Di, 14. Okt. 08

von Markus

Geschlechtsneutral. Hässliches Wort. So wie: Nicht Fisch und nicht Fleisch. Irgendwie: Lau. Unisex? Androgyn gefällt mir besser. Da sind schon beide Geschlechtsteile mit drin, wie H C | Strache sagen würde. Aber Geschlechtsneutral klingt irgendwie nach gar kein Sex.

Ö1 berichtete gestern darüber. Als TypografIn schlägt man dann gerne die Hände über dem Kopf zusammen. Weil in der passenden Schrift schon einmal aus der TypografIn ein/eine (das?) Typografln wird (wenn der Satz jetzt keinen Sinn für euch ergibt, würde das heißen, dass er in eurem Browser nicht mit der von mir definierten Antiqua angezeigt wird, sondern mit einer Serifenlosen wie der Arial oder der Verdana. In diesen modernen (?) Schriften lässt sich das große Binnen-I nämlich kaum vom kleinen l unterscheiden. Lesbarkeitsfördernd ist das aber nicht.

Mir widerstreben diese beide Geschlechtsteile umfassenden (wie gesagt: © H C | Strache) Schreibweisen aber nicht nur als Typograf. Auch als Leser finde ich sie grässlich. Was lest ihr denn, wenn in einem Satz von TypografInnen vorkommen? Typografinnen. Eben. Ist es den Aufwand wirklich wert, wenn aus einer sprachlichen Vermännlichung eine sprachliche Verweiblichung wird? Schon klar, dass diese Entwicklung der deutschen Sprache patriarchalische Wurzeln haben. Aber was gewinnen wir, wenn wir die Vorzeichen umkehren?

Das Problem bei dieser Innen-Schreibweise ist, dass ich als Leser immer darüber stolpere. Man kann das nicht flüssig lesen. Die Schreibweise bremst den Lesefluss immer aus, weil wir uns entscheiden müssen, ob wir jetzt Typografinnen, Typografen oder Typografinnen und Typografen lesen. Beim stummen Lesen stolpert man dann einfach nur. Aber beim Vorlesen? Da müsst ihr euch für eine der Varianten entscheiden und da werden dann meist Typografinnen draus. Kann das das Ziel der Gleichberechtigung sein.

OK. Ich bin ein Mann. Eh klar, dass ich alter Macho so argumentiere. Wobei: Ich hatte bislang kein Problem meine politische Stimme einer Frau zu geben, mir sind Parteien mit einem hohen Frauenanteil sympathischer als Männerseilschaften (obschon ich für Qualifikation vor Quote bin) und ich kann der Schreibweise »Studierende« vor »Studenten und Studentinnen« und vor allem »StudentInnen« viel abgewinnen. Oder »Lehrkräfte« vor »Lehrer und Lehrerinnen« bzw. »Lehrerinnen«. Doch in langen Texten, Zeitungsberichten, Büchern, etc. wenn da immer von Politikern und Politikerinnen, von Lehrern und Lehrerinnen, von Typografen und Typografinnen, von Studenten und Studentinnen zu lesen ist, dann ist das äußerst mühsam. Kaum weniger Mühsam als von PolitikerInnen, LehrerInnen, TypografInnen und StudentInnen zu lesen. Ich ziehe da Politiker, Lehrer, Typografen und Studenten einfach vor.

Nebenbei hat Bastian Sick einmal geschrieben, er habe noch nie gelesen, dass jemand das Fehlen von Mörderinnen, Betrügerinnen und Gaunerinnen mukiert habe. Stimmt! Gibt es die etwa gar nicht? Zumindest wenn ich das schreibe, habe ich das Gefühl, dass die Worte nicht stimmen.

In Stelleninseraten kann ich der Sache etwas mehr abgewinnen, wenn man nach Typografinnen sucht. Ich behelfe mir dabei gerne mit dem hochstellen der in und innen. Obschon die Suche nach einer/einem Tyopgrafin neben dem eigentlichen Hauptwort auch noch den Artikel zum Problem macht. In einem Inserat mag es ein sparchlich wie typografisch notwendiges übel sein (wie gesagt: kein Problem mit den neutralen »Lehrkräften«, aber »Typokräfte« würde wohl niemand verstehen), um klar auszudrücken: Frauen sind ebenso willkommen, wie Männer. Ja das weglassen dieser beide Geschlechtsteile umfassenden Formulierung, könnte gar als »Frauen, nein danke« gedeutet werden. Aber ansonsten: Ich bin gegen diese Form der Geschlechtsumwandlung.

