Welche Kamera kaufen, Teil 5: Bridge-Kameras

Nicht so viel Technik | Eigentlich hatte ich mir vorgenommen nicht mehr so viel über Technik zu schreiben. Zwar könnte man meinen es gäbe für Fotografen wirklich nichts Wichtigeres, wenn man in die einschlägigen Foren, Blogs und Fachmagazine blickt. Aber das deckt sich irgendwie nicht mit meiner Einstellung zum Fotografieren. Für mich ist vor allem der Prozess des Fotografierens selbst von Bedeutung. Sicher: Mit einer tollen Ausrüstung macht es mehr Spaß. Aber nur wenn man damit umgehen kann.

Spaß ohne High-end-Technik | Allerdings bilde ich mir ein auch ohne Vollformat-Kamera und Lichtstarke Profiobjektive Freude an der Fotografie haben zu können. Ganz so, wie ich mit meinem Mazda Roadster Freude am Fahren haben kann, auch wenn ich mir sicher bin, dass es mit einem Aston Martin oder Porsche noch mehr Spaß sein könnte. Allerdings nicht der fünf- oder zehnfache Spaß! Deshalb würde ich auch nicht versuchen die fünf- oder zehnfache Kohle zusammenzukratzen und mich ruinieren, nur um ein bisschen mehr Freude am Fahren zu haben. Und so kann ich eben auch mit meiner 500-Euro Systemkamera genauso viel Spaß am Fotografieren haben, wie mit der sündteuren Profiausrüstung.

Und nun bin ich halt doch wieder so tief in der Technik, auch wenn ich behaupte, dass sie Nebensache ist. Andererseits ist sie ja auch Fundament. Denn ohne Technik keine Fotografie. Digitalfotografie schon gar nicht.

Größer als gedacht | Die Idee zu dieser kleinen Übersicht entstand bereits vor Monaten. Schon als ich an »Kreativ fotografieren« über Kamerakonzepte schrieb überlegte ich das Thema in meinem Blog etwas ausführlicher zu behandeln. Dass es aber fünf oder mehr Teile brauchen würde (und es werden nach diesem Artikel mindestens zwei weitere folgen) hätte ich allerdings nicht gedacht, als ich begann an der Übersicht zu schreiben.

Nach einem Artikel über Grundgedanken zum Kamerakauf und ein paar Gedanken zu Megapixel und Einstellrädern habe ich zunächst die gewöhnliche Riege der Kompaktkameras vorgestellt um darauf folgend etwas ungewöhnlichere Kompaktkameras zu zeigen. Nun möchte ich noch einmal eine besondere Klasse der Kameras mit fix montierten Objektiven vorstellen.

Bridge-Kamera

Die Bridge-Kamera soll eine Brücke zwischen Kompaktkamera und Spiegelrefelex-Kamera sein. Sie hat das ausfahrbare, aber fix verbaute Objektiv der Kompakten, und die griffige Form von der Spiegelreflexkamera – um es vereinfacht auszudrücken. Da diese Kameras meist extreme Zoombereiche abdecken, spricht man auch oft von Superzoom. Allerdings gibt es längst auch sehr kompakte Modelle in kleinen, eckigen oder modischen Gehäusen, die nicht im weitesten an Spiegelreflexkameras erinnern und trotzdem super-zoom-Bereiche abdecken. Deshalb bleibe ich doch lieber bei Bridge für dieses Kamerakonzept.

Hochwertiger als Kompakte | Preislich beginnen Bridge-Kameras in der Regel in einer Region, wo Kompaktkameras kaum mehr zu finden sind. Man darf also durchaus noch ein bisschen bessere Abbildungsqualität erwarten.

Ergonomisch geformt | Die Gehäuse sind kleiner und (in der Regel deutlich) leichter als bei Spiegelreflexkameras mit Objektiven. Dennoch haben sie ein gutes Volumen und sind ergonomisch geformt, bieten also durchaus dem Bedienungskomfort einer DSLR. Auch was Einstellräder und Funktionstasten angeht braucht der ambitionierte Fotograf kaum auf etwas zu verzichten.

Flexible Brennweite | Die Brennweitenbereiche der Zoomobjektive braucht man bei Objektiven für SLRs gar nicht erst zu suchen. Bridge-Kameras haben oft die zwei oder dreifache Brennweite der zoomstärksten Wechselobjektive für SLRs. Allerdings auch mit all den qualitativen Einschränkungen und Nachteilen, die damit einher gehen.

Ich persönlich bin ja bekennender nicht-Fan langer Telebrennweiten – meine Liebe gehört dem Weitwinkel. Doch bei den kleinen Bildsensoren kompakter Kameras – und Bridge-Kameas haben in der Regel keine größeren Sensoren als Kompaktkameras – haben lange Brennweiten einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Man kann die lange Brennweite nutzen um mit der dadurch entstehenden kurzen Schärfentiefe den Hintergrund unscharf zu bekommen und damit ein Motiv freizustellen. Auch wenn die Motive dadurch kaum mehr perspektivische Tiefenwirkung entfalten, lassen sich dennoch coole Ergebnisse erzielen.

Guter Reisebegleiter | Bridge-Kameras sind ein guter Tipp für alle, die eine möglichst flexible Kamera wollen, die auch etwas größer sein darf, die aber nicht gleich in eine DSLR-Ausrüstung investieren und sie mit sicher herumtragen wollen. Sie sind gute Reisebegleiter, wenn man etwas anspruchsvoller ist und nicht nur Draufhalten und Abdrücken will.

Makro-Profi | Eine besondere Empfehlung stellt die Bridge-Kamera für Freunde der Makrofotografie dar. Bridge-Kameras erlauben es meist bis auf 1cm an ein Motiv heranzurücken. Wer eine Spiegelreflexkamera nutzt kommt mit den gewöhnlichen Objektiven nur selten näher an ein Motiv als 20cm. Oft sogar nur 50cm oder lange Brennweiten erwarten sogar einen Abstand von einem Meter und mehr. Für eine SLR brauht man spezielle Makro-Objektive, die meist alleine das Preisschild einer ganzen Bridge tragen. Dabei sind Bridge-Kameras komfortabel für die Makrofotografie einsetzbar, bieten von Haus aus große Schärfentiefe – was bei Makro ein großer Vorteil ist – und man erreicht mit ihnen oft eine annähernd professionelle und postertaugliche Abbildungsqualität.

Modelle

FUJIFILM X S1 presse1

Einen besonders guten Ruf hat sich bei den Bridge-Kameras Fuji erarbeitet. Ich glaube auch, dass kaum ein Hersteller mehr Modelle dieser Gattung in seinem Portfolio präsentieren dürfte. Man bekommt also von Fuji Bridge-Kameras in den verschiedensten Ausführungen, bereits ab Preisen unter 200 Euro. Das Spitzenmodell ist aktuell die X-S1, die nicht zuletzt auf Grund ihrer Größe kaum von einer DSLR zu unterscheiden ist. Allerdings liegt der UVP dafür aktuell bei etwa 750 Euro. Eine DSLR plus Objektiv ist schon um weniger Geld zu haben.

Wie bereits in einem vorangegangenen Artikel erwähnt, genießt Fuji einen äußerst guten Ruf sowohl als Hersteller von Objektiven als auch als Entwickler von Bildsensoren. Ich würde also erwarten, dass die X-S1 unterm Strich SLRs in der gleichen Preisklasse kaum nachstehen dürfte.

Der Sensor der X-S1 ist mit 8,8×6,6mm für diese Kameraklasse relativ groß und darüber hinaus mit 12 Megapixel nicht zu üppig mit Pixeln überladen, was für gute Abbildungsqualität und gutes Rauschverhalten sorgen sollte.

In der Supermakro-Einstellung ist es in Weitwinkelstellung bis auf 1cm an ein Motiv heranzugehen.

DMC FZ150EGK HiRes Image Image 1 Europe 1ZoomA1001001A11H23C11702I13270Auch Panasonic hat ein paar Modelle an Bridge-Kameras im Sortiment, wobei Panasonic wieder von Superzoom spricht. Die Modelle, wie zum Beisiel diese Lumix FZ150, lesen sich auf dem Datenblatt durchaus interessant. Der Bildsensor ist hier mit 6,16×4,62mm nicht übermäßig groß und auch Panasonic vermeidet es ihn mit Megapixel zu überfrachten und liefert mit 12 Megapixel eine wohl sinnvolle Dichte.

Nikon P510 schwarz

Die P510 von Nikon bietet ein 42-fach Zoom von 24mm bis 1000mm! Am Klappdisplay dürften Makrofotografen ihre Freude haben und die Schalter und Knöpfe versprechen ergonomisches Fotovergnügen.

197977Sony hat sich vor allem zu Beginn der Digital-Kompaktkamera-Ära dadurch einen Namen gemacht, dass sie Modelle anboten, die sehr schnell auslösen konnten. Ich war mit meinen Sony Cybershot-Modellen recht zufrieden. Die technischen Daten der aktuellen Sony Bridge-Kameras sprechen mich persönlich nicht so besonders an. Zu viel Megapixel für die kleinen Sensoren und zu wenig Weitwinkel am kurzen Ende der super Zooms, zum Beispiel 27–810mm und 18 Megapixel, bei dieser DSC-HX200V.

Wie für den Rest dieser Artikelserie gilt allerdings auch hier, dass das hier keine Testberichte sind, sondern dass ich lediglich einen Ansatzpunkt anbieten möchte, welche verschiedenen Arten an Kamerakonzepten es gibt und bei welchen Herstellern man wo nach den Modellen suchen kann.

Zu den Pionieren unter den Anbietern von Bridge-Kameras gehört Olympus und auch heute gibt es noch mehrere Modelle dieser Klasse, bei Olympus Traveler genannt. Auch Pentax hat ein Modell im Programm das bei ihnen als Crossover bezeichnet wird.

Fazit

Unverdiente Mauerblümchen | Bei Canon fand ich keine Bridge-Kamera im Angebot. Das Segment scheint Canon zu wenig interessant zu sein und ich finde das durchaus OK. Man braucht ja nicht auf jeder Hochzeit zu tanzen. Ein aufmerksamer Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Canon sehr wohl eine Bridge-Kamera im Angebot hat, nämlich die PowerShot SX40S. Ich bin selbst etwas verwundert, wie ich die übersehen konnte, denn selbstverständlich habe ich auf den Websites der Hersteller recherchiert.

Neben und zwischen schicken Kompaktkameras, trendigen Systemkameras und den beliebten Spiegelreflexkameras gehen die Bridge-Kameras meist etwas unter. Unverdient, wie ich meine. Fotografen, denen eine Kompakte nicht reicht und die mit einem Aufstieg zu System- oder Spiegelreflexkamera überlegen, sollten Bridges als Alternative nicht ganz außer acht lassen. Wer ohnehin nicht beabsichtigt mehrere Objektive zu kaufen, braucht nicht unbedingt eine Systemkamera. Bridges sind nicht so groß und schwer wie eine Spiegelreflex-Ausrüstungen. Sie ermöglichen unkompliziert tolle Makro-Einblicke in die Welt des Kleinsten und meist sind sie flexibel genug im Weitwinkel tolle, spannende und dynamische Landschaftsaufnahmen einzufangen und am anderen Ende, im Tele, kann man sogar Spiegelreflex-ähnliche Porträtaufnahmen erreichen.

Weiter zum 6. Teil: Systemkameras

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