Aperture vs. Lightroom

Vor einigen Tagen postete ich auf Facebook »Ich habe mir angewöhnt die Produkte die ich nutze kritisch zu betrachten. Nicht die Produkte die andere nutzen.« Nun bekommt derzeit allerdings Lightroom sehr viel Fett von mir ab. Dabei arbeite ich eigentlich gar nicht mir Lightroom. Oder doch?

Nachdem Adobe 2007 mit Lightroom auf Apples Präsenz im Markt der Bildverarbeitung reagierte, wechselte ich zunächst zu Lightroom. Grund dafür war einerseits, dass mir Adobe mehr Kompetenz in Sachen Bildbearbeitung zu haben schien, dass ich erwartete Adobe würde Lightroom auf irgendeine revolutionäre Art mit Photoshop verzahnen und auch die Werbung, die Leute wie Scott Kelby für das Produkt machten, beeinflusste mich wohl.

Einige Monate arbeitete ich mit Lightroom, doch der strikte Workflow und die praktisch nicht individualisierbare Oberfläche samt zu wenigen Shortcut und auch hier fehlender Individualisierbarkeit trieben mich zum weitaus flexibleren Aperture zurück. Meine Erfahrung mit Lightroom beschränkt sich also nicht auf ein paar Stunden oder Tage des Testens einer Demo-Version, sondern auf mehrere Monate intensiver Arbeit damit.

Als Photoshop-User arbeite ich außerdem regelmäßig mit Adobe Camera Raw, das dem RAW-Entwicklungsmodul von Lightroom entspricht und habe von daher einen guten und permanenten Vergleich von Aperture und ACR (also Lightroom). Generell bieten beide Programme, wie auch jedes andere, Rezepte, wie die RAW-Dateien verschiedener Kameras interpretiert werden, wobei es für jede Kamera ein eigenes Rezept geben muss. Ob die Suppe, die daraus gekocht wird, dem Anwender schmeckt, ist … nun … oft einfach Geschmacksache. Darüberhinaus ist es möglich, dass Lightroom zum Beispiel für Canon-Fotografen die besseren Resultate bereit hält, Aperture hingegen für Nikon (ich habe einen solchen Vergleich nie angestellt, doch es ist nicht unwahrscheinlich, kann auch umgekehrt sein, und die RAW-Entwicklung Apertures meiner Lumix G3 war tatsächlich schauderhaft).

Ich machte zum Beispiel in meiner Lightroom-Phase die Erfahrung, dass das Programm für meine damalige Kamera, eine Nikon D80, ein ganz grauenhaft chemisches Grün für Blätter und Gräser entwickelte (was sich allerdings durch eine Änderung der Farbeinstellungen für die RAWs dieser Kamera korrigieren ließ). Als ich dann zu Aperture zurückgekehrt war hatte ich generell von vornherein ein schöneres Grün, mir fiel aber auf, dass Aperture in den Schatten von Hauttönen oft einen unschönen Grünstich produzierte, was Lightroom nicht tat – ich hatte damals keinen Vergleich zu schattigen Hauttönen von RAWs anderer Kameramodelle, aber auch hier ist es möglich, dass Aperture dieses »Problem« bei anderen nicht produzierte.

Unzufrieden machte mich – und ich denke, das geht vielen Aperture-Unsern so –, dass man nichts über den Stand der Entwicklung erfährt. Während Adobe mittlerweile im Jahresrhythmus neue Versionen von Lightroom raus klopft (und in Rechnung stellt), gibt es für Aperture zwar immer wieder Updates, doch in meinem Hinterkopf bohrt eine Stimme die hinterfragt, ob Apple Aperture eines Tages einstellen wird, oder ob zukünftige Versionen professionellen Ansprüchen noch gerecht sein werden, oder das Programm zu einem iPhoto Pro für Amateure verkommt.

Mit Zweifeln im Hinterkopf schaute ich mich im Frühjahr 2010 wieder einmal nach Alternativen zu Aperture um und testete, neben Capture One Pro und DxO Optics Pro, einmal mehr Lightroom. Einmal mehr war es die Oberfläche und die Bedienung, die Adobes Programm als Alternative gleich wieder ausfallen ließen. DxO Optics lieferte zwar beeindruckende Resultate, doch in Sachen Bedienung und Geschwindigkeit war (und ist) die Software für mich weiterhin noch keine Option. Was blieb war Capture One Pro, das zu der Zeit sowohl Aperture als auch Lightroom in Sachen Entwicklungsqualität schlug.