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Do, 18. Sep. 08

von Markus

Exlibris hat wieder eine Schrift veröffentlicht, in Namen und Form ganz offensichtlich eine Schwester der coolen Museo. Die Museo Sans ist eine sehr gut ausgebaute lineare Groteskschrift die Jos Buivenga in zehn Schnitten gestaltet hat. Bisher hat ja Jos Buivenga eine ganze Reihe an sehr gut gezeichneten und absolut professionell ausgebauten Schriften kostenlos auf seiner Website zum Download und zur Nutzung verteilt. Bei der Museo waren von fünf Schnitten drei frei, zwei zu sehr moderaten Preisen lizensierbar. Von den zehn Schnitten der neuen Museo Sans stehen nun zwei zum kostenlosen Download zur Verfügung, acht müssen lizensiert werden, wobei ein Preis von 99 $ bzw. derzeit 79,20 $ nach wie vor ein sehr faires Angebot ist.

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Do, 21. Aug. 08

von Markus

Wood ClockStylespion Kai Müller hat unter dem Titel »13 mal mehr Zeit« für seine Besucher 13 interessante Design-Wecker zusammengestellt. Absolut sehenswert! Mein Favorit: Wood Clock.

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Do, 24. Jul. 08

von Markus

Ivo Gabrovitsch hat in seinem Blog Fontwerk einen interessanten Artikel zum Thema Font-Einbettung für Websites veröffentlicht.

Ich weiß noch nicht ganz, wie ich selbst zu dem Thema stehen soll. Zunächst einmal hat mich die Idee sehr begeistert. Ich habe dann aber die erste speziell für diese Technologie verfügbare Schrift – die Graublau Sans Web – in mein Weblog eingebaut und getestet. Leider war ich mit der Darstellung und der Lesbarkeit der Schrift – die auf Papier derzeit zu meinen Favoriten gehört – nicht zufrieden, und habe das Experiment deshalb abgebrochen.

In Lesetextgrößen am Bildschirm gut lesbare Schriften zu gestalten, ist eben nach wie vor ein schwieriges Unterfangen, und eine Schrift die auf Papier gut aussieht, ist eben in Bildschirmauflösung meist der zweite Preis, sowie umgekehrt hervorragende Bildschirmschriften auf Papier meist etwas grob daher kommen (siehe Verdana).

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Mi, 09. Jul. 08

von Markus

Besonders in meinen InDesign-Seminaren – wo ja die Arbeit mit Text zur Kernaufgabe gehört – weise ich gelegentlich darauf hin, dass Texte manuell umbrochen werden sollten. Einmal abgesehen davon, dass sich dadurch ganz einfach ein angenehmeres Satzbild erzielen lässt (ich behaupte, dass erfahrende Typografen-Augen nach wie vor besser gestalten, als jede Satzprogramm-Automatik), sollte vor allem auch auf möglichst sinnvolle und wenig Trennungen geachtet werden.

Silbentrennung am Ende einer Zeile erschwert zuweilen das korrekte und vor allem Unmittelbare Erfassen von Inhalten. Dabei ist eine Trennung zwischen »Grafik-« und »designer« kein Problem, denn unsere Wahrnehmung setzt das ohnehin zusammengesetzte Wort unmittelbar und mühelos wieder zum Grafikdesigner zusammen.

Besonders in Acht nehmen, sollte sich der Setzer beim Umbrechen durch Silbentrennung, vor sogenannten sinnentstellenden Trennungen. H.P. Willberg hat in einem seiner Bücher einmal »Urin-« »stinkt« als Beispiel für eine solche angegeben. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass Urin übel riecht, sondern es ist auf Instinkte bezogen, die den Wesen schon seit Urzeiten innewohnen.

Ich habe mir einmal vorgenommen sinnentstellende Trennungen zu sammeln, und bin auch schon über einige gestolpert. Leider habe ich bisher im Moment nicht daran gedacht, und die Beispiele später wieder vergessen.

Auslöser für diesen Artikel war eine Trennung in einem Buch, das ich eben lese. Darin kam die Trennung zwischen »Sol-« und »daten« vor – der Satz bezog sich auf den Inhalt eines Bildes. Wie es so ist, steht man manchmal auf dem Schlauch und ich fragte mich, was denn das für Daten sein sollen. Erst beim Blick auf das besprochene Bild machte mir klar, dass es nichts mit Daten, sondern mehr mit Kriegern zu tun hatte (und ließ mich über mich selbst schmunzeln).

Hätte ich besagtes Buch gesetzt, dann hätte ich diese Trennung nach Möglichkeit vermieden. Es ist zwar ein Detail, und die Trennung ist ja auch korrekt durchgeführt, trotzdem verhindert ein sinnvoller Umbruch solche unnötigen Stolpersteine und macht einen Text optimal lesbar.

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