Wed, 30. Nov. 11
Autor: Markus Kategorien: Kraut & Rüben

Habt ihr euch das auch schon einmal gefragt?

Eigentlich bin ich ja gar kein Fotograf. Ich bin Grafikdesigner.

Grafikdesign hat meinen Blick auf Fotos geprägt. Ich suche immer nach Achsen, Proportionen, Harmonien und Kontrasten. Gestalterisch wichtige Parameter. Parameter, die sich nicht an Schaltern an irgendeiner Kamera einstellen lassen.

Noch viel wichtiger ist für mich als Grafiker – als Kommunikationsdesigner – aber die Botschaft, die in einem Bild steckt. Grafikdesign ist visuelle Kommunikation. Und in jedem grafischen und fotografischen Detail steckt eine Geschichte. Fotos sind voller Geschichten. Oft braucht es mehr als tausend Worte sie zu erzählen, heißt es.

Was Fotos erzählen, ist viel wichtiger, als ihre technische Brillanz in der Umsetzung. Sicher: Gute Werbung verlangt nach guten Fotos. Fotos, die auch technisch professionell umgesetzt sind. Unprofessionelle Fotos assoziieren nur einen unprofessionellen Betrieb hinter einer Werbung. Doch, abgesehen von der reinen Produktfotografie, sind technisch brillante Fotos die keine Emotionen wecken, verschwendete Farbe.

So gesehen bin ich als Fotograf ein Geschichtenerzähler und Emotionenfänger. Allerdings keiner der Geschichten erfindet und Emotionen inszeniert.

Eigentlich wäre ich der klassische Street Photographer. Nirgends begegnen einem mehr Geschichten als auf einer Straße voller Menschen. Leider bin ich zu feige und zu schüchtern Menschen mit dem Fotoapparat zu überfallen und ihnen ihre Geschichten zu klauen. Zwar schleiche ich trotzdem gelegentlich über Plätze und durch Gassen und stehle mir unbemerkt ein paar Impressionen. Aber was ich publiziere muss die Privatsphäre der Abgebildeten wahren. Wegen dieser Skrupel entgehen mir zwar dauernd wunderbare Motive. Aber man kann halt nicht aus seiner Haut. Ich bin kein Henri Cartier Bresson.

Ich funktioniere als Fotograf nach einem Zitat von Emile Zola: »Nach meiner Ansicht kann man nicht behaupten, etwas gesehen zu haben, bevor man es fotografiert hat.« Es fasziniert mich die Welt mit der Kamera aus Blickwinkeln zu sehen, aus denen ich sie selbst normalerweise nicht sehe. Blickwinkel, aus denen ich sie niemals sehen könnte, weil ich meine Augen weder auf Weitwinkel noch auf Makro stellen kann.

Also verlasse ich meine vier Wände und halte meine Augen nach Geschichten offen. Geschichten von Türklopfern, von Bäumen, die ihre Wurzeln in Treppen schlagen, verlassenen Weingläsern, fleißigen Bienen, schiefen Häusern, verwilderten Gärten, etc. Und wenn sie mir begegnen suche ich nach der passenden Perspektive (und den Dingen mit der Schärfe, der Belichtung und der Komposition, um unauffällig auch mein Buch ein bisschen ins Licht zu rücken).

Und immer suche ich nach Leuten, die meine Freude an der Fotografie teilen. Allerdings von der anderen Seite des Suchers aus gesehen.

Mein letztes Privatprojekt war ein Fotoalbum meiner Familie. Aber ich habe die Idee nach einem Shooting wieder gecancelt. Fotografieren macht mir einfach keinen Spaß, wenn die Modelle es nicht erwarten können, bis der Spaß wieder vorbei ist.

Also suche ich nach freiwilligen Opfern. Laien, die sich gerne ablichten lassen. Meist kommt dann die Frage: Was soll ich (als Modell) machen? Welche Idee hast du (lieber Fotograf)?

Keine! Die traurige Wahrheit ist: Ich habe keine Vorstellung. Ich habe keine Ideen im Kopf, die ich unbedingt fotografisch umsetzen muss. Nun ja. Manchmal schon. Aber es ist nicht mein grundsätzliches Interesse Motive zu inszenieren.

Fotografie ist für mich eine Entdeckungsreise. Ich setze die Segel und lass mich von meinen Modellen überraschen. Mich interessiert Chareaktere. Authentizität. Oder wie er oder sie sich sieht und sich selbst inszenieren will.

Ich halte mich als Fotograf gerne im Hintergrund. Beobachte und versuche im richtigen Moment einen Hauch der Wirklichkeit einzufangen. Oft habe ich den Eindruck die besten Aufnahmen entstehen dann, wenn das Modell vergisst, dass ich und meine Kamera anwesend sind. Ich versuche also unsichtbar zu werden.

