Welche Kamera kaufen, Teil 2: Megapixel und so

Vor kurzem schrieb ich in einem Artikel grundlegende Gedanken zum Kauf einer Kamera zusammen. Geplant war in einem zweiten Teil ein paar Kamerakonzepte, wie Kompaktkamera, Bridge-, System- und Spiegelreflexkamera vorzustellen. Zufällig hat ein geschätzter Kollege am nächsten Tag einen Artikel veröffentlicht, in dem es um dasselbe Thema geht, aber völlig andere Kriterien vorgeschlagen werden. Aufgrund dieses Artikels möchte ich meine Überlegungen noch einmal etwas weiter ausformulieren.

Nach meiner subjektiven Erfahrung sind die wichtigsten Parameter um mit einer Kamera glücklich zu werden, Gewicht und Volumen und die Sensorgröße. Alles Weitere sind Details. Anders gesagt: Diesmal kommt es wirklich auf die Größe an! Wobei größer nicht zwingend besser ist.

Volumen und Gewicht der Kamera entscheiden einerseits über die Ergonomie des Geräts beim Fotografieren, aber auch darüber, ob man die Kamera gerne mitnimmt.

Das Format des Bildsensors entscheidet, wie ich in welchen Situationen mit Schärfentiefe arbeiten kann und wo ich an Grenzen stoße.

Megapixel

Nach meiner Ansicht ein völlig überbewertetes Thema. Das Gros der Fotografen wird mit zehn bis zwölf Megapixel ein Leben lang ein Auslangen finden. Einsteigern würde ich deshalb raten kein besonders großes Gewicht auf möglichst viel Megapixel zu legen. Erst wenn sich aus der Erfahrung der Praxis ergibt, dass man mit der Pixelanzahl seiner Kamera definitiv an sichtbare Grenzen stößt, würde ich den Kauf einen Aufstieg zu einem höher auflösenden Gerät in Betracht ziehen.

Dem Einsteiger sollte zum Beispiel zu denken geben, weshalb professionelle Geräte um mehrere Tausend Euro zum Teil nicht mehr Auflösung (oder sogar weniger) haben, als billige Einsteiter-Kompaktkameras. Interessant ist sogar, dass Kompaktkameras, die sich an anspruchsvolle Fotografen richten (und deutlich teurer sind), meist nur zehn bis zwölf Megapixel auflösen, während 16 Megapixel bei den billigen Geräten quasi Standard sind. Haben die erfahrenen Hasen keine Ahnung oder fallen sie nur nicht auf die Tricks des Marketings herein?

Tatsache ist: Ein ungünstiges Verhältnis von Megapixel zu Sensorgröße ist problematisch und erzeugt sogenanntes Bildrauschen in dunklen Bereichen und wenn die Lichtsituation nicht mehr optimal ist. Auf dem kleinen Bildsensor einer Kompaktkamera finden bei 16 Megapixel nur mehr winzig kleine Pixel Platz. Das ist schlecht. Auf dem großen Sensor einer professionellen Spiegelrefelxkamera im sogenannten Vollformat können 12 Megapixel hingegen vergleichsweise riesig ausfallen. Das ist gut.

Die Auswirkung demonstriert das Foto eines iPhones mit, wie bei fast allen Handys, ganz, ganz kleinem Bildsensor. Betrachtet man das ganze Bild in der verkleinerten Darstellung, dann wirkt die Schärfe für ein Handy absolut beachtlich. Doch wenn man es zu 100% betrachtet, wie im Ausschnitt darunter zu sehen, dann ist das Resultat absolut unbefriedigend. Schlechter wäre das Ergebnis auch nicht, wenn die Kamera nur 4 statt 8 Megapixel hätte und in Photoshop zur höheren Auflösung aufgeblasen worden wäre.

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Bild eines 8 Mepagpixel iPhone 4s im ganzen Ausschnitt, also verkleinert.
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Ausschnitt, aus dem oberen Bild, in 100%, also der tatsächlichen Größe des Bildes.

Dabei ist Apple in Sachen Auflösung ja Musterknabe. Andere Hersteller liefern schon lange vor dem iPhone 4s Geräte mit 10 Mepgapixel und erreichen damit wahrscheinlich auch keine besseren Resultate.

