM-D spukte mir im Kopf herum, seit das erste Bild von ihr an die Öffentlichkeit sickerte. Dass sie einen klaren Aufstieg gegenüber der G3 darstellt steht außer Zweifel. Nur machte ich bereits mehrfach negative Erfahrungen mit Olympus. Meine erste DSLR hätte eine Olympus werden sollen. Doch aufgrund von Mängeln in der Benutzerführung bin ich bei Nikon gelandet. Später habe ich mir eine Olympus-Kompakte gekauft, weil es eines der ersten Kompaktmodelle mit 24mm Weitwinkel war. Doch die Bildqualität war dermaßen grottenschlecht, dass ich sie nach einem Wochenende eingetauscht habe – auch hier machte dann Nikon das Rennen. Und dann war da natürlich auch noch die RZ-1, die mich ebenfalls enttäuschte. Wären da nicht meine positiven Eindrücke aus analoger Zeit und meine Erfahrung mit der Olympus-SP-350-Kompaktkamera von 2006 gewesen, hätte die Marke bei mir wohl schon jegliche Sympathie verspielt. Das verbleibende bisschen Sympathie und die Begeisterung, mit der viele über die OM-D berichteten reichten aus, die OM-D als Kandidatin im Auge zu behalten.

Die einzige ernsthafte zweite Alternative sah ich in einer Sony NEX. Zunächst einmal die NEX-7 und NEX-6. Der Vergleich beim Fachhändler und die Berichte, die ich über die Kameras recherchiert hatte, ließen am Ende die NEX-6 zur Kandidatin werden.

Meine Eindrücke der Geräte im Vergleich: Zunächst einmal ist die OM-D viel kleiner, als sie auf Bildern aussieht. Kein Foto vermittelt einen brauchbaren Eindruck davon, wie klein das Gerät ist. Dass Fotos diesbezüglich ganz schrecklich trügen, hatte ich schon öfters bemerkt. Die Olympus Pen E-PL3 ist in Natura größer, als sie auf Bildern aussieht. Dasselbe gilt für die Fuji X-PRO1. Umgekehrt ist die G3 in Natura kleiner, als sie auf Bildern rüber kommt. Und wie klein Pentax’ Q-Modelle sind kann man sich unmöglich vorstellen, bevor man nicht eine physikalisch vor Augen hatte.

Auch das 12–50mm-Kit-Objektiv der OM-D entpuppt sich in Real als überraschend kleiner, als man es nach Fotos erwartet hätte. Diese Überraschung wiederholt sich mit jedem Zubehörteil. So musste ich zum Beispiel lachen, als ich ein 45mm-ƒ1.8-Objektiv aus seiner Verpackung schälte, weil es so klein und niedlich aussieht.

So sehr man über das Volumen überrascht ist, wenn man die Geräte vor Augen hat, so sehr ist man als nächstes vom Gewicht überrascht, wenn man die OM-D in die Hand nimmt. Sie ist außerordentlich schwer und vermittelt einen robusten und wertigen Eindruck. Wie gesagt: Ich mag das!

Die OM-D wirkt dabei nicht nur wertig, sie sieht auch unheimlich schick aus, hebt sich optisch von allem anderen ab, was auf dem Markt ist, und vermag zu begeistern. Kaum jemand der nicht von ihr angetan ist wenn er sie live sieht.

Doch das schicke Gehäuse zeigt auch gleich einmal etliche Schwächen. So liegt es zum Beispiel alles andere als gut in der Hand. Ein Griff für die Finger ist mehr angedeutet, als physikalisch vorhanden. Hier punkten die Sony NEX-Modelle mit ihren ausgeprägten Girffen. Allerdings sei gleich einmal angemerkt, dass die Sony-Modelle in Sachen Haptik der OM-D das Wasser nicht reichen können. Im Vergleich wirken sie wie aus billigem Plastik gefertigt.

Zwei Einstellräder an der Oberseite sind das, was man sich wünscht. Die NEX-6 bietet das so nicht. Die Position des hinteren Rades ist allerdings etwas fragwürdig ausgefallen. Zwar lassen sich beide Räder exzellent bedienen, wenn man mit Live-View arbeitet, nimmt man jedoch den Sucher ans Auge, wird es kritischer. Ich kann nur mit dem linken Auge am Sucher arbeiten. Doch mit dem Sucher am linken Auge muss man den Daumen schon ziemlich verrenken um das hintere Einstellrad zu erreichen.

Bei den Tasten für Bildwiedergabe und FN1 fragt man sich ob diese nicht größer hätten ausfallen dürfen. An die schwammige Bedienung der Tasten gewöhnt man sich rasch – das dürfte wohl der wetterfesten Abdichtung geschuldet sein. Doch das Volumen der Tasten hätte sich sicher auch anders realisieren lassen.

Etwas schwammig finde ich auch das Bedienkonzept der OM-D. Natürlich ist man als Nikon-User das Bedienkonzept von Nikon gewöhnt. Doch Canon-Kompaktkameras, Sony-Kameras und auch meine Lumix erschlossen sich mir immer recht intuitiv. Von der OM-D kann ich das nicht behaupten. Ich scheiterte bereits daran Live-View zu aktivieren, ohne, dass der Händler Google bemühte. Es stellte sich heraus, dass der Knopf zum Umschalten seitlich am Sucher versteckt ist – so, dass er unsichtbar ist, wenn man die Kamera im rechten Winkel von hinten anschaut. Gut: Etwas ähnliches kenne ich auch vom Knopf um die AF-Modi bei manchen Nikon-DSLRs zu wechseln – dieser ist im Kippschalter für den AF/MF-Wechsel versteckt.