Das mag an meinem Background als Typograf liegen. Als Typograf versuchst du auch nicht den Geschichten deiner Autoren deinen eigenen Stempel aufzudrücken. Du hast deinen Job dann am besten gemacht, wenn der Leser dich überhaupt nicht mehr wahrnimmt sondern sich voll auf die Geschichte konzentrieren kann.

Aber vielleicht bin ich auch Typograf weil ich bin wie ich bin. Und deshalb bin ich auch die Art Fotograf die ich bin. Es passt so gut zu meinen Lebensmottos: Der Weg ist das Ziel. Der Weg eröffnet sich beim gehen. Und: Wer kein Ziel hat kann es auch nicht verfehlen.

Und welche Art Fotograf bist du?

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Mon, 28. Nov. 11

Bildinhalt:

Die Bäume im Ried in der Umgebung sind knorrig und urig und faszinieren mich stets. Schon öfters habe ich sie fotografiert, obwohl der Hintergrund durch industrielle Gebäude, Straßen und Hochspannungsleitungen ist nicht attraktiv und ein einzelner Baum lässt sich kaum isolieren, ohne dass er mit anderen Bäumen dahinter verschmilzt. Keine gute Voraussetzungen für ein gutes Bild.

Daten:

  • Kamera: Nikon D700
  • Objektiv: AF-S VR Micro-Nikkor 105mm f/2.8G IF-ED
  • Brennweite: 105 mm
  • Blende: ƒ2.8
  • Belichtungskorrektur: –1EV

Schritte zum Bild:

  1. Perspektive | Zunächst habe ich auf horizontaler Achse nach einem Blickwinkel gesucht, der möglichst wenig Störelemente zeigt. Keine Straßenschilder und keine Hochspannungsleitungen. Ein bisschen Hochspannungsleitung war dennoch störend sichtbar. Diese Leitungen habe ich am Computer heraus retuschiert.
    Die tiefe Perspektive habe ich zunächst gewählt, weil ich gehofft habe, dadurch den Baum im Vordergrund von den Bäumen dahinter zu lösen – hätte ich näher hin gekonnt und hätte ich somit einen noch steileren Blickwinkel von unten wählen können, wären die hinteren Bäume kleiner und niedriger ausgefallen und hätten ›meinen‹ Baum nicht mehr berührt.
    Leider ließ es die Festbrennweite nicht zu näher hin zu gehen ohne zu viel vom Himmel und Umfeld zu verlieren.
    Auch wenn der tiefe Blickwinkel nicht ganz brachte, was ich erhoffte, so ist dadurch die Wiese mit in die Bildgestaltung eingeflossen. Es ergibt sich die klassische Komposition Vordergrund (Gras), Mittelgrund (Baum), Hintergrund (andere Bäume und Himmel). Die Unschärfe vorne verleiht dem Bild Leben. Vor allem aber ist es ein Blickwinkel, aus dem wir so einem Baum normalerweise nie sehen würden. Vielmehr würde wohl eine Maus die Welt sehen.
  2. Schärfe | Offenblende ƒ2.8 um die hinteren Bäume soweit als möglich unscharf zu bekommen und dadurch das Hauptmotiv doch noch etwas vom Hintergrund zu trennen.
  3. Belichtung | Belichtungskorrektur –1EV, damit der Himmel nicht überbelichtet wird und ausbricht. Belichtungskorrekturen zwischen –1/3 und –1 Lichtwert sind in der Landschaftsfotografie praktisch Standard und können unter ›normalen‹ Lichtverhältnissen meist angewendet werden.
  4. Komposition | Auch wenn der Baum dezent nach rechts geneigt ist, so ist seine eigene ›Körperhaltung‹ relativ statisch. Es ist schwer bei einem Baum eine ›Blickrichtung‹ auszumachen. Bei Motiven ohne Richtung (z.B. eine Kugel, ein Ball) ist eine zentrierte Bildkomposition ebenso ›erlaubt‹, wie eine asymmetrische (Goldener Schnitt / Drittelregel), oft ist das Einmitten sogar die harmonischere Bildkomposition.

Baum., originally uploaded by Markus Wäger.

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Fri, 25. Nov. 11

Titel kreativ fotografieren

Um noch einmal die Werbetrommel für mein Buch »Kreativ Fotografieren« zu rühren: Ich habe bereits mehrmals raus trompetet, dass es einen anderen Ansatz verfolgt Fotografie zu erklären, wie klassische Fotoschulen. Dass es vor allem auf die Zusammenhänge zwischen theoretischen Grundlagen vor dem Hintergrund praktischer Bildgestaltung eingeht. Nun möchte ich eine Grafik nachreichen, die zeigt, was der Grundgedanke und die Basis des Konzepts darstellt: Die vier Schritte zum Bild.

Fotografische Zusammenhaenge 3

Alle technischen Grundlagen stehen immer im direkten Zusammenhang mit einer der vier gestalterischen Grundparameter. Und weil sich das Eine in der Praxis nicht immer ganz klar vom Anderen trennen lässt, sondern viele Parameter zwischen sowohl bei einer gestalterischen Frage relevant sind, wie auch bei einer anderen, ist das Buch gespickt mit Querverweisen. Dazu muss nicht der Index bemüht werden, sondern die Querverweise stehen immer direkt auf der Seite.