Dieses Problem ist allerdings nicht nur auf Handys beschränkt. Ich habe schon ähnliche lausige Resultate bei Kompaktkameras auf dem Bildschirm gehabt.

Das darf jetzt allerdings auf keinen Fall so verstanden werden, dass eine hohe Bildauflösung per se schlecht oder überflüssig wäre. Es gibt Aufgaben, in denen ist viel Auflösung Pflicht. Zum Beispiel, wenn ich Architektur und Landschaft fotografiere, kleinste Details scharf abgebildet haben möchte, und beabsichtige die Aufnahmen auf großen Postern zu reproduzieren. Dann allerdings muss auch die Ausrüstung und die Arbeitsweise mitspielen.

Nikon empfiehlt für die neu angekündigte D800, mit sagenhaften 36 Megapixel, nur mehr die hochwertigsten Objektive, um die Auflösung voll nutzen zu können. Wir reden von Glas, dass kaum mehr unterhalb von 1000 Euro zu haben ist. Außerdem wird ein Stativ und die Arbeit mit Spiegelvorauslösung und Fernauslöser nahegelegt. Wer diesen Aufwand nicht treiben will, sollte über die Sinnhaftigkeit hoher Auflösungen nachdenken.

Blenden- und Zeitvorwahl und manuelle Einstellung

Wer eine Spiegelreflexkamera kauft kann über die Vorwahl der Blendenöffnung, der Zeit oder mit manueller Einstellung Bilder kreativ gestalten. Die Frage ob die Kamera diese Einstellungen komfortabel und leicht erreichbar zur anbietet, stellt sich bei diesen Geräten allerdings nicht, denn sie sind Standard.

Bei einer kompakten Kamera darf man aber sehr wohl hinterfragen, ob es wirklich einen Nutzen bringt großes Gewicht darauf zu legen. Hier gibt es Geräte die eigene Schalter dafür anbieten und solche, die das nicht tun. Man hat also die Wahl. Doch ob eine solche Funktion bei kompakten Geräten wirklich eine Notwendigkeit ist, ist fraglich.

Zum Einen ist der größte Nutzen von Blendenvorwahl und manueller Belichtungssteuerung, dass ich damit die Schärfentiefe kreativ gestalten kann. Doch mit dem kleinen Bildsensor einer Kompaktkamera ist die Auswirkung auf die Schärfentiefe, ob ich nun Blende 2.0 oder Blende 8.0 verwende, bei den meisten Motiven so gering, dass der Unterschied kaum mehr zu erkennen ist.

Außerdem erlauben Spiegelreflexkameras, je nach Objektiv, einen Spielraum zwischen Blende ƒ2.0 und Blende ƒ32 oder sogar noch mehr. Kompaktkameras sind jedoch meist auch im besten Fall zwischen Blende ƒ2.0 und Blende 8 eingeschränkt. In der Regel sogar eher noch Blende ƒ3.5 und Blende 8. Da ergibt sich wenig Spielraum für kreative Blendenvorwahl.

Fazit

Meine Empfehlung bleibt also für den Einsteiger nach wie vor sich erst einmal Gedanken darüber zu machen, wie, wo und was er fotografieren möchte, wie es im Eingangs erwähnten Artikel dargestellt ist. Es sind für mich die wichtigsten Überlegungen um längerfristig am Fotografieren mit einem Apparat Freude zu haben.

Einen Aufstieg auf ein teureres Gerät mit mehr Funktionen und mehr Leistung würde ich immer erst in Betracht ziehen, wenn man mit dem aktuellen Gerät an tatsächlich sichtbare und in der Praxis tatsächlich behindernde Einschränkungen stößt. Und dann auf das Gerät umsteigen, bei dem man durch visuelle Kontrolle und praktische Erprobung verifizieren kann, dass der neue Apparat diese Einschränkungen behebt. Bessere Kennzahlen und Hörensagen allein ist kein guter Einkaufsratgeber.

Auch wenn ich im Detail vielleicht etwas andere Prioritäten ansetze, als der genannte Kollege, Tom! Striewisch; seinen Artikel möchte ich dem geneigten Leser dennoch nahe legen um sich weitere Anregungen zur Kameraauswahl zu holen.

Weiter zum 3. Teil: Kompaktkameras

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