Die OM-D scheint eine Kamera, die polarisiert. Sie hat sogar mich polarisiert. Sie zeigt so viel Licht und Schatten, dass ich mich beim ersten Besuch beim Fachhändler nicht zu ihr durchringen konnte. Beim Vergleich OM-D mit NEX-6 hätte die Sony das Rennen gemacht.

Das NEX-System hat in meinen Augen aber ein großes Problem: Die Kameras wären toll, wenn man keine Objektiv bräuchte. Natürlich gibt es Standard-Zooms mit denen der Hobby-Fotograf zufrieden ist. Ich zweifle aber daran, dass man damit aus den Sensoren herausholt, was in ihnen steckt. Dazu braucht es Premium-Linsen. Und damit wird es dann schwierig.

Sony baut extrem kleine Bodys für das NEX-System. Aber die Objektive sind kaum kleiner als jene, für eine DSLR. Ich habe eine (teure) DSLR (mit teuren Objektiven). Wenn ich maximale Qualität erreichen will, dann gehe ich mit ihr auf den Weg. Meine Systemkamera soll in Sachen Abbildungsqualität möglichst nahe an die DSLR-Ausrüstung heran kommen, aber viel kompakter sein. Und da ist bei NEX der Ofen aus. Die Objektive sind entweder nicht hochwertig, nicht lichtstark, nicht kompakt, nicht billig oder haben eine Brennweite, mit der ich nichts anfangen kann. Oder es ist ein Mix aus allen diesen Eigenschaften.

Ich konnte kein einziges Objektiv entdecken, das mich für das NEX-System wirklich gereizt hätte. Das kompakt, lichtstark und leistbar in einem ist. Deshalb kam eine NEX am Ende dann doch nicht in Frage. Olympus ist in Sachen Objektive deutlich besser aufgestellt, da auch Objektive von Panasonic kompatibel sind.

Samsung hat im Grunde dasselbe Problem, wie Sony: Ich sehe kein interessantes Objektiv-Angebot. Pentax baut seltsame Systemkameras. Zu klein oder zu groß. Und Fuji X-Pro? Die X-Pro1 ist mir zu groß und hat ein Problem mit der RAW-Entwicklung. Sie gibt zwar wunderbare JPEGs aus, soweit ich gesehen habe. Aber wenn man RAW entwickeln will, ist man mit einem Modell mit klassischem Bayer-Matrix-Sensor besser bedient (trotzdem habe ich die X-E1 kurz in die Hände genommen und war bitter enttäuscht: sie ist relativ groß, aber leicht und vermittelt den Eindruck eines billigen Plastik-Produkts).

Ich habe meinen Fachhändler zweimal wieder verlassen, ohne dass ich mich für ein Modell entscheiden konnte. Ich konnte mich für kein Modell richtig begeistern. Rationell betrachtet musste es die OM-D werden, wenn ich tatsächlich ein Modell zwischen D600 und RX100 wollte. Eine Alternative sah ich nicht. Doch aufgrund der fehlenden Begeisterung fürchtete ich, dass ich mich nicht mit ihr anfreunden könnte.

Nach einer Nacht darüberschlafen habe ich die OM-D dann doch gekauft und zwar den Body alleine mit einem 45mm-ƒ1.8-Objektiv. Dieses ist wie beschrieben schön kompakt, lichtstark, hat vorzügliche Abbildungsleistungen, ein schönes Bokeh und ist mit etwa 300 Euro recht preiswert. Außerdem werde ich mein 20mm-Panasonic-ƒ1.7 weiter verwenden – ein Objektiv, das ich sehr schätze. Anschließend fehlt dann nur noch eine 12mm Festbrennweite.

Die Begeisterung für die OM-D ist in der praktischen Anwendung dann doch recht schnell gekommen. Hat man sich an das Bedienkonzept gewöhnt lässt es sich schnell und effizient mir ihr arbeiten. Das Klapp-Display erleichtert ungewöhnliche Perspektiven. Es ist ein Touch-Display. Allerdings ist es nicht das System des G3-Displays, das auf Druck reagiert und zuweilen etwas zäh auslöst, sondern eines, wie beim iPhone. Das fühlt sich spontaner an.

Ich glaube es war dprevie.com, die es etwas ironisch fanden, dass sich das OM-D-Display mit Handschuhen nicht bedienen lasse, wo sie doch durch ihre Spritzwasserabdichtung für die Arbeit bei frostigen Wetterbedingungen prädestiniert sei. Es ist eben wie beim iPhone: Es braucht die Berührung der Haut, oder aber eines Handschuhs, der an den spitzen mit einer speziellen Oberfläche versehen ist. Die G3 reagiert auf Druck und ist somit auch mit Handschuhen auslösbar. Theoretisch! Praktisch kann ich mir nicht vorstellen, dass sich das G3-Display mit Handschuhen wirklich effizient bedienen lässt. Schon mit den Fingern führt das Auslösen über das Display immer zu einer merklichen Verzögerung, weil du erst den Druck ausüben musst. Bei der OM-D ist das eine Berührung und – »Zack!« – ausg’löst is! Mit Handschuhen wird die Schwammige Bedienung der G3 sicher noch schwammiger.

Die OM-D über das Display auszulösen ist eine echte Freude. Du hast wirklich die Aufnahme in dem Augenblick an dem Punkt scharf auf den du gerade mit dem Finger getippt hast. Die OM-D ist nämlich wirklich schnell. Bei allem Schatten ist das der Punkt, der begeistern kann. Mit guten Objektiven erzielt sie sehr spontan Aufnahmen in beachtlicher Abbildungsqualität. Nach den ersten beiden Tagen der Anwendung ist es zwar noch etwas früh ein Resume zu ziehen, aber ich habe den Eindruck, dass sie wirklich eine kompakte Systemkamera ist, die in Sachen Qualität der D600 das Wasser reichen kann. Eine Kamera, mit der ich auf Reisen die DSLR nicht vermissen werde.