Ein Wechsel blieb aus, da Apple 2010 die dritte Version von Aperture veröffentlichte. Apple hatte damit in vielerlei Hinsicht wieder die Führerschaft in Sachen Funktionalität übernommen und ließen mich vorläufig dabei bleiben, wobei die offensichtlichsten Neuerungen – Faces, Places, Bücher, Filme und die Integration sozialer Netzwerke – bis heute uninteressant für mich sind.

Lange blieb die Liebe zu Aperture allerdings nicht bestehen, denn die Geschwindigkeit war, gerade bei der Arbeit mit selektiven Pinseln, äußerst zäh, und die Stabilität ließ zu wünschen übrig. Außerdem unterstelle ich, dass ich durch Abstürze Bilder verloren habe. Zwar hat Aperture sicher keine Bilder vernichtet, allerdings sind Bilder, die die Datenbank eines Programms wie Aperture nicht kennt, so gut wie nicht existent. Und nach einem Umzug der Bibliothek auf eine andere Festplatte sind sie dann eventuell Geschichte.

Von Lightroom-Usern hatte ich gelesen, dass es auch nicht gerade mit atemberaubender Geschwindigkeit glänzte, doch mein Kandidat für einen Umstieg war ohnehin Capture One. Capture One Pro hatte in meinen Augen – und wohl in den Augen vieler anderer Experten – 2011 in Sachen Entwicklungsqualität die Nase vor Aperture 3 und Lightroom 3.

Beeindruckend war für mich auch die Arbeitsgeschwindigkeit von Capture One – dass alles in Echtzeit läuft, war ich nicht gewohnt. Wo es in Capture One allerdings krankte – neben vernünftigen Werkzeugen zur selektiven Bearbeitung – war, und ist, vernünftige Tools tausende Bilder zu ordnen und zu verwalten. Diesbezüglich zog mir das Programm immer mehr die Nerven und, was fast noch schlimmer war, je mehr Bilder ich damit zu verwalten versuchte, desto deutlicher ging die Leistung in den Keller. Mit einigen Tausend Bilder war die Arbeitsgeschwindigkeit unerträglich geworden und ich beschloss entnervt Capture One zu den Akten zu legen.

Einmal mehr testete ich Lightroom. Das Programm war mittlerweile bei der Version 4 angekommen und Adobe hatte die RAW-Entwicklung grundlegend überarbeitet und zweifellos riesige Schritte gemacht. Die Qualität der Resultate war nun durchaus auf Augenhöhe mit Capture One. Während Aperture bis dahin die Nase beim Restaurieren von Lichtern vorne gehabt hatte, zog Adobe jetzt gleich – möglicherweise haben sie überholt. Das Problem blieb die Benutzerführung des Programms. Ich wusste, wenn ich mich darauf einlassen würde, würde ich mich täglich darüber ärgern. Vielleicht ist nicht nur Lightroom unflexibel, sondern ich auch. Doch ich finde Software sollte sich den Bedürfnissen der Nutzer anpassen, und nicht die Nutzer den Restriktionen der Software.

Ich kehrte Ende 2012 zu Aperture heim und erlebte eine freudige Überraschung: Apple hatte Aperture mit 3.4 ein durchaus beachtliches Upgrade spendiert. An der Oberfläche, das was in der Presse angekommen ist, mögen es nur ein paar nette neue Funktionen gewesen sein. Doch unter der Haube hat das Programm eine völlig überarbeitete RAW-Entwicklungs-Engine bekommen. Man erinnere sich: Lightroom hat das mit Version 4 auch bekommen und der Gewinn dadurch, war den Preis für ein Upgrade mit Sicherheit wert. Im Gegensatz zu Adobe jedoch spendierte Apple diese grundlegende und weitreichende Verbesserung als Update hinter dem Komma (3.4) und bat den User nicht zur Kasse. Aperture legt auf meinem Rechner heute eine solide Performance an den Tag, läuft stabil und ist in Sachen Qualität mit den Mitbwerbern auf Augenhöhe. Natürlich vermisse ich eine Objektivkorrektur, wie sie Lightroom kennt. Doch die Bedienung ist für mich um so vieles komfortabler und flexibler als bei Lightroom, weshalb ich Aperture unterm Strich bei Weitem den Vorzug gebe.

