Apple-Bashing – gibt es keine interessanteren Hobbys mehr?

Es geht mir echt tierisch auf den Zeiger. Was veranlasst Massen von Leuten sich als Apple-Basher zu engagieren? OK. Wir hatten auch unser Reich des Bösen: Microsoft. Aber Microsoft hatte damals einen Marktanteil von knapp 100% und Apple drohte als letzte Alternative unter zu gehen. Microsoft hat diese Marktposition schamlos ausgenutzt um Mitbewerber zu killen. Die jüngeren Leser sollen einfach mal recherchieren, wie es Netscape gegen den Internet Explorer ergangen ist. Das kann man nicht mit Apple vergleichen, eine Firma die weder bei mobilen Betriebssystemen und schon gar nicht bei Desktops Marktführer ist. Das sollten wir zu schätzen wissen: Es gibt Konkurrenz und jeder kann frei entscheiden, ob er sich für Mac OS, Windows oder Linux; für iOS, Android, Windows Mobile oder sonst etwas entscheidet. Was also motiviert Apple-Basher sich mehr auf das Bashing eines anderen Betriebssystems zu echauffieren, als über das eigene glücklich zu sein?

Ich nutze Macs seit Mitte der 1990er Jahre. Ich nutzte Macs in einer Zeit, als das Betriebssystem deutlich unter 4% Marktanteil hatte (und ihr, leibe Basher, haltet euch für Social Underdogs weil ihr Windows und Android nutzt!?). Und jetzt muss ich mich von Leuten die Windows (Marktführer bei Betriebssystemen) und Android (Marktführer bei mobilen Betriebssystemen) sagen lassen, ich würde mein iPhone nur nutzen, weil das Jeder macht. Dabei merken die Basher gar nicht, dass sie selbst nur in einer Herde mitlaufen; dass sie, wenn sie Apple-Bashen, etwas machen, was Jeder macht. Man sehe nur in die einschlägigen Seiten beim Standard: Da bashen etwa 90% der Kommentatoren massiv gegen Apple und wer eine positive Stimme erhebt, wird als Fan-Boy (Idiot) abgekanzelt.

Ich sehe nach etwa 15 Jahren Apple und meinen Erfahrungen keinen Grund der Firma den Rücken zu kehren, nur weil es unter Nerds, Freaks und Geeks gerade en vogue ist, Apple für Böse zu halten. Und ich habe keine Lust mich deshalb als dummen Fan-Boy abstempeln zu lassen. Ich bin kein dummer Anwender der alles was Apple macht cool findet. Ich betrachte das Unternehmen und seine Produkte auch kritisch. Ich hatte auch schon ärgerliche Probleme mit Apple-Produkten. Unterm Strich bin ich aber noch immer sehr zufrieden, weil das Meiste meist problemlos funktioniert. Kann sein, dass es bei Linux oder Windows besser wäre (auch wenn ich es nicht glaube). Aber weshalb sollte ich es probieren und wechseln, so lange ich in der Apple Welt zufrieden bin? Ich sehe nirgends, dass Google oder Microsoft Apple gegenüber in irgendeiner Angelegenheit so weit voraus wäre, was es rechtfertigen würde über einen Wechsel nachzudenken. Ganz im Gegenteil.

Wie war es denn, als Apple das iPhone ohne Tastatur und mit Bedienung über ein Touch-Display ankündigte? Hat da nicht die Apple-Bahser-Community geunkt, dass das Produkt Mist sei und nie funktionieren würde? Und was nutzt diese Community heute? Android auf Samsung oder HTC? Mobile Devices die teilweise auf den ersten Blick kaum vom Original zu unterscheiden sind? Mit Original meine ich natürlich das Teil, das zuerst auf dem Markt war. Da lobe ich mir übrigens Microsoft, denn die haben das Aussehen von iOS nicht 1:1 kopiert, sondern die Oberfläche anders gestaltet und bieten somit eine Alternative, die mir durchaus gefallen kann.

Es liegt mir fern mit meinem Artikel Android oder Windows Mobile zu bashen. Ich kann nichts über diese Produkte sagen, weil ich bislang keines besessen habe. Und – heh! – ich urteile nur aus eigener Erfahrung und nicht so gerne aus hören-sagen oder aus reinem Verdacht. Viel mehr noch finde ich es gut, dass Apple mit Android einen erfolgreichen Mitbewerber auf dem Markt hat und wenn Microsoft mit Windows Mobile zu diesen beiden Playern aufschließen kann, umso besser. Von Konkurrenz können wir Anwender nur profitieren. Anders gesagt: Das Monopol ist immer schlecht für den Konsumenten. Es wäre genau so eine Katastrophe für den Anwender, wenn Microsoft oder Google alle anderen Anbieter aus dem Markt drängen würde, wie wenn Apple den Endsieg davontragen würde. Doch zu dieser Art differenzierter Sichtweise scheint der gemeine Apple-Basher wohl nicht in der Lage zu sein.