P2100037

P2100079

P2100001

P2100021

P2100183

P2100166

Kommentare: 9 (schreib deinen Kommentar)

Raw Showdown

Fri, 25. Jan. 13

dpreview hat vorgestern einen Artikel mit dem Titel “Raw Converter Showdown: Capture One Pro 7, DxO Optics Pro 8 and Lightroom 4” veröffentlicht. Das ist ein Thema das mich schon lange umtreibt und über das ich hier auch schon das eine und andere Mal geschrieben habe. Ich habe mit meinem Raw-Konvertern eine leidvolle Geschichte durchlebt und leide noch immer.

Begonnen habe ich mit Apple Aperture. Ist ist kein Geheimnis, dass ich der Marke zugeneigt bin und Apple war vor Adobe am Markt. Trotzdem habe ich schon während der Entwicklung von Lightroom einen Blick auf Adobes Entwicklung gehalten. Mit der Veröffentlichung von Version 1 habe ich dann den Schritt zum Umstieg gemacht. Wer das bereits einmal hinter sich hat, oder mit dem Gedanken rumspiele, weiß, dass sich RAW-Bilder nicht entwickelt von einem Programm ins andere übernehmen lassen. Entweder man exportiert die entwickelten Fotos als JPEG aus dem alten und importiert sie so ins neue Programm. Oder man behält das alte Programm weiterhin für die bis dahin entwickelten und verwalteten Fotos und startet mit dem neuen Programm mit den neuen Aufnahmen. Oder man muss alles, was bereits einmal entwickelt war, neuerlich entwickeln. Im Normalfall lassen sich lediglich Metadaten, also Schlagworte und Bewertungen, von einem Programm in ein anderes übernehmen.

Auch in mehreren Monaten konnte ich mich mit Lightroom nicht anfreunden. Die Oberfläche ist schön gestalten – am schönsten von allen RAW-Werkzeugen – aber sie geht in meinen Augen zu verschwenderisch mit dem Platz am Bildschirm um. Wenn ich Bilder bearbeite will ich aber so wenig Platz wie möglich an Paletten etc. verschwenden sondern jeden Quadratmillimeter für die Fotos nutzen.

Ein weiteres Problem mit Lightroom ist, dass es so strikt gestaltet ist. Von einer professionellen Software erwarte ich, dass ich als Profi in der Lage bin die Benutzeroberfläche an meine Bedürfnisse anzupassen. Photoshop, InDesign und Illustrator bieten diesbezüglich fast schon zu viele Möglichkeiten. Lightroom allerdings gar keine. Es ist so eine »friss oder stirb«-Angelegenheit: Der Fotograf muss sich an Lightrooms Workflow anpassen, nicht das Programm an den Workflow des Fotografen.

Als Hardcore-Computer-Nutzer arbeite ich mit zahlreichen Shortcuts. Lightroom bietet davon viel zu wenige und dem Benutzer keine Möglichkeit das zu ändern. In Photoshop, InDesign oder Illustrator (und in den meisten anderen Profi-Programmen) ist das eine Selbstverständlichkeit. Das einzige, was der Benutzer in Lightroom individualisieren kann, scheint die Plakette in der linken oberen Ecke zu sein. Mir scheint, als hätte Adobe bei der Entwicklung von Lightroom eher den Hobby-Fotografen im Kopf gehabt, anders kann ich mir die fehlende Individualisierbarkeit nicht erklären.

Dass Lightroom von Profis dermaßen breit angenommen wurde ist mir noch aus einem weiteren Grund ein Rätsel: Bis zu Lightroom 4 war Farbmanagement für das Programm ein Fremdwort. Mit 4 hat Adobe nachgebessert, aber die Integration scheint mir wenig intuitiv gelungen zu sein.

Ich will Lightroom nicht schlecht schreiben. Das Programm ist in Sachen Entwicklung auf Augenhöhe der Mitbewerber. Und ob man sich mit dem Workflow und der Benutzeroberfläche anfreunden mag ist eine eher individuelle Angelegenheit. Aber man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass es auch sehr gute Alternativen gibt.

Ich habe nach einigen Monaten Lightroom den Schritt zu Aperture zurück gemacht – das muss wohl so 2008 gewesen sein. Leider ist Apple dem Anwender lange die Frage schuldig geblieben ob das Programm weiter entwickelt wird. Der Anwender wartete lange auf ein Update von 2 auf 3 – und tappte im Dunkeln ob überhaupt eines kommen würde.

Als es dann kam hat es mich zunächst enttäuscht, denn Funktionen, wie Faces, Places und die Integration sozialer Netzwerke, ist in meinen Augen nichts, auf das du als Profi wartest. Trotzdem bin ich bei Aperture geblieben, da ich keine für mich besser scheinende Alternative gesehen habe. Bis der Druck zum Umstieg zu groß wurde.

Apple hatte mit Aperture 3 die Entwicklung der RAW-Daten augenscheinlich verbessert und die Qualität angehoben. Geschwindigkeit und Stabilität wurden aber zunehmend unerträglich.

Sam Jost hat einmal kommentiert, dass man Neues nicht sucht, weil das besser ist, sondern weil man mit dem, was man hat, nicht mehr zufrieden ist. Als der Leidensdruck mit Aperture zu groß wurde habe ich mich 2011 wieder nach einer Alternative umgesehen.