Ähnliche Gedanken scheinen auch den amerikanischen Fotografen William Beem zu beschäftigen, dessen Artikel »Thoughts on Lightroom 5 Beta« mich zu diesem Artikel veranlasst hat.

Was mich, als Aperture-User, an Lightroom bewegt, ist die potenzielle Möglichkeit Aperture tatsächlich als professionelles Werkzeug zu verlieren und vor der Wahl Capture One Pro, DxO Optics oder Lightroom zu stehen – aktuell finde ich keines der Produkte verlockend. Viele Aperture-Nutzer scheinen wieder einmal darüber nachzudenken dem Produkt den Rücken zu kehren und die Seiten zu wechseln. Das wiederum ist keine gute Tendenz für die Zukunft Apertures. Genau betrachtet verstehe ich die Nutzer aber nicht!

Stimmen die Angaben William Beems, dann erfuhr Aperture 3 seit 2010 20 kostenlose Updates (seit dieser Woche 21). Lightroom erfuhr seit der Version 3 2009 zehn Updates inklusive eines kostenpflichtigen Major-Upgrades in der Version 4. Das wesentlichste, was Lightroom 4 brachte – eine bessere RAW-Entwicklung – bekam man von Apple mit 3.4 als Gratis-Update. Beinahe die doppelte Zahl an Updates ist wohl kein Zeichen dafür, dass Aperture eingeschlafen ist, also worum geht es denn? He Apple, ich durfte nun schon drei Jahre lang kein Geld für ein Upgrade ausgeben?

Die Gedanken, die Adobe mit der Einstellung des Verkaufs beinahe ihrer ganzen Produktpalette bei mir ausgelöst hat, lassen mich wieder sehnlich auf ein deutliches Lebenszeichen von Aperture – einer Version 4 – warten. Lightrooms Weg, so bin ich mir sicher, führt früher oder später in die Cloud und in ein Abomodell. Der einzige Grund, dass es Lightroom noch zu kaufen gibt, mag sein, dass ein Abonnement wohl doch viele Kunden zurück zu Aperture treiben würde – manche auch zu den derzeit verfügbaren anderen Mitbewerbern. Dabei stehe ich Mietmodellen nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber – mein Auto ist geleast und mein Büro gemietet. Doch sowohl das Leasing für mein Auto, als auch die Miete des Büros, ließe sich jederzeit ändern. Es gibt andere Autos, andere Leasing-Gesellschaften und andere Vermieter für Büros. Kritisch wird es jedoch, wenn man sich auf ein Mietmodell einlässt, wenn es keine Alternative zu seinem Angebot gibt. Der Anbieter kann anschließend machen was er will – man ist seinen Konditionen vollständig ausgeliefert. Wer derzeit mit allfälligen Vorteilen der Creative Cloud kalkuliert (mehr, als dass es für die paar Anwender, die eine Master Collection brauchen, billiger wird, fällt mir an Vorteilen nicht ein), kalkuliert dabei auch mit dem Good Will Adobes. Wer wird schließlich garantieren, dass die vorteilhaften Konditionen für eine Master Collection langfristig halten werden? Wer garantiert denn, dass mehr als drei Programme in zwei oder drei Jahren nicht auch mehr Miete kosten?

Wenn ich auf Aperture zurück kommen darf, dann bin ich sehr gespalten was meine Erwartungen angeht. Einerseits würde ich mir wünschen, dass Tim Cook am Montag eine neue, überzeugende Version von Aperture vorstellt (wobei klar ist, dass die, die generell dagegen sind, nie zu überzeugen sind). Andererseits würde ich mir wünschen, dass Apple sich noch über den Sommer Zeit lässt, denn ab Herbst möchte ich ein neues Buchprojekt in Angriff nehmen, und mein liebstes Thema wäre Aperture 4. Liebes Christkind: Verlege doch bitte Weihnachten vor, lass Cook ein umwerfendes Aperture 4 vorstellen, das im September veröffentlicht wird. Man darf doch auch einmal an warme Eislutscher glauben!