Titel

»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
240 Seiten, in Farbe, Hardcover;
ISBN: 9783842373938;
Link zu Amazon
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Ladenpreis: 44,90 (D);
Ladenpreis E-Book: 35,99 (D)
Mehr Info und ein kostenloses Demokapitel.

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Fri, 25. Nov. 11

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Bevor wir uns konkret den Belichtungseinstellungen, der Überprüfung der Belichtung und der Belichtungskorrektur zuwenden, ­müssen wir noch das Problem der Verwackelung ansprechen.

Wenn man mit der Kamera in der Hand fotografiert, wird es ­einem nie gelingen, die Kamera absolut ruhig zu halten. Bei ausgesprochen kurzen Belichtungszeiten, im Rahmen von Hundertstel oder Tausendstel Sekunden ist das kein Problem, da die Verwackelung so gering ausfällt, dass sie im Bild nicht zu erkennen ist. Bei längeren Belichtungszeiten hingegen ist das ein Problem.

Dabei gibt es keinen fixen Wert, ab dem unter allen Bedingungen ab einer bestimmten Zeit die Gefahr zu verwackeln zunimmt. Vielmehr hängt die Zeit, die man relativ sicher aus freier Hand ohne Verwackelung belichten kann, von der Länge der Brennweite ab. Es gilt: Je länger die Brennweite, desto kürzer muss die Belichtungszeit sein, um Verwackelung zu vermeiden.

Verwackeln

Winkel der Verwickelung, lange Brennweite und kurze Brennweite.

Der Grund dafür ist relativ simpel. Man wird die Kamera nicht grundsätzlich mehr oder weniger unruhig halten, wenn man mit kurzer Brennweite ➀ oder langer Brennweite ➁ fotografiert. Allerdings wirkt sich die Stärke der Verwackelung ➂ beim engen Bildausschnitt eines Teles wesentlich deutlicher aus als beim großen Ausschnitt eines Weitwinkels.

Verwackelung Tele Verwackelung Weitwinkel

Verwickelung im engen Ausschnitt eines Teles.

Exakt dieselbe Verwickelung, doch im weiten Bildausschnitt der Weitwinkelbrennweite ist sie kaum mehr zu erkennen.

Der Kehrwert der Brennweite markiert die längste Belichtungszeit | Um zu berechnen, wie lang die längste Belichtungszeit ausfallen darf, um aus freier Hand noch relativ sicher ohne deutlich sichtbare Verwackelung belichten zu können, nimmt man als Faustregel einfach den Kehrwert der Brennweite an. Also zum Beispiel bei einer Brennweite von 50mm 1/50 ­Sekunde, bei 100mm 1/100, bei 200mm 1/200 und so weiter. Zu berücksichtigen ist dabei, dass sich die Brennweite in der Regel auf Kleinbild bezieht. Das heißt, bei einer Kamera mit Kleinbildformat kann die Faustregel 1:1 anwendet werden. Bei einer Kamera mit einem kleineren Sensorformat, muss dabei aber der Formatfaktor berücksichtigen und auf Kleinbild umrechnet werden.

Titel

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
240 Seiten, in Farbe, Hardcover;
ISBN: 9783842373938;
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Ladenpreis: 44,90 (D);
Ladenpreis E-Book: 35,99 (D)
Mehr Info und ein kostenloses Demokapitel.

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Thu, 24. Nov. 11

Nikons neues Kamera-System kommt unter anderem mit einer Funktion auf den Markt, die sich bewegter Schnappschuss nennt. Dabei wird zu einem Bild eine kurze Filmsequenz in Zeitlupe aufgenommen. Ansehen kann man sich das in einer Galerie auf der Seite von Nikon, schön kitschig aufgemacht mit noch viel kitschigerer Musik.

Im ersten Moment sieht das etwas nach nutzloser Spielerei aus. Aber dann muss ich an Harry Potter denken. Die bewegten Bilder in dessen magischem Wunderland haben absolut seinen Reiz. Und als nächstes fallen mir Videographien ein, wie Film ist Gefühl und Splittscreen, oder die Bilder von Jamie Beck und Kevin Burg oder dieses Fundstück hier.

Die Bewegung vermag den Bildern unheimliches Leben und Gefühl ein zu hauchen – ihnen eine ganz neue Dimension zu verleihen. So wie den Bildern bei Harry Potter. Auch ohne kitschige Musik.

Mir fehlt da nur mehr die Software, die in der Lage ist aus einem Schnappschuss einen Loop zu machen. Der in einem Foto ewig Haare wehen lässt. In der Zeit digitaler Bilderrahmen, Smartphones und von Tablett Computern scheint mir der Gedanke gar nicht so abwegig. Nikons bewegter Schnappschuss mag der erste Schritt auf einem neuen, spannenden Weg sein.

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