Neben Bibble waren das Capture One Pro und DxO Optics.

DxO Optics liefert auf Knopfdruck wirklich beeindruckende Resultate was Schärfe und Rauschunterdrückung angeht. Lightroom hat im Verhältnis dazu in Version 4 aufholen, allerdings nicht überholen können. Auch die Fähigkeit Verzeichnung und perspektivische Verzerrung (stürzende Linien) mit einem Klick zu entfernen ist beachtlich. Wieder habe ich aber Probleme mit der Oberfläche eines Programmes. DxO Optics bietet dem Benutzer nur wenige Menüpunkte, die Oberflächenstruktur ist weitgehend fix vorgegeben und was man bearbeiten will muss über Paletten bearbeitet werden. Außerdem wirkt die Oberfläche nicht gerade liebevoll gestaltet und ich arbeite eben lieber mit Programmen, die mich nicht permanent abturnen weil sie hässlich gestaltet sind. Manche mögen das seltsam finden, aber als Grafiker und Fotograf bin ich ein visuelle Mensch und habe diesbezüglich sehr sensible Augen.

Hinzu kommt, dass DxO Optics zu der Zeit, in Version 7, nicht gerade die Rakete war. In Sachen Geschwindigkeit hätte ich gegenüber Aperture wohl kaum etwas gewonnen.

Ich muss aber auch geben, dass ich für ein wirklich fundiertes Urteil über das Programm viel zu wenig intensiv damit gearbeitet habe. Das Problem ist, dass man mit einem Programm zur RAW-Entwicklung wirklich Monate lang arbeiten muss, um herauszufinden ob es einem passt oder nicht. Das ist auch ein Problem all dieser Vergleichstests, die man in Zeitschriften und Online-Magazinen findet. Ein Vergleich, der in wenigen Wochen (meist wohl in ein paar Tagen) erarbeitet wird, ist bei RAW-Werkzeugen nicht wirklich aussagekräftig. Und das ist auch ein Problem mit allen Tipps die man für und gegen ein bestimmtes Programm hört – die wenigsten Anwender haben wirklich fundierte Erfahrungen mit mehr als dem Programm, mit dem sie arbeiten. Die meisten Urteile basieren auf kurzen Tests innerhalb weniger Stunden oder Tage.

Da ich Monate mit Aperture, Capture One und Lightroom gearbeitet habe und noch immer mit Adobe Camera Raw (also der Entwicklungs-Engine von Lightroom arbeite) bilde ich mir ein über diese Programme ein wirklich fundiertes Urteil abbilden kann – subjektiv bleibt es natürlich trotzdem. Es sei gesagt, dass keines eindeutig schlechter ist, als das andere. Für was man sich entscheidet hängt mehr von subjektiven Vorlieben ab, und der Art Fotograf, der man ist.

Mein Wechsel erfolgte 2011 zu Capture One Pro 6. Das Programm hat es wirklich geschafft mich zu begeistern. Es bietet die professionellste Benutzeroberfläche aller RAW-Werkzeuge; es ist in jeglicher Hinsicht an den individuellen Workflow des Fotografen anpassbar. Shortcuts lassen sich selbstverständlich individualisieren. Das geht schon bei Aperture sehr gut, aber Capture One geht noch um einiges tiefer: Auch für individuelle Einstellungen der Werte für Belichtung, Weißabgleich, Schatten und Lichter, und einiges mehr, lassen sich Shortcuts vergeben. Etwas, was ich in Aperture vermisse.

Ebenso mustergültig ist die Integration von Farbmanagement.

Ein weiterer Vorteil: Das Programm muss Bilder nicht importieren, sondern kann sie direkt von der Festplatte lesen. Die Entwicklungsrezepte werden in einem automatisch erstellten, zusätzlichen Ordner im Ordner der Bilder abgelegt; ebenso die Vorschaubilder.

Bei Aperture hatte ich mehrfach das Problem, dass Bilder verschwunden sind. Möglicherweise hat das Programm sie bei Abstürzen vergessen. Man sieht bei diesem Datenbank-Konzept leider nur das, was das Programm sieht, nicht was sich tatsächlich auf der Festplatte befindet. Bei einem Konzept, wie es Capture One bei Sitzungen verfolgt (die neuere Version 7 kann auch einen Datenbank-basierenden Katalog erstellen), und wie es auch bei DxO Optics der Fall ist, kann das nicht passieren, weil man eben immer in der Ordner der Festplatte sieht.

Allerdings gibt es bei Capture One leider fast so viel Schatten wie Licht. Die ersten Wochen, mit nur ein paar Tausend Bildern, lief es sehr flüssig und deutlich schneller als Aperture. Doch je mehr Bilder ich damit verwalten wollte, desto mehr ging die Geschwindigkeit in den Keller. Außerdem ist die Verwaltung ein Graus, wenn man Jahre damit verwalten möchte. Wer es für Aufträge verwendet, kann gut eine Sitzung dafür anlegen, effizient damit arbeiten, den Auftrag abschließen und Ordner und Bilder im Archiv verschwinden lassen. Wäre das meine arbeitsweise, würde ich noch immer mit Capture One arbeiten.

Aber ich arbeite eben nicht so. Ich durchforste immer wieder meine Bestände von 2007, 2009 oder 2011 und erstelle neue Abzüge von alten Aufnahmen. Das ist mit Capture One 6 praktisch überhaupt nicht zu handhaben. Intelligente Ordner nehmen nur Bilder auf, die sich innerhalb des Sitzungsordners befinden oder als Favoriten markiert wurden. Ordner lassen sich zwar mit etwas Geduld manuell reihen (beim ersten mal an einen anderen Ort ziehen geht manchmal einfach nicht), öffnet man das Programm ein andermal wieder, hat es sich aber entschieden doch eine andere Ordnung zu wählen. Nach welchen Kriterien es dabei vorgeht bleibt für den Anwender eher schleierhaft. Es gibt zwar so etwas, wie nach Name oder Datum ordnen, aber das funktioniert auch nur manchmal und das Programm entscheidet, wenn es doch wieder der eigenen Ordnung folgen will.