Flattr this!

9 Gedanken zu „Aperture vs. Lightroom“

  1. Danke für diesen hervorragenden Beitrag, der nicht nur substanzhaltig, sondern auch sehr, sehr gut getextet ist. Ich selbst arbeite mit Aperture in der neuesten Version und bin ziemlich zufrieden. Aber wo geht die Reise hin mit Apple? Ich denke dabei an Final Cut Pro. Man hat viele Filmleute einfach hängenlassen und mit FCP X eine Art verbessertes iMovie geschafft. Besonders schlimm: in FCP 7 erstellte Schnittdaten lassen sich mit FCP X nicht öffnen. Auch das Lightroom 5 mit der Wolke ist nichts für mich wegen des potentiellen Kontrollverlustes und möglicher alternativloser Preiserhöhungen für das Abo.

    1. Ich kann zu Final Cut eigentlich nichts sagen, außer, dass ich von Leuten gehört habe, die sich zuerst darüber geärgert haben, dann aber dabei blieben und es am Ende besser fanden als zuvor. Preis des Fortschritts? Ich gestehe, dass ich es gar nicht schätze, wenn ich ein Update installiere und mich dann nicht mehr zurecht finde. Im Arbeitsalltag ein Unding. Auch, dass man ältere Projekte mit einer neuen Version nicht öffnen kann, ist natürlich inakzeptabel. Was Aperture angeht bin ich aber zuversichtlich: Ich denke Fotografie hat für Apple eine größere strategische Bedeutung, wie Filmschnitt. Im übrigen: Dass Lightroom in nur in absehbarer Zeit nur mehr via Cloud geht, ist eine Befürchtung bzw. eine potenzielle Möglichkeit (Gefahr?), ich glaube es allerdings nicht. In diesem Bereich hat Adobe sicher sehr viele private Anwender, und ich glaube, das Gros der Privaten würde das nicht mitmachen.

  2. Danke für den guten Artikel. Ich stand auch vor
    der Frage – Lightroom 5 oder Aperture 3.
    Ich habe zwar beide erworben, werde jetzt aber
    nach einigen testen Aperture einsetzen.
    Dein Artikel hat mich in der Ansicht bestärkt,dass
    Aperture doch weitergeführt wird.

  3. Lieber Markus, danke für die Ausführungen. Habe beide Programme auf meinem Mac und genau die gleichen Fragen… jetzt ists klar, worauf ich setzen werde. Danke. Instinktiv bin ich bei Aperture geblieben. Lr5 hab ich noch nicht wirklich vertieft. Merci für die gewonnene Zeit. Ich schenke sie Apple für ein neues Aperture 4 🙂

  4. Danke , sehr guter Artikel. Ich war auch lange am überlegen und befinde mich jetzt nach Testversion Lightroom und Kauf von Aperture in der manuellen Importphase von 15000 Bildern in die Aperturelibary. Ich bin noch ganz am Anfang was die Bedienung von Aperture angeht. Aber nach diesem Artikel bin ich mir sicher die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

  5. Ein Bericht aus der Praxis. Danke!
    An Lightroom gewöhnen ist wirklich nicht einfach. Habe mich nach einigen Testtagen hier und da doch für Aperture entschieden.
    Ob die Mietkonzepte aufgehen werden, nach dem alle mit der NSA-Geschichte wieder aus der Cloud zurückrudern?

  6. Welche schöngeschriebener Bericht!

    Du bringst meine Wechselentscheidung wieder ins Wanken…primär und immer wieder wg. des UI und Workflows.
    Allerdings habe ich nach einigen intensiven Tagen des Testens festgestellt, dass man auch mit LR5 gut klarkommen kann – wenn man sich darauf einläßt. Und da bin ich mir derzeit wieder unsicher…

    1. Danke für die freundlichen Worte.

      Apples umgehen mit Aperture ist schlicht frustrierend. Im Moment bleibe ich noch dabei. Aber die Bereitschaft zum Umsteigen ist groß.