Heute habe ich einen Bericht beim Standard unter dem Titel »Mountain Lion: Der Anfang vom Ende des ›offenen‹ OS X?«. Es geht um eine neue Funktion für Mac OSX 10.8 unter dem Titel Gatekeeper. Diese Funktion erlaubt es dem Anwender voreinzustellen, ob er jede Software installieren können will, nur Software mit bestimmten Sicherheitszertifikaten oder nur Software aus dem App-Store. Voreingestellt ist nur Software aus dem App-Store. Das macht auch Sinn, denn damit kommt für ungeübte Anwender nur Software auf den Mac, die von Apple geprüft wurde. Ja, klar. Auch das ist keine Garantie, dass mit solcher Software kein Schindluder getrieben werden kann – dazu gibt es aus dem App-Store für iOS bereits genug Beweise. Dennoch stellt es die höchst mögliche Sicherheitsstufe dar.

Liest man den Bericht beim Standard, so unterstellt er Apple, dass das Betriebssystem zu einem geschlossenen System werden könnte und nur mehr Software aus dem Store erlaubt werden könnte. Natürlich ist das langfristig nicht auszuschließen und kritischer Journalismus sollte auf jeden Fall auf diese Gefahr hinweisen. Aus heutiger Sicht kann man das aber getrost ausschließen, denn nach wie vor gibt es weder die Adobe Creative Suite noch Microsoft Office im App Store. Vor diesem Hintergrund dürfen wir wohl ausschließen, dass Apple den Mac sobald für alle Software außerhalb des App-Stores schließt. Würde es wirklich soweit kommen, müsste ich wohl oder übel zu Windows wechseln, denn ich brauche Adobe CS und nutze einige andere Programme, z.B. Capture One Pro, die es im App Store nicht gibt, auf die ich aber nicht verzichten möchte oder kann. Bitte also keine vorschnellen Vorurteile verbreiten, die hochgradig unwahrscheinlich sind. Das hat mit Objektivität nicht viel zu tun.

Objektivität scheint ohnehin nicht Sache der Apple-Basher zu sein. Grundsätzlich wird alles aus dem Hause Apple von vornherein als überteuerter Mist abgelehnt. Ich denke, dass da die als Fan-Boys beschriebene Apple-Gemeinde dem Computer-Hersteller aus Cupertino bedeutend kritischer und objektiver gegenüber steht. Allerdings macht es eine objektive und kritische Diskussion unmöglich, wenn man als grundsätzlich zugeneigter Anwender aus der Bashing-Ecke generell als Vollidiot abgestempelt wird.

Und – heh! – wenn es tatsächlich am Mac soweit kommt, dass alle Software die ich brauche nur mehr über den App Store verfügbar ist und sich die Preise in Richtung derer der Apps für iOS entwickeln, weshalb sollte ich mir deswegen graue Haare wachsen lassen? Ich wünsche mir sogar in Zukunft Schriften über Apple einkaufen zu können. Schriften von allen Herstellern. Zu Preisen, wie für iOS-Apps (ja, Schriften kann man und sollte man kaufen, nicht stehlen).

Und keine Angst, liebe Windows-Freunde: Früher oder später würde diese Entwicklung dann auch beim Marktführer für Betriebssysteme Einzug halten. Ihr bekommt dann auch einen App Store und die Preise werden ebenso sinken.

Das letzte Wort | Wie gesagt: Das ist kein Linux-, kein Windows- und kein Android-Bashing. Das ist Bashing-Bashing. Weil es nervt, dass diese Community permanent glaubt vor meiner Haustür kehren zu müssen und dabei doch nur Mist hinterlässt (würde mich ja nicht beschweren, wenn es nach dem Kehren sauberer wäre). Kümmert euch einfach um euren eigenen Scheiß!