Ich hatte die Hoffnung, dass Capture One 7 das besser macht, denn es wurde eine, bis dahin als separates Programm verkauftes Werkzeug integriert. Die Ansätze sind auch durchaus gut: Nur im Detail gestaltete sich auch damit die Projekt-Verwaltung nervenaufreibend.

Hinzu kamen andauernde Abstürze und eine Zähigkeit beim Aufbau der Thumbnails großer Bibliotheken, die mich an die Decke getrieben hat. Mit tausenden oder zehntausenden Bildern baucht man die Gelassenheit eines Zen-Meisters um nicht zu explodieren, wenn man auf Zeitbasis damit arbeitet. Naja, immerhin findet man Zeit zwischendurch etwas zu meditieren.

Die Qualität der RAW-Entwicklung von Capture One ist großartig. Es genießt den Ruf der beste Raw-Entwickler zu sein und ich würde dem unbedingt zustimmen – noch vor DxO Optics. Es bietet gute Möglichkeiten gegen Verzeichnung anzugehen (auch wenn DxO Optics diesbezüglich wohl die Nase vorne haben dürfte), geht vorzüglich mit Bildrauschen um und hat ein wirklich sehr gut zu bedienendes Werkzeug um perspektivische Verzerrung zu korrigieren. Auf der anderen Seite gestaltet sich aber selektive Bearbeitung schwieriger als in Aperture oder Lightroom und die Retusche-Werkzeuge sind nicht mehr als ein schlechter Witz – ärgerlich, wenn du dich wegen jedem Pickel und Sensorfleck an Photoshop wenden muss und JPEGs oder TIFFs zu generieren hast.

Primärer Grund blieb am Ende aber mangelnde Stabilität, lahme Geschwindigkeit und die schlechte Dateiverwaltung, die mich zurück zu Apple getrieben hat.

Was mich überrascht hat: Aperture steht noch immer bei 3, scheint aber in 3.3 vieles gelernt zu haben. Die RAW-Entwicklung und er Umgang mit Rauschen ist um vieles besser geworden, als es noch in früheren 3er Versionen der Fall war. Wenn ich jetzt die Resultate von Capture One und Aperture vergleiche braucht sich das Apple-Programm nicht zu verstecken. Das ist beachtlich, denn wie gesagt: Capture One gilt als Primus. Aperture wird oft als Software für Hobby-Fotografen bezeichnet.

Doch nicht nur die Qualität der RAW-Entwicklung hat sich verbessert. Auch die Stabilität ist mittlerweile mustergültig. Auch was die Geschwindigkeit möchte ich heute als nahezu absolut flüssig bezeichnen. Das mag vielleicht auch ein bisschen daran liegen, dass ich in der Zwischenzeit einen schnelleren Rechner mit SSD-Festplatte gekauft habe. Aber gerade der Vergleich mit Capture One, ebenfalls auf dem neuen MacBook, erscheint dieses Programm verglichen mit Aperture eine lahmen Ente, um nicht zu sagen eine Schnecke zu sein.

Es ärgert mich immer wieder wie oft ich lesen muss, Aperture wäre ein Programm für Hobbyfotografen. Die Fähigkeiten zur Individualisierung der Oberfläche ist weitaus professioneller gelungen, als es bei Lightroom der Fall ist. Wer behauptet, die Qualität der Entwicklung ist absolut auf Augenhöhe mit den Mitbewerbern und war lange Zeit eindeutig besser, als es bei Lightroom der Fall war. Erst mit der vollständig neu entwickelten Engine in Lightroom 4 hat das Programm aufgeschlossen. Geht es um die Restaurierung überbelichteten Bereichen hat Aperture gegenüber Lightroom noch immer die Nase vorne (siehe hier). Isso!

Wobei es schwierig ist, tatsächlich ein RAW-Entwicklungswerkzeug als besser zu bezeichnen, als ein anderes. Wie dpreview in ihrem Vergleich treffend zeigen mag zum Beispiel die eine Software bei einem bestimmten Kameramodell schon nach Voreinstellung schönere Hauttöne entwickeln, als die anderen, führt aber mit den RAWs einer anderen Kamera zu weniger schönen Resultaten. Und dann hat jede Software für sich grundsätzlich Stärken und Schwächen. So hat zum Beispiel Lightroom mit meiner damaligen D80 nach Voreinstellung ganz schrecklich chemisch aussehende Grastöne entwickelt. Ein Problem, das allerdings durch ein Ändern der Grundkalibrierung für diese Kamera in den Griff bekommen habe. Nach meinem Umstieg zu Aperture habe ich entdeckt, dass die Grastöne in RAWs aus der D80 viel natürlicher rüberkamen. Dafür neigte Aperture damals aber dazu in schattigen Hauttönen zu einem hässlichen Grünstich zu führen. Ein Problem, das ich gar nicht in den Griff bekommen habe und etwas, was Lightroom (mit der D80!) von Haus aus besser machte.