      Bei Lightroom schreckt mich etwas ab früher oder später in die Cloud gezwungen zu werden. Andererseits: Auf Dauer werde ich Adobe Cloud ohnehin nicht entkommen …

      Im Moment warte ich ab ob es einem Programm (Lightroom, DxO Optics, Capture One) irgendwann gelingen wird mich zu überzeugen (im Moment ist bei keinem der Reiz groß genug, als dass ein Umstieg sinnvoll sein könnte) beziehungsweise ob ein irgendwann erscheinendes Aperture Upgrade so daneben ist, dass mir das den Grund gibt dem Programm endgültig den Rücken zu kehren. So lange mich allerdings kein Programm wirklich begeistern kann ist es mir zu früh von Aperture Abschied zu nehmen. Von einer Frustration zur anderen zu wechseln ist für mich keine Lösung – habe ich bereits mehrfach hinter mir. 🙂

  7. Durch einen Freund bin ich auf diesen Diskussionstrang gestossen; auch von meiner Seite her herzliche Gratulation zum Eingangsbericht und zu den nachfolgenden Beiträgen.

    Da ich mich zur Zeit ebenfalls in einer Phase des Zweifels über meinen Bildbearbeitungsworkflow befinde, möchte ich hier etwas aus meinem eigenen Erfahrungsschatzkästlein berichten. Lightroom kenne ich nicht, habe ich zwar einmal angeschaut und natürlich dies und jenes darüber gelesen, werde hier aber dazu nichts sagen. Hingegen habe ich von Anfang an alle Aperture-Updates mit entsprechenden Höhen und Tiefen miterlebt.
    Auf Grund der von Euch schon angesprochenen Gerüchte und Bemerkungen überlege mir nun ebenfalls eine neue Strategie zu einem Bildbearbeitungsworkflow, evt. weg von Aperture. Dabei habe ich mich nach anfänglichen „moralischen Tiefschlägen“ in CaptureOne verliebt. Die Hauptgründe dazu möchte ich Euch nicht vorenthalten und werde deshalb das Wichtigste dazu nachfolgend kurz skizzieren.

    Die schnelle und intuitive Erfassung und Vergabe von Schlüsselwörtern, oft auch per Shortcuts, an Einzelbilder oder rasch erstellte individuelle Bildgruppen, die einfache Erstellung individueller Filter für Importe oder spezielle Aufnahmesituationen und vieles mehr sind bestimmt eine ganz grosse Stärke von Aperture. Dies kommt auch immer wieder zum Ausdruck, wenn man Diskussionen über Vergleiche mit Lightroom betrachtet. Hingegen sollen viele Bildbearbeitungsfilter in Lightroom „besser“ arbeiten als in Aperture. Lightroom wird deshalb wohl eine gute Wahl für Photoshopbenutzer sein. So klar scheint dies heute allerdings auch nicht mehr, wie aus einem der letzten Macwelt entnommen werden kann
    -> http://www.macworld.co.uk/review/photo-editing/apple-aperture-vs-adobe-photoshop-lightroom-review-3533616/

    Aus verschiedenen Gründen habe ich Photoshop vor vielen Jahren verlassen. Damals schaute ich mir auch kurz CaptureOne an. Da CaptureOne zu der Zeit noch keine wirkliche Katalog- und Sortierungsfunktion besass, war die Wahl für Aperture nicht schwierig. So durchlebte ich viele Tiefen und Höhen im Zusammenhang mit der Versionentwicklung seit Aperture 1 als auch mit den neuen Versionen der Mac Betriebssysteme. Mit wenigen Ausnahmen bin ich heute mit Aperture auf meinem Mac (OSX 10.9. 4) wirklich sehr zufrieden.

