Will ich richtig Fotografieren ist die Nikon D700 meine Kamera. Als täglicher Begleiter ist dieser Profi-Bolide aber leider ungeeignet. Also gab es Jahre lang die Suche nach der perfekten immer-dabei-Kamera.

Ideal wäre natürlich das Smart Phone. Für Schnappschüsse erreichen die Geräte heute beeindruckend Qualität. Jedenfalls so lange man die Bilder am Smart Phone betrachtet, die Lichtbedingungen nicht zu schlecht sind, man die Bilder mit coolen Effekten aus unterhaltsamen Apps bearbeitet und nicht versucht in Photoshop Etwas mehr aus ihnen heraus zu kitzeln. Für richtige Fotos brauche ich eine richtige Kamera. Doch die richtige Richtige für unterwegs zu finden ist gar nicht so leicht wenn man anspruchsvoll ist, mehr möchte, als Draufhalten und Abdrücken, und RAW Pflicht ist.

Am nächsten kam meinem Anspruch bislang die Canon S95 (mittlerweile abgelöst von der S100). Ihr sucht eine sehr gute, leicht und kreativ bedienbare, gleichzeitig aber auch wirklich kompakte Kompaktkamera? Kauft die S95 oder S100 (ich nehme mal an, dass die S100 nicht schlechter ist, als ihr Vorgänger).

Was der S95 aufgrund des kleinen Aufnahmesensors allerdings fehlt, ist die Möglichkeit kreativ mit Schärfentiefe zu spielen. Deshalb konnte ich mich persönlich auch nicht für eine entscheiden.

Gelandet bin ich zunächst bei der Systemkamera Panasonic G3. Macht Spaß und ist relativ kompakt. Die Betonung liegt allerdings auf relativ, denn Jackentaschen-freundlich ist anders.

Zur G3 nutze ich eine Pancake-Festbrennweite. Eine kompakte Systemkamera ergibt für mich in Kombination mit riesigen Rohren wenig Sinn. Zwar bietet Panasonic mit dem cleveren Vario PZ 14–42mm ein echt kompaktes Zoom an, aber das ist weder billig noch Lichtstark und war außerdem noch nicht auf dem Markt, als ich die G3 kaufte. Trotz aller Begeisterung für Festbrennweiten im Allgemeinen und Sympathie für das leichte Lumix G 20mm im Besonderen geht mir die Flexibilität eines Zooms doch gelegentlich ab.

Nach einiger Zeit intensiver Nutzung der G3 kehrte der Wunsch nach einer kompakteren und flexibleren Kompakten zurück. Irgendwann kam mir dann auf den einschlägigen Plattformen die Olympus XZ-1 unter. Eine Kompakte, mit der beeindruckenden Lichtstärke von ƒ1.8 am kurzen und einer noch viel beeindruckenderen Lichtstärke ƒ2.5 am langen Ende der Brennweite, überhäuft mit Auszeichnungen und bei allen Vergleichstests vorne mit dabei. Dadurch habe ich mich zu etwas hinreißen lassen, von dem ich normalerweise abrate. Da die Kamera in der Umgebung nirgends bei einem Händler zu begutachten war habe ich sie ungesehen übers Internet bestellt. Im Vertrauen, dass bei soviel Zuspruch ja nichts schief gehen könnte.

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Vorweg die gute Nachricht: So was, wie in der Abbildung unten, geht mit kaum einer anderen Kompakten.

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Die enorme Lichtstärke ermöglicht eine geringe Schärfentiefe, die man sonst nur von Spiegelreflexkameras gewohnt ist. Mit den oft eher lichtschwachen Zooms mancher Systemkamera geht das kaum besser. Danach tue ich mir allerdings schwer weitere Pluspunkte für die XZ-1 zu finden. Ja, das Display ist in Ordnung. Aber mir fiele kein Aspekt an der Kamera ein, der mich begeistert. Umso mehr Aspekte jedoch die mich ärgern.

Nun haben Olympus und ich ja eine Gesichte. Meine erste DSLR hätte eine Olympus werden sollen. Doch Gott sei Dank durfte ich die Kamera über ein Wochenende testen, fand die Bedienung umständlich und den Sucher zu klein und dunkel. Zurück ins Geschäft und hin zu Nikon, was ich nicht bereut habe. Trotzdem blieb mir Olympus grundsätzlich sympathisch.

Als ich zum ersten Mal nach einer kompakten Zweitkamera suchte, landete ich wieder bei Olympus – sie hatten zu der Zeit als einer der wenigen Anbieter eine Kompakte mit 24mm Weitwinkelzoom im Angebot. Auch die habe ich nach einem Wochenende zurück in den Laden getragen. Die Bildqualität war eine schlichte Zumutung.

Und jetzt also die XZ-1!

Unsere physische Begegnung war vom ersten Moment nicht von Zuneigung geprägt. Die Abneigung beginnt beim Objektivdeckel. Der wird ohne Verschluss wie eine Kappe auf das Objektiv gesteckt. Der Halt ist dabei recht gering. Das Konzept sieht vor, dass, wenn man die Kamera einschaltet, der Deckel weg geschoben wird. Olympus liefert ein Stück Zwirn mit, um den Deckel am Objektiv festzubinden. Aber Fotografieren, wenn da dauernd irgendwo ein Deckel an der Kamera baumelt? Also Zwirn in den Müll und hoffen, dass man nie vergisst den Deckel abzunehmen, bevor man die Kamera einschaltet, und wenn doch, dass man wenigstens so steht, dass er keinen Fluchtweg auf Nimmerwiedersehen findet – im Gulli, im Fluss, oder im Abgrund.

Man gewöhnt sich schnell daran den Deckel abzunehmen. Oft ist es auch gar nicht notwendig, denn die Schwerkraft, oder sonst etwas Physikalisches, hat das besorgt, so lange die Kamera in der Tasche lag. Wollen mal hoffen, dass sich dabei Schlüsselbund und Frontlinse nicht zu nahe gekommen sind!

Gefreut hatte ich mich auf den Ring ums Objektiv. Das Konzept kannte ich von der S95 und hatte es dort schätzen gelernt. Doch während der Ring bei Canon dezent gerastert ist, ist es bei Olympus völlig übertrieben und vor allem übertrieben laut. »Klack, klack, klack« brüllt die Kleine in die Umgebung, wenn man am Objektivring dreht. Das erste, was ich mache, wenn ich eine Kamera auspacke, ist Töne abschalten. Dieses Geräusch lässt sich aber nicht ausschalten sondern nur aushalten. Halb so schlimm, wenn es das Einzige wäre, was nervt.

Das Moduswahlrad ist viel zu leichtgängig und verstellt sich permanent von selbst. Andauernd schalte ich die Kamera ein, will fotografieren und befinde mich im falschen Modus. Das nervt echt.

Richtig schlimm wird es aber wenn ich mir die Bildqualität ansehe.

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Eine sehr schöne Szene. Hartes Licht aber dennoch Postkarten-Foto-Wetter. Aber irgendwie habe ich das Gefühl das kann jedes Smart Phone besser. Unten sieht man einen Ausschnitt aus dem Bild oben. Kann mir jemand das Rauschen erklären? Das ist ISO100!

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Subjektiv hätte ich das Gefühl, dass die XZ-1 bei ISO100 so kräftig rauscht, wie die Canon S95 bei ISO800. Ganz haben das meine Vergleiche (keine Laborvergleiche, sondern vergleiche von Aufnahmen mit etwa ähnlichen Lichtbedingungen) diesen Eindruck nicht bestätigt. Doch die Canon hält bei ISO400 locker mit der XZ-1 bei ISO100 mit – bei RAW-Dateien.

ISO ist überhaupt ein Ärgernis bei der XZ-1. Zwar gibt es eine ISO-Automatik, aber die begrenzt auf ISO200 und der Wert lässt sich nicht ändern. Man könnte jetzt mutmaßen, das sei mit gutem Grund so, wenn das Rauschen schon bei ISO100 teilweise unerträglich ist.

Ein weiterer Punkt ist die tonnenförmige Verzerrung im Weitwinkelbereich.

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Das hat ja schon fast einen lustigen Fischaugencharakter. Mir ist schon klar, dass sich Verzerrungen bei Weitwinkelzooms nicht vermeiden lassen. Aber 24mm Kleinbild ist noch bei Weitem kein extremes Weitwinkel. Architekturaufnahmen sind so ohne nachträgliche Korrektur in der Bildbearbeitung unansehnlich. Und nicht nur Architektur, wie das folgende Bild zeigt.

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Ich habe mich kurz bemüht die Kleine auch mit ihren Schwächen zu mögen. Doch nach und nach entdecke ich weitere Schwäche, die für eine Kamera mit dem Anspruch ambitionierte Fotografen zufrieden zu stellen, einfach indiskutabel sind. Zuletzt musste ich zur Kenntnis nehmen, dass es keine Möglichkeit gibt bei der automatischen Bildanzeige nach der Aufnahme das Histogramm anzeigen zu lassen.

Schade, eine neue Kamera nach wenigen Wochen durch eine neuere ersetzen zu müssen. Aber mit der XZ-1 macht Fotografieren einfach keinen Spaß. Es bleibt die Frage, wie die vielen positiven Testurteile zu Stande kamen.

3 Responses to “Olympus XZ-1 – es wird wohl keine Liebe mehr”

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