Es kommt also auch bei dem, was man in Sachen Entwicklungsqualität bevorzugt, darauf an, was einem subjektiv gefällt, was für eine Art Fotograf man ist und vor allem auch darauf, mit welcher Kamera man arbeitet. Da aber die Qualität aller Werkzeuge, die ich bisher testete, iO ist, und sich Schwächen in den Grundeinstellungen durch individuelle Ausarbeitung korrigieren lässt, und sich diese Korrekturen auch bereits automatisch beim Import anwenden lassen, ist es in der Regel eher eine Frage des Workflows, für welches Programm man sich entscheidet, als eine Frage der Entwicklungsqualität.

Aperture wurde eindeutig für einen professionellen Workflow entwickelt. Die Dateiverwaltung ist Mustergültig und Projekte, Alben, Ordner und intelligente Ordner lassen sich beliebig nach den Vorstellungen des Fotografen strukturieren. Das kann Lightroom zwar auch, aber Aperture geht dabei bei weiten weniger verschwenderisch mit dem Platz auf dem Bildschirm um.

Das Problem mit Apple ist aber: Der Anwender hat keine Ahnung wo die Reise zukünftig hin geht. Apple hüllt sich über alle Produktentwicklungen in Schweigen. Man weiß nicht ob jemals ein Aperture 4 auf uns zukommen wird. Die Gerüchte dazu sind so zuverlässig, wie ein Orakel. Und wenn es kommt: Wird Aperture 4 noch professionelle Ansprüche befriedigen. Apple ist heute eine Consumer-Marke und mich quält die Befürchtung Apple könnte Aperture tatsächlich zum aufgemotzten iPhoto für Hobby-Fotografen verkommen lassen.

Die langen Wartezeiten zwischen den Versionen, die eben von Schweigen geprägt sind, geben dem Benutzer nicht unbedingt viel Vertrauen in die Zukunft ihres Produkts. 2005 erschien Aperture 1, 2008 Aperture 2 und 2010 Aperture 3. Adobe war später am Start und ist heute bei Version 4.

Auf der anderen Seite ist es aber auch interessant wie viel Anwender heute rufen: Apple, wann dürfen wir euch wieder Geld für ein Update überweisen? Adobe zieht uns die Kohle doch auch in immer kürzeren Produktzyklen aus der Tasche! Was ist nicht in Ordnung mit Aperture 3, dass wir ohne Update nicht leben können? Sicher die Integration einer Korrektur von Objektivfehlern auf Basis einer Objektivdatenbank und ein Werkzeug zur individuellen Korrektur perspektivischer Verzerrung wären absolut wünschenswert – das bietet heute sowohl Lightroom, als auch Capture One, als auch DxO Optics. Dafür hat Aperture den anderen Programmen aber auch Dinge voraus, die ich mir bei denen wünschen würde. Und welches Programm kennt ihr den, in dem man nicht noch einiges nachbessern könnte?

Im Übrigen scheint Apple von Februar 2010 bis heute intensiv an Aperture gearbeitet haben. Das Programm ist um vieles schneller und stabiler, die Qualität der RAW-Entwicklung wurde verbessert, die automatische Entwicklung ist besser geworden, die Struktur der Datenbank, auf der die Bibliotheken basieren wurde komplett neu geschrieben, das Weißabgleichswerkzeug erfuhr eine komplette Überarbeitung, und ein paar Kleinigkeiten sind dazu gekommen und haben sich geändert. Ich zweifle schwerstens daran, dass Adobe ein Update dieses Umfangs kostenlos weiter gegeben hätte. Und ich finde es auch durchaus sympathisch, dass der Produktzyklus nicht in Richtung ein Jahr zusammen schmilzt. Damit arbeiten Konzerne doch nur in die eigene Tasche. Nur das Schweigen über den Status der Entwicklung nervt.

Was für viele Anwender ein Grund für Lightroom ist, ist, dass die Zukunftssicherheit bei diesem Programm am größten ist. Niemand weiß, wann welche Firma von wem übernommen wird und ob es dann noch eine Zukunft für sein Produkt gibt. Oder ob das Programm insgesamt neben den Mitbewerbern untergeht. Qualität alleine ist leider oft keine Garantie für das Überleben eines Produkts. Bibble zum Beispiel wurde vor einiger Zeit von Corel übernommen und in AfterShot Pro umbenannt. Ich habe mir AfterShot gestern wieder einmal angesehen und dabei entdeckt, dass das Programm noch immer keine D600-RAWs unterstützt. Bei einer populären Kamera, wie der D600, finde ich das haarsträubend und es gibt mir wenig Vertrauen, dass dieses Programm tatsächlich eine Zukunft hat. Alle anderen Mitbwerber haben die D600 seit Wochen integriert.

Ich glaube bei Adobe macht sich niemand Sorgen, dass der Konzern in absehbarer Zeit von einem anderen aufgekauft wird, oder, dass Lightroom neben den Mitbewerbern untergehen könnte. Meine Befürchtung geht allerdings in die Gegenteilige Richtung. Das schlimmste was dem Lightroom-Anwender passieren könnte, ist, dass Adobe auch hier ein Monopol erreicht. Bei Photoshop, InDesign und Illustrator ist das längst der Fall. Und ich habe nicht den Eindruck, dass der Kunde von dieser Situation profitiert.

Zeit für ein Fazit. Aber was für eines? Für mich ist aktuell Apple Aperture die Lösung der Wahl. Doch wie gesagt: Am Ende ist das rein subjektiv. Aperture kommt mir von allen Angeboten am meisten entgegen. Andere Fotografen haben andere Bedürfnisse und werden von einem anderen Programm besser bedient. Alle haben Stärken und Schwächen. Jedes kann Dinge, die andere nicht können. Kann aber auch Dinge nicht, die andere können. Was für einen am besten passt muss jeder für sich entscheiden. Wer hier ein anderes Ranking abgibt, als ein »für mich ist das so« flunkert. Einen wirklich kompetenten Tipp zum besten Programm am Markt könnte ohnehin nur abgeben, wer über Monate hinweg mit allen Werkzeugen intensiv gearbeitet hat. Und wetten: Niemand auf der Welt hat das!