    Die Gerüchteküche brodelt, man muss sich wieder einmal umsehen. Heute kommt CaptureOne sehr viel ausgereifter daher, auch wenn durchaus noch einiges Potential für Weiterentwicklungen angebracht werden müssen. Die heutigen Bildbearbeitungsmöglichkeiten von CaptureOne haben mich aber absolut überzeugt. Nicht nur enthalten sie alle Bearbeitungsmöglichkeiten wie Aperture auch, sondern sind mit noch weiteren sehr interessante Tools bestückt (zB. Bildauswahl nach Schärfekriterien, starkes Linsenfehler Korrekturtool (das ich nicht mehr missen möchte), starkes erweitertes Tool zur selektiven Farbkorrektur ua.), die Aperture so nicht bietet. Lässt man sich in das Programm ein, dann kann auch ein individueller Bildbearbeitungs Workflow gefunden werden, der nicht viel hinter Aperture her hinkt. Wie Guido weiter oben bereits sagte, man muss sich mit neuen Programmen einlassen… Als ich mit CaptureOne Pro 7.2.3 vor kurzem Bekanntschaft machte, war ich nach anfänglicher Begeisterung rasch „zu Tode“ betrübt und gewillt CaptureOne „in die Wüste zu schicken“. Die Stärken der Bildbearbeitungsmöglichkeiten halfen mir aber doch noch etwas Durchhaltewillen aufzubringen, zum Glück…

    Das auswählen, ordnen, bezeichnen und neu zusammenstellen mutet einem Aperture-User bei CaptureOne als ungereimt, ja manchmal gar als chaotisch und unlogisch an. Es fehlen intuitiv einsetzbare Shortcuts für das zufügen von Schlagwörtern, Bemerkungen, Importfilter ua. So hatte ich anfänglich einen „mittel-kleinen“ Schock, gefielen mir die Bearbeitungsfilter doch so gut. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis ich die etwas andere Logik im Workflow von CaptureOne erfassen und schätzen lernen konnte.

    Nun, was ist denn so anders?

    In Aperture werden aus allen erfassten Bildern für eine Weiterbearbeitung zuerst Bilder ausgewählt und mit Farbcodes, Bewertungen sowie Schlagwörtern versehen. Anschliessend erfolgt über Filterfunktionen eine Auswahl zielbestimmter Bilder für weitere Arbeiten (Bildbearbeitungen, Klassifizierungen). Bildersets können dann in neue Alben gebracht und dort weiter verwendet werden. Allerdings muss man dann etwas aufpassen, da es mit den im Gesamtordner enthaltenen Bildern zu Konflikten kommen kann. Dies ist salopp ausgedrückt eine Art „Top-Down-Auswahlapproach“.

    Bei CaptureOne können im Gesamtkatalog keine Stichwörter (Keywords) einer ganzen Bildauswahl vergeben werden. Das hatte mich anfänglich sehr verwirrt, denn wie soll man nun aus einer Vielzahl von Bildern im Katalog (Aperture = Library) an einem ausgewählten, übersichtlicheren Bilderset effektiv weiter arbeiten?

    Der CaptureOne Katalog ist (wie bei Lightroom) eine Oberfläche, von der aus in CaptureOne an anderen Orten im Bereich „Benutzte Sammlungen“ an referenzierten Bildern gearbeitet wird. Dies ist eine Art (Down-Top-Auswahlapproach“. Dazu stellt man sich gemäss Such- und Bearbeitungszielen (rechter Mausklick und/oder + anklicken) Hierarchien zusammen, wobei die Hirarchiebenen als Projekte, Gruppen und als unterste Ebene Alben bestimmt werden. In die Alben werden ausgewählte Bilder aus dem Katalog (einzeln oder mit shift- bzw ctrl) geschoben. Das erstellen solcher Hirarchien geht sehr rasch und Alben können auch per Shortcuts erstellt werden. Man kann sich den Vorgang ähnlich wie beim erstellen einer einfachen Mindmap vorstellen. Dabei bleiben die Sortierstränge immer „grafisch“ sichtbar; ein wirklich grosser Vorteil gegenüber Aperture.

    Was auch immer mit den Bildern in einem CaptureOne Album gemacht wird, an den Originalen im Katalog verändert sich nichts. Da ist Aperture etwas weniger abgesichert. Den CaptureOne Katalog braucht man nach der Bestimmung einer Sortierstruktur im Bereich „Benutzer Sammlungen“ eigentlich gar nicht mehr und kann ihn getrost im Hintergrund halten. Die Hirarchien sind nicht starr, sie können jederzeit geändert werden, Alben können sowohl innerhalb eines Auswahlstranges verschoben als auch über höhere Hirachiebenen bewegt oder in ein gerade neu erstelltes Album irgendwo in der Benutzersammlung gelegt werden. Das erlaubt ein sehr flexibles und den Anforderungen im Verlauf eines fortschreitenden Arbeitsprozesses anpassbares sehr einfaches arbeiten, wobei die Sortierstränge immer in ihrer Gesamtheit sichtbar bleiben. So verwende ich zur Zeit Alben mit Bezeichnungen, die ich früher in Aperture den Schlüsselwortfunktionen zugeordnet hatte. Hat man sich einmal an diese neue Betrachtungsweise gewöhnt, erscheint Aperture plötzlich in einem etwas weniger strahlenden Licht.

