Fr, 01. Dez. 06

von Markus

Autor: Markus Kategorien:
Gestaltung
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eu_2007_logo_solo

Vor einigen Tagen präsentierte Jürgen Siebert in seinem Fontblog das neue Logo für die Deutsche Ratspräsidentschaft in der EU 2007. Die Kommentare zum Artikel (und zum Logo) waren durchwegs eindeutig und vernichtend; im besten Fall klang noch ein ›so schlecht ist es auch wieder nicht‹ durch. Auch ich habe mich mit meinem Kommentar nicht zurück gehalten und das Ganze auch noch einmal bei typografie.info zur Diskussion gestellt.

Nun möchte ich an dieser Stelle meine Kritik an der Arbeit nachreichen:

1. Die Kreidestriche sind einfach nur billig. Soetwas habe ich vor 12 Jahren am Beginn meiner Ausbildung zum Grafiker bereits verbraten. Es mag Aufgaben geben, denen diese Lösung angemessen ist, hier wirkt es in erster Linie infantil.

2. Die Zeichen ›2007 DE‹ sind zu leicht. Etwas mehr Strichstärke wäre hier durchaus angebracht gewesen.

3. Die Schrift wirkt instabil. Das ist ein Problem, welches kursive (schräge?) Versalien meist aufweisen; vor allem wenn die Schrift so schmal ist wie hier. Kleinbuchstaben vertragen eine Neigung wie in der Kursive üblich recht gut, da sie kompakt sind, das Verhältnis von Breite zu Höhe weniger extrem ist — sie wirken als würden sie dynamisch über die Zeile rollen. Geneigte Versalien hingegen machen oft den Eindruck als würden sie im nächsten Moment auf die Nase fallen. Das ist besonders gut bei der 7 und bei D und E zu sehen. In einer breiteren Schrift oder sogar kursiven Kapitälchen hätte das eher funktionieren können, da echte Kapitälchen Proportionen aufweisen, die kompakter sind (wie Gemeine eben).

4. Die lebendige Anmutung der Kreidestriche verträgt sich nur schwer mit der technischen Anmutung der Schrift. Der lustige Stern wirkt gar als träfe hier der kleine Prinz vom anderen (Stern) auf den Herrn Ingenieur (oder Buchhalter). Ich sehe hier weder eine Harmonie noch einen interessanten Kontrast der Anmutungen.

5. Der Stern ist sehr schlecht zwischen den Zeichen positioniert.

6. Das Gelb des Sterns ist viel zu hell. Ein ins orange tendierendes Gelb hätte wohl besser funktioniert.

7. Die Lösung sagt im Grunde nichts aus.

Hätte mir jemand dieses Logo nebenbei unter die Nase gehalten, ich hätte gemutmaßt ein Laie, vielleicht der Schwager des Auftraggebers, hätte sie in einer Nacht (und bei Nebel) nebenberuflich in CorelDraw erarbeitet (womit ich weder Schwäger noch Corel diskreditieren möchte). Eine der namhaftesten Design-Agenturen des deutschen Landes hätte ich dahinter nicht vermutet.

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Fr, 24. Nov. 06

von Markus

Autor: Markus Kategorien:
Gestaltung
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Der Artikel ›Detail is everything‹ von HD Schellnack hat mich veranlasst einmal mehr über Design nachzudenken.

Tatsächlich ist der gute Designer ein Mensch der sich sehr intensiv mit Details auseinandersetzt. Für den Nicht-Designer mag dies oft schwer nachvollziehbar sein; eine Tatsache die dem leidenschaftlichen Gestalter die Arbeit oft erschwert (ein Gestalter ohne Leidenschaft wird nie ein guter sein, wie auch ein Musiker ohne Herz kaum Mittelklasse erreichen wird). Besonders wenn sein Auftraggeber den Aufwand zur Bearbeitung der Details nicht sieht, oder ein Detail verändert haben möchte, welches dann die Harmonie des Großen und Ganzen stört steht der Designer vor einem Problem.

Ich vergleiche den Designer gerne mit dem Uhrmacher — und Design mit einem Uhrwerk. Jedes Zahnrad, das kleinste Detail, ist unverzichtbar für das Funktionieren der Uhr. Entfernt man nur einen einzigen Stift, zieht man nur eine Schraube zu fest oder passt nur das winzigste Rädchen nicht korrekt ein, ist das Uhrwerk im Eimer. Man kann nicht an einem Rad drehen ohne das Ganze zu verändern (ich bin kein Uhren-Freak, aber wenn Sie einmal in die Nähe von Schaffhausen kommen, empfehle ich Ihnen einen Einblick in die Uhrenmanufaktur von IWC; sehr beeindruckend!)

Im Grunde genommen ist es absurd zu glauben, man könne ästhetische Gestaltung schaffen ohne dabei die Details zu berücksichtigen, auch wenn ich nachvollziehen kann, dass dies für den Laien pedantisch erscheinen mag (so wie ich, Laie, nicht verstehen konnte weshalb eine mechanische Uhr 3.000, 5.000 oder 10.000 Euro kosten kann, bevor ich Einsicht bei IWC hatte).

Ein weiteres Bild möchte ich Ihnen beschreiben um die Bedeutung der Details im Design zu illustrieren:

Von einer leichten Anhöhe blicken wir auf eine Landschaft, eine wunderschöne; Wälder, Wiesen, ein paar Siedlungen mit ursprünglichem Charme — quasi das perfekte romantische Gemälde, sogar Wolken- und Lichtstimmung könnten nicht besser sein. Nur rechts unten im Tal — auch ein altes Bauernhaus. Daran pickt eine große Satellitenschüssel und gleich daneben ein Sendemast für Mobilnetze. Eine Schande! Nun ja. Wir werden es später in Photoshop aus dem Bild retuschieren.

Das Ganze ist immer die Summe seiner Teile. Stehen die Teile in Harmonie zueinander, dann ist es sogar bedeutend mehr als das.

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