Was sich allerdings einige Anwender sparen können, ist es, sich das eigenen Produkt schön zu reden, indem man die Mitbewerber schlecht macht. Die meisten Tipps, in Richtung nimm doch mein Programm, das ist das besten, die Programme X, Y und Z sind eh nur Mist, kommen meist von Leuten, die nicht mehr kennen, als eben ihr eigenes Programm, und vom Hörensagen wissen, dass die Mitbewerber nicht gut sind. Auch ein Test über ein paar Stunden hinweg ist diesbezüglich nicht aussagekräftig.

Es ist wie mit diesen Fotografen, die auf Nachfrage jeden damit penetrieren, dass man doch eine Canon kaufen solle, weil die seien eh die besten und Nikons seien seltsam zu bedienen und nicht benutzerfreundlich. Sorry, aber mir geht es umgekehrt mit Canon so: Ich komme mit der Benutzerführung der Canon DSLRs genauso wenig klar und finde mich auf jeder Nikon sofort zurecht. Das Beispiel heißt natürlich nicht, dass es Nionians, Sony-, Pentax- oder was-weiß-ich-Fotografen gibt, die sich für Ihre Marke mit dem gleichen Eifer einsetzen.

Zwar habe ich diesen Artikel auch deshalb geschrieben, um wieder einmal eine Lanze für Aperture zu brechen, aber man darf dabei eben nie aus den Augen verlieren, dass man nichts anderes, als seine persönliche Meinung Kund tut. Wenn mich jemand fragt »was für eine DSLR würdest du kaufen?« muss ich sagen »eine Nikon«. Wenn mich jemand fragt »welche DSLR soll ich kaufen?« muss ich antworten »geh in einen Laden, der möglichst viele Marken und Modelle hat, nimms sie in die Hand und schau, was sich dir in Sachen Bedienung intuitiv erschließt und sich für dich gut anfühlt«. Alle Kamerahersteller kochen mit Wasser. Alle Modelle haben Stärken und Schwächen. Schlechte Modelle würde ich in der Sparte der Kameras über 300 Euro kaum mehr erwarten.

Dasselbe gilt für den Bereich der Software zur RAW-Entwicklung. Die Programme sind unterschiedlich in dem was sie können und wie sie das anbieten, aber kaum in Sachen Qualität. Du hast also die Qual der Wahl und niemand kann dir sagen, was objektiv das Beste ist. Isso!

So. Und wenn du jetzt wirklich bis hierher durchgehalten und gelesen hast: Schreibe mir doch bitte einen Kommentar. Vielleicht willst du ja etwas ergänzen, oder irgendwo widersprechen. Und wenn nicht, gib einfach ein Zeichen. Damit ich wieder einmal weiß, ob es wirklich jemanden interessiert, was ich hier vom Stapel lasse. Oder ob die drei Stunden für so einen Artikel für die Katz sind. Danke. :)

Kommentare: 9 (schreib deinen Kommentar)

D600 – erste Eindrücke

Sun, 23. Sep. 12

D600

Unglaublich, wie schnell das jetzt gegangen ist. Letzte Woche wurde sie der Öffentlichkeit vorgestellt, vergangenen Donnerstag konnte ich sie schon in Empfang nehmen. Danke in diesem Zusammenhang auch an Foto Hebenstreit in Feldkirch mir gleich eines der ersten Modelle zu reservieren.

Der erste Eindruck fällt bei mir natürlich im Vergleich zur D700 aus, die ich bislang verwendet habe und sicher auch weiter noch einsetzen werde, auch wenn sie es in Zukunft etwas schwerer haben wird.

Die D700 ist die professionellere Kamera. Sie ist größer, schwerer und fühlt sich etwas hochwertiger an. Was ich direkt nach den ersten Produktaufnahmen an der D600 vermisst habe ist ein AF-On-Knopf. Die D600 ist als Consumer-Kamera positioniert und AF-On gibt es bei Nikon offensichtlich weiterhin nur in der Profiklasse. Glücklicherweise lässt sich allerdings der AE-L/AF-L-Knopf als AF-On-Knopf konfigurieren. Zwar hatte ich zunächst den Eindruck, dass die Positionierung des AE-L/AF-L-Knopfs an der D600 etwas unglücklicher ausgefallen ist, als der AF-On an der D700, aber in der Praxis konnte ich beim ersten Shooting keinen Handling-Nachteil feststellen. Ich konnte 1:1 so arbeiten, wie ich es von der D700 gewohnt bin.

Erschreckend fand ich die geringe Fläche im Zentrum des D600-Suchers, der durch AF-Messfelder abgedeckt ist. Du fragst dich echt für was du 39 Messfelder brauchst, wenn die sich alle im Zentrum zusammenrotten. Nach dem Einschalten der Gitternetztlinien sieht das nicht mehr ganz so schlimm aus, was aber auch nur ein Selbstbetrug ist.

Fotografiert habe ich mein erstes Shooting mit 24–70 ƒ2.8, 70–200 ƒ2.8, 50mm ƒ 1.4 und meinem neuen 85mm ƒ1.8. Obwohl die Kamera kleiner und leichter ist, als die D700, empfand ich keinen Unterschied im Handling. Keinem Moment hatte ich das Gefühl, dass die Kamera mit dem schweren 70–200 Objektivlastig wird – naja, man hält dann ohnehin eher das Objektiv in Händen, als die Kamera.