Nachtrag | Wer es etwas differenzierter mag, als beim Standard, kann bei Heise nachlesen: 10.8, der Partyschreck

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6 Gedanken zu „Apple-Bashing – gibt es keine interessanteren Hobbys mehr?“

  1. Wow, da ist wohl jemand richtig sauer? Kann ich allerdings nachvollziehen. Bin vor ca. einem Jahr auf Mac OS X umgezogen und stehe dabei ein paar Dingen eher kritisch gegenüber. Insgesamt habe ich den Schritt allerdings nicht bereut, weil es einfach läuft und dies ist mir am Ende wichtig. Allerdings wird meine Apple-Umgebung im Bekanntenkreis zwischenzeitlich eher zum Anlass genommen, dass ich mich als etwas besonderes fühle und dies obwohl ich ein paar Dinge nicht mag (größtes Ärgernis momentan für mich immer noch der Finder). In einem Bericht zum Thema Kameras konnte ich einmal den Satz lesen, dass bei Handwerkern niemals eine Diskussion aufkommen könnte, welcher Hammer aus dem Baumarkt X oder Y jetzt der bessere ist. Lässt sich dann wohl auch auf Apple und die anderen Welten umsetzen.

  2. Gratulation zu diesem Beitrag. Auch ich arbeite seit Mitte der 90er Jahre mit Apple-Rechnern. Und ich habe bis heute keinen einzigen Tag davon bereut. Wenn es mal Probleme gab konnte ich diese recht einfach lösen.
    Seit zwei Jahren muss ich an meinem Arbeitsplatz mit einem Windows-Rechner arbeiten. Ich kann nur sagen: Hätte ich so etwas in privatem Gebrauch, würde ich es über kurz oder lang in die Mülltonne schmeißen. Einfach immer wieder ärgerlich.
    Das mit dem App-Store sehe ich bis jetzt auch gelassen. Auch ich nutze sehr intensiv die Creative Suite und denke dass sich Adobe hier nicht das Heft aus den Fingern nehmen lässt.
    Nochmals Danke für diesen Beitrag und weiter so!

  3. Mist, ich nutze KEINEN Äpple und finde die Dinger trotzdem gut und habe HTC und Windoofs und ärgere mich auch über deren Fehler.
    Tja, und dann finde ich den Artikel trotzdem gut. Was soll ich tun? Sofort auf Apple 3.0 upgraden oder zum Windowshasser werden? oder doch lieber Apple kategorisch ablehnen? und Linux verehren? (Ich hatte schon alles!)

    Ich glaub ich mach einfach weiterhin (gute?) Bilder und mir nicht sooo viel Gedanken über das Handwerkzeug – solange es doch funktioniert. Die Kirschen im Nachbargarten sind eh IMMER süßer – und wenn ich überm Zaun bin waren es doch nur diesselben Früchtchen 🙂

  4. Super Beitrag. Mich nervt dieses Apple gebashe auch ziemlich. Ich habe ein iPhone 5 und ernte dafür fast immer dämliche Kommentare. Und das nur, weil ich das Teil aus der Tasche hole.

  5. Nach dem Markencheck auf ARD zum Thema Apple mal diesen Artikel wieder gesucht – und gefunden 🙂

    Wer ihn nicht gesehen hat – auf youtube findet man ihn – oder in der mediathek von ARD.
    RTL-Niveau lässt grüssen! :-/

    Ich bin seit Anfang der 90er Jahre Apple-User – später dann auch privat Mac-User/Besitzer. Ich hab ein iPhone und ein iPad. Das iPhone war eine Prämie meiner Firma, die ich gerne annahm. Ich habe es mir nicht zugelegt um es überall zu zeigen (wie einem ja ständig unterstellt wird) – das Gleich gilt fürs iPad – das nutze ich eigentlich nur Zuhause auf dem Sofa. Der iMac bleibt dafür oftmals aus.
    Von wegen damit in der Öffentlichkeit angeben.

    Mich nervt es auch, dass man sofort als „Jünger“ oder „Fanboy“ betitelt wird. Was soll das?
    Und den HYPE machen ja die Medien – nicht Apple selbst.

    Es ist nun mal einfach so, dass viele Apple-User vorher mit PC’s und Windows arbeiten durften/mussten – irgendwann kamen sie mit einem Apple in Berührung – probierten herum, wurden neugierig und haben sich dann für den Kauf eines Apple-Computers entschieden und fragten sich im Nachhinein, warum sie sich so lange mit Windows herumärgern mussten (so die Aussage von einigen „Konvertierten“) 😉

    Die Apple-Basher hingegen, saßen in den seltensten Fällen jemals wirklich vor einem Mac bzw. haben wirklich einen Mac getestet, ausprobiert, damit gearbeitet!!! Aber groß rum hupen was die doch für ein Schrott wären.

    Eine Freundin von mir sagte mal: „weisst du, ich mochte mein IBM Thinkpad schon, auch mein Sony Vaio – aber mein MacBook LIEBE ich!
    😉

    1. Man darf auch als Freund einer Marke niemals den Kritischen Blick verlieren. Nach allem was ich über den ARD-Markencheck gehört habe, soll er aber nicht unbedingt durch Objektivität geglänzt haben.

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