3.3. Ziel der Belichtungsautomatik: Zone 5

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Der Durchschnittswert der Helligkeit eines durchschnittlichen ­Bildes liegt bei einem mittleren Tonwert von etwa 50% (bezogen auf das ausgedruckte Bild sind: 0% Tonwert = Weiß; 100% Tonwert = Schwarz). Für die Abbildungen unten habe ich vier Bilder ausgesucht und mit ­Hilfe des Filters ›Durchschnitt berechnen‹ in Adobe Photoshop bearbeitet. Farblich unterscheiden sich die Resultate, doch die Helligkeit liegt bei allen im Bereich zwischen knapp 50% und 60%.

Tonwert 49 Prozent
Der Mittelwert dieses Bildes ergibt ein Beige-Grau mit einem Tonwert von 49%.
Tonwert 58 Prozent 1
Durchschnittlicher Tonwert: 58%.
Tonwert 58 Prozent 2
Durchschnittlicher Tonwert: 58%.
Tonwert 60 Prozent
Tonwert: 60%.

Auch die Belichtungsautomatik Ihrer Kamera weiß, dass das Gros der Motive optimal belichtet ausfällt, wenn sie die Einstellungen für Blende, ISO-Empfindlichkeit und Belichtungszeit so wählt, dass das Ergebnis einer ungefähren Durchschnittshelligkeit von 50%  entspricht. Da die meisten Motive mehr oder weniger dieser Regel ­entsprechen, werden so die meisten Aufnahmen mehr oder weniger optimal belichtet ausfallen.

Optimale Belichtung ist aber nicht immer richtig | Fotografiert man ein Motiv, das deutlich von der Durchschnittshelligkeits-Regel abweicht, sind die Ergebnisse der automatischen Belichtung meist nicht zu­frieden stellend.

Das Bild der weißgrauen Möwe vor weißgrauem Himmel weicht sehr deutlich von der Durchschnittshelligkeits-Regel ab. Mit Belichtungsautomatik fotografiert fällt das Resultat aber viel zu ­dunkel (unterbelichtet) aus. Die Kamera erzeugt ein Bild mit einem durchschnittlichen Tonwert von 53 % betragen (mittlere Helligkeit).

High key Motiv mit mittlerer Belichtung
Helle Motive werden von der Belichtungsautomatik zu dunkel belichtet.

In diesem Fall konnte ich das Bild mittels Nachbearbeitung am Computer so entwickeln, wie es etwa der Stimmung vor Ort entspricht. Wenn ich davon den Durchschnittswert ermittle, komme ich auf 7%.

Hight key hell belichtet
Der Fotograf muss manuell eingreifen und das Bild bewusst deutlich heller belichten, als es die Belichtungsautomatik vorwählt.

Nicht jedes Motiv erlaubt eine Fehlbelichtung am Computer ­komplett zu korrigieren. Außerdem halte ich es ohnehin für besser, Bilder bereits bei der Aufnahme optimal einzufangen, um nicht mehr Zeit mit Nachbearbeitung als mit Fotografieren verbringen zu ­müssen. Für die Stimmung in der folgenden Abbildung musste ich deutlich dunkler belichten, als die Automatik der Kamera es getan hätte. Wenn ich dafür den Mittelwert berechne, komme ich auf 92%.

Low key Aufnahme korrekt belichtet
Um diese Stimmung einfangen zu können, musste ich die Belichtungsautomatik korrigieren und unterbelichten.

Würde die Belichtungsautomatik versuchen auch für diese ­Szene eine mittlere Helligkeit zu erreichen, würde das Resultat wohl etwa aus­sehen wie die Abbildung.

Low key motiv mittels Belichtungsautomatik
Das ›Schweißer im Dunkeln‹-Motiv auf mittlere Helligkeit belichtet, wie es die Belichtungsautomatik etwa machen würde.

Kameraautomatiken arbeiten unglaublich schnell und präzise. Aber sie sind auch dumm. Intelligenz, Wissen, Erfahrung und Kreativität des Fotografen sind gefordert, um auch bei ­Szenen, die nicht dem Durchschnitt entsprechen, zu überdurchschnittlichen Resultaten zu gelangen.

Motivprogramme | Man kann allerdings auch die komplexen elektronischen Programme moderner Digitalkameras mit der ­tatsächlich intelligenten Motiverkennung des Fotografen verbinden, und zwar, ­indem man Motivprogramme nützt.

So gut wie alle ­Kompaktkameras und DSLR- oder Systemkameras für Einsteiger und Consumer bieten solche Programme – bei Profi-DSLRs wird man sie hingegen eher ­selten finden. Mit einem Programm für Strand und Schnee sage ich der Kamera »Liebe ­Kamera, vor deiner Linse befindet sich ein Motiv, das heller ist als ›Durchschnittsmotive‹«. Die Kamera ist somit seelisch vorbereitet und wird das Motiv heller belichten, als auf mittlere Helligkeit – ­sagen wir einmal Zone 7, oder Zone 6, statt Zone 5. Das heißt, diese Einstellung funktioniert natürlich nicht nur für Schnee und Strand, sondern sie sollte in jeder ­besonders hellen Situation besser belichtete Ergebnisse liefern, als wenn Sie mit der Normaleinstellung fotografieren.

Motivprogramme
Icons verschiedener Motivprogramme

Umgekehrt gehen Motivprogramme, wie Sonnenuntergang, Nachtaufnahme und Kerzenlicht von einem dunklen Motiv aus und berechnen die Belichtung so, dass das Ergebnis angemessener ausfällt als bei der regulären Belichtungsautomatik.

Motivprogramme beeinflussen nicht nur die Belichtung alleine. Wenn Sie ein Programm wie Kinder oder Tiere wählen, wird die Kamera versuchen möglichst kurze Belichtungszeiten einzustellen, damit auch herum tollende Geschöpfe eingefroren werden. Motivprogramme für Porträts können so programmiert sein, dass sie für eine geringe Schärfentiefe sorgen, um das Modell freizustellen, und eventuell auch die Farbeinstellung so angleichen, dass Hauttöne möglichst natürlich abgebildet werden. Und dann gibt es noch ­Programme, die das Auslösen des Blitzes mit beeinflussen, wie ›Nacht-Porträt‹.

Man kann Motivprogramme als ersten Schritt von der Vollautomatik zur kreativen Fotografie betrachten.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
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