Das Wetter war übrigens Scheiße und hat mich voll veralbert. Aufbau der Blitze unter dichten Wolken – eh irgendwie passend zur Location –, kaum sind die Modelle da: Regen. War eingeplant und ich hatte eine Location ausgesucht, die Dächer anboten, unter denen es sich mit Blitzen fotografieren ließ. Kaum unter Dach, lässt der Regen nach. Nach einigen Aufnahmen in der geschützten Zone wieder raus ins Freie und zweiten Anlauf nehmen. Allerdings gerade mal drei Bilder lang, bis sich die Erkenntnis durchsetzt, dass aus dem leichten Regen gleich einmal ein heftiger Guss werden würde. Also zurück unters Dach.

Das schöne dabei: Um die nagelneue D600 habe ich mir selbst im heftigen Regen keine Sorgen gemacht. Sie soll so gut abgedichtet sein, wie die D800 und damit wohl auch nicht schlechter, als die D700. Und der D700 traue ich es sogar zu, dass sie auch einen kompletten Sturz ins Wasser, mit kurzfristigem Untertauchen, ohne Totalschaden überleben würde. Ich fürchte, dass das früher oder später mal kommen wird bei mir. Später wär’ OK. Vorab testen werde ich es wohl eher nicht.

Mit der D600 ist meine Auflösung von 4256×2832 Pixel, bei der D700, auf 6016×4016 gewachsen. Das ist eine um fast das 1,5-Fache feinere Abbildung (man könnte auch sagen Vergrößerung) der Details. Das bedeutet natürlich, dass nicht nur feinste Details, wie Haare, feiner aufgelöst werden, sondern auch Unruhe und Zittern des Fotografen. Das heißt auch, dass sich die Faustregel vom Kehrwert der Brennweite, die man aus freier Hand noch ohne Verwackelung halten kann, so nicht mehr anwenden lässt. Konnte ich also bei der D700 bei 100mm Brennweite 1/100 Sekunde noch etwa aus freier Hand halten – meist eh nicht, weil ich oft anstrengende Haltungen für ungewöhnliche Perspektiven einnehme und zu viel Kaffee saufe –, müsste es bei der D600 bei 100mm Richtung 1/150 Sekunde gehen. Ich meine, dass man das den Aufnahmen vom Shooting auch ansieht, denn so richtig knackscharf sind die Aufnahmen nicht. Ein zweiter Grund für die mangelnde Schärfe in vielen Details kann natürlich auch das Glas sein. Zwar genießen alle Objektive, die ich eingesetzt habe einen guten, ich würde meinen professionellen, Ruf, aber auch die besten Linsen bilden bei Offenblende nicht so scharf ab, wie beim mehr oder weniger dezenten Abblenden.

Das Rauschverhalten der D600 scheint mir hervorragend. Besser, als bei der D700, die vor drei Jahren ja noch, mit der D3 zusammen, das Maß der Dinge war. Ich habe das Shooting mit ISO800 bestritten. Zum Einen, weil es sehr bedeckt und düster war, und ich die eingesetzten Blitze vor allem dazu aufgebaut habe um den Modellen etwas härteres Licht und Schatten zu verleihen, zum Anderen aber auch, weil ich mir generell einen Eindruck verschaffen wollte, wie sich die Kamera bei ISO800 schlägt. Rauschen tritt in den JPEGs, ‘out of the camera’, eigentlich kaum auffallend in Erscheinung, und wo man es in der 100%-Ansicht ausmachen kann, ist es angenehm strukturiert.

Die folgenden Bilder sind nicht, wie sonst bei mir üblich, RAW-Aufnahmen, die mit Capture One entwickelt und nachbearbeitet wurden, sondern JPEGs, wie sie aus der Kamera kamen, ohne irgendeine Form der nachträglichen Bearbeitung. Bis Capture One D600-Files entwickeln kann, werden wohl jetzt einige Wochen ins Land ziehen (aktuell warte ich noch auf die Unterstützung, der Sony RX600, gel Phase On!?)

Als erstes Fazit kann ich wohl sagen, dass es die D700 schwer haben wird sich neben der D600 zu behaupten. Sie wird in Zukunft wohl eher den Platz der Zweitkamera einnehmen, und nicht umgekehrt, wie es bei Bestellung der D600 irgendwie noch gedacht war. Sorry, D700.

Beispiel1a
Beispiel1b

Nikkor 24–70mm ƒ2.8 bei 42mm, ƒ5.6, ISO800 und 1/100s.

Beispiel2a
Beispiel2b

Nikkor 24–70mm ƒ2.8 bei 48mm, ƒ5.6, ISO800 und 1/125s.

Beispiel3a
Beispiel3b

Nikkor 24–70mm ƒ2.8 bei 35mm, ƒ5.6, ISO800 und 1/125s.

Beispiel4a
Beispiel4b

Nikkor 85mm ƒ1.8 bei ƒ1.8, ISO100 und 1/250s.

Beispiel5a
Beispiel5b

Nikkor 85mm ƒ1.8 bei ƒ1.8, ISO100 und 1/250s.

Beispiel6a
Beispiel6b

Nikkor 70–200mm ƒ2.8 bei 125mm ƒ2.8, ISO800 und 1/320s.

Beispiel7a
Beispiel7b

Nikkor 70–200mm ƒ2.8 bei 102mm ƒ2.8, ISO800 und 1/320s.

Beispiel8a
Beispiel8b

Nikkor 70–200mm ƒ2.8 bei 200mm ƒ2.8, ISO800 und 1/320s.

Kommentare: 1 (schreib deinen Kommentar)