    Nun noch einige wichtige Bemerkungen zu den Farbcodes und Bewertungssternen. Diese Auswahlkriterien beziehen sich immer auf den ganzen Katalog, auch wenn sie in einer unteren Hirarchie, zB. Album vergeben werden. So sind sie immer global, dh. themenübergreifend, wirksam und nicht nur auf eine engere Auswahl von Alben beschränkt. Man muss sich somit gut überlegen, welche Funktionen die verschiedenen Farben (zB. rot für wichtig, behalten, oder violett für fortwerfen etc.) und Sterne in einer globalen Bildersammlung einnehmen sollen.

    In CaptureOne ergeben sich nun verschiedene Strategien Bilder zu suchen und auszuwählen:

    1.) aus Katalogsammlungen Farbmarkierte und bewertete Bilder aus „allern Bildern“, aus dem Papierkorb oder aus den Daten der Katalogerstellung, wobei dann mit Farbcodes und Bewertung weiter eingegrenzt werden kann.

    2.) aus einem Album in den Projektsammlungen, wobei auch hier mit Farben und Bewertungssternen weiter eingegrenzt werden kann.

    3.) im Bereich suchen und dem Reiter Datum, das die Bilderstellungsdaten (unabhängig von der Herkunft) als Ordner angibt. Jeweils rechts von den Daten werden die Anzahl der erfassten Bilder angegeben. Klickt man in eine solche Zahl, erschient der entsprechende Teilkatalog. Auch hier kann man mit der Auswahl von Farbe und Sternen eine Schlussauswahl treffen.

    Wie weiter?
    Aperture bleibt Bestandteil meines Bearbeitungssets, da es Funktionen bietet, die CaptureOne (noch?) nicht bietet. So ist die Integration von Bearbeitungstool von Drittanbietern (welche ich zB. gerne für spezielle Kreativarbeiten benutze) in CaptureOne absolut ungenügend. GPS Daten können in CaptureOne nur mit einzelnen Bildern eingesehen werden, wobei eine Visualisierung in GoogelMap gut funktioniert. Ganze Bildserien, zB. nach einer Exkursionstour (Helikopter, Wanderungen, Schiff… etc. etc.) können hingegen nur mit Aperture als Gesamtheit auf einer Karte angezeigt werden, wobei ein Klick auf eine Stecknadel gleich auch das zugehörige Bild aus der Library anzeigt. Die Erstellung von Reise-Dokumentationen ist damit mit Aperture viel einfacher. So lege ich für meine Bilder einen eigenen Ordner für jedes grössere Projekt an. In diesen Ordner lege ich dann den CaptureOne Katalog, weitere Unterordner mit Bildern, die aus CaptureOne exportiert und mit unterschiedlichen Bearbeitungsprogrammen von Drittanbietern bearbeitet wurden oder je nach Situation eine schlanke Aperturelibrary, die Bilder aus den verschiedenen Unterordner enthalten, eben zB. Bilder mit GPS Daten. Damit sind für ein Projekt alle Daten in einem einzigen Ort sauber beisammen, was ein sehr effektives und sicheres arbeiten erlaubt.

    Fazit:
    Jede Software hat seine Vor- und Nachteile und der „Trade off“ bei einer definitiven Auswahl ist bei jedem User wieder anders gewichtet. CaptureOne als Workflowtool zeigt noch gewisse Schwächen, die wenn nötig mit Aperture als situativ eingesetztes (und klein gehaltenes) Backuptool aber gut aufgefangen werden können. So ist CaptureOne nun mein Workflowtool erster Wahl geworden. Die nächsten Monate werden zeigen, ob sich Capture One auch weiterhin halten kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*