
Vor einigen Tagen präsentierte Jürgen Siebert in seinem Fontblog das neue Logo für die Deutsche Ratspräsidentschaft in der EU 2007. Die Kommentare zum Artikel (und zum Logo) waren durchwegs eindeutig und vernichtend; im besten Fall klang noch ein ›so schlecht ist es auch wieder nicht‹ durch. Auch ich habe mich mit meinem Kommentar nicht zurück gehalten und das Ganze auch noch einmal bei typografie.info zur Diskussion gestellt.
Nun möchte ich an dieser Stelle meine Kritik an der Arbeit nachreichen:
1. Die Kreidestriche sind einfach nur billig. Soetwas habe ich vor 12 Jahren am Beginn meiner Ausbildung zum Grafiker bereits verbraten. Es mag Aufgaben geben, denen diese Lösung angemessen ist, hier wirkt es in erster Linie infantil.
2. Die Zeichen ›2007 DE‹ sind zu leicht. Etwas mehr Strichstärke wäre hier durchaus angebracht gewesen.
3. Die Schrift wirkt instabil. Das ist ein Problem, welches kursive (schräge?) Versalien meist aufweisen; vor allem wenn die Schrift so schmal ist wie hier. Kleinbuchstaben vertragen eine Neigung wie in der Kursive üblich recht gut, da sie kompakt sind, das Verhältnis von Breite zu Höhe weniger extrem ist — sie wirken als würden sie dynamisch über die Zeile rollen. Geneigte Versalien hingegen machen oft den Eindruck als würden sie im nächsten Moment auf die Nase fallen. Das ist besonders gut bei der 7 und bei D und E zu sehen. In einer breiteren Schrift oder sogar kursiven Kapitälchen hätte das eher funktionieren können, da echte Kapitälchen Proportionen aufweisen, die kompakter sind (wie Gemeine eben).
4. Die lebendige Anmutung der Kreidestriche verträgt sich nur schwer mit der technischen Anmutung der Schrift. Der lustige Stern wirkt gar als träfe hier der kleine Prinz vom anderen (Stern) auf den Herrn Ingenieur (oder Buchhalter). Ich sehe hier weder eine Harmonie noch einen interessanten Kontrast der Anmutungen.
5. Der Stern ist sehr schlecht zwischen den Zeichen positioniert.
6. Das Gelb des Sterns ist viel zu hell. Ein ins orange tendierendes Gelb hätte wohl besser funktioniert.
7. Die Lösung sagt im Grunde nichts aus.
Hätte mir jemand dieses Logo nebenbei unter die Nase gehalten, ich hätte gemutmaßt ein Laie, vielleicht der Schwager des Auftraggebers, hätte sie in einer Nacht (und bei Nebel) nebenberuflich in CorelDraw erarbeitet (womit ich weder Schwäger noch Corel diskreditieren möchte). Eine der namhaftesten Design-Agenturen des deutschen Landes hätte ich dahinter nicht vermutet.





Letzte Kommentare