Adobe InDesign Kritik

Eigentlich war dieser Artikel ja als »Adobe InDesign CC Review« geplant. Allerdings sehe ich nicht, was ich an InDesign CC besprechen oder vorstellen sollte: Es gibt in meinen Augen keine nennenswerte Neuigkeiten. Ich war verblüfft wie wenig Neues Terry White in einem Promo-Video auf der Adobe-Website vorstellt.

64-Bit | Da wäre einmal 64-Bit-Unterstützung. Tatsächlich fühlte sich InDesign CC bei meinem Test recht flüssig an. Zwar hat InDesign CS6 (wie schon die Vorgänger) bei komplexen Layouts und großen Bildern so seine Hänger beim Laden, doch insgesamt habe ich keine nennenswerten Performance-Problem, außer gelegentlich bei Textsatz – doch da ich diese Probleme in der Regel beheben kann, in dem ich den Text ausschneide, in einer speziellen Software von Sonderzeichen befreie und dann wieder einfüge, gehe ich dabei eher von einem Bug in CS6 aus, als von fehlender 64-Bit-Unterstützung.

Dunkles Interface | Das InDesign-Interface kann jetzt, was auch Photoshop und Illustrator in CS6 schon konnte: Es kann dunkel sein.

Retina-Display-Unterstützung | Dieses Feature ist das, was mich beim Test von InDesign CC auf meinem MacBook Pro sofort begeisterte und einen intensiven Will-Haben-Impuls auslöste: Gestochen scharfe Schriften auf dem mit 220ppi extrem hochaufgelösten Apple-Display (laut landläufiger Ansicht haben Displays 72ppi – was vor langer Zeit einmal war). Allerdings wurde mir sehr schnell bewusst, dass ich mit InDesign normalerweise an meinem iMac arbeitet, der kein Retina-Display hat, weshalb ich nichts von diesem Feature habe. Das gilt wohl durch die Bank für alle Windows-, sowie für das Gros der Mac-User.

CSS-Bearbeitung und CSS-Export | Das wird vielleicht schon irgendjemand brauchen, ich weiß nur nicht wer. Im Moment arbeite ich mit InDesign gerade an einem ePub und ich kann nur sagen: Es ist nicht lustig. Nicht in CS6, aber auch nicht in CC.

Faizt | Laut Terry White sind das nur ein paar der Neuerungen in InDesign CC. Ich nehme aber an, dass es die wichtigsten sein werden, wenn sie speziell in einem Promo herausgehoben werden, und das heißt, dass die weniger wichtigen schon gar nicht mehr der Rede wert sind.

Was uns Adobe als Upgrade für InDesign und Photoshop vorsetzt ist in meinen Augen nicht mehr als ein Wartungs-Update und es hat schon Chuzpe dem Kunden dafür einen Vertrag mit einer Monatsmiete von 50 Euro netto vorzulegen – lebenslang, wer den Einsatz nicht als vorübergehend plant.

Für mich als Creative-Suite-Standard-Benutzer würde ein Upgrade auf CC nach meiner Ansicht bedeuten in Zukunft dafür Miete zu bezahlen, was ich letztes Jahr gekauft habe. Wie gesagt: ich brauche außer InDesign, Photoshop, Illustrator und Acrobat kein weiteres Programm aus dem Adobe-Portfolio. Ich sehe weit und breit keine Neuerungen in diesen Programmen, die eine jährliche Investition von 600 Euro (netto) rechtfertigen.

Natürlich kann ich darauf spekulieren, dass Adobe den Benutzer auch in Zukunft mit unverzichtbaren Innovationen versorgen wird. Doch wenn ich mir ansehe, wie wenig sich in CS6 getan hat, und dass Adobe dem Kunden mit CC praktisch nichts bietet, was ihm den Einstieg versüßt, habe ich große Zweifel, dass uns zukünftige Aktualisierungen von den Socken hauen werden. Sollten diese spektakulären, unverzichtbaren Neuerungen doch noch kommen, kann ich dann noch immer auf CC aufrüsten. Im Moment sehe ich keinen Grund dafür.

Demo mit Lizenzvertrag | Als ich InDesign und Illustrator CC als Demo lud, musste ich einem Lizenzvertrag zustimmen. Natürlich habe ich bereits Demos installiert, bei denen man einem Vertrag zustimmen muss um die Installation ausführen zu können. Dass das schon vor dem Herunterladen geschehen muss war allerdings neu für mich. Da ich mir nicht sicher war, ob ich mit dem Zustimmen zum Vertrag einer kostenpflichtigen Vereinbarung zustimme, las ich den Vertrag (auszugsweise) durch. Ich muss gestehen, dass ich nach dem Motto »Never read a Readme-Datei« lebe und wohl auch noch nie einen Lizenzvertrag für eine Software durchgelesen habe (was mich jetzt wohl nicht als mündigen Konsumenten auszeichnet).

Was ich in diesem Vertrag gelesen habe fand ich zum Teil durchaus pikant. Als Nicht-Juristen vermittelte es mir den Eindruck, dass Adobe durch die Zustimmung ein bisschen Recht an den Daten erhält, die ich in die Cloud hochlade. Adobe hat das Recht Software auch ungefragt auf meinem Rechner zu installieren und zu ändern wenn sie es für notwendig halten. Adobe darf die Bedingungen für den Vertrag jederzeit ändern, wenn das Mietmodell für den Konzern wirtschaftlich nicht ausreichend tragfähig erscheint – ich darf aber aussteigen, wenn mir das nicht passt (wir erinnern uns: wer das macht hat keine Werkzeuge mehr in der Werkstatt). Natürlich war es absehbar, dass Adobe nicht garantiert, dass die Konditionen des aktuellen Mietvertrags für alle Zeiten gelten werden. Es unterstreicht aber die Möglichkeit, dass Adobe das Recht die Programme auf zwei Rechnern zu betreiben jederzeit streichen kann und natürlich auch die Kondition für 50 Euro alle Programme der Cloud nutzen zu dürfen jederzeit fallen kann. Ein Schelm wer anmerkt, dass »alle Programme für 50 Euro im Monat« ein (vorübergehendes) Lockangebot für Opinion-Leader sein könnte!

Es liegt an jedem selbst Kosten, Nutzen und Gefahren des Vertrags gegeneinander abzuwägen.

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