Das letzte Wort ist geschrieben und meine Arbeit an der Neuauflage meines Photoshop-Workshop-Buchs ist mehr oder weniger erledigt.
Eigentlich war eine schlichte Neuauflage geplant und natürlich ist es kein völlig neues Buch. Wer bereits eine der Vorgänger-Ausgaben besitzt wird hier zu wenig Neues finden. Wer aber noch ein Buch sucht um Photoshop von Grund auf bis in die Tiefe zu erlernen, der dürfte mit dem Buch sehr gut beraten sein.
Die Ausgabe zu Photoshop CS5 ist komplexer als das Werk zu CS3, aber weniger kompliziert als die Ausgabe zu CS4. In den Jahren in denen ich seit der Erstauflage mit den Beispielen und Workshops aus den Büchern gearbeitet habe, habe ich gelernt was gut funktioniert, was gut verstanden wird und welche Beispiele nicht so optimal zum Erlernen geeignet sind. »Photoshohp CS5 – Schritt für Schritt zum perfekten Bild« verbindet das Beste aus zwei Welten – aus den beiden vorangegangenen Auflagen zu CS3 und CS4.
Noch ist das Buch im Handel nicht erhältlich, denn der Verlag kümmert sich jetzt um die letzten Korrekturen und der Druck steht noch bevor. Aber ab Ende August sollte es im Buchhandel, bei Galileo, Amazon oder anderen Online-Händlern verfügbar sein.
Adobe Photoshop CS5 – Schritt für Schritt zum perfekten Bild
Galileo Design
ca. 440 Seiten, gebunden, komplett in Farbe und mit DVD
ca. 39,90 Euro
ISBN 978-3-8362-1590-9
erscheint Ende 08/2010
In meinem Buch über Photoshop CS4 gibt es einen Workshop, in dem der Kopf eines Affen freigestellt wird und auf die Schultern eines Mannes zu setzen ist. Der Workshop erklärt das Arbeiten mit Kanälen und ein Objekt freizustellen. Leider ist er etwas zu kompliziert geraten. Im Buch über CS5 werde ich wieder ein leichteres Beispiel wählen um das Erstellen einer Auswahl mit Hilfe von Kanälen zu beschreiben.
Letzte Woche erreichte mich die Frage eines Lesers, der in dem Workshop stecken geblieben ist. Fragen wie diese sind sehr wertvoll für mich, denn ich kann daraus lernen, wo ein Vorgang zu kompliziert beschrieben ist, und werde auch auf allfällige Fehler aufmerksam; so zum Beispiel wenn ein kleiner Arbeitsschritt in der Beschreibung im Buch vergessen wurde. Da sicher noch mehr Leser das Problem haben werden, habe ich mich entschlossen diesen Workshop kurz einmal durchzuspielen und die Arbeit daran als Screencast aufzunehmen.
Eine Neuerung, die den Profis, die täglich mit Photoshop arbeiten, entgegenkommen dürfte, nennt sich »HUD Color Picker«. Um zu beschreiben wie das funktioniert hole ich zunächst etwas weiter aus und erinnere an eine Neuigkeit in Photoshop CS4.
In CS4 wurde eingeführt, dass man durch Drücken der Tasten ctrl+⌥ (am Mac) und Bewegen der Maus bei gedrückter Maustaste nach links und rechts den Durchmesser der Pinselwerkzeuge variieren kann. Unter Windows drückt man nur die alt-Taste und bewegt die Maus bei gedrückter rechter Maustaste nach links und rechts.
Zum Verstellen der Härte drückt man am Mac zusätzlich zu ctrl+⌥ auch noch die ⌘-Taste und bewegt die Maus nach links oder rechts, unter Windows ist es entsprechend zur alt- auch die strg-Taste.
In CS5 ändert sich das Verhalten etwas. Nun kann man sowohl Durchmesser, als auch Härte durch Drücken von ctrl+⌥ einstellen, unter Windows müsste das dann nur die alt- und rechte Maustaste sein. Bewegt man bei dieser Tastenkombination die Maus links-rechts verändert sich die Größe, bewegt man sie nach oben und unten verändert sich die Härte. Ist eh schlauer so.
Für die Tastenkombination ctrl+⌥+⌘ am Mac bzw. alt+strg und rechte Maustaste unter Windows ist eine neue Funktion hinzugekommen und zwar öffnet man damit das, was Adobe den »HUD Color Picker« nennt. Das heißt der Grafiker, Bildbearbeiter und Illustrator muss nicht mehr lange eine Farb-Palette aufsuchen oder über die Werkzeugpalette den Adobe-Farbwähler aufrufen, sondern bekommt den Farbwähler durch den Shortcut an der Stelle, wo sich der Mauszeiger gerade befindet.
Es ist wie so oft mit einem Photoshop-Upgrade: Es sind weniger die scheinbar spektakulären Neuerungen, mit denen Adobe Presse und breite Öffentlichkeit beeindruckt, die das Leben der Profis erleichtern, sondern die Kleinigkeiten am Rande.
Ein kleine, aber sinnvolle Weiterentwicklung findet sich beim Freistellungswerkzeug. Diesem Werkzeug hat Adobe zwei verschiedene Raster spendiert.
Das Drittel-Regel-Raster wird alle freuen, die fotografische, bilgestalterische Regeln bei der Komposition ihrer Bildbeschnitte anwenden.
Das Raster-Raster ist ganz angenehm, wenn man mit Hilfe des Freistellungswerkzeugs perspektivisch verzerrte Bilder gerade richten möchte. Dazu aktiviert man in der Optionen-Palette die Option Perspektivisch, woraufhin man die Anfasser an den Ecken des Freistellungsrahmens beliebig verschieben kann.
Die Abbildung oben zeigt wie ich den Freistellungsrahmen mit Hilfe des Rasters an die Perspektive der Kirche angepasst habe. Leider sind die filigranen, grauen Linien teilweise etwas schwer zu erkennen. Außerdem wünschen wir uns für CS6, dass wir die Weite des Rasters verändern, oder, noch besser, die Rasterlinien mit der Maus verschieben können. Nach dem Bestätigen sieht das Ergebnis aus wie unten.
Da ich die Freistellungsauswahl über das Bild hinaus erweitert habe, ist im linken oberen Eck eine weiße Fläche entstanden. Mit dem Lasso habe ich sie schnell eingefangen (Yihaa!) und durch drücken der Delete/Backspace-Taste wurde der Fläche-füllen-Dialog aufgerufen; über Inhaltsensitiv (Content-Aware) habe ich die Auswahl mit Struktur und Farbe der Umgebung gefüllt (bzw. Photoshop hat das für mich gemacht).
Noch ein Wunsch für CS6? Gebt uns einen Befehl, über den wir inhaltsensitives Füllen direkt anwenden können, ohne den Füllen-Dialog zu Gesicht zu bekommen, so wie ⌥/alt+Delete/Backspace für Füllen mit Vordergrundfarbe und ⌘/strg+Delete/Backspace für Füllen mit Hintergrundfarbe.
Eine weitere Neuerung in Photoshop CS5 stellt das dar, was in der englischen Version “Puppet Warp“ heißt, und mit der man Figuren und Formen verbiegen kann.
Zum Testen und demonstrieren habe ich ein Selbstportrait herangezogen, bei dem ich mich vom Hintergrund freigestellt und auf eine neue Ebene kopiert habe. Auf der Ebene darunter habe ich mich dann vor der Fassade gelöscht und zwar mit Hilfe des Content-Aware-Füllens. Das Resultat dieser Aktion war zwar etwas absonderlich (bzw. nicht anders, als man es bereits von den Reparatur-Pinsel-Werkzeugen in schwierigen Fällen gewöhnt ist), aber ausreichend, da ja dieselbe Figur an derselben Stelle in der Ebene darüber noch immer vorhanden war.
Nun wähle ich im Menü Edit • Puppet Warp; daraufhin erscheint auf der ausgewählten (oberen) Ebene ein Gitter über meiner Figur. Über die Option Show Mesh lässt sich dieses Gitter ausblenden.
Klick für Klick kann man nun die Figur mit Pins versehen, die als gelbe Punkte dargestellt werden. Es empfiehlt sich über eine ganze Reihe an Pins die Figur zuerst einmal zu fixieren, bevor man mit dem Verbiegen beginnt.
Nun kann man die gesetzten Pins verschieben und damit die Form oder Figur verbiegen; über ⇧-Klick lassen sich auch mehrere Pins auswählen und miteinander verschieben. Ich habe zum Einen die rechte Hand (vom Betrachter aus, also meinte linke) etwas nach oben verschoben und verbogen und zum anderen das linke Bein (mein rechtes Bein) etwas angehoben.
Das Resultat sieht, nachdem ich Puppet-Warp mit [Enter] bestätigt habe, aus, wie in der Abbildung unten.
Jetzt müsste mir nur noch einfallen, wofür ich das in Zukunft brauchen könnte.
»Hier wird nämlich richtig Wissen vermittelt, anschaulich kurz, knapp und präzise. Fast schon zu viel Information, um alles auf einmal aufzunehmen. Deswegen werde ich das Buch immer wieder zur Hand nehmen (müssen).«
Markus Wäger gibt bei der Epos Akademie in Götzis, Vorarlberg (A), seit 2005 Seminare zu Photoshop, InDesign und Illustrator und unterrichtet im Werbelehrgang »Werben und Gestalten«.