Man kann sich’s jetzt richten

Meinen gestrigen Artikel zur Änderung der Gewerberegelung in der Fotografie habe ich auch an die Pinnwand von freiefotografie.at geheftet (facebook.com/FreieFotografie). Vielleicht war es kein guter Augenblick mit so kritischen Worten in den Siegestaumel der Organisatoren zu platzen. Deshalb wundert mich auch nicht, dass ich ein sehr harsches Feedback retour serviert bekam.

Zunächst muss ich sagen, dass die Betreiber von »Freie Fotografie« meinen vollen Respekt für ihren Einsatz haben. Kritisch schreiben, wie ich das hier mache, und tatsächlicher, mühevoller Einsatz, sind zwei paar Schuhe. Und in diesem Punkt muss ich meinem Kritiker durchaus recht geben – auch das ist typisch österreichisch: Kritisieren, aber selbst nicht aufstehen und Einsatz zeigen. Kritik by Stammtisch, so zu sagen.

Doch auch die Antwort auf meine Kritik ist typisch österreichisch: Es gibt jetzt eine Lösung, die bietet so viele Hintertürchen, dass jetzt praktisch eh schon jeder Alles machen kann. Regelung by Schlupfloch, so zu sagen.

Man kann sich’s jetzt richten. Sehr typisch österreichisch! Statt klarer (und logisch nachvollziehbarer) Regelungen sucht man einen Kompromiss, der möglichst wenigen (Interessengruppen) zu sehr auf die Zehen steigt. Wasch mir den Pelz, aber mach mich ja nicht nass! Scheinregelungen, die nur zum Schein regeln und vor allem dazu dienen, die Hintertürchen weit aufzureißen. Wir kennen das ja schon von unseren Rauchergesetzen für Lokale, die, glaube ich, ja auch Keiner versteht. Der Fachbegriff dafür lautet: Österreichische Lösung. Und am Ende des Tages wundern wir uns, dass für manche Herrschaften auf dem Sofa dieser Schlupflochmentalität bis ans Ende aller Tage die Unschuldsvermutung gilt.

Für alle, die leidenschaftlich fotografieren, und ihre Leidenschaft gerne zum Beruf machen würden, ist die Änderung der Gewerbeordnung sicher ein Vorteil und ein Schritt nach vorne. Am Ende bleibt es aber eine halbe Lösung, die für mich, und für viele andere, gar keine Lösung ist. Und es ist traurig, dass in diesem Land halbe Lösungen wie ganz große Siege gefeiert werden müssen.

Ich persönlich habe aktuell gar keine Ambitionen mein Einkommen in Zukunft direkt über Fotografie zu bestreiten (ich schreibe lieber Fachbücher, die Fotografen helfen Fotografie besser zu verstehen 😉 ). Mich ärgert vor allem die Ungleichstellung zwischen Fotografen und Grafikdesignern. Was ÖVP-Steindl & Co mir mitteilen ist: »Fotografie ist eine Profession, die einen Schutz verdient. Grafikdesign hingegen kann eh ein Jeder.« Mangelnde Wertschätzung nenne ich das.

Und selbst wenn ich Fotografie verkaufen wollte: Hintertürchen sah ich schon bisher. Erstens bin ich »staatlich anerkannter Künstler« und wer wollte schon behaupten, dass Fotografie keine Kunst ist. Und sollte ich wirklich nicht »Kunstwerk« auf eine Honorarnote schreiben wollen, dann halt »grafische Leistung«.

Bedauerlich finde ich die weiterhin existierende Mauer um die Fotografie (von der ich gesagt bekommen habe, dass es nur mehr ein Gartenzaun ist) für jene Leute, die wirklich professionelle Fotografie machen und es verdienen würden, sie zu Geld machen zu können, aber keine einschlägige Ausbildung haben. Ich habe dabei speziell eine Freundin im Hinterkopf, die das Niveau vieler »Berufsfotografen« längst überflügelt hat, aber dennoch weiterhin nach Schlupflöchern suchen muss, möchte Sie die erreichte Profession eines Tages tatsächlich als Dienstleistung anbieten.

Ein bisschen Kritik bleibt am Ende auch für die Initiatoren von »Freie Fotografie«: Eine Headline, wie »Das fotografische Gewerbe ist in Ö nun offen«, hätte mir wohl nicht unangenehm aufgestoßen. Aber für mich, als Marktteilnehmer in einem tatsächlich freien Gewerbe, ist »Fotografie ist in Ö nun frei« für den neu erreichten Status Quo wie ein Hohn.

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2 Gedanken zu „Man kann sich’s jetzt richten“

  1. Hallo Markus,

    von meiner Seite aus kann ich Dir und Deinem Artikel nur Recht geben!

    Es wird wieder einmal eine Lösung bejubelt die eigentlich gar keine ist! Die österreichischen Lobyisten haben es sich wieder einmal hingedreht ….. bei uns in Österreich kann man ja auch nur ein bischen schwanger sein …

    schöne Grüße
    Markus

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