Welche Kamera kaufen, Teil 4: Kompakte Exoten

Etwas andere Kompaktkameras

Die Kompaktkameras im ersten Teil meiner kleinen Übersicht richten sich an die breite Masse der Fotografen. Daneben – oder besser gesagt: darüber – finden sich noch etwas speziellere Geräte, die sich an besonders anspruchsvolle Fotografen richten.

Zu diesen speziellen Apparaten müsste man auch die Kompakten von Leica zählen, von denen ich euch hier aber kein Exemplar zeigen kann, weil ich keine Bilder für die Presse gefunden habe. Nun muss ich zugeben, dass sich Leica nach meiner bescheidenen Meinung das Prestige ihrer Marke ordentlich bezahlen lässt – ob man einen Mehrwert erhält der dem Mehrpreis der Geräte entspricht mag dahin gestellt bleiben. Allerdings handelt es sich bei dieser Aussage um ein Vorurteil, denn tatsächliche Erfahrungen mit einer Leica habe ich bislang nicht gemacht.

Sigma dp1Zu den ausgefallenen Geräten unter den kompakten Kameras zählt die DP-Serie von Sigma – hier abgebildet die DP1 Merrill. Diese Kamera hat einen Bildsensor mit einem Format von 23,5×15,7mm und ist damit mit einer Spiegelreflexkamera vergleichbar. Beinahe alle anderen Kompakten haben deutlich kleinere Sensoren. Der Fotograf darf dementsprechend eine Bildqualität erwarten, die tatsächlich einer Spiegelreflex entspricht, und nicht nur an diese heranreicht. Das ermöglicht dem Fotografen auch einen entsprechend großen Spielraum bei der Gestaltung der Schärfentiefe. Lichtstarke Objektive komplettieren Geräte die für den professionellen Anspruch entwickelt wurden. Zu diesem Anspruch gehört allerdings auch, dass die Objektive Festbrennweiten sind. Zoomen is also nich, dafür darf man aber kompromisslose Abbildungsqualität erwarten.

Eine weitere Besonderheit stellt ein besonderer Bildsensor da, der ein Sigma-Eigengewächs ist und der sich von anderen Sensoren dadurch unterscheidet, dass nicht ein roter, ein blauer und zwei grüne Pixel nebeneinander im Quadrat angeordnet die Motive vor der Linse digitalisieren, sondern ein roter ein blauer und ein grüner Pixel die hintereinander angeordnet sind. Frag mich niemand, wie das technisch funktioniert. Jedenfalls haben diese ›Foveon‹ genannten Sensoren einen ausgezeichneten Ruf und sollen exzellente Ergebnisse liefern.

Sigma gibt für den Sensor der DP1 Merrill eine Auflösung von 45 Megapixel an, wobei sie so rechnen: 15 Millionen rote + 15 Millionen blaue + 15 grüne Pixel = 45 Millionen Pixel, also 45 Megapixel. Das heißt aber, dass von vorne betrachtet lediglich 15 Megapixel auf dem Sensor angebracht sind und die restlichen 30 dahinter liegen. Im Vergleich: Eine Nikon D800 mit 36 Megapixel hat von vorne betrachtet tatsächlich 36 Millionen Pixel auf der Oberfläche, allerdings nur 9 Millionen blaue, 9 Millionen rote und 18 Millionen grüne. Da sich je vier Pixel (zwei grüne, ein rotes und ein blaues) das Aufnehmen der Farbinformationen teilen müssen, hat Sigma das bessere Verhältnis. Sagt Sigma. Im Grunde ist das reines Marketing und für die Praxis wenig relevant. Für die Praxis ist wichtig, dass der Sigma Sensor in Wirklichkeit 15 Megapixel Bilder generiert und dass deren Qualität höchsten Ansprüchen gerecht werden sollten.

Eine kompromisslose Kamera für kompromisslose Fotografen, die für gute Abbildungsleistungen auf einigen Luxus und viel Schnickschnack zu verzichten bereit sind.

Ricoh gr digitalWeiterere Exoten im Reich der kompakten Kameras sind die »GR Digital«-Kameras von Ricoh. Auch sie sind vor allem sehr ambitionierten Fotografen bekannt und genießen einen guten Ruf. Allerdings sind die Eckdaten nicht ganz so kompromisslos und bemerkenswert, wie es bei Sigmas DP-Kameras der Fall ist.
PowerShot G1 X FRT HORNeben den DP-Modellen von Sigma stellt auch die neue G1X von Canon die seltene Ausnahme einer Kompaktkamera mit dem Sensorformat einer Spiegelreflexkamera dar. Anders als die Sigma ist der Apparat aber weniger kompromisslos und zum Beispiel mit einem, für kompakte Kameras eigentlich üblichen, Zoomobjektiv ausgestattet. Zu erwähnen wäre noch, dass die G1X mit einem – ebenfalls seltenen – optischen Sucher ausgestattet ist. Wenn dieser aber tatsächlich, wie ich gelesen habe, praktisch identisch ist, mit jenem er Canon G12, dann ist seine Praxistauglichkeit wohl eher begrenzt.

Ich habe mir außerdem sagen lassen, dass man die Kamera nur mehr mit gutem Willen als kompakt bezeichnen kann. Dafür soll aber auch die Bildqualität für diese Kameraklasse sehr großes Niveau haben.

Weiter zum 5. Teil: Bridge-Kameras

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