Darf man um Rezensionen bitten?

Vor einigen Tagen habe ich einen Artikel mit dem Titel »Vielleicht sieht das jemand anders« zu einer negativen Leser-Rezension veröffentlicht und angemerkt, dass Amazon natürlich noch viel Platz für andere Meinungen bietet. Dazu habe ich folgenden, natürlich legitimen, Kommentar erhalten:

»Hast du solche Aufrufe wirklich nötig? Falls ja – eigentlich schade. Meiner Meinung nach haben diejenigen die nach Rezensionen, ich erwähne jetzt ausdrücklich nicht ›positiven‹ und ›betteln‹, fragen ein ernsthaftes Problem.«

Das Thema beschäftigt mich seit vielen Jahren. Schön wäre es, wenn die Rezensionen bei Amazon & Co einfach ausschließlich durch echte zufriedene und unzufriedene Leser zustande kämen. Leider liegt es in der Natur vieler Menschen Dinge in ihrem Sinne zu manipulieren, wo immer sich eine Möglichkeit bietet. Nicht alle. Vielleicht nicht mal viele. Aber wo wenige damit beginnen, kommen die unter Druck, die eigentlich nichts davon halten bzw. es ablehnen.

Ich bin bereits mit meinem ersten Werk Opfer eines Autorenduos geworden, die meine Werke, und die vieler Kollegen, durch ausgesprochen negative Rezensionen verunglimpft haben (Manipulation bei Amazon und Amazon Krimi – Fortsetzung). Die Sache kam damals bis in die Tagespresse und führte dazu, dass Amazon seine Bedingungen für Rezensionen änderte. Leider nicht soweit, dass man ein Produkt gekauft haben muss um es rezensieren zu können, aber zumindest doch soweit, dass man nur mehr als registrierter Kunde rezensieren kann. Da mir das Thema nicht egal ist und es mir wichtig ist immer mit offenen Karten zu spielen (ja, ich weiß, dass das oft dumm ist) möchte ich meine Antwort auf den Kommentar in diesem Artikel wiedergeben:

»Es ist eine gute Frage ob ich das nötig habe – ich frage es mich selbst auch. Ich bin generell nicht glücklich damit. Am liebsten wäre mir Rezensionen einfach laufen zu lassen. Mir ist es zuwider zu versuchen Einfluss zu nehmen und um Rezensionen zu betteln. Tatsache ist leider, dass alle Verlage dutzende Rezensionen neuer Werke versenden und mehr oder weniger offen um positive Rezensionen bitten. Ich habe auch schon mit einem Verlagsleiter darüber diskutiert und die Vorgehensweise bedenklich gefunden. Man muss aber auch anerkennen, dass die Praxis einfach so ist und entweder du machst mit oder du kannst schauen wo du bleibst.

Ich vergleiche aufmerksam, wie sich die Rezensionen bei mir und meinen Mitbewerbern entwickeln und manchmal frage ich mich, woher es rührt, dass manche es schaffen innerhalb von Tagen ein halbes Dutzend Rezensionen und mehr zusammen zu bekommen, während es bei mir viele Monate dauert bis ich auch nur auf ein Dutzend komme. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder sind meine Bücher einfach schlechter oder es wird mancherorts deutlich aktiver nachgeholfen. Im Moment möchte ich mir noch den Glauben bewahren, dass es kein Qualitätsmangel meiner Werke ist und dann bleibt die zweite Möglichkeit, dass der eine oder andere weniger Skrupel hat Freunde und Bekannte um Lob zu bitten – ich habe auch schon Werke gesehen, bei denen ganz offensichtlich war, dass Kollegen und Bekannte rezensiert haben. Allerdings möchte ich mich nicht der Meinung anschließen 80% der Rezensionen seien gefälscht – das scheint mir dann doch etwas  paranoid.

Bei meinen eigenen Büchern halte ich 100% für echt. Ein paar davon sind von Leuten, die Rezensionsexemplare erhalten haben, deren Urteil ich aber für aufrichtig halte. Einige von Bekannten, die mir gesagt oder geschrieben haben, dass ihnen mein Werk gefallen hat und die ich dann bat, das doch, falls möglich, bei Amazon zu posten. Manchmal schreiben mich auch Fremde mit Lob und Fragen via Mail an. Auch da weise ich darauf hin, dass man lobende Meinung bei Amazon posten kann. Für ebenso authentisch, wie die positiven Rezensionen, halte ich übrigens auch alle negativen die sich bei mir finden (glücklicherweise nicht viele). Man kann es nicht allen recht machen und es ist legitim, dass manche mit deinem Werk nichts anfangen können. Manche Kritikpunkte kann ich nachvollziehen, manche nicht. Aber das ist iO.

Man verdient mit Fachbüchern leider nicht so viel Geld, dass es egal wäre, ob man ein paar Bücher mehr oder weniger verkauft. Positive Rezensionen helfen ein Buchprojekt rentabel zu machen und eine negative kann viele positive zunichte machen. Fehlen die Positiven, wird es schwierig. Also bitte ich gelegentlich darum, Leser, die meine Bücher mögen, ihre Ansicht Kund zu tun. Ist das wirklich verwerflich?

Allerdings hast du recht: Ich habe wirklich manchmal das Gefühl ich bettele um Rezensionen und das gefällt mir eigentlich gar nicht. Mal sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Bringen tun solche Aufrufe sowieso nichts – das habe ich mittlerweile gelernt. Bedauern würde ich es aber schon, müsste ich aufhören zu schreiben. Vor allem wenn der Grund wäre, dass es Mitbewerber gibt die weniger Skrupel haben gute Rezensionen aktiver anzustoßen. :\«

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2 Gedanken zu „Darf man um Rezensionen bitten?“

  1. Ich habe mir „Grafik und Gestaltung“ gekauft. Bin bisher sehr angetan. Da ich davon ausgehe, dass das bis zum Ende so bleiben wird, ist eine positive so gut wie sicher. War mir bisher nicht bewusst, wieviel dieser vergleichbar geringe Aufwand eine Rezension zu schreiben dem Autor eines Buches bedeuten kann. Es sollte doch eigentlich zum guten Ton gehören, die Dinge zu unterstützen, von denen man profitiert. Ich finde es nicht verwerflich nach einer ehrlichen Meinung zu